Erntedankfest (03.10.)2021

Andacht zum Erntedanksonntag

Im Zentrum des Erntedankgottesdienstes stand ein kleines Theaterspiel: Hans im Dank – Eine Adaption des Grimmschen Märchens „Hans im Glück“:

Hans hat endlich seinen Lohn ausgezahlt bekommen. Einen schweren Koffer voller Münzgeld (sein Chef hatte wohl keine Scheine). Nun will er nach Hause, zu seinen Eltern und Freunden. Darauf freut er sich schon sehr. Nach einiger Zeit wird ihm der Koffer jedoch ganzschön scher. Da kommt eine Fahrradfahrerin daher. Sie kommt mit Hans ins Gespräch und Hans kauft ihr das Fahrrad ab, um schneller voran und nach Hause zu kommen. Nach einer Runde durch die Kirche hat Hans jedoch leider einen Platten. Enttäuscht schiebt er sein Fahrrad weiter. Da kommt eine Wanderin des Weges, ausgerüstet mit Schuhen, Wanderstock und Rucksack. Um besser laufen zu können tauscht Hans das kaputte Fahrrad gegen die Wanderausstattung. So läuft er befreit weiter. Nach einiger Zeit wird er jedoch müde und seine Füße schmerzen. Da trifft er eine Frau, die auf einem Hocker sitzt und ihrerseits besseres Schuhwerk braucht. Ihr Sandalen sind verschlissen. Schnell kommen Sie ins Geschäft: Hans bekommt den Hocker und die Frau die Wanderausrüstung. Glücklich ruht er sich erstmal eine Weile aus. Doch bald schon wird ihm langweilig. Einfach nur so rumsitzen, das ist nichts für ihn. Da kommt eine Frau des Weges, die in ein spannendes Büchlein vertieft zu sein scheint. Hans will es unbedingt haben und tauscht seinen Hocker ein. Das Büchlein ist schon bald ausgelesen und da er sich ja langsam auch mal wieder auf den Weg machen will, verschenkt er es an ein Kind. Fröhlich zieht er seines Weges. So sehr freut er sich seine Familie und Freunde wieder zu sehen. 

Predigt

Ihr und Sie habt das Märchen vom Hans im Glück sicher gleich erkannt. Auch wenn wir es heute in etwas abgewandelter Form gespielt haben. Aber ein Pferd, eine Kuh und eine Gans in die Kirche zu bekommen, war einfach ein bisschen zu kompliziert. Da war das mit dem Drahtesel schon einfacher…

An der Geschichte vom Hans im Glück hat uns als Vorbereitungsteam eine Sache fasziniert: Der Hans ist immer richtig dankbar für die Dinge die er sich ertauscht. Deswegen haben wir unsere Version auch Hans im Dank genannt.

Der Hans freut sich immer an den Dingen, die er gerade hat. Sie helfen ihm auch immer richtig weiter. Er schaut da gar nicht so sehr darauf was mehr Geld wert ist, sondern vielmehr auf den Nutzen. Auf den Nutzen, den die Dinge ganz persönlich für ihn haben.

Und er trauert auch nicht den Dingen hinterher, was er nicht mehr hat nicht nach. Er hat sie ja auch nicht ohne Grund abgegeben. Er lebt ganz im Augenblick. Er schaut nicht auf das, was er nicht mehr hat, sondern auf das was er hat. Ich glaube das ist eine gute Einstellung.

In einem Brief schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Thessalonich: „Seid dankbar in allen Dingen!“. Und das klingt vielleicht erstmal ziemlich hart, vor allem wenn man bedenkt, dass es der Gemeinde damals gar nicht so gut ging.

Aber wenn man genau liest: „Seid dankbar IN allen Dingen!“ dann merken wir:

Du musst nicht dankbar für alles sein. Aber denk doch auch in schlechten Zeiten daran, wofür du alles dankbar sein kannst:
Dinge, die du ganz selbstverständlich hast: Luft zum Atmen, die warme Sonne, Wasser, Strom, ein Dach über dem Kopf, ein gedeckter Tisch, etwas zum Anziehen, vielleicht eine gute Freundin, ein guter Freund, eine Familie …

Sei dankbar für Deine Talente und Gaben, deine guten Erinnerungen und Erlebnisse, das was trotz allem gerade wunderbar ist, mag es noch so klein oder selbstverständlich sein.

Und sei dankbar für die Dinge, die du gar nicht so selber in der Hand hast. Die unverhoffte, zufällige Begegnung mit einem lieben Menschen, eine glückliche Fügung, eine gute Nachricht im Alltag.

„Seid dankbar in allen Dingen“, auch in schlechten Zeiten, dann lässt es sich leichter ertragen. Dann können wir von diesem Schatz an guten Dingen zehren.

Ich glaube der Hans, der hat genau danach gelebt. Auch am Ende, nachdem alles weggetauscht war, was er am Beginn der Geschichte noch hatte, selbst dann ist er fröhlich und grämt sich nicht. Man könnte das dumm oder naiv nennen. Aber ich glaube der Hans war gar nicht so dumm. Der freut sich auf seine Familie. Die Gemeinschaft mit anderen Menschen. Auf das gemeinsame Lachen und Beisammensein. Auf all die Dinge, die man mit Geld nicht bezahlen kann.

Denn ich glaube der Hans wusste, es kommt nicht nur auf Geld und Besitz an. Es gibt daneben noch so vieles mehr. Und der Hans war dankbar dafür, „dankbar in allen Dingen“. Amen.

(Gemeindepädagoge Jakob Haferland)

17. Sonntag nach Trinitatis (26.09.)2021

  • Begrüßung mit Wochenspruch

„Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ (1.Johannes 5,4c)   

Um den Glauben geht es heute und ums Überwinden, um unseren Glauben und um den Glauben von Menschen, die anders sind als wir. Um das, was uns vertraut ist von Kindheit an und darum, dass Glauben nie fertig ist sondern ein Prozess. Und dass Gott immer noch größer ist als das, was wir von ihm erkannt haben. Ob er in uns überwinden kann, was seiner Liebe im Wege steht? 

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Gottesdienst

  • Lied: „Er weckt mich alle Morgen

1. Er weckt mich alle Morgen,

er weckt mir selbst das Ohr.

Gott hält sich nicht verborgen,

führt mir den Tag empor,

dass ich mit seinem Worte

begrüß das neue Licht.

Schon an der Dämmrung Pforte

ist er mir nah und spricht.

2. Er spricht wie an dem Tage,

da er die Welt erschuf.

Da schweigen Angst und Klage;

nichts gilt mehr als sein Ruf.

Das Wort der ewgen Treue,

die Gott uns Menschen schwört,

erfahre ich aufs Neue

so, wie ein Jünger hört.

3. Er will, dass ich mich füge.

Ich gehe nicht zurück.

Hab nur in ihm Genüge,

in seinem Wort mein Glück.

Ich werde nicht zuschanden,

wenn ich nur ihn vernehm.

Gott löst mich aus den Banden.

Gott macht mich ihm genehm.

  • Aus Psalm 138    

Ich danke dir von ganzem Herzen,

vor den Göttern will ich dir lobsingen.

2Ich will anbeten zu deinem heiligen Tempel hin und deinen Namen preisen für deine Güte und Treue;

denn du hast dein Wort herrlich gemacht

um deines Namens willen.

3Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.

4Es danken dir, Herr, alle Könige auf Erden,

dass sie hören das Wort deines Mundes;

5sie singen von den Wegen des Herrn,

dass die Herrlichkeit des Herrn so groß ist.

6Denn der Herr ist hoch und sieht auf den Niedrigen und kennt den Stolzen von ferne.

Wenn ich mitten in der Angst wandle,

so erquickst du mich

und reckst deine Hand gegen den Zorn meiner Feinde

und hilfst mir mit deiner Rechten

Der Herr wird’s vollenden um meinetwillen

Herr, deine Güte ist ewig.

Das Werk deiner Hände wollest du nicht lassen 

  • Evangelium Matthäus 15, 21 –  28

21Und Jesus ging weg von dort und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon. 22Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. 23Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. 24Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

25Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! 26Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. 27Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. 28Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.

  • Predigt über Römer 10, 12  

„Ob jemand Jude oder Nichtjude ist, macht keinen Unterschied: Alle haben denselben Herrn, und er lässt alle an seinem Reichtum teilhaben, die ihn im Gebet anrufen“. 

Liebe Gemeinde, vor 14 Tagen waren wir im Teutoburger Wald, haben Urlaub gemacht, schöne alte Städte angesehen und natürlich auch die Kirchen. In Lemgo sind wir auf gestoßen, worüber wir sehr erschrocken sind – inmitten von wunderbaren Zeugnissen der Frömmigkeit die mittelalterliche Steinfigur eines Juden mit seiner Spitzmütze, der diskriminierenden Kopfbedeckung, die ihme aufgezwungen wurde und einem Schwein auf seinen Knien. Dem Tier, das er weder essen noch berühren durfte. Die Verhöhnung eines Glaubens, mit dem wir zutiefst verbunden sind. Haben wir nicht vorhin einen Psalm gebetet, in dem sich das Gottvertrauen dieses Volkes ausspricht? Und spricht uns das nicht bis heute an? Wir wissen, wohin das geführt hat, diese Verachtung, dieser Hass, und dass das bis heute lebendig und gefährlich ist.

Das Schlimme ist, es hat seine Wurzeln  schon im Neuen Testament, ob man an die Darstellung des Judas denkt, die von Evangelium zu Evangelium immer schlimmer wird und mit dem die Juden dann identifiziert werden, oder auch an manche Passagen bei Paulus, der von den Juden   sagt, „dass sie ie den Herrn Jesus getötet haben und die Propheten und die uns verfolgt haben und die Gott nicht gefallen und allen Menschen feind sind.“ Allerdings gibt es bei ihm eine Veränderung. In seinem letzten Brief nach Rom spricht er ganz anders, und unser Predigttext ist ein Zeugnis davon. Paulus ringt mit dem Schicksal seines Volkes, das zum großen Teil Jesus als Messias, als Christus ablehnt und sagt, dass er lieber selber seine Seligkeit verlieren würde, als dass sein Volk in die Irre geht. Aber er ist zutiefst davon überzeugt, dass Gott an seiner Verheißung für das Volk Israel festhält und es am Ende zu sich nach Hause holen wird. 

Paulus verschweigt die Unterschiede nicht, aber er verurteilt sein Volk nicht, nicht mehr müßte man eigentlich sagen Und es kommt in unserem Text zu diesem wunderbaren Satz.

Ob jemand Jude oder Nichtjude ist, macht dabei keinen Unterschied: Alle haben denselben Herrn, und er lässt alle an seinem Reichtum teilhaben, die ihn im Gebet anrufen. 

Er verschweigt die Unterschiede nicht, diese Erkenntnis, die von Jesus Christus herkommt, dass kein Mensch mit seiner Leistung vor Gott bestehen kann, auch nicht mit seiner frommen Leistung, sondern dass ihn allein die Gnade Gottes, diese Liebe ohne Vorbedingungen zu einem Menschen machen kann, wie Gott ihn haben will. Und im jüdischen Glauben steht die Einhaltung der Gebote, des Gesetzes, der Thora im Mittelpunkt. 

Aber Paulus hat offensichtlich erkannt, dass Gott auch noch ganz andere Wege mit Menschen hat, und dass die Erfahrung der Gnade im eigenen Leben überhaupt kein Grund ist, sich über die anderen zu erheben.

Und so vertraut er darauf, dass Gott auch für sein Volk Israel einen Weg hat und dass am Ende auch sie zu Gott nach Hause kommen.

Es ist ein anderer Ton, in dem er spricht, eine tiefere Erkenntnis, die in ihm gewachsen ist. Und es macht einen anderen Umgang mit seinem eigenen Volk, mit unseren älteren Brüdern und Schwestern möglich. 

Wissen Sie, für mich ist die Erkenntnis, dass Gott Menschen ganz unabhängig von ihrer Leistung, von ihrer sozialen Stellung, ihrer Frömmigkeit annimmt eine der Grundpfeiler meines Glaubens. Aber ist es nicht ein ganz großes Geschenk, eine völlig unverdiente Gnade, wenn ich das erkennen konnte und mein Leben darauf aufbauen kann? Und es gibt mir in keiner Weise das Recht, mich über andere zu erheben. Im Gegenteil – ist diese unverdiente Liebe nicht ein Grund, sich Menschen mit einem anderen Glauben voller Respekt und in Liebe anzunähern und wahrzunehmen, wie sie mit den gleichen Fragen und Problemen umgehen und nach Antworten für ihr Leben suchen? 

Unsere Berührungen mit jüdischen Menschen sind wahrscheinlich eher selten, aber es ist schrecklich, dass der Antisemitismus sich bei uns wieder neu verbreitet. Wir brauchen nur an den Anschlag vom 9.Oktober 2019  zu denken. Aber es war sehr tröstlich, wieviele Christen sich damals nach dem Anschlag vor der Synagoge versammelt haben, um unseren jüdischen Geschwistern beizustehen. Und es ist klar, wie sehr sie unsere Solidarität brauchen, um in Frieden in unserem Land leben zu können. – Ich möchte aber noch auf etwas anderes hinweisen. Durch die Geflüchteten, die in unser Land kommen, steht  der Islam sehr im Vordergrund und die Ablehnung der Menschen, die diese Religion hierher mitbringen. Manche reden dann von „Kümmelhändlern und Kameltreibern, Kopftuchmädchen und anderen Taugenichtsen“. Und schon die Wortwahl zeigt, wes Geistes Kind sie sind. Aber da, wo wirkliches Christentum auf den Islam trifft, geschieht etwas ganz anderes. Vielleicht hat einer von ihnen einmal den Film gesehen, Von Menschen und Göttern. Er beruht auf wahren Ereignissen und erzählt von einer Gruppe französischer Mönche in Algerien, die dort friedlich unter den muslimischen Dorfbewohnern leben, ihr Leben teilen und helfen, wo sie nur können. Als dann der Islamische Staat sich breit macht, werden sie gewarnt, und sie könnten fliehen, aber sie wollen ihre muslimischen Brüder und Schwestern nicht im Stich lassen. Sie werden entführt und getötet. Sie ahnen es vorher und gehen trotzdem diesen Weg. Eine der berührendsten Szenen in diesem Film ist es, als sie ein letztes Mal Abendmahl miteinander feiern.- Und einmal fällt einer der Terroristen dann den Soldaten der Regierung in die Hände, wird fürchterlich gequält und wie ein Stück Vieh behandelt. Aber einer der Mönche verteidigt die Würde auch dieses Menschen, der eigentlich sein Feind war. 

Ein Muslim, der sich intensiv mit dem Christentum beschäftigt hat, schreibt „Wenn ich etwas am Christentum bewundere, oder an den Christen, deren Glauben mich mehr als überzeugte, nämlich bezwang, aller Einwände beraubte … dann ist es die spezifisch christliche Liebe, sofern sie sich nicht nur auf den Nächsten bezieht. In anderen Religionen wird ebenfalls geliebt, es wird zur Barmherzigkeit, Mildtätigkeit, Nachsicht angehalten. Aber die Liebe, die ich bei vielen Christen und am häufigsten bei jenen wahrnehme, die ihr Leben Jesus verschrieben haben, den Mönchen und Nonnengeht über das Maß hinaus, auf das ein Mensch auch ohne Gott kommen könnte: Ihre Liebe macht keinen Unterschied.“

Navid Kernani hat das geschrieben in dem Buch: „Ungläubiges Staunen Über das Christentum“ – und er erzählt von einem italienischen Pater, der in einer kleinen Klosterkirche in der syrischen Wüste zusammen mit Muslimen betet und  eine Seite der Kirche deshalb von Bildern freigehalten hat.

Ist das nicht der beste Weg etwas von unserem Glauben zu erzählen – diese Liebe, die keinen Unterschied macht? Und dieser Liebe einen Platz freizuhalten in unserer Gesellschaft, inmitten von Ablehnung und Verachtung, von Egoismus, Engstirnigkeit und Lieblosigkeit, inmitten von so vielem, was uns davon abhalten möchte: 

Es gibt ja diesen Satz im Neuen Testament, in dem es heißt,  „solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ So wie Jesus im heutigen Evangelium sagt: „ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen Israels.“ Und „Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.“ Aber die Frau antwortet Jesus „ Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. 

Und er  läßt sich von ihr überwinden. „Warum nicht auch wir?

An vielen Stellen ist das längst passiert, wenn ich an das denke, was in unseren Gemeinden geschieht, auch  z.B. mit den „Zeitpaten“ hier in der Luthergemeinde. Lassen Sie uns weitergehen auf diesem Weg, dass wir uns einbringen, wo es nötig und möglich ist und so an einer Gesellschaft mitwirken, die den Namen menschlich wirklich verdient.Und weil wir heute die Wahl haben, lassen Sie uns nicht zuerst nach dem fragen, was draußen dran steht  sondern danach, welche Absichten und Vorhaben sich hinter dem verbergen, was in den Programmen der Parteien benannt iund in den schönen Reden gesagt wird, und wem es dann eigentlich nützt. Amen 

  • Lied: „Wo Menschen sich vergessen

Wo Menschen sich vergessen,
Die Wege verlassen,
Und neu beginnen,
Ganz neu,
Da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
Da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Wo Menschen sich verschenken,
Die Liebe bedenken, Und neu beginnen,
Ganz neu,
Da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
Da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Wo Mensch sich verbünden, den Hass überwinden, und neu
Beginnen, ganz neu,
Da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
Da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns. 

  • Wir beten: 

Herr, wir danken Dir dafür, dass wir von Jesus Christus wissen und an ihn glauben können. Wir danken dir dafür, dass wir in Deiner Gemeinde zu Hause sein dürfen. Wir danken dir dafür, dass wir immer wieder deine Liebe geschenkt bekommen, ganz umsonst. Aber es gibt viele, die einen anderen Weg gehen in ihrem Leben. Und Menschen, die anders glauben als wir. Wir bitten dich, dass wir uns vor ihnen nicht verschließen oder sie herabwürdigen sondern ihnen mit Respekt begegnen. Dass wir das Gespräch mit ihnen suchen und das, was gemeinsam möglich ist.

Wir bitten dich für die jüdischen Gemeinden in Deutschland, dass sie ihren Glauben ohne Angst und Bedrohung leben können. Hilf uns, dass wir ihnen beistehen und für sie eintreten, wo immer es nötig ist.

Wir bitten dich für die, die als Muslime in unserem Land leben. Dass sie nicht unter einem Generalverdacht stehen sondern als Menschen gesehen werden, genau wie wird.

Wir bitten dich für ein friedliches Zusammenleben und aufeinander hören, damit Vertrauen entstehen kann und lebendiges Miteinander.

Wir bitten dich, Herr, lass uns deine Liebe leben zu jedem Menschen. 

Wir bitten dich, heute am Tag der Wahl, dass Menschen an die Macht kommen, denen das Wohl aller am Herzen liegt und nicht nur eine bestimmte Gruppe  oder die eigene Macht. Wir bitten dich, dass sie ernsthaft versuchen, unsere Erde zu erhalten als wunderbaren Lebensraum für alle Menschen. 

Mit den Worten Jesu beten wir:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir 

und sei dir gnädig

der Herr erhebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden 

Amen

(Pfr. i.R. Christoph Lemme)

14. Sonntag nach Trinitatis (05.09.)2021

  • Eröffnung

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103,2).

Der Spruch für die neue Woche lenkt den Blick auf das Gute in unserem Leben und macht Mut dies auch im Alltag nicht zu vergessen und Gott dafür „Danke“ zu sagen.

  • Lied: „All Morgen ist ganz frisch und neu“ (EG 440)

All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu;
sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.
O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn:
Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.

Treib aus, o Licht all Finsternis, behüt uns Herr vor Ärgernis,
vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand,
zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag,
wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.

  • Worte aus Psalm 146

Halleluja! Lobe den Herrn meine Seele!

Ich will den Herrn loben, solange ich lebe,

und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.

Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist,

der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott.

Der Herr macht die Gefangenen frei. 

Der Herr macht die Blinden sehend.

Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind.

Der Herr liebt die Gerechten.

Der Herr behütet die Fremdlinge

und erhält Waisen und Witwen;

aber die Gottlosen führt er in die Irre.

Der Herr ist König ewiglich,

dein Gott, Zion, für und für. Halleluja!

  • Gedanken zum Bibeltext Lukas 19,1-10

Sie kennen sie vermutlich seit Kindertagen, die Geschichte vom Oberzöllner Zachäus.

Kommen Sie mit in seinen Wohnort. Dort kennt man sich.

Man meint genau zu wissen, wie die anderen sind, wie sie leben, wie sie denken. Man – das sind die Frauen und Männer im Dorf;

So ist es auch bei Zachäus. Man kennt ihn. Man kennt seinen Wohlstand.

Man sieht es ihm an. Sein Haus, sein Kleid, seine Einrichtung. Alles zeugt davon. Aber Freunde, richtige Freunde sieht man bei ihm nicht.

Mit seinem Beruf macht man sich keine Freunde.

Aber jemand muss den Job doch machen. Wenn nicht er, dann macht es jemand anderes. Er ist ein Oberzöllner. Er lebt von den Beträgen, die er auf römisch festgelegte Steuern drauf schlägt.

Jede Mehreinnahme in seinem Zuständigkeitsgebiet wandert in seine Tasche. Die anderen müssen es ihm oder seinen Mitarbeitern bezahlen, sonst drohen Strafen.

Immerhin ist es jetzt jemand – aber er ist allein – oft fühlt er sich einsam.

Eine Nachricht lässt ihn aufhorchen. 

Von einem Rabbi ist die Rede, der anders lehrt als üblich.

Er hat schon viel von Jesus, diesem Rabbi aus Nazareth, gehört.

Er zieht von Dorf zu Dorf und findet immer mehr Anhänger, Frauen und Männer. Er hilft vielen Menschen.

Auch den Ausgestoßenen, Aussätzigen und Kranken.

Er heilte sogar den Knecht des Hauptmanns von Kapernaum.

Obwohl der eine römische Uniform trägt. 

So wie er selbst als Zöllner für die Römer arbeitet.

Die Frauen und Männer erzählen, dass Jesus ins Dorf kommt.

Es bildet sich eine Menschentraube, um ihn zu empfangen.

Diesen ungewöhnlichen Rabbi möchte Zachäus wenigstens einmal sehen.

Aber sich einfach unter die Leute zu mischen kann er sich nicht leisten. Sie würden ihn verjagen.

So steigt er auf einen Baum. Aber er  bleibt nicht unbemerkt.

Man kennt sich. Man kennt ihn.

Böse Blicke, die ihn auf dem Baum erblickt haben, begegnen ihm.

Es sind die Blicke seiner Mitmenschen, die ihm Geld am Zoll aushändigen mussten. Sie drücken aus: „Wie kann er es nur wagen in die Nähe von Jesus zu kommen. Dieser Verräter, Ausbeuter und Sünder.

Dann beginnen die Jubelrufe: Jesus ist im Dorf angekommen. Er läuft auf der Hauptstraße. Zachäus bleibt nicht unbemerkt.

Der Rabbi aus Nazareth spricht ihn an: „Zachäus, steig eilend herunter, denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“

Zachäus zuckt zusammen. Er ist gemeint! Sofort steigt er vom Baum herunter. Er verspürt soviel Lebensfreude wie schon lange nicht.

Das Gemurmel der Menschenmenge und deren entgeisterte Blicke halten ihn nicht auf. Jetzt ist er bereit alles auf eine Karte zu setzen. Ohne darüber nachgedacht zu haben spricht er zu Jesus: “Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

Jesus kehrte in das Haus des Zachäus ein. 

Nachdem Jesus das Dorf wieder verlassen hat, verstummen die Gespräche über den „Fall Zachäus“ nicht.

Hören wir in ein Gespräch hinein.

Einer sagt: “Jesus von Nazareth hat mir bisher gut gefallen. 

Aber diesmal ging er eindeutig zu weit.

Wie kann man nur das Haus dieses Halsabschneiders betreten?

Das Haus dieses Sünders!“

Ein anderer gibt zu bedenken: „Aber hat Jesus nicht gesagt, er will das Verlorene suchen und selig machen?

Hast du nicht die seligen Augen des Zöllners gesehen?

Er hat ja auch die Hälfte seines Vermögens der Armenkasse gegeben.“

Der eine erwidert: „Wer einmal mit den Wölfen heult, wird immer die Schafe reißen! Er bleibt der Wolf im Schafspelz.“

Der andere antwortet: 

„Habt ihr vergessen, wie oft wir früher Zachäus Leid zugefügt haben? Wie wir ihn verachtet haben, weil er so klein war?

Hatte er jemals eine Chance, einer von uns zu werden?

Wieviele Wunden wir ihm zugefügt haben?

Nicht umsonst musste Zachäus auf einen Maulbeerbaum steigen.

Wir wissen doch alle, dass der Saft der Früchte Wunden heilen kann.

Unterhalte dich doch einmal mit Zachäus! 

Lass ihn erzählen. Vielleicht lernst du ihn ganz neu kennen.

Vielleicht erfährst du von seinen Sehnsüchten und Wünschen nach einem Leben mit uns?“

Ja, es berührt, wenn Menschen die Sehnsucht nach einem Neuanfang beschreiben können. Und es beschämt mich, wenn ich in meinen Gedanken oder sogar mit meinen Worten in den Chor derer einstimme, die alle Menschern zu kennen meinen; die zu wissen meinen, wer zu den Guten und zu den Schlechten gehört.

So erkenne ich Teile von mir in Zachäus, wieder, der seine Sehnsüchte im Verborgenen schlummern lässt. Und ich erkenne Teile von den murrenden Leuten wieder, die bei ihren Urteilen über andere Menschen hängen bleiben.

Dankbar bin ich, dass durch Jesus Christus immer wieder Menschen angesprochen werden, sich zu verändern und so ihre Lebensfreude neu entfalten können.

(nach einer Vorlage von Pfarrer Dr. Hans-Jörg Wahl)

  • Gebet

Gott, für alles Gute, das du uns tust, danken wir dir:

Wir bitten dich für alle, 

die morgens mit einem Dank auf den Lippen aufstehen

und abends dankbar zu Bett gehen.

Wir bitten dich für die Menschen, die das Gute nicht sehen können,

die das Leben bitter und misstrauisch gemacht hat.

Wir bitten dich für alle,

die aus allem das Beste machen und denen oft viel zugemutet wird.

Wir bitten dich für jene, die andere teilhaben lassen

an dem Guten, dass ihnen widerfährt.

Die teilen und abgeben. Die sich kümmern und sorgen.

Die sich engagieren und Verantwortung übernehmen.

Wir bitten dich für alle, denen vorenthalten wird,

was sie zum Leben brauchen: ein Auskommen und Frieden,

ein Zuhause und Geborgenheit, Liebe und Respekt.

So bitten wir:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

  • Segen

Gott sei uns gnädig und segne uns,

er lasse uns sein Antlitz leuchten.

Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn!

(Lektorin Gudrun Naumann)

13. Sonntag nach Trinitatis (29.08.)2021

  • Eröffnung

Gottes Frage: Wo bist du, Adam?; oder allgemeiner gesprochen: Wo bist du, Mensch? Wer bist du, Mensch? Diese Fragen stellen wir an ein Bild der aktuellen Ausstellung in der Lutherkirche. Wir legen unser Menschsein mit Lied und Gebet in Gottes Hand.

  • Ein Lied: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“ (EGE 24)

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

  1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.
    In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain
  2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir.
    In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain
  3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir.
    In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain
  4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir.
    Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain
  • Aus Psalm 18 – er hatte Lust zu mir

Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke!
HERR, mein Fels, meine Burg, mein Erretter;
mein Gott, mein Hort, auf den ich traue,
mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz!
Es umfingen mich des Todes Bande,
und die Fluten des Verderbens erschreckten mich.
Des Totenreichs Bande umfingen mich,
und des Todes Stricke überwältigten mich.
Als mir angst war, rief ich den HERRN an
und schrie zu meinem Gott.
Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel,
und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren.
Er streckte seine Hand aus von der Höhe
und fasste mich und zog mich aus großen Wassern.
Der HERR ward meine Zuversicht.
Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus;
denn er hatte Lust zu mir.
Darum will ich dir danken, HERR, unter den Völkern
und deinem Namen lobsingen.

  • Evangelium nach Markus 2

Und nach etlichen Tagen ging Jesus wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. Und es kamen einige, die brachten zu ihm einen Gelähmten, von vieren getragen. Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, gruben es auf und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.
Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?
Und Jesus erkannte alsbald in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.

  • Gedanken zum Bild „Welten in Welten“ von Mattes Fischer (Ausstellung in der Lutherkirche Halle (Saale) vom 21.08.2021 bis 12.09.2021)
„Welten in Welten“ von Mattes Fischer

I Innen und Außen, Außen und Innen

Ein Mensch, ein Mann, nackt, mitten im Wasser. Ein Schöpfungsklang, Licht von Finsternis, Wasser von Festem geschieden. Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde. Der heitere Himmel wölbt sich über ihm, hinter ihm erstreckt sich das weite Meer.
Ein Psalmenklang: Und fasste mich
und zog mich aus großen Wassern.
Er führte mich hinaus ins Weite,
er riss mich heraus.
Und siehe, es war sehr gut. Eine Welt.
Wohin lenkt ihn aber sein neugieriger Blick. Warum gibt er sich nicht zufrieden? Warum hält er Ausschau nach dem, was hinter der himmlischen Sphäre weiterhin existiert? Nach den Welten jenseits seiner Welt.
Aus dem Urschlamm kriechen die Wesen der Dunkelheit. Unter dem Meeresspiegel tummeln sich Urgestalten. Müde, enttäuscht, gierig, scheel, misstrauisch und traurig wenden sie ihren Blick dem Licht zu. Sie sind ausgeschlossen aus der guten Welt. Gefangen in der Finsternis.
Ein Psalmenklang: Es umfingen mich des Todes Bande,
und die Fluten des Verderbens erschreckten mich.
Des Totenreichs Bande umfingen mich,
und des Todes Stricke überwältigten mich.
Wohin lenkt der Mann im Licht seinen Blick. Warum gibt er sich nicht zufrieden? Was sucht er dort hinter der himmlischen Sphäre? Fühlt er sich eingeschlossen oder ausgeschlossen?
Ist es Neugier oder ein Spiegel? Das Innere nach Außen gekehrt? Zwei Seiten desselben Menschen?
Das Loch im Himmel und die Kreatur, die vorwitzig hindurchschaut, verraten, dass diese Aufteilung in lichtes Diesseits und dunkles Jenseits keine Selbstverständlichkeit ist.

II Lähmungen

Durch ein Loch im Dach lassen sie den Gelähmten zu Jesus hinab. In seinem Raum, in seine Sphäre. Dort hat die Finsternis keine Macht. Was den Gelähmten bannt, seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, ihn an das Bett und an sich selbst fesselt, zerstäubt unter der Macht der Worte Jesu.
Keiner behauptet, dass das selbstverständlich sei. Der Schöpfungsklang entfaltet seine Melodie. Die Augen aller sind auf Gott gerichtet und kann wieder laufen. Ein Mensch kann wieder aufrecht gehen.
Egal, ob wir nur auf uns schauen, in den Spiegel oder auf die dunklen Geheimnisse, die uns umgeben. Ob wir müde, enttäuscht, gierig, scheel, misstrauisch und traurig auf das schauen, was uns umgibt. Wir bleiben auf der Stelle stehen. Was schön und licht ist, haben wir dann im Rücken.
Vielleicht lassen sich die traurigen Wesen jenseits der Sphäre nicht leugnen; vielleicht verdienen sie auch Aufmerksamkeit.
Gott hat uns aber für mehr erschaffen: friedvoll äußerlich und innerlich, ohne Scham, weil wir schön sind und voller Lust auf die weite Welt über dem Meer. Jesus rückt das ins rechte Maß und ins rechte Licht. Damit wir wieder aufrecht gehen können.
Amen.

  • Miteinander und füreinander beten

Guter Gott, reiß uns heraus
aus dem Unfrieden in unserer Welt.
Voller Kummer sehen wir, dass wir keinen Frieden finden können:
weder am Hindukusch noch in unmittelbarer Nachbarschaft.
Gott, zieh uns heraus
aus dem Unfrieden mit uns selbst.
Voller Ungeduld richten wir unseren Blick auf jede Unzulänglichkeit,
und vergessen darüber, welche Gaben und Talente in uns schlummern.
Gott, mache uns Lust
auf dein Wort und deine Kraft,
dass wir es wohlgemut und fröhlich weitergeben können,
und Licht und Salz sein können in einer glaubensarmen Zeit.
Gott, führe uns hinaus ins Weite
auf die Hoffnung, die Liebe und den Glauben hin,
die jeden Schatten und selbst den Tod hinter sich lassen.

Mit den Worten Jesu beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne uns durch seinen Geist
der uns zum Leben und zum Frieden weist.
Er segne unser Lassen und unser Tun,
in seinen Händen könn‘ wir ruhn.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

12. Sonntag nach Trinitatis (22.08.)2021

  • Eröffnung

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Das verheißt uns der Prophet Jesaja. Ein hoffnungsvoller und stärkender Blick auf Gott. Schön, dass wir diesen Blick auf Gott und auf uns hier miteinander einüben können.

  • Ein Lied: Nun lob, mein Seel, den Herren (EG 289)

https://www.youtube.com/watch?v=Bf6g7QyYIk

1) Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein.
Sein Wohltat tut er mehren, vergiss es nicht, o Herze mein.
Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß,
er rett‘ dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoß,
mit reichem Trost beschüttet, verjüngt, dem Adler gleich;
der Herr schafft Recht, behütet, die leidn in seinem Reich.

2) Er hat uns wissen lassen sein herrlich Recht und sein Gericht,
dazu sein Güt ohn Maßen, es mangelt an Erbarmung nicht;
sein‘ Zorn lässt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld,
die Gnad tut er nicht sparen, den Schwachen ist er hold;
sein Güt ist hoch erhaben ob den‘, die fürchten ihn;
so fern der Ost vom Abend, ist unsre Sünd dahin.

3) Wie sich ein Mann erbarmet ob seiner jungen Kindlein klein,
so tut der Herr uns Armen, wenn wir ihn kindlich fürchten rein.
Er kennt das arm Gemächte und weiß, wir sind nur Staub,
ein bald verwelkt Geschlechte, ein Blum und fallend Laub:
Der Wind nur drüberwehet, so ist es nimmer da,
also der Mensch vergehet, sein End, das ist ihm nah.

4) Die Gottesgnad alleine steht fest und bleibt in Ewigkeit
bei seiner lieben G’meine, die steht in seiner Furcht bereit,
die seinen Bund behalten. Er herrscht im Himmelreich.
Ihr starken Engel, waltet seins Lobs und dient zugleich
dem großen Herrn zu Ehren und treibt sein heiligs Wort!
Mein Seel soll auch vermehren sein Lob an allem Ort.

5) Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn und Heilgem Geist!
Der wolle in uns mehren, was er aus Gnaden uns verheißt,
dass wir ihm fest vertrauen, uns gründen ganz auf ihn,
von Herzen auf ihn bauen, dass unser Mut und Sinn
ihm allezeit anhangen. Drauf singen wir zur Stund:
Amen, wir werden’s erlangen, glaubn wir von Herzensgrund.

  • Aus Psalm 147 – die zerbrochenen Herzens sind

Lobet den HERRN! /
Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding,
ihn loben ist lieblich und schön.
Der HERR baut Jerusalem auf
und bringt zusammen die Verstreuten Israels.
Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind,
und verbindet ihre Wunden.
Er zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen.
Unser Herr ist groß und von großer Kraft,
und unermesslich ist seine Weisheit.
Der HERR richtet die Elenden auf
und stößt die Frevler zu Boden.
Der HERR hat Gefallen an denen,
die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.

  • Evangelium nach Markus 7,31-37 – die Sprachlosen reden

Und als Jesus wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite
und legte ihm die Finger in die Ohren
und spuckte aus
und berührte seine Zunge
und sah auf zum Himmel
und seufzte
und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!
Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig. Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s ihnen aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden.

  • Gedanken zum Evangelium

Jesus nimmt, Jesus legt, Jesus spuckt, Jesus berührt, Jesus sieht auf, Jesus seufzt und, schließlich, Jesus spricht. Jesus handelt. Sein Sprechen ist nur eine Tat unter vielen. Wie ungewöhnlich das klingt. Jesu Worte haben einen festen Platz in unseren Gottesdiensten. Seine Taten weniger. Aber hier eine ganze Kaskade von Tätigkeiten. Ein Verb nach dem anderen. Und dann nur ein Wort. Hefata. Tu dich auf.
Reicht nicht ein Wort? In der heutigen Medizin ergibt das Verhältnis zwischen Handlung und Wort einen guten Sinn. Leidet etwa ein Mensch an Rückenschmerzen, dann gibt es Diagnosen, bildgebende Verfahren, Rückenschulen, Operationen und Rehamaßnahmen. Alles mehr oder weniger handfeste Behandlungsmethoden. Gespräche, also Worte – nicht nur im Sinne einer Psychotherapie – gehören aber auch dazu.
Handfeste Behandlungsmethoden gehören auch bei Jesus dazu. Mir kommt das zwar ein wenig seltsam vor. Finger in die Ohren legen, ausspucken (wohin?) und Zunge berühren. Nicht gerade die Standardmethoden der Schulmedizin. Allerdings weiß man heute auch, dass das Pusten auf ein Aua durchaus hilft. Das ist schon ziemlich nah an dem einen Wort – Hefata.
Neben den auf den Körper gerichteten Maßnahmen Jesu gibt es aber auch andere. Er seufzt und sieht zum Himmel auf. Eine Gebetshaltung. Die Kraft Gottes gehört mit dazu. Besonders berührt mich aber seine erste Tat. Er nimmt den Kranken aus der Menge beiseite. Jesus schafft ihm einen Raum, in der die beiden unter sich sind mit Gott. Ein Raum für Vertrauen und Sicherheit. Es geht niemanden etwas an, was die beiden jetzt miteinander tun und reden. Könnte es sein, dass es nicht nur diesem Mann in der Menge die Sprache verschlägt? Wie wähle ich meine Worte abhängig von den Menschen, die mich umgeben?
Wenn mich etwas gefangen nimmt, kann das durchaus etwas Schönes sein. Aber ebenso kann es mich nachhaltig hindern, das zu tun und zu sagen, was wichtig und an der Zeit wäre. Das Beispiel der Behandlung von Rückenschmerzen zeigt, dass es nicht nur körperliche Beschwerden sind, die Krankheiten auslösen können. Alles aber, was Jesus tut, deutet auf eines hin: Der taube und stammelnde Mann ist Gottes geliebtes Kind ebenso wie alle anderen, die gesund sind. Alles an ihm ist schön. Sein Ohr und seine Zunge, sein Reden und sein Leiden, sein Glauben und seine Bedürfnisse. Sie sind aber gefesselt. Nicht nur durch sein Leiden, sondern auch durch die Erwartungen und Anforderungen der Menschen um ihn. Schwer zu sagen, ob in böser oder in guter Absicht. Deshalb nimmt Jesus ihn als erstes aus der Menge beiseite. Betet und seufzt zu Gott. Er schafft eine Raum, in dem der Mensch so sein kann, wie Gott ihn geschaffen hat. Dann braucht es nur noch ein Wort – Hefata.
Amen.

  • Miteinander und füreinander beten

Löse die Fesseln unserer Zungen, Herr,
dass wir deutlich sagen können, was uns das Herz schwer macht.
Für den Frieden in der Welt.
Für die Menschen in Afghanistan. Niemand soll wegen religiöser Ideen leiden.
Jeder und jede soll so leben können, wie es ihm oder ihr gut tut.
Für den Frieden mit Gott.
Für eine Gemeinde, in der Freude und Dankbarkeit; aber auch Klage und Leid geäußert werden können. In der, frei von sozialen Zwängen, liebevoll und zärtlich miteinander gebetet, gesungen und nachgedacht werden kann.
Für den Frieden in unserem Land.
Für ein gedeihliches Miteinander, für gute und, notfalls, auch harte Auseinandersetzungen. Für die Einsicht, dass hier für eine große Vielfalt von Lebensweisen Platz ist. Auch wenn uns die Meinungen und Ansichten nicht gefallen.
Für den Frieden mit uns selbst.
Für einen offenen Blick auf uns selbst. Der nicht durch verstellt ist durch den Blick anderer. Der feststellt, so schön hast Du mich gemacht, Gott.
Mit den Worten Jesu beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne uns durch seinen Geist
der uns zum Leben und zum Frieden weist.
Er segne unser Lassen und unser Tun,
in seinen Händen könn‘ wir ruhn.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

11. Sonntag nach Trinitatis (15.08.)2021

  • Begrüßung

Ein sorgenfreier Sommertag. Ein Tag, an dem mich nichts drängt und nichts zu schaffen ist. Innerlich und äußerlich frei für Gottes Wort, für den Glauben und für ein gutes Werk an meinen Mitmenschen. Dazu helfe mir Gott. Amen.

  • Lied: Meine engen Grenzen (EGE 12)
  1. Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht
    Bringe ich vor dich.
    Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich?
  2. Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt
    Bringe ich vor dich.
    Wandle sie in Stärke, Herr, erbarme dich?
  3. Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit
    Bringe ich vor dich.
    Wandle sie in Wärme, Herr, erbarme dich?
  4. Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit
    Bringe ich vor dich.
    Wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich?
  • Aus Psalm 145

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,
deinen Namen loben immer und ewiglich.
Ich will dich täglich loben
und deinen Namen rühmen immer und ewiglich.

Der HERR hält alle, die da fallen,
und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.

Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen
und gnädig in allen seinen Werken.
Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen,
allen, die ihn mit Ernst anrufen.
Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,
und hört ihr Schreien und hilft ihnen.
Der HERR behütet alle, die ihn lieben,
und wird vertilgen alle Gottlosen.

Mein Mund soll des HERRN Lob verkündigen,
und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen immer und ewiglich.

  • Worin wir wandeln – Worte aus dem Epheserbrief im 2. Kapitel

Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden,
in denen ihr früher gewandelt seid nach der Art dieser Welt,
unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht,
nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist
in den Kindern des Ungehorsams.
Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt
in den Begierden unsres Fleisches
und taten den Willen des Fleisches und der Vernunft
und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern.
Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit,
hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,
auch uns, die wir tot waren in den Sünden,
mit Christus lebendig gemacht
– aus Gnade seid ihr gerettet –;
und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.
Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

  • Gedanken zum Bibelwort

IN DER LUFT HÄNGEN
Ich schaffe das nicht allein. Die guten Werke. Weder aus meinem – festen – Willen noch aus meiner Vernunft. Jeder kluge Plan und jedes gute Ziel verliert sich in mir. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Meine besten Absichten finden keinen Halt. Es gibt nichts außer mir, wo sie einen Platz finden könnten. Ich baue ein Haus, aber niemand will darin wohnen. Ich pflanze eine Blume, aber niemand will daran riechen. Ich beginne ein Gespräch, aber niemand hört zu. Ich spreche die Worte der Bibel, aber sie bleiben Papier und Druckerschwärze. Alles verfliegt. Unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht. Alles verschwindet in der Haltlosigkeit. Je mehr ich will, je sicherer ich mir bin, um so weniger komme ich von mir los.

GEFUNDEN
Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.
Ich wollt es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?
Ich grub’s mit allen
Den Würzlein aus.
Zum Garten trug ich’s
Am hübschen Haus.
Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Kein Wille und kein vernünftiger Gedanke führt mich. Ich gehe – einfach so. Verschwende meine Zeit. Im Schatten – rein zufällig – entdecke ich das Blümchen. Da gehört es doch nicht hin. Da hätte ich es nie gesucht. Gott hat es geschaffen. Er hat mir gesunde Hände und Beine gegeben, damit ich es ausgraben und wieder einpflanzen kann. Das sonderbare Blümchen, das zu mir spricht. Ich höre seine Stimme. Ein Gegenüber. Es ängstigt sich. Es vertraut mir. Ich folge diesem göttlichen Wesen. Ich wandele auf seinen Wegen. Ich habe es aus dem Schatten gerettet. Nun schenkt es mir jeden Tag Freude. Unerwartetes Glück. Von allein wäre ich da nie drauf gekommen. Ein gutes Werk für dich und mich. Ein gutes Werk von Gott gemacht. Mitten in dieser Welt.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr im Himmel,
befreie die Mächtigen von ihrem Willen und ihrer Vernunft,
um ihre Gedanken und Taten, ihre Möglichkeiten auf das zu lenken,
was dem Frieden dienen kann.

Herr im Himmel,
befreie unsere Kirche von ihrem Willen und ihrer Vernunft,
dass sie wieder Vertrauen fasst in dein Wort,
um deiner Gemeinde Zuversicht und Trost zu geben.

Herr im Himmel,
befreie einsame, kranke und sterbende Menschen von ihrem Willen und ihrer Vernunft,
dass sie deinem Licht Platz einräumen können,
um getrost ihren Weg zu gehen.

Herr im Himmel,
befreie uns von unserem Willen und unserer Vernunft,
dass wir im Beten und Singen dich finden.

Vaterunser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott, der Herr, segnet dich.
Er bietet dir seine Nähe und seine Hilfe an.
Er schenkt dir Freude und Zuversicht.
Er ist dir Trost und Erfüllung.

(Pfr. Olaf Wisch)

9. Sonntag nach Trinitatis (01.08.)2021

  • Eröffnung

Mit dem Wochenspruch für die neue Woche grüße ich Sie:
„Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern“. (Lukas 12, 48b)

  • Lied: Danke, für diesen guten Morgen (EG 334)

Das Lied zum Anhören: https://www.eingesungen.de/player.php?track=1103&buch=21#player

Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag.
Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.
Danke für alle guten Freunde, Danke, o Herr, für jedermann.
Danke, wenn auch dem größten Feinde ich verzeihen kann.
Danke für meine Arbeitsstelle, danke für jedes kleine Glück.
Danke für alles Frohe, Helle und für die Musik.
Danke für manche Traurigkeiten, danke für jedes gute Wort.
Danke, dass deine Hand mich leiten will an jedem Ort.
Danke, dass ich dein Wort verstehe, danke, dass deinen Geist du gibst.
Danke, dass in der Fern und Nähe du die Menschen liebst.
Danke, dein Heil kennt keine Schranken, danke, ich halt mich fest daran.
Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.

  • Psalm 63

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.
Es dürstet meine Seele nach dir,
mein ganzer Mensch verlangt nach dir
aus trockenem, dürren Land wo kein Wasser ist.
So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,
wollte sehen deine Macht und Herrlichkeit.
Denn deine Güte ist besser als Leben;
meine Lippen preisen dich.
So will ich dich loben mein Leben lang
und meine Hände in deinem Namen aufheben.
Das ist meines Herzens Freude und Wonne,
wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;
wenn ich mich zu Bett lege, denke ich an dich,
wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.
Denn du bist mein Helfer,
und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.
Meine Seele hängt an dir;
deine rechte Hand hält mich.

  • Text: Matthäus 7,24-27

Jesus sprach:
Wer diese meine Rede hört und tut sie,
der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen
und die Winde wehten und stießen an das Haus,
fiel es doch nicht ein.
Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht,
der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen
und die Winde wehten und stießen an das Haus,
da fiel es ein und sein Fall war groß.

  • Gedanken zum Text

Liebe Gemeinde,
„auf das Fundament kommt es an“
Fels oder Sand, wo kann man sicherer bauen und wohnen.
Ein eindrückliches Bild, das uns Jesus da vor Augen führt,
eine klare, gut verständliche Sache. Wenn die Regengüsse und Sturzbäche kommen, braucht man ein gutes Fundament, sonst rutscht alles ab.
Auf das Fundament kommt es an, weil es einem einen festen Halt gibt. So ein festes Fundament im Leben – das wäre schön.
Es ist das Ende der Bergpredigt, wo unser Text steht.
Gerade die Worte der Bergpredigt haben es in sich.
Von Barmherzigkeit ist die Rede, vom Salz der Erde und Licht der Welt. Jesus redet von Versöhnung und Feindesliebe, unvergänglichem Reichtum und fordert dazu auf, sich nicht den Sorgen zu unterwerfen. In dieser Bergpredigt lehrt er uns zu beten und warnt vor Irrwegen und Irrlehren.
Die Bergpredigt ist eine Herausforderung. Jesus ermutigt seine Predigthörer, sein Wort in die Tat umzusetzen.
Ja, gern würde ich nach seinen Verhaltensregeln leben.
In Gedanken stimme ich Jesus zu – und weiß doch, wenn ich ehrlich mit mir bin, wie oft ich in der Praxis hinter seinen Aufforderungen zurückbleibe – wie sehr Hören und Tun auseinanderklaffen.
Wie gehe ich mit diesen Worten um, die im Denken und Handeln mein Leben als Christin bestimmen möchten.
Laufe ich nicht Gefahr, mich beider Umsetzung der Worte selbst zu überfordern und letztendlich zu resignieren und es sein zu lassen? Das kann Jesus nicht so gemeint und gewollt haben.
Es muss noch einen Weg geben. Dabei kann ein Blickwechsel helfen – weg vom Errichten eines Fundamentes samt Hausbau,
hin zu Jesus in seiner Gesamtheit. Ich verstehe das Reden und Handeln Jesu so, dass er das Reich Gottes den Menschen nahe bringen wollte.
Ein Reich, in dem die Liebe Gottes regiert und seine Gnade unübersehbar ist. Doch dieses Reich gibt es nicht einfach zu kaufen.
In einer kleinen Geschichte erzählt Heinz Summerer:
Ein junger Mann betrat im Traum einen Laden. Hinter der Theke stand ein Engel.
Hastig fragte er ihn: Was verkaufen Sie, mein Herr?
Der Engel antwortete freundlich: „Alles, was Sie wollen.“
Der junge Mann begann aufzuzählen: „Dann hätte ich gern das Ende aller Kriege in der Welt, bessere Bedingungen für die Randgruppen der Gesellschaft, Beseitigung der Elendsviertel in Lateinamerika, Arbeit für die Arbeitslosen, mehr Gemeinschaft und Liebe in der Kirche, und …
Da fiel ihm der Engel ins Wort:
„Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine Früchte, wir verkaufen nur den Samen.“
Diese kleine Geschichte sagt uns, dass wir selbst tätig werden sollen, ja dürfen.
Ganz gleich, was wir anlegen möchten, festes Fundament oder einen wunderschönen Garten- wir dürfen selbst tätig werden.
Dahinter verbirgt sich eine große Freiheit, die Freiheit des Probierens. Die Freiheit des „Nicht-Funktionieren-Müssens“.
Die Freiheit, sich selbst so anzunehmen, wie man ist.
Wir leben in einer Welt, die oft von Forderungen und Zwängen
bestimmt ist, die wir uns selbst auferlegen.
Das Ganze ist einhergehend mit dem Streben nach materieller Absicherung und bestmöglicher Gesundheit. Ist dieses vorhanden, so sind viele Menschen unserer Tage überzeugt, werde sich das Leben ganz gut und lange leben lassen.
Nur, steckt darin eine Gefahr. Egoismus, Neid und Unzufriedenheit machen sich breit, wenn ich meine haben zu müssen, was der Nachbar hat, angesehen zu sein, wie ein guter Bekannter. Und schon kreisen die Gedanken in diese Richtung.
Ohne, dass wir es merken gerät das Fundament unseres Lebenshauses ins Wanken. So, als wäre es von Schwamm befallen .
Die Empathie für andere nimmt immer mehr ab. Menschen verhärten, während das Fundament ihres Lebenshauses immer stärkere Risse bekommt.
Zumal, wenn der Alltag anders verläuft als geplant, Ereignisse eintreten, die weder geplant waren noch gewünscht sind.
Gegen all das steht die Freiheit, zu der Jesus uns einlädt.
Es gibt nur einen Haken dabei: wir müssen es zumindest einmal versuchen!
Den ersten Schritt zu gehen; es zu wagen, das zu leben, was im Sinne Gottes ist; der Sehnsucht zu trauen, das etwas neu lebendig werden kann in mir, in meinen Beziehungen zu anderen,
im Vertrauen auf Gott.
Das hat Bedeutung über das Persönliche hinaus.
Denn auch für das Haus unserer Gesellschaft ist es von Belang, zu hören und zu tun, was Jesus uns ans Herz legt.
Unsere Gesellschaft muss mehr sein als ein mehr oder weniger funktionierendes Wirtschaftssystem, in dem alle Risiken abgesichert scheinen.
Die in den vergangenen Monaten so oft und laut beschworene Wertegemeinschaft tut gut daran, sich von Orientierungen Jesu leiten zu lassen. Den Samen dazu können wir am besten in unseren Familien und Gemeinden legen.
Zwar existiert oft die Meinung, dass der Prophet im eigenen Land nichts gelten würde. Doch wie ist es mit dem Fundament in Jesu Sinn in unseren Gemeinden und Familien?
Strahlen sie deshalb oft so wenig von der befreienden Botschaft aus, weil zu viel Sand im Spiel ist?
Sind es vielleicht gar wir selbst, die für die fortschreitende Erosion des Fundamentes verantwortlich sind?
So kommt zu dem, dass wir den ersten Schritt wagen, noch etwas hinzu oder besser, sollte ihm vorausgehen:
Die ehrliche und selbstkritische Erkenntnis darüber, in wie weit wir uns selbst noch einem festen christlichen Fundament befinden.
Das „Kehren vor der eigenen Tür“ gehört zwar mit zu den schwersten Aufgaben, die es zu meistern gilt, doch es lohnt sich in vielfacher Hinsicht.
Haben wir das geschafft, können wir auch daran gehen, ein neues Haus zu errichten.
Ein Lied, das beschreibt, wie schön es sein kann, so ein lebendiges Haus zu bauen, stammt von Peter Jannsens:
„Komm bau ein Haus“. Darin heißt es:
Komm, bau ein Haus, das uns beschützt, pflanz einen Baum, der Schatten wirft, und beschreibe den Himmel, der uns blüht.
Ich wünsche uns von Herzen, dass es mit Gottes gütiger Hilfe gelingen möge, auf einem festen Fundament zu lebendigen Steinen im Haus Gottes zu werden.
Amen.

  • Gebet miteinander und füreinander

Gott, zu dem wir voller Vertrauen Vater sagen dürfen,
wir danken dir für alles, was uns Tag für Tag am Leben erhält,
für alle guten Gedanken und richtigen Entscheidungen.
Doch wir bekennen auch, dass wir das von dir uns an Gaben und Gut geschenkte, nicht immer richtig nutzen.
Zu oft setzen wir sie nur für uns selbst ein
und vergessen dabei dir zu danken. Wir bitten dich um Vergebung.
Genauso erbitten wir von dir auch die Kraft zur Veränderung.
Hilf uns bei der Errichtung eines festen Fundamentes in Jesu Sinn,
so dass wir zu einer Gemeinde werden, in der man nicht übereinander, sondern miteinander redet, in der man Hilfe gibt und empfängt.

Vaterunser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

(Gudrun Naumann)

8. Sonntag nach Trinitatis (25.07.)2021

  • Eröffnung

Ein „Sommer deiner Gnad“ möge es sein, oh Herr des Himmels und der Erde. Nicht überall scheint dieser Wunsch in Erfüllung zu gehen. Die Nachrichten melden Schreckliches. Dennoch: Mit Paul Gerhardts Lied „Geh aus, mein Herz“ suchen wir Trost und Zuversicht im Glauben an Gott für uns und diese Welt.

  • Ein Lied: Geh aus, mein Herz (EG 503)

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
Schau an der schönen Gärten Zier,
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide.
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an,
als Salomonis Seide.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fleucht aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder,
Die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Thal und Felder.

4. Die Glucke führt ihr Völklein aus,
der Storch baut und bewohnt sein Haus,
das Schwälblein speist ihr’ Jungen,
Der schnelle Hirsch, das leichte Reh
ist froh, und kommt aus seiner Höh
ins tiefe Gras gesprungen.

5. Die Bächlein rauschen in dem Sand,
und mahlen sich und ihren Rand
mit schattenreichen Myrthen,
Die Wiesen liegen hart dabei,
und klingen ganz von Lustgeschrei
der Schaf und ihrer Hirten.

6. Die unverdroßne Bienenschaar
zeucht hin und her, sucht hier und dar
ihr’ edle Honigspeise,
Des süßen Weinstocks starker Saft
kriegt täglich neue Stärk und Kraft
in seinem schwachen Reise.

7. Der Waizen wächset mit Gewalt,
darüber jauchzet jung und alt,
und rühmt die große Güte
Des, der so überflüßig labt,
und mit so manchem Gut begabt
das menschliche Gemüthe.

8. Ich selbsten kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Thun
erweckt mir alle Sinnen:
Ich singe mit, wenn alles singt,
und laße, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.

9. Ach, denk ich, bist du hie so schön,
und läßt du’s uns so lieblich gehn
auf dieser armen Erden,
Was will doch wohl nach dieser Welt
dort in dem reichen Himmelszelt
und güldnem Schloße werden?

10. Welch hohe Lust, welch heller Schein
wird wohl in Christi Garten sein?
wie muß es da wohl klingen,
Da so viel tausend Seraphim
mit eingestimmtem Mund und Stimm
ihr Allelujah singen?

11. O wär ich da! O stünd ich schon,
ach, süßer Gott! vor deinem Thron,
und trüge meine Palmen!
So wollt ich nach der Engel Weis’
erhöhen deines Namens Preis
mit tausend schönen Psalmen.

12. Doch will ich gleichwohl, weil ich noch
hier trage dieses Leibes Joch,
auch nicht gar stille schweigen,
Mein Herze soll sich fort und fort
an diesem und an allem Ort
zu deinem Lobe neigen.

13. Hilf nur und segne meinen Geist
mit Segen, der vom Himmel fleußt,
daß ich dir stetig blühe!
Gib, daß der Sommer deiner Gnad
in meiner Seelen früh und spat
viel Glaubensfrücht erziehe.

14. Mach in mir deinem Geiste Raum,
daß ich dir werd ein guter Baum,
und laß mich Wurzel treiben
Verleihe, daß zu deinem Ruhm
ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben.

15. Erwähle mich zum Paradeis
und laß mich bis zur letzten Reis’
an Leib und Seele grünen:
So will ich dir und deiner Ehr
allein, und sonsten keinem mehr,
hier und dort ewig dienen.

  • Aus Psalm 92 – Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum

Das ist ein köstlich Ding, dem HERRN danken 
und lobsingen deinem Namen, du Höchster, 
des Morgens deine Gnade 
und des Nachts deine Wahrheit verkündigen.
Denn, HERR, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, 
und ich rühme die Taten deiner Hände. 
HERR, wie sind deine Werke so groß! 
Deine Gedanken sind sehr tief. 
Ein Törichter glaubt das nicht, 
und ein Narr begreift es nicht. 
Die Gottlosen grünen wie das Gras, / und die Übeltäter blühen alle – 
nur um vertilgt zu werden für immer! 
Aber du, HERR, bist der Höchste 
und bleibest ewiglich. 
Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, 
er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon. 
Die gepflanzt sind im Hause des HERRN, 
werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen. 
Und wenn sie auch alt werden, 
werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein, 
dass sie verkündigen, dass der HERR gerecht ist; 
er ist mein Fels und kein Unrecht ist an ihm.

  • der Sommer deiner Gnad – Gedanken zu Geh aus, mein Herz (EG 503)

1. Zahlenspiele

Der „Sommergesang“ wird der Liedtext von Paul Gerhardt in den Sammlungen seiner Gedichte überschrieben; dieser Sommergesang ist kunstvoll gebaut. Rein zahlenmäßig ist die Strophe 8 das Zentrum. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt. Die Ansprache an das „Herz“ aus der 1. Strophe wechselt zum lyrischen Ich. Von der Beschreibung der üppigen Natur geht der Autor über zur Beschreibung des Menschen und seiner Beziehung zu Gott. Die Fruchtbarkeit des Sommers des ersten Teils wird im zweiten Teil zum Bild für ein gnadenreiches und liebevolles Leben mit und bei Gott. 
Auch die Strophen 2-7 weisen eine Symmetrie auf. In den ersten drei Strophen wird die Tier- und Pflanzenwelt für sich beschrieben, während die folgenden 3 Strophen diese Welt als Nahrungsquelle für den Menschen betrachten. Beides hat seinen Platz. Die Bedürfnisse des Menschen und die Herrlichkeit seiner Mitgeschöpfe. 

Ebenso ist das Verhältnis zwischen den Strophen 9-11 und 12-14. Das Paradies wird beschrieben und dann der Zustand der gegenwärtigen Welt. Verbunden wird beides durch den Gedanken, dass des „Leibes Joch“ dem Menschen im „festen Himmelszelt“ abgenommen werde.

Wunderbar, wie kunstvoll dieses Werk geschaffen wurde und ein wahrer Spiegel dessen ist, was es über die Schöpfung Gottes und seiner Gnade mir mitteilen will.

2. Arbeit im Weinberg

Selbstverständlich kommt auch der Wein vor in der 6. Strophe: „Des süßen Weinstocks starker Saft“. Der Wein, der auch in der Bibel immer wieder eine besondere Bedeutung für das Wohl der Menschen hat. Er soll mich stärken, dass ich mich anderen Menschen zuwenden kann. Daher hat mich folgende Meldung aus dem Internet in diesen Tagen besonders bewegt. Mit Blick auf die Flutkatastrophe im Westen des Landes schreibt ein Nutzer: „Im Fernsehen erzählt gerade ein Winzer von der Ahr, der sich wie viele andere gerade nicht um seine Weinberge kümmern kann, dass Kollegen von der Mosel frühmorgens mit Maschinen anrücken, stillschweigend die Arbeit in fremden Weinbergen tun und dann wieder abrücken.“ Wie wohltuend ist diese Solidarität in den Zeiten, wo sich die Medien mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen, mit Anklagen und Besserwissereien zu überbieten versuchen. In der 13. Strophe des Liedes heisst es: „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum.“ Die wortlose Hilfe der Winzer von der Mosel gibt mir ein wunderbar anschauliches Beispiel dafür. 

3. Der Sommer deiner Gnad

Als der Sommergesang 1653 das erste Mal in einem Gesangbuch veröffentlicht wird, liegt der 30jährige Krieg etwa 5 Jahre zurück. Das ist der historische Hintergrund vor dem die Zeilen des Gedichts entstanden. Trotz der Greuel des Krieges bringt der Dichter sein Gottvertrauen zur Sprache. Das ist allerdings lange her. Aber Paul Gerhardts wunderbare Wendung „der Sommer deiner Gnad“ berührt mich heute noch genau so. Die Früchte des Sommers müssen damals wie heute für den Herbst und den Winter reichen. Was ich mir an Sanftmut, Umsicht und Tatkraft heute erwerbe, wird mir in Zukunft helfen, auch finstere Tage zu überstehen. Das ist Gottes üppige Gnade. Den reichen Segen eines sonnigen Sommertages nehme ich in mir auf, oder wie es ein anderer Dichter schreibt: „denn sie wußten: sie hatten den Sommer vor sich
und der rasselnde Herbst war noch fern.“ (Theodor Kramer, Der reiche Sommer) Mögen Sie auch einen reichen Sommer vor sich haben und eine gute Ernte in all seiner Fülle und Gnade. Amen.

  • Miteinander und füreinander beten

Habe ein Herz, Gott, für unsere Herzen,

dass wir dir und deiner Schöpfung ehrfürchtig und sorgsam begegnen;
dass wir nicht das zerstören, was wir selbst zum Leben brauchen;
dass wir dich aus voller Brust loben können;
das wir Vertrauen haben auf sommerliche Tage in deinem Garten;
dass wir nie vergessen, dass jeder Mensch durch Jesus für das Paradies erwählt ist.

Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne uns durch seinen Geist
der uns zum Leben und zum Frieden weist.
Er segne unser Lassen und unser Tun,
in seinen Händen könn‘ wir ruhn.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

7. Sonntag nach Trinitatis (18.07.)2021

  • Eröffnung

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Gott nimmt uns auf in seine Gemeinschaft und stärkt unser Miteinander. Als Schwestern und Brüder loben wir Gott mit Liedern und Gebeten. Amen.

  • Ein Lied: Nun lasst uns Gott dem Herren (EG 320)

1 Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren
für alle seine Gaben, die wir empfangen haben.

2 Den Leib, die Seel, das Leben hat er allein uns geben;
dieselben zu bewahren, tut er nie etwas sparen.

3 Nahrung gibt er dem Leibe; die Seele muss auch bleiben,
wiewohl tödliche Wunden sind kommen von der Sünden.

4 Ein Arzt ist uns gegeben, der selber ist das Leben;
Christus, für uns gestorben, der hat das Heil erworben.

  • Aus Psalm 107 – Er sättigt die durstige Seele

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.

So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN,
die er aus der Not erlöst hat,
die er aus den Ländern zusammengebracht hat
von Osten und Westen, von Norden und Süden.
Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege,
und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,
die hungrig und durstig waren
und deren Seele verschmachtete,
die dann zum HERRN riefen in ihrer Not
und er errettete sie aus ihren Ängsten
und führte sie den richtigen Weg,
dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:
Die sollen dem HERRN danken für seine Güte /
und für seine Wunder,
die er an den Menschenkindern tut,
dass er sättigt die durstige Seele
und die Hungrigen füllt mit Gutem.

  • Welcher Mensch? – Aus dem 1. Buch der Könige im 17. Kapitel

Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.
Da kam das Wort des HERRN zu ihm: Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt. Und du sollst aus dem Bach trinken, und ich habe den Raben geboten, dass sie dich dort versorgen sollen. Er aber ging hin und tat nach dem Wort des HERRN und setzte sich nieder am Bach Krit, der zum Jordan fließt. Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends, und er trank aus dem Bach.
Und es geschah nach einiger Zeit, dass der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande. Da kam das Wort des HERRN zu ihm: Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dass sie dich versorge. Und er machte sich auf und ging nach Sarepta. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf. Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke! Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit! Sie sprach: So wahr der HERR, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will’s mir und meinem Sohn zubereiten, dass wir essen – und sterben.
Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach’s, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir’s heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden. Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des HERRN, das er geredet hatte durch Elia.

  • „soll nichts mangeln bis auf den Tag“ – Gedanken zum 17. Kapitel im 1. Buch der Könige

Die Fülle des Lebens, das Gute und das Böse sind in diesen Worten gegenwärtig. Ein böser König – Ahab – und ein Mann Gottes – Elia. Diese stehen gegeneinander. Die Dürre, die das Land betrifft und die wundersame Versorgung durch einen Raben und eine Witwe. Hunger und Not auf der einen Seite, und der Überfluss auf der anderen Seite.
Es steht in Gottes Hand, was Elia geschieht und den Menschen, mit denen er zu tun hat. Ahab – der König der 10 Stämme Israels, die sich von dem Heiligtum in Jerusalem abgewandt haben. Gegen den Willen Gottes. Das Volk Gottes gespalten in zwei Königtümer – Juda im Süden und Israel im Norden. So soll es nicht sein, sagt Gott. Elia soll dies in seinem Namen bezeugen.
Eine schwere Aufgabe, die Elia übertragen bekommt. Gott erlegt sie ihm auf und sorgt für das Nötigste. Trotz der Dürre im Land und trotz der Gefahr durch den feindseligen Ahab. Schließlich kommt Elia bei einer Witwe in Sarepta unter. Das Leben der Witwen ist schwer. Es gibt keine soziale Absicherung. Die Arbeitskraft und die Gemeinschaft eines Mannes fehlen. Dennoch muss sie einen Sohn versorgen. Elia schenkt ihr neuen Mut und ist zugleich mit versorgt.
Die Geschichten um den Propheten Elia sind nicht leicht verdaulich. Diese Gottesspeise ist ein hartes Brot. Zumal, wenn ich Gott als gütig verstehe. Hier in dieser Geschichte wendet sich die Dürre gegen Ahab. Ebenso aber auch gegen alle anderen Menschen, die im Lande wohnen, einschließlich der Witwe. Um Elias Willen wird ihr geholfen.
Die schrecklichen Bilder aus dem Westen Deutschlands lassen mich ähnliche Fragen stellen. Sind sie die Konsequenz eines falschen Lebens? Eines Lebens im Überfluss, der unsere Natur auf solche Art verändert, dass sie sich gegen uns wendet? Wenn ich die Stimmen der weinenden Menschen höre, fällt es mir schwer zu glauben, dass sie diese „Strafe“ verdient hätten.
Aber es ist die Realität. Eine erschreckende Wirklichkeit auch in unserer Zeit. Eine Dürre, eine Flut. Ein unausweichliches Schicksal oder gar der Wille Gottes? Das Leben und die Menschen und die Natur und Gott – alles das ist zu vielfältig und unüberschaubar, um darauf eine einfache Antwort geben zu können. Diese Wirklichkeit tritt mir entgegen, ohne dass sie mir sagt, wie es weiter geht.
Elia handelt im Auftrag Gottes. Er ist in diesem Auftrag ebenso in diese Wirklichkeit verstrickt mit allem Guten und Bösen darin. Als im weiteren Verlauf der Geschichte der Sohn der Witwe stirbt, fleht Elia zu Gott, ihn wieder leben zu lassen. Das Leben kehrt zurück. Eine prägende Geschichte im Glauben des Volkes Gottes. So prägend, dass die Zeitgenossen Jesu glauben, dass dieser ein wiedergekehrter Elia sei. Jesu Wunder, die Heilungen und Speisungen, die Auferweckungen und Sturmstillungen legen das nahe. Wie Elia ist er ein Mann Gottes und hat einen „direkten Draht zu ihm“. Elia und Jesus sind Fürsprecher bei Gott. Petrus korrigiert aber diese Ansicht und benennt das wahre Sein Jesu: „Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Matthäus 16,16)
Jesus ist mehr als ein Fürsprecher. Jesus ist Gottes Sohn. Gott tritt dem Menschen in menschlicher Gestalt gegenüber. Er leidet mit ihnen. Er lacht mit ihnen. Er isst mit ihnen. Er stirbt mit ihnen. Er teilt die menschliche Ohnmacht. Das scheint zunächst viel zu wenig zu sein. Das lindert keinen Hunger, stiftet keinen Frieden und baut auch kein niedergestürztes Haus wieder auf. Ich glaube aber, dass in diesem Miteinander neue Kraft erwachsen kann und die Gemeinschaft der Leidenden gestärkt wird. Für die durstigen Seelen und die tatkräftigen Hände.
Auch wenn ich mir wünschen würde, dass Gott mit einem Fingerstreich alles Leid beenden könnte, sehe ich doch, dass das nicht der Wirklichkeit entspricht. Aber ein Miteinander ist möglich, um einander zu helfen, zu trösten und Frieden zu bringen. Im Namen Gottes. Im Namen Jesu. Amen.

  • Miteinander und füreinander beten

Guter Gott im Himmel,
obwohl du Mensch geworden bist,
sehen wir das Unglück in dieser Welt,
so viel Unglück, dass wir schon das eine vergessen,
wenn das nächste über uns hereinbricht.
Die Bilder aus diesem Land, von diesem Planeten,
und aus der nächsten Nachbarschaft sind kaum erträglich.
Wecke den Gedanken, dass das Antlitz
der Menschen, die leiden, dein Antlitz ist,
bei denen, die große Verantwortung tragen.
Wecke den Gedanken bei denen,
die den Mut verlieren, dass sie neue Kraft gewinnen,
wenn wir auf den Nächsten achten.
Wecke den Gedanken bei denen,
die zweifeln, dass ein Gebet in deinem Namen
größere Kraft hat, als unser kleiner Glaube es zulässt.
Wecke den Gedanken bei denen,
die großes Leid erfahren, dass du ihnen näher als nah bist.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne uns durch seinen Geist
der uns zum Leben und zum Frieden weist.
Er segne unser Lassen und unser Tun,
in seinen Händen könn‘ wir ruhn.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

5. Sonntag nach Trinitatis (04.07.)2021

  • Eröffnung

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir. Amen.

  • Lied: „Allein auf Gottes Wort will ich“ (EG 195)

Lied zum Anhören: https://www.eingesungen.de/player.php?track=683&buch=21#player

1. Allein auf Gottes Wort will ich mein Grund und Glauben bauen.
Das soll mein Schatz sein ewiglich, dem ich allein will trauen.
Auch menschlich Weisheit will ich nicht dem göttlich Wort vergleichen,
was Gottes Wort klar spricht und richt`, dem soll doch alles weichen.

2. Alleine Christus ist mein Trost, der für mich ist gestorben.
Mich durch sein Blut vom Tod erlöst, die Seligkeit erworben.
Hat meine Sünd getragen gar, bezahlt an seinem Leibe,
das ist vor Gott gewisslich wahr, hilf Gott, dass ich`s fest glaube.

3. Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, hilf, dass mein Glaub dich preise.
Mein Fleisch dem Geist gehorsam leist, des Glaubens Frucht beweise.
Hilf, Herre Christ, aus aller Not, wenn ich von hinnen scheide,
und führe mich auch aus dem Tod zur Seligkeit und Freude.

  • Psalm 73

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.
Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen;

mein Tritt wäre beinahe geglitten.
Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen,

da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging.,
Sie höhnen und reden böse, sie reden und lästern hoch her.

Was sie reden, soll vom Himmel herab geredet sein;
was sie sagen soll gelten auf Erden.

Darum läuft ihnen der Pöbel zu
und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen.

Dennoch bleibe ich stets an dir;
denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,

du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende in Ehren an.

Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

  • Gedanken zum Text 1. Korinther 1,18-25

Kommen sie mit mir nach Korinth, der griechischen Hafenstadt. Wir besuchen die junge christliche Gemeinde. Eine bunte Fülle von Menschen aus verschiedenen Ländern mit ihren Meinungen und Erfahrungen erwartet uns dort.
Das Denken und Handeln wird auch durch  Schiffsbesatzungen beeinflusst, die Neuigkeiten, aus anderen Ländern, Erkenntnisse sowie Glaubensvorstellungen vermitteln.
Verschiedene religiöse Kulte werden in der Stadt ausgeübt. Man hat mit Andersgläubigen zu tun und lernt deren Kulte und Bräuche kennen.
In der christlichen Gemeinde haben sich Gruppen gebildet, die sich einem Lieblingsapostel zuordnen. Da sind Anhänger von Paulus, Kephas oder Apollos, den Mitarbeitern von Paulus. Und sie rühmen natürlich den besonders dessen Reden ihnen am meisten zusagen oder dem sie besonders vertrauen.
Es gibt Streit unter den Gruppen. Und in diese Situation hinein schreibt Paulus einen langen Brief aus dem einige Verse unserem Predigttext zugrunde liegen.

Paulus schreibt:

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft.
Denn es steht geschrieben: Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.
Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?
Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die da glauben.
Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Liebe Gemeinde,

ist es so? Ist der Kern unseres Glaubens eine Torheit? Ist es unvernünftig so etwas zu glauben, dass Jesus uns durch sein Leiden Frieden mit Gott verschafft hat?

Schon am Anfang wurden die Frauen, die den Jüngern vom leeren Grab erzählten von denen ausgelacht. Auch später wurden Christen dafür verspottet, dass sie einem Gekreuzigten anhingen. Eine Zeichnung aus dem 2. Jhdt. zeigt den Gekreuzigten mit einem Eselskopf. Unter dem Kreuz steht ein Mann und die Worte auf der Zeichnung heißen: „Alexamos betet Gott an“.

Aber Paulus schreibt: Gottes Torheit ist weiser, als die Menschen sind. Gott zeigt sich in Schwachheit als Jesus am Kreuz stirbt und es ist mit menschlichem Verstand nicht zu begreifen, dass er nicht eingreift.

Versuchen wir doch selbst oft mit aller Kraft etwas zu bewegen, voran zu kommen, uns gegen andere durchzusetzen. Aber das bindet alle Kräfte, die körperlichen und die geistigen. Wie sollen wir da von Gottes Weisheit auch nur ganz wenig zu Gesicht bekommen? Da gleichen wir dem Urlauber in einer kleinen Geschichte von Heinrich Böll:

„Ein Fischer lag am helllichten Tag bei seinem Fischerboot am Strand und ließ sich von der Sonne bescheinen. Da kommt ein Urlauber vorbei und sieht das. Er spricht den Fischer an: „Haben sie einen guten Fang gemacht?“ „Ja, habe ich.“ „Haben sie ihn verkauft?“ „Ja, habe ich.“ „Ja dann könnten sie doch ein größeres Boot anschaffen, und mehr Fische fangen und verkaufen.“ „Ja, könnte ich.“ „Und sie könnten noch mehr Boote anschaffen und Leute anstellen. Und sie könnten große Schiffe anschaffen und ihre eigene Fischfabrik aufmachen. Und dann würden sie so viel verdienen, dass sie selbst den ganzen Tag in der Sonne liegen könnten.“
Da richtet sich der Fischer auf, schiebt seine Mütze aus dem Gesicht und schaut den Urlauber mit großen Augen an:

      „Aber das tu ich doch schon.“

Wer ist hier der Weise und wer der Tor, der Dumme?
Wo stehen wir? Wo stehe ich?
Versuchen wir es nicht immer mal möglichst das Beste zu erreichen, nicht zu kurz zu kommen, die anderen hinter sich zurückzulassen.
Gute Beziehungen werden ausgenutzt, auch wenn dies zum Nachteil anderer geschieht. Die letzten Monate haben es gezeigt, wie einzelne oder Gruppen versuchen, früher geimpft zu werden als es ihnen nach der Impfordnung zusteht. Ich bin doch nicht dumm, ich nutze meine Chance sagen sie sich und anderen.
Schauen wir auf Jesus, wird uns anderes gezeigt. Er hatte öfter die Chance nach weltlichen Maßstäben gemessen groß herauszukommen.
Ganz am Anfang, noch ehe er öffentlich in Erscheinung trat, machte der Teufel ihm verlockende Angebote.
„Du kannst alle Menschen satt machen, du kannst Herrscher über ein riesiges Reich werden, du kannst von der Zinne des Tempels springen und wirst nicht verletzt werden. Du musst nur mich anbeten.
Es hat Jesus viel Kraft gekostet diese Versuchungen abzuwehren.
Gottes Engel kamen und richteten ihn auf und stärkten ihn.
Wir Menschen können Gottes Weisheit nicht verstehen oder gar nachahmen.
Paulus sagt es so: „Die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind.“
Es ist ein unüberbrückbarer Abstand zwischen der Menschen Schlauheit und Gottes Weisheit.
Vielleicht ahnen wir in seltenen Momenten etwas von dieser Weisheit.
Jesus verkörpert ganz und gar Gottes Weisheit. Macht und Klugheit mit menschlichen Maßstäben gemessen, liegen ihm fern.
Aber – das hat Folgen. Er wird gequält, er muss unendlich leiden und den Spott derer, die ihn quälen ertragen. Am Kreuz hängend verhöhnen sie ihn: „Bist du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuz.“
Sie haben ihn aus dem Leben hinaus gestoßen in den Tod.
Aber dann zeigt sich die Weisheit Gottes, die alle Schlauheit der Menschen zunichte macht.
Auf Seiten der Menschen ist der Tod Jesu am Kreuz ein Endpunkt.
Auf Seiten Gottes bedeutet dieser Tod einen Neuanfang.
Gott lässt sich nicht aus Welt herausdrängen.
Er ist bei denen, die leiden, Schmerzen haben, die unter der
Ungerechtigkeit der Welt stöhnen.
Er ist bei den Schwachen und Ohnmächtigen.
Er hat Jesus zurückgeholt ins Leben, schon nach drei Tagen.
So zeigt Paulus einen Gott, der nicht seine Allmacht ausspielt.
Er zeigt einen schwachen menschlichen Gott, dessen Torheit so klug ist, dass sie den Tod überwindet.
Und diesem Gott vertrauen wir.
Amen.

  • Gebet

Guter Gott im Himmel und auf Erden.
Du traust uns viel zu. Und wir wollen viel tun.
Doch unsere Kraft ist begrenzt. Unser Wille ist zu schwach.
Unser Tun reicht nicht aus. Wir brauchen deine Kraft.
Wir brauchen dich. Wir bitten dich:

Für alle, die krank sind –
unsere Angehörigen und Freunde, für alle, die leiden.
Für alle, die keine Kraft zum Leben haben,
die auf nichts mehr hoffen, die sich nicht mehr spüren.
Für alle, die ausgegrenzt sind,
mit denen keiner etwas zu tun haben will.
Für alle, die sich verrannt haben,
die eine falsche Entscheidung getroffen haben,
die meinen alles selbst regeln zu können.
So beten wir  so, wie Jesus es uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser täglich Brot gib uns heute und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern und
führe uns nicht in Versuchung sonder erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns Gott,
der Allmächtige und Barmherzige,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

(Gudrun Naumann)

4. Sonntag nach Trinitatis (27.06.)2021

  • Lied „O dass ich tausend Zungen hätte“ (EG 330)

1. O dass ich tausend Zungen hätte
Und einen tausendfachen Mund,
So stimmt‘ ich damit in die Wette
Vom allertiefsten Herzensgrund
Ein Loblied nach dem andern an
Von dem, was Gott an mir getan! 

2. O dass doch meine Stimme schallte
Bis dahin, wo die Sonne steht.
O dass mein Blut mit Jauchzen wallte,
So lang es noch im Laufe geht.
Ach wär ein jeder Puls ein Dank
Und jeder Odem ein Gesang. 

3. Ihr grünen Blätter in den Wäldern,
Bewegt und regt euch doch mit mir.
Ihr schwanken Gräschen in den Feldern,
Ihr Blumen, lasst doch euer Zier
Zu Gottes Ruhm belebet sein,
Und stimmet lieblich mit mir ein. 

  • Psalm 42 – Sehnsucht nach Gott (Psalm 42,2-6.9-12)

Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,
so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.
Wann werde ich dahin kommen,
dass ich Gottes Angesicht schaue?
Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,
weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Daran will ich denken
und ausschütten mein Herz bei mir selbst:
wie ich einherzog in großer Schar,
mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes
mit Frohlocken und Danken
in der Schar derer, die da feiern.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er mir hilft mit seinem Angesicht.
Am Tage sendet der Herr seine Güte,
und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens.
Ich sage zu Gott, meinem Fels:
Warum hast du mich vergessen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich drängt?
Es ist wie Mord in meinen Gebeinen, /
wenn mich meine Feinde schmähen
und täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

  • Predigttext 1. Mose 50,15-21 – Josefs Edelmut und sein Tod

15Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben. 16Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: 17So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Josef weinte, als man ihm solches sagte. 18Und seine Brüder gingen selbst hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. 19Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt? 20Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. 21So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.

  • Predigt 

Eine der großen Sorgen von Eltern ist es, dass sich nach ihrem Tod die zurückbleibenden Kinder miteinander streiten und entzweien. Gründe dafür gibt es einige, aber am weitaus häufigsten sind wohl Erbstreitigkeiten, die bei den Nachkommen zu unversöhnlichen Konflikten führen. Vielleicht hat auch Jakob derlei Ängste, als er jedem seiner 12 Söhne, die mit ihm zusammen in Ägypten wohnen, den Segen erteilt und schließlich stirbt. Da jeder der Söhne einen anderen Segenszuspruch von Jakob als Erbteil erhält, wäre die Angst vor Folgekonflikten nicht unbegründet. Und tatsächlich: Kaum ist der Patriarch von seinen Söhnen in Kanaan zur letzten Ruhe gebettet worden, züngelt in den Brüdern von Joseph, die ihren neunmalklugen Bruder einst nach Ägypten verkauften, das Misstrauen und die Angst, Joseph könnte es ihnen nun heimzahlen – jetzt, wo auf den gebrechlichen Vater keine Rücksicht mehr zu nehmen ist und der mächtige Joseph alle Trümpfe in der Hand hält. „Wie du mir – so ich dir!“ – das ist die gnadenlose Vergeltungslogik, die bis heute ganze Familien auslöscht und den Hass über Generationen weitervererbt. Das ist im Übrigen kein vermeintliches Überbleibsel archaisch geprägter Landstriche und Kulturen, sondern auch ein Teil unserer eigenen Wirklichkeit. Hinter dürren Nachrichtenmeldungen von Familiendramen in gepflegten Einfamilienhaussiedlungen stehen oft uralte Muster von Neid, Eifersucht und Rachefantasien, welche in tödliche Gewalt münden. 

Die Brüder von Joseph kennen diese Muster nur zu gut, und deshalb versuchen sie, dem schlau vorzubeugen, indem sie Joseph die Geschichte vom vermeintlich letzten Willen ihres Vaters auftischen. Es geht hier also um ein manipuliertes Testament, was die Brüder retten soll. Was aber dann folgt, ist eine so unglaubliche wie anrührende Wendung, die der jüdische Ausleger Benno Jacob als die „moralische Quintessenz der Josephsgeschichte“, als „Höhepunkt der alttestamentlichen Moral“ bezeichnet. Joseph erkennt schmerzlich das Misstrauen und die tiefsitzende Angst seiner Brüder und spricht ihnen gut zu. Ein wichtiges Detail dabei: Wir hören von Joseph keine schnelle Zusage einer Vergebung. „Stehe ich denn an Gottes statt“ sagt Joseph, aber zugleich benennt er das mittlerweile Offensichtliche: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Es geht hier – noch einmal Benno Jacob – um nicht weniger als die „Überwindung der strafenden Vergeltung durch den Glauben an die göttliche Fügung, deren Ausgang nicht Tod, sondern Leben ist.“ Damit bekommt nicht nur die Erzählung von den Erzvätern im 1. Buch Mose einen überaus versöhnlichen Abschluss – erinnert sei hier an die harten Trennungsgeschichten von Isaak und Ismael sowie von Jakob und Esau. Sondern es wird zugleich eine Perspektive eröffnet, die dem Volk Gottes ein friedliches Zusammenleben ermöglicht. Was für ein schönes Bild: eine große Familie mit vielen Geschwistern, dazu vielleicht noch Partner, Kinder, Enkel, alle ganz verschieden und doch friedlich vereint an einem Tisch. Hier zeigt sich das Idealbild des Volkes Israel, aber es ist auch unser Idealbild. Zugleich wissen wir – sowohl aus der Geschichte Israels wie auch aus unserer eigenen Geschichte und Gegenwart -, dass ein solches Idealbild der Wirklichkeit kaum standhält. Wo immer Harmonie gewaltsam erzwungen wird – ob durch einen mächtigen König oder durch eine Ideologie, bröckelt irgendwann das mühsam errichtete Haus. Das lässt sich herunterbrechen bis in den Bereich von Familie und Partnerschaft: Wenn dort unterschiedliche Bedürfnisse dauerhaft übergangen und Machtansprüche zementiert werden, zerbricht irgendwann die heile Welt. 

In dem Hollywood-Film „Everybody’s fine“ – „Allen geht’s gut“ – macht sich ein Familienvater nach dem Tod seiner Frau auf den Weg, um seine vier Kinder zu besuchen, von denen er nur weiß, dass sie alle Karriere gemacht haben. Nach und nach findet er heraus, dass hinter der Fassade der heilen Familienwelt lauter Brüche zu finden sind. Weder seine verstorbene Frau noch seine Kinder haben ihm davon erzählt, um ihm gegenüber die schöne Fassade aufrecht zu erhalten. So erfährt er, dass er mittlerweile ein Enkelkind aus einer zerbrochenen Beziehung einer seiner Töchter hat, aber auch, dass ein Sohn von ihm an seiner Drogensucht gestorben ist. Dem Vater wird klar, dass er all die Jahre nur das gehört und gesehen hat, was er hören und sehen wollte. Der Film endet versöhnlich: Der Vater sitzt nach allem wieder am Tisch mit seinen verbliebenen Kindern, seinem Enkelkind und den Bildern seiner Frau und seines Sohnes, und er sagt sich, alles ist gut so – das Schöne und das Schwere, alles gehört zum Gesamtbild dazu. 

Und da sind wir auch wieder bei Joseph und seinen Brüdern, für die eine Geschichte voller Konflikte und Brüche gut zu Ende geht. Das wirklich Schöne am Ausgang der Geschichte ist, wie Joseph dargestellt wird: da ist keine Spur von Triumph oder Zufriedenheit. Man nimmt Joseph den Schmerz angesichts seiner misstrauischen, ängstlichen Brüder ab, und sicher schwingt da der Schmerz über das ihm widerfahrene Unrecht mit. Das verschwindet ja nicht einfach. Und dann legt er all das einfach in Gottes Hand. Das ist kein Fatalismus, sondern die Fähigkeit, von sich abzusehen, offen zu werden für das Unerwartete, den Verängstigten und Gescheiterten mit Liebe zu begegnen. Und genau da bekommt das Leben eine Wendung hin zum Guten, steht Zukunft für Hoffnung, kommt auch unsere Sehnsucht nach Annahme und Vergebung zum Ziel. 
Amen.

(Pfarrer Sven Hanson (Mitteldeutsches Bibelwerk))

3. Sonntag nach Trinitatis (20.06.)2021

Hinweis: Sie können sich diese Andacht auch anhören:

  • Eröffnung

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ So steht es über dieser Woche im Lukasevangelium. Aus Liedern und Gebeten nähren wir die Hoffnung, dass Gott uns nicht verloren gehen lässt. Amen.

  • Ein Lied: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt (EGE 17)

1. Ich lobe meinen Gott,
Der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe.
Ich lobe meinen Gott,
Der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.

Refrain:
Ehre sei Gott auf der Erde
In allen Straßen und Häusern
Die Menschen werden singen
Bis das Lied zu Himmel steigt
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden

2. Ich lobe meinen Gott,
Der mir den neuen Weg weist, damit ich handle
Ich lobe meinen Gott,
Der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede

3. Ich lobe meinen Gott,
Der mir die Tränen trocknet, damit ich lache
Ich lobe meinen Gott,
Der meine Angst vertreibt, damit ich atme 

  • Aus Psalm 103 – So hoch der Himmel über der Erde

Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen! 
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt
und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht
und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht
allen, die Unrecht leiden.
Er hat seine Wege Mose wissen lassen,
die Kinder Israel sein Tun.
Barmherzig und gnädig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.
Er wird nicht für immer hadern
noch ewig zornig bleiben.
Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden
und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.
Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,
lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.
So fern der Morgen ist vom Abend,
lässt er unsre Übertretungen von uns sein.
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.

  • Welcher Mensch? – Aus dem Lukasevangelium im 15. Kapitel

Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet? Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

  • „Gott hält auch zu denen, die Mist bauen“* – Gedanken zum 15. Kapitel im Lukasevangelium

Das Zitat aus der Überschrift ist der Titel einer religionspädagogischen Arbeit, die das Verständnis von Grundschulkindern zum Gleichnis vom verlorenen Schaf untersucht.  Am schönsten in dieser Arbeit sind die wörtlichen Aussagen der Kinder: Eines sagt: „Jedes Schaf ist dem Hirten wichtig. Egal ob es dumm war oder nicht.“ Oder aus der Sicht des Schafes: „Man ist da ganz alleine und man hat Angst, aber wenn man  dich findet, dann ist man froh und hat keine Angst mehr und dann ist es ganz warm.“ Aber es gibt auch kritische Stimmen: „Die Geschichte ist negativ, weil sie unlogisch ist, wo lässt er die 99 Schafe?“

Gerade diese letztere Antwort stellt die Frage Jesu „Welcher Mensch …?“ selbst in Frage. Ist sie nur rhetorisch, also eindeutig mit „Ja!“ zu beantworten? Ja, jeder Mensch würde das Schaf suchen oder die Münze im Haus? Oder könnte es auch sein, dass Jesus eher die Antwort erwartet: Eigentlich macht sich niemand die Mühe wegen eines Schafes (oder einer kleinen Münze) den halben Tag zu verschwenden oder die anderen Tiere in Gefahr zu bringen. Und selbst wenn, wird niemand deswegen eine Riesensache daraus machen und es allen erzählen und feiern auch noch. 
Nein, es sind diese beiden, dieser Hirte und diese Frau, die so handeln. Logisch ist das nicht! Da hat der Neunjährige vollkommen recht. (Auch wenn es manche Bibel-Kommentare zu erklären versuchen.) Aber diese beiden machen es. Warum weiß keiner. Es wird nicht erklärt. Aber Jesus sagt deutlich: Und genauso ist es im Himmel! 

Vielleicht brauchte er auch so ungewöhnliche Beispiele, um klar zu machen, dass er genau weiß, was die Pharisäer und Schriftgelehrten stört. Dass es unlogisch ist, mit Zöllnern und Sündern zu essen. Sie sind rettungslos verloren. Sie zurückzuholen, ist einfach zu aufwändig. Das lohnt sich doch nicht! Jesus aber meint: Vielleicht nicht in dieser Welt. Aber vor den Engeln Gottes! 

Also, wie gestalten wir unsere Gemeindearbeit? Wen laden wir ein? Zu wem gehen wir hin? Und welche Erwartungen haben wir dabei? Es gibt einen leichten Bruch zwischen den erzählten Geschichten und dem Vergleich Jesu. Die Freude im Himmel gilt einem reuigen Sünder. Der Hirte und die Frau suchen aber ein Tier und eine Münze. Von Reue ist da keine Rede. Immerhin lassen sie sich finden. So wie die Sünder zu Jesus kommen und ihm zuhören. Das reicht schon!

Die Frage Jesu lässt sich schließlich nicht eindeutig beantworten. Selbstverständlich ist es gut los zu gehen und das Verlorene zu suchen. Auch wenn die Erfolgsaussichten gering erscheinen. Oder wie es eines der Kinder sagt: „Der Hirte ist nicht ganz so schlau, oder es lag ihm was an dem Schaf. Denn er verlor ja auf diese Weise 99 Schafe. Oder er wollte es retten, weil es allein war.“

Amen.

*https://www.fachportal-paedagogik.de/literatur/vollanzeige.html?FId=638229

  • Miteinander und füreinander beten

Guter Gott im Himmel,

schnell sind wir mit einem Urteil bei der Hand.
Wir scheinen genau zu wissen, was sich lohnt und mit wem wir Zeit verbringen.
Störe unsere Sicherheit.
Stelle in Frage, was uns selbstverständlich klug und weise erscheint.

In der Politik ebenso wie in der großen Wirtschaft.
Am Nachbarzaun ebenso wie in der Familie.
Stärke unseren Mut, auf die zuzugehn, die uns verloren erscheinen.
Öffne unsere Herzen und Münder, wenn wir selbst Hilfe brauchen.
Mach uns bereit, uns finden zu lassen ebenso wie andere zu finden.
Und gib uns Lust und Laune, das auch zu feiern.
Wenn wir vergeben können und uns vergeben wird.
Wir bitten darum mit den Worten Jesu Christi:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne uns durch seinen Geist
der uns zum Leben und zum Frieden weist.
Er segne unser Lassen und unser Tun,
in seinen Händen könn‘ wir ruhn.

Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

2. Sonntag nach Trinitatis (13.06.)2021

  • Eröffnung

Für ein göttliches Wort halten wir inne. Wir machen Platz für den Heiligen Geist und für unseren Nächsten. Damit wir gemeinsam Heil geben und Heil empfangen können. Amen.

  • Ein Lied: nach Psalm 36 – Eduard Grell: Herr, Deine Güte (Arrangement für gemischten Chor)

https://www.youtube.com/watch?v=M-up6qANHgc

Herr, deine Güte reicht so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit so weit die Wolken gehn.
Herr, deine Güte reicht so weit der Himmel ist.
Halleluja!

  • Verständliche Worte – Aus dem 1. Korintherbrief im 14. Kapitel

Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe!
Strebt nach den Gaben, die der Heilige Geist schenkt –
vor allem aber danach, als Prophet zu reden.
Wer in unbekannten Sprachen redet,
spricht nicht zu den Menschen, sondern zu Gott.
Denn niemand versteht ihn.
Was er unter dem Einfluss des Geistes sagt,
bleibt vielmehr ein Geheimnis.
Wer dagegen als Prophet redet,
spricht zu den Menschen.
Er baut die Gemeinde auf,
er ermutigt die Menschen und tröstet sie.
Wer in unbekannten Sprachen redet,
baut damit nur sich selbst auf.
Wer aber als Prophet redet,
baut die Gemeinde auf.
Ich wünschte mir,
dass ihr alle in unbekannten Sprachen reden könntet.
Noch lieber wäre es mir,
wenn ihr als Propheten reden könntet.
Wer als Prophet redet, ist bedeutender als derjenige,
der in unbekannten Sprachen redet –
es sei denn, er deutet seine Rede auch.
Das hilft dann mit, die Gemeinde aufzubauen.
Was wäre, Brüder und Schwestern,
wenn ich zu euch komme und in unbekannten Sprachen rede.
Was habt ihr davon,
wenn ich euch nichts Verständliches vermittle?
Das kann eine Vision sein oder eine Erkenntnis,
eine prophetische Botschaft oder eine Lehre.
So ist es ja auch bei den Musikinstrumenten,
zum Beispiel bei einer Flöte oder Leier:
Nur wenn sich die Töne unterscheiden,
kann man die Melodie der Flöte oder Leier erkennen.
Oder wenn die Trompete kein klares Signal gibt,
wer rüstet sich dann zum Kampf?
Genauso wirkt es,
wenn ihr in unbekannten Sprachen redet.
Wenn ihr keine verständlichen Worte gebraucht,
wie soll man das Gesagte verstehen können?
Ihr werdet in den Wind reden!
Niemand weiß, wie viele Sprachen es auf der Welt gibt.
Und kein Volk ist ohne Sprache.
Wenn ich eine Sprache nicht verstehe,
werde ich für den ein Fremder sein, der sie spricht.
Und wer sie spricht,
ist umgekehrt ein Fremder für mich.
Das gilt auch für euch.
Ihr strebt nach den Gaben des Heiligen Geistes.
Dann strebt nach Gaben, die die Gemeinde aufbauen.
Davon könnt ihr nicht genug haben.

  • Sich verständlich machen – Gedanken zum 14. Kapitel im 1. Korintherbrief

Von den Gaben, die die Gemeinde aufbauen, könnt ihr nicht genug haben. Eine dieser Gaben ist das verständliche Reden. Soweit so selbstverständlich gibt der Paulus seinen Rat an die Gemeinde in Korinth. Es sei ein Gebot der Liebe. Das hält schon der erste Satz fest. Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe! Dennoch muss der Apostel darüber reden. Es ist eben nicht selbstverständlich. Denn Paulus unterscheidet zwei Arten der Rede. Die prophetische Rede und die Rede unter dem Einfluss des Geistes. Beide sind Gaben Gottes. Doch die letztere ist eine Rede in unbekannten Sprachen. Wer sie spricht, rede nur zu Gott. Die prophetische Rede hingegen bemühe sich darum, verständlich für den Mitmenschen zu sein.
Für Paulus ist somit die prophetische Rede wichtiger. Jede und jeder soll verstehen, um getröstet und ermutigt zu werden. Die Rede in unbekannten Sprachen muss unverständlich bleiben, obwohl sie auch eine Gabe des Heiligen Geistes ist.
Diese Rede in unbekannten Sprachen ist bis heute bekannt. Vor allem in pfingstlich geprägten Gemeinden wird sie gepflegt. Wer so redet, gebraucht tatsächlich unverständliche Worte. Das Gefühl, Gott sehr nah zu sein, ist in diesem Moment innig und intensiv. Aber er bleibt für sich. Er teilt nichts davon. Streng genommen kreist er um sich selbst. Fast eine Sünde. Doch Paulus sieht darin immerhin das Gespräch mit Gott. Deshalb kann er diese Redeweise nicht verdammen. Viel wichtiger ist ihm aber das verständliche Reden zum Trost und zur Erbauung der Mitmenschen.
Auch auf andere Weise ist das verständliche Reden wichtig. Die obenstehende Übersetzung des Korintherbriefes stammt aus der BasisBibel. Sie enthält eine neue Übersetzung, die den heutigen Lesegewohnheiten Rechnung trägt. Tina Arnold, eine der Mitarbeiterinnen an der Übersetzung, sagt es kurz und knapp: Wir müssen den Leuten aufs Smartphone schauen. Deshalb gelten folgende Regeln: Ein Satz in der BasisBibel umfasst in der Regel nicht mehr als 16 Worte und besteht normalerweise aus einem Hauptsatz und höchstens einem Nebensatz. In bestimmten Ausgaben wird jede Sinneinheit in einer eigenen Zeile wiedergegeben. Neben diesen formalen Regeln bemüht sie sich um große Sinntreue und Nähe zum griechischen oder hebräischen Urtext.
Kritik blieb da nicht aus. Der Theologe Bernd Beuscher beklagt die mangelnde Offenheit dieser Übersetzung. Mehrdeutigkeiten würden verschwinden und das wahre Übersetzungsprinzip Luthers verraten. Es ginge nicht nur darum, dem Volk aufs Maul zu schauen. Es ginge auch darum, Lebensgeschichten zu erzählen. Lebensgeschichten, die den Hörern ihre menschliche Situation deutlich machen. Luther sei das gelungen. Der BasisBibel nicht. Sie lösche das, was uns Menschen wirklich angeht, zugunsten „richtigerer“ Wörter.
Ich will dem widersprechen. Etwa so: STrebet nach der Liebe / Vleissiget euch der geistlichen Gaben / Am meisten aber / das jr weissagen möget. Denn der mit der Zungen redet / der redet nicht den Menschen / sondern Gotte / Denn jm höret niemand zu / Jm geist aber redet er die geheimnis. Kaum einer will so Luther heute noch lesen. Übersetzungsleistungen waren schon immer nötig. Sonst gäbe ich hier den griechischen Text weiter. Der ist wohl noch näher an den Worten des Paulus. Aber gerade er besteht auf Verständlichkeit. Der Versuch der BasisBibel nimmt Rücksicht auf jene, die schlichtweg mit der Sprache der Lutherbibel kaum was anfangen können. Die Verteidiger der richtigen Übersetzungen übersehen überdies, dass Gott sich uns auf vielfältige Weise verständlich machen kann. Nicht nur durch Worte des Verstandes.
Mir gegenüber sitzt ein Mann. Seine Beziehung zu seinem Sohn ist schwierig. Er kann keine großen Worte darüber machen. Ich weiß nicht, ob er viel in der Lutherbibel gelesen hat. Aber ich spüre die Nähe des Heiligen Geiste, wenn er sagt: Ich habe ihm verziehen, weil Jesus uns dazu auffordert.
Ermutigung und Trost, Nächstenliebe und Großzügigkeit, Verzeihen und Freude meinem Nächsten gegenüber, das ist die Sprache des Geistes. Sie legt nicht viel Wert auf diese oder jene Worte. Es kommt nur darauf an, ob es auch geschieht. Amen.

  • Miteinander und füreinander beten

Gütiger Geist Gottes,
lenke unseren Verstand und unsere Liebe,
dass wir unser Sinnen darauf richten,
unseren Mitmenschen etwas Gutes zu tun.
In der Hoffnung darauf, dass wir verstanden werden.
In der Hoffnung darauf, dass wir dazu fähig sind.
In der Hoffnung darauf, dass wir so Liebe und Frieden weitergeben.
Dass wir unsere Zungen hüten, wenn es nur um unser Wohl geht.
Dass wir unsere Worte weise wählen, um nicht Gottes Wort zu kränken.
Dass wir unsere Worte danach bemessen, welche Taten daraus folgen.
Dass wir mit unseren Worten niemanden ausschließen.
Mit den Worten Jesu Christi beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne uns durch seinen Geist
der uns zum Leben und zum Frieden weist.
Er segne unser Lassen und unser Tun,
in seinen Händen könn‘ wir ruhn.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

1. Sonntag nach Trinitatis (06.06.)2021

  • Eröffnung

Aus den vielen Stimmen des Alltags kommen wir vor dir, Herr, zur Ruhe. Vor dir haben wir Gelegenheit, diese Stimmen zu sichten, zu sortieren und uns zum Besten dienen zu lassen. Dazu möge Gott uns helfen. Amen.

  • Ein Lied: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ (EG 382)

1 Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr; fremd wie dein Name sind mir deine Wege. Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott; mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen? Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt? Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

2 Von Zweifeln ist mein Leben übermannt, mein Unvermögen hält mich ganz gefangen. Hast du mit Namen mich in deine Hand, in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben? Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land? Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

3 Sprich du das Wort, das tröstet und befreit und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben. Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst. Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

  • Psalm 34

Ich will den HERRN loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Meine Seele soll sich rühmen des HERRN,
dass es die Elenden hören und sich freuen.

Preiset mit mir den HERRN
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
Als einer im Elend rief, hörte der HERR
und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des HERRN lagert sich um die her,
die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
Wohl dem, der auf ihn trauet!
Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen!
Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.
Reiche müssen darben und hungern;
aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

  • Weit weg vom Herrn – Aus dem Buch Jona Kapitel 1 und 2

Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amittais: Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen.
Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem HERRN nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weit weg vom HERRN.
Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, dass man meinte, das Schiff würde zerbrechen. Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrien, ein jeder zu seinem Gott, und warfen die Ladung, die im Schiff war, ins Meer, dass es leichter würde.
Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief. Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: Was schläfst du? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott an uns gedenken, dass wir nicht verderben. Und einer sprach zum andern: Kommt, wir wollen losen, dass wir erfahren, um wessentwillen es uns so übel geht. Und als sie losten, traf’s Jona. Da sprachen sie zu ihm: Sage uns, um wessentwillen es uns so übel geht? Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Lande bist du, und von welchem Volk bist du? Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat.
Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: Was hast du da getan? Denn sie wussten, dass er vor dem HERRN floh; denn er hatte es ihnen gesagt. Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir denn mit dir tun, dass das Meer stille werde und von uns ablasse? Denn das Meer ging immer ungestümer. Er sprach zu ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer still werden und von euch ablassen. Denn ich weiß, dass um meinetwillen dies große Ungewitter über euch gekommen ist.
13Doch die Leute ruderten, dass sie wieder ans Land kämen; aber sie konnten nicht, denn das Meer ging immer ungestümer gegen sie an. Da riefen sie zu dem HERRN und sprachen: Ach, HERR, lass uns nicht verderben um des Lebens dieses Mannes willen und rechne uns nicht unschuldiges Blut zu; denn du, HERR, tust, wie dir’s gefällt.
Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da wurde das Meer still und ließ ab von seinem Wüten. Und die Leute fürchteten den HERRN sehr und brachten dem HERRN Opfer dar und taten Gelübde.
Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches. Und der Herr sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land.

  • Den Schuß nicht hören – Gedanken zum Propheten Jona

Der Dackel war alt geworden. Seine Zähne konnten kaum noch beißen, die Augen ware trübe und hören konnte er gar nicht mehr. Aber der Jäger liebte seinen Dackel. Jeden Tag nahm er ihn mit auf die Pirsch über die Felder. Mühsam schlich sein Hund neben ihm her. Er wusste ja, wie sein Herrchen riecht. Das gab ihm Sicherheit.
Doch eines Tages, der Dackel hatte sich gerade an einem Mauseloch festgeschnuppert und sein Herrchen hatte sich ein paar Meter entfernt, griff ihn ein Adler und flog mit dem Hund davon. Der Jäger sah das – höchst erschrocken – und obwohl ihn der schöne Vogel dauerte, zögerte er keinen Augenblick seinen Dackel zu retten, zielte, traf, und der Adler fiel zu Boden. Nur der Dackel flog unbeirrt weiter. Seine Ohren flatterten im Flugwind gen Himmel. Er hatte wohl den Schuß nicht gehört!
Wer den Schuß nicht hört, ignoriert offensichtliche Fakten und macht so weiter wie bisher. Auch wenn es ihm schadet. Mitunter fällt es dem Menschen wohl so schwer, eine liebgewordene oder zwanghaft ausgeübte Gewohnheit aufzugeben, dass er sie gegen alle Vernunft stur beibehält. Bei den Propheten des Alten Testaments hat das einen festen Platz in den Berufungsgeschichten. Der offensichtliche und unausweichliche Fakt besteht darin, dass diese Berufung von Gott selbst kommt. Kein Mensch kann dem ausweichen.
Jona probiert es trotzdem. Er schifft sich ein und flieht an die fernste Küste, die er kennt. Das nützt ihm aber nichts. Die Geschichte erweist in ihrem Verlauf, dass der Versuch Jonas geradezu lächerlich erscheint. In unserem – politischen – Alltag ist das leider nicht immer so eindeutig. Autofreie Innenstadt und Coronamaßnahmen? Was der einen richtig erscheint, wird von einem anderen geflissentlich ignoriert. Autos zerstören die Umwelt und Corona ist gefährlich, ja. Aber was folgt daraus? Wer tatsächlich den Schuß nicht gehört hat, wird sich in der Zukunft erweisen. Nur könnte es dann eben auch zu spät sein.
Die mitreisenden Seemänner allerdings, die mit Jona auf dem Schiff fahren, haben das Offensichtliche klar vor Augen. Ein Sturm, der den Untergang bedeuten kann. Aber auch nachdem sie begriffen haben, woher das Unglück kommt, wollen sie Jona nicht einfach opfern. Sie geben alles, um ihn, sich selbst und das Schiff zu retten. Erst als dieser Versuch scheitert, nehmen sie das Unausweichliche hin. Bevor wir also einander vorwerfen, den Schuß nicht gehört zu haben, ist es besser, unserem Mitmenschen beizustehn. Das ist eine sichere Tatsache, dass Nächstenliebe, Geduld, Vergebung und Treue sich in Zukunft auszahlen. Denn auch der Jäger wird nicht aufgeben. Er wird alles versuchen, seinen geliebten Dackel aufzufangen, falls er doch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommt. Amen.

  • Miteinander und füreinander beten

Allmächtiger Gott,
erleuchte unser Herz, dass wir dein Wort hören können.
Öffne unsere Ohren, dass wir uns einander hören können.
Dass wir nicht darauf beharren, was schon in unseren Köpfen wohnt,
dass wir für Veränderungen bereit sind,
wenn wir begreifen, dass sie uns und unserem Nächsten nützlich sind.
Öffne die Ohren jener, die an diesem Wahlsonntag Verantwortung übertragen bekommen. Öffne die Ohren der Mächtigen in dieser Welt, dass sie dem Frieden dienen, auch wenn er fern scheint.
Öffne die Ohren der Menschen, die in unseren Gemeinden arbeiten. Dass sie aufmerksam und liebevoll nach der Guten Botschaft reden und handeln.
Öffne die Ohren aller, die in helfenden Berufen arbeiten. Dass sie spüren können,
wie wichtig ihre Arbeit ist. Und wie dankbar jene, die diese Hilfe erfahren.
Öffne unsere Ohren, Herr, dass wir mit ganzer Seele spüren, dass du uns trägst und Kraft gibst, für unseren Nächsten da sein zu können.
Mit den Worten Jesu Christi beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne uns durch seinen Geist
der uns zum Leben und zum Frieden weist.
Er segne unser Lassen und unser Tun,
in seinen Händen könn‘ wir ruhn.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Trinitatis (30.05.)2021

  • Eröffnung

Wie begegnet uns Gott hier? Gnädig, liebevoll und verbindlich, wie es im Anfangsgruß aus dem 2. Korintherbrief heißt?: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Oder gibt es noch ganz andere Vorstellungen? Eines jedenfalls ist sicher: Unsere Gottesbilder sind vielfältig und wandelbar. Darüber denken wir am Sonntag Trinitatis nach.

  • Ein Lied: „Gelobet sei der Herr“ (EG 139)

1 Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben, mein Schöpfer, der mir hat mein‘ Leib und Seel gegeben, mein Vater, der mich schützt von Mutterleibe an, der alle Augenblick viel Guts an mir getan.

2 Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Heil, mein Leben, des Vaters liebster Sohn, der sich für mich gegeben, der mich erlöset hat mit seinem teuren Blut, der mir im Glauben schenkt das allerhöchste Gut.

3 Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Trost, mein Leben, des Vaters werter Geist, den mir der Sohn gegeben, der mir mein Herz erquickt, der mir gibt neue Kraft, der mir in aller Not Rat, Trost und Hilfe schafft.

4 Gelobet sei der Herr, mein Gott, der ewig lebet, den alles lobet, was in allen Lüften schwebet; gelobet sei der Herr, des Name heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn und Gott der werte Geist,

5 dem wir das Heilig jetzt mit Freuden lassen klingen und mit der Engelschar das Heilig, Heilig singen, den herzlich lobt und preist die ganze Christenheit: Gelobet sei mein Gott in alle Ewigkeit!

  • Psalm 113

Halleluja!
Lobet, ihr Knechte des Herrn,
lobet den Namen des Herrn!
Gelobt sei der Name des Herrn
von nun an bis in Ewigkeit!
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
sei gelobet der Name des Herrn!
Der Herr ist hoch über alle Völker;
seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.
Wer ist wie der Herr, unser Gott,
der oben thront in der Höhe,
der niederschaut in die Tiefe,
auf Himmel und Erde;
der den Geringen aufrichtet aus dem Staube
und erhöht den Armen aus dem Schmutz,
dass er ihn setze neben die Fürsten,
neben die Fürsten seines Volkes;
der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt,
dass sie eine fröhliche Kindermutter wird.
Halleluja!

  • Wo er will – Aus dem Johannesevangelium im 3. Kapitel

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.

  • Gottmutter – Gedanken zur Dreifaltigkeit
(In der Stiftskirche auf dem Petersberg; Photo: privat)

An diesem Sonntag Trinitatis denke ich nach über die dreieinigen Gott. Gewöhnlicherweise wird er benannt nach Gott-Vater, Gott-Sohn, Gott-Heiliger Geist. Doch dieser Geist, der weht wie der Wind, nämlich, wo er will, hat mich am letzten Sonntag vor das Holzrelief der Stiftskirche auf dem Petersberg geweht. Gleich am Eingang ist es mir ins Auge gefallen. Das Kind, das freudig und willkommenheißend die Arme ausstreckt. Wohlgeborgen im Schoß seiner Mutter, der Frau, die hinter ihm aufrecht und stolz und zugleich wachsam ihre Augen auf dem Kind ruhen lässt. Darüber die Taube, der Heilige Geist, der sein Feuer strahlenweise über Mutter und Kind ausbreitet.
Ein Pfingstbild, aber auch ein Bild der Trinität, des dreifaltigen Gottes? In das Gedankengebäude unserer katholischen Schwesterkirche zur Natur der Mutter Jesu möchte ich mich hier nicht begeben. Der kleine Katechismus Luthers hält dagegen fest, dass sich das wahre Menschsein Jesu mit der Jungfrau Maria verbindet. Klarerweise sei gesagt, dass Maria nicht Gott ist. Aber umgekehrt frage ich mich: Ist Gott nicht auch Mutter?
Es fällt auf, dass in allen drei Texten, die dieser Andacht beigegeben sind, Mütter eine Rolle spielen. Die fröhliche Kindermutter im Psalm, der schützende und beschützte Mutterleib im Lied und der Mutter Leib als irdischer Ursprung unseres Lebens im Gespräch zwischen Nikodemus und Jesus. Aber die Bibel selbst vergleicht auch Gott mit einer Mutter. Ein bilderreiches Wort aus dem Hiobbuch belegt das besonders eindrücklich: Wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es herausbrach wie aus dem Mutterschoß, als ich’s mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte wie in Windeln? (Hiob 38,8f.) So fragt Gott selbst rhetorisch den bangen Hiob, der nach seinem Schicksal fragt. Wie eine Mutter bringt Gott die ganze Schöpfung hervor. Im Bild der Geburt und der Sorge um das Kind wird Gottes Allmacht beschrieben.
Ich stehe also vor diesem Bild auf dem Petersberg, dass mir freundlich entgegenkommt. Ich spüre, wie sich in mir meine Vorstellung von Gott wandelt. Geborgen und genährt in den Armen einer liebenden Mutter, gewinne ich Kraft, selbst freundlich auf meine Mitmenschen zuzugehn. Beschirmt durch einen guten Geist, öffne ich meine Arme.
Selbstverständlich ist das allerdings nicht. Mütterliche Sorge in dieser Welt, die Sorge um meine Kinder, die ein sicheres und warmes Zuhause schafft, ausreichend Essen bereitstellt und eine Begleitung gewährleistet, die Selbstbewußtsein und Zartsinn weckt ebenso wie Liebe, Nähe und Vertrauen, ist eine große Herausforderung. Oft scheitere ich daran. Als Vater, als Partner, in der Verantwortung im Beruf und auch als Kind den eigenen Eltern gegenüber.
Umso besser, dass mir dieses Bild vor Augen gestellt wird. Gott, die Mutter, die in ihrer Allmacht und Güte meinen Glauben weckt, dass sie das genau so will. Und mich daraufhin geschaffen hat. Dass sie mein Scheitern nicht verurteilt, aber mir Mut macht, nicht aufzugeben. Dass ich in ihren Augen ein schützender und beschützter Mutterschoß bin. Amen.

  • Miteinander und füreinander beten

Guter Gott,
bewahre und beschütze,
nähre und kleide uns in deine Weisheit.
Dass sie uns helfe, in diese Welt Wärme und Freundlichkeit zu tragen
und den großen Fragen der Menschheit nach Frieden und Gerechtigkeit nicht auszuweichen;
dass Menschen nicht hungern müssen und leiden unter Waffengewalt;
dass sie nicht vor ihrer Zeit sterben müssen an Krankheit und Mangel an Liebe;
dass wir aufmerksam und geduldig uns unseren Mitmenschen zuwenden;
dass wir neuen Mut fassen, um die gute Botschaft eines barmherzigen Gottes weiterzugeben;
dass wir uns selbst geborgen fühlen können wie in den Armen einer Mutter.
Mit den Worten Jesu Christi beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne uns durch seinen Geist
der uns zum Leben und zum Frieden weist.
Er segne unser Lassen und unser Tun,
in seinen Händen könn‘ wir ruhn.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Pfingstsonntag (23.05.)2021

  • Eröffnung

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ So heißt es im Buch Sacharja. Durch diesen Geist gewährt uns Gott Gemeinschaft, die uns an schweren und in fröhlichen Tagen trägt. Besonders am Pfingstsonntag denken wir daran. Amen.

  • Ein Lied: „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“ (EG 126)
  1. Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist, / besuch das Herz der Menschen dein, / mit Gnaden sie füll, denn du weißt, / dass sie dein Geschöpfe sein.
  2. Denn du bist der Tröster genannt, / des Allerhöchsten Gabe teu’r, / ein geistlich Salb an uns gewandt, / ein lebend Brunn, Lieb und Feu’r.
  3. Des Feindes List treib von uns fern, / den Fried schaff bei uns deine Gnad, / dass wir deim Leiten folgen gern / und meiden der Seelen Schad.
  4. Gott Vater sei Lob und dem Sohn, / der von den Toten auferstand, / dem Tröster sei dasselb getan / in Ewigkeit alle Stund.
  • Aus Psalm 118

Dies ist der Tag, den der Herr macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
O Herr, hilf!
O Herr, lass wohlgelingen!
Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Wir segnen euch vom Haus des Herrn.
Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!
Du bist mein Gott, und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.
Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.

  • Der Turmbau zu Babel – Aus dem 1. Buch Mose im 11. Kapitel

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde.
Da fuhr der Herr hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der Herr sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der Herr von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.

  • Unzerstreut – Gedanken zum Turmbau zu Babel

Sie wollen sich einen Namen machen, um nicht zerstreut zu werden über die ganze Erde. Ein Turm, der bis an den Himmel reicht, dient zur Orientierung. Auf Augenhöhe mit Gott. So bleiben alle im Blick. Nichts scheint mehr unmöglich.
Möglich wird das durch die gemeinsame Sprache.
Auf Augenhöhe mit Gott, mit einer Sprache, die unwidersprochen bleibt. Aus den Mündern der Menschen kann daraus großes Unglück entstehen. Glaubt ihr Dieses oder Jenes? Glaubt ihr an den wissenschaftlichen Kommunismus? An den totalen Krieg? Daran, dass Geiz geil ist? Und alle jubeln! Meist aber nicht im Sinne Gottes. Besser, wenn sie unverstanden und am Boden bleiben!
Das Geschehen zu Pfingsten kehrt diesen Vorgang der Sprachverwirrung um. Die ungebildeten Begleiter Jesu können nun von allen Menschen in der bunten Stadt Jerusalem verstanden werden. Mit der Macht Gottes! Der Heilige Geist ist mitten unter ihnen. So kommt die Gemeinde Jesu Christi in die Welt. Das Christentum, die Kirche.
Die Kirche macht sich im Laufe der Zeit einen Namen. Schließlich beherrscht sie nicht nur die Gläubigen, sondern auch einen guten Teil der Welt; durchaus auch mit weltlicher Macht. Das Christentum gewinnt moralischen und politischen Einfluß durch prächtige Bauten und eine unumstößliche Hierarchie. Ein Turm, der bis an den Himmel reicht; für die Stellvertreter Gottes. Auf Augenhöhe. Angeblich reden sie im Namen Gottes. Ihr Wort gilt.
Aus der freien Begegnung im Heiligen Geist wurde wieder eine Präsentation menschlicher Macht. Aus dem Heiligen Geist, der weht, wo er will (Johannesevangelium 3,8), wurde eine verknöcherte Institution. Immer wieder brachte sie den Menschen eher Seelenqual statt Freude.
Den Jüngern aber kam das gar nicht in den Sinn. Die Galiläer aus der Provinz hatten keinerlei Macht. Sie hatten den Geist Gottes. Der seine frohe Botschaft durch ihre Herzen und Münder lenkte und leitete.
In EINER Sprache miteinander sprechen und Gott loben anstatt nur in MEINER Sprache. Das Vaterunser aus Jesu Mund. Wenn ich genau hinhöre, spüre ich, dass diese Worte nicht dazu taugen, um zu herrschen. Ich übe mich in Demut, wenn ich sie spreche. Meine Schuld. Meine Versuchung. Aber auch: Mein tägliches Brot und dein Wille, Gott. Diese myriadenoft gesprochenen Worte tragen den Geist Gottes. Denn ich höre sie nicht nur aus meinem Mund. Sondern auch aus dem meiner Nachbarin. Aus dem Mund des orthodoxen Priesters, der sie russisch spricht. Aus dem Mund einer Gemeinde in Tansania. Ich erkenne sie am Rhythmus der Worte. Überall. Einfach so. Ohne Zwang. Unzerstreut. In Gottes Geist kann uns nichts und niemand trennen. Amen.

  • Worte miteinander und füreinander

Heiliger Geist,
komme zu uns und bleibe bei uns,
wenn wir urteilen über unsere Mitmenschen,
wenn wir schwere Entscheidungen treffen müssen,
wenn wir nicht aus noch ein wissen;
wenn wir uns verloren gehen und aus den Augen verlieren,
wenn wir uns vor Gott und den Menschen schämen,
wenn wir dein Wort gering geachtet haben;
wenn wir zaghaft und träge gegenüber unseren Nächsten,
wenn wir es besser wussten, nur um uns besser zu fühlen,
wenn wir das Herz nicht hören sondern nur das Urteil,
komme zu uns und bleibe bei uns
mit den Worten Jesu Christi:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne uns durch seinen Geist
der uns zum Leben und zum Frieden weist.
Er segne unser Lassen und unser Tun,
in seinen Händen könn‘ wir ruhn.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Exaudi (16.05.)2021

  • Eröffnung

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten markiert der Sonntag Exaudi die Zeit zwischen dem Abschied Jesu und seiner Wiederkunft im Heiligen Geist. Wie geht es weiter in dieser Zwischenzeit? Diese Frage bewegt in den Monaten der Pandemie und des Lockdowns die Menschen auf besondere Weise. Christus aber benennt das Ziel mit dem Wochenspruch aus dem Johannesevangelium: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. Amen.

  • Ein Lied: „Heilger Geist, mein Tröster mein“ (EG 128)

1 Heilger Geist, du Tröster mein, hoch vom Himmel uns erschein mit dem Licht der Gnaden dein.

2 Komm, Vater der armen Herd, komm mit deinen Gaben wert, uns erleucht auf dieser Erd.

3 O du sel’ge Gnadensonn, füll das Herz mit Freud und Wonn aller, die dich rufen an.

4 Ohn dein Beistand, Hilf und Gunst ist all unser Tun und Kunst vor Gott ganz und gar umsonst.

5 Lenk uns nach dem Willen dein, wärm die kalten Herzen fein, bring zurecht, die irrig sein.

6 Gib dem Glauben Kraft und Halt, Heilger Geist, und komme bald mit den Gaben siebenfalt.

7 Führ uns durch die Lebenszeit, gib im Sterben dein Geleit, hol uns heim zur ewgen Freud.

  • Worte aus Psalm 27

Der Herr ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!
Mein Herz hält dir vor dein Wort:
»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darumsuche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der Herr nimmt mich auf.

Herr, weise mir deinen Weg
und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.
Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht.

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.
Harre des Herrn!
Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

  • Aus dem Evangelium nach Johannes im 7. Kapitel

Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes* trat Jesus auf und rief:
Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!
Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.

Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten,
die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da;
denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

*Sukkot, das Laubhüttenfest; im Zusammenhang mit der Rede Jesu vom „lebendigen Wasser“ eine Anspielung auf das Ritual der Wasserspende und der Bitte um ausreichend Regen für das anstehende agrarische Jahr

  • Gedanken zu Johannes 7

Lutz liegt im Sterben. Lutz ist dankbar. Das Haus, in dem er liegt, und die Menschen, die in diesem Haus arbeiten, machen es ihm leichter. Als ich ihn besuche, liegt er im Bett. Er kann nicht mehr aufstehen. In der rechten Hand hält er ein Kreuz; in der linken den Rufknopf für die Krankenpflegerinnen. Zwei treue Begleiter. Das Kreuz ist aus glattem Holz gefertigt in warmen Brauntönen. „Olivenholz, wie im Heiligen Land“ erklärt er mir. Dabei legt sich ein sanfter Ton in seine schwache Stimme. Ich frage ihn: „Würde das nicht zum Sterben reichen?“ „Nein“, sagt er lächelnd, „Sterben ist auch Leben, und das hier“, und dabei richtet er seinen Augen auf den Notknopf, „macht es mir angenehmer.“ Ich verstehe, soweit ich das kann. Zwischen Leben und Tod ist es gut, das eine, das Kreuz, den Glauben festzuhalten und das andere, den Notknopf gegen die Schmerzen, gegen den Durst ebenso. Zwei Begleiter für die Zeit dazwischen.

So macht auch Jesus seinen Zuhörerinnen deutlich, dass Gott für sie sorgen wird. Für beides. Für den Regen, um den die Menschen am letzten Tag des Laubhüttenfestes bitten. Und für das Leben nach der Zeit auf der Erde. Ströme lebendigen Wassers werden fließen. Er weiß aber auch, dass der Glaube der Menschen daran wankelmütig sein kann. In schweren Zeiten besonders. Wenn es an Wasser fehlt für eine gute Ernte. Wenn es an Zuversicht fehlt in unsicheren Zeiten. Wenn es an Trost fehlt angesichts des Todes. Deshalb spricht Jesus vom Heiligen Geist, der die Menschen im Glauben miteinander verbinden wird. Dann ist für die nötige Hilfe gesorgt. Für genügend Wasser gegen den Durst. Für einen Notknopf. Füreinander da zu sein. Und für den nötigen Glauben, der mich mit umfängt, wenn ich Lutz sehe. Soviel Leben mitten im Sterben. Dafür bin ich dankbar. Amen.

  • Ein Gebet füreinander und miteinander

O Gott,
in diesen unsicheren Zeiten
umfange uns mit deinem Heiligen Geist.
Dass wir den Weg nicht verlieren
in dieser Finsternis, die uns umfängt.
Die uns ängstigt mit dem Geschrei der Welt,
mit den Anfeindungen und Vorwürfen.

Wir bitten dich besonders um Frieden im Heiligen Land.
Wir bitten dich für die Opfer auf beiden Seiten.

O Gott,
in diesen durstigen Zeiten
umfange uns mit deinem Heiligen Geist.
Dass wir den Glauben nicht verlieren
in dieser Finsternis, die uns umfängt.

Wir bitten dich besonders um Trost für die Menschen,
die durch Krankheit an Körper und Seele besonders leiden in dieser Pandemie.
Wir bitten dich für die Lebenden und die Gestorbenen.

O Gott,
wir bitten dich um Ströme lebendigen Wassers
mit den Worten deines Sohnes Jesus Christus.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne uns durch seinen Geist
der uns zum Leben und zum Frieden weist.
Er segne unser Lassen und unser Tun,
in seinen Händen könn‘ wir ruhn.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Rogate (09.05.)2021

  • Eröffnung

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. singt der Psalm 66. Das kann gelingen, wenn wir Gott loben, nicht nur im Lied sondern auch in der Tat. Dann sprechen wir das Amen fein, wie es am Ende des Wochenliedes heißt, aus vollem Herzen. Amen.

  • Aus Psalm 95

Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken
und jauchzen dem Hort unsres Heils!
Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen
und mit Psalmen ihm jauchzen!
Denn der Herr ist ein großer Gott
und ein großer König über alle Götter.
Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,
und die Höhen der Berge sind auch sein.
Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht,
und seine Hände haben das Trockene bereitet.
Kommt, lasst uns anbeten und knien
und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.
Denn er ist unser Gott
und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

  • Lukas 11,5-13

Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.
Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

  • Gedanken zu Lukas 11,5-13

Der Evangelist Lukas lässt kein gutes Haar an seinen Helden. Der eine ist ein unverschämter Drängler. Er nimmt keine Rücksicht auf die Uhrzeit. Er nützt die Freundschaft aus. Er stört die Ruhe der Kinder. Er macht Umstände. Der andere ist – und das ist auf alle Menschen gemünzt – ein böser Mensch. Ein von Grund auf – das legt die griechische Vokabel nahe – schlechter, unwürdiger und lasterhafter Mensch.
Dennoch. Beide geben gute Gaben. Beide kümmern sich. Der eine sorgt sich um seine Kinder. Auf keinen Fall möchte er ihnen Schaden zufügen. Der andere ist für seinen Freund da. Auch wenn die Zeit gerade gar nicht passt. Das Bild des Menschen ist bei Lukas spannungsreich.
Mein Telefon klingelt kurz vor Mitternacht. Ein Freund steht mit seinem kaputten Auto irgendwo bei Trotha. Jetzt kommt er nicht weiter. „Kann ich erstmal bei Dir übernachten?“ Keine Frage. Zum Glück fährt einer der Nachtbusse sowohl dicht bei ihm als auch bei mir vorbei. Die Tankstelle bei mir um die Ecke verkauft nach 22:00 Uhr keinen Alkohol mehr. Ich bekomme trotzdem mein Bier. Für meinen Freund. Nach diesem Tag kann er es gut gebrauchen. Dann stehe ich nachts halb 2 an der Haltestelle und hole ihn ab.
Es fühlt sich ein wenig seltsam an. Aber das ist nicht der Punkt. Entscheidend ist, dass ich normalerweise an der Tankstelle nicht nachgefragt hätte. So war es aber selbstverständlich. Meine Zurückhaltung ist einem „unverschämten Drängen“ gewichen. Das fühlt sich gut an. So ist es erlaubt. Es fühlt sich an, als ob auch für mich – ein kleines bisschen wenigstens – ein Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Sei mutig! Steh für andere ein! Auch mitten in der Nacht.
Jesus sagt: Um so mehr wird Gott für dich sorgen. Ich weiß, dass das keine Wunscherfüllungsmaschine ist. Jesu Wort spricht genau in diesen Zweifel hinein. Dein Gebet wird nicht erhört? Glaubst du das wirklich? Glaubst du, dass Gott so schlecht handelt. Im Vergleich zu deiner Schlechtigkeit? Selbst du vermagst es doch, Gutes zu tun.
Ja, ich weiß, was ich zu tun habe. Trotz meiner Bequemlichkeit. Meiner Angst. Meiner Vernunft. Trotzdem. Ich gehe raus und tue das, was nötig ist. Ein gutes Gefühl. Ein Geist, der das Nötige tut, um anderen zu helfen. Ein guter Geist, der mich hinausführt über das, was mir selbst mangelt. Wenn ich für einen Freund bitte, erfüllt sich meine Bitte und mein Gebet von selbst.
Ich glaube, dass diese Welt von einem guten Geist durchwaltet wird. Es geht nicht darum, Vergeltung zu erfahren. Es geht darum, für andere da zu sein. Und auf wunderbare Weise wird diese Güte weiter getragen. Bis sie wieder bei mir ankommt. Oder besser gesagt: Sie war nie weg. Sie ist dann gegenwärtig, wenn ich Gutes tue. Wenn ich bitte. Wenn ich frage. Wenn ich suche. Wenn ich klopfe. Für den Freund. Für mein Kind. Ist Gott da. Amen.

  • Ein Gebet füreinander und miteinander

Gott im Himmel,
was kann ich tun für den Frieden auf der Welt.
Dass ich selbst Frieden finde.
Gegen den Krieg zwischen den Ländern.
Gegen den Hass auf der Strasse.
was kann ich tun für den Glauben in dieser Welt.
Dass ich selbst Glauben finde.
An deinen guten Geist, der uns neues Leben
und Vertrauen zueinander schenkt.
was kann ich tun für die Liebe in der Welt.
Dass ich selbst Liebe finde.
Für Nähe und Hilfe, für die Menschen,
die uns nah und vor allem für die, die uns fern stehen.
was kann ich tun für die Hoffnung auf der Welt.
Dass ich selbst Hoffnung finde.
Heraus aus den Zweifeln, der Einsamkeit, dem Schmerz,
heraus aus der Sinnlosigkeit, die uns quält.
Stärke meinen Mut dafür zu beten, zu handeln!,
wovon mein Herz und mein Verstand deutlich sprechen.
Wir sprechen und singen mit den Worten Jesu Christi:

  • Ein Lied als Vaterunser: „Vater unser im Himmelreich“ (EG 344)

1 Vater unser im Himmelreich, der du uns alle heißest gleich
Brüder sein und dich rufen an und willst das Beten von uns han:
gib, dass nicht bet allein der Mund, hilf, dass es geh von Herzensgrund.

2 Geheiligt werd der Name dein, dein Wort bei uns hilf halten rein,
dass auch wir leben heiliglich, nach deinem Namen würdiglich.
Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr, das arm verführet Volk bekehr.

3 Es komm dein Reich zu dieser Zeit und dort hernach in Ewigkeit.
Der Heilig Geist uns wohne bei mit seinen Gaben mancherlei;
des Satans Zorn und groß Gewalt zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt.

4 Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich auf Erden wie im Himmelreich.
Gib uns Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid;
wehr und steu’r allem Fleisch und Blut, das wider deinen Willen tut.

5 Gib uns heut unser täglich Brot und was man b’darf zur Leibesnot;
behüt uns, Herr, vor Unfried, Streit, vor Seuchen und vor teurer Zeit,
dass wir in gutem Frieden stehn, der Sorg und Geizens müßig gehn.

6 All unsre Schuld vergib uns, Herr, dass sie uns nicht betrübe mehr,
wie wir auch unsern Schuldigern ihr Schuld und Fehl vergeben gern.
Zu dienen mach uns all bereit in rechter Lieb und Einigkeit.

7 Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, wenn uns der böse Geist anficht;
zur linken und zur rechten Hand hilf uns tun starken Widerstand
im Glauben fest und wohlgerüst‘ und durch des Heilgen Geistes Trost.

8 Von allem Übel uns erlös; es sind die Zeit und Tage bös.
Erlös uns vom ewigen Tod und tröst uns in der letzten Not.
Bescher uns auch ein seligs End, nimm unsre Seel in deine Händ.

9 Amen, das ist: es werde wahr. Stärk unsern Glauben immerdar,
auf dass wir ja nicht zweifeln dran, was wir hiermit gebeten han
auf dein Wort, in dem Namen dein. So sprechen wir das Amen fein.

  • Segen

Der Herr segne uns durch seinen Geist
der uns zum Leben und zum Frieden weist.
Er segne unser Lassen und unser Tun,
in seinen Händen könn‘ wir ruhn.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Kantate 2021

  • Eröffnung

Gibt es einen guten Grund zu singen? Der Zweifel mag da nicht weit sein. Dennoch! „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Amen.

  • Ein Psalmlied: „Du meine Seele, singe“ (EG 302, nach Psalm 146)

1) Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

2) Ihr Menschen, lasst euch lehren, / es wird sehr nützlich sein:
Lasst euch doch nicht betören / die Welt mit ihrem Schein.
Verlasse sich ja keiner / auf Fürsten Macht und Gunst,
Weil sie wie unser einer / nichts sind als nur ein Dunst

3) Was Mensch ist, muss erblassen / und sinken in den Tod;
Er muss den Geist auslassen, / selbst werden Erd und Kot.
Allda ists dann geschehen / mit seinem klugen Rat.
Und ist frei klar zu sehen, / wie schwach sei Menschentat.

4) Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig ungetrübt.

5) Hier sind die starken Kräfte, / die unerschöpfte Macht;
das weisen die Geschäfte, / die Seine Hand gemacht:
der Himmel und die Erde / mit ihrem ganzen Heer,
der Fisch unzähl’ge Herde / im großen wilden Meer.

6) Hier sind die treuen Sinnen, / die niemand Unrecht tun,
all denen Gutes gönnen, / die in der Treu beruhn.
Gott hält sein Wort mit Freuden, / und was Er spricht, geschicht,
und wer Gewalt muß leiden, / den schützt Er im Gericht.

7) Er weiß viel tausend Weisen, / zu retten aus dem Tod,
ernährt und gibet Speisen / zur Zeit der Hungersnot,
macht schöne rote Wangen / oft bei geringem Mahl;
und die da sind gefangen, / die reißt Er aus der Qual.

8) Er ist das Licht der Blinden, / erleuchtet ihr Gesicht;
und die sich schwach befinden, / die stellt Er aufgericht‘.
Er liebet alle Frommen, / und die Ihm günstig seind,
die finden, wenn sie kommen, / an Ihm den besten Freund.

9) Er ist der Fremden Hütte, / die Waisen nimmt Er an,
erfüllt der Witwen Bitte, / wird selbst ihr Trost und Mann.
Die aber, die Ihn hassen, / bezahlet Er mit Grimm,
ihr Haus und wo sie saßen, / das wirft Er um und um.

10) Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen Seinen Ruhm;
der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in Sein Zelt,
ist’s billig, daß ich mehre / Sein Lob vor aller Welt.

  • Ein Wort aus dem Brief an die Kolosser im 3. Kapitel

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten,
herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

  • Das Band der Vollkommenheit – eine welke Blum (Gedanken zum Kolosserbrief und zum Lied „Du meine Seele, singe“)

Es ist ein beeindruckender Katalog menschlicher Tugenden: Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld ebenso wie Vergebung, Liebe und Friedfertigkeit. Der Kolosserbrief fasst das in der Wendung vom Band der Vollkommenheit zusammen. Allerdings scheint ein Blick auf die Vergangenheit und die Gegenwart der Menschheit dem zu widersprechen. Wie oft genüge ich dem? Die Bilanz ist ernüchternd. Weit entfernt bin ich von diesem Frieden in Christus.
Gott sei Dank bleibt aber der Kolosserbrief nicht bei der Liste der Tugenden stehen. Die Vollkommenheit erfüllt sich nicht in meinen wirklichen Taten und Gedanken sondern im Wort Christi. Insbesondere in den Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern. Vollkommenheit wohnt im dankbaren Gotteslob. Es wohnt in Liedern und Gebeten. Ein tieferer Grund dafür, warum uns derzeit der Gesang im Gottesdienst so sehr fehlt. Im Lied sieht mich Gott, wie er mich gemeint hat. Und lehrt mich Demut.
Ein wunderschönes Beispiel dafür ist das Wochenlied Du meine Seele, singe. 10 Strophen umfasste es ursprünglich. Paul Gerhardt, der Lieddichter, bringt mir in der 1. Strophe nahe, was auch der Kolosserbrief mir ans Herz legt. Gott nah sein im Singen. Die 2. und 3. Strophe zeigt mir den Schein der Welt und meine Sterblichkeit und Schwäche. In den Strophen 4 bis 9 besingt es demgegenüber das Lob des Schöpfers, seine Größe und sein Heil für uns Menschen. Ich bin von Gott gemacht und getragen, trotz allen Leids, das mir widerfahren kann. Gottes treue Sinne helfen mir in Tod, Krankheit und Einsamkeit. Zum Abschluss in der 10. Strophe kommt noch einmal beides deutlich zum tragen. Ich bin eine welke Blum. Aber das ist kein Mangel in Gottes Augen. Denn durch Christus gehöre in gen Zion in sein Zelt. Die letzte Strophe lehrt mich deshalb nicht nur Demut sondern ebenso Mut.
In den Worten des Kolosserbriefes und im Lied Paul Gerhardts bedeutet die Demut keine Unterwürfigkeit oder Knechtschaft gegenüber den Dingen der Welt. Sie ermuntert mich vielmehr zur Geduld in den Dingen, die außerhalb meiner Fähigkeiten liegen. Sie mahnt mich zur Empörung, wenn ich Ungerechtigkeit und Bosheit erkenne. Sie macht mich stark zur Sanftmut gegenüber meinen Mitmenschen. Sie erlaubt mir die Klage und Vergebung, wenn ich an mir selbst und an den Umständen scheitere.
Voller Dankbarkeit erkenne ich, dass ich bei Gott nicht an meinen Fähigkeiten gemessen werde. Unabhängig davon hat er mich auserwählt als Heiligen und Geliebten. Und wenn mir die Worte dafür fehlen in tiefer Dunkelheit, dann habe ich das Geschenk der Lieder. Du meine Seele, singe. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott im Himmel,
Heilige und Geliebte sind wir in deinen Augen.
Stärke uns, dass wir das auch in unseren eigenen Augen sind.

Bestärke uns mit Geduld, dass wir sie üben
gegenüber uns selbst und unserem Nächsten.
Wenn wir auf der Stelle treten auf der Suche nach Frieden.

Erwecke die Empörung in uns,
wenn Unrecht und Leid nicht benannt und beklagt werden.
Wenn wir auf der Stelle treten auf der Suche nach Frieden.

Fache die Sanftmut in uns an,
dass wir ohne Gewalt miteinander streiten können.
Wenn wir auf der Stelle treten auf der Suche nach Frieden.

Pflanze in uns die Vergebung,
die nicht danach fragt, was uns zusteht.
Wenn wir auf der Stelle treten auf der Suche nach Frieden.

Gott im Himmel,
Heilige und Geliebte sind wir in deinen Augen.
Stärke uns mit deinem Lied und deinem Gebet

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Jubilate 2021

  • Eröffnung

„JUBILATE – JAUCHZET“ – der Name des Sonntags ist der Beginn von
Psalm 66. Lassen Sie sich trotz allem, was das Herz schwer macht, hinein nehmen in den österlichen Lob- und Dankpsalm und die Bitte:
Gott, gib uns Freude ins Herz und Hoffnung und Mut. Das brauchen wir von dir. Heute und jeden Tag. Amen.

  • Lied: Die ganze Welt, Herr Jesu Christ (EG 110)
Quelle für die Audiodatei: http://www.eingesungen.de/

Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja,
in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.

Das himmlisch Heer im Himmel singt, Halleluja, Halleluja,
die Christenheit auf Erden klingt. Halleluja, Halleluja.

Jetzt grünet, was nur grünen kann, Halleluja, Halleluja,
die Bäum zu blühen fangen an. Halleluja, Halleluja.

Es singen jetzt die Vögel all, Halleluja, Halleluja,
jetzt singt und klingt die Nachtigall. Halleluja, Halleluja.

Der Sonnenschein kommt jetzt herein, Halleluja, Halleluja,
und gibt der Welt ein` neuen Schein. Halleluja, Halleluja.

  • Worte aus Psalm 66

Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir,
lobsinge deinem Namen.
Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom;
dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,
seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.
Lobet, ihr Völker, unsern Gott,
lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsere Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.

  • Text: Apostelgeschichte 17,22-28a

Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach:
Ihr Männer von Athen, ich sehe,
dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.
Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen
und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben:
Dem unbekannten Gott.
Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.
Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist,
er, der Herr des Himmels und der Erde,
wohnt nicht in Tempeln, die von Händen gemacht sind.
Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen
wie einer, der etwas nötig hätte,
da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.
Und er hat aus einem Menschen
das ganze Menschengeschlecht gemacht,
damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen,
und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen
und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen,
ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten;
und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
Denn in ihm leben, weben und sind wir.

  • Gedanken zum Text

Paulus ist unterwegs in Athen. Nach seiner Ankunft geht er offensichtlich nicht zuerst zum bekanntesten Platz, dem Areopag.
Er durchstreift die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten. Er entdeckt die Tempel mit ihren Altären, die den verschiedenen Göttern geweiht sind.
In einem Tempel entdeckt er den Altar, der dem unbekannten Gott geweiht ist. Und der wird für Paulus der Anknüpfungspunkt für seine Botschaft, die den Athenern absolut fremd vorkommen muss.
Dem unbekannten Gott! Könnte der Altar nicht auch bei uns stehen?
Gott, ein Unbekannter? Manche sagen: Glauben – das ist nichts für mich. Ich halte mich an die Fakten.
Andere sagen: Irgendwie glaube ich schon an einen Gott, eine höhere Macht eben. Aber diese Geschichten in der Bibel und die Glaubenssätze damit kann ich einfach nichts anfangen.
… dem unbekannten Gott …
Paulus sieht seine Zuhörer vor sich und ihre zum Teil erwartungsvollen Gesichter. Was soll er ihnen sagen? Wie soll er sie erreichen?
Und er beginnt mit einer eigenen Erfahrung, die wir vielleicht auch gemacht haben. Der Erfahrung, dass unser Leben ein Geschenk ist,
und das wir darin nicht alles selbst bestimmen und erreichen können.
Dieser Gott, den ihr nicht kennt, sagt Paulus, ist der Schöpfer von allem, was ist. Er gibt uns Raum für das Leben und er setzt ihm Grenzen.
Ihm müssen wir keine Opfer bringen, ihm müssen wir nicht dienen.
Aber er hat uns die Möglichkeit gegeben, ihn zu suchen und zu finden.
Denn in ihm leben, weben und sind wir!
So erklärt Paulus wer der unbekannte Gott ist. Kann es auch uns in den Momenten wo wir das Gefühl haben, Gott nicht zu kennen, helfen?
Wenn wir die Pandemie in unserem Land und vielen Ländern und das daraus erwachsene Leid sehen, können Zweifel kommen.
Dem unbekannten Gott!
Martin Luther hat diesen Gott, der Leben schafft und begrenzt, den „verborgenen“ Gott genannt. Dieser Gott, sagt Luther, bleibt in seiner Allmacht uns Menschen tatsächlich unzugänglich. Weiter über ihn nachzudenken, ist zwecklos. Der Versuch, ihn zu verstehen, treibt in die Verzweiflung.
Deshalb hat sich Luther ganz und gar an den Gott gehalten, von dem er mehr wissen konnte. Er hat ihn den „offenbarten“ Gott genannt. Den Gott, der Mensch geworden ist, damit Menschen ihn verstehen können.
Deshalb waren die biblische Geschichte und Glaubenssätze von Jesus für Luther keine Zumutung, sondern eine Erlösung. Aus dem, was Jesus getan und gesagt hat, konnte er lesen: Hier geht es nicht um den unbekannten Gott. Hier wird deutlich, wer Gott ist. Der Gott, den Jesus zeigt, ist kein allmächtiger Schicksalsgott, der über allem thront. Er ist der Gott, der sich wie ein guter Hirte um jedes einzelne seiner Schafe sorgt. Er geht denen nach, die am Rande stehen, denen, die ihr Leben nicht im Griff haben. Aber er ist auch da wo gehofft wird, gegen die Erfahrung, er ist da, wo gefeiert und gesungen wird.
Und er ist da, wo Menschen leiden. Gott ist kein mitleidloses Schicksal.
Es ist ihm nicht egal, was wir tun und was wir erleiden. Er liebt und leidet mit uns. Deshalb steht auf unserem Altar auch nicht „Dem unbekannten Gott“ sondern es ist das Kreuz, an dem Jesus gelitten hat. Es sagt uns auch: Er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
In ihm leben, weben und sind wir. Darauf vertrauen wir.
Amen.

  • Gebet miteinander und füreinander

Schau vom Himmel, Gott. Und hilf.

Schau auf alle,
die sich nicht einschüchtern lassen von der Gewalt der Mächtigen
in Weißrussland, in Myanmar und vielen weiteren Ländern.
Gib ihnen den Mut zu widerstehen.
Gib ihnen Klugheit, um zu überleben.

Schau auf alle,
die sich von Gerechtigkeit anstecken lassen.
Und von Mut. Und von Liebe.

Schau auf die, die immun sind gegen Hassparolen.
Die ein großes Herz haben. Die Toleranz üben.
In den Schulen. In den Betrieben.
In den sozialen Netzwerken.
Halte sie gesund.

Schau auf alle, die nicht müde werden, Güte zu verbreiten.
Die misshandelten Kindern beistehen.
Oder geflüchteten Menschen.

Schau auf alle, die an Sterbebetten sitzen und ausharren.
Stärke ihre Seelen.

Amen.

Vaterunser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott sei uns gnädig und segne uns.
Er lasse uns sein Antlitz leuchten.
Gott sei uns gnädig und alle Welt fürchte ihn.
Amen.

(Lektorin Gudrun Naumann)

Miserikordias Domini 2021

  • Eröffnung

Christus spricht im Evangelium nach Johannes: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. Christus hütet uns, vor dem Unheil dieser Welt und darüber hinaus. Mit dieser österlichen Botschaft fragen wir nach und beten und singen wir für unser Vertrauen in Gott. Amen.

  • Ein Lied und ein Psalm: EG 274 „Der Herr ist mein getreuer Hirt“ (nach Psalm 23)

1) Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute,
darin mir gar nicht mangeln wird jemals an einem Gute.
Er weidet mich ohn Unterlass, da aufwächst das wohl schmeckend Gras
seines heilsamen Wortes.

2) Zum reinen Wasser er mich weist, das mich erquickt so gute,
das ist sein werter Heilger Geist, der mich macht wohlgemute;
er führet mich auf rechter Straß in seim Gebot ohn Unterlass
um seines Namens willen.

3) Ob ich wandert im finstern Tal, fürcht ich doch kein Unglücke
in Leid, Verfolgung und Trübsal, in dieser Welte Tücke:
Denn du bist bei mir stetiglich, dein Stab und Stecken trösten mich,
auf dein Wort ich mich lasse.

4) Du b’reitest vor mir einen Tisch vor mein‘ Feind‘ allenthalben,
machst mein Herz unverzaget frisch; mein Haupt tust du mir salben
mit deinem Geist, der Freuden Öl, und schenkest voll ein meiner Seel
deiner geistlichen Freuden.

5) Gutes und viel Barmherzigkeit folgen mir nach im Leben,
und ich werd bleiben allezeit im Haus des Herren eben
auf Erd in der christlichen G’mein, und nach dem Tode werd ich sein
bei Christus, meinem Herren.

  • Ein Wort des Propheten Hesekiel im 34. Kapitel

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

  • Ein Hirte der Gerechtigkeit – Gedanken zu Hesekiel

„In immer neuen Anläufen kreist das Buch Hesekiel um ein und dasselbe Thema, die Zerstörung und den Untergang der judäischen Monarchie.“ Diese kurze Zusammenfassung des Theologen Reinhard G. Kratz ordnet das Geschehen ein. Nach einer gesellschaftlichen und politischen Katastrophe wird Gott dafür sorgen, dass die zerstreuten Israeliten wieder zusammengeführt, die Ordnung und das Recht wieder hergestellt und der Tempel und die Städte wieder aufgebaut werden. Eines der Bilder, in denen Hesekiel dieses Geschehen fasst, ist das des (ungetreuen) Hirten und seiner Herde. Gott verspricht hingegen als rechter Hirte: Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.
Aber passt das Bild noch für unsere Zeit? Dass momentan Unordnung, Verunsicherung und Angst die Gemüter und Nachrichten beherrschen, liegt einerseits klar auf der Hand. Aber ist es andererseits nicht die Aufgabe aller Menschen, dafür zu sorgen, wieder Ruhe und Ordnung herzustellen? Schließlich leben wir nicht in einer Monarchie, wie sie Reinhard G. Kratz für die Zeit des Propheten beschreibt. Oder anders gesagt: Heute leben wir nicht wie Schafe, die von einem Hirten gelenkt und gehütet werden. Jede und jeder ist dazu aufgerufen auf seinem Platz und nach seinem Vermögen für ein gutes Zusammenleben zu sorgen. Auch wenn die Möglichkeiten beschränkt sind. Das hat ja seinen guten Grund darin, dass bestenfalls keine und keiner – wie mächtig sie oder er auch sei – nach Gutdünken herrschen kann. Jede und jeder ist dazu aufgerufen mal Hirte und mal Schaf zu sein.
Dennoch glaube ich, dass das Bild seine Berechtigung hat. Ich brauche Vertrauen, um gut leben zu können, so wie ich Essen und ein Dach über den Kopf brauche. Ich muss der Politik vertrauen können so wie ich meiner Zahnärztin vertraue, meinem Partner oder meinen Eltern. In dem Moment, wo ich auf dem Zahnarztstuhl sitze, mein intimes Zusammenleben gestalte oder schlicht auf die Welt komme, brauche ich dieses Vertrauen. Es wäre eine grauenhafte Welt, in der ich nichts und niemandem vertrauen könnte. Schaf sein zu dürfen aus Vertrauen ist (über)lebenswichtig.
Im Glauben hat das Vertrauen ein besonderes Gewicht. Vertrauen kann in dieser Welt verloren gehen. In unserem Glauben wenden wir uns aber an den Schöpfer des Himmels und der Erde. Gott ist den Wechselfällen des Lebens nicht unterworfen. Gott ist ewig. Er lässt sich nicht bestechen, er wird nicht müde, er hält fest an seiner Liebe.
Ja, mitunter fällt es mir schwer an diesem Glauben festzuhalten. Mein Vertrauen ist erschüttert, weil ich sehe, wie sehr es an Gerechtigkeit und Liebe in dieser Welt fehlt. Dann ist es gut, mich daran zu erinnern, dass Gott über den Dingen der Welt steht. Mich daran zu erinnern, dass es – hoffentlich – in dieser Welt etwas gibt, dass mir neue Kraft zum Vertrauen gibt: eine geschickte Zahnärztin, ein geliebter Partner, ein treu sorgender Vater in dieser Welt – und im Himmel einen Hirten der Gerechtigkeit. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott im Himmel,
du hast uns Jesus Christus gesandt,
den Auferstandenen, den guten Hirten:
In seinem Namen bitten wir um Vertrauen,

in unsere Stärke,
dass wir für ein gutes Zusammenleben
sorgen können, in unseren Häusern, in unserer Stadt,
in unserem Land und auf der ganzen Welt;

in unseren Gerechtigkeitssinn, der uns sagt
dass es nicht sein kann, dass einer im Überfluss lebt,
und eine andere kein Essen für ihr Kind hat;

in unsere Vernunft, die uns sagt,
dass wir sorgsam umgehen mit deinen Gaben
von denen alle Menschen leben;

in unsere Sanftmut, die uns lehrt,
für Frieden einzustehn und laut zu sagen,
dass kein Mensch im Krieg sterben soll;

in unseren Glauben,
der dein Wort weiterträgt in Nächstenliebe,
der durch dein gutes Wort uns Freude schenkt;

in unserer Liebe,
die keinen Menschen vergisst,
übersieht oder ignoriert, der Liebe braucht.

Gott im Himmel,
du hast uns Jesus Christus gesandt,
den Auferstandenen, den guten Hirten.
Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Quasimodogeniti 2021

  • Eröffnung

In dieser österlichen Zeit ist uns der Auferstandene näher als wir denken. Gerade auch in diesen Zeiten, in denen der Glaube schwer fällt und der Nächste fern scheint. Der Glaube an die Nähe Jesu kommt von Gott. Darum bitten wir und dafür danken wir. Amen.

  • Ein Lied: „Mit Freuden zart zu dieser Fahrt“ (EG 108)
  1. Mit Freuden zart zu dieser Fahrt / laßt uns zugleich fröhlich singen, / beid, groß und klein, von Herzen rein / mit hellem Ton frei erklingen. / Das ewig Heil wird uns zuteil, / denn Jesus Christ erstanden ist, / welchs er läßt reichlich verkünden.
  2. Er ist der Erst, der stark und fest / all unsre Feind hat bezwungen / und durch den Tod als wahrer Gott / zum neuen Leben gedrungen, / auch seiner Schar verheißen klar / durch sein rein Wort, zur Himmelspfort / desgleichen Sieg zu erlangen.
  3. Singt Lob und Dank mit freiem Klang / unserm Herrn zu allen Zeiten / und tut sein Ehr je mehr und mehr / mit Wort und Tat weit ausbreiten: / so wird er uns aus Lieb und Gunst / nach unserm Tod, frei aller Not, / zur ewgen Freude geleiten.
  • Worte aus Psalm 116

Das ist mir lieb,
dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.
Denn er neigte sein Ohr zu mir;
darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
Stricke des Todes hatten mich umfangen, /
des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;
ich kam in Jammer und Not.
Aber ich rief an den Namen des Herrn:
Ach, Herr, errette mich!
Der Herr ist gnädig und gerecht,
und unser Gott ist barmherzig.
Der Herr behütet die Unmündigen;
wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;
denn der Herr tut dir Gutes.
Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Ich werde wandeln vor dem Herrn
im Lande der Lebendigen.

  • Evangelium nach Johannes im 21. Kapitel

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.
Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.
Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.
Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.
Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.
Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

  • Stimme des Herrn – Gedanken zum Evangelium

Die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Sie hören seine Stimme. Das Morgenlicht erstrahlt. Sie fischen und machen einen großen Fang. Sie fahren zu ihm ans Land. Petrus schwimmt ihm sogar entgegen. Sie sitzen am Feuer und essen Brot und Fisch. Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr.

Auf seine Stimme hin fährt Petrus noch einmal hinaus. Im Johannesevangelium wird die Geschichte vom Menschenfischer Simon Petrus erst am Ende erzählt. Zum guten Ende. Die Jüngerinnen und Jünger sollen die gute Botschaft in die Welt tragen. Die auffällige Zahl 153 ist ein Hinweis darauf. Ihre rechnerischen Eigentümlichkeiten kannten schon die antiken Mathematiker. Im Buch des Propheten Ezechiel wird ebenfalls vom Fischfang erzählt. Von En-Gedi bis En-Eglajim werden Fischer am Ufer des Meeres stehen und ihre Netze zum Trocknen ausbreiten. Alle Arten von Fischen wird es geben, so zahlreich wie die Fische im großen Meer. (Ezechiel 47,10) Der Ortsname En-Eglajim ist zugleich das Zahlwort für die 153. Das volle Netz zur Rechten des Bootes repräsentiert die alle Arten umfassende Gemeinde Christi in der Welt. Ängstliche und zuversichtliche, starke und schwache, liebevolle und verbitterte, vertrauensvolle und zweifelnde Fische.

Kann ich die Stimme Jesu heute hören? Wer weist mich jetzt darauf hin? Welche Stimmen stellt mir Gott in dieser Stunde zur Seite? Ein Anruf von Station. Ein Patientin liegt im Sterben. Trotz des Besuchsverbotes dürfen ihr Ehemann und ihr Sohn sich verabschieden. Letzterer macht sich Sorgen, wie es mit seinem Vater weiter gehen wird. Sie sind doch schon so lange zusammen. Wir sitzen am Bett. Sie atmet ruhig mit geschlossenen Augen. Ihr Mann betet leise und streicht sanft seinem Sohn übers Haar. Ist es der Herr? Ich höre seine Stimme.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott, wir bitten dich um deine Stimme für diese Welt.
Gewalt und Mißgunst sind überlaut.
Es fehlt an Orientierung und Zuversicht.
Im Großen wie im Kleinen.
Deine Stimme rühre die Herzen und leite den Verstand.

Gott, wir bitten dich um deine Stimme für unsere christliche Gemeinde.
Fragen und Zweifel scheinen stärker
als Vertrauen und Hoffnung.
Im Großen wie im Kleinen.
Deine Stimme eröffne unser demütiges Gebet und unseren fröhlichen Gesang.

Gott, wir bitten dich um deine Stimme
für unsere Trauer und Angst.
Große Verluste im Leben machen uns zu schaffen.
Im Großen wie im Kleinen.
Deine Stimme gebe uns Liebe und helfende Hände und Worte.

Darum beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Ostersonntag 2021

  • Eröffnung

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Mit dem Aufgang der Sonne läuft der Jubelruf der Christenheit um die Welt. Jesus Christus lebt. Gott erweist seine Macht, die stärker ist als der Tod.

  • Ein Lied: „Christ ist erstanden“ (EG 99)

Christ ist erstanden
von der Marter alle.
Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden,
so wär die Welt vergangen.
Seit dass er erstanden ist,
so freut sich alles, was da ist.
Kyrieleis.

Halleluja,
Halleluja,
Halleluja.
Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

  • Die Frohe Botschaft: Lukas 24,1-11

Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Und als sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer in glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war und sprach: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. Und sie gedachten an seine Worte. Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den Elf und allen andern Jüngern. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln. Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.

  • Und verkündigten das – Gedanken zur Frohen Botschaft

Freude und Dankbarkeit muss geteilt werden! Die Frauen am leeren Grab Jesu gehen deshalb zu den Aposteln, um die frohe Botschaft weiterzugeben. Von Angesicht zu Angesicht. Es ist kaum vorstellbar, dass die Frauen dabei ruhig geblieben sind. Aufgeregte Stimmen, erschütterte Seelen, denn damit haben sie nicht gerechnet. Der Stein ist weggewälzt, das Grab ist leer. Keiner hat damit gerechnet. Keiner kann das für sich behalten.
Ebenso geht es der Prophetin Mirjam in der Geschichte der Befreiuung der Israeliten nach der gelungenen Flucht vor dem Heer des Pharaos: „Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.“ (2. Mose 15,20f.)
Ihr Singen und Musizieren und Tanzen macht es augenscheinlich. Wer von einer großen Freude ergriffen ist, trägt die Botschaft nicht nur in Worten mit sich sondern mit dem ganzen Körper. Die Seele schwingt von Kopf bis Fuß.

Liebe Leserinnen und Leser,
über ein Jahr schon können wir diese Freude – mehr oder weniger – nicht miteinander teilen. Deshalb erreicht sie nun diese Osterandacht in schriftlicher Form. Mir fehlt das Schwingen des Bodens bei den tiefen Tönen der Orgel, mir fehlt der gemeinsame Gesang und das Sprechen des Vaterunsers. Ich höre auf die Stimmen der Menschen um mich und stimme mich auf sie ein. Rhythmus und Klang der Worte, die so viele Glaubende schon gesprochen haben. Mir fehlt das Heilige Abendmahl, in dem wir mit Christus und untereinander verbunden den tiefen Frieden Gottes miteinander teilen können.
Die Distanz geht – ebenso wie die Freude – an die Seele. Nur nach Tanzen ist mir dabei nicht zu Mute. Dennoch: Ich mag nicht sein wie die mißmutigen Apostel, die die Freude der Frauen als Geschwätz abtun. Mag sein, dass sie das kaum glauben können. Mag sein, dass ich noch nicht sehen kann, wann wir wieder zusammen Gottesdienst feiern werden. Aber ich glaube daran mit ganzer Seele. Darauf freue ich mich. Denn der Herr ist auferstanden. Ja! Wahrhaftig auferstanden. Hallelujah!

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Himmlischer Vater,
die Situation steht uns klar vor Augen.
Auch dieses Ostern können wir nicht so feiern,
wie wir es gerne möchten.
Deshalb bitten wir dich,
um Geduld und Duldsamkeit, auch diese Tage nach deinem Willen zu leben,
um Energie und Leidenschaft, um miteinander nach Hilfe und Lösungen zu suchen,
um Glauben und Zuversicht, dass du uns trägst, wo und wie wir auch heute diese Tage erleben,
um Liebe und Kraft, um für unseren Nächsten da zu sein,
um Einsicht und Mitgefühl, um das, was wir können, klug umzusetzen,
und um Mut und Hoffnung, wo wir an unsere Grenzen stoßen.
Diese Tage machen uns deutlich, wie sehr wir angewiesen sind,
auf dich, Gott, auf deine Schöpfung und unsere Mitmenschen.
Stärke uns in diesen Gedanken und mehre unsere Freude und Dankbarkeit.
Amen.

  • Ein Segenswort

Durch deine Macht, Gott,
hast du Jesu Kreuz
zum Baum des Lebens verwandelt.
Durch deine Macht, Gott,
verwandelst du unsere Angst in Zuversicht,
unsere Lähmung in neuen Mut.
So wird unser Leben zu einem Gleichnis
für die Auferstehung vom Tod zum Leben.

Segne unseren Baum des Lebens,
damit das tote Holz anfängt
Knospen zu treiben und zu blühen!
(Hanna Strack)

(Pfr. Olaf Wisch)

Video-Andacht zu Karsamstag 2021

  • Gedanken zum Karsamstag

Ich grüße Sie aus der Lutherkirche, am stillen Karsamstag.
Karfreitag ist vorbei. Ostern steht noch aus.
Wir stehen zwischen den Tagen der Trauer und der Freude.
Noch ist der Stein vor dem Grab Jesu.

So erzählt es das Matthäusevangelium
was nach dem Tod Jesu geschah:

Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm den geben. Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon.

Karsamstag bleibt das Grab so, wie es am Tag zuvor hergerichtet wurde. Heute bleibt schlichtweg nichts mehr zu tun. Karsamstag ist eine Zeit des Wartens. Ein Zeit grauer Wehmut. Der polnische Dichter Miron Bialoszewski fasst den grauen Tag in eine graue Frage.

Graue Fragen

Alles Weiße ist smaragdgrün vergraut:
das weiße Papier mit den Bechern auf dem Tisch
eine Ecke des Bettzeugs
die Teekanne.

Welcher Glast
verdunkelt mein Fenster?

Was gibt es Neues
heut
unten in der Stadt?

Welcher Tag der Schöpfung ist es
und welcher Menschen?

(Miron Bialoszewski, übersetzt von Dagmara Kraus und hrg. von Henk Proeme, in: M’ironien. Gedichte und Prosa, roughbooks 054, Strasbourg, Oegstgeest und Schupfart, April 2021, S. 23)

Es ist bedrückend. Dieses Warten. Die offenen Fragen. Ausgang ungewiss. Der Ostermorgen steht noch aus. Noch ist der Stein vor Jesu Grab.

Diesen Stein hier habe ich vor einigen Jahren von der schwedischen Schärenküste mitgebracht. Ich habe ihn einige 100 Meter vom Strand bis zum Parkplatz getragen. Ich kann ihn gut heben, aber er wurde schwerer je länger ich ihn trug. Er ist beweglich, aber ich brauchte ausreichend Kraft, um ihn mitzunehmen.
Gottes Kraft ist groß genug, um den Stein vor dem Grab wegzuwälzen.
Darauf hoffe ich.

So segne uns Gott, er segne unsere Trauer, unser Warten, er segne den morgigen Tag, er segne den Ostermorgen.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Karfreitag 2021

Diesen Beitrag gibt es auch als Audio:

  • Eröffnung

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16) Deshalb leidet Gott mit uns. Das wollen wir bedenken.
Amen.

  • Aus Psalm 22

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Aber du bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und
wurden nicht zuschanden.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
»Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus
und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«
Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen;
du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.
Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an,
du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, /
alle meine Gebeine haben sich zertrennt;
mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.
Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, /
und meine Zunge klebt mir am Gaumen,
und du legst mich in des Todes Staub.
Ich kann alle meine Gebeine zählen;
sie aber schauen zu und weiden sich an mir.
Sie teilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los um mein Gewand.

  • Ein Lied: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85)

O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron, o Haupt,
sonst schön gezieret
mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret:
gegrüßet seist du mir!

  • Evangelium nach Johannes 19,16-30

Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Ps 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

Rembrandt: „Kreuzigung“
  • Gedanken zum Bild

Die „Kreuzigung“ von dem holländischen Maler Rembrandt Harmenszoon van Rijn, genannt Rembrandt, gezeichnet mit der Feder und laviert, zwischen 1645 und 1653 entstanden, 24,7 cm x 21,1 cm groß, aufbewahrt in der Grafischen Sammlung im Nationalmuseum in Stockholm. Das sind die Fakten. Ich sehe:
Zwischen Fels und Stadt erhebt sich das Kreuz.
Sein Kopf ist tief zwischen seine Schultern gesunken. Alles ist verzerrt an ihm.
Sie umklammert den Kreuzesstamm und gibt sich hin mit Leib und Seele. Ihm so nah wie möglich.
Sie sind verzweifelt, resigniert und todtraurig und sind dennoch entschlossen, bei ihm zu bleiben. Bis zum Schluss. Ihm die letzte Ehre zu erweisen.
Er weiß es besser, er weiß, was zu Gott gehört und was zur Menschheit. So offensichtlich ist das. Der da ist kein Gott.
Er ist gehorsam seiner Truppe. Soldat, kümmere dich nicht um die Gesichter, entsetzte, ängstliche, höhnische und verwirrte Gesichter. Es ist ja nicht seine erste Kreuzigung. Es ist anders als sonst mit dem da.
Sie haben sich abgewendet. Die Geschichte ist nicht gut ausgegangen. Ist das noch Zweifel, oder schon Gewissheit? Dass heute alles zu Ende ist. Was er uns bedeutet.
Zeit zu gehen oder Zeit zu würfeln? Sie sind einiges gewohnt. Sie tun es, um zu überleben. Sie wissen, dass das ihren Seelen nicht gut tut. Sie wissen nicht, was sie tun.
Die „Kreuzigung“ von Rembrandt Harmenszoon van Rijn, genannt Rembrandt, gezeichnet mit der Feder und laviert, zwischen 1645 und 1653 entstanden, 24,7 cm x 21,1 cm groß, aufbewahrt in der Grafischen Sammlung im Nationalmuseum in Stockholm. Das sind die Fakten. Ich sehe:
Christus, das Heil der Welt, am Kreuz.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott, wir bitten um
deine Güte für alle, die ihre Liebe schenken
deinen Segen für alle, die trauern
deine Sanftmut für alle, die sich verschließen
deine Freiheit für alle, die gehorsam sind
dein Vertrauen für alle, die zweifeln
deine Leidenschaft für alle, die aufgegeben haben
um dein Wort für alle, die beten.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

(Pfr. Olaf Wisch)

Palmarum 2021

  • Eröffnung

Dein König kommt in niedern Hüllen, so beginnt das Wochenlied für diesen Sonntag. Sein Königtum können wir Jesus nicht ansehn. Das sich darin die besondere Kraft Gottes entfaltet, ist der Kerngedanke des Sonntags Palmarum. Reihen wir uns also ein in den Zug der Menschen, die diesen König begrüßen.

  • Ein Lied: „Dein König kommt in niedern Hüllen“ (EG 14)

1) Dein König kommt in niedern Hüllen, ihn trägt der lastbarn Es’lin Füllen,
empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenspalmen,
bestreu den Pfad mit grünen Halmen; so ist’s dem Herren angenehm.

2) O mächt’ger Herrscher ohne Heere, gewalt’ger Kämpfer ohne Speere,
o Friedefürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren
den Weg zu deinem Throne sperren, doch du gewinnst ihn ohne Schlacht.

3) Dein Reich ist nicht von dieser Erden, doch aller Erde Reiche werden
dem, das du gründest, untertan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten
zieht deine Schar nach allen Orten der Welt hinaus und macht dir Bahn.

4) Und wo du kommst herangezogen, da ebnen sich des Meeres Wogen,
es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommst, dass auf empörter Erde
der neue Bund gestiftet werde, und schlägst in Fessel Sünd und Tod.

5) O Herr von großer Huld und Treue, o komme du auch jetzt aufs Neue
zu uns, die wir sind schwer verstört. Not ist es, dass du selbst hienieden
kommst, zu erneuen deinen Frieden, dagegen sich die Welt empört.

6) O lass dein Licht auf Erden siegen, die Macht der Finsternis erliegen
und lösch der Zwietracht Glimmen aus, dass wir, die Völker und die Thronen,
vereint als Brüder wieder wohnen in deines großen Vaters Haus.

  • Worte aus Psalm 69

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

Denn um deinetwillen trage ich Schmach,
mein Angesicht ist voller Schande.
Ich bin fremd geworden meinen Brüdern
und unbekannt den Kindern meiner Mutter;
denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen,
und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.

Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Gott, deine Hilfe schütze mich!

  • Aus dem Brief an die Hebräer, Kapitel 11 und 12

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.
Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

  • Anfänger und Vollender des Glaubens – Gedanken zum Text

Ich glaube nur an das, was ich sehe. Diesen Satz höre ich oft. Er ist anscheinend Allgemeingut im Denken vieler Menschen. Philosophisch wird diese Überzeugung Empirismus genannt. Was ich sehen, fühlen und beobachten kann, notfalls auch durch ein Mikroskop, dem lege ich eine besondere Bedeutung für das Wissen und den Wissenszuwachs bei. Insbesondere der Naturwissenschaft wird viel geglaubt. Sie punktet mit Voraussagen, die sich in zahlreichen technischen Anwendungen bewährt haben. Dass ich beispielsweise mit meinem Handy auf der ganzen Welt telefonieren kann, verdankt sich auch der allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins. Sie liefert genaue Formeln für die Bewegung in Raum und Zeit. Das ist beeindruckend und überzeugend. Ich selbst verstehe es nicht, aber es funktioniert. Deshalb glaube ich daran.
Im Hebräerbrief lese ich von einem anderen Glauben. Ein Glaube, ein Gottvertrauen, dass eben nicht auf sichtbaren Dingen beruht. „Ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Ob dieser Glaube sich bewährt, bleibt meinen Sinnen entzogen. Ich kenne keine technische Anwendung oder irgendeine Anleitung, die mir vor Augen führt, dass dieser Glauben an Gott wahr und richtig ist. Er ist nicht empirisch. Er nützt mir nichts. Zumindest nicht unmittelbar. Dennoch halte ich an ihm fest.
Aus gutem Grund. Der Hebräerbrief führt die „Wolke der Zeugen“ an. Sie umfasst die Erfahrungen jener Mütter und Väter des Glaubens, die in den Schriften des Alten und Neues Testamentes aufgeführt sind. „In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.“ Von Abraham angefangen, dem Vater des Glaubens, bis hin zu Christus, der den Zug der Glaubenden anführt. Gegen den Augenschein vertraut er Gott und geht durch Leiden und Tod. Die Menschen, die ihn bei seinem Einzug nach Jerusalem mit Palmen begrüßen, sind Zeugen diesen Glaubens.
Aber ist es nicht viel überzeugender ein Handy in der Hand zu halten als eine Bibel? Auf den ersten Blick scheint es so und diese Ansicht teilen – wie gesagt – viele Menschen. Gerade in der gegenwärtigen Krise hoffen wir auf den Erfolg und die Wahrheit naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. Aber auch diese Expertinnen streiten miteinander. Wem soll ich also letzten Endes glauben?
Ich habe eine andere Form von Erfahrung – oder philosophisch könnte ich auch sagen, eine andere Form der Empirie – kennengelernt. Im Gespräch mit Glaubensschwestern und -brüdern fühle ich eine nicht sichtbare Kraft, die diesen Menschen Hoffnung gegeben hat. Ich fühle, dass uns etwas Himmlisches miteinander verbindet. Es sind oft keine großen Geschichten. Sie taugen nicht für Ruhm und Reichtum. Damit kann ich keinen Auftritt im Fernsehen oder einen wissenschaftlichen Aufsatz bestreiten. Sie wirkt aber in einer Weise, die in mir Dankbarkeit und Zuversicht weckt. In diesem Leben und über dieses Leben hinaus. Sie weckt in mir ein Grundvertrauen, mit dem ich getrost und mutig nach Wahrheit und Hilfe suchen kann – mit dem Herzen und der Wissenschaft. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Miteinander in deiner Kraft, Gott,
teilen wir die Geduld,
auf dieser Erde,
jeder Mensch nach seinem Vermögen,
für Frieden und das Wohlergehen aller zu sorgen.

Miteinander in deiner Kraft, Gott,
teilen wir den Mut
in dieser Welt,
dem Hass und Streit, der Gier und Gedankenlosigkeit
entgegenzutreten und deine Liebe in uns weiter zu tragen.

Miteinander in deiner Kraft, Gott,
teilen wir den Glauben
in diesem Leben und darüber hinaus,
auf dich zu vertrauen und dem Kummer
und der Not für uns und unseren Nächsten zu wehren.

In deinem Glauben beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Judika 2021

  • Eröffnung

Voller Sehnsucht richten wir den Blick auf das Kreuz Jesu. Sein Leiden wird uns zum Bild für unser Leben und seine Erlösung. Amen.

  • Ein Lied: EG97 Holz auf Jesu Schulter (EG 97)

1 Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2 Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

3 Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht! Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

4 Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

5 Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du? Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

6 Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

  • Worte aus Psalm 46

Schaffe mir Recht, Gott, /
und führe meine Sache wider das treulose Volk
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich drängt?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten
und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes, /
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

  • Text aus Hiob 19,19-27

Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

  • Ich weiß, dass mein Erlöser lebt – Gedanken zu den Worten aus dem Hiobbuch

Die Holztafel hängt in einer Dorfkirche. Mein Blick fällt auf Worte, die dort in das Holz geschnitten wurden: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Darüber sind die Strahlen einer aufgehenden Sonne dargestellt. Und in den Kreis der Sonne sind viele Namen geschrieben. Namen der gefallenen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die aus diesem Dorf stammten. Die Tafel irritiert mich. Ich kann der Erinnerung an die Verstorbenen gut folgen. Das biblische Wort jedoch erscheint mir deplatziert. Wird die Hoffnung des leidenden Menschen auf Erlösung unter dem Licht der Sonne nicht missbraucht für diesen verbrecherischen Krieg? Eine weiterer Gedanke bewegt mich. Eine Familiengeschichte. Auch einer meiner Großväter hat in diesem Krieg gekämpft. Was ich darüber gehört habe, kommt den Worten des Hiobs nah. „Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon.“ Ganz ähnlich ist auch die Geschichte meines Vorfahren. Das nackte Leben hat er davongebracht und konnte wieder heimkehren. Er hatte sich geschworen, sein gerettetes Leben dem Dienst an Gott zu widmen und wurde nach dem Krieg Pfarrer. „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen.“ Meine Familiengeschichte und die Namen der Männer auf der Tafel erhalten so eine enge Verbindung. Schuld und Erlösung, Gehorsam und Rettung, Kampf und der ersehnte Frieden werden zu einem Thema.
Am Sonntag Judika bedenken wir das Leid Jesu Christi. Er übte Gehorsam bis in den Tod. Sein Bild am Kreuz steht dem Bild des leidenden Hiob gegenüber. Und dem Bild der leidenden und gestorbenen Soldaten. Der Unterschied dieser Bilder liegt in den jeweils dazugehörigen Geschichten. Jesus folgt dem Willen des Vaters. Hiob folgt einem Plan Gottes, den er nicht verstehen kann. Er weiß nur, dass sein Leid von Gott herrührt. „Die Hand Gottes hat mich getroffen!“ Das Leid der Soldaten rührt aber her von einer grausamen Politik, die nichts zu tun hat mit der Botschaft Jesu und der Sehnsucht Hiobs.
Wenn ich an den Weg Christi denke, spiegelt sich darin das Leid Hiobs und das Leid der Menschen im Krieg wieder. Das ist das Bild dieser Welt. Es ist nicht das Bild der Schöpfung. Gott führt mir vor Augen, dass die Welt oft so ist, wie sie im Gedanken der Schöpfung nicht gemeint war. Deshalb sehnt sich Hiob nach Erlösung und sehnt sich nach der Nähe Gottes, die ihm das wahre Antlitz der Schöpfung zeigt. Deshalb geht mein Großvater seinen Weg und dient viele Jahre für die Gemeinde Christi. Deshalb wird Christus das Kreuz überwinden und sich „aus dem Staub erheben“.
„Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.“ Das Leid der Welt ist noch immer nicht verschwunden. Aber die Welt ist als die gute Schöpfung auf dem Weg dahin. Das darf ich nicht vergessen, darauf will ich hoffen, daran will ich glauben. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott,
wir sehnen uns nach Frieden auf dieser Welt.
Das Leid deiner Geschöpfe wird in Kauf genommen,
um Politik zu machen.
Pflanze die Sehnsucht nach Frieden in die Herzen der Mächtigen.

Gott,
wir sehen uns nach Vertrauen in dieser Welt.
Angst und Mißgunst prägen das Miteinander,
um Ansehen zu gewinnen.
Pflanze die Sehnsucht nach Vertrauen in die Herzen deiner Gemeinde.

Gott,
wir sehen uns nach einem liebevollen und erfüllten Leben.
Durchkreuzt wird es aber durch Krankheit und Traurigkeit.
Es ist schwer, darüber hinwegzukommen.
Pflanze die Sehnsucht nach Liebe in das Herz der Verzweifelten.

Gott,
wir sehnen uns nach dir.
Wir sehnen uns nach Erlösung von den Schrecken der Welt,
die wir selbst mit verursachen.
Pflanze die Sehnsucht nach deinem Sohn Jesus Christus in unsere Herzen.

Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Lätare 2021

  • Eröffnung

Wir richten uns auf und lassen den Blick schweifen. Über das Dunkel der Welt hinaus. Voller Sehnsucht nach der Liebe und der Herrlichkeit Gottes, die uns stärken möge. In Lied und Wort, mit Gedanken und Gebet machen wir uns auf den Weg.

  • Ein Lied: „Korn, das in die Erde“ (EG 98)

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

  • Aus Psalm 84

Wie lieblich sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;
Mein Leib und Seele freuen sich
in dem lebendigen Gott.
Der Vogel hat ein Haus gefunden /
und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen –
deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.
Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;
die loben dich immerdar.
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten
und von Herzen dir nachwandeln!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, /
wird es ihnen zum Quellgrund,
und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern
und schauen den wahren Gott in Zion.
HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet;
vernimm es, Gott Jakobs!
Gott, unser Schild, schaue doch;
sieh an das Antlitz deines Gesalbten!
Denn ein Tag in deinen Vorhöfen
ist besser als sonst tausend.
Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause
als wohnen in den Zelten der Frevler.
Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; /
der HERR gibt Gnade und Ehre.
Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.
HERR Zebaoth, wohl dem Menschen,
der sich auf dich verlässt!

  • Evangelium nach Johannes 12,20-24

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus.
Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

  • Jesus zögert nicht: Gedanken zum Johannesevangelium

Das Bild ist bestechend. Wie ein toter Mensch in sein Grab wird das Weizenkorn in die Erde gelegt. Aber es zerfällt nicht wie eine Leiche. Aus dem Dunkel wächst der Keim des Korns dem Licht des Himmels wieder entgegen. Schließlich trägt die Pflanze neue Weizenkörner, dienend zur Nahrung und zur Vermehrung.
Für den Naturwissenschaftler ist das kein Wunder, aber doch ein erstaunlicher Vorgang. Das Bild sagt: Das Vergraben des Weizenkorns ist keinesfalls das Ende sondern der notwendige Beginn neuen Lebens. Jesus sagt: Das wird auch mein Weg sein. Seine Botschaft geht aber über das „Naturwunder“ hinaus. Sein „Wachstum“ aus dem Dunkel geschieht nicht zwangsläufig nach den Gesetzen der Natur sondern nach dem Willen Gottes. Jesus sagt: Der Menschensohn werde verherrlicht. Er lässt seine Menschennatur hinter sich. Er legt sie in die Erde, insofern er von Gott als der Seine erkannt und angenommen wird. Aus dem Dunkel der Erde und dem Leid der Welt findet er seinen Weg in die Herrlichkeit Gottes. Und bleibt damit nicht allein. Er bringt viel Frucht.
Mit dem Bild von der vielfältigen Frucht wendet sich Jesus direkt an jene, die nach verlässlicher Botschaft suchen. Wer kann uns Hoffnung geben, sagen die Griechen, die in diesem Landstrich fremd sind. Sie suchen in der Fremde, was sie bei sich selbst nicht finden können. Sie tasten sich heran. An Jesus. Warum gerade er, wird im Bibeltext nicht verraten. Sie wenden sich an Philippus, der aus Betsaida in Galiläa kommt. Einer, der dem Galiläer Jesus näher steht. Und dieser wendet sich wiederum an Andreas, wohl ein Jünger Jesu. So finden sie Jesus, der sie mitnimmt in sein Bild vom Weizenkorn und seine Rede von der Verherrlichung in Gott. Er gemeindet sie ein und macht sie zu Vertrauten, zur vielfältigen Frucht. Sie sind Teil der reichen Frucht seines Todes und seiner Auferstehung, die er im Bild vom Weizenkorn voraussagt.
Sonntag Lätare gewährt mir diese frohe Botschaft mitten in der Leidenszeit. Wie fremd mir die gute Botschaft auch sein mag; der Weg dahin führt über jene Menschen, denen das Wort Gottes schon näher ist. Ein Philippus, eine Andrea sind gute Wegweiser. Sie nehmen mich mit. Ich traue ihrer Erfahrung und ihrer Güte. Der Zeitpunkt jedenfalls ist günstig. Die Stunde ist gekommen. Jesus zögert nicht. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr im Himmel,
worauf warten wir?
Was lässt uns zögern?
Weise uns den Weg zu einem sanftmütigeren Leben.
Weise uns den Weg für ein vertrauensvolles Miteinander.
Weise uns den Weg zur deiner Herrlichkeit.
Mache uns zu Vertrauten deiner Botschaft.
Mache uns zu Boten deiner Herrlichkeit.
Mache uns zum Nächsten jener, die uns brauchen.
Im Namen Jesu. Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Okuli 2021

  • Eröffnung

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lk 9,62) Mit Lukas richten wir den Blick auf das Reich Gottes. Wir richten uns aus an Gottes Wort. Leidenschaftlich suchen wir miteinander nach Gottes Segen für uns und unsere Mitmenschen.
AMEN.

  • Ein Lied: „Jesu, geh voran“ (EG 391)

1) Jesu, geh voran
auf der Lebensbahn!
Und wir wollen nicht verweilen,
dir getreulich nachzueilen;
führ uns an der Hand
bis ins Vaterland.

2) Soll’s uns hart ergehn,
lass uns feste stehn
und auch in den schwersten Tagen
niemals über Lasten klagen;
denn durch Trübsal hier
geht der Weg zu dir.

3) Rühret eigner Schmerz
irgend unser Herz,
kümmert uns ein fremdes Leiden,
o so gib Geduld zu beiden;
richte unsern Sinn
auf das Ende hin.

4) Ordne unsern Gang,
Jesu, lebenslang.
Führst du uns durch rauhe Wege,
gib uns auch die nöt’ge Pflege;
tu uns nach dem Lauf
deine Türe auf.

  • Worte aus Psalm 34

Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten
und seine Ohren auf ihr Schreien.
Das Antlitz des Herrn steht wider alle, die Böses tun,
dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.
Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr
und errettet sie aus all ihrer Not.
Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,
und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
Der Gerechte muss viel leiden,
aber aus alledem hilft ihm der Herr.
Er bewahrt ihm alle seine Gebeine,
dass nicht eines von ihnen zerbrochen wird.
Den Frevler wird das Unglück töten,
und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld.
Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte,
und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

  • Worte aus Epheser 5,1-9

So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.
Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört, auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung.
Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes.
Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen.
Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

  • Gedanken zum Epheserbrief

Als ich Vater wurde, habe ich es absichtlich vermieden, einen der zahlreichen Elternratgeber zu lesen. Ich wollte mich nicht von den vielen Worten verwirren lassen, wie es am besten gelänge, meinen Kindern Geborgenheit und Selbstständigkeit zu geben. Kurz: das Gefühl zu vermitteln, ein geliebtes Kind zu sein.
Der Epheserbrief benennt die Früchte gelungener Elternschaft: Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. In der Elternschaft Gottes ist damit der Rahmen vorgegeben. Ich bin sein geliebtes Kind und aus seiner Liebe erwachsen die Eigenschaften, die ein Leben voller Licht ermöglichen. Gerne würde ich es dabei belassen. Darauf vertrauen. Danach leben.
Leider aber steht der Liebe Gottes und ihren Früchten eine Welt gegenüber, die – mit den Worten der Bibel – von Unzucht, Unreinheit und Habsucht durchsetzt ist, garniert von schändlichem Tun und närrischem oder losen Reden. Es ist leicht, all das auch in der heutigen Zeit wiederzufinden. Die Welt ist voll von sexualisierter Werbung, Missbrauch und sexistischer Pornographie. Voll von allen Arten von Unreinheit, die ein friedvolles und gesegnetes Leben beschmutzen mit Krieg, Gewalt, Konsum und einer unendlich scheinenden Menge von Worten und Bildern in den Medien. Die kaum Platz lassen für Sanftmut und Nächstenliebe. Voll von der Habsucht, die nach immer mehr verlangt, ohne je Zufriedenheit zu erreichen. Die Coronakrise ist in ihrer Frag-Würdigkeit nur ein Beispiel dafür: Habe ich mit besten Wissen und Gewissen geprüft, ob ich so denke und handle, wie es mir und der Situation angemessen ist? Kann ich mich von den Ansprüchen der Bilder und Worte frei machen und mich ernsthaft prüfen, wie ich gütig, gerecht und wahrhaft rede und handle?
Gottes Zorn scheint in dieser Welt unvermeidlich zu sein. Der Epheserbrief verrät, dass er durch den Götzendienst hervorgerufen wird, der eben in Unzucht, Unreinheit und Habsucht Gestalt gewinnt. Dagegen setzt der Apostel den gottgefälligen Wandel in Dankbarkeit, Liebe und Licht. Das Wort Wandeln deutet an, wie das gelingen kann. Ich löse mich von dem, was mich bindet an die – zugegeben – verführerischen Bilder und Worte und Dinge, und werde beweglich. Ich kann auf eigenen Füßen stehen und gehen. Ein gütiger, gerechter und wahrer Lebens-Wandel ist (wieder) möglich. Denn ich bin reich beschenkt durch die Liebe Gottes und das Licht Jesu. Die kann mir nichts und niemand nehmen. Sie sind stärker als die verführerischen Passionen der Welt.
Traue ich dem Licht und der Liebe Gottes? Das ist eine tägliche Herausforderung. Ob ich ohne Ratgeber gute Elternschaft geübt habe? Das wird sich früher oder später erweisen. Jedenfalls bin ich dankbar für die lichten und liebevollen Momente mit meinen Kindern und mit Gott.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander im Lied

Gott,
wir bitten dich um dein Licht für diese Welt,
dass an das Licht tritt, was deiner Schöpfung
zuwiderläuft, und die Wege sichtbar werden,
zu einem friedvollen und segensreichen Leben.

Gott,
wir bitten dich um deine Liebe für uns,
dass sie uns trage in unserem Reden
und in unserem Tun, und Liebe werde
im Dienst für unsere Mitmenschen.

Gott,
wir bitten dich um Dankbarkeit,
für das, was uns am Leben erhält,
was uns Nähe und Freiheit schenkt,
für dein Wort, dass unser Herz bewegt.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Reminiszere 2021

  • Eröffnung

Eine Kerze anzünden und daran denken: Gott ist bei uns.
Auch in dieser schwierigen Zeit. Sein Wort begleitet uns.
Mit dem Wochenspruch aus dem Römerbrief können wir getrost durch die kommenden Tage gehen.
„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“  (Römer 5, 8).

  • Lied: „Du schöner Lebensbaum des Paradieses“  (EG 96)

Hier können Sie sich das Lied anhören: www.eingesungen.de

Du schöner Lebensbaum des Paradieses,
gütiger Jesus, Gotteslamm auf Erden.
Du bist der wahre Retter unsres Lebens, unser Befreier.

Nur unsretwegen hattest du zu leiden,
gingst an das Kreuz und trugst die Dornenkrone.
Für unsre Sünden musstest du bezahlen mit deinem Leben.

Lieber Herr Jesus, wandle uns von Grund auf,
dass allen denen wir auch gern vergeben,
die uns beleidigt, die uns Unrecht taten, selbst sich verfehlten.

Für diese alle wollen wir dich bitten,
nach deinem Vorbild laut zum Vater flehen,
dass wir mit allen Heilgen zu dir kommen in deinen Frieden.

  • Psalm 25,1-9

Nach dir, HERR, verlangt mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich.
Lass mich nicht zuschanden werden,
dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.
Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret;
aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.
HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige!
Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!
Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.
Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,
die von Ewigkeit her gewesen sind.
Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen,
gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit,
HERR, um deiner Güte willen!
Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg.
Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

  • Text: Jesaja 5,1-7 (Das Lied vom unfruchtbaren Weinberg)

Ein Lied von einem Freund will ich euch singen.
Es ist das Lied von meinem Freund und seinem Weinberg:
Mein Freund hatte einen Weinberg auf einem fruchtbaren Hügel.
Er grub ihn um, entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit den besten Weinstöcken.
Mittendrin baute er einen Wachturm.
Auch eine Kelter zum Pressen der Trauben hob er aus.
Dann wartete er auf eine gute Traubenernte,
aber der Weinberg brachte nur schlechte Beeren hervor.
Jetzt urteilt selbst, ihr Einwohner von Jerusalem und ihr Leute von Juda!
Wer ist im Recht – ich oder mein Weinberg?
Habe ich irgendetwas vergessen?
Was hätte ich für meinen Weinberg noch tun sollen?
Ich konnte doch erwarten, dass er gute Trauben trägt.
Warum hat er nur schlechte Beeren hervorgebracht?
Ich will euch sagen, was ich mit meinem Weinberg tun werde:
Die Hecke um ihn herum werde ich entfernen
und seine Schutzmauer niederreißen.
Dann werden die Tiere ihn kahl fressen und zertrampeln.
Ich werde ihn völlig verwildern lassen:
Die Reben werden nicht mehr beschnitten und der Boden nicht mehr gehackt. Dornen und Disteln werden ihn überwuchern.
Den Wolken werde ich verbieten, ihn mit Regen zu bewässern.
Wer ist dieser Weinberg?
Der Weinberg des HERRN Zebaoth, das sind die Bewohner von Israel.
Die Leute von Juda, sie sind sein Lieblingsgarten.
Der HERR wartete auf Rechtsspruch, doch seht her, da war Rechtsbruch.
Er wartete auf Gerechtigkeit, doch hört nur, wie der Rechtlose schreit.

(Übersetzung nach der Basisbibel).

  • Gedanken zum Text
Aus: Die Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg. Edition Akanthus.

Der Prophet Jesaja singt von seinem Freund und dessen Weinberg.
Man erwartet ein Liebeslied, denn die Pflege des Weingartens steht im Orient typischerweise für die Pflege und Freude an der Geliebten.
Vielleicht hat er es in Jerusalem vorgetragen wie einen Bänkelgesang.
Aber schon bald kippt die harmlose Stimmung des Liedes um in eine Drohung: Der Weinberg bringt trotz vieler Mühe nur schlechte Frucht.
Der Freund des Propheten und Besitzer des Weinbergs, das ist Gott und der Weinberg ist sein Volk. Und die Zuhörer werden mit einbezogen wie in einen Gerichtsprozess. Wie wird er ausgehen?
Kennen Sie den Weinberg des Herrn?
Er befindet sich, gemalt von Lukas Cranach d.J., auf einem Epitaph in der Stadtkirche St. Marien zu Wittenberg. Viele Weingärtner sind in ihm beschäftigt. Martin Luther harkt die Wege mit einem großen Rechen, der Mann fürs Grobe wird er von manchen genannt, er bereitet dem Herrn den Weg. Melanchthon holt Wasser aus dem Brunnen, frisches Wasser aus dem tiefen Brunnen der biblischen Tradition. Ein anderer gießt die Reben, wieder einer beschneidet die Reben einer sammelt Steine zusammen, setzt Stöcke, bringt Mist, trägt die Trauben zur Kelter, macht sich am Zaun zu schaffen. Der Mist stammt übrigens aus dem Nachbargarten, dem römischen Weinberg. Dort bedienen sich die, die eigentlich Gärtner sein sollen der Früchte selbst, wohlgenährt und allein essend und trinkend. Sie treiben Raubbau, indem sie sich selber wärmen am Feuer von abgehauenen Zweigen. Ein richtiger Kahlschlag ist entstanden und die Zäune sind eingerissen.
Ein drastisches und kämpferisches Bild aus der Zeit der Reformation hat Cranach uns gemalt. Der Weg trennt die verschiedenen Gruppen. Der Prophet Jesaja sah damals im Weinberg Rechtsbruch statt Rechtsspruch und Geschrei aber Schlechtigkeit statt Gerechtigkeit. Wenn der rechtmäßige Besitzer nicht mehr das Sagen hat regiert der Geist der Eigenmächtigkeit. Da herrscht Dürre, Zäune sind niedergerissen, Disteln und Dornen breiten sich aus. Heute verläuft der trennende Weg nicht, wie zur Zeit der Reformation zwischen zwei Konfesssionen sondern an anderen Stellen. Und wir müssen uns fragen auf welcher Seite des Weges wir stehen. Wo gehen wir dem Weinbergbesitzer – Gott zur Hand und bauen mit – wo stehen wir im Weg und reißen ein, was er liebevoll bedacht und angelegt hat? Wo liegen heute die Schwachstellen im Garten Gottes? Wo können wir mithelfen den Garten Gottes zu erhalten – jede und jeder an seinem Platz. Sehen sie nach, wo ihr Platz ist. Ein freundlicher Gruß an Menschen, von denen man weiß, dass sie derzeit einsam sind. Ein versöhnendes Wort zu jemandem, mit dem man Streit hatte. Ein Strauß Schneeglöckchen aus dem eigenen Garten für den kranken Nachbarn usw.. Und wir dürfen alles, was uns beschwert, worunter wir leiden und was uns misslingt mit ins Gebet nehmen und vor den Herrn des Weinbergs bringen.Wenn viele so mitarbeiten im Weinberg ist die Pflege erfolgreich und es wird eintreten, was Jesaja im Kapitel 27,2ff in einer Vision schreibt: „Gott singt, wenn er Menschen findet, die hegen und pflegen und nicht zerstören! Zu der Zeit wird es heißen: Lieblicher Weinberg, singet ihm zu! Ich, der Herr behüte ihn und begieße ihn immer wieder. Damit man ihn nicht verderbe, will ich ihn Tag und Nacht behüten. Ich zürne nicht, denn sie suchen Zuflucht bei mir und machen Frieden mit mir, ja, Frieden mit mir.“
Das gebe uns Gott.

  • Gebet

Du hast Geduld mit uns. Du wartest auf uns.
Heute bitten wir dich um deine Stärkung:
für Menschen, die sich gegen Lügen wehren.
Für Menschen, die verfolgt sind und fliehen müssen.
Für Menschen, die sich unermüdlich für andere einsetzen.
Für Menschen, die nicht mehr können, die ausgebrannt sind.
Für Menschen, die krank sind.
Für alle, die zu dir beten.
Für uns und alles, was wir uns vornehmen.

Vaterunser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

  • Segen

Gott sei uns gnädig und segne uns.
Er lasse uns sein Antlitz leuchten.
Gott sei uns gnädig und alle Welt fürchte ihn.
Amen.

(Lektorin Gudrun Naumann)

Invokavit 2021

  • Eröffnung

So beginnt sie, die Passionszeit. Ein Jahr stecken wir schon in den Herausforderungen , die im vorigen Jahr um diese Zeit begonnen haben. Vieles hat sich darin gezeigt. Sanftmut und Versuchung in einem. Wir richten unsere Fragen an Gott und sagen: Bin ich‘s, Herr? (Matthäus 26) Gemeinsam gehen wir auf die Suche nach Antworten.
AMEN.

  • Worte aus Psalm 91

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
der spricht zu dem Herrn: /
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
und von der verderblichen Pest.
Er wird dich mit seinen Fittichen decken, /
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,
vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,
vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
Denn der Herr ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht.
Es wird dir kein Übel begegnen,
und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

  • Worte aus Johannes 13,21-30

Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.
Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s? Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.
Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm:
Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

  • Jesus fragen – Gedanken zum Text (mit Anstößen von Katharina Karg und Dorothea Reggelin)

Jesus wurde erregt im Geist. Und das bedeutet nach der griechischen Vokabel: Etwas bricht auseinander. Die gewöhnliche Ordnung geht verloren. Ein Sturm über sonst ruhigen Wassern. Bestürzung und Beunruhigung, ein innerer Aufruhr nimmt in Jesus Platz. Nach Gottes Plan.
Jesus spricht es aus, was ihm in diesem Moment offenbart wird. Er bezeugt das, was in naher Zukunft geschehen wird. Ein unausweichlicher Weg für ihn und die Jünger. Einer wird mich verraten.
Den Jüngern wird bange. Ein Verrat? Wer von uns Getreuen sollte das sein? Dürfen wir fragen? Vielleicht kann es der Lieblingsjünger? Er ist Jesus näher als alle anderen. Er hat ihn – besonders – lieb. Er wird es nicht sein. Jesus wird es ihm nicht ins Gesicht sagen müssen.
Jesus antwortet: Der ist‘s, dem ich den Bissen eintauche. Johannes hört es. Die anderen auch? Sie bleiben stumm. Niemand reagiert auf das, was gleich geschieht. Keiner von ihnen begreift, was er meint,
als Jesus dem Judas den Bissen reicht. In dieser Geste, die fast mütterlich erscheint, verändert sich die Unordnung. Der Bissen ist ein Symbol. Sollte Jesus versucht sein, den unausweichlichen Weg nicht zu gehen; dieser Versuchung nicht standhalten zu können? Da nimmt der Satan, der Versucher, seinen Platz in Judas. Was du tust, das tue bald. Es bleibt nicht mehr viel Zeit.
Judas geht wortlos in die Nacht.

Mir ist bange in dieser Welt. Selbst in der Nähe Jesu. Selbst nach der Taufe. Selbst nach einem langen Lebensweg im Glauben. Unübersehbar ist das, was mich weggeführt haben könnte; was mich vielleicht vom Weg Gottes abweichen ließ in der Vergangenheit und in der Zukunft. Nur Gott kennt meine Sünden und Versuchungen.

Vom wem redet Jesus? Wer ist der Verräter? Keiner der Jünger schließt sich aus. Auch ich trage den Schrecken in mir. Sogar meine scheinbar guten Gedanken und Taten könnten mich zu diesem Verrat versucht haben. Um mich abzuwenden von dem vorgegebenen Weg Gottes.
Denn auch ich nehme wahr in dieser Zeit:
Etwas ist aus der gewöhnlichen Ordnung geraten in diesem Land. Die Übereinkunft unseres Zusammenlebens franst an den Rändern aus. Dinge werden wieder sagbar, die sonst schlimmstenfalls im Verborgenen geäußert wurden. Schamlose Fragen und noch schamlosere Antworten sind wieder gang und gäbe. Manche wirken harmlos: Sollen wir die „Fremden“ zu uns lassen? Sind die Maßnahmen verhältnismäßig? Müssen wir nicht endlich wieder Ordnung schaffen in diesem Land? Wie sieht die aus, die wirkliche Ordnung? Und wer profitiert eigentlich davon? Wer hat Recht?

Habe ich darauf Antworten? Und von wem werden sie mir eingeflößt? Wer reicht mir diese Bissen? Soll ich nachfragen; wirklich ernsthaft nachfragen? Will ich es tatsächlich hören, das göttliche Urteil? Oder doch lieber noch ein wenig – wie lange? – in der Hoffnung leben, dass es mit mir nichts zu tun hat? Dass Jesus diesen Weg nicht wegen mir gehen musste? Geht das überhaupt, wenn nicht einmal die Jünger bei ihm geblieben sind und – wie Petrus – Jesus verleugneten? Nur Johannes hört die Antwort, der selbst unter dem Kreuz mit Maria ausharrt.

Judas hatte keine Wahl. Der Bissen war für ihn. Und ich weiß nicht, ob ich nicht auch schon längst diesen Bissen entgegengenommen habe. Das stellt alles in Frage. Es gibt keine Sicherheit, der ich mich selbst versichern könnte. Es liegt letztendlich in Gottes Hand.
Er schicke mir seine Engel: Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Amen

  • Ein Gebet miteinander und füreinander im Lied

EG 401 Ach, bleib mit deiner Gnade

1) Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ,
daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

2) Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert,
daß uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.

3) Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht;
dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.

4) Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr;
dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

5) Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held,
daß uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.

6) Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott;
Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.

  • Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Estomihi 2021

  • Eröffnung

Zwischen Weihnachten und Passionszeit sind wir auf den Spuren Jesu. Der Spruch der Woche im 18. Kapitel des Lukasevangeliums benennt diesen Weg: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.
Der geistliche Proviant für diesen Weg zur Vollendung erhalten wir im Gebet und im Wort Gottes. In der Zusage und den Geboten wird die Sehnsucht für eine heile und heilige Zeit gestillt.
AMEN.

  • Lied: „Liebe, die du mich zum Bilde“ (EG 401)

1 Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht, Liebe, die du mich so milde nach dem Fall hast wiederbracht: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

2 Liebe, die du mich erkoren, eh ich noch geschaffen war, Liebe, die du Mensch geboren und mir gleich wardst ganz und gar: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

3 Liebe, die für mich gelitten und gestorben in der Zeit, Liebe, die mir hat erstritten ewge Lust und Seligkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

4 Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort, Liebe, die sich ganz ergeben mir zum Heil und Seelenhort: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

5 Liebe, die mich hat gebunden an ihr Joch mit Leib und Sinn, Liebe, die mich überwunden und mein Herz hat ganz dahin: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

6 Liebe, die mich ewig liebet und für meine Seele bitt‘, Liebe, die das Lösgeld gibet und mich kräftiglich vertritt: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

7 Liebe, die mich wird erwecken aus dem Grab der Sterblichkeit, Liebe, die mich wird umstecken mit dem Laub der Herrlichkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

  • Worte aus Psalm 31

Herr, auf dich traue ich, /
lass mich nimmermehr zuschanden werden,
errette mich durch deine Gerechtigkeit!
Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!
Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!
Denn du bist mein Fels und meine Burg,
und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.
Du wollest mich aus dem Netze ziehen, /
das sie mir heimlich stellten;
denn du bist meine Stärke.
In deine Hände befehle ich meinen Geist;
du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.
Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte,
dass du mein Elend ansiehst und kennst die Not meiner Seele
und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes;
du stellst meine Füße auf weiten Raum.
Meine Zeit steht in deinen Händen.
Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.
Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht;
hilf mir durch deine Güte!

  • Worte aus Jesaja 58,1-9a

Rufe laut, halte nicht an dich!
Erhebe deine Stimme wie eine Posaune
und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit
und dem Hause Jakob seine Sünden!
Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen,
als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan
und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte.
Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei.
»Warum fasten wir und du siehst es nicht an?
Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?«
Siehe, an dem Tag, da ihr fastet,
geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.
Siehe, wenn ihr fastet,
hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein.
Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut,
wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.
Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe,
ein Tag, an dem man sich kasteit
oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet?
Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?
Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe:
Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast,
lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast!
Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!
Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot,
und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!
Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn,
und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte,
und deine Heilung wird schnell voranschreiten,
und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen,
und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.
Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten.
Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

  • Gedanken zum Text

Es klingt wie ein schöner Traum: Kein Mensch ist gefangen, kein Mensch wird mißhandelt. Kein Mensch muss für ungerechten Lohn arbeiten, kein Mensch gezwungenermaßen Dinge tun, um sein Leben zu erhalten. Kein Mensch muss hungern, frieren und ohne Dach über den Kopf leben. Alle Menschen sind gekleidet und müssen keinen Mangel leiden an dem, was sie zum Leben brauchen.
Es klingt wie ein schöner Traum. Denn ein kurzer Blick auf die Zustände in der Welt nah und fern, verrät, wie weit die Wirklichkeit davon entfernt ist. Irgendwie weiß ich ja von den anhaltenden Kriegen in Nahost, im Jemen und in Afghanistan, von den Flüchtlingslagern auf Lesbos und in Bosnien, von den Arbeitsbedingungen in chinesischen Kobaltgruben und in den Versandzentren großer Onlinehändler, von den Obdachlosen in den Städten mitten im Winter, von den Sorgen eines Nachbarn und der Not einer alleinerziehenden Mutter in den Plattenbauten der Südstadt. Das Elend der Welt drängt sich unerbittlich auf, so dass ich meine, kaum die Kraft zu haben, wenigstens dort hinzuschaun. Noch weniger habe ich die Kraft, daran etwas zu ändern.
Der Prophet Jesaja erhält dennoch den Auftrag, diese Traumwelt wirklich werden zu lassen. Wer für sich von Gott Heil und Trost verlangt, wer das Gefühl hat, dass Gott fern ist und die Rettung weit; den weist er auf die, denen das Nötigste fehlt. Wie ich meine Augen abwende von den Leidenden dieser Welt, wendet sich Gott von mir ab in meinem Leid. Keine religiöse Übung, kein Fasten, kein Gebet und kein Flehen wird daran etwas ändern können.
Rufe laut, halte nicht an dich! Der Prophet erhält seinen Auftrag, Gottes Güte in dieser Welt wahr werden zu lassen. Rufe laut, halte nicht an dich! Meine Träume sind nicht genug. Sie sollen Wirklichkeit werden. Gottes Nähe und meine Nähe zu meinen Nächsten fallen in eins. Gott verheißt die Kraft und das Licht, die dunkle Traumwelt zu zerreissen, einen ersten Schritt zu gehen und das Heil für mich und für dich zu finden. Gott hat mich und dich so gemacht. Von Anfang an. Gut und heilig. Ich stehe in seinem Licht. Für dich und mich. Ich rufe, und du sagst: Siehe, hier bin ich.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr im Himmel,
hier auf Erden rufen wir laut
und bitten dich um deine Kraft,
den Menschen auf dieser Welt,
Schwester und Bruder zu sein,
im Kleinen und im Großen.
Nach dem Besten unserer Kräfte
mit Sorgfalt und Verantwortung
dem Unfrieden und dem Hunger
etwas entgegenzusetzen.

Herr im Himmel,
hier auf Erden rufen wir laut
und bitten dich um deinen Glauben,
dass wir dir nahe seien,
nicht im leeren Geklingel leicht dahin gesagter Worte,
sondern von Herzensgrund
und mit tätiger Hand,
so wie du uns gemeint und gemacht hast.

Herr im Himmel,
hier auf Erden rufen wir laut
und bitten dich um deine Hoffnung,
dass wir sie weitertragen und weiter geben
an unseren Nächsten, der sie bitter nötig hat,
in auswegloser Situation,
in der Ungewißheit, in der Angst,
die ihn umfängt und ihm den Atem nimmt.

Herr im Himmel,
hier auf Erden rufen wir laut
und bitten dich um deine Liebe,
dass sie in unseren Seelen sich ausbreite
und überfließe, mehr als genug für den
ersten Schritt zu einer heilen und heiligen Welt
in deiner Schöpfung.

Herr im Himmel,
hier auf Erden rufen wir laut
mit den Worten Jesu Christi:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Sexagesimae 2021

  • Eröffnung

Öffnet eure Ohren und eure Herzen, öffnet euch dem Herrn mit ganzer Seele. Alles was uns auf der Seele liegt, tun wir ab, dass wir seine Stimme hören können. So haben sein Trost und seine Stärke Platz in unseren Häusern und Wohnungen.
AMEN.

  • Ein Lied: „Gott hat das erste Wort“ (EG 199)

1 Gott hat das erste Wort. Es schuf aus Nichts die Welten
und wird allmächtig gelten und gehn von Ort zu Ort.

2 Gott hat das erste Wort. Eh wir zum Leben kamen,
rief er uns schon mit Namen und ruft uns fort und fort.

3 Gott hat das letzte Wort, das Wort in dem Gerichte
am Ziel der Weltgeschichte, dann an der Zeiten Bord.

4 Gott hat das letzte Wort. Er wird es neu uns sagen
dereinst nach diesen Tagen im ewgen Lichte dort.

5 Gott steht am Anbeginn, und er wird alles enden.
In seinen starken Händen liegt Ursprung, Ziel und Sinn.

  • Aus Psalm 119

Herr, dein Wort bleibt ewiglich,
so weit der Himmel reicht;
deine Wahrheit währet für und für.
Du hast die Erde fest gegründet, und sie bleibt stehen.
Nach deinen Ordnungen bestehen sie bis heute;
denn es muss dir alles dienen.
Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre,
so wäre ich vergangen in meinem Elend.
Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.
Dein Wort macht mich klug;
darum hasse ich alle falschen Wege.
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte
und ein Licht für meinen Pfad.
Stütze mich nach deiner Zusage, so werde ich leben.
Lass mich nicht beschämt werden in meiner Hoffnung!  

  • Worte aus Lukas 8,4-15

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er:
Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch ist’s gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist’s gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen.
Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

  • Gedanken zum Text

Von dem Gleichnis der vierfachen Saat heißt es: Vieles geht verloren, aber die Mühe zahlt sich dennoch aus. Ein einfaches Rechenbeispiel dazu: 100 Körner werden ausgesät; 25 fallen auf den Weg, 25 fallen unter die Dornen, 25 fallen auf den Fels, 25 fallen auf guten Boden; die letzteren bringen hundertfach Frucht, also 2500 Körner; der Einsatz der Körner hat sich also bezahlt gemacht, obwohl 75 % der Saat verloren gegangen ist: Wer Ohren hat, der höre. Es lohnt sich doch!
Heißt das also: Ein Viertel der Zuhörer nehmen das Wort Gottes in rechter Weise auf. Es wird ihnen weder genommen (vom Teufel), noch zweifeln sie es – auf dem Felsen – in der Zeit der Not an, noch vergessen sie es unter den Freuden und Lasten – den Dornen – des Alltags? Und was diesen „fruchtbaren“ Menschen zueigen ist, ist ein Vielfaches dessen, was verlorengegangen ist. Dennoch, trotz dieser positiven Aussicht, wurmt mich diese Deutung. Drei Viertel der Menschen werden einfach im Stich gelassen?
So, wie Jesus es den Jüngern sagt, ist es das Gleichnis, das mich erahnen lässt, wie das Himmelreich gemeint ist. Aber letztendlich bleibt hinter seinen Worten und Bildern ein Geheimnis, das nur den Jüngern erschlossen wird. Das Gleichnis verbirgt hinter seiner Anschaulichkeit aus dem Bereich das Ackerbaues das eigentliche Geheimnis meiner Existenz in Gottes Welt.
Es kann passieren, dass ich diesem Bild, das die wahre Ansicht vom Reich Gottes sowohl zeigt als auch verbirgt, meine eigene Deutung hinzufüge. Ein Stück meines Lebens und das meiner Mitmenschen streue ich über den Acker des Gotteswortes aus.
Ich glaube, dass das Gleichnis nicht nur davon spricht, wie hoch der Anteil der Zuhörer ist, die wahrhaft hören und die Ohren aufsperren. Das Gleichnis spricht auch davon, wie ich selbst im Verlauf meines Glaubens-Lebens dem Wort Gottes mich öffne, verschließe, es verwerfe und vergesse.
Es gibt die Zeiten des Zweifels und der Anfechtung, die Zeiten des Vergessens und die Zeiten, der Gottesferne und -finsternis. Selbst sehr fromme Menschen berichten davon. Mutter Teresa etwa notiert im September 1959: „Es schmerzt ohne Unterlass. Ich habe keinen Glauben. Man erzählt mir, dass Gott mich liebt, jedoch ist die Realität von Dunkelheit und Kälte und Leere so überwältigend, dass nichts davon meine Seele berührt.“ Die eine mehr, der andere weniger. Aber im Ganzen gesehen, trage ich in mir teils das felsige, teils das unbebaubare, teils das dornige und teils das fruchtbare Gebiet, das die vierfache Saat aufnimmt. Drei Viertel gehen davon verloren. Aber das eine Viertel lohnt sich. Die düsteren Zeiten werden in Gottes Augen vielfach wett gemacht durch das eine Viertel oder Fünftel oder Zehntel, das dem Wort Gottes fruchtbare Erde bietet.
Vielleicht ist es sogar auch nur ein Moment an diesem Tag, in dieser Woche, die mich durch die Düsternis trägt. Für Gott ist es mehr als genug. Wenn ich das glauben kann, geht keines seiner Worte verloren.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr, wenn wir wirklich hören können,
dann ist ausreichend Platz für Sanftmut
und Besonnenheit in diesen schwierigen Zeiten.
Dann trägt jeder seine Verantwortung,
in der Politik, in der Wirtschaft und in der Medizin
zum Besten seiner Mitmenschen.
Herr, öffne unsere Ohren und unser Herz.

Herr, wenn wir wirklich hören können,
dann ist ausreichend Platz für die Gewissheit,
dass deine Gemeinde fruchtbar sein kann
in dieser Welt. So vieles führt uns weg
von Gott und seinen Geboten. Aber ohne Unterlass
sagen wir es weiter mit allen Kräften,
die uns zu deinem Gebote stehn.
Herr, öffne unsere Ohren und unsere Seele.

Herr, wenn wir wirklich hören können,
dann hören wir deine Stimme und dein Wort
in und mit den Stimmen unserer Nächsten.
Dann wenden wir uns nicht ab
sondern kehren um zu denen, die unsere
Stimme, unseren Trost und unsere Kraft
so bitternötig haben.
Herr, öffne unsere Ohren und unsere Liebe.

Herr, wenn wir wirklich hören können,
dann ist unser Acker von Kopf bis Fuß
gepflügt, geeggt, umgegraben, gedüngt und gewässert
für die Zuversicht, dass wir in dir getragen sind.
Herr, öffne unsere Ohren und unseren Glauben. 

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

Lichtmess 2021

  • Eröffnung

Denn wir wissen, dass die Sonne auch nachts scheint. So wie es in dem Lied „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ heißt: „Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben / den Menschen überm Meer das Licht“. Was unseren Augen entzogen ist, möge in unseren Herzen hell aufleuchten. Dass wir verbunden sind in Christus, dem Licht der Welt.
Amen.

  • Ein Lied: „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ (EG 266)

1 Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen und wird vom Dunkel überweht.
Am Morgen hast du Lob empfangen, zu dir steigt unser Nachtgebet.

2 Die Erde rollt dem Tag entgegen; wir ruhen aus in dieser Nacht
und danken dir, wenn wir uns legen, dass deine Kirche immer wacht.

3 Denn unermüdlich, wie der Schimmer des Morgens um die Erde geht,
ist immer ein Gebet und immer ein Loblied wach, das vor dir steht.

4 Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben den Menschen überm Meer das Licht:
und immer wird ein Mund sich üben, der Dank für deine Taten spricht.

5 So sei es, Herr: die Reiche fallen, dein Thron allein wird nicht zerstört;
dein Reich besteht und wächst, bis allen dein großer, neuer Tag gehört.

  • Aus Psalm 138

Preisen will ich dich mit meinem ganzen Herzen,
ich will dir spielen vor den Göttern.

Ich falle nieder vor deinem heiligen Tempel,
und deinen Namen preise ich wegen deiner Gnade und Treue.
Denn du hast dein Wort groß gemacht über deinen ganzen Namen.

An dem Tag, da ich rief, antwortetest du mir.
Du vermehrtest mir in meiner Seele die Kraft.

Alle Könige der Erde werden dich preisen, HERR,
wenn sie die Worte deines Mundes gehört haben.

Sie werden die Wege des HERRN besingen,
denn groß ist die Herrlichkeit des HERRN.

Ja, der HERR ist erhaben, doch er sieht den Niedrigen,
und den Hochmütigen erkennt er von fern.

Wenn ich auch mitten in Bedrängnis wandeln muss und du belebst mich.
Gegen den Zorn meiner Feinde wirst du deine Hand ausstrecken,
und deine Rechte wird mich retten.

Der HERR wird es für mich vollenden.
HERR, deine Gnade [währt] ewig.
Gib die Werke deiner Hände nicht auf!

  • Worte aus dem Buch Jesaja 49,1-6

Höret mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merket auf!

Der HERR hat mich gerufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, da ich noch in Mutterleibe war, und hat meinen Mund gemacht wie ein scharf Schwert; mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum reinen Pfeil gemacht und mich in seinen Köcher gesteckt

und spricht zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch welchen ich will gepreiset werden.

Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und brächte meine Kraft umsonst und unnützlich zu, wiewohl meine Sache des HERRN und mein Amt meines Gottes ist.

Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleibe an zu seinem Knechte bereitet hat, daß ich soll Jakob zu ihm bekehren, auf daß Israel nicht weggeraffet werde; darum bin ich vor dem HERRN herrlich, und mein Gott ist meine Stärke

und spricht: Es ist ein Geringes, daß du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten in Israel wiederzubringen,

sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, daß mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.

  • Gedanken zum Text:

„Ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht“. Auf dem Wörtchen „auch“ liegt das ganze Gewicht dieser Passage aus dem Jesajabuch. Der Prophet ist von Gott berufen, von Anfang an, selbst schon im Mutterleib gehört er zu Gott. Seine Aufgabe als Prophet scheint klar umrissen. „Die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten in Israel wiederzubringen.“ Nun führt Gott ihn aber darüber hinaus. Gott erweitert seinen Wirkungskreis und sein Aufgabenfeld.

In den Worten des Propheten höre ich seine Gedanken dazu.

Zuerst spricht er die Völker an. Inseln und Völker in der Ferne. Er spricht zu denen, die ihm nicht nahe sind. Isoliert und weit weg. Er spricht sie an und erzählt von seiner Lebensgeschichte mit Gott.

Er ist auf seine Aufgabe hin geschaffen und geboren worden. Noch bevor er das Licht der Welt erblickt hat, wird er zum Licht der Welt ausersehen.Beschützt von Gott, unter dem Schatten seiner Hand, mit einem Mund scharf wie ein Schwert und wehrhaft wie ein reiner Pfeil in seinem Köcher. Er ist gut gerüstet für seine Aufgabe. Er soll Gott preisen, nicht mehr und nicht weniger. So strahlt das Licht in die Welt hinein.

Ja, der Prophet gibt zu, dass ihm diese Aufgabe nicht selten zur Last wurde. Vergeblich, umsonst und unnütz erscheint es ihm, dass er dafür seine Kraft aufwendet. Diese Erfahrung steht gegen seine Berufung. Er benennt sie dennoch, um deutlich zu machen, dass es ihm ernst mit seiner Aufgabe ist. Er gibt sie nicht leichtfertig auf, obwohl vielleicht manches dafür sprechen würde.

Gott sieht das jedenfalls anders. Er erweitert des Propheten Aufgabe sogar über den Kreis seiner Herkunft hinaus auf alle Völker, auf die fernen Inseln und die fremden Länder.

Ich kann gut verstehen, dass dem Propheten der Mut sinkt. Dass er an die Lasten seiner Berufung denkt. Ist meine Arbeit zu irgendwas nütze? Diese Frage stellt sich wohl nicht nur der Prophet. Sie wird – laut oder leise – von vielen enttäuschten und erschöpften, haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen auch in unseren Gemeinden geäußert. Ebenso werde ich aber wieder aufgerichtet, wenn ich mich daran erinnere, wie ich innerhalb und außerhalb der Gemeinde etwas vom göttlichen Licht weitertragen kann.

Der Prophet macht sich auf den Weg und spricht jene an, die er bis dahin noch nicht im Blick hatte. Mag sein Mut auch schwanken, hält er dennoch an seiner Aufgabe fest. Und wird zum Licht der Welt, der Menschen, seiner Nächsten. Dazu soll er nun die Grenzen überschreiten, die durch seine Geburt und sein Leben bisher gesetzt waren. Gerade dorthin, wo es ihm am dunkelsten zu sein scheint, trägt er das Licht Gottes. Gerade, wenn es in ihm dunkel wird, findet er das Licht Gottes.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr,
wir brauchen dein Licht für diese Welt.
Überall stoßen wir an Grenzen,
überall fehlt der Mut, etwas zu verändern.
Darunter leiden wir nicht nur hier
in unseren sicheren Wohnungen,
sondern mit den Menschen auf der ganzen Welt,
die ohne Obdach, ohne Essen, ohne Geborgenheit
leben müssen.
Herr, gib uns die Kraft dein Licht zu sein,
und selbst licht zu werden.

Herr,
wir brauchen dein Licht für unsere Gemeinden.
Überall stoßen wir an Grenzen,
überall fehlt der Mut, etwas zu verändern.
Viele Gedanken machen wir uns,
wie wir dein Wort weitertragen können.
Doch nicht nur in unserer Gemeinde ist die Sorge groß,
dass du immer weniger Platz hast in den Herzen der Menschen.
Herr, gib uns den Glauben dein Licht zu sein,
und selbst licht zu werden.

Herr,
wir brauchen dein Licht für unsere Nächsten.
Überall stoßen wir an Grenzen,
überall fehlt der Mut, etwas zu verändern.
Denn nicht nur wir selbst sind oft am Ende unserer Kräfte,
wenn wir anderen beistehen und ihnen helfen.
Mitunter wird all unsere Mühe in Frage gestellt
von einem großen Unfrieden in uns und bei unseren Mitmenschen.
Herr, gib uns die Liebe dein Licht zu sein,
und selbst licht zu werden.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

3. Sonntag nach Epiphanias 2021

  • Eröffnung

„Ich will mit dir gehen. Wo du hingehst, will ich auch hingehen, und wo du lebst, will ich auch leben. Dein Volk wird mein Volk sein und dein Gott wird mein Gott sein. Wo du stirbst, will ich auch sterben, und dort will ich begraben werden. Gott tue mir dies und das, nur der Tod wird mich von dir scheiden.“
Starke Worte aus dem Buch Ruth. Um die Geschichte dazu geht es am heutigen Sonntag.

Herr, schenke uns ein Herz für Dein Wort
und ein Wort für unser Herz.
AMEN.

  • Ein Lied: Lobt Gott den Herrn ihr Heiden all (EG 293)

1) Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all,
lobt Gott von Herzensgrunde,
preist ihn, ihr Völker allzumal,
dankt ihm zu aller Stunde,
dass er euch auch erwählet hat
und mitgeteilet seine Gnad
in Christus, seinem Sohne.

2) Denn seine groß Barmherzigkeit
tut über uns stets walten,
sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit
erscheinet Jung und Alten
und währet bis in Ewigkeit,
schenkt uns aus Gnad die Seligkeit;
drum singet Halleluja.

  • Psalm 86

HERR, neige deine Ohren und erhöre mich;
denn ich bin elend und arm.
Bewahre meine Seele, denn ich bin dein.
Hilf du, mein Gott, deinem Knechte, der sich verlässt auf dich.
Herr, sei mir gnädig;
denn ich rufe täglich zu dir.
Erfreue die Seele deines Knechts;
denn nach dir, Herr, verlangt mich.
Denn du, Herr, bist gut und gnädig,
von großer Güte allen, die dich anrufen.
Vernimm, HERR, mein Gebet
und merke auf die Stimme meines Flehens!
In der Not rufe ich dich an;
du wollest mich erhören!
Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern,
und niemand kann tun, was du tust.
Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen
und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren,
dass du so groß bist und Wunder tust
und du allein Gott bist.
Weise mir, HERR, deinen Weg,
dass ich wandle in deiner Wahrheit;
erhalte mein Herz bei dem einen,
dass ich deinen Namen fürchte.
Ich danke dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen
und ehre deinen Namen ewiglich.
Denn deine Güte ist groß gegen mich,
du hast mich errettet aus der Tiefe des Todes.
Gott, es erheben sich die Stolzen gegen mich, /
und eine Rotte von Gewalttätern trachtet mir nach dem Leben
und haben dich nicht vor Augen.
Du aber, Herr, Gott, bist barmherzig und gnädig,
geduldig und von großer Güte und Treue.
Wende dich zu mir und sei mir gnädig;
stärke deinen Knecht mit deiner Kraft und hilf dem Sohn deiner Magd!
Tu ein Zeichen an mir,
dass du’s gut mit mir meinst,
dass es sehen, die mich hassen, und sich schämen,
weil du mir beistehst, HERR, und mich tröstest.

  • Worte aus dem Buch Ruth

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande.
Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter,
um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen.
Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon;
die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda.
Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort.

Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen.
Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut.
Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten,
starben auch die beiden, Machlon und Kiljon.
Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann.

Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern
und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück;
denn sie hatte erfahren im Moabiterland,
dass der Herr sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte.
Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr.

Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren,
sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern:
Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter!
Der Herr tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt.
Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie.

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr:
Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen.
Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen?
Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten?
Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte:
Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde,
wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des Herrn Hand hat mich getroffen.

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr.
Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr.
Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott;
kehre auch du um, deiner Schwägerin nach.

Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte.
Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.
Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.
Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden.
Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.
Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden.
So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

  • Gedanken zum Text

Ich staune über diese Geschichte:
Zwei Frauen sind hier die Heldinnen. Das versteht sich – in der Bibel – nicht von selbst.
Die beiden sind zudem „Ausländerinnen“ und Menschen auf der Flucht:
Erst flieht Noomi mit ihrem Mann aus Bethlehem nach Moab, in das feindliche Ausland, weg aus der Hungersnot. Dort bauen sie sich eine neue Existenz auf, ihre Söhne heiraten.
Bis zum Tod der Männer in der Familie.
Noomi und ihre Schwiegertöchter Orpa und Rut werden zu Witwen.
Und als Witwen gehen sie nach Bethlehem, in Noomis alte Heimat.
Ohne Männer stehen sie ziemlich verloren da.
Sie sind in einer Welt, in der die Männer das Sagen haben, ohne Schutz und ohne Sicherheiten. Noch dazu sind Rut und Orpa Fremde, sprechen eine andere Sprache,
kommen aus einer anderen Kultur, haben eine andere Religion.

An der Landesgrenze kommt es zu einer dramatischen Szene:
Noomi weiß, dass es für ihre beiden Schwiegertöchter besser wäre,
wenn sie zurück gingen nach Moab. Opra nimmt ihren Rat an und bricht auf.
Unter Tränen geht sie zurück.
Rut entscheidet sich anders. Sie schwört Noomi die Treue: ‚Bis das der Tot uns scheidet.‘
Aus Liebe. Sie wählt nicht den sicheren Weg, sondern entscheidet sich für ein Leben in der Fremde. Weil nur dieses Leben ein Leben mit Noomi ist.

Diese Geschichte trifft mich in den Tagen des Lockdowns. In denen mir so vieles fehlt.
Zuerst natürlich die Kontakte, zu meinen Eltern, zu den Schülerinnen und Schülern, zur Gemeinde, zu Freunden. Mein Alltag. Die Gottesdienste. Die Kultur. Das Theater. Das Kino.
Und in denen mir so manches Mal der Mut und die Hoffnung abhandenkommt.

Die wagemutige Liebe und der vor liebe brennende Mut von Rut rührt mich an.
Verglichen mit ihr bin ich übersatt und habe zur Klage wenig Grund.

Gottes Wege mit uns Menschen überschreiten alles, was wir erahnen und wissen können.
Sie haben Noomi und Rut zusammengeführt, durch den Tod ihrer Männer und den doppelten Verlust ihrer Heimat hindurch. Sie werden auch uns hindurchführen, durch den Verlust unseres Alltags und unserer direkten Gemeinschaft hindurch. Wie sollte es anders sein auf unserer Reise durch unser Leben mit dem an der Seite, der sogar den Weg durch den Tod nicht scheute, und der uns alle birgt in seiner unendlichen Lieben.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Du Gott, der alle Grenzen überschreitet,
du bist an unserer Seite.
Du bringst die Hoffnung.
Höre uns.

Du Gott, der alle Grenzen überschreitet,
in allen Ländern leiden die Menschen,
suchen Schutz vor Ansteckung,
sehnen sich nach Heilung,
trauern um ihre Toten.
Du bist an unserer Seite.
Du kannst heilen und trösten.
Höre uns.

Du Gott, der alle Grenzen überschreitet,
in der Kälte leiden die Schwachen,
frieren ohne Obdach,
suchen nach Essbarem,
verlieren die Hoffnung.
Du bist an unserer Seite.
Du kannst retten und beschirmen.
Höre uns.

Du Gott, der alle Grenzen überschreitet,
überall hoffen die Menschen auf dich,
sie leben mit den Wunden der Vergangenheit,
reichen die Hände zur Versöhnung,
bauen Brücken.
Du bist an unserer Seite.
Du bist der Friede.
Höre uns.

Verwandle uns.
Durch Jesus Christus.
Er ist das Licht in unserer Dunkelheit
und unsere Hoffnung –
heute und alle Tage.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Dr. Georg Bucher)

2. Sonntag nach Epiphanias 2021

  • Eröffnung

Gott offenbart sich hier auf der Erde, in dieser Stadt, in der Nachbarschaft und bei mir in all seiner Herrlichkeit. Gott erscheint mitten unter uns. In seiner Nähe können wir uns nicht verlieren, denn: Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Evangelium nach Johannes 1,16)
Amen.

  • Ein Lied: In dir ist Freude (EG 398)

1 In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ! Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist; hilfest von Schanden, rettest von Banden. Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja. Zu deiner Güte steht unser G’müte, an dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja.

2 Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod; du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja

  • Aus Psalm 105

Preist den HERRN, ruft an seinen Namen,
macht unter den Völkern kund seine Taten!
Singt ihm, spielt ihm, redet von allen seinen Wundern!
Rühmt euch seines heiligen Namens!
Es freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen!
Fragt nach dem HERRN und seiner Stärke,
sucht sein Angesicht beständig!
Gedenkt seiner Wunder, die er getan hat,
seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes!
Ihr Nachkommen Abrahams, seines Knechtes,
ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten:
Er ist der HERR, unser Gott!
Seine Urteile [ergehen] auf der ganzen Erde.
Er gedenkt ewig seines Bundes und des Wortes,
das er geboten hat auf tausend Generationen hin.

  • Hochzeit zu Kana (Johannesevangelium 2,1-11)

Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war dort. Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit eingeladen. Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagen mag, tut! Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß fasste. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister! Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war — und er wusste nicht, woher er war, die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es —, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, dann den geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn.

  • Gedanken zu den Worten des Jesaja

Eine Hochzeit ohne Wein? Wäre das so schlimm?
Heutzutage, in einer Zeit, in der die Gesundheit optimiert werden soll und in jedermanns eigener Verantwortung steht, wäre es vielleicht sogar besser ohne Alkohol zu feiern. Und zugleich lebe ich in einer Zeit, die immer und an jedem Ort fast alles verfügbar macht. Wein ist alle? Dann besorge ich eben welchen. An der Tankstelle, oder im Späti, oder beim Premium-Superschnell-Versandhandel per Drohne.

Der Bräutigam sah das zu seiner Zeit wohl anders. Die Verse aus dem Johannesevangelium verraten wenig über ihn. Wir können ahnen, dass er recht wohlhabend ist. Seine Diener werden eigens erwähnt. Um so peinlicher aber, dass ihm der Wein ausgeht. Es das Fest seines Lebens. Es soll groß und prächtig gefeiert werden. Mit Wein! Denn er macht des Menschen Herz fröhlich, wie es im 104. Psalm heißt. Und fröhlich ist er und seine Braut und sollen alle seine Gäste sein.

Ein große und herrliche Hochzeit zu Kana, die feiern sie. Viele sind eingeladen. Jesu Mutter. Jesus und seine Jünger. Und was das Johannesevangelium darüber berichtet, ist durchsetzt von vielerlei eigentümlichen Geschehnissen. Dass der Wein zur Neige geht bei so einem Fest ist eines davon. Das andere die prominente Anwesenheit Jesu. Eigentümlich ist auch seine Antwort, die er auf das Ansinnen seiner Mutter entgegnet. Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Das klingt sehr abweisend und – irgendwie – frech, unwirsch, rüde. Sie kümmert sich aber nicht darum. Er macht das schon, scheint sie zu denken, und weist die Diener an, dass sie auf seine Worte achten und genau das tun sollen, was er sagt. Sie scheint zu wissen, was gleich geschieht. Die steinernen Krüge, die der Aufbewahrung des Wassers zur Reinigung dienen, wie es die jüdische Religion verlangt, sind auf jeden Fall groß genug. Um die 40 Liter fasst einer davon, so schätzt man. Aber es ist auch ein Affront, dass die „heiligen“ Gefäße für das Weinwunder genutzt werden. Als wollte Jesus sagen: Ich habe euch was Besseres zu geben! Etwas Besseres habe ich euch zu geben: so reagiert auch der irritierte Speisemeister, der die Qualität des Weines lobt und den Bräutigam tadelt, den besseren Wein bisher zurückgehalten zu haben. So knickrig darf man nicht sein. Wackrer Speisemeister! Ich habe davon gelernt, dass das Beste zuerst serviert wird. Entgegen meiner preußischen Erziehung: Da wurde das Beste bis zum Schluß aufgehoben.
Hier und jetzt gibt es Wein genug! Eine Zeit des Mangels erlebe ich dennoch. Echten Mangel erfahre ich an meiner Bewegungsfreiheit, an Sorglosigkeit, an Kultur und Möglichkeiten der Begegnung. Aus lauter Sorge können nicht einmal Gottesdienste stattfinden.
Die Hochzeit aber wurde dennoch gerettet. Jesus war da. Und seine Mutter wusste das, oder besser gesagt, sie glaubte an ihn. Jesus ist eingeladen. Jesus ist in meiner Nähe. Er sorgt für mich. Und notfalls auch eine wie seine Mutter, die ihn sehr gut kennt und ihm vertraut. Falls mein Vertrauen nicht ausreicht. Darauf verlasse ich mich – letztendlich. Dass es mir an nichts Wichtigem fehlen wird. Denn Jesus setzt Zeichen und offenbart seine Herrlichkeit. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott im Himmel, hier auf Erden:

Allzu schnell übersehen wir das Gute.
Allzu schnell fehlt es uns am richtigen Glauben.
Allzu schnell sind wir aber auch leichtsinnig.
Allzu schnell werden wir ungeduldig.
Allzu schnell sind wir mit Worten zur Hand,
die niemandem helfen, aber andere kränken können.

Stärke unsere Dankbarkeit, dass wir sehen können, wie gut es uns geht.
Stärke unsere Aufmerksamkeit, dass wir nach Kräften für uns uns andere sorgen können.
Stärke unsere Zuversicht, dass du uns nah bist und in der Not hilfst.
Stärke unsere Freude, die durch deine Schöpfung uns zugedacht ist.
Stärke unseren Mut, wie Jesu Mutter, dir zu sagen, was uns Sorgen macht und woran es uns mangelt.
Hier in unserer Gemeinde, in unserer Stadt, bei unserer Regierung und auf der ganzen Welt.

In dir sind wir getragen durch Jesus Christus. Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

1. Sonntag nach Epiphanias 2021

  • Eröffnung

Ein Licht anzünden und zur Ruhe kommen und die
Jahreslosung für das neue Jahr mit uns bedenken.
Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lukas 6, 36)

  • Lied: „Du Morgenstern, du Licht vom Licht“ (EG 74)

Hinweis: Sie können sich das Lied auch anhören: http://www.eingesungen.de/player.php?track=968&buch=21#player

Du Morgenstern, du Licht vom Licht,
das durch die Finsternisse bricht,
du gingst vor aller Zeiten Lauf
in unerschaffner Klarheit auf.

Du Lebensquell, wir danken dir,
auf dich, Lebend’ger hoffen wir;
denn du durchdrangst des Todes Nacht,
hast Sieg und Leben uns gebracht.

Du ewge Wahrheit, Gottes Bild,
der du den Vater uns enthüllt,
du kamst herab ins Erdental
mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht,
führ uns durch Finsternis zum Licht,
bleib auch am Abend dieser Welt
als Hilf und Hort uns zugesellt.

  • Psalm 103 in Auswahl

Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht,
und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Barmherzig und gnädig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.

  • Text: Lukas 6, 27 – 38

Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde;
Tut wohl denen, die euch hassen;
Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.
Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar;
Und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.
Wer dich bittet, dem gib;
Und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück.
Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!
Und wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon?
Denn auch die Sünder lieben ihre Freunde.
Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon?
Das tun die Sünder auch.
Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon?
Auch Sünder leihen Sündern, damit sie das Gleiche zurückbekommen.
Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen.
So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein;
denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet.
Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt.
Vergebt, so wird euch vergeben.
Gebt, so wird euch gegeben.
Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und
überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben;
denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt,
wird man euch wieder messen.

  • Gedanken zum Text

Die Jahreslosung 2021 ist aus der Feldrede des Lukasevangeliums entnommen. Jesus sagt seinen Zuhörern ganz unmissverständlich, was sie tun sollen.
So viele Handlungsanweisungen, allesamt gut und nachvollziehbar.
Dennoch für uns Menschen kaum erreichbar und machbar .
Vielleicht manches davon?
Und mitten in der langen Rede Jesu dieser eine Satz, der uns durch das neue Jahr begleiten soll.
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Viele Menschen hören Jesus zu. Manche, z.B. die Zolleinnehmer haben hautnah erlebt, wie sich Jesus ausgerechnet ihnen zuwendet, die sonst am Rande der Gesellschaft stehen. Er lässt sie körperlich spüren was mit Barmherzigkeit gemeint ist. Aussätzigen und an anderen schlimmen Gebrechen Leidenden wendet er sich zu und heilt. Und dann sind da die Geschichten, in denen er Gottes Barmherzigkeit sichtbar macht. Denken wir nur an das Gleichnis vom barmherzigen Vater oder verlorenen Sohn. Lukas hat viele Beispiele in seinem Evangelium geschrieben.
Wir haben es vorhin im Psalm gebetet „Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.“ So sieht Jesus Gott und so will er uns seine Sicht auf Gott vermitteln.
Da ist keine Rede vom Erbringen von Leistungen, kein Wettbewerb im „Gutsein“ dem Erbringen von guten Werken ist nötig.
Die große Erkenntnis Martin Luthers war es: Wenn ich etwas tue, um mir einen bestimmten Vorteil bei Gott zu erhoffen oder glaube mir so das Heil verdienen zu können, bin ich auf dem falschen Weg. Das ist es nicht, was Gott von mir will. Wenn ich so denke und handle, drehe ich mich nur um mich selbst.
Gott ist anders. Gottes Wesen ist Barmherzigkeit und Liebe. Im Alten wie im Neuen Testament können wir es lesen: Was die Menschen auch tun, Gott bleibt sich treu darin zugewandt und barmherzig zu sein. Immer wieder lässt er sich anrühren, leidet und fühlt mit, er ist ganz bei den Menschen.
Und genau mit dieser Barmherzigkeit will Jesus uns anstecken, wenn er sagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“
Menschen lasst euch anrühren und bewegen, nehmt euren Nächsten wahr, so wie Gott das auch tut.
Es kann unsere Antwort auf Gottes Barmherzigkeit sein: Weil er so liebevoll ist, können wir gar nicht anders als es auch zu sein.
In unserem Tun verbreiten wir die Barmherzigkeit Gottes in der Welt.
Das kann ich aber nicht aus mir heraus schaffen. Da kann ich nur darum bitten, dass seine Nähe und Liebe mich verändern und mich zu einem barmherzigen Menschen machen. Dass er mich korrigiert, wo ich bewusst oder unbewusst, mich selbst oder andere zum Maßstab meines Handelns mache. Gott schenke mir Beherztheit da wach und präsent zu sein, wo ich gefordert bin. Ohne krampfhaften Druck, die Welt und sei es nur meine kleine Welt, retten zu müssen.
Seid barmherzig, wie auch der Vater barmherzig ist! Amen.

  • Gebet füreinander und miteinander

Lebendiger Gott, vor dir können wir unsere Gedanken und
Nöte aussprechen. Du hörst uns.

Wir bitten für die Welt, in der viel Finsternis herrscht.
Für die Menschen in den Flüchtlingslagern in Griechenland,
Bosnien und vielen anderen Ländern, die kein Dach über dem Kopf haben, die hungern und Verfolgung ausgesetzt sind,
deren Leid uns hilflos und sprachlos macht.

Wir bitten für die Frauen und Männer,
die Verantwortung in unserem Land und weltweit tragen.

Wir bitten für die Wissenschaftler,
die nach Wegen suchen die Pandemie zu bezwingen.
Gib Klarheit in ihre Gedanken,
dass sie ihr Können zum Wohl aller einsetzen.

Wir bitten für unsere Familien und Freundschaften,
für die Menschen, mit denen wir es täglich zu tun haben,
für die Traurigen und die Ängstlichen,
die Sorgenvollen und Kranken.

So beten wir vertrauensvoll:

Vater unser unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott sei uns gnädig und segne uns,
er lasse uns sein Angesicht leuchten.
Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn!

(Lektorin Gudrun Naumann)

Epiphanias 2021

  • Eröffnung

„Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.“
Gemeinsam folgen wir ihm. Nah beieinander und auch voneinander entfernt. Um Gott zu finden und um wieder zueinander zu kommen. Kein Weg ist Gott zu weit. Amen.

  • Ein Lied: „Stern über Bethlehem“ (EGE 1)

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg,
Führ uns zur Krippe hin, zeig wo sie steht,
Leuchte du uns voran, bis wir dort sind,
Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind.

Stern über Bethlehem, nun bleibst du stehn
Und lässt uns alle das Wunder hier sehn,
Das da geschehen, was niemand gedacht,
Stern über Bethlehem, in dieser Nacht.

  • Aus Psalm 72

Gott, gib dein Recht dem König
und deine Gerechtigkeit dem Königssohn,
dass er dein Volk richte in Gerechtigkeit
und deine Elenden nach dem Recht.
Lass die Berge Frieden bringen für das Volk
und die Hügel Gerechtigkeit.
Die Könige von Tarsis und auf den Inseln
sollen Geschenke bringen,
die Könige aus Saba und Seba
sollen Gaben senden.
Alle Könige sollen vor ihm niederfallen
und alle Völker ihm dienen.
Denn er wird den Armen erretten, der um Hilfe schreit,
und den Elenden, der keinen Helfer hat.
Sein Name bleibe ewiglich;
solange die Sonne währt, blühe sein Name.
Und durch ihn sollen gesegnet sein alle Völker,
und sie werden ihn preisen.
Gelobt sei Gott der Herr, der Gott Israels,
der allein Wunder tut!
Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich,
und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden!
Amen! Amen!

  • Worte aus dem Buch des Jesaja im 60. Kapitel

Mache dich auf, werde licht;
denn dein Licht kommt,
und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!

Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker;
aber über dir geht auf der Herr,
und seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen
und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

Hebe deine Augen auf und sieh umher:
Diese alle sind versammelt, kommen zu dir.
Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arm hergetragen werden.
Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.

  • Gedanken zu den Worten des Jesaja

Es ist das Licht am Ende des Tunnels. Verheißungsvoll, Rettung verkündend. Da, am Ende des Tunnels, so bin ich jetzt gewiß, werde ich aufatmen können. Der Schrecken ist bald vorüber; mein Herz wird weit.
Jetzt stehe ich auf und gehe dem Licht entgegen. Nach der langen Nacht um mich her brennt es auf der Haut. Immer mehr werde ich in Licht getaucht. Werde selbst zum Licht.
Wenn ich jetzt gehe und dem Licht dort traue, dann werden andere mir folgen. Sie sehen meine Gestalt vor dem Licht, dass dort so verheißungsvoll Luft, Sonne und Wärme ankündigt.
Auf dem Weg dorthin nagen noch die Schrecken an mir. Der lange Weg in der Finsternis fällt nicht sofort mit der Hoffnung ab. Aber sie bringt mich wieder auf die Beine und macht mir Mut, weiterzugehen. Mein Herz ist noch verschreckt, aber schon wird es weiter. Mein Brustkorb dehnt sich und der Atem kann besser fließen. Die Angst verkriecht sich immer mehr zwischen den grauen Felsen.
Und langsam schälen sich aus dem Dunkeln die Gestalten meiner Mitmenschen. Sie sind mit mir in der Finsternis gegangen und haben mit mir die Hoffnung verloren. Sind mit mir entkräftet der letzten Not in Verzweiflung erlegen. Niemand von ihnen konnte die Finsternis durchdringen. Auf allen lastete das Wetterdunkel und die Krankheit und das Hauen und Stechen dieser Welt. Woher sollte uns Licht kommen, wenn wir selbst so dunkel waren? Ich hielt es bald für das Wesen dieser Welt, hier im Tunnel weitergrabend, und hielt das Licht und das weite Herz für Kinderfantasien. Mein Blick verlor sich. Hatte kein Augenmerk mehr auf die Gefährtinnnen auf dem Weg durch das Leben. Verlor das Schöne, den Reichtum der Schöpfung aus den Augen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Verstrickte sich im immerwährenden Dunkel auf der Suche nach ein wenig Zufriedenheit und Ruhe. Ich suchte in mir, aber auch da war das Dunkel.
Jetzt aber bin ich unterwegs. Wie ein Stern gezackt hebt sich das Ende des Tunnels vor dem Licht des Himmels heraus. Wer hat meine Augen dahin gelenkt? Wer hat es vermocht, meiner Müdigkeit zu widersprechen. Wer hat die verbleibende Kraft in mir erweckt? Wer hat es vermocht, dass ich nun gehe und die Gefährten mit mir ziehe. Meine Fragen bleiben bei ihnen unbeantwortet. Sie geben sie mir zurück.
So war es wohl, dass ich nicht allein diesen Ruf gehört habe. Da war das Rascheln eines erstarkenden Fußes und der Schatten einer winkenden Hand. Dass ich nun nicht allein dem Stern folge. Nicht allein Gottes Kind, von seiner Mutter getragen und von seinem Vater behütet, erkennen kann. Ich bringe ihm das Beste, was ich habe. Mein Leben, meine Liebe, mein weites Herz und meine Hände. Für ein friedvolles Miteinander. Und auch ein wenig Gold für das Schöne und ein wenig Weihrauch für den Duft.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott im Himmel,
durchdringe die Finsternis hier auf der Erde,
und die Bedrängnis in uns selbst.
Öffne uns die Augen für dein Licht.
Dass wir selbst licht werden.
Dass wir gestärkt werden für den Weg.
Dass wir uns verschenken und selbst beschenkt werden.
Im Lichte deines Sohnes Jesus Christus.
Mit ihm beten wir.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)