1. Sonntag nach Epiphanias (08.01.)2023

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir. Amen
Eröffnung
„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“
Dieses Wort für die neue Woche steht im Römerbrief
Kapitel 8, Vers 14

  • Ein Lied: „Herr Christ, der einig Gotts Sohn, Vaters in Ewigkeit“ (EG 67)

Herr Christ, der einig Gotts Sohn, Vaters in Ewigkeit,
aus seim Herzen entsprossen, gleichwie geschrieben steht,
er ist der Morgensterne, sein Glänzen streckt er ferne vor andern Sternen klar;

für uns ein Mensch geboren im letzten Teil der Zeit,
dass wir nicht wärn verloren vor Gott in Ewigkeit,
den Tod für uns zerbrochen, den Himmel aufgeschlossen, das Leben wiederbracht;

laß uns in deiner Liebe und Kenntnis nehmen zu,
dass wir am Glauben bleiben, dir dienen im Geist so,
dass wir hier mögen schmecken dein Süßigkeit im Herzen und dürsten stets nach dir.

Du Schöpfer aller Dinge, du väterliche Kraft,
regierst von End zu Ende kräftig aus eigner Macht.
Das Herz uns zu dir wende und kehr ab unsre Sinne, dass sie nicht irrn von dir.

Ertöt uns durch dein Güte, erweck uns durch dein Gnad.
Den alten Menschen kränke, dass er neu leben mag
und hier auf dieser Erden den Sinn und alls Begehren und G`danken hab zu dir.

  • Aus Psalm 89

Von den Taten deiner Huld, Herr, will ich ewig singen,
bis zum fernsten Geschlecht laut deine Treue verkünden.
Denn ich bekenne: Deine Huld besteht für immer und ewig;
deine Treue steht fest im Himmel.
Die Himmel preisen, Herr, deine Wunder
und die Gemeinde der Heiligen deine Treue.
Herr, Gott der Heerscharen, wer ist wie du?
Mächtig bist du, Herr, und von Treue umgeben.
Dein Arm ist voll Kraft, deine Hand ist stark, deine Rechte hoch erhoben.
Recht und Gerechtigkeit sind die Stützen deines Thrones,
Huld und Treue schreiten vor deinem Antlitz her.
Wohl dem Volk, das dich als König zu feiern weiß!
Herr, sie gehen im Licht deines Angesichts.
Sie freuen sich über deinen Namen zu jeder Zeit,
über deine Gerechtigkeit jubeln sie.
Denn du bist ihre Schönheit und Stärke,
du erhöhst unsre Kraft in deiner Güte.
Gepriesen sei der Herr in Ewigkeit.

  • Predigttext: Johannesevangelium 1,29-34

Liebe Gemeinde,
nein, unser Altar ist nicht falsch bekleidet, denn die Farbe der Epiphaniaszeit ist seit 2018 in der EKD weiß, nicht mehr grün. Das ist schön, weil wir so die neuen Paramente unserer Johannesgemeinde, die Sabine Bretschneider aus Magdeburg für uns gewebt hat, etwas länger betrachten können.
Weiß ist die liturgische Farbe der Christusfeste und der Festzeiten dieser Feste, also der Weihnachts-, Epiphanias- und der Osterzeit.
Für heute ist festzuhalten, dass unser weißes Parament den Weg beschreibt, den wir mit Jesus in der Festzeit des Kirchenjahres mitgehen:
Von der Krippe zum Kreuz und zum neuen Leben aus der Auferstehung.

Station auf dem Weg: Die Taufe von Jesus am Jordan – mit ihr beginnt das älteste unserer vier Evangelien.
Wir haben den etwas jüngeren Bericht über dieses Ereignis aus dem Matthäusevangelium gehört und nun hören
wir eine Deutung dazu aus dem jüngsten Evangelium, aus Johannes 1:
Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Dieser ist’s, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich. Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er offenbar werde für Israel, darum bin ich gekommen zu taufen mit Wasser.
Und Johannes bezeugte es und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich gesandt hat zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir:
Auf welchen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist’s, der mit dem Heiligen Geist tauft.
Und ich habe es
gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.
Die Frage, um die es geht, ist: Wer ist Jesus für mich?
Johannes gibt zwei Antworten:
Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! und: Dieser ist Gottes Sohn.
Ich habe das Gefühl, dass die erste Antwort ein bisschen aus der Mode gekommen ist und die zweite ist zwar auf den ersten Blick die landläufige, verwickelt aber bei tieferem Nachdenken schnell in theologische Abstraktionen mit Irrlehrepotential. Beispiel: Bei einem Vater-Sohn-Verhältnis gibt es eine Zeit, in der der Sohn nicht existierte. Wenn aber Jesus wirklich Gott ist und nicht so eine Art christlicher Prometheus, wenn er also ewig ist, wie kann es dann eine Zeit geben, in der er nicht existierte?
Auch die erste Antwort – Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! – wirft bei genauerer Betrachtung mehr Fragen auf, als die Antworten zu geben scheint. Kann man sowas uns wirklich noch vorsetzen? Wollen wir die Welt nicht lieber selbst retten, als uns retten zu lassen? Ist das überhaupt denkbar oder glaubhaft, dass ein 30jähriger Zimmermannssohn aus Nazareth die Trennung der Welt von Gott auf sich nehmen und heilen kann?
Wer will kann darauf Antworten suchen, etwa bei Joseph Ratzinger in seinem dreibändigen Werk über Jesus von Nazareth. Vergessen sie bei der Lektüre alle Kirchenpolitik oder trösten sie sich mit dem Gedanken, dass der legendäre erste Papst den Herrn selbst verleugnet hat.
Viel spannender finde ich allerdings die Frage, für die Johannes ja zwei Vorschläge macht: Wer ist Jesus für mich? – auf die beiden letzten Worte kommt es an.
Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! – für mich ist Jesus zuerst ein Befreier: Er befreit die Welt von der Trennung von Gott und er befreit den Glauben von kleinbürgerlichen Konventionen und religiöser Bigotterie. Stichworte: Ährenraufen am Sabbat und sein Umgang mit der Ehebrecherin.
Dieser ist Gottes Sohn – für mich ist Jesus der handfeste, physische Teil Gottes.
Zum Vater muss ich auf den Berg steigen und dann bleibt immer noch ein Abstand, jedenfalls wohl solange ich lebe. Der Heilige Geist ist metaphysisch. Er erzeugt Zustände zwischen Offenbarung und Trunkenheit, er lässt uns Lichter aufgehen und manchmal wendet er sich wohl auch beschämt ab von unserem Treiben, das wir dann auch noch mit dem Etikett geistlich versehen.
Jesus ist der Bruder neben mir. Der Gott, der mich ansieht, der zum Handeln herausfordert, der die in den Blick rückt, die sonst übersehen werden.
Er sieht auf keinen Fall so aus, wie man ihn sich im 19. Jahrhundert vorgestellt hat, er sieht aus, wie du und ich.
Wenn Vater und Geist eher die Vertikale im Glauben sind, Jesus ist auf jeden Fall die Horizontale – für mich jedenfalls.
Beide Linien ergeben den Römergalgen, das Kreuz, das für uns zum Lebenszeichen geworden ist. Auch darüber kann man lange nachdenken oder meditieren – aber nicht mehr in dieser Predigt. Amen

  • Wir beten miteinander und füreinander

Die Fürbitten für den heutigen Sonntag wurden von den Partnergemeinden aus Ahus in Schweden und Grodno in Belarus formuliert.

Guter Gott, wir bitten Dich um Weisheit und Mut,
die seelsorgerlichen Bedürfnisse zu erfüllen
um der Sehnsucht der Menschen nach geistlichen Fragen zu begegnen.
Gib uns einen klaren Blick, um die richtigen Entscheidungen zu treffen
für einen ökologisch vertretbaren Lebensstil in der Gemeinde und auch privat.
Wir bitten: Herr erbarme Dich

Guter Gott, schenke der Gemeinde in Belaruss und ihrem Pfarrer Mut, Beharrlichkeit und Vertrauen für die vielfältigen Projekte.
Schenke den Menschen nach zwei Jahren Unsicherheit
endlich Stabilität und Frieden.
Wir bitte: Herr, erbarme Dich

Guter Gott, wir danken Dir, dass wir das neue Jahr
gefüllt mit neuen Möglichkeiten beginnen dürfen.
Lass es eine Zeit werden, in der wir selbst zum Segen für andere werden dürfen
und ebenso für uns.
Lass es ein Jahr werden,
in dem der Frieden zu denen kommt, wo nun Krieg herrscht,
in dem wir die Ressourcen der Erde gerechter verteilen
und die, die hungern, sich satt essen dürfen,
in dem Deine Schöpfung geheilt werden kann
von den Wunden, die wir ihr zugefügt haben.
Wir bitten: Herr, erbarme Dich

Guter Gott, wir bitten um den Segen für Deine weltweite Kirche.
Lass Gemeinden Orte sein, an denen Menschen wachsen und reifen können.
Wir bitte um Deinen Segen für unsere Zukunft. Alles liegt in Deinen Händen
Gemeinsam mit den Christen in aller Welt beten wir, wie Jesus uns gelehrt hat

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

(Pfarrer Karsten Müller, Johannesgemeinde)