- Eröffnung
Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103,2).
Der Spruch fĂŒr die neue Woche lenkt den Blick auf das Gute in unserem Leben und macht Mut dies auch im Alltag nicht zu vergessen und Gott dafĂŒr âDankeâ zu sagen.
- Lied: „All Morgen ist ganz frisch und neu“ (EG 440)
All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und groĂe Treu;
sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.
O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn:
ZĂŒnd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.
Treib aus, o Licht all Finsternis, behĂŒt uns Herr vor Ărgernis,
vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand,
zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag,
wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.
- Worte aus Psalm 146
Halleluja! Lobe den Herrn meine Seele!
Ich will den Herrn loben, solange ich lebe,
und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.
Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist,
der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott.
Der Herr macht die Gefangenen frei.
Der Herr macht die Blinden sehend.
Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind.
Der Herr liebt die Gerechten.
Der Herr behĂŒtet die Fremdlinge
und erhÀlt Waisen und Witwen;
aber die Gottlosen fĂŒhrt er in die Irre.
Der Herr ist König ewiglich,
dein Gott, Zion, fĂŒr und fĂŒr. Halleluja!
- Gedanken zum Bibeltext Lukas 19,1-10
Sie kennen sie vermutlich seit Kindertagen, die Geschichte vom Oberzöllner ZachÀus.
Kommen Sie mit in seinen Wohnort. Dort kennt man sich.
Man meint genau zu wissen, wie die anderen sind, wie sie leben, wie sie denken. Man â das sind die Frauen und MĂ€nner im Dorf;
So ist es auch bei ZachÀus. Man kennt ihn. Man kennt seinen Wohlstand.
Man sieht es ihm an. Sein Haus, sein Kleid, seine Einrichtung. Alles zeugt davon. Aber Freunde, richtige Freunde sieht man bei ihm nicht.
Mit seinem Beruf macht man sich keine Freunde.
Aber jemand muss den Job doch machen. Wenn nicht er, dann macht es jemand anderes. Er ist ein Oberzöllner. Er lebt von den BetrÀgen, die er auf römisch festgelegte Steuern drauf schlÀgt.
Jede Mehreinnahme in seinem ZustĂ€ndigkeitsgebiet wandert in seine Tasche. Die anderen mĂŒssen es ihm oder seinen Mitarbeitern bezahlen, sonst drohen Strafen.
Immerhin ist es jetzt jemand â aber er ist allein â oft fĂŒhlt er sich einsam.
Eine Nachricht lÀsst ihn aufhorchen.
Von einem Rabbi ist die Rede, der anders lehrt als ĂŒblich.
Er hat schon viel von Jesus, diesem Rabbi aus Nazareth, gehört.
Er zieht von Dorf zu Dorf und findet immer mehr AnhÀnger, Frauen und MÀnner. Er hilft vielen Menschen.
Auch den AusgestoĂenen, AussĂ€tzigen und Kranken.
Er heilte sogar den Knecht des Hauptmanns von Kapernaum.
Obwohl der eine römische Uniform trÀgt.
So wie er selbst als Zöllner fĂŒr die Römer arbeitet.
Die Frauen und MÀnner erzÀhlen, dass Jesus ins Dorf kommt.
Es bildet sich eine Menschentraube, um ihn zu empfangen.
Diesen ungewöhnlichen Rabbi möchte ZachÀus wenigstens einmal sehen.
Aber sich einfach unter die Leute zu mischen kann er sich nicht leisten. Sie wĂŒrden ihn verjagen.
So steigt er auf einen Baum. Aber er bleibt nicht unbemerkt.
Man kennt sich. Man kennt ihn.
Böse Blicke, die ihn auf dem Baum erblickt haben, begegnen ihm.
Es sind die Blicke seiner Mitmenschen, die ihm Geld am Zoll aushĂ€ndigen mussten. Sie drĂŒcken aus: âWie kann er es nur wagen in die NĂ€he von Jesus zu kommen. Dieser VerrĂ€ter, Ausbeuter und SĂŒnder.
Dann beginnen die Jubelrufe: Jesus ist im Dorf angekommen. Er lĂ€uft auf der HauptstraĂe. ZachĂ€us bleibt nicht unbemerkt.
Der Rabbi aus Nazareth spricht ihn an: âZachĂ€us, steig eilend herunter, denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.â
ZachĂ€us zuckt zusammen. Er ist gemeint! Sofort steigt er vom Baum herunter. Er verspĂŒrt soviel Lebensfreude wie schon lange nicht.
Das Gemurmel der Menschenmenge und deren entgeisterte Blicke halten ihn nicht auf. Jetzt ist er bereit alles auf eine Karte zu setzen. Ohne darĂŒber nachgedacht zu haben spricht er zu Jesus: âSiehe, Herr, die HĂ€lfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurĂŒck.
Jesus kehrte in das Haus des ZachÀus ein.
Nachdem Jesus das Dorf wieder verlassen hat, verstummen die GesprĂ€che ĂŒber den âFall ZachĂ€usâ nicht.
Hören wir in ein GesprÀch hinein.
Einer sagt: âJesus von Nazareth hat mir bisher gut gefallen.
Aber diesmal ging er eindeutig zu weit.
Wie kann man nur das Haus dieses Halsabschneiders betreten?
Das Haus dieses SĂŒnders!â
Ein anderer gibt zu bedenken: âAber hat Jesus nicht gesagt, er will das Verlorene suchen und selig machen?
Hast du nicht die seligen Augen des Zöllners gesehen?
Er hat ja auch die HĂ€lfte seines Vermögens der Armenkasse gegeben.â
Der eine erwidert: âWer einmal mit den Wölfen heult, wird immer die Schafe reiĂen! Er bleibt der Wolf im Schafspelz.â
Der andere antwortet:
âHabt ihr vergessen, wie oft wir frĂŒher ZachĂ€us Leid zugefĂŒgt haben? Wie wir ihn verachtet haben, weil er so klein war?
Hatte er jemals eine Chance, einer von uns zu werden?
Wieviele Wunden wir ihm zugefĂŒgt haben?
Nicht umsonst musste ZachÀus auf einen Maulbeerbaum steigen.
Wir wissen doch alle, dass der Saft der FrĂŒchte Wunden heilen kann.
Unterhalte dich doch einmal mit ZachÀus!
Lass ihn erzÀhlen. Vielleicht lernst du ihn ganz neu kennen.
Vielleicht erfĂ€hrst du von seinen SehnsĂŒchten und WĂŒnschen nach einem Leben mit uns?â
Ja, es berĂŒhrt, wenn Menschen die Sehnsucht nach einem Neuanfang beschreiben können. Und es beschĂ€mt mich, wenn ich in meinen Gedanken oder sogar mit meinen Worten in den Chor derer einstimme, die alle Menschern zu kennen meinen; die zu wissen meinen, wer zu den Guten und zu den Schlechten gehört.
So erkenne ich Teile von mir in ZachĂ€us, wieder, der seine SehnsĂŒchte im Verborgenen schlummern lĂ€sst. Und ich erkenne Teile von den murrenden Leuten wieder, die bei ihren Urteilen ĂŒber andere Menschen hĂ€ngen bleiben.
Dankbar bin ich, dass durch Jesus Christus immer wieder Menschen angesprochen werden, sich zu verÀndern und so ihre Lebensfreude neu entfalten können.
(nach einer Vorlage von Pfarrer Dr. Hans-Jörg Wahl)
- Gebet
Gott, fĂŒr alles Gute, das du uns tust, danken wir dir:
Wir bitten dich fĂŒr alle,
die morgens mit einem Dank auf den Lippen aufstehen
und abends dankbar zu Bett gehen.
Wir bitten dich fĂŒr die Menschen, die das Gute nicht sehen können,
die das Leben bitter und misstrauisch gemacht hat.
Wir bitten dich fĂŒr alle,
die aus allem das Beste machen und denen oft viel zugemutet wird.
Wir bitten dich fĂŒr jene, die andere teilhaben lassen
an dem Guten, dass ihnen widerfÀhrt.
Die teilen und abgeben. Die sich kĂŒmmern und sorgen.
Die sich engagieren und Verantwortung ĂŒbernehmen.
Wir bitten dich fĂŒr alle, denen vorenthalten wird,
was sie zum Leben brauchen: ein Auskommen und Frieden,
ein Zuhause und Geborgenheit, Liebe und Respekt.
So bitten wir:
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tÀgliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und fĂŒhre uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
- Segen
Gott sei uns gnÀdig und segne uns,
er lasse uns sein Antlitz leuchten.
Es segne uns Gott, und alle Welt fĂŒrchte ihn!
(Lektorin Gudrun Naumann)