Jubilate 2021

  • Eröffnung

„JUBILATE – JAUCHZET“ – der Name des Sonntags ist der Beginn von
Psalm 66. Lassen Sie sich trotz allem, was das Herz schwer macht, hinein nehmen in den österlichen Lob- und Dankpsalm und die Bitte:
Gott, gib uns Freude ins Herz und Hoffnung und Mut. Das brauchen wir von dir. Heute und jeden Tag. Amen.

  • Lied: Die ganze Welt, Herr Jesu Christ (EG 110)
Quelle für die Audiodatei: http://www.eingesungen.de/

Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja,
in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.

Das himmlisch Heer im Himmel singt, Halleluja, Halleluja,
die Christenheit auf Erden klingt. Halleluja, Halleluja.

Jetzt grünet, was nur grünen kann, Halleluja, Halleluja,
die Bäum zu blühen fangen an. Halleluja, Halleluja.

Es singen jetzt die Vögel all, Halleluja, Halleluja,
jetzt singt und klingt die Nachtigall. Halleluja, Halleluja.

Der Sonnenschein kommt jetzt herein, Halleluja, Halleluja,
und gibt der Welt ein` neuen Schein. Halleluja, Halleluja.

  • Worte aus Psalm 66

Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir,
lobsinge deinem Namen.
Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom;
dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,
seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.
Lobet, ihr Völker, unsern Gott,
lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsere Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.

  • Text: Apostelgeschichte 17,22-28a

Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach:
Ihr Männer von Athen, ich sehe,
dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.
Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen
und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben:
Dem unbekannten Gott.
Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.
Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist,
er, der Herr des Himmels und der Erde,
wohnt nicht in Tempeln, die von Händen gemacht sind.
Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen
wie einer, der etwas nötig hätte,
da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.
Und er hat aus einem Menschen
das ganze Menschengeschlecht gemacht,
damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen,
und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen
und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen,
ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten;
und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
Denn in ihm leben, weben und sind wir.

  • Gedanken zum Text

Paulus ist unterwegs in Athen. Nach seiner Ankunft geht er offensichtlich nicht zuerst zum bekanntesten Platz, dem Areopag.
Er durchstreift die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten. Er entdeckt die Tempel mit ihren Altären, die den verschiedenen Göttern geweiht sind.
In einem Tempel entdeckt er den Altar, der dem unbekannten Gott geweiht ist. Und der wird für Paulus der Anknüpfungspunkt für seine Botschaft, die den Athenern absolut fremd vorkommen muss.
Dem unbekannten Gott! Könnte der Altar nicht auch bei uns stehen?
Gott, ein Unbekannter? Manche sagen: Glauben – das ist nichts für mich. Ich halte mich an die Fakten.
Andere sagen: Irgendwie glaube ich schon an einen Gott, eine höhere Macht eben. Aber diese Geschichten in der Bibel und die Glaubenssätze damit kann ich einfach nichts anfangen.
… dem unbekannten Gott …
Paulus sieht seine Zuhörer vor sich und ihre zum Teil erwartungsvollen Gesichter. Was soll er ihnen sagen? Wie soll er sie erreichen?
Und er beginnt mit einer eigenen Erfahrung, die wir vielleicht auch gemacht haben. Der Erfahrung, dass unser Leben ein Geschenk ist,
und das wir darin nicht alles selbst bestimmen und erreichen können.
Dieser Gott, den ihr nicht kennt, sagt Paulus, ist der Schöpfer von allem, was ist. Er gibt uns Raum für das Leben und er setzt ihm Grenzen.
Ihm müssen wir keine Opfer bringen, ihm müssen wir nicht dienen.
Aber er hat uns die Möglichkeit gegeben, ihn zu suchen und zu finden.
Denn in ihm leben, weben und sind wir!
So erklärt Paulus wer der unbekannte Gott ist. Kann es auch uns in den Momenten wo wir das Gefühl haben, Gott nicht zu kennen, helfen?
Wenn wir die Pandemie in unserem Land und vielen Ländern und das daraus erwachsene Leid sehen, können Zweifel kommen.
Dem unbekannten Gott!
Martin Luther hat diesen Gott, der Leben schafft und begrenzt, den „verborgenen“ Gott genannt. Dieser Gott, sagt Luther, bleibt in seiner Allmacht uns Menschen tatsächlich unzugänglich. Weiter über ihn nachzudenken, ist zwecklos. Der Versuch, ihn zu verstehen, treibt in die Verzweiflung.
Deshalb hat sich Luther ganz und gar an den Gott gehalten, von dem er mehr wissen konnte. Er hat ihn den „offenbarten“ Gott genannt. Den Gott, der Mensch geworden ist, damit Menschen ihn verstehen können.
Deshalb waren die biblische Geschichte und Glaubenssätze von Jesus für Luther keine Zumutung, sondern eine Erlösung. Aus dem, was Jesus getan und gesagt hat, konnte er lesen: Hier geht es nicht um den unbekannten Gott. Hier wird deutlich, wer Gott ist. Der Gott, den Jesus zeigt, ist kein allmächtiger Schicksalsgott, der über allem thront. Er ist der Gott, der sich wie ein guter Hirte um jedes einzelne seiner Schafe sorgt. Er geht denen nach, die am Rande stehen, denen, die ihr Leben nicht im Griff haben. Aber er ist auch da wo gehofft wird, gegen die Erfahrung, er ist da, wo gefeiert und gesungen wird.
Und er ist da, wo Menschen leiden. Gott ist kein mitleidloses Schicksal.
Es ist ihm nicht egal, was wir tun und was wir erleiden. Er liebt und leidet mit uns. Deshalb steht auf unserem Altar auch nicht „Dem unbekannten Gott“ sondern es ist das Kreuz, an dem Jesus gelitten hat. Es sagt uns auch: Er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
In ihm leben, weben und sind wir. Darauf vertrauen wir.
Amen.

  • Gebet miteinander und füreinander

Schau vom Himmel, Gott. Und hilf.

Schau auf alle,
die sich nicht einschüchtern lassen von der Gewalt der Mächtigen
in Weißrussland, in Myanmar und vielen weiteren Ländern.
Gib ihnen den Mut zu widerstehen.
Gib ihnen Klugheit, um zu überleben.

Schau auf alle,
die sich von Gerechtigkeit anstecken lassen.
Und von Mut. Und von Liebe.

Schau auf die, die immun sind gegen Hassparolen.
Die ein großes Herz haben. Die Toleranz üben.
In den Schulen. In den Betrieben.
In den sozialen Netzwerken.
Halte sie gesund.

Schau auf alle, die nicht müde werden, Güte zu verbreiten.
Die misshandelten Kindern beistehen.
Oder geflüchteten Menschen.

Schau auf alle, die an Sterbebetten sitzen und ausharren.
Stärke ihre Seelen.

Amen.

Vaterunser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott sei uns gnädig und segne uns.
Er lasse uns sein Antlitz leuchten.
Gott sei uns gnädig und alle Welt fürchte ihn.
Amen.

(Lektorin Gudrun Naumann)

Miserikordias Domini 2021

  • Eröffnung

Christus spricht im Evangelium nach Johannes: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. Christus hütet uns, vor dem Unheil dieser Welt und darüber hinaus. Mit dieser österlichen Botschaft fragen wir nach und beten und singen wir für unser Vertrauen in Gott. Amen.

  • Ein Lied und ein Psalm: EG 274 „Der Herr ist mein getreuer Hirt“ (nach Psalm 23)

1) Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute,
darin mir gar nicht mangeln wird jemals an einem Gute.
Er weidet mich ohn Unterlass, da aufwächst das wohl schmeckend Gras
seines heilsamen Wortes.

2) Zum reinen Wasser er mich weist, das mich erquickt so gute,
das ist sein werter Heilger Geist, der mich macht wohlgemute;
er führet mich auf rechter Straß in seim Gebot ohn Unterlass
um seines Namens willen.

3) Ob ich wandert im finstern Tal, fürcht ich doch kein Unglücke
in Leid, Verfolgung und Trübsal, in dieser Welte Tücke:
Denn du bist bei mir stetiglich, dein Stab und Stecken trösten mich,
auf dein Wort ich mich lasse.

4) Du b’reitest vor mir einen Tisch vor mein‘ Feind‘ allenthalben,
machst mein Herz unverzaget frisch; mein Haupt tust du mir salben
mit deinem Geist, der Freuden Öl, und schenkest voll ein meiner Seel
deiner geistlichen Freuden.

5) Gutes und viel Barmherzigkeit folgen mir nach im Leben,
und ich werd bleiben allezeit im Haus des Herren eben
auf Erd in der christlichen G’mein, und nach dem Tode werd ich sein
bei Christus, meinem Herren.

  • Ein Wort des Propheten Hesekiel im 34. Kapitel

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

  • Ein Hirte der Gerechtigkeit – Gedanken zu Hesekiel

„In immer neuen Anläufen kreist das Buch Hesekiel um ein und dasselbe Thema, die Zerstörung und den Untergang der judäischen Monarchie.“ Diese kurze Zusammenfassung des Theologen Reinhard G. Kratz ordnet das Geschehen ein. Nach einer gesellschaftlichen und politischen Katastrophe wird Gott dafür sorgen, dass die zerstreuten Israeliten wieder zusammengeführt, die Ordnung und das Recht wieder hergestellt und der Tempel und die Städte wieder aufgebaut werden. Eines der Bilder, in denen Hesekiel dieses Geschehen fasst, ist das des (ungetreuen) Hirten und seiner Herde. Gott verspricht hingegen als rechter Hirte: Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.
Aber passt das Bild noch für unsere Zeit? Dass momentan Unordnung, Verunsicherung und Angst die Gemüter und Nachrichten beherrschen, liegt einerseits klar auf der Hand. Aber ist es andererseits nicht die Aufgabe aller Menschen, dafür zu sorgen, wieder Ruhe und Ordnung herzustellen? Schließlich leben wir nicht in einer Monarchie, wie sie Reinhard G. Kratz für die Zeit des Propheten beschreibt. Oder anders gesagt: Heute leben wir nicht wie Schafe, die von einem Hirten gelenkt und gehütet werden. Jede und jeder ist dazu aufgerufen auf seinem Platz und nach seinem Vermögen für ein gutes Zusammenleben zu sorgen. Auch wenn die Möglichkeiten beschränkt sind. Das hat ja seinen guten Grund darin, dass bestenfalls keine und keiner – wie mächtig sie oder er auch sei – nach Gutdünken herrschen kann. Jede und jeder ist dazu aufgerufen mal Hirte und mal Schaf zu sein.
Dennoch glaube ich, dass das Bild seine Berechtigung hat. Ich brauche Vertrauen, um gut leben zu können, so wie ich Essen und ein Dach über den Kopf brauche. Ich muss der Politik vertrauen können so wie ich meiner Zahnärztin vertraue, meinem Partner oder meinen Eltern. In dem Moment, wo ich auf dem Zahnarztstuhl sitze, mein intimes Zusammenleben gestalte oder schlicht auf die Welt komme, brauche ich dieses Vertrauen. Es wäre eine grauenhafte Welt, in der ich nichts und niemandem vertrauen könnte. Schaf sein zu dürfen aus Vertrauen ist (über)lebenswichtig.
Im Glauben hat das Vertrauen ein besonderes Gewicht. Vertrauen kann in dieser Welt verloren gehen. In unserem Glauben wenden wir uns aber an den Schöpfer des Himmels und der Erde. Gott ist den Wechselfällen des Lebens nicht unterworfen. Gott ist ewig. Er lässt sich nicht bestechen, er wird nicht müde, er hält fest an seiner Liebe.
Ja, mitunter fällt es mir schwer an diesem Glauben festzuhalten. Mein Vertrauen ist erschüttert, weil ich sehe, wie sehr es an Gerechtigkeit und Liebe in dieser Welt fehlt. Dann ist es gut, mich daran zu erinnern, dass Gott über den Dingen der Welt steht. Mich daran zu erinnern, dass es – hoffentlich – in dieser Welt etwas gibt, dass mir neue Kraft zum Vertrauen gibt: eine geschickte Zahnärztin, ein geliebter Partner, ein treu sorgender Vater in dieser Welt – und im Himmel einen Hirten der Gerechtigkeit. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott im Himmel,
du hast uns Jesus Christus gesandt,
den Auferstandenen, den guten Hirten:
In seinem Namen bitten wir um Vertrauen,

in unsere Stärke,
dass wir für ein gutes Zusammenleben
sorgen können, in unseren Häusern, in unserer Stadt,
in unserem Land und auf der ganzen Welt;

in unseren Gerechtigkeitssinn, der uns sagt
dass es nicht sein kann, dass einer im Überfluss lebt,
und eine andere kein Essen für ihr Kind hat;

in unsere Vernunft, die uns sagt,
dass wir sorgsam umgehen mit deinen Gaben
von denen alle Menschen leben;

in unsere Sanftmut, die uns lehrt,
für Frieden einzustehn und laut zu sagen,
dass kein Mensch im Krieg sterben soll;

in unseren Glauben,
der dein Wort weiterträgt in Nächstenliebe,
der durch dein gutes Wort uns Freude schenkt;

in unserer Liebe,
die keinen Menschen vergisst,
übersieht oder ignoriert, der Liebe braucht.

Gott im Himmel,
du hast uns Jesus Christus gesandt,
den Auferstandenen, den guten Hirten.
Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Quasimodogeniti 2021

  • Eröffnung

In dieser österlichen Zeit ist uns der Auferstandene näher als wir denken. Gerade auch in diesen Zeiten, in denen der Glaube schwer fällt und der Nächste fern scheint. Der Glaube an die Nähe Jesu kommt von Gott. Darum bitten wir und dafür danken wir. Amen.

  • Ein Lied: „Mit Freuden zart zu dieser Fahrt“ (EG 108)
  1. Mit Freuden zart zu dieser Fahrt / laßt uns zugleich fröhlich singen, / beid, groß und klein, von Herzen rein / mit hellem Ton frei erklingen. / Das ewig Heil wird uns zuteil, / denn Jesus Christ erstanden ist, / welchs er läßt reichlich verkünden.
  2. Er ist der Erst, der stark und fest / all unsre Feind hat bezwungen / und durch den Tod als wahrer Gott / zum neuen Leben gedrungen, / auch seiner Schar verheißen klar / durch sein rein Wort, zur Himmelspfort / desgleichen Sieg zu erlangen.
  3. Singt Lob und Dank mit freiem Klang / unserm Herrn zu allen Zeiten / und tut sein Ehr je mehr und mehr / mit Wort und Tat weit ausbreiten: / so wird er uns aus Lieb und Gunst / nach unserm Tod, frei aller Not, / zur ewgen Freude geleiten.
  • Worte aus Psalm 116

Das ist mir lieb,
dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.
Denn er neigte sein Ohr zu mir;
darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
Stricke des Todes hatten mich umfangen, /
des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;
ich kam in Jammer und Not.
Aber ich rief an den Namen des Herrn:
Ach, Herr, errette mich!
Der Herr ist gnädig und gerecht,
und unser Gott ist barmherzig.
Der Herr behütet die Unmündigen;
wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;
denn der Herr tut dir Gutes.
Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Ich werde wandeln vor dem Herrn
im Lande der Lebendigen.

  • Evangelium nach Johannes im 21. Kapitel

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.
Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.
Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.
Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.
Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.
Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

  • Stimme des Herrn – Gedanken zum Evangelium

Die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Sie hören seine Stimme. Das Morgenlicht erstrahlt. Sie fischen und machen einen großen Fang. Sie fahren zu ihm ans Land. Petrus schwimmt ihm sogar entgegen. Sie sitzen am Feuer und essen Brot und Fisch. Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr.

Auf seine Stimme hin fährt Petrus noch einmal hinaus. Im Johannesevangelium wird die Geschichte vom Menschenfischer Simon Petrus erst am Ende erzählt. Zum guten Ende. Die Jüngerinnen und Jünger sollen die gute Botschaft in die Welt tragen. Die auffällige Zahl 153 ist ein Hinweis darauf. Ihre rechnerischen Eigentümlichkeiten kannten schon die antiken Mathematiker. Im Buch des Propheten Ezechiel wird ebenfalls vom Fischfang erzählt. Von En-Gedi bis En-Eglajim werden Fischer am Ufer des Meeres stehen und ihre Netze zum Trocknen ausbreiten. Alle Arten von Fischen wird es geben, so zahlreich wie die Fische im großen Meer. (Ezechiel 47,10) Der Ortsname En-Eglajim ist zugleich das Zahlwort für die 153. Das volle Netz zur Rechten des Bootes repräsentiert die alle Arten umfassende Gemeinde Christi in der Welt. Ängstliche und zuversichtliche, starke und schwache, liebevolle und verbitterte, vertrauensvolle und zweifelnde Fische.

Kann ich die Stimme Jesu heute hören? Wer weist mich jetzt darauf hin? Welche Stimmen stellt mir Gott in dieser Stunde zur Seite? Ein Anruf von Station. Ein Patientin liegt im Sterben. Trotz des Besuchsverbotes dürfen ihr Ehemann und ihr Sohn sich verabschieden. Letzterer macht sich Sorgen, wie es mit seinem Vater weiter gehen wird. Sie sind doch schon so lange zusammen. Wir sitzen am Bett. Sie atmet ruhig mit geschlossenen Augen. Ihr Mann betet leise und streicht sanft seinem Sohn übers Haar. Ist es der Herr? Ich höre seine Stimme.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott, wir bitten dich um deine Stimme für diese Welt.
Gewalt und Mißgunst sind überlaut.
Es fehlt an Orientierung und Zuversicht.
Im Großen wie im Kleinen.
Deine Stimme rühre die Herzen und leite den Verstand.

Gott, wir bitten dich um deine Stimme für unsere christliche Gemeinde.
Fragen und Zweifel scheinen stärker
als Vertrauen und Hoffnung.
Im Großen wie im Kleinen.
Deine Stimme eröffne unser demütiges Gebet und unseren fröhlichen Gesang.

Gott, wir bitten dich um deine Stimme
für unsere Trauer und Angst.
Große Verluste im Leben machen uns zu schaffen.
Im Großen wie im Kleinen.
Deine Stimme gebe uns Liebe und helfende Hände und Worte.

Darum beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Ostersonntag 2021

  • Eröffnung

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Mit dem Aufgang der Sonne läuft der Jubelruf der Christenheit um die Welt. Jesus Christus lebt. Gott erweist seine Macht, die stärker ist als der Tod.

  • Ein Lied: „Christ ist erstanden“ (EG 99)

Christ ist erstanden
von der Marter alle.
Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden,
so wär die Welt vergangen.
Seit dass er erstanden ist,
so freut sich alles, was da ist.
Kyrieleis.

Halleluja,
Halleluja,
Halleluja.
Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

  • Die Frohe Botschaft: Lukas 24,1-11

Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Und als sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer in glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war und sprach: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. Und sie gedachten an seine Worte. Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den Elf und allen andern Jüngern. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln. Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.

  • Und verkündigten das – Gedanken zur Frohen Botschaft

Freude und Dankbarkeit muss geteilt werden! Die Frauen am leeren Grab Jesu gehen deshalb zu den Aposteln, um die frohe Botschaft weiterzugeben. Von Angesicht zu Angesicht. Es ist kaum vorstellbar, dass die Frauen dabei ruhig geblieben sind. Aufgeregte Stimmen, erschütterte Seelen, denn damit haben sie nicht gerechnet. Der Stein ist weggewälzt, das Grab ist leer. Keiner hat damit gerechnet. Keiner kann das für sich behalten.
Ebenso geht es der Prophetin Mirjam in der Geschichte der Befreiuung der Israeliten nach der gelungenen Flucht vor dem Heer des Pharaos: „Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.“ (2. Mose 15,20f.)
Ihr Singen und Musizieren und Tanzen macht es augenscheinlich. Wer von einer großen Freude ergriffen ist, trägt die Botschaft nicht nur in Worten mit sich sondern mit dem ganzen Körper. Die Seele schwingt von Kopf bis Fuß.

Liebe Leserinnen und Leser,
über ein Jahr schon können wir diese Freude – mehr oder weniger – nicht miteinander teilen. Deshalb erreicht sie nun diese Osterandacht in schriftlicher Form. Mir fehlt das Schwingen des Bodens bei den tiefen Tönen der Orgel, mir fehlt der gemeinsame Gesang und das Sprechen des Vaterunsers. Ich höre auf die Stimmen der Menschen um mich und stimme mich auf sie ein. Rhythmus und Klang der Worte, die so viele Glaubende schon gesprochen haben. Mir fehlt das Heilige Abendmahl, in dem wir mit Christus und untereinander verbunden den tiefen Frieden Gottes miteinander teilen können.
Die Distanz geht – ebenso wie die Freude – an die Seele. Nur nach Tanzen ist mir dabei nicht zu Mute. Dennoch: Ich mag nicht sein wie die mißmutigen Apostel, die die Freude der Frauen als Geschwätz abtun. Mag sein, dass sie das kaum glauben können. Mag sein, dass ich noch nicht sehen kann, wann wir wieder zusammen Gottesdienst feiern werden. Aber ich glaube daran mit ganzer Seele. Darauf freue ich mich. Denn der Herr ist auferstanden. Ja! Wahrhaftig auferstanden. Hallelujah!

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Himmlischer Vater,
die Situation steht uns klar vor Augen.
Auch dieses Ostern können wir nicht so feiern,
wie wir es gerne möchten.
Deshalb bitten wir dich,
um Geduld und Duldsamkeit, auch diese Tage nach deinem Willen zu leben,
um Energie und Leidenschaft, um miteinander nach Hilfe und Lösungen zu suchen,
um Glauben und Zuversicht, dass du uns trägst, wo und wie wir auch heute diese Tage erleben,
um Liebe und Kraft, um für unseren Nächsten da zu sein,
um Einsicht und Mitgefühl, um das, was wir können, klug umzusetzen,
und um Mut und Hoffnung, wo wir an unsere Grenzen stoßen.
Diese Tage machen uns deutlich, wie sehr wir angewiesen sind,
auf dich, Gott, auf deine Schöpfung und unsere Mitmenschen.
Stärke uns in diesen Gedanken und mehre unsere Freude und Dankbarkeit.
Amen.

  • Ein Segenswort

Durch deine Macht, Gott,
hast du Jesu Kreuz
zum Baum des Lebens verwandelt.
Durch deine Macht, Gott,
verwandelst du unsere Angst in Zuversicht,
unsere Lähmung in neuen Mut.
So wird unser Leben zu einem Gleichnis
für die Auferstehung vom Tod zum Leben.

Segne unseren Baum des Lebens,
damit das tote Holz anfängt
Knospen zu treiben und zu blühen!
(Hanna Strack)

(Pfr. Olaf Wisch)

Video-Andacht zu Karsamstag 2021

  • Gedanken zum Karsamstag

Ich grüße Sie aus der Lutherkirche, am stillen Karsamstag.
Karfreitag ist vorbei. Ostern steht noch aus.
Wir stehen zwischen den Tagen der Trauer und der Freude.
Noch ist der Stein vor dem Grab Jesu.

So erzählt es das Matthäusevangelium
was nach dem Tod Jesu geschah:

Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm den geben. Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon.

Karsamstag bleibt das Grab so, wie es am Tag zuvor hergerichtet wurde. Heute bleibt schlichtweg nichts mehr zu tun. Karsamstag ist eine Zeit des Wartens. Ein Zeit grauer Wehmut. Der polnische Dichter Miron Bialoszewski fasst den grauen Tag in eine graue Frage.

Graue Fragen

Alles Weiße ist smaragdgrün vergraut:
das weiße Papier mit den Bechern auf dem Tisch
eine Ecke des Bettzeugs
die Teekanne.

Welcher Glast
verdunkelt mein Fenster?

Was gibt es Neues
heut
unten in der Stadt?

Welcher Tag der Schöpfung ist es
und welcher Menschen?

(Miron Bialoszewski, übersetzt von Dagmara Kraus und hrg. von Henk Proeme, in: M’ironien. Gedichte und Prosa, roughbooks 054, Strasbourg, Oegstgeest und Schupfart, April 2021, S. 23)

Es ist bedrückend. Dieses Warten. Die offenen Fragen. Ausgang ungewiss. Der Ostermorgen steht noch aus. Noch ist der Stein vor Jesu Grab.

Diesen Stein hier habe ich vor einigen Jahren von der schwedischen Schärenküste mitgebracht. Ich habe ihn einige 100 Meter vom Strand bis zum Parkplatz getragen. Ich kann ihn gut heben, aber er wurde schwerer je länger ich ihn trug. Er ist beweglich, aber ich brauchte ausreichend Kraft, um ihn mitzunehmen.
Gottes Kraft ist groß genug, um den Stein vor dem Grab wegzuwälzen.
Darauf hoffe ich.

So segne uns Gott, er segne unsere Trauer, unser Warten, er segne den morgigen Tag, er segne den Ostermorgen.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Karfreitag 2021

Diesen Beitrag gibt es auch als Audio:

  • Eröffnung

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16) Deshalb leidet Gott mit uns. Das wollen wir bedenken.
Amen.

  • Aus Psalm 22

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Aber du bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und
wurden nicht zuschanden.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
»Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus
und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«
Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen;
du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.
Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an,
du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, /
alle meine Gebeine haben sich zertrennt;
mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.
Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, /
und meine Zunge klebt mir am Gaumen,
und du legst mich in des Todes Staub.
Ich kann alle meine Gebeine zählen;
sie aber schauen zu und weiden sich an mir.
Sie teilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los um mein Gewand.

  • Ein Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85)

O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron, o Haupt,
sonst schön gezieret
mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret:
gegrüßet seist du mir!

  • Evangelium nach Johannes 19,16-30

Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Ps 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

Rembrandt: „Kreuzigung“
  • Gedanken zum Bild

Die „Kreuzigung“ von dem holländischen Maler Rembrandt Harmenszoon van Rijn, genannt Rembrandt, gezeichnet mit der Feder und laviert, zwischen 1645 und 1653 entstanden, 24,7 cm x 21,1 cm groß, aufbewahrt in der Grafischen Sammlung im Nationalmuseum in Stockholm. Das sind die Fakten. Ich sehe:
Zwischen Fels und Stadt erhebt sich das Kreuz.
Sein Kopf ist tief zwischen seine Schultern gesunken. Alles ist verzerrt an ihm.
Sie umklammert den Kreuzesstamm und gibt sich hin mit Leib und Seele. Ihm so nah wie möglich.
Sie sind verzweifelt, resigniert und todtraurig und sind dennoch entschlossen, bei ihm zu bleiben. Bis zum Schluss. Ihm die letzte Ehre zu erweisen.
Er weiß es besser, er weiß, was zu Gott gehört und was zur Menschheit. So offensichtlich ist das. Der da ist kein Gott.
Er ist gehorsam seiner Truppe. Soldat, kümmere dich nicht um die Gesichter, entsetzte, ängstliche, höhnische und verwirrte Gesichter. Es ist ja nicht seine erste Kreuzigung. Es ist anders als sonst mit dem da.
Sie haben sich abgewendet. Die Geschichte ist nicht gut ausgegangen. Ist das noch Zweifel, oder schon Gewissheit? Dass heute alles zu Ende ist. Was er uns bedeutet.
Zeit zu gehen oder Zeit zu würfeln? Sie sind einiges gewohnt. Sie tun es, um zu überleben. Sie wissen, dass das ihren Seelen nicht gut tut. Sie wissen nicht, was sie tun.
Die „Kreuzigung“ von Rembrandt Harmenszoon van Rijn, genannt Rembrandt, gezeichnet mit der Feder und laviert, zwischen 1645 und 1653 entstanden, 24,7 cm x 21,1 cm groß, aufbewahrt in der Grafischen Sammlung im Nationalmuseum in Stockholm. Das sind die Fakten. Ich sehe:
Christus, das Heil der Welt, am Kreuz.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott, wir bitten um
deine Güte für alle, die ihre Liebe schenken
deinen Segen für alle, die trauern
deine Sanftmut für alle, die sich verschließen
deine Freiheit für alle, die gehorsam sind
dein Vertrauen für alle, die zweifeln
deine Leidenschaft für alle, die aufgegeben haben
um dein Wort für alle, die beten.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

(Pfr. Olaf Wisch)

Palmarum 2021

  • Eröffnung

Dein König kommt in niedern Hüllen, so beginnt das Wochenlied für diesen Sonntag. Sein Königtum können wir Jesus nicht ansehn. Das sich darin die besondere Kraft Gottes entfaltet, ist der Kerngedanke des Sonntags Palmarum. Reihen wir uns also ein in den Zug der Menschen, die diesen König begrüßen.

  • Ein Lied: „Dein König kommt in niedern Hüllen“ (EG 14)

1) Dein König kommt in niedern Hüllen, ihn trägt der lastbarn Es’lin Füllen,
empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenspalmen,
bestreu den Pfad mit grünen Halmen; so ist’s dem Herren angenehm.

2) O mächt’ger Herrscher ohne Heere, gewalt’ger Kämpfer ohne Speere,
o Friedefürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren
den Weg zu deinem Throne sperren, doch du gewinnst ihn ohne Schlacht.

3) Dein Reich ist nicht von dieser Erden, doch aller Erde Reiche werden
dem, das du gründest, untertan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten
zieht deine Schar nach allen Orten der Welt hinaus und macht dir Bahn.

4) Und wo du kommst herangezogen, da ebnen sich des Meeres Wogen,
es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommst, dass auf empörter Erde
der neue Bund gestiftet werde, und schlägst in Fessel Sünd und Tod.

5) O Herr von großer Huld und Treue, o komme du auch jetzt aufs Neue
zu uns, die wir sind schwer verstört. Not ist es, dass du selbst hienieden
kommst, zu erneuen deinen Frieden, dagegen sich die Welt empört.

6) O lass dein Licht auf Erden siegen, die Macht der Finsternis erliegen
und lösch der Zwietracht Glimmen aus, dass wir, die Völker und die Thronen,
vereint als Brüder wieder wohnen in deines großen Vaters Haus.

  • Worte aus Psalm 69

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

Denn um deinetwillen trage ich Schmach,
mein Angesicht ist voller Schande.
Ich bin fremd geworden meinen Brüdern
und unbekannt den Kindern meiner Mutter;
denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen,
und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.

Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Gott, deine Hilfe schütze mich!

  • Aus dem Brief an die Hebräer, Kapitel 11 und 12

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.
Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

  • Anfänger und Vollender des Glaubens – Gedanken zum Text

Ich glaube nur an das, was ich sehe. Diesen Satz höre ich oft. Er ist anscheinend Allgemeingut im Denken vieler Menschen. Philosophisch wird diese Überzeugung Empirismus genannt. Was ich sehen, fühlen und beobachten kann, notfalls auch durch ein Mikroskop, dem lege ich eine besondere Bedeutung für das Wissen und den Wissenszuwachs bei. Insbesondere der Naturwissenschaft wird viel geglaubt. Sie punktet mit Voraussagen, die sich in zahlreichen technischen Anwendungen bewährt haben. Dass ich beispielsweise mit meinem Handy auf der ganzen Welt telefonieren kann, verdankt sich auch der allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins. Sie liefert genaue Formeln für die Bewegung in Raum und Zeit. Das ist beeindruckend und überzeugend. Ich selbst verstehe es nicht, aber es funktioniert. Deshalb glaube ich daran.
Im Hebräerbrief lese ich von einem anderen Glauben. Ein Glaube, ein Gottvertrauen, dass eben nicht auf sichtbaren Dingen beruht. „Ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Ob dieser Glaube sich bewährt, bleibt meinen Sinnen entzogen. Ich kenne keine technische Anwendung oder irgendeine Anleitung, die mir vor Augen führt, dass dieser Glauben an Gott wahr und richtig ist. Er ist nicht empirisch. Er nützt mir nichts. Zumindest nicht unmittelbar. Dennoch halte ich an ihm fest.
Aus gutem Grund. Der Hebräerbrief führt die „Wolke der Zeugen“ an. Sie umfasst die Erfahrungen jener Mütter und Väter des Glaubens, die in den Schriften des Alten und Neues Testamentes aufgeführt sind. „In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.“ Von Abraham angefangen, dem Vater des Glaubens, bis hin zu Christus, der den Zug der Glaubenden anführt. Gegen den Augenschein vertraut er Gott und geht durch Leiden und Tod. Die Menschen, die ihn bei seinem Einzug nach Jerusalem mit Palmen begrüßen, sind Zeugen diesen Glaubens.
Aber ist es nicht viel überzeugender ein Handy in der Hand zu halten als eine Bibel? Auf den ersten Blick scheint es so und diese Ansicht teilen – wie gesagt – viele Menschen. Gerade in der gegenwärtigen Krise hoffen wir auf den Erfolg und die Wahrheit naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. Aber auch diese Expertinnen streiten miteinander. Wem soll ich also letzten Endes glauben?
Ich habe eine andere Form von Erfahrung – oder philosophisch könnte ich auch sagen, eine andere Form der Empirie – kennengelernt. Im Gespräch mit Glaubensschwestern und -brüdern fühle ich eine nicht sichtbare Kraft, die diesen Menschen Hoffnung gegeben hat. Ich fühle, dass uns etwas Himmlisches miteinander verbindet. Es sind oft keine großen Geschichten. Sie taugen nicht für Ruhm und Reichtum. Damit kann ich keinen Auftritt im Fernsehen oder einen wissenschaftlichen Aufsatz bestreiten. Sie wirkt aber in einer Weise, die in mir Dankbarkeit und Zuversicht weckt. In diesem Leben und über dieses Leben hinaus. Sie weckt in mir ein Grundvertrauen, mit dem ich getrost und mutig nach Wahrheit und Hilfe suchen kann – mit dem Herzen und der Wissenschaft. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Miteinander in deiner Kraft, Gott,
teilen wir die Geduld,
auf dieser Erde,
jeder Mensch nach seinem Vermögen,
für Frieden und das Wohlergehen aller zu sorgen.

Miteinander in deiner Kraft, Gott,
teilen wir den Mut
in dieser Welt,
dem Hass und Streit, der Gier und Gedankenlosigkeit
entgegenzutreten und deine Liebe in uns weiter zu tragen.

Miteinander in deiner Kraft, Gott,
teilen wir den Glauben
in diesem Leben und darüber hinaus,
auf dich zu vertrauen und dem Kummer
und der Not für uns und unseren Nächsten zu wehren.

In deinem Glauben beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Judika 2021

  • Eröffnung

Voller Sehnsucht richten wir den Blick auf das Kreuz Jesu. Sein Leiden wird uns zum Bild für unser Leben und seine Erlösung. Amen.

  • Ein Lied: EG97 Holz auf Jesu Schulter (EG 97)

1 Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2 Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

3 Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht! Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

4 Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

5 Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du? Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

6 Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

  • Worte aus Psalm 46

Schaffe mir Recht, Gott, /
und führe meine Sache wider das treulose Volk
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich drängt?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten
und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes, /
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

  • Text aus Hiob 19,19-27

Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

  • Ich weiß, dass mein Erlöser lebt – Gedanken zu den Worten aus dem Hiobbuch

Die Holztafel hängt in einer Dorfkirche. Mein Blick fällt auf Worte, die dort in das Holz geschnitten wurden: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Darüber sind die Strahlen einer aufgehenden Sonne dargestellt. Und in den Kreis der Sonne sind viele Namen geschrieben. Namen der gefallenen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die aus diesem Dorf stammten. Die Tafel irritiert mich. Ich kann der Erinnerung an die Verstorbenen gut folgen. Das biblische Wort jedoch erscheint mir deplatziert. Wird die Hoffnung des leidenden Menschen auf Erlösung unter dem Licht der Sonne nicht missbraucht für diesen verbrecherischen Krieg? Eine weiterer Gedanke bewegt mich. Eine Familiengeschichte. Auch einer meiner Großväter hat in diesem Krieg gekämpft. Was ich darüber gehört habe, kommt den Worten des Hiobs nah. „Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon.“ Ganz ähnlich ist auch die Geschichte meines Vorfahren. Das nackte Leben hat er davongebracht und konnte wieder heimkehren. Er hatte sich geschworen, sein gerettetes Leben dem Dienst an Gott zu widmen und wurde nach dem Krieg Pfarrer. „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen.“ Meine Familiengeschichte und die Namen der Männer auf der Tafel erhalten so eine enge Verbindung. Schuld und Erlösung, Gehorsam und Rettung, Kampf und der ersehnte Frieden werden zu einem Thema.
Am Sonntag Judika bedenken wir das Leid Jesu Christi. Er übte Gehorsam bis in den Tod. Sein Bild am Kreuz steht dem Bild des leidenden Hiob gegenüber. Und dem Bild der leidenden und gestorbenen Soldaten. Der Unterschied dieser Bilder liegt in den jeweils dazugehörigen Geschichten. Jesus folgt dem Willen des Vaters. Hiob folgt einem Plan Gottes, den er nicht verstehen kann. Er weiß nur, dass sein Leid von Gott herrührt. „Die Hand Gottes hat mich getroffen!“ Das Leid der Soldaten rührt aber her von einer grausamen Politik, die nichts zu tun hat mit der Botschaft Jesu und der Sehnsucht Hiobs.
Wenn ich an den Weg Christi denke, spiegelt sich darin das Leid Hiobs und das Leid der Menschen im Krieg wieder. Das ist das Bild dieser Welt. Es ist nicht das Bild der Schöpfung. Gott führt mir vor Augen, dass die Welt oft so ist, wie sie im Gedanken der Schöpfung nicht gemeint war. Deshalb sehnt sich Hiob nach Erlösung und sehnt sich nach der Nähe Gottes, die ihm das wahre Antlitz der Schöpfung zeigt. Deshalb geht mein Großvater seinen Weg und dient viele Jahre für die Gemeinde Christi. Deshalb wird Christus das Kreuz überwinden und sich „aus dem Staub erheben“.
„Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.“ Das Leid der Welt ist noch immer nicht verschwunden. Aber die Welt ist als die gute Schöpfung auf dem Weg dahin. Das darf ich nicht vergessen, darauf will ich hoffen, daran will ich glauben. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott,
wir sehnen uns nach Frieden auf dieser Welt.
Das Leid deiner Geschöpfe wird in Kauf genommen,
um Politik zu machen.
Pflanze die Sehnsucht nach Frieden in die Herzen der Mächtigen.

Gott,
wir sehen uns nach Vertrauen in dieser Welt.
Angst und Mißgunst prägen das Miteinander,
um Ansehen zu gewinnen.
Pflanze die Sehnsucht nach Vertrauen in die Herzen deiner Gemeinde.

Gott,
wir sehen uns nach einem liebevollen und erfüllten Leben.
Durchkreuzt wird es aber durch Krankheit und Traurigkeit.
Es ist schwer, darüber hinwegzukommen.
Pflanze die Sehnsucht nach Liebe in das Herz der Verzweifelten.

Gott,
wir sehnen uns nach dir.
Wir sehnen uns nach Erlösung von den Schrecken der Welt,
die wir selbst mit verursachen.
Pflanze die Sehnsucht nach deinem Sohn Jesus Christus in unsere Herzen.

Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Lätare 2021

  • Eröffnung

Wir richten uns auf und lassen den Blick schweifen. Über das Dunkel der Welt hinaus. Voller Sehnsucht nach der Liebe und der Herrlichkeit Gottes, die uns stärken möge. In Lied und Wort, mit Gedanken und Gebet machen wir uns auf den Weg.

  • Ein Lied: „Korn, das in die Erde“ (EG 98)

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

  • Aus Psalm 84

Wie lieblich sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;
Mein Leib und Seele freuen sich
in dem lebendigen Gott.
Der Vogel hat ein Haus gefunden /
und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen –
deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.
Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;
die loben dich immerdar.
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten
und von Herzen dir nachwandeln!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, /
wird es ihnen zum Quellgrund,
und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern
und schauen den wahren Gott in Zion.
HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet;
vernimm es, Gott Jakobs!
Gott, unser Schild, schaue doch;
sieh an das Antlitz deines Gesalbten!
Denn ein Tag in deinen Vorhöfen
ist besser als sonst tausend.
Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause
als wohnen in den Zelten der Frevler.
Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; /
der HERR gibt Gnade und Ehre.
Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.
HERR Zebaoth, wohl dem Menschen,
der sich auf dich verlässt!

  • Evangelium nach Johannes 12,20-24

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus.
Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

  • Jesus zögert nicht: Gedanken zum Johannesevangelium

Das Bild ist bestechend. Wie ein toter Mensch in sein Grab wird das Weizenkorn in die Erde gelegt. Aber es zerfällt nicht wie eine Leiche. Aus dem Dunkel wächst der Keim des Korns dem Licht des Himmels wieder entgegen. Schließlich trägt die Pflanze neue Weizenkörner, dienend zur Nahrung und zur Vermehrung.
Für den Naturwissenschaftler ist das kein Wunder, aber doch ein erstaunlicher Vorgang. Das Bild sagt: Das Vergraben des Weizenkorns ist keinesfalls das Ende sondern der notwendige Beginn neuen Lebens. Jesus sagt: Das wird auch mein Weg sein. Seine Botschaft geht aber über das „Naturwunder“ hinaus. Sein „Wachstum“ aus dem Dunkel geschieht nicht zwangsläufig nach den Gesetzen der Natur sondern nach dem Willen Gottes. Jesus sagt: Der Menschensohn werde verherrlicht. Er lässt seine Menschennatur hinter sich. Er legt sie in die Erde, insofern er von Gott als der Seine erkannt und angenommen wird. Aus dem Dunkel der Erde und dem Leid der Welt findet er seinen Weg in die Herrlichkeit Gottes. Und bleibt damit nicht allein. Er bringt viel Frucht.
Mit dem Bild von der vielfältigen Frucht wendet sich Jesus direkt an jene, die nach verlässlicher Botschaft suchen. Wer kann uns Hoffnung geben, sagen die Griechen, die in diesem Landstrich fremd sind. Sie suchen in der Fremde, was sie bei sich selbst nicht finden können. Sie tasten sich heran. An Jesus. Warum gerade er, wird im Bibeltext nicht verraten. Sie wenden sich an Philippus, der aus Betsaida in Galiläa kommt. Einer, der dem Galiläer Jesus näher steht. Und dieser wendet sich wiederum an Andreas, wohl ein Jünger Jesu. So finden sie Jesus, der sie mitnimmt in sein Bild vom Weizenkorn und seine Rede von der Verherrlichung in Gott. Er gemeindet sie ein und macht sie zu Vertrauten, zur vielfältigen Frucht. Sie sind Teil der reichen Frucht seines Todes und seiner Auferstehung, die er im Bild vom Weizenkorn voraussagt.
Sonntag Lätare gewährt mir diese frohe Botschaft mitten in der Leidenszeit. Wie fremd mir die gute Botschaft auch sein mag; der Weg dahin führt über jene Menschen, denen das Wort Gottes schon näher ist. Ein Philippus, eine Andrea sind gute Wegweiser. Sie nehmen mich mit. Ich traue ihrer Erfahrung und ihrer Güte. Der Zeitpunkt jedenfalls ist günstig. Die Stunde ist gekommen. Jesus zögert nicht. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr im Himmel,
worauf warten wir?
Was lässt uns zögern?
Weise uns den Weg zu einem sanftmütigeren Leben.
Weise uns den Weg für ein vertrauensvolles Miteinander.
Weise uns den Weg zur deiner Herrlichkeit.
Mache uns zu Vertrauten deiner Botschaft.
Mache uns zu Boten deiner Herrlichkeit.
Mache uns zum Nächsten jener, die uns brauchen.
Im Namen Jesu. Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Okuli 2021

  • Eröffnung

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lk 9,62) Mit Lukas richten wir den Blick auf das Reich Gottes. Wir richten uns aus an Gottes Wort. Leidenschaftlich suchen wir miteinander nach Gottes Segen für uns und unsere Mitmenschen.
AMEN.

  • Ein Lied: „Jesu, geh voran“ (EG 391)

1) Jesu, geh voran
auf der Lebensbahn!
Und wir wollen nicht verweilen,
dir getreulich nachzueilen;
führ uns an der Hand
bis ins Vaterland.

2) Soll’s uns hart ergehn,
lass uns feste stehn
und auch in den schwersten Tagen
niemals über Lasten klagen;
denn durch Trübsal hier
geht der Weg zu dir.

3) Rühret eigner Schmerz
irgend unser Herz,
kümmert uns ein fremdes Leiden,
o so gib Geduld zu beiden;
richte unsern Sinn
auf das Ende hin.

4) Ordne unsern Gang,
Jesu, lebenslang.
Führst du uns durch rauhe Wege,
gib uns auch die nöt’ge Pflege;
tu uns nach dem Lauf
deine Türe auf.

  • Worte aus Psalm 34

Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten
und seine Ohren auf ihr Schreien.
Das Antlitz des Herrn steht wider alle, die Böses tun,
dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.
Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr
und errettet sie aus all ihrer Not.
Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,
und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
Der Gerechte muss viel leiden,
aber aus alledem hilft ihm der Herr.
Er bewahrt ihm alle seine Gebeine,
dass nicht eines von ihnen zerbrochen wird.
Den Frevler wird das Unglück töten,
und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld.
Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte,
und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

  • Worte aus Epheser 5,1-9

So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.
Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört, auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung.
Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes.
Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen.
Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

  • Gedanken zum Epheserbrief

Als ich Vater wurde, habe ich es absichtlich vermieden, einen der zahlreichen Elternratgeber zu lesen. Ich wollte mich nicht von den vielen Worten verwirren lassen, wie es am besten gelänge, meinen Kindern Geborgenheit und Selbstständigkeit zu geben. Kurz: das Gefühl zu vermitteln, ein geliebtes Kind zu sein.
Der Epheserbrief benennt die Früchte gelungener Elternschaft: Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. In der Elternschaft Gottes ist damit der Rahmen vorgegeben. Ich bin sein geliebtes Kind und aus seiner Liebe erwachsen die Eigenschaften, die ein Leben voller Licht ermöglichen. Gerne würde ich es dabei belassen. Darauf vertrauen. Danach leben.
Leider aber steht der Liebe Gottes und ihren Früchten eine Welt gegenüber, die – mit den Worten der Bibel – von Unzucht, Unreinheit und Habsucht durchsetzt ist, garniert von schändlichem Tun und närrischem oder losen Reden. Es ist leicht, all das auch in der heutigen Zeit wiederzufinden. Die Welt ist voll von sexualisierter Werbung, Missbrauch und sexistischer Pornographie. Voll von allen Arten von Unreinheit, die ein friedvolles und gesegnetes Leben beschmutzen mit Krieg, Gewalt, Konsum und einer unendlich scheinenden Menge von Worten und Bildern in den Medien. Die kaum Platz lassen für Sanftmut und Nächstenliebe. Voll von der Habsucht, die nach immer mehr verlangt, ohne je Zufriedenheit zu erreichen. Die Coronakrise ist in ihrer Frag-Würdigkeit nur ein Beispiel dafür: Habe ich mit besten Wissen und Gewissen geprüft, ob ich so denke und handle, wie es mir und der Situation angemessen ist? Kann ich mich von den Ansprüchen der Bilder und Worte frei machen und mich ernsthaft prüfen, wie ich gütig, gerecht und wahrhaft rede und handle?
Gottes Zorn scheint in dieser Welt unvermeidlich zu sein. Der Epheserbrief verrät, dass er durch den Götzendienst hervorgerufen wird, der eben in Unzucht, Unreinheit und Habsucht Gestalt gewinnt. Dagegen setzt der Apostel den gottgefälligen Wandel in Dankbarkeit, Liebe und Licht. Das Wort Wandeln deutet an, wie das gelingen kann. Ich löse mich von dem, was mich bindet an die – zugegeben – verführerischen Bilder und Worte und Dinge, und werde beweglich. Ich kann auf eigenen Füßen stehen und gehen. Ein gütiger, gerechter und wahrer Lebens-Wandel ist (wieder) möglich. Denn ich bin reich beschenkt durch die Liebe Gottes und das Licht Jesu. Die kann mir nichts und niemand nehmen. Sie sind stärker als die verführerischen Passionen der Welt.
Traue ich dem Licht und der Liebe Gottes? Das ist eine tägliche Herausforderung. Ob ich ohne Ratgeber gute Elternschaft geübt habe? Das wird sich früher oder später erweisen. Jedenfalls bin ich dankbar für die lichten und liebevollen Momente mit meinen Kindern und mit Gott.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander im Lied

Gott,
wir bitten dich um dein Licht für diese Welt,
dass an das Licht tritt, was deiner Schöpfung
zuwiderläuft, und die Wege sichtbar werden,
zu einem friedvollen und segensreichen Leben.

Gott,
wir bitten dich um deine Liebe für uns,
dass sie uns trage in unserem Reden
und in unserem Tun, und Liebe werde
im Dienst für unsere Mitmenschen.

Gott,
wir bitten dich um Dankbarkeit,
für das, was uns am Leben erhält,
was uns Nähe und Freiheit schenkt,
für dein Wort, dass unser Herz bewegt.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Reminiszere 2021

  • Eröffnung

Eine Kerze anzünden und daran denken: Gott ist bei uns.
Auch in dieser schwierigen Zeit. Sein Wort begleitet uns.
Mit dem Wochenspruch aus dem Römerbrief können wir getrost durch die kommenden Tage gehen.
„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“  (Römer 5, 8).

  • Lied: „Du schöner Lebensbaum des Paradieses“  (EG 96)

Hier können Sie sich das Lied anhören: www.eingesungen.de

Du schöner Lebensbaum des Paradieses,
gütiger Jesus, Gotteslamm auf Erden.
Du bist der wahre Retter unsres Lebens, unser Befreier.

Nur unsretwegen hattest du zu leiden,
gingst an das Kreuz und trugst die Dornenkrone.
Für unsre Sünden musstest du bezahlen mit deinem Leben.

Lieber Herr Jesus, wandle uns von Grund auf,
dass allen denen wir auch gern vergeben,
die uns beleidigt, die uns Unrecht taten, selbst sich verfehlten.

Für diese alle wollen wir dich bitten,
nach deinem Vorbild laut zum Vater flehen,
dass wir mit allen Heilgen zu dir kommen in deinen Frieden.

  • Psalm 25,1-9

Nach dir, HERR, verlangt mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich.
Lass mich nicht zuschanden werden,
dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.
Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret;
aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.
HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige!
Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!
Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.
Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,
die von Ewigkeit her gewesen sind.
Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen,
gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit,
HERR, um deiner Güte willen!
Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg.
Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

  • Text: Jesaja 5,1-7 (Das Lied vom unfruchtbaren Weinberg)

Ein Lied von einem Freund will ich euch singen.
Es ist das Lied von meinem Freund und seinem Weinberg:
Mein Freund hatte einen Weinberg auf einem fruchtbaren Hügel.
Er grub ihn um, entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit den besten Weinstöcken.
Mittendrin baute er einen Wachturm.
Auch eine Kelter zum Pressen der Trauben hob er aus.
Dann wartete er auf eine gute Traubenernte,
aber der Weinberg brachte nur schlechte Beeren hervor.
Jetzt urteilt selbst, ihr Einwohner von Jerusalem und ihr Leute von Juda!
Wer ist im Recht – ich oder mein Weinberg?
Habe ich irgendetwas vergessen?
Was hätte ich für meinen Weinberg noch tun sollen?
Ich konnte doch erwarten, dass er gute Trauben trägt.
Warum hat er nur schlechte Beeren hervorgebracht?
Ich will euch sagen, was ich mit meinem Weinberg tun werde:
Die Hecke um ihn herum werde ich entfernen
und seine Schutzmauer niederreißen.
Dann werden die Tiere ihn kahl fressen und zertrampeln.
Ich werde ihn völlig verwildern lassen:
Die Reben werden nicht mehr beschnitten und der Boden nicht mehr gehackt. Dornen und Disteln werden ihn überwuchern.
Den Wolken werde ich verbieten, ihn mit Regen zu bewässern.
Wer ist dieser Weinberg?
Der Weinberg des HERRN Zebaoth, das sind die Bewohner von Israel.
Die Leute von Juda, sie sind sein Lieblingsgarten.
Der HERR wartete auf Rechtsspruch, doch seht her, da war Rechtsbruch.
Er wartete auf Gerechtigkeit, doch hört nur, wie der Rechtlose schreit.

(Übersetzung nach der Basisbibel).

  • Gedanken zum Text
Aus: Die Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg. Edition Akanthus.

Der Prophet Jesaja singt von seinem Freund und dessen Weinberg.
Man erwartet ein Liebeslied, denn die Pflege des Weingartens steht im Orient typischerweise für die Pflege und Freude an der Geliebten.
Vielleicht hat er es in Jerusalem vorgetragen wie einen Bänkelgesang.
Aber schon bald kippt die harmlose Stimmung des Liedes um in eine Drohung: Der Weinberg bringt trotz vieler Mühe nur schlechte Frucht.
Der Freund des Propheten und Besitzer des Weinbergs, das ist Gott und der Weinberg ist sein Volk. Und die Zuhörer werden mit einbezogen wie in einen Gerichtsprozess. Wie wird er ausgehen?
Kennen Sie den Weinberg des Herrn?
Er befindet sich, gemalt von Lukas Cranach d.J., auf einem Epitaph in der Stadtkirche St. Marien zu Wittenberg. Viele Weingärtner sind in ihm beschäftigt. Martin Luther harkt die Wege mit einem großen Rechen, der Mann fürs Grobe wird er von manchen genannt, er bereitet dem Herrn den Weg. Melanchthon holt Wasser aus dem Brunnen, frisches Wasser aus dem tiefen Brunnen der biblischen Tradition. Ein anderer gießt die Reben, wieder einer beschneidet die Reben einer sammelt Steine zusammen, setzt Stöcke, bringt Mist, trägt die Trauben zur Kelter, macht sich am Zaun zu schaffen. Der Mist stammt übrigens aus dem Nachbargarten, dem römischen Weinberg. Dort bedienen sich die, die eigentlich Gärtner sein sollen der Früchte selbst, wohlgenährt und allein essend und trinkend. Sie treiben Raubbau, indem sie sich selber wärmen am Feuer von abgehauenen Zweigen. Ein richtiger Kahlschlag ist entstanden und die Zäune sind eingerissen.
Ein drastisches und kämpferisches Bild aus der Zeit der Reformation hat Cranach uns gemalt. Der Weg trennt die verschiedenen Gruppen. Der Prophet Jesaja sah damals im Weinberg Rechtsbruch statt Rechtsspruch und Geschrei aber Schlechtigkeit statt Gerechtigkeit. Wenn der rechtmäßige Besitzer nicht mehr das Sagen hat regiert der Geist der Eigenmächtigkeit. Da herrscht Dürre, Zäune sind niedergerissen, Disteln und Dornen breiten sich aus. Heute verläuft der trennende Weg nicht, wie zur Zeit der Reformation zwischen zwei Konfesssionen sondern an anderen Stellen. Und wir müssen uns fragen auf welcher Seite des Weges wir stehen. Wo gehen wir dem Weinbergbesitzer – Gott zur Hand und bauen mit – wo stehen wir im Weg und reißen ein, was er liebevoll bedacht und angelegt hat? Wo liegen heute die Schwachstellen im Garten Gottes? Wo können wir mithelfen den Garten Gottes zu erhalten – jede und jeder an seinem Platz. Sehen sie nach, wo ihr Platz ist. Ein freundlicher Gruß an Menschen, von denen man weiß, dass sie derzeit einsam sind. Ein versöhnendes Wort zu jemandem, mit dem man Streit hatte. Ein Strauß Schneeglöckchen aus dem eigenen Garten für den kranken Nachbarn usw.. Und wir dürfen alles, was uns beschwert, worunter wir leiden und was uns misslingt mit ins Gebet nehmen und vor den Herrn des Weinbergs bringen.Wenn viele so mitarbeiten im Weinberg ist die Pflege erfolgreich und es wird eintreten, was Jesaja im Kapitel 27,2ff in einer Vision schreibt: „Gott singt, wenn er Menschen findet, die hegen und pflegen und nicht zerstören! Zu der Zeit wird es heißen: Lieblicher Weinberg, singet ihm zu! Ich, der Herr behüte ihn und begieße ihn immer wieder. Damit man ihn nicht verderbe, will ich ihn Tag und Nacht behüten. Ich zürne nicht, denn sie suchen Zuflucht bei mir und machen Frieden mit mir, ja, Frieden mit mir.“
Das gebe uns Gott.

  • Gebet

Du hast Geduld mit uns. Du wartest auf uns.
Heute bitten wir dich um deine Stärkung:
für Menschen, die sich gegen Lügen wehren.
Für Menschen, die verfolgt sind und fliehen müssen.
Für Menschen, die sich unermüdlich für andere einsetzen.
Für Menschen, die nicht mehr können, die ausgebrannt sind.
Für Menschen, die krank sind.
Für alle, die zu dir beten.
Für uns und alles, was wir uns vornehmen.

Vaterunser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

  • Segen

Gott sei uns gnädig und segne uns.
Er lasse uns sein Antlitz leuchten.
Gott sei uns gnädig und alle Welt fürchte ihn.
Amen.

(Lektorin Gudrun Naumann)

Invokavit 2021

  • Eröffnung

So beginnt sie, die Passionszeit. Ein Jahr stecken wir schon in den Herausforderungen , die im vorigen Jahr um diese Zeit begonnen haben. Vieles hat sich darin gezeigt. Sanftmut und Versuchung in einem. Wir richten unsere Fragen an Gott und sagen: Bin ich‘s, Herr? (Matthäus 26) Gemeinsam gehen wir auf die Suche nach Antworten.
AMEN.

  • Worte aus Psalm 91

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
der spricht zu dem Herrn: /
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
und von der verderblichen Pest.
Er wird dich mit seinen Fittichen decken, /
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,
vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,
vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
Denn der Herr ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht.
Es wird dir kein Übel begegnen,
und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

  • Worte aus Johannes 13,21-30

Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.
Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s? Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.
Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm:
Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

  • Jesus fragen – Gedanken zum Text (mit Anstößen von Katharina Karg und Dorothea Reggelin)

Jesus wurde erregt im Geist. Und das bedeutet nach der griechischen Vokabel: Etwas bricht auseinander. Die gewöhnliche Ordnung geht verloren. Ein Sturm über sonst ruhigen Wassern. Bestürzung und Beunruhigung, ein innerer Aufruhr nimmt in Jesus Platz. Nach Gottes Plan.
Jesus spricht es aus, was ihm in diesem Moment offenbart wird. Er bezeugt das, was in naher Zukunft geschehen wird. Ein unausweichlicher Weg für ihn und die Jünger. Einer wird mich verraten.
Den Jüngern wird bange. Ein Verrat? Wer von uns Getreuen sollte das sein? Dürfen wir fragen? Vielleicht kann es der Lieblingsjünger? Er ist Jesus näher als alle anderen. Er hat ihn – besonders – lieb. Er wird es nicht sein. Jesus wird es ihm nicht ins Gesicht sagen müssen.
Jesus antwortet: Der ist‘s, dem ich den Bissen eintauche. Johannes hört es. Die anderen auch? Sie bleiben stumm. Niemand reagiert auf das, was gleich geschieht. Keiner von ihnen begreift, was er meint,
als Jesus dem Judas den Bissen reicht. In dieser Geste, die fast mütterlich erscheint, verändert sich die Unordnung. Der Bissen ist ein Symbol. Sollte Jesus versucht sein, den unausweichlichen Weg nicht zu gehen; dieser Versuchung nicht standhalten zu können? Da nimmt der Satan, der Versucher, seinen Platz in Judas. Was du tust, das tue bald. Es bleibt nicht mehr viel Zeit.
Judas geht wortlos in die Nacht.

Mir ist bange in dieser Welt. Selbst in der Nähe Jesu. Selbst nach der Taufe. Selbst nach einem langen Lebensweg im Glauben. Unübersehbar ist das, was mich weggeführt haben könnte; was mich vielleicht vom Weg Gottes abweichen ließ in der Vergangenheit und in der Zukunft. Nur Gott kennt meine Sünden und Versuchungen.

Vom wem redet Jesus? Wer ist der Verräter? Keiner der Jünger schließt sich aus. Auch ich trage den Schrecken in mir. Sogar meine scheinbar guten Gedanken und Taten könnten mich zu diesem Verrat versucht haben. Um mich abzuwenden von dem vorgegebenen Weg Gottes.
Denn auch ich nehme wahr in dieser Zeit:
Etwas ist aus der gewöhnlichen Ordnung geraten in diesem Land. Die Übereinkunft unseres Zusammenlebens franst an den Rändern aus. Dinge werden wieder sagbar, die sonst schlimmstenfalls im Verborgenen geäußert wurden. Schamlose Fragen und noch schamlosere Antworten sind wieder gang und gäbe. Manche wirken harmlos: Sollen wir die „Fremden“ zu uns lassen? Sind die Maßnahmen verhältnismäßig? Müssen wir nicht endlich wieder Ordnung schaffen in diesem Land? Wie sieht die aus, die wirkliche Ordnung? Und wer profitiert eigentlich davon? Wer hat Recht?

Habe ich darauf Antworten? Und von wem werden sie mir eingeflößt? Wer reicht mir diese Bissen? Soll ich nachfragen; wirklich ernsthaft nachfragen? Will ich es tatsächlich hören, das göttliche Urteil? Oder doch lieber noch ein wenig – wie lange? – in der Hoffnung leben, dass es mit mir nichts zu tun hat? Dass Jesus diesen Weg nicht wegen mir gehen musste? Geht das überhaupt, wenn nicht einmal die Jünger bei ihm geblieben sind und – wie Petrus – Jesus verleugneten? Nur Johannes hört die Antwort, der selbst unter dem Kreuz mit Maria ausharrt.

Judas hatte keine Wahl. Der Bissen war für ihn. Und ich weiß nicht, ob ich nicht auch schon längst diesen Bissen entgegengenommen habe. Das stellt alles in Frage. Es gibt keine Sicherheit, der ich mich selbst versichern könnte. Es liegt letztendlich in Gottes Hand.
Er schicke mir seine Engel: Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Amen

  • Ein Gebet miteinander und füreinander im Lied

EG 401 Ach, bleib mit deiner Gnade

1) Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ,
daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

2) Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert,
daß uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.

3) Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht;
dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.

4) Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr;
dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

5) Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held,
daß uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.

6) Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott;
Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.

  • Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Estomihi 2021

  • Eröffnung

Zwischen Weihnachten und Passionszeit sind wir auf den Spuren Jesu. Der Spruch der Woche im 18. Kapitel des Lukasevangeliums benennt diesen Weg: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.
Der geistliche Proviant für diesen Weg zur Vollendung erhalten wir im Gebet und im Wort Gottes. In der Zusage und den Geboten wird die Sehnsucht für eine heile und heilige Zeit gestillt.
AMEN.

  • Lied: „Liebe, die du mich zum Bilde“ (EG 401)

1 Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht, Liebe, die du mich so milde nach dem Fall hast wiederbracht: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

2 Liebe, die du mich erkoren, eh ich noch geschaffen war, Liebe, die du Mensch geboren und mir gleich wardst ganz und gar: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

3 Liebe, die für mich gelitten und gestorben in der Zeit, Liebe, die mir hat erstritten ewge Lust und Seligkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

4 Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort, Liebe, die sich ganz ergeben mir zum Heil und Seelenhort: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

5 Liebe, die mich hat gebunden an ihr Joch mit Leib und Sinn, Liebe, die mich überwunden und mein Herz hat ganz dahin: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

6 Liebe, die mich ewig liebet und für meine Seele bitt‘, Liebe, die das Lösgeld gibet und mich kräftiglich vertritt: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

7 Liebe, die mich wird erwecken aus dem Grab der Sterblichkeit, Liebe, die mich wird umstecken mit dem Laub der Herrlichkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

  • Worte aus Psalm 31

Herr, auf dich traue ich, /
lass mich nimmermehr zuschanden werden,
errette mich durch deine Gerechtigkeit!
Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!
Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!
Denn du bist mein Fels und meine Burg,
und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.
Du wollest mich aus dem Netze ziehen, /
das sie mir heimlich stellten;
denn du bist meine Stärke.
In deine Hände befehle ich meinen Geist;
du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.
Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte,
dass du mein Elend ansiehst und kennst die Not meiner Seele
und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes;
du stellst meine Füße auf weiten Raum.
Meine Zeit steht in deinen Händen.
Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.
Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht;
hilf mir durch deine Güte!

  • Worte aus Jesaja 58,1-9a

Rufe laut, halte nicht an dich!
Erhebe deine Stimme wie eine Posaune
und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit
und dem Hause Jakob seine Sünden!
Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen,
als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan
und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte.
Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei.
»Warum fasten wir und du siehst es nicht an?
Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?«
Siehe, an dem Tag, da ihr fastet,
geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.
Siehe, wenn ihr fastet,
hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein.
Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut,
wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.
Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe,
ein Tag, an dem man sich kasteit
oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet?
Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?
Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe:
Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast,
lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast!
Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!
Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot,
und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!
Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn,
und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte,
und deine Heilung wird schnell voranschreiten,
und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen,
und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.
Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten.
Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

  • Gedanken zum Text

Es klingt wie ein schöner Traum: Kein Mensch ist gefangen, kein Mensch wird mißhandelt. Kein Mensch muss für ungerechten Lohn arbeiten, kein Mensch gezwungenermaßen Dinge tun, um sein Leben zu erhalten. Kein Mensch muss hungern, frieren und ohne Dach über den Kopf leben. Alle Menschen sind gekleidet und müssen keinen Mangel leiden an dem, was sie zum Leben brauchen.
Es klingt wie ein schöner Traum. Denn ein kurzer Blick auf die Zustände in der Welt nah und fern, verrät, wie weit die Wirklichkeit davon entfernt ist. Irgendwie weiß ich ja von den anhaltenden Kriegen in Nahost, im Jemen und in Afghanistan, von den Flüchtlingslagern auf Lesbos und in Bosnien, von den Arbeitsbedingungen in chinesischen Kobaltgruben und in den Versandzentren großer Onlinehändler, von den Obdachlosen in den Städten mitten im Winter, von den Sorgen eines Nachbarn und der Not einer alleinerziehenden Mutter in den Plattenbauten der Südstadt. Das Elend der Welt drängt sich unerbittlich auf, so dass ich meine, kaum die Kraft zu haben, wenigstens dort hinzuschaun. Noch weniger habe ich die Kraft, daran etwas zu ändern.
Der Prophet Jesaja erhält dennoch den Auftrag, diese Traumwelt wirklich werden zu lassen. Wer für sich von Gott Heil und Trost verlangt, wer das Gefühl hat, dass Gott fern ist und die Rettung weit; den weist er auf die, denen das Nötigste fehlt. Wie ich meine Augen abwende von den Leidenden dieser Welt, wendet sich Gott von mir ab in meinem Leid. Keine religiöse Übung, kein Fasten, kein Gebet und kein Flehen wird daran etwas ändern können.
Rufe laut, halte nicht an dich! Der Prophet erhält seinen Auftrag, Gottes Güte in dieser Welt wahr werden zu lassen. Rufe laut, halte nicht an dich! Meine Träume sind nicht genug. Sie sollen Wirklichkeit werden. Gottes Nähe und meine Nähe zu meinen Nächsten fallen in eins. Gott verheißt die Kraft und das Licht, die dunkle Traumwelt zu zerreissen, einen ersten Schritt zu gehen und das Heil für mich und für dich zu finden. Gott hat mich und dich so gemacht. Von Anfang an. Gut und heilig. Ich stehe in seinem Licht. Für dich und mich. Ich rufe, und du sagst: Siehe, hier bin ich.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr im Himmel,
hier auf Erden rufen wir laut
und bitten dich um deine Kraft,
den Menschen auf dieser Welt,
Schwester und Bruder zu sein,
im Kleinen und im Großen.
Nach dem Besten unserer Kräfte
mit Sorgfalt und Verantwortung
dem Unfrieden und dem Hunger
etwas entgegenzusetzen.

Herr im Himmel,
hier auf Erden rufen wir laut
und bitten dich um deinen Glauben,
dass wir dir nahe seien,
nicht im leeren Geklingel leicht dahin gesagter Worte,
sondern von Herzensgrund
und mit tätiger Hand,
so wie du uns gemeint und gemacht hast.

Herr im Himmel,
hier auf Erden rufen wir laut
und bitten dich um deine Hoffnung,
dass wir sie weitertragen und weiter geben
an unseren Nächsten, der sie bitter nötig hat,
in auswegloser Situation,
in der Ungewißheit, in der Angst,
die ihn umfängt und ihm den Atem nimmt.

Herr im Himmel,
hier auf Erden rufen wir laut
und bitten dich um deine Liebe,
dass sie in unseren Seelen sich ausbreite
und überfließe, mehr als genug für den
ersten Schritt zu einer heilen und heiligen Welt
in deiner Schöpfung.

Herr im Himmel,
hier auf Erden rufen wir laut
mit den Worten Jesu Christi:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Sexagesimae 2021

  • Eröffnung

Öffnet eure Ohren und eure Herzen, öffnet euch dem Herrn mit ganzer Seele. Alles was uns auf der Seele liegt, tun wir ab, dass wir seine Stimme hören können. So haben sein Trost und seine Stärke Platz in unseren Häusern und Wohnungen.
AMEN.

  • Ein Lied: „Gott hat das erste Wort“ (EG 199)

1 Gott hat das erste Wort. Es schuf aus Nichts die Welten
und wird allmächtig gelten und gehn von Ort zu Ort.

2 Gott hat das erste Wort. Eh wir zum Leben kamen,
rief er uns schon mit Namen und ruft uns fort und fort.

3 Gott hat das letzte Wort, das Wort in dem Gerichte
am Ziel der Weltgeschichte, dann an der Zeiten Bord.

4 Gott hat das letzte Wort. Er wird es neu uns sagen
dereinst nach diesen Tagen im ewgen Lichte dort.

5 Gott steht am Anbeginn, und er wird alles enden.
In seinen starken Händen liegt Ursprung, Ziel und Sinn.

  • Aus Psalm 119

Herr, dein Wort bleibt ewiglich,
so weit der Himmel reicht;
deine Wahrheit währet für und für.
Du hast die Erde fest gegründet, und sie bleibt stehen.
Nach deinen Ordnungen bestehen sie bis heute;
denn es muss dir alles dienen.
Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre,
so wäre ich vergangen in meinem Elend.
Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.
Dein Wort macht mich klug;
darum hasse ich alle falschen Wege.
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte
und ein Licht für meinen Pfad.
Stütze mich nach deiner Zusage, so werde ich leben.
Lass mich nicht beschämt werden in meiner Hoffnung!  

  • Worte aus Lukas 8,4-15

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er:
Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch ist’s gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist’s gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen.
Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

  • Gedanken zum Text

Von dem Gleichnis der vierfachen Saat heißt es: Vieles geht verloren, aber die Mühe zahlt sich dennoch aus. Ein einfaches Rechenbeispiel dazu: 100 Körner werden ausgesät; 25 fallen auf den Weg, 25 fallen unter die Dornen, 25 fallen auf den Fels, 25 fallen auf guten Boden; die letzteren bringen hundertfach Frucht, also 2500 Körner; der Einsatz der Körner hat sich also bezahlt gemacht, obwohl 75 % der Saat verloren gegangen ist: Wer Ohren hat, der höre. Es lohnt sich doch!
Heißt das also: Ein Viertel der Zuhörer nehmen das Wort Gottes in rechter Weise auf. Es wird ihnen weder genommen (vom Teufel), noch zweifeln sie es – auf dem Felsen – in der Zeit der Not an, noch vergessen sie es unter den Freuden und Lasten – den Dornen – des Alltags? Und was diesen „fruchtbaren“ Menschen zueigen ist, ist ein Vielfaches dessen, was verlorengegangen ist. Dennoch, trotz dieser positiven Aussicht, wurmt mich diese Deutung. Drei Viertel der Menschen werden einfach im Stich gelassen?
So, wie Jesus es den Jüngern sagt, ist es das Gleichnis, das mich erahnen lässt, wie das Himmelreich gemeint ist. Aber letztendlich bleibt hinter seinen Worten und Bildern ein Geheimnis, das nur den Jüngern erschlossen wird. Das Gleichnis verbirgt hinter seiner Anschaulichkeit aus dem Bereich das Ackerbaues das eigentliche Geheimnis meiner Existenz in Gottes Welt.
Es kann passieren, dass ich diesem Bild, das die wahre Ansicht vom Reich Gottes sowohl zeigt als auch verbirgt, meine eigene Deutung hinzufüge. Ein Stück meines Lebens und das meiner Mitmenschen streue ich über den Acker des Gotteswortes aus.
Ich glaube, dass das Gleichnis nicht nur davon spricht, wie hoch der Anteil der Zuhörer ist, die wahrhaft hören und die Ohren aufsperren. Das Gleichnis spricht auch davon, wie ich selbst im Verlauf meines Glaubens-Lebens dem Wort Gottes mich öffne, verschließe, es verwerfe und vergesse.
Es gibt die Zeiten des Zweifels und der Anfechtung, die Zeiten des Vergessens und die Zeiten, der Gottesferne und -finsternis. Selbst sehr fromme Menschen berichten davon. Mutter Teresa etwa notiert im September 1959: „Es schmerzt ohne Unterlass. Ich habe keinen Glauben. Man erzählt mir, dass Gott mich liebt, jedoch ist die Realität von Dunkelheit und Kälte und Leere so überwältigend, dass nichts davon meine Seele berührt.“ Die eine mehr, der andere weniger. Aber im Ganzen gesehen, trage ich in mir teils das felsige, teils das unbebaubare, teils das dornige und teils das fruchtbare Gebiet, das die vierfache Saat aufnimmt. Drei Viertel gehen davon verloren. Aber das eine Viertel lohnt sich. Die düsteren Zeiten werden in Gottes Augen vielfach wett gemacht durch das eine Viertel oder Fünftel oder Zehntel, das dem Wort Gottes fruchtbare Erde bietet.
Vielleicht ist es sogar auch nur ein Moment an diesem Tag, in dieser Woche, die mich durch die Düsternis trägt. Für Gott ist es mehr als genug. Wenn ich das glauben kann, geht keines seiner Worte verloren.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr, wenn wir wirklich hören können,
dann ist ausreichend Platz für Sanftmut
und Besonnenheit in diesen schwierigen Zeiten.
Dann trägt jeder seine Verantwortung,
in der Politik, in der Wirtschaft und in der Medizin
zum Besten seiner Mitmenschen.
Herr, öffne unsere Ohren und unser Herz.

Herr, wenn wir wirklich hören können,
dann ist ausreichend Platz für die Gewissheit,
dass deine Gemeinde fruchtbar sein kann
in dieser Welt. So vieles führt uns weg
von Gott und seinen Geboten. Aber ohne Unterlass
sagen wir es weiter mit allen Kräften,
die uns zu deinem Gebote stehn.
Herr, öffne unsere Ohren und unsere Seele.

Herr, wenn wir wirklich hören können,
dann hören wir deine Stimme und dein Wort
in und mit den Stimmen unserer Nächsten.
Dann wenden wir uns nicht ab
sondern kehren um zu denen, die unsere
Stimme, unseren Trost und unsere Kraft
so bitternötig haben.
Herr, öffne unsere Ohren und unsere Liebe.

Herr, wenn wir wirklich hören können,
dann ist unser Acker von Kopf bis Fuß
gepflügt, geeggt, umgegraben, gedüngt und gewässert
für die Zuversicht, dass wir in dir getragen sind.
Herr, öffne unsere Ohren und unseren Glauben. 

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Lichtmess 2021

  • Eröffnung

Denn wir wissen, dass die Sonne auch nachts scheint. So wie es in dem Lied „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ heißt: „Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben / den Menschen überm Meer das Licht“. Was unseren Augen entzogen ist, möge in unseren Herzen hell aufleuchten. Dass wir verbunden sind in Christus, dem Licht der Welt.
Amen.

  • Ein Lied: „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ (EG 266)

1 Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen und wird vom Dunkel überweht.
Am Morgen hast du Lob empfangen, zu dir steigt unser Nachtgebet.

2 Die Erde rollt dem Tag entgegen; wir ruhen aus in dieser Nacht
und danken dir, wenn wir uns legen, dass deine Kirche immer wacht.

3 Denn unermüdlich, wie der Schimmer des Morgens um die Erde geht,
ist immer ein Gebet und immer ein Loblied wach, das vor dir steht.

4 Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben den Menschen überm Meer das Licht:
und immer wird ein Mund sich üben, der Dank für deine Taten spricht.

5 So sei es, Herr: die Reiche fallen, dein Thron allein wird nicht zerstört;
dein Reich besteht und wächst, bis allen dein großer, neuer Tag gehört.

  • Aus Psalm 138

Preisen will ich dich mit meinem ganzen Herzen,
ich will dir spielen vor den Göttern.

Ich falle nieder vor deinem heiligen Tempel,
und deinen Namen preise ich wegen deiner Gnade und Treue.
Denn du hast dein Wort groß gemacht über deinen ganzen Namen.

An dem Tag, da ich rief, antwortetest du mir.
Du vermehrtest mir in meiner Seele die Kraft.

Alle Könige der Erde werden dich preisen, HERR,
wenn sie die Worte deines Mundes gehört haben.

Sie werden die Wege des HERRN besingen,
denn groß ist die Herrlichkeit des HERRN.

Ja, der HERR ist erhaben, doch er sieht den Niedrigen,
und den Hochmütigen erkennt er von fern.

Wenn ich auch mitten in Bedrängnis wandeln muss und du belebst mich.
Gegen den Zorn meiner Feinde wirst du deine Hand ausstrecken,
und deine Rechte wird mich retten.

Der HERR wird es für mich vollenden.
HERR, deine Gnade [währt] ewig.
Gib die Werke deiner Hände nicht auf!

  • Worte aus dem Buch Jesaja 49,1-6

Höret mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merket auf!

Der HERR hat mich gerufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, da ich noch in Mutterleibe war, und hat meinen Mund gemacht wie ein scharf Schwert; mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum reinen Pfeil gemacht und mich in seinen Köcher gesteckt

und spricht zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch welchen ich will gepreiset werden.

Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und brächte meine Kraft umsonst und unnützlich zu, wiewohl meine Sache des HERRN und mein Amt meines Gottes ist.

Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleibe an zu seinem Knechte bereitet hat, daß ich soll Jakob zu ihm bekehren, auf daß Israel nicht weggeraffet werde; darum bin ich vor dem HERRN herrlich, und mein Gott ist meine Stärke

und spricht: Es ist ein Geringes, daß du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten in Israel wiederzubringen,

sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, daß mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.

  • Gedanken zum Text:

„Ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht“. Auf dem Wörtchen „auch“ liegt das ganze Gewicht dieser Passage aus dem Jesajabuch. Der Prophet ist von Gott berufen, von Anfang an, selbst schon im Mutterleib gehört er zu Gott. Seine Aufgabe als Prophet scheint klar umrissen. „Die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten in Israel wiederzubringen.“ Nun führt Gott ihn aber darüber hinaus. Gott erweitert seinen Wirkungskreis und sein Aufgabenfeld.

In den Worten des Propheten höre ich seine Gedanken dazu.

Zuerst spricht er die Völker an. Inseln und Völker in der Ferne. Er spricht zu denen, die ihm nicht nahe sind. Isoliert und weit weg. Er spricht sie an und erzählt von seiner Lebensgeschichte mit Gott.

Er ist auf seine Aufgabe hin geschaffen und geboren worden. Noch bevor er das Licht der Welt erblickt hat, wird er zum Licht der Welt ausersehen.Beschützt von Gott, unter dem Schatten seiner Hand, mit einem Mund scharf wie ein Schwert und wehrhaft wie ein reiner Pfeil in seinem Köcher. Er ist gut gerüstet für seine Aufgabe. Er soll Gott preisen, nicht mehr und nicht weniger. So strahlt das Licht in die Welt hinein.

Ja, der Prophet gibt zu, dass ihm diese Aufgabe nicht selten zur Last wurde. Vergeblich, umsonst und unnütz erscheint es ihm, dass er dafür seine Kraft aufwendet. Diese Erfahrung steht gegen seine Berufung. Er benennt sie dennoch, um deutlich zu machen, dass es ihm ernst mit seiner Aufgabe ist. Er gibt sie nicht leichtfertig auf, obwohl vielleicht manches dafür sprechen würde.

Gott sieht das jedenfalls anders. Er erweitert des Propheten Aufgabe sogar über den Kreis seiner Herkunft hinaus auf alle Völker, auf die fernen Inseln und die fremden Länder.

Ich kann gut verstehen, dass dem Propheten der Mut sinkt. Dass er an die Lasten seiner Berufung denkt. Ist meine Arbeit zu irgendwas nütze? Diese Frage stellt sich wohl nicht nur der Prophet. Sie wird – laut oder leise – von vielen enttäuschten und erschöpften, haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen auch in unseren Gemeinden geäußert. Ebenso werde ich aber wieder aufgerichtet, wenn ich mich daran erinnere, wie ich innerhalb und außerhalb der Gemeinde etwas vom göttlichen Licht weitertragen kann.

Der Prophet macht sich auf den Weg und spricht jene an, die er bis dahin noch nicht im Blick hatte. Mag sein Mut auch schwanken, hält er dennoch an seiner Aufgabe fest. Und wird zum Licht der Welt, der Menschen, seiner Nächsten. Dazu soll er nun die Grenzen überschreiten, die durch seine Geburt und sein Leben bisher gesetzt waren. Gerade dorthin, wo es ihm am dunkelsten zu sein scheint, trägt er das Licht Gottes. Gerade, wenn es in ihm dunkel wird, findet er das Licht Gottes.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr,
wir brauchen dein Licht für diese Welt.
Überall stoßen wir an Grenzen,
überall fehlt der Mut, etwas zu verändern.
Darunter leiden wir nicht nur hier
in unseren sicheren Wohnungen,
sondern mit den Menschen auf der ganzen Welt,
die ohne Obdach, ohne Essen, ohne Geborgenheit
leben müssen.
Herr, gib uns die Kraft dein Licht zu sein,
und selbst licht zu werden.

Herr,
wir brauchen dein Licht für unsere Gemeinden.
Überall stoßen wir an Grenzen,
überall fehlt der Mut, etwas zu verändern.
Viele Gedanken machen wir uns,
wie wir dein Wort weitertragen können.
Doch nicht nur in unserer Gemeinde ist die Sorge groß,
dass du immer weniger Platz hast in den Herzen der Menschen.
Herr, gib uns den Glauben dein Licht zu sein,
und selbst licht zu werden.

Herr,
wir brauchen dein Licht für unsere Nächsten.
Überall stoßen wir an Grenzen,
überall fehlt der Mut, etwas zu verändern.
Denn nicht nur wir selbst sind oft am Ende unserer Kräfte,
wenn wir anderen beistehen und ihnen helfen.
Mitunter wird all unsere Mühe in Frage gestellt
von einem großen Unfrieden in uns und bei unseren Mitmenschen.
Herr, gib uns die Liebe dein Licht zu sein,
und selbst licht zu werden.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

3. Sonntag nach Epiphanias 2021

  • Eröffnung

„Ich will mit dir gehen. Wo du hingehst, will ich auch hingehen, und wo du lebst, will ich auch leben. Dein Volk wird mein Volk sein und dein Gott wird mein Gott sein. Wo du stirbst, will ich auch sterben, und dort will ich begraben werden. Gott tue mir dies und das, nur der Tod wird mich von dir scheiden.“
Starke Worte aus dem Buch Ruth. Um die Geschichte dazu geht es am heutigen Sonntag.

Herr, schenke uns ein Herz für Dein Wort
und ein Wort für unser Herz.
AMEN.

  • Ein Lied: Lobt Gott den Herrn ihr Heiden all (EG 293)

1) Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all,
lobt Gott von Herzensgrunde,
preist ihn, ihr Völker allzumal,
dankt ihm zu aller Stunde,
dass er euch auch erwählet hat
und mitgeteilet seine Gnad
in Christus, seinem Sohne.

2) Denn seine groß Barmherzigkeit
tut über uns stets walten,
sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit
erscheinet Jung und Alten
und währet bis in Ewigkeit,
schenkt uns aus Gnad die Seligkeit;
drum singet Halleluja.

  • Psalm 86

HERR, neige deine Ohren und erhöre mich;
denn ich bin elend und arm.
Bewahre meine Seele, denn ich bin dein.
Hilf du, mein Gott, deinem Knechte, der sich verlässt auf dich.
Herr, sei mir gnädig;
denn ich rufe täglich zu dir.
Erfreue die Seele deines Knechts;
denn nach dir, Herr, verlangt mich.
Denn du, Herr, bist gut und gnädig,
von großer Güte allen, die dich anrufen.
Vernimm, HERR, mein Gebet
und merke auf die Stimme meines Flehens!
In der Not rufe ich dich an;
du wollest mich erhören!
Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern,
und niemand kann tun, was du tust.
Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen
und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren,
dass du so groß bist und Wunder tust
und du allein Gott bist.
Weise mir, HERR, deinen Weg,
dass ich wandle in deiner Wahrheit;
erhalte mein Herz bei dem einen,
dass ich deinen Namen fürchte.
Ich danke dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen
und ehre deinen Namen ewiglich.
Denn deine Güte ist groß gegen mich,
du hast mich errettet aus der Tiefe des Todes.
Gott, es erheben sich die Stolzen gegen mich, /
und eine Rotte von Gewalttätern trachtet mir nach dem Leben
und haben dich nicht vor Augen.
Du aber, Herr, Gott, bist barmherzig und gnädig,
geduldig und von großer Güte und Treue.
Wende dich zu mir und sei mir gnädig;
stärke deinen Knecht mit deiner Kraft und hilf dem Sohn deiner Magd!
Tu ein Zeichen an mir,
dass du’s gut mit mir meinst,
dass es sehen, die mich hassen, und sich schämen,
weil du mir beistehst, HERR, und mich tröstest.

  • Worte aus dem Buch Ruth

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande.
Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter,
um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen.
Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon;
die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda.
Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort.

Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen.
Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut.
Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten,
starben auch die beiden, Machlon und Kiljon.
Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann.

Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern
und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück;
denn sie hatte erfahren im Moabiterland,
dass der Herr sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte.
Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr.

Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren,
sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern:
Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter!
Der Herr tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt.
Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie.

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr:
Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen.
Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen?
Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten?
Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte:
Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde,
wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des Herrn Hand hat mich getroffen.

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr.
Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr.
Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott;
kehre auch du um, deiner Schwägerin nach.

Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte.
Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.
Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.
Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden.
Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.
Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden.
So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

  • Gedanken zum Text

Ich staune über diese Geschichte:
Zwei Frauen sind hier die Heldinnen. Das versteht sich – in der Bibel – nicht von selbst.
Die beiden sind zudem „Ausländerinnen“ und Menschen auf der Flucht:
Erst flieht Noomi mit ihrem Mann aus Bethlehem nach Moab, in das feindliche Ausland, weg aus der Hungersnot. Dort bauen sie sich eine neue Existenz auf, ihre Söhne heiraten.
Bis zum Tod der Männer in der Familie.
Noomi und ihre Schwiegertöchter Orpa und Rut werden zu Witwen.
Und als Witwen gehen sie nach Bethlehem, in Noomis alte Heimat.
Ohne Männer stehen sie ziemlich verloren da.
Sie sind in einer Welt, in der die Männer das Sagen haben, ohne Schutz und ohne Sicherheiten. Noch dazu sind Rut und Orpa Fremde, sprechen eine andere Sprache,
kommen aus einer anderen Kultur, haben eine andere Religion.

An der Landesgrenze kommt es zu einer dramatischen Szene:
Noomi weiß, dass es für ihre beiden Schwiegertöchter besser wäre,
wenn sie zurück gingen nach Moab. Opra nimmt ihren Rat an und bricht auf.
Unter Tränen geht sie zurück.
Rut entscheidet sich anders. Sie schwört Noomi die Treue: ‚Bis das der Tot uns scheidet.‘
Aus Liebe. Sie wählt nicht den sicheren Weg, sondern entscheidet sich für ein Leben in der Fremde. Weil nur dieses Leben ein Leben mit Noomi ist.

Diese Geschichte trifft mich in den Tagen des Lockdowns. In denen mir so vieles fehlt.
Zuerst natürlich die Kontakte, zu meinen Eltern, zu den Schülerinnen und Schülern, zur Gemeinde, zu Freunden. Mein Alltag. Die Gottesdienste. Die Kultur. Das Theater. Das Kino.
Und in denen mir so manches Mal der Mut und die Hoffnung abhandenkommt.

Die wagemutige Liebe und der vor liebe brennende Mut von Rut rührt mich an.
Verglichen mit ihr bin ich übersatt und habe zur Klage wenig Grund.

Gottes Wege mit uns Menschen überschreiten alles, was wir erahnen und wissen können.
Sie haben Noomi und Rut zusammengeführt, durch den Tod ihrer Männer und den doppelten Verlust ihrer Heimat hindurch. Sie werden auch uns hindurchführen, durch den Verlust unseres Alltags und unserer direkten Gemeinschaft hindurch. Wie sollte es anders sein auf unserer Reise durch unser Leben mit dem an der Seite, der sogar den Weg durch den Tod nicht scheute, und der uns alle birgt in seiner unendlichen Lieben.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Du Gott, der alle Grenzen überschreitet,
du bist an unserer Seite.
Du bringst die Hoffnung.
Höre uns.

Du Gott, der alle Grenzen überschreitet,
in allen Ländern leiden die Menschen,
suchen Schutz vor Ansteckung,
sehnen sich nach Heilung,
trauern um ihre Toten.
Du bist an unserer Seite.
Du kannst heilen und trösten.
Höre uns.

Du Gott, der alle Grenzen überschreitet,
in der Kälte leiden die Schwachen,
frieren ohne Obdach,
suchen nach Essbarem,
verlieren die Hoffnung.
Du bist an unserer Seite.
Du kannst retten und beschirmen.
Höre uns.

Du Gott, der alle Grenzen überschreitet,
überall hoffen die Menschen auf dich,
sie leben mit den Wunden der Vergangenheit,
reichen die Hände zur Versöhnung,
bauen Brücken.
Du bist an unserer Seite.
Du bist der Friede.
Höre uns.

Verwandle uns.
Durch Jesus Christus.
Er ist das Licht in unserer Dunkelheit
und unsere Hoffnung –
heute und alle Tage.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Dr. Georg Bucher)

2. Sonntag nach Epiphanias 2021

  • Eröffnung

Gott offenbart sich hier auf der Erde, in dieser Stadt, in der Nachbarschaft und bei mir in all seiner Herrlichkeit. Gott erscheint mitten unter uns. In seiner Nähe können wir uns nicht verlieren, denn: Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Evangelium nach Johannes 1,16)
Amen.

  • Ein Lied: In dir ist Freude (EG 398)

1 In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ! Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist; hilfest von Schanden, rettest von Banden. Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja. Zu deiner Güte steht unser G’müte, an dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja.

2 Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod; du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja

  • Aus Psalm 105

Preist den HERRN, ruft an seinen Namen,
macht unter den Völkern kund seine Taten!
Singt ihm, spielt ihm, redet von allen seinen Wundern!
Rühmt euch seines heiligen Namens!
Es freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen!
Fragt nach dem HERRN und seiner Stärke,
sucht sein Angesicht beständig!
Gedenkt seiner Wunder, die er getan hat,
seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes!
Ihr Nachkommen Abrahams, seines Knechtes,
ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten:
Er ist der HERR, unser Gott!
Seine Urteile [ergehen] auf der ganzen Erde.
Er gedenkt ewig seines Bundes und des Wortes,
das er geboten hat auf tausend Generationen hin.

  • Hochzeit zu Kana (Johannesevangelium 2,1-11)

Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war dort. Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit eingeladen. Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagen mag, tut! Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß fasste. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister! Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war — und er wusste nicht, woher er war, die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es —, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, dann den geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn.

  • Gedanken zu den Worten des Jesaja

Eine Hochzeit ohne Wein? Wäre das so schlimm?
Heutzutage, in einer Zeit, in der die Gesundheit optimiert werden soll und in jedermanns eigener Verantwortung steht, wäre es vielleicht sogar besser ohne Alkohol zu feiern. Und zugleich lebe ich in einer Zeit, die immer und an jedem Ort fast alles verfügbar macht. Wein ist alle? Dann besorge ich eben welchen. An der Tankstelle, oder im Späti, oder beim Premium-Superschnell-Versandhandel per Drohne.

Der Bräutigam sah das zu seiner Zeit wohl anders. Die Verse aus dem Johannesevangelium verraten wenig über ihn. Wir können ahnen, dass er recht wohlhabend ist. Seine Diener werden eigens erwähnt. Um so peinlicher aber, dass ihm der Wein ausgeht. Es das Fest seines Lebens. Es soll groß und prächtig gefeiert werden. Mit Wein! Denn er macht des Menschen Herz fröhlich, wie es im 104. Psalm heißt. Und fröhlich ist er und seine Braut und sollen alle seine Gäste sein.

Ein große und herrliche Hochzeit zu Kana, die feiern sie. Viele sind eingeladen. Jesu Mutter. Jesus und seine Jünger. Und was das Johannesevangelium darüber berichtet, ist durchsetzt von vielerlei eigentümlichen Geschehnissen. Dass der Wein zur Neige geht bei so einem Fest ist eines davon. Das andere die prominente Anwesenheit Jesu. Eigentümlich ist auch seine Antwort, die er auf das Ansinnen seiner Mutter entgegnet. Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Das klingt sehr abweisend und – irgendwie – frech, unwirsch, rüde. Sie kümmert sich aber nicht darum. Er macht das schon, scheint sie zu denken, und weist die Diener an, dass sie auf seine Worte achten und genau das tun sollen, was er sagt. Sie scheint zu wissen, was gleich geschieht. Die steinernen Krüge, die der Aufbewahrung des Wassers zur Reinigung dienen, wie es die jüdische Religion verlangt, sind auf jeden Fall groß genug. Um die 40 Liter fasst einer davon, so schätzt man. Aber es ist auch ein Affront, dass die „heiligen“ Gefäße für das Weinwunder genutzt werden. Als wollte Jesus sagen: Ich habe euch was Besseres zu geben! Etwas Besseres habe ich euch zu geben: so reagiert auch der irritierte Speisemeister, der die Qualität des Weines lobt und den Bräutigam tadelt, den besseren Wein bisher zurückgehalten zu haben. So knickrig darf man nicht sein. Wackrer Speisemeister! Ich habe davon gelernt, dass das Beste zuerst serviert wird. Entgegen meiner preußischen Erziehung: Da wurde das Beste bis zum Schluß aufgehoben.
Hier und jetzt gibt es Wein genug! Eine Zeit des Mangels erlebe ich dennoch. Echten Mangel erfahre ich an meiner Bewegungsfreiheit, an Sorglosigkeit, an Kultur und Möglichkeiten der Begegnung. Aus lauter Sorge können nicht einmal Gottesdienste stattfinden.
Die Hochzeit aber wurde dennoch gerettet. Jesus war da. Und seine Mutter wusste das, oder besser gesagt, sie glaubte an ihn. Jesus ist eingeladen. Jesus ist in meiner Nähe. Er sorgt für mich. Und notfalls auch eine wie seine Mutter, die ihn sehr gut kennt und ihm vertraut. Falls mein Vertrauen nicht ausreicht. Darauf verlasse ich mich – letztendlich. Dass es mir an nichts Wichtigem fehlen wird. Denn Jesus setzt Zeichen und offenbart seine Herrlichkeit. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott im Himmel, hier auf Erden:

Allzu schnell übersehen wir das Gute.
Allzu schnell fehlt es uns am richtigen Glauben.
Allzu schnell sind wir aber auch leichtsinnig.
Allzu schnell werden wir ungeduldig.
Allzu schnell sind wir mit Worten zur Hand,
die niemandem helfen, aber andere kränken können.

Stärke unsere Dankbarkeit, dass wir sehen können, wie gut es uns geht.
Stärke unsere Aufmerksamkeit, dass wir nach Kräften für uns uns andere sorgen können.
Stärke unsere Zuversicht, dass du uns nah bist und in der Not hilfst.
Stärke unsere Freude, die durch deine Schöpfung uns zugedacht ist.
Stärke unseren Mut, wie Jesu Mutter, dir zu sagen, was uns Sorgen macht und woran es uns mangelt.
Hier in unserer Gemeinde, in unserer Stadt, bei unserer Regierung und auf der ganzen Welt.

In dir sind wir getragen durch Jesus Christus. Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

1. Sonntag nach Epiphanias 2021

  • Eröffnung

Ein Licht anzünden und zur Ruhe kommen und die
Jahreslosung für das neue Jahr mit uns bedenken.
Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lukas 6, 36)

  • Lied: „Du Morgenstern, du Licht vom Licht“ (EG 74)

Hinweis: Sie können sich das Lied auch anhören: http://www.eingesungen.de/player.php?track=968&buch=21#player

Du Morgenstern, du Licht vom Licht,
das durch die Finsternisse bricht,
du gingst vor aller Zeiten Lauf
in unerschaffner Klarheit auf.

Du Lebensquell, wir danken dir,
auf dich, Lebend’ger hoffen wir;
denn du durchdrangst des Todes Nacht,
hast Sieg und Leben uns gebracht.

Du ewge Wahrheit, Gottes Bild,
der du den Vater uns enthüllt,
du kamst herab ins Erdental
mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht,
führ uns durch Finsternis zum Licht,
bleib auch am Abend dieser Welt
als Hilf und Hort uns zugesellt.

  • Psalm 103 in Auswahl

Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht,
und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Barmherzig und gnädig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.

  • Text: Lukas 6, 27 – 38

Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde;
Tut wohl denen, die euch hassen;
Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.
Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar;
Und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.
Wer dich bittet, dem gib;
Und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück.
Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!
Und wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon?
Denn auch die Sünder lieben ihre Freunde.
Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon?
Das tun die Sünder auch.
Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon?
Auch Sünder leihen Sündern, damit sie das Gleiche zurückbekommen.
Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen.
So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein;
denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet.
Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt.
Vergebt, so wird euch vergeben.
Gebt, so wird euch gegeben.
Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und
überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben;
denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt,
wird man euch wieder messen.

  • Gedanken zum Text

Die Jahreslosung 2021 ist aus der Feldrede des Lukasevangeliums entnommen. Jesus sagt seinen Zuhörern ganz unmissverständlich, was sie tun sollen.
So viele Handlungsanweisungen, allesamt gut und nachvollziehbar.
Dennoch für uns Menschen kaum erreichbar und machbar .
Vielleicht manches davon?
Und mitten in der langen Rede Jesu dieser eine Satz, der uns durch das neue Jahr begleiten soll.
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Viele Menschen hören Jesus zu. Manche, z.B. die Zolleinnehmer haben hautnah erlebt, wie sich Jesus ausgerechnet ihnen zuwendet, die sonst am Rande der Gesellschaft stehen. Er lässt sie körperlich spüren was mit Barmherzigkeit gemeint ist. Aussätzigen und an anderen schlimmen Gebrechen Leidenden wendet er sich zu und heilt. Und dann sind da die Geschichten, in denen er Gottes Barmherzigkeit sichtbar macht. Denken wir nur an das Gleichnis vom barmherzigen Vater oder verlorenen Sohn. Lukas hat viele Beispiele in seinem Evangelium geschrieben.
Wir haben es vorhin im Psalm gebetet „Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.“ So sieht Jesus Gott und so will er uns seine Sicht auf Gott vermitteln.
Da ist keine Rede vom Erbringen von Leistungen, kein Wettbewerb im „Gutsein“ dem Erbringen von guten Werken ist nötig.
Die große Erkenntnis Martin Luthers war es: Wenn ich etwas tue, um mir einen bestimmten Vorteil bei Gott zu erhoffen oder glaube mir so das Heil verdienen zu können, bin ich auf dem falschen Weg. Das ist es nicht, was Gott von mir will. Wenn ich so denke und handle, drehe ich mich nur um mich selbst.
Gott ist anders. Gottes Wesen ist Barmherzigkeit und Liebe. Im Alten wie im Neuen Testament können wir es lesen: Was die Menschen auch tun, Gott bleibt sich treu darin zugewandt und barmherzig zu sein. Immer wieder lässt er sich anrühren, leidet und fühlt mit, er ist ganz bei den Menschen.
Und genau mit dieser Barmherzigkeit will Jesus uns anstecken, wenn er sagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“
Menschen lasst euch anrühren und bewegen, nehmt euren Nächsten wahr, so wie Gott das auch tut.
Es kann unsere Antwort auf Gottes Barmherzigkeit sein: Weil er so liebevoll ist, können wir gar nicht anders als es auch zu sein.
In unserem Tun verbreiten wir die Barmherzigkeit Gottes in der Welt.
Das kann ich aber nicht aus mir heraus schaffen. Da kann ich nur darum bitten, dass seine Nähe und Liebe mich verändern und mich zu einem barmherzigen Menschen machen. Dass er mich korrigiert, wo ich bewusst oder unbewusst, mich selbst oder andere zum Maßstab meines Handelns mache. Gott schenke mir Beherztheit da wach und präsent zu sein, wo ich gefordert bin. Ohne krampfhaften Druck, die Welt und sei es nur meine kleine Welt, retten zu müssen.
Seid barmherzig, wie auch der Vater barmherzig ist! Amen.

  • Gebet füreinander und miteinander

Lebendiger Gott, vor dir können wir unsere Gedanken und
Nöte aussprechen. Du hörst uns.

Wir bitten für die Welt, in der viel Finsternis herrscht.
Für die Menschen in den Flüchtlingslagern in Griechenland,
Bosnien und vielen anderen Ländern, die kein Dach über dem Kopf haben, die hungern und Verfolgung ausgesetzt sind,
deren Leid uns hilflos und sprachlos macht.

Wir bitten für die Frauen und Männer,
die Verantwortung in unserem Land und weltweit tragen.

Wir bitten für die Wissenschaftler,
die nach Wegen suchen die Pandemie zu bezwingen.
Gib Klarheit in ihre Gedanken,
dass sie ihr Können zum Wohl aller einsetzen.

Wir bitten für unsere Familien und Freundschaften,
für die Menschen, mit denen wir es täglich zu tun haben,
für die Traurigen und die Ängstlichen,
die Sorgenvollen und Kranken.

So beten wir vertrauensvoll:

Vater unser unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott sei uns gnädig und segne uns,
er lasse uns sein Angesicht leuchten.
Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn!

(Lektorin Gudrun Naumann)

Epiphanias 2021

  • Eröffnung

„Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.“
Gemeinsam folgen wir ihm. Nah beieinander und auch voneinander entfernt. Um Gott zu finden und um wieder zueinander zu kommen. Kein Weg ist Gott zu weit. Amen.

  • Ein Lied: „Stern über Bethlehem“ (EGE 1)

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg,
Führ uns zur Krippe hin, zeig wo sie steht,
Leuchte du uns voran, bis wir dort sind,
Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind.

Stern über Bethlehem, nun bleibst du stehn
Und lässt uns alle das Wunder hier sehn,
Das da geschehen, was niemand gedacht,
Stern über Bethlehem, in dieser Nacht.

  • Aus Psalm 72

Gott, gib dein Recht dem König
und deine Gerechtigkeit dem Königssohn,
dass er dein Volk richte in Gerechtigkeit
und deine Elenden nach dem Recht.
Lass die Berge Frieden bringen für das Volk
und die Hügel Gerechtigkeit.
Die Könige von Tarsis und auf den Inseln
sollen Geschenke bringen,
die Könige aus Saba und Seba
sollen Gaben senden.
Alle Könige sollen vor ihm niederfallen
und alle Völker ihm dienen.
Denn er wird den Armen erretten, der um Hilfe schreit,
und den Elenden, der keinen Helfer hat.
Sein Name bleibe ewiglich;
solange die Sonne währt, blühe sein Name.
Und durch ihn sollen gesegnet sein alle Völker,
und sie werden ihn preisen.
Gelobt sei Gott der Herr, der Gott Israels,
der allein Wunder tut!
Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich,
und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden!
Amen! Amen!

  • Worte aus dem Buch des Jesaja im 60. Kapitel

Mache dich auf, werde licht;
denn dein Licht kommt,
und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!

Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker;
aber über dir geht auf der Herr,
und seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen
und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

Hebe deine Augen auf und sieh umher:
Diese alle sind versammelt, kommen zu dir.
Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arm hergetragen werden.
Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.

  • Gedanken zu den Worten des Jesaja

Es ist das Licht am Ende des Tunnels. Verheißungsvoll, Rettung verkündend. Da, am Ende des Tunnels, so bin ich jetzt gewiß, werde ich aufatmen können. Der Schrecken ist bald vorüber; mein Herz wird weit.
Jetzt stehe ich auf und gehe dem Licht entgegen. Nach der langen Nacht um mich her brennt es auf der Haut. Immer mehr werde ich in Licht getaucht. Werde selbst zum Licht.
Wenn ich jetzt gehe und dem Licht dort traue, dann werden andere mir folgen. Sie sehen meine Gestalt vor dem Licht, dass dort so verheißungsvoll Luft, Sonne und Wärme ankündigt.
Auf dem Weg dorthin nagen noch die Schrecken an mir. Der lange Weg in der Finsternis fällt nicht sofort mit der Hoffnung ab. Aber sie bringt mich wieder auf die Beine und macht mir Mut, weiterzugehen. Mein Herz ist noch verschreckt, aber schon wird es weiter. Mein Brustkorb dehnt sich und der Atem kann besser fließen. Die Angst verkriecht sich immer mehr zwischen den grauen Felsen.
Und langsam schälen sich aus dem Dunkeln die Gestalten meiner Mitmenschen. Sie sind mit mir in der Finsternis gegangen und haben mit mir die Hoffnung verloren. Sind mit mir entkräftet der letzten Not in Verzweiflung erlegen. Niemand von ihnen konnte die Finsternis durchdringen. Auf allen lastete das Wetterdunkel und die Krankheit und das Hauen und Stechen dieser Welt. Woher sollte uns Licht kommen, wenn wir selbst so dunkel waren? Ich hielt es bald für das Wesen dieser Welt, hier im Tunnel weitergrabend, und hielt das Licht und das weite Herz für Kinderfantasien. Mein Blick verlor sich. Hatte kein Augenmerk mehr auf die Gefährtinnnen auf dem Weg durch das Leben. Verlor das Schöne, den Reichtum der Schöpfung aus den Augen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Verstrickte sich im immerwährenden Dunkel auf der Suche nach ein wenig Zufriedenheit und Ruhe. Ich suchte in mir, aber auch da war das Dunkel.
Jetzt aber bin ich unterwegs. Wie ein Stern gezackt hebt sich das Ende des Tunnels vor dem Licht des Himmels heraus. Wer hat meine Augen dahin gelenkt? Wer hat es vermocht, meiner Müdigkeit zu widersprechen. Wer hat die verbleibende Kraft in mir erweckt? Wer hat es vermocht, dass ich nun gehe und die Gefährten mit mir ziehe. Meine Fragen bleiben bei ihnen unbeantwortet. Sie geben sie mir zurück.
So war es wohl, dass ich nicht allein diesen Ruf gehört habe. Da war das Rascheln eines erstarkenden Fußes und der Schatten einer winkenden Hand. Dass ich nun nicht allein dem Stern folge. Nicht allein Gottes Kind, von seiner Mutter getragen und von seinem Vater behütet, erkennen kann. Ich bringe ihm das Beste, was ich habe. Mein Leben, meine Liebe, mein weites Herz und meine Hände. Für ein friedvolles Miteinander. Und auch ein wenig Gold für das Schöne und ein wenig Weihrauch für den Duft.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott im Himmel,
durchdringe die Finsternis hier auf der Erde,
und die Bedrängnis in uns selbst.
Öffne uns die Augen für dein Licht.
Dass wir selbst licht werden.
Dass wir gestärkt werden für den Weg.
Dass wir uns verschenken und selbst beschenkt werden.
Im Lichte deines Sohnes Jesus Christus.
Mit ihm beten wir.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)