Andacht zum 12. Sonntag nach Trinitatis –23. August 2026 Segnungsgottesdienst zum Schulanfang in der Lutherkirche. –
Anfangen:
In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir. Amen.
Eröffnung:
Den Wochenspruch finden wir im Buch Jesaja 42, Vers3„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“
Lied: Ich möcht, dass einer mit mir geht – EG 209.
1. Ich möchte, dass einer mit mir geht, der’s Leben kennt, der mich versteht,
der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Ich möcht‘, dass einer mit mir geht.
2. Ich wart‘, dass einer mit mir geht, der auch im Schweren zu mir steht,
der in den dunklen Stunden mir verbunden. Ich wart‘, dass einer mit mir geht.
3. Es heißt, dass einer mit mir geht, der’s Leben kennt, der mich versteht,
der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Es heißt, dass einer mit mir geht.
4. Sie nennen ihn den Herren Christ, der durch den Tod gegangen ist;
er will durch Leid und Freuden mich geleiten. Ich möcht‘, dass er auch mit mir geht.
Psalm:
Manchmal beginnt etwas Neues: eine neue Schule, eine neue Aufgabe, ein neuer Weg.
Auf unseren Wegen sind wir nicht allein. Gott geht mit – Schritt für Schritt.
Manchmal freuen wir uns auf das, was kommt. Manchmal sind wir gespannt – und manchmal auch ein wenig unsicher.
Auf unseren Wegen sind wir nicht allein. Gott geht mit – Schritt für Schritt.
Rut und Noomi machten sich gemeinsam auf den Weg. Sie wussten nicht, was sie erwarten würde. Sie ließen
Vertrautes zurück und nahmen ihre Sorgen mit. Aber sie gingen nicht allein.
Auf unseren Wegen sind wir nicht allein. Gott geht mit – Schritt für Schritt.
Auch wir brauchen Menschen, die mit uns gehen: Menschen, die uns Mut machen und uns begleiten.
Auf unseren Wegen sind wir nicht allein. Gott geht mit – Schritt für Schritt.
Wenn wir fröhlich oder traurig sind, mutig oder ängstlich. Wenn wir Fehler machen, etwas schwierig wird
oder wir einen neuen Anfang wagen.
Auf unseren Wegen sind wir nicht allein. Gott geht mit – Schritt für Schritt.
Gott schenkt uns Menschen an unserer Seite: Freundinnen und Freunde, Familie und andere, die uns begleiten –
so wie Rut und Noomi einander begleitet haben.
Auf unseren Wegen sind wir nicht allein. Gott geht mit – Schritt für Schritt.
Gott, wir legen unsere Wege in deine Hand: unsere bekannten und neuen, unsere leichten und schweren Wege.
Begleite uns, wenn wir aufbrechen, suchen, hoffen und neu beginnen.
Denn auf unseren Wegen sind wir nicht allein. Du gehst mit – Schritt für Schritt.
Dialoggeschichte: Noomi und Rut erzählen ihren Weg
Noomi: Rut, bist du sicher, dass wir alles dabeihaben?
Rut: Bestimmt! Vielleicht erzählen wir lieber, warum wir überhaupt unterwegs waren.
Noomi: Das ist eine lange Geschichte.
Rut: Zum Glück haben wir Zeit.
Noomi: Früher hatte ich ein Zuhause. Ein richtig schönes Zuhause.
Ich lebte mit meinem Mann und meinen beiden Söhnen in Bethlehem. Kennt ihr Bethlehem? Später wurde dort Jesus geboren. Damals war es unsere Heimat.
Rut: Aber dann wurde das Essen knapp. Es gab nicht genug Brot. Die Felder brachten kaum noch etwas hervor.
Noomi: Darum packten wir unsere Sachen und zogen in ein anderes Land. Nach Moab. Alles war neu. Alles war fremd.
Rut: Dort in Moab lernte ich Noomis Familie kennen. Und irgendwann heiratete ich ihren Sohn.
Noomi: Da dachte ich: Jetzt wird alles wieder gut. Jetzt beginnt etwas Neues. Jetzt können wir glücklich sein. Aber manchmal läuft das Leben anders.
Rut: Etwas Trauriges geschah. Noomis Mann starb. Und später starben auch ihre beiden Söhne.
Noomi: Plötzlich war alles anders. Still. Leer. Traurig. Manchmal gibt es solche Zeiten im Leben. Zeiten, in denen man nicht weiß, wie es weitergehen soll.
Rut: Noomi weinte viel. Und ehrlich gesagt: Ich auch.
Noomi: Doch eines Tages hörte ich: In Bethlehem gibt es wieder genug Brot. Da wusste ich: Ich möchte wieder nach Hause.
Rut: Also packten wir unsere Sachen. Und machten uns auf den Weg.
Noomi: Naja … eigentlich wollte ich mich allein auf den Weg machen.
Rut: Das stimmt! Du hast gesagt: „Rut, bleib hier!“
Noomi: Ja. Denn ich dachte: Warum sollte sie mitkommen? Sie hatte doch ihr Zuhause. Ihre Familie. Ihre Freunde.
Rut: Sollte ich bleiben? Oder mitgehen? Ich wusste sofort: Ich gehe mit. Denn Noomi sollte nicht allein sein. Darum sagte ich: „Wo du hingehst, da gehe auch ich hin. Wo du wohnst, da wohne auch ich.“
Noomi: Das waren die schönsten Worte, die ich in dieser schweren Zeit gehört habe. Also gingen wir los. Schritt für Schritt. Tag für Tag.
Rut: Manchmal war es heiß.
Noomi: Manchmal waren wir müde.
Rut: Manchmal wussten wir gar nicht, wie es weitergeht. Dann brauchten wir eine Pause. Und etwas zu trinken.
Noomi: Und manchmal brauchten wir auch Mut. Denn wir wussten nicht: Was erwartet uns in Bethlehem? Wer wird uns helfen?
Rut: Als wir in Bethlehem ankamen, hatten wir nicht viel. Eigentlich fast nichts.
Noomi: Ich war traurig. Ich war müde. Und ehrlich gesagt: Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte.
Rut: Aber ich wollte nicht einfach nur warten. Damals gab es ein gutes Gesetz. Wer ein Feld besaß, sollte am Rand ein paar Ähren stehen lassen. Arme Menschen durften sie aufsammeln.
Noomi: So musste niemand hungrig bleiben.
Rut: Also ging ich auf ein Feld und sammelte Ähren. Den ganzen Tag.
Noomi: Was ich nicht wusste: Dieses Feld gehörte Boas.
Rut: Boas war freundlich. Er schickte mich nicht weg.
Noomi: Im Gegenteil. Er sagte zu seinen Arbeitern: „Lasst extra Ähren liegen. Rut soll genug finden.“
Rut: War das nicht freundlich?
Noomi: Ja. Manchmal zeigt Gott seine Liebe durch Menschen.
Rut: Am Abend brachte ich einen ganzen Sack Ähren mit nach Hause.
Noomi: Da staunte ich nicht schlecht!
Rut: Zum ersten Mal seit langer Zeit hatten wir wieder genug Brot.
Noomi: Boas kümmerte sich weiter um uns.
Rut: Er wollte Verantwortung übernehmen. Schließlich heirateten wir. Gott schenkte uns eine Familie.
Noomi: Und dann geschah noch etwas Wunderschönes.
Rut: Unser Sohn wurde geboren. Er hieß Obed.
Noomi: Wisst ihr noch, wie traurig ich am Anfang unserer Geschichte war?
Ich dachte, Gott hätte mich vergessen. Ich dachte, ich müsste allein weiterleben.
Aber jetzt durfte ich dieses Kind im Arm halten. Mein Herz wurde langsam wieder froh.
Rut: Die Nachbarinnen sagten: „Gelobt sei der Herr! Er hat Noomi nicht allein gelassen.“
Noomi: Meine Trauer war nicht einfach verschwunden. Aber Gott hatte aus der Traurigkeit neue Hoffnung wachsen lassen. Schritt für Schritt.
Rut: Heute schauen wir auf unseren Weg zurück.
Noomi: Wir haben Schweres erlebt. Wir mussten Abschied nehmen. Wir mussten neu anfangen. Wir haben geweint. Wir haben gehofft. Und heute glaube ich: Gott war die ganze Zeit bei uns.
Noomi: Nicht als große Stimme vom Himmel. Nicht mit einem riesigen Wunder.
Rut: Sondern durch Menschen. Durch Freundlichkeit. Durch Hilfe. Durch Brot, das wir teilen konnten. Durch Boas, der uns gesehen und unterstützt hat. Durch eine neue Familie.
Noomi: Erst rückblickend haben wir verstanden: Gott war schon längst unterwegs.
Nicht vor uns. Nicht hinter uns. Sondern mit uns. Am Anfang dachte ich: Ich muss diesen Weg allein gehen. Aber niemand muss allein gehen. Nicht damals. Und auch heute nicht. Denn Gott geht mit. Schritt für Schritt.
Manchmal wissen wir auch heute nicht genau, was vor uns liegt: eine neue Schule, ein neuer Kindergarten, eine neue Arbeitsstelle, ein Umzug …
Dann wünschen wir euch das, was wir selbst erleben durften:
Rut: Dass Gott euch Menschen an die Seite stellt, die mit euch gehen. Menschen, die euch Mut machen. Menschen, die euch trösten. Menschen, die euch begleiten.
Und wenn euer Weg einmal schwer wird, dann vergesst nie:
Beide gemeinsam: Gott geht mit. Schritt für Schritt.
Miteinander und füreinander beten
Du unser Gott, wir bitten dich um Mut für neue Wege,
wir bitten dich um Menschen, die an unserer Seite bleiben.
Sei du unsere Hoffnung und Freude und unserer Kraft,
begleite uns in Zeiten des Zweifels und der Unsicherheit.
All das, was wir auf unseren Wegen mit uns tragen,
dürfen wir vor dich bringen –
in den Worten, die Jesus uns geschenkt hat.
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Segen:
Gott segne deine Füße, wenn du neue Wege gehst.
Gott segne dein Herz, wenn du mutig sein musst.
Gott segne deine Hände, wenn du anderen hilfst.
Gott segne deine Augen, damit du Hoffnung entdeckst.
Gott schenke dir Menschen, die mit dir gehen.
Und wenn du einmal glaubst, allein unterwegs zu sein,
dann erinnere dich: Gott geht mit. Schritt für Schritt.
So segne und behüte dich Gott,
heute, morgen und an jedem neuen Tag. Amen.
(S. Greuel und Team)