3. Sonntag nach Epiphanias (22.01.)2023

  • Eröffnung

„Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ So verheißen es die Worte des Evangelisten Lukas im Wochenspruch. Jenseits menschlicher Grenzen ist Gottes weites Reich zu entdecken. Das uns neues Leben schenkt.

  • Mit Falten im Gesicht – Ein Lied: Gerhard Schöne, Die Alte auf der Schaukel

Ein Mädchen auf dem Spielplatz
‚Ne alte Frau am Rand
Die Alte schluckt Tabletten
Und die Kleine spielt im Sand
Dann geht das Mädchen schaukeln
Es sieht die Frau und ruft
„Das musst du auch mal ausprobier’n
Wir fliegen durch die Luft“
„Oma, willst du schaukeln
Dann gebe ich dir Schwung?“
„Ja, komm und gib mir Schwung, mein Herz
Dann werd ich wieder jung“

Die Alte schaukelt zaghaft
Die Kleine schiebt sie an
„Wenn jetzt nur nicht die Kette reißt
Was da passieren kann“
„Wenn jetzt nur niemand zusieht
Mir ist nicht wohl dabei
Die denken doch, ich bin verrückt
Und hol’n die Polizei“
„Oma willst du schaukeln …

Sie denkt an ihren Kreislauf
Dann kommt ihr in den Sinn
„Mein Gott, wie lange ist das her
Dass ich geschaukelt bin?“
„Das war doch auf dem Rummel
In einem weißen Schwan
Mit diesem tätowierten Herrn
Der himmelte mich an“
„Oma willst du schaukeln …

Sie sieht die Wolken schwanken
Das Alter fliegt dahin
Dahin der Arzeneigeruch
Das Ziehen in den Knien
Sie lacht aus voller Kehle
Sie singt und schämt sich nicht
Sie ist ein kleines Mädchen jetzt
Mit Falten im Gesicht
„Oma willst du schaukeln …

  • Die selig macht – Worte aus dem Brief an die Römer 1,13-17

Ich will euch aber nicht verschweigen, Brüder und Schwestern,
dass ich mir oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen
– wurde aber bisher gehindert –,
damit ich auch unter euch Frucht schaffe
wie unter andern Heiden.
Griechen und Nichtgriechen, Weisen und Nichtweisen bin ich es schuldig;
darum, soviel an mir liegt, bin ich willens,
auch euch in Rom das Evangelium zu predigen.
Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht;
denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben,
die Juden zuerst und ebenso die Griechen.
Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt,
welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht:
»Der Gerechte wird aus Glauben leben.«

  • Oma, willst du schaukeln? – Schaukelnde Gedanken zum Römerbrief

Oma, willst du schaukeln? fragt das Kind auf dem Spielplatz, die von Alter und Gram gebeugte alte Frau. Zuerst schüttelt sie den Kopf, unvorstellbar, was sollen die Leute denken. Schön wäre es, aber wer weiß, was da passieren kann. Aber schließlich wagt sie es doch, und es geschieht ein kleines Wunder: Alter und Gram verfliegen für einen Augenblick. Schöne Erinnerungen sind wieder lebendig. Sie hat wieder Freude am Leben.
„Die Alte auf der Schaukel“, so heißt das Lied von Gerhard Schöne.

Liebe Leserin, lieber Leser,
der Witz der Sache besteht darin, dass hier zwei Dinge zueinander gebracht werden, die nach Ansicht der „denkenden“ Leute nicht zusammengehören. Alte Menschen schaukeln nicht! Heute ist das zum Glück anders. Es ist selbstverständlichder geworden, dass jeder Mensch, egal welchen Alters, egal welcher Herkunft oder Lebensgeschichte oder körperlicher und geistiger Verfassung, am Leben in all seinen Facetten teilhat. Wer wollte es ihnen auch verbieten? Dennoch hat mich das Lied als Kind stark beeindruckt und in mir den Entschluss reifen lassen, solche albernen Grenzen nicht gelten zu lassen.

Auch Paulus überschreitet eine Grenze. Die Botschaft Jesu trägt er über die jüdische Welt hinaus bis nach Rom. Voller Stolz geht er den Weg in die weite Welt. „Ich schäme mich des Evangeliums nicht“, schreibt er. Er bringt zusammen, was nach jüdischer Sitte streng verboten, und nach römischer Ansicht lächerlich ist. Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist auf die Welt gekommen und für unsere Sünden gestorben am Kreuz. Diese Botschaft bringt er allen Menschen, egal welchen Alters, egal welcher Herkunft oder Lebensgeschichte oder körperlicher und geistiger Verfassung. Denn dieses Evangelium ist ein Wunder und eine Kraft, die neues Leben schenkt.

Dieses Wunder und diese Kraft verortet Paulus in zwei Grundbegriffen seines Denkens: Gerechtigkeit Gottes und Glauben. Das Zitat aus dem Buch Habakuk bindet beide zusammen: Der Gerechte wird aus Glauben leben. Übertragen auf das Bild der alten Frau ist die Gerechtigkeit der Menschen das, was den Menschen niederdrückt, ihn in Gram und Leid verharren lässt. Diese Gerechtigkeit verlangt Perfektion, die auch der frömmste, der fleißigste, der gesündeste, der stärkste und klügste Mensch nicht leisten kann. Auch Gott verlangt Gerechtigkeit. Sie ist nicht weniger streng als unsere menschlichen Maßstäbe; ja, sogar noch strenger. Doch seine Gerechtigkeit geschieht unter anderem Vorzeichen. Mit der frohen Botschaft ändert sich der Blick. Es gibt zuerst was zu schaukeln im Leben. Und das ist der Glaube, der gerade nicht darauf setzt, perfekt zu sein. Wer könnte schon perfekt schaukeln. Das Wunderbare ist ja, dass es einfach auch so Spaß macht. Im Grunde braucht es nur offene Ohren für die Einladung des Mädchens auf dem Spielplatz. Freundlich bietet es seine Hilfe an: „Oma, willst du schaukeln, dann gebe ich dir Schwung.“ Bei Paulus heisst es: Mein Glaube gründet im Glauben Gottes. Er schenkt uns seine Gerechtigkeit. „Im Evangelium wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben.“ Gottes Gerechtigkeit erfüllt sich in der Freude am Glauben. Zuerst wird geschaukelt und dann gilt dem Mädchen, und allen Menschen, ein freundlicher und dankbarer Blick. So geht es zu im Reich Gottes, oder auf dem Spielplatz Gottes. Was der Mensch wahrhaft braucht, ist schon längst da. Kaum zu glauben, in dieser Welt.
Die Grenzen, die mich davon abhalten, auf dem Spielplatz des Glaubens zu schaukeln sind ebenso menschengemachte Grenzen. Was sollen die Leute denken? Und wird nicht die Kette des Glaubens reißen? Hoffentlich halten mich die Leute nicht für verrückt. Um diese menschengemachten Grenzen zu überwinden, braucht es freilich eine besondere, göttliche Kraft. Auf dem Spielplatz ist es das Mädchen mit der unmissverständlichen Frage, die aus seiner überbordenden Freude am Schaukeln entspringt: „Oma, willst du schaukeln? Weil, es ist großartig! Es ist nicht so schwer.“

Probieren sie es doch mal aus. Auf den Spielplätzen des Lebens.

Amen.

  • Gib uns Halt – Miteinander und füreinander beten

Großer Gott, gewähre uns ein Bild von dir,
zeige dich uns in deiner Fülle,
die uns Halt gibt in einer haltlosen Welt.
Eine Welt, die von Krieg und Gewalt erfüllt ist.
Bestärke uns auf dem Weg zu Frieden und Gerechtigkeit.
Mit deiner Fülle von Liebe und Nächstenliebe.

Gib uns Halt in einer Welt, die unser Leben und das Leben unserer Liebsten bedroht.
Angesichts von Krankheit, Einsamkeit und Tod.
Bleibe bei uns.
Mit deiner Fülle von Liebe und Nächstenliebe.

Gib uns Halt in einer Welt, die deinen Glauben braucht.
Erwecke ihn in uns. Stärke deine Gemeinde.
Gib uns Vertrauen in deine Schöpfung, dass wir sie nach Kräften bewahren und in ihr wirken.
Mit deiner Fülle von Liebe und Nächstenliebe.

Großer Gott, gewähre uns ein Bild von dir,
zeige dich uns in deiner Fülle,
die uns Halt gibt in einer haltlosen Welt.
In Jesus Christus erkennen wir
die Fülle von Liebe und Nächstenliebe.

Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

2. Sonntag nach Epiphanias (15.01.)2023

  • Eröffnung

Am 2. Sonntag nach Epiphanias lenken wir den Blick auf das, was mit dem weihnachtlichen Kommen Gottes in der Welt tatsächlich geschieht. Die Worte des Wochenspruches aus dem 1. Johannesbrief fassen das in aller Kürze zusammen: Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

  • Deiner Gotterkenntnis Strahl – Ein Lied: Du Morgenstern, du Licht vom Licht“ (EG 74)

1) Du Morgenstern, du Licht vom Licht,
das durch die Finsternisse bricht,
du gingst vor aller Zeiten Lauf
in unerschaffner Klarheit auf.

2) Du Lebensquell, wir danken dir,
auf dich, Lebend’ger, hoffen wir;
denn du durchdrangst des Todes Nacht,
hast Sieg und Leben uns gebracht.

3) Du ewge Wahrheit, Gottes Bild,
der du den Vater uns enthüllt,
du kamst herab ins Erdental
mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

4) Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht,
führ uns durch Finsternis zum Licht,
bleib auch am Abend dieser Welt
als Hilf und Hort uns zugesellt.

  • Es ist ein Raum bei mir – Worte aus 2. Mose 33,18-23

Und Mose sprach: Lass mich deine Herrlichkeit sehen!
Und der HERR sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will ausrufen den Namen des Herrn vor dir:
Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig,
und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.
Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen;
denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.
Und der Herr sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann will ich meine Hand von dir tun, und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.

  • In der Felsspalte – Gedanken zur Herrlichkeit Gottes (2. Mose 33,18-23)

Wie stellen Sie sich Gott vor? Was ist Euer Gottesbild? Populär ist das Bild von der herrschaftlichen Gestalt in den Wolken, würdig, weise und weißbärtig. So erscheint es auf vielen alten Kunstwerken. Und oft in den Köpfen derer, die mit dem Glauben an Gott nicht viel anfangen können. Seltener bei den Gläubigen selbst.
Oder ist es das Bild eines auf schmähliche Weise hingerichteten menschlichen Körpers? Geboren in einem Stall von der Jungfrau Maria, in einer Krippe liegend. Ein Gott von menschlicher Gestalt aus Fleisch und Blut.
Oder ist es das (Nicht-)Bild einer gestaltlosen Energie, die sich auf rätselhafte Weise durch das Universum bewegt.
Oder eben gar keine Vorstellung; aber doch ein Gedanke, ein Glaube an Gott; etwa dass er allmächtig sei oder gütig oder beides.
Oder ist es doch das biblische Bild des väterlichen Hirten, der sich sorgsam um seine Herde kümmert.
Oder das Bild in den jüdischen Witzen, wie den von der Mutter, deren Kind im Meer zu ertrinken droht. Die Mutter schreit zum Himmel bis Gott sich erbarmt und das Kind an den Strand gelangen lässt. Glücklich schließt die Mutter es in seine Arme, schaut es an; richtet wieder ihren Blick zum Himmel und klagt: Und? Wo ist seine Mütze? Ein Bild von Gott, das seine große Macht zeigt; aber auch seine gelegentliche Schludrigkeit, wenn es um unsere menschliche Bedürfnisse geht.

Alle diese Bilder und Vorstellungen bleiben unvollkommen, das liegt in der Natur der Sache. Denn genau das ist Gott eben nicht, was wir in ihm zu sehen glauben oder über ihn zu wissen meinen, oder woran wir uns festhalten wollen; und genau das ist er auch wiederum, weil alle diese Bilder und Vorstellungen nicht von ungefähr kommen und – mehr oder weniger – ihre Berechtigung haben.

Auch die Geschichte von Mose in der Felsspalte malt eines dieser rätselhaften, unvollkommenen und zugleich wahrhaften Bilder von Gott. Auch in diesem Bild entzieht er sich einer endgültigen Verbildlichung. Auf die Anfrage des Mose, ob er Gottes Angesicht sehen könne, weist der Allmächtige das Ansinnen zurück. Und doch verbirgt er sich nicht. Er gibt Auskunft über sein Wesen und seine Gestalt.
Gott sagt: Ich bin der Gute und Schöne, ich bin der, der dir – Mose – seinen göttlichen Namen offenbart, und ich bin derjenige, dessen Antlitz nicht gesehen werden darf, weil kein Mensch damit leben kann. Ich zeige dir nicht, wie ich aussehe, aber ich zeige dir meinen Rücken. Ich komme dir ganz nahe, aber ich schütze dich vor meiner Gegenwart. Ich bin bei dir, aber das wird dich auch voll und ganz in Anspruch nehmen.
In diesem Bild Gottes erscheint er in seiner Herrlichkeit; oder wortwörtlich übersetzt: in seiner Gewichtigkeit; oder mit dem Thema des Sonntags benannt, in all seiner Fülle. Fast in einer menschlichen Gestalt, die vom Angesicht und vom Rücken und von der Hand Gottes erzählt; und dann doch wieder in einer überirdisch unerträglichen, hoheitlichen Gestalt, die den menschlichen Verstand übersteigt.
Diesen Gott, diesen durchaus ansprechbaren Gott, tritt Mose in dringender Angelegenheit entgegen. Das Volk Israel hat sich einem falschen Bild Gottes zugewandt, dem goldenen Kalb. Ja, tatsächlich sind nicht alle Bilder von Gott geeignet. Aus Zorn hat Mose die Tafeln mit den Geboten zerbrochen und nun will Gott sich abwenden von den Israeliten, die ohne ihn hilflos in der Wüste verblieben. Mose bittet für sein Volk; er will Gott sehen, so als ob er nachforschen möchte, was in Gottes Angesicht zu lesen ist. Ob er noch einmal Gnade wird walten lassen. Gott aber lässt sich nicht in die Karten schauen; doch er offenbart sich als Gott dieses Volkes Israel. Mächtig und treu, gütig und streng, nahbar und unnahbar zugleich, in diesem Widerspruch.
Und weil so ein Widerspruch nicht für den Alltag taugt, gibt es zwei neue Tafeln mit den Geboten. Wer sich daran hält, wird Gott nicht verlieren. Wer es erträgt, dass Gottes Angesicht unsichtbar bleibt, wird seiner Nähe gewiss sein.

Liebe Gemeinde,

diese Passage erzählt also davon, dass Gottes Fülle unseren menschlichen Verstand übersteigt. Würden wir Gott in all seiner Herrlichkeit begegnen, wiche das Leben, weil wir vor seinem Angesicht nicht aus noch ein wüssten.
Deshalb sollen wir uns kein Bild machen von ihm.
Deshalb haben wir Bilder von Gott, die uns durch die Wüste des Lebens führen.
Das Bild der 10 Gebote, deren erstes uns vor allem auf Gott verweist.
Wir haben das Bild Jesu Christi, in dem sich Gott uns zeigt als Mensch und den Nächsten liebender Mensch.
Wir haben die Gedanken der Philosophen und die Gemälde der Künstler. Sie mögen uns hier und da einen Anhalt geben.
Auch im kleinsten Bild, so wie es ein Kind malen würde, wenn es sich nach Geborgenheit sehnt, kann Gott verborgen und sichtbar sein.
Es kann uns eine Seite von Gott zeigen.
Es kommt nur darauf an, die andere Seite nicht zu vergessen.
Der treue Gott ist auch ein eifersüchtiger Gott.
Der menschliche Gott ist auch der Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat.
Der Gott der Geborgenheit ist auch der Gott, der uns in die Welt schickt ohne jede Sicherheit.
Der schale Gott der Philosophen wird nur dann greifbar, wenn er auch durch das Bild der klagenden Mutter im jüdischen Witz ergänzt wird.

Gott ist mir also nahe und Gott entzieht sich mir im selben Moment. So bleibt er ungreifbar, lässt sich nicht festlegen auf das, was ich in meiner Fehlbarkeit gerne festlegen würde. Zugleich habe ich aber das Bedürfnis, ihm nahe zu sein, weil ich bei ihm Schutz und Geborgenheit finden möchte.

Vielleicht ist aber gerade das die Absicht. In dieser Spannung von lebensgefährlicher Überforderung und zärtlicher, behutsamer Nähe wird Gottes Gegenwart verständlich. Da zeigt sie sich in all ihrer Fülle; verwirrend für meinen Verstand, aber gerade dann entscheidend wichtig, wenn mein Verstand in dieser Welt versagt.

Dann brauchen wir den Frieden, der höher ist als alle unsere Vernunft, der tiefer reicht als unsere Angst, in dem wir bewahrt bleiben mit allen Sinnen in Christus Jesus. Amen.

  • Gib uns Halt – Miteinander und füreinander beten

Großer Gott, gewähre uns ein Bild von dir,
zeige dich uns in deiner Fülle,
die uns Halt gibt in einer haltlosen Welt.
Eine Welt, die von Krieg und Gewalt erfüllt ist.
Bestärke uns auf dem Weg zu Frieden und Gerechtigkeit.
Mit deiner Fülle von Liebe und Nächstenliebe.

Gib uns Halt in einer Welt, die unser Leben und das Leben unserer Liebsten bedroht.
Angesichts von Krankheit, Einsamkeit und Tod.
Bleibe bei uns.
Mit deiner Fülle von Liebe und Nächstenliebe.

Gib uns Halt in einer Welt, die deinen Glauben braucht.
Erwecke ihn in uns. Stärke deine Gemeinde.
Gib uns Vertrauen in deine Schöpfung, dass wir sie nach Kräften bewahren und in ihr wirken.
Mit deiner Fülle von Liebe und Nächstenliebe.

Großer Gott, gewähre uns ein Bild von dir,
zeige dich uns in deiner Fülle,
die uns Halt gibt in einer haltlosen Welt.
In Jesus Christus erkennen wir
die Fülle von Liebe und Nächstenliebe.

Mit seinen Worten beten wir.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)

1. Sonntag nach Epiphanias (08.01.)2023

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir. Amen
Eröffnung
„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“
Dieses Wort für die neue Woche steht im Römerbrief
Kapitel 8, Vers 14

  • Ein Lied: „Herr Christ, der einig Gotts Sohn, Vaters in Ewigkeit“ (EG 67)

Herr Christ, der einig Gotts Sohn, Vaters in Ewigkeit,
aus seim Herzen entsprossen, gleichwie geschrieben steht,
er ist der Morgensterne, sein Glänzen streckt er ferne vor andern Sternen klar;

für uns ein Mensch geboren im letzten Teil der Zeit,
dass wir nicht wärn verloren vor Gott in Ewigkeit,
den Tod für uns zerbrochen, den Himmel aufgeschlossen, das Leben wiederbracht;

laß uns in deiner Liebe und Kenntnis nehmen zu,
dass wir am Glauben bleiben, dir dienen im Geist so,
dass wir hier mögen schmecken dein Süßigkeit im Herzen und dürsten stets nach dir.

Du Schöpfer aller Dinge, du väterliche Kraft,
regierst von End zu Ende kräftig aus eigner Macht.
Das Herz uns zu dir wende und kehr ab unsre Sinne, dass sie nicht irrn von dir.

Ertöt uns durch dein Güte, erweck uns durch dein Gnad.
Den alten Menschen kränke, dass er neu leben mag
und hier auf dieser Erden den Sinn und alls Begehren und G`danken hab zu dir.

  • Aus Psalm 89

Von den Taten deiner Huld, Herr, will ich ewig singen,
bis zum fernsten Geschlecht laut deine Treue verkünden.
Denn ich bekenne: Deine Huld besteht für immer und ewig;
deine Treue steht fest im Himmel.
Die Himmel preisen, Herr, deine Wunder
und die Gemeinde der Heiligen deine Treue.
Herr, Gott der Heerscharen, wer ist wie du?
Mächtig bist du, Herr, und von Treue umgeben.
Dein Arm ist voll Kraft, deine Hand ist stark, deine Rechte hoch erhoben.
Recht und Gerechtigkeit sind die Stützen deines Thrones,
Huld und Treue schreiten vor deinem Antlitz her.
Wohl dem Volk, das dich als König zu feiern weiß!
Herr, sie gehen im Licht deines Angesichts.
Sie freuen sich über deinen Namen zu jeder Zeit,
über deine Gerechtigkeit jubeln sie.
Denn du bist ihre Schönheit und Stärke,
du erhöhst unsre Kraft in deiner Güte.
Gepriesen sei der Herr in Ewigkeit.

  • Predigttext: Johannesevangelium 1,29-34

Liebe Gemeinde,
nein, unser Altar ist nicht falsch bekleidet, denn die Farbe der Epiphaniaszeit ist seit 2018 in der EKD weiß, nicht mehr grün. Das ist schön, weil wir so die neuen Paramente unserer Johannesgemeinde, die Sabine Bretschneider aus Magdeburg für uns gewebt hat, etwas länger betrachten können.
Weiß ist die liturgische Farbe der Christusfeste und der Festzeiten dieser Feste, also der Weihnachts-, Epiphanias- und der Osterzeit.
Für heute ist festzuhalten, dass unser weißes Parament den Weg beschreibt, den wir mit Jesus in der Festzeit des Kirchenjahres mitgehen:
Von der Krippe zum Kreuz und zum neuen Leben aus der Auferstehung.

Station auf dem Weg: Die Taufe von Jesus am Jordan – mit ihr beginnt das älteste unserer vier Evangelien.
Wir haben den etwas jüngeren Bericht über dieses Ereignis aus dem Matthäusevangelium gehört und nun hören
wir eine Deutung dazu aus dem jüngsten Evangelium, aus Johannes 1:
Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Dieser ist’s, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich. Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er offenbar werde für Israel, darum bin ich gekommen zu taufen mit Wasser.
Und Johannes bezeugte es und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich gesandt hat zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir:
Auf welchen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist’s, der mit dem Heiligen Geist tauft.
Und ich habe es
gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.
Die Frage, um die es geht, ist: Wer ist Jesus für mich?
Johannes gibt zwei Antworten:
Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! und: Dieser ist Gottes Sohn.
Ich habe das Gefühl, dass die erste Antwort ein bisschen aus der Mode gekommen ist und die zweite ist zwar auf den ersten Blick die landläufige, verwickelt aber bei tieferem Nachdenken schnell in theologische Abstraktionen mit Irrlehrepotential. Beispiel: Bei einem Vater-Sohn-Verhältnis gibt es eine Zeit, in der der Sohn nicht existierte. Wenn aber Jesus wirklich Gott ist und nicht so eine Art christlicher Prometheus, wenn er also ewig ist, wie kann es dann eine Zeit geben, in der er nicht existierte?
Auch die erste Antwort – Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! – wirft bei genauerer Betrachtung mehr Fragen auf, als die Antworten zu geben scheint. Kann man sowas uns wirklich noch vorsetzen? Wollen wir die Welt nicht lieber selbst retten, als uns retten zu lassen? Ist das überhaupt denkbar oder glaubhaft, dass ein 30jähriger Zimmermannssohn aus Nazareth die Trennung der Welt von Gott auf sich nehmen und heilen kann?
Wer will kann darauf Antworten suchen, etwa bei Joseph Ratzinger in seinem dreibändigen Werk über Jesus von Nazareth. Vergessen sie bei der Lektüre alle Kirchenpolitik oder trösten sie sich mit dem Gedanken, dass der legendäre erste Papst den Herrn selbst verleugnet hat.
Viel spannender finde ich allerdings die Frage, für die Johannes ja zwei Vorschläge macht: Wer ist Jesus für mich? – auf die beiden letzten Worte kommt es an.
Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! – für mich ist Jesus zuerst ein Befreier: Er befreit die Welt von der Trennung von Gott und er befreit den Glauben von kleinbürgerlichen Konventionen und religiöser Bigotterie. Stichworte: Ährenraufen am Sabbat und sein Umgang mit der Ehebrecherin.
Dieser ist Gottes Sohn – für mich ist Jesus der handfeste, physische Teil Gottes.
Zum Vater muss ich auf den Berg steigen und dann bleibt immer noch ein Abstand, jedenfalls wohl solange ich lebe. Der Heilige Geist ist metaphysisch. Er erzeugt Zustände zwischen Offenbarung und Trunkenheit, er lässt uns Lichter aufgehen und manchmal wendet er sich wohl auch beschämt ab von unserem Treiben, das wir dann auch noch mit dem Etikett geistlich versehen.
Jesus ist der Bruder neben mir. Der Gott, der mich ansieht, der zum Handeln herausfordert, der die in den Blick rückt, die sonst übersehen werden.
Er sieht auf keinen Fall so aus, wie man ihn sich im 19. Jahrhundert vorgestellt hat, er sieht aus, wie du und ich.
Wenn Vater und Geist eher die Vertikale im Glauben sind, Jesus ist auf jeden Fall die Horizontale – für mich jedenfalls.
Beide Linien ergeben den Römergalgen, das Kreuz, das für uns zum Lebenszeichen geworden ist. Auch darüber kann man lange nachdenken oder meditieren – aber nicht mehr in dieser Predigt. Amen

  • Wir beten miteinander und füreinander

Die Fürbitten für den heutigen Sonntag wurden von den Partnergemeinden aus Ahus in Schweden und Grodno in Belarus formuliert.

Guter Gott, wir bitten Dich um Weisheit und Mut,
die seelsorgerlichen Bedürfnisse zu erfüllen
um der Sehnsucht der Menschen nach geistlichen Fragen zu begegnen.
Gib uns einen klaren Blick, um die richtigen Entscheidungen zu treffen
für einen ökologisch vertretbaren Lebensstil in der Gemeinde und auch privat.
Wir bitten: Herr erbarme Dich

Guter Gott, schenke der Gemeinde in Belaruss und ihrem Pfarrer Mut, Beharrlichkeit und Vertrauen für die vielfältigen Projekte.
Schenke den Menschen nach zwei Jahren Unsicherheit
endlich Stabilität und Frieden.
Wir bitte: Herr, erbarme Dich

Guter Gott, wir danken Dir, dass wir das neue Jahr
gefüllt mit neuen Möglichkeiten beginnen dürfen.
Lass es eine Zeit werden, in der wir selbst zum Segen für andere werden dürfen
und ebenso für uns.
Lass es ein Jahr werden,
in dem der Frieden zu denen kommt, wo nun Krieg herrscht,
in dem wir die Ressourcen der Erde gerechter verteilen
und die, die hungern, sich satt essen dürfen,
in dem Deine Schöpfung geheilt werden kann
von den Wunden, die wir ihr zugefügt haben.
Wir bitten: Herr, erbarme Dich

Guter Gott, wir bitten um den Segen für Deine weltweite Kirche.
Lass Gemeinden Orte sein, an denen Menschen wachsen und reifen können.
Wir bitte um Deinen Segen für unsere Zukunft. Alles liegt in Deinen Händen
Gemeinsam mit den Christen in aller Welt beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

(Pfarrer Karsten Müller, Johannesgemeinde)