4. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Tolle lege – nimm und lies!

Manchmal verändert sich das ganze Leben
beim Lesen, Hören und Bedenken eines Textes aus der Bibel.

So ging es Augustin.

Manchmal unterbricht so ein Text nur für einen kurzen Moment unseren Alltag.
Nehmen Sie sich Zeit.

Und seien Sie gespannt, was passiert. Jetzt und hier.

  • Ein Lied: Komm in unser stolze Welt (EG 428)

Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben. Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben. Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.

Komm in unser reiches Land, der du Arme liebst und Schwache, dass von Geiz und Unverstand unser Menschenherz erwache. Schaff aus unserm Überfluss Rettung dem, der hungern muss.

Komm in unsre laute Stadt, Herr, mit deines Schweigens Mitte, dass, wer keinen Mut mehr hat, sich von dir die Kraft erbitte für den Weg durch Lärm und Streit hin zu deiner Ewigkeit.

Komm in unser festes Haus, der du nackt und ungeborgen. Mach ein leichtes Zelt daraus, das uns deckt kaum bis zum Morgen; denn wer sicher wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.

Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle; dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle, die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.

  • Worte aus Psalm 42

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,

so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

Meine Seele dürstet nach Gott,

nach dem lebendigen Gott.

Wann werde ich dahin kommen,

dass ich Gottes Angesicht schaue?

Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,

weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

Daran will ich denken

und ausschütten mein Herz bei mir selbst:

            wie ich einherzog in großer Schar,

mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes

mit Frohlocken und Danken

in der Schar derer, die da feiern.

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Am Tage sendet der Herr seine Güte, und des Nachts singe ich ihm

und bete zu dem Gott meines Lebens.

Ich sage zu Gott, meinem Fels:

warum hast du mich vergessen?

Warum muss ich so traurig gehen,

wenn mein Feind mich dränget?

Es ist wie Mord in meinen Gebeinen, wenn mich meine Feinde schmähen

und täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

  • Worte aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kap. 17

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.

Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

  • Gedanken zum Text

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.

Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Oh Paulus!

Fast 2000 Jahre alt sind deine Worte.

Sie stehen in einem Brief, den Du an die Christen in der Stadt Rom geschrieben hast, doch –

Papier ist geduldig.

Ich wünschte:

Sie stünden nicht nur da sondern

wären lebendig

Ich wünschte, sie wären lebendig und laut

Ich wünschte,

jemand hätte sie herausgebrüllt

so dass

Derek Chauvin sie gehört hätte,

oder dass

jemand sie gehört hätte und ihm in den Arm gefallen wäre

bevor er sich kniete

auf den Hals seines Menschenbruders

George Floyd.

Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Fast 2000 Jahre alt sind deine Worte.

Sie stehen in einem Brief, den Du an die Christen in der Stadt Rom geschrieben hast, doch –

Papier ist geduldig.

Ich wünschte:

Sie stünden nicht nur da sondern

wären lebendig.

Ich wünschte, sie wären lebendig und lebten

in uns und unter uns

unter deinen Menschenkindern

die wir uns so oft

als Konkurrenten

wahrnehmen,

die wir uns so oft bestimmen durch das,

was uns von den anderen unterscheidet:

das Einkommen oder der Glaube

der Gartenzaun oder die Wohngegend

die Herkunft oder die Hautfarbe

nicht aber

als Gottes geliebte Menschenkinder

alle geboren

alle mit einem zerbrechlichen Leben unterwegs auf dieser Erde.

Oh Paulus,

ich wünschte, deine Worte wären lebendig und lebten

in uns und unter uns.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Oh Paulus,

ich wünschte Deine Worte wären lebendig und würden

uns die Ruhe und die Kraft geben

auf Gottes Gerechtigkeit zu vertrauen.

Damit wir hier auf Erden aufhören können mit dem Urteilen über andere.

Damit wir wütend für Gerechtigkeit streiten können

ohne in zerstörerischen Zorn zu verfallen

ohne Rache

ohne dass Scheiben eingeschlagen und neue Gräben aufgerissen werden.

Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«.

Oh Paulus,

ich wünschte, ich wüsste immer, wer Freund ist und wer Feind.

Ich wünschte mir Deine Klarheit darüber, was Böse ist und was Gut.

Oft schwindelt mich.

Oft verliere ich die Orientierung,

zu schnell rast alles dahin.

Und zu oft fehlt mir die Kraft

die Feinde zu lieben,

ihnen essen zu geben, wenn sie hungern, statt mich heimlich zu freuen.

Oft ist meine Liebe nicht groß genug,

oft reicht meine Liebe nicht

oft ist sie schon zu klein für die Menschen, die ich doch lieben will

oft fehlt schon die liebende Geduld mit meinen Kindern

wie dann, so frage ich dich,

wie dann die Feinde lieben?

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Fast 2000 Jahre alt sind deine Worte.

Sie stehen in einem Brief, den Du an die Christen in der Stadt Rom geschrieben hast, doch –

Papier ist geduldig.

Und doch spüre ich in ihnen eine lebendige Kraft.

Ich bete darum, dass sie lebendig wird in uns!

Die Kraft, die von dem kommt,

der längst das Böse mit Gutem überwunden hat.

Der den Tod überwunden hat

nicht mit Waffen oder Armeen

auch nicht mit Geld

nicht mit Berechnung und Kalkül

sondern

allein mit brennender Liebe

zu den Menschen und zu Gott.

Auf dass der Stein weggewälzt wird

hinter dem wir unsere Hoffnung begraben haben

dass sich hier noch einmal etwas ändern wird.

Dass Frieden möglich ist und Versöhnung

zwischen uns Menschen

auch da, wo schon lange kein Wort mehr gesprochen wird.

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.

Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr, du rufst und zum Frieden, aber der Friede ist fern.

Frieden ist fern in Syrien und im Jemen.

Frieden ist fern im Miteinander deiner Menschenkinder.

Frieden ist Fern zwischen uns Menschen und Deiner Schöpfung.
Herr, wir bitten dich: Komm mit deinem Geist des Friedens.

Mach uns zu Friedensstiftern.

Gib uns Mut und Zuversicht, für deinen Frieden zu streiten.

Gib uns Ruhe und Kraft, am Unfrieden nicht zu verzweifeln.

Erbarme dich, Herr!

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich! Amen.

(Pfarrer Georg Bucher)

3. Sonntag nach Trinitatis 2020

Familienkirche: „Der verlorene Sohn“

  • Eröffnung

Offene Arme laden doch gerade dazu ein, los zu laufen und sich in die offenen Arme zu werfen. Und dann wird richtig fest umarmt.

Umarmungen gehören zu den schönen Dingen des Lebens, sie sagen mehr als 1000 Worte.

Am liebsten möchte ich meine Arme ausbreiten und euch alle umarmen und drücken. Aber wir dürfen nicht. Und wenn man etwas nicht darf, dann merkt man erst, wie es einem fehlt.

Deshalb schließt alle eure Augen und umarmt euch einen Augenblick selber. Genießt diesen Moment und denkt dabei, dass wir uns alle in die Arme schließen.

Wir feiern mit Dir Gott als unseren Vater und unsere Mutter, mit Deinem Sohn und dem Heiligem Geist.

Gott Deine offenen Arme empfangen uns. Sie schenken Geborgenheit und Liebe Amen.

  • Ein Lied: „Wie ein Fest nach langer Trauer“ (Durch Hohes und Tiefes 300)

Wie ein Fest nach langer Trauer,
Wie ein Feuer in der Nacht.
Ein off’nes Tor in einer Mauer,
Für die Sonne auf gemacht.
Wie ein Brief nach langem Schweigen,
Wie ein unverhoffter Gruß.
Wie ein Blatt an toten Zweigen
Ein-ich-mag-dich-trotzdem-Kuss.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih’n.

Wie ein Regen in der Wüste,
Frischer Tau auf dürrem Land.
Heimatklänge für vermisste,
Alte Feinde Hand in Hand.
Wie ein Schlüssel im Gefängnis,
Wie in Seenot – Land in Sicht.
Wie ein Weg aus der Bedrängnis
Wie ein strahlendes Gesicht.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih’n.

Wie ein Wort von toten Worten Lippen,
Wie ein Blick der Hoffung weckt.
Wie ein Licht auf steilen Klippen,
Wie ein Erdteil neu entdeckt.
Wie der Frühling, der Morgen,
Wie ein Lied wie ein Gedicht.
Wie das Leben, wie die Liebe,
Wie Gott selbst das wahre Licht

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih’n.

  • Worte aus Psalm 103 (in leichter Sprache von der Landeskirche Baden-Württemberg)

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!

Erinnere dich immer wieder daran! So viel Gutes hat Gott für dich getan!

Du lebst anders als Gott es will. Du machst Fehler. Aber Gott vergibt dir!

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!

Du wirst manchmal krank. Aber Gott heilt dich!

Du denkst: Dein Leben ist sinnlos. Doch Gott rettet dich!

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!
Der Herr vergibt dir. Er kümmert sich um dich.

Er schmückt dich mit seiner Liebe. Wie eine Krone den König schmückt.

Da freust du dich und lachst. Du hast Kraft wie ein junger Adler.

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!

Gott kümmert sich um Menschen, die leiden. Er hilft ihnen.

Gott hat viel Geduld. Er liebt sie sehr.

Wir leben manchmal falsch. Aber Gott vergibt uns!

Nur für kurze Zeit ist er wütend. Aber seine Liebe ist unendlich.

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!

Der Himmel über der Erde ist groß. Genauso groß ist Gottes Liebe.

Er liebt alle Menschen. Zwischen Morgen und Abend ist eine lange Zeit.

Am Morgen schon machen wir Fehler.

Doch Gott hat sie am Abend schon lange vergeben.

Eltern kümmern sich um ihre Kinder. Genauso kümmert sich Gott um alle Menschen.

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!

  • Geschichte: „Vom Verlorenen Sohn“ (Lukas 15,11-32 in der Übersetzung der Basisbibel)

Dann sagte Jesus:

»Ein Mann hatte zwei Söhne.

Der jüngere sagte zum Vater: ›Vater, gib mir den Teil der Erbschaft, der mir zusteht.‹

Da teilte der Vater seinen Besitz unter den Söhnen auf.

Ein paar Tage später machte der jüngere Sohn seinen Anteil zu Geld und wanderte in ein fernes Land aus. Dort verschleuderte er sein ganzes Vermögen durch ein verschwenderisches Leben. Als er alles ausgegeben hatte, brach in dem Land eine große Hungersnot aus.
Auch er begann zu hungern. Da bat er einen der Bürger des Landes um Hilfe. Der schickte ihn aufs Feld zumSchweinehüten. Er wollte seinen Hunger mit denFutterschotenstillen, die die Schweine fraßen. Aber er bekam nichts davon.

Da ging der Sohn in sich und dachte: ›Wie viele Arbeiter hat mein Vater und sie alle haben reichlich Brot zu essen. Aber ich komme hier vor Hunger um. Ich will zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen:

Vater, ich habe Schuld auf mich geladen – vor Gott und vor dir. Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden. Nimm mich als Arbeiter in deinen Dienst.‹

So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater.

Sein Vater sah ihn schon von Weitem kommen und hatte Mitleid mit ihm. Er lief seinem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Aber sein Sohn sagte zu ihm: ›Vater, ich habe Schuld auf mich geladen – vor Gott und vor dir. Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden.‹

Doch der Vater befahl seinen Dienern: ›Holt schnell das schönste Gewand aus dem Haus und zieht es ihm an. Steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt ihm Sandalen für die Füße. Dann holt das gemästete Kalb her und schlachtet es:

Wir wollen essen und feiern! Denn mein Sohn hier war tot und ist wieder lebendig. Er war verloren und ist wiedergefunden.‹

Und sie begannen zu feiern.

Der ältere Sohn war noch auf dem Feld. Als er zurückkam und sich dem näherte, hörte er Musik und Tanz. Er rief einen der zu sich und fragte:

›Was ist denn da los?‹

Der antwortete ihm: ›Dein Bruder ist zurückgekommen! Und dein Vater hat das gemästete Kalb schlachten lassen, weil er ihn gesund wiederhat.‹

Da wurde der ältere Sohn zornig. Er wollte nicht ins Haus gehen.

Doch sein Vater kam zu ihm heraus und redete ihm gut zu.

Aber er sagte zu seinem Vater: ›Sieh doch: So viele Jahre arbeite ich jetzt schon für dich! Nie war ich dir ungehorsam. Aber mir hast du noch nicht einmal einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden feiern konnte. Aber der da, dein Sohn, hat dein Vermögen mit Huren vergeudet. Jetzt kommt er nach Hause, und du lässt gleich das gemästete Kalb für ihn schlachten.‹

Da sagte der Vater zu ihm: ›Mein lieber Junge, du bist immer bei mir. Und alles, was mir gehört, gehört auch dir.
Aber jetzt mussten wir doch feiern und uns freuen: Denn dein Bruder hier war tot und ist wieder lebendig. Er war verloren und ist wiedergefunden.‹

  • Worte zur Geschichte

Ich denke an die überschwängliche Freude des Vaters bei der Rückkehr des verlorenen Sohnes. Ich denke an die unendliche Erleichterung des wiederkehrenden Sohnes und auch an den bitteren Neid des anderen, des treueren Sohnes.

Meine Kinder sind zwischenzeitlich groß. 20, 25 und 27 Jahre alt.

Zwei sind hinausgezogen in die Welt, um ihren Weg zu gehen.

Mal besser und mal schlechter ist es bisher gelungen.

Wie reagiere ich aber, wenn ein Kind heimkommt und das Großwerden hat noch nicht so funktioniert. Fange ich gleich mit Vorwürfen und Besserwissen an oder kann ich einfach wie der Vater in der Geschichte meine Arme ausbreiten, all meine Enttäuschungen zu Seite schieben, mein Kind in den Armen halten und ein Freudenfest feiern.

Was bei Menschen oft nicht mehr geht, bei Gott ist es möglich. –

Das ist die Botschaft des 3. Sonntags nach Trinitatis.

Gott will nicht, dass Menschen verloren gehen.

Er lässt sie ihre Wege suchen und ihre Fehler machen.

Doch wie der gute Vater lässt Gott sie nicht fallen:

Wartet, geht entgegen, versöhnt sich und feiert ein Fest für den wiedergefundenen Sohn.

Also, lassen wir unsere Kinder groß werden, lassen wir sie etwas ausprobieren, auch wenn es vielleicht schief geht. Sie sollen ihre Erfahrungen sammeln und wissen, dass wir für sie da sind. Ganz egal was passiert. Wir warten auf sie, wir sind bereit zur Versöhnung, wir breiten die Arme aus und freuen uns, wenn sie wieder zu uns kommen.

Und dann haben wir ja noch diesen Neid des älteren Sohns, der die ganze Zeit treu bei seinem Vater geblieben ist und alles für ihn gemacht hat.

Wieder fallen mir meine drei Kinder ein. Als Eltern hat man es auch nicht leicht und macht so manches falsch. Wir sollten lernen unseren Kindern einfach öfters zu sagen, wie lieb wir sie haben, wie dankbar wir sind, dass sie für uns da sind.

Wir sollten lernen, aufmerksam zu sein auch für Kleinigkeiten, welche von unseren Kindern für uns gemacht werden. Unsere Aufgabe ist es, dass sich unsere Kinder gleichberechtigt und gleich geliebt fühlen. Hoffen wir, dass wir es schaffen, dass sie keinen Neid und Hass gegeneinander verspüren, sondern sich am Glück des anderen mitfreuen können.

Denn Gott wünscht sich, dass alle, die nicht verloren waren, sich freimachen von Neid und Hass, er wünscht sich Versöhnung und dass sich alle mitfreuen.

  • Füreinander und miteinander beten

– Wir beten für alle Menschen, die von zu Hause weggelaufen sind und sich nicht mehr zurücktrauen, schenke ihnen den Mut zur Umkehr.

– Wir beten für alle Menschen, die sich gestritten haben und sich nicht versöhnen können, hilf ihnen, dass sie miteinander wieder sprechen können.

– Wir beten für alle Menschen, die von Neid und Hass gefangen sind. Hilf ihnen, dass sie sich mit anderen freuen können.

– Wir beten für alle Menschen, die sich nach einer Umarmung sehnen. Schenke uns die Hoffnung, dass dies bald wieder möglich ist.

– Gott, du liebst mich auch wenn ich falsche Entscheidungen treffe und von dir weggehe. Danke, dass ich immer wieder zu dir zurückkommen darf.

  • Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Gemeindepädagogin Ulrike Simm & Pfarrer Olaf Wisch)

2. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Das Wort Gottes, seine Botschaft zu lesen, zu hören und zu Herzen zu nehmen. Diese Einladung gilt ungeeinschränkt. Jederzeit und an jedem Ort. Gott ist gegenwärtig. Wo immer wir auch sind.

  • Ein Lied: „Kommt her, ihr seid geladen“ (EG 213)

1. Kommt her, ihr seid geladen,
der Heiland rufet euch;
der süße Herr der Gnaden,
an Huld und Liebe reich,
der Erd und Himmel lenkt,
will Gastmahl mit euch halten
und wunderbar gestalten,
was er in Liebe schenkt.

2. Kommt her, verzagte Sünder,
und werft die Ängste weg,
kommt her, versöhnte Kinder,
hier ist der Liebesweg.
Empfangt die Himmelslust,
die heilge Gottesspeise,
die auf verborgne Weise
erquicket jede Brust.

3. Kommt her, betrübte Seelen,
die Not und Jammer drückt,
mit Gott euch zu vermählen,
der wunderbar beglückt.
Kommt, legt auf ewig ab
der Sünde bange Säumnis;
empfanget das Geheimnis,
das Gott vom Himmel gab.

4. O Wonne kranker Herzen,
die mir von oben kam!
Verwunden sind die Schmerzen,
getröstet ist der Gram.
Was von dem Himmel fließt,
hat lieblich sich ergossen;
mein Herz ist gar durchflossen
vom süßen Liebesgeist.

5. Drum jauchze, meine Seele,
hell aus der Sündennacht!
Verkünde und erzähle
die tiefe Wundermacht,
die unermesslich süß,
ein Born der Liebe, quillet
und jeden Jammer stillet,
der fast verzweifeln ließ.

6. Drum jauchze, meine Seele,
drum jauchze deinem Herrn!
Verkünde und erzähle
die Gnade nah und fern,
den Wunderborn im Blut,
die sel’ge Himmelsspeise,
die auf verborgne Weise
dir gibt das höchste Gut

  • Worte aus Psalm 36,6-10

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
und dein Recht wie die große Tiefe.
Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

  • Worte aus dem Matthäusevangelium 11,25-30

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach:
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,
dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast
und hast es Unmündigen offenbart.
Ja, Vater, denn so hat es dir wohlgefallen.
Alles ist mir übergeben von meinem Vater,
und niemand kennt den Sohn als nur der Vater;
und niemand kennt den Vater als nur der Sohn
und wem es der Sohn offenbaren will.
Kommt her zu mir, alle,
die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir;
denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig;
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Denn mein Joch ist sanft,
und meine Last ist leicht.

  • Gedanken zum Text

Marion ist nicht glücklich.

Marion hat alles, was sie braucht. Das sagt auch ihre beste Freundin. Wenn sie gemeinsam Kaffee trinken im Garten hinterm Haus. Wenn Marion darauf antwortet, indem sie fast unmerklich mit dem Kopf schüttelt, wendet sich ihre Freundin ab. Während ihrer seltenen Besuche möchte sie keine unglückliche Marion. Oder sie fängt an zu diskutieren. Euer schöner Garten, ruft sie dann aus. Und deine Familie; und einen guten Job hast du auch. Dir geht es doch gut! Guck mal mich; alleine in der Neubauwohnung. Marion überlegt einen Moment, ob sie tauschen wollte. Aber diesen Gedanken weist sie sofort von sich. Das gehört sich nicht. Das darf man nicht, sagt Marions Mutter. Sei geduldig, und nimm das, was Gott dir zugedacht hat für dein Leben. Und alle Menschen um sie herum scheinen das zu bestätigen. Ihr Chef weiß das, wenn er die längst fällige Beförderung mit Marion diskutiert. Ich brauche dich aber in der Abrechnung. Keiner kennt das Programm so gut wie du. Was kann sie da schon noch sagen. Ihre Kinder wissen das, wenn sie sich zwei- oder dreimal im Jahr melden. Sie wohnen weit weg. Singapur und Köln; die Entfernung zwischen Singapur und Köln scheint unbedeutender zu sein als die zwischen Köln und Delitzsch. Wir haben jetzt unser eigenes Leben, sagen sie. Trotzdem vermisst Marion sie. Sei geduldig und trage dein Schicksal, trage das, was Gott dir zugedacht hat, raunt Marions Mutter. So geduldig wie ihr Mann Lutz vielleicht, denkt Marion. Der hat sich längst abgefunden mit der pragmatischen Beziehung zwischen ihnen. Sie kümmern sich umeinander. Lutz ist verlässlich, ein feiner Kerl; das sagen alle aus der Bekanntschaft. Eine gute Partie. Was sollte Marion da schon vermissen?

Marion hat alles, was sie sich wünschen könnte. Was betrübst du dich meine Seele und bist so unruhig in mir? Sie liegt auf dem Rücken, den Kopf an die Wand gelehnt. Ihr Kehlkopf ist verengt, die Luft brennt, der Atem fließt flach. Der Druck strömt aus der verbrauchten Luft des Schlafzimmers in ihre Kehle, in ihre Lungen, legt sich ihr auf die Seele. Ein großer Druck, dem sie zu widerstehen sucht. Sie legt sich auf die Seite. In ihrem Rücken schläft Lutz mit regelmäßigen Atemzügen auf der anderen Seite des Bettes. Marions Blick fällt auf den gerahmten Druck ihres Konfirmationsspruches, der mahnend auf dem Nachttisch wacht: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Ein Geschenk ihrer Mutter zur Hochzeit. Natürlich. Schwer liegt das Joch auf den Schultern, Marion kann sich nicht losreißen von ihrem Leben. Sie liest: sanftmütig und von Herzen demütig; sie liest: Ruhe finden für eure Seelen. Überrascht nimmt sie wahr, dass ihr dabei leichter wird. Ausgerechnet der Spruch ihrer Mutter, denkt sie, gelöst und verärgert zugleich. Wer weiß denn wirklich, was Gott uns aufträgt, und welche Last damit verbunden ist. Wer kann schon wissen, was das Leben für uns bereit hält? Sanftmut und Demut; Seelenruhe und das Joch zugleich? Die Fragen bleiben, aber ihr Atem geht jetzt so gleichmäßig wie der ihres Mannes. Sie dreht sich weg von ihrem Konfirmationsspruch. Sie rutscht etwas näher an Lutz. Sie flüstert. Lutz? Er reibt sich die Augen. Ja? Lutz, ist schön, dass du da bist, sagt sie.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Hast du uns das zugedacht,
Herr, was uns das Leben schwer macht?

Ist es dein Joch

oder das Joch unserer unbezähmbaren menschlichen Schwächen?

Lehre uns den Unterschied
durch deinen Sohn Jesus Christus.

Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

1. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Das Wort Gottes, seine Botschaft zu lesen, zu hören und zu Herzen zu nehmen. Die Botschaft von der Auferstehung unseres Herrn Jesus. Der Kraft des Heiligen Geistes Raum zu geben. Dafür ist jederzeit und an jedem Ort Gelegenheit. Gott ist gegenwärtig. Wo immer wir auch sind.

Lied: „Ich steh vor dir mit leeren Händen“ (EG 382)

Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;
fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;
mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott. der Zukunft mir verheißt?
Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,
mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Hast du mit Namen mich in deine Hand,
in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?
Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?
Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit
und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt,
und laß mich unter deinen Söhnen leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

  • Worte aus Psalm 34

Ich will den HERRN loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Meine Seele soll sich rühmen des HERRN,
dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den HERRN
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!
Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
Als einer im Elend rief, hörte der HERR
und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des HERRN lagert sich um die her,
die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
Wohl dem, der auf ihn trauet!

  • Worte aus der Apostelgeschichte 4,32-37

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

  • Gedanken zum Text

Ein Herz und eine Seele, das ist eine stehende Wendung. Ein Herz und eine Seele sind zwei Menschen, die alles miteinander teilen. Ihre Absichten, Wertvorstellungen und Interessen. Die biblische Bedeutung geht aber noch darüber hinaus. Herz und Seele in diesem Sinne umfassen nicht nur das innere Leben, sondern auch die materiellen Voraussetzungen dafür. Herz und Seele bezeichnen die geistige und körperliche Gesamtheit des von Gott in Liebe gemachten Menschen.

Die Gütergemeinschaft dieser Menge der Gläubigen bezieht sich somit nicht nur auf den gemeinsam geteilten Glauben. Auch ihre Besitztümer bringen sie in die neue Gemeinschaft ein. Äußeres Zeichen dafür ist der Verkauf von Land und Häusern. Die Apostel nehmen diese Besitztümer entgegen und verteilen sie unter den Mitgliedern der Gemeinde. Niemand soll Mangel leiden. Weder nach geistigen noch nach körperlichen Bedürfnissen.

Ein Beispiel dafür ist Josef, genannt Barnabas, ein Levit aus Zypern. Ein Tempeldiener der Synagoge, der am Rand des Römischen Reiches lebt. Soweit reicht schon der neue Glaube. Er breitet sich aus. Und Barnabas fühlt sich dieser neuen Gemeinschaft mit Haut und Haaren, mit Herz und Seele zugehörig. Er gibt sein altes Leben auf. Er macht sich auf in das Zentrum dieses Glaubens, nach Jerusalem. Er verkauft alles, was er hat, und legt es den Aposteln zu Füßen.

Das passt gut in die Apostelgeschichte. Sie setzt den Gedanken der Solidarität mit den Armen fort, der schon im Lukasevangelium eine große Rolle spielt. Niemand soll Mangel leiden. Die Armen leiden an Mangel, sowohl an Ansehen als auch an materiellen Gütern. In dieser Gemeinschaft sind sie aber gut aufgehoben. Barnabas ist reich an Ansehen und Besitztum. Für Christus und für die Armen gibt er beides auf, um Teil dieser Himmelsgemeinschaft zu sein.

Der Gedanke fällt mir nicht leicht. Wie weit bleibe ich persönlich hinter diesem Ideal der Gütergemeinschaft zurück? Was ist heute anders als vor 2000 Jahren? Warum soll es selbstverständlich sein, dass Reich und Arm nur gemeinsam beten. Warum sollten sie – nach diesem Beispiel – nicht auch gemeinsam von ihrem Hab und Gut leben?

Die Erfahrung sagt mir, dass es in dieser Welt ein Ideal ist, alles miteinander zu teilen. Die Menschheitsgeschichte hat gezeigt, dass so eine Art von materieller Gleichheit nicht funktioniert. Ich bin als Mensch nicht dafür gemacht. Im Schweiße meines Angesichts soll ich mein Brot essen, wie es in der Schöpfungserzählung heißt. Nachdem Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden. Wenn ich mich in der Welt umschaue, dann muss ich dankbar sein, dass mir überhaupt – zumindest hier und heute in diesem Land – ausreichend Brot zur Verfügung steht.
Der Anspruch auf das Paradies, auf die Gütergemeinschaft in der Apostelgeschichte bleiben aber. Ein Herz und eine Seele zu sein, eng verbunden mit einem oder vielen Menschen und mit Gott. Tief in mir weiß ich und glaube ich, dass das mehr wert ist als aller Besitz, als alles Wissen und alles Ansehen. Wie schwer ist es dennoch, alles das loszulassen; wenigstens innerlich. Da bin ich auf dem Weg. Ich verstehe es wohl erst ganz, wenn ich teilhabe an dieser himmlischen Gemeinschaft, wenn ich wirklich ein Herz und eine Seele mit Gott bin. So, wie es die Auferstehung des Herrn Jesus verheißt.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr des Himmels und der Erden,
du hast alles gemacht, du erhältst alles,
deine Botschaft kennt keine Grenze.
Sie erreicht alle Menschen, unabhängig von Herkunft und Stand.
Sie erreicht jeden Menschen, unabhängig von Äußerlichkeiten und Kümmernis.

So bitten wir dich für alle Menschen, die unter solchen Grenzen leiden,
die ausgeschlossen werden oder vorverurteilt.

Bewege unsere Herzen, dass wir unsere Stimmen erheben gegen Ungerechtigkeit, Selbstgerechtigkeit und Lieblosigkeit.

Für das, was uns weit weg scheint und in der Welt geschieht;
ebenso wie für das, was in der Nachbarschaft vor sich geht.
Gott, du hast den Menschen gut geschaffen.
Bestärke uns, ebenso das Gute im Menschen zu sehen.
Und auch uns selbst nicht zu verstecken,

sondern uns zu zeigen und zeigen zu können,
weil wir uns in deiner Liebe geborgen wissen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Jetzt ist sie die da, die große Kraft Gottes, sein Heiliger Geist, unsere Gemeinschaft in Jesu Christi und erfüllt uns mit Gebet, Lied und Wort. Wo immer wir auch sind.

  • Lied: „Gelobet sei der Herr“ (EG 139)

1) Gelobet sei der Herr, / mein Gott, mein Licht, mein Leben,
mein Schöpfer, der / mir hat mein Leib und Seel gegeben,
mein Vater, der mich schützt / von Mutterleibe an,
der alle Augenblick / viel Guts an mir getan.

2) Gelobet sei der Herr, / mein Gott, mein Heil, mein Leben,
des Vaters liebster Sohn, / der sich für mich gegeben,
der mich erlöset hat / mit seinem teuren Blut,
der mir im Glauben schenkt / das allerhöchste Gut.

3) Gelobet sei der Herr, / mein Gott, mein Trost, mein Leben,
des Vaters werter Geist, / den mir der Sohn gegeben,
der mir mein Herz erquickt, / der mir gibt neue Kraft,
der mir in aller Not Rat, / Trost und Hilfe schafft.

4) Gelobet sei der Herr, / mein Gott, der ewig lebet,
den alles lobet, was / in allen Lüften schwebet;
gelobet sei der Herr, / des Name heilig heißt,
Gott Vater, Gott der Sohn / und Gott der werte Geist.

5) Dem wir das Heilig jetzt / mit Freuden lassen klingen
und mit der Engelschar / das Heilig, Heilig singen,
den herzlich lobt und preist / die ganze Christenheit:
Gelobet sei mein Gott / in alle Ewigkeit!

  • Worte aus Psalm 113

Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN,
lobet den Namen des HERRN!

Gelobt sei der Name des HERRN
von nun an bis in Ewigkeit!

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
sei gelobet der Name des HERRN!

Der HERR ist hoch über alle Völker;
seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

Wer ist wie der HERR, unser Gott,
im Himmel und auf Erden?

Der oben thront in der Höhe,
der niederschaut in die Tiefe,

der den Geringen aufrichtet aus dem Staube
und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

dass er ihn setze neben die Fürsten,
neben die Fürsten seines Volkes;

der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt,
dass sie eine fröhliche Kindermutter wird.
Halleluja!

  • Worte aus dem 4. Buch Mose, Kapitel 6

Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

  • Gedanken zum Text

„Erstlich wird einträchtiglich gelehrt und gehalten, daß ein einig gottlich Wesen sei, welchs genennt wird und wahrhaftiglich ist Gott und seind doch drei Personenin demselben einigen gottlichen Wesen, gleich gewaltig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, alle drei ein gottlich Wesen, ewig, ohn Stuck, ohn End, unermessener Macht, Weisheit und Gute, ein Schöpfer und Erhalter aller sichtbarn und unsichtbarn Ding.“

Liebe Leserin, lieber Leser

das ist der Beginn der Augsburgischen Konfession. Im Gesangbuch ist sie unter der Nr. 808 zu finden. Sie gehört zur Tradition und zum Bekenntnis unserer evangelisch-lutherischen Kirche. Dieses Bekenntnis leitet sich ab aus den Bekenntnissen und Überlegungen der Kirchenväter, die nach besten Wissen und Gewissen die Heilige Schrift ausgelegt haben. Ihnen war wichtig zu betonen, dass Jesus Christus, grob gesprochen, nicht nur ein Geist ist; aber auch nicht nur ein Leib. Und dass die Dreiheit Gottes nicht nur ein Anschein ist, eine Möglichkeit, wie Gott uns erscheint; sondern in jeder Person – Vater, Sohn und Heiliger Geist – ganz und gar selbstständig Gott ist. Es gibt also keine Gottheit, die wir hinter Jesus Christus finden könnten, oder hinter dem Heiligen Geist oder hinter dem Vater. Sie sind, jeweils für sich, ganz und gar Gott.  

In diesem Bekenntnis zum dreieinigen Gott liegt der Anlass für das heutige Thema des Gottesdienstes. Trinitatis, Tag der Heiligen Dreifaltigkeit.

Der tiefere Grund für diese Dreiheit liegt aber nicht nur in der Tradition. Sie liegt ebenso im inneren Wesen des Menschen begründet und schließlich im inneren Wesen Gottes selbst. Zunächst gibt es ein menschliches „Bedürfnis“ in Dreierkonstellationen zu denken und zu handeln. Belege dafür finden sich nicht nur in anderen Religionen. Ein Beispiel sei nur genannt: Im Hinduismus wird die Dreigestalt des Schöpfers, des Erhalters und des Zerstörers überliefert. Menschlich gesprochen, entspricht das der nüchternen Erkenntnis: Was er vorne aufgebaut hat, reißt er mit dem Hintern wieder ein. Menschliche Verhaltensweisen finden sich darin wieder.  Ebenso findet sich in der Philosophie oft ein Dreischritt. Bekanntes Beispiel ist die dialektische Erkenntnis von der These über die Antithese zur Synthese. Auch hier spielt das Erschaffen, Zerstören und Erhalten eine große Rolle. Und in der Psychologie denke ich zum Beispiel an die Dreiheit in der Elternschaft. Vater, Mutter und Kind. Bzw. Vater und Mutter und was zwischen Vater und Mutter ist. Für das Kind sind alle drei Aspekte wichtig. Das Mütterliche, wie es sich in der Geborgenheit zeigt. Das Väterliche, das dem Kind Selbständigkeit vermittelt. Und die Beziehung zwischen Mütterlichem und Väterlichem, die dem Kind ein Beispiel gibt für seine eigene Partnerschaft und Liebe.

Aber ich komme zurück zur kirchlichen Tradition. Augustinus, einer der großen Kirchenväter aus dem 4. und 5. Jahrhundert, setzt seine Überlegungen ebenfalls beim Menschen an. Wie liebt und denkt der Mensch, fragt er sich. Und schließt von daher auf das göttliche Wesen, dass wir als sein Ebenbild in uns tragen. Augustinus sagt: „Siehe, wenn ich, der ich diese Fragen stelle, etwas liebe, dann sind es drei: Ich, das, was ich liebe, und die Liebe selbst. Der Liebende, das Geliebte und die Liebe.“   Von dort aus entwickelt er seine Gedanken über das Wesen Gottes selbst. Auch Gott braucht nach dem biblischen Zeugnis ein Gegenüber, um seiner Liebe gerecht zu werden. Im ersten Johannesbrief heißt es: „Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Gott ist die Liebe.“  Gott ist in Bewegung. Gott geht in Beziehung. Erst so ist er ganz Gott. Und für mich ist das ein Fest. Denn aus dieser inneren Bewegung Gottes bin ich in diese Welt hineingeliebt. Gott bleibt nicht für sich. Er ist für mich.

Gottes Segen verliert sich nicht in seiner Macht. Er wird ausgegossen über seine Geschöpfe. Der Segen, der im 4. Buch Mose überliefert ist und den Gottesdienst beschließt, macht das deutlich: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über dir und gebe dir Frieden.

So gelangt übrigens dieser Segen als biblisches Wort in die Predigtordnung für diesen Sonntag. Äußerlich, weil es ebenfalls eine dreifaltige Formulierung ist. In einem tieferen Sinne, weil Gott mich in seiner Hand hält, mich anschaut und mit mir spricht. Der Vater der Schöpfung, der Sohn der erkennenden Liebe, der Heilige Geist des Verständnisses und der Vergebung. So entspricht es Gottes Wesen. Weil Gott in all seiner Macht gar nicht anders kann.

So halte ich es fest. Doch meine Worte sind zu klein, um das zu beschreiben. Die Macht, die in diesem Segen liegt, zerstiebt, wenn ich sie in Worte fassen will. Der blühende Moment aber, in dem ich sie spüre, in dem du sie spürst, ist Grund und Ende.

Amen.

  • Fürbitten

Gott Vater, erhalte uns in deinem Glauben, dass wir in unserem Glauben Vertrauen finden.
Gott Sohn, erhalte uns in deiner Liebe, dass wir unsere Liebe reichlich weitergeben.

Gott, Heilger Geist, erhalte uns in deiner Hoffnung, dass wir unsere Hoffnung nicht verlieren.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Online-Familienkirche am Pfingstsonntag aus der Lutherkirche

Was bedeutet eigentlich Pfingsten? Und was hat die heilige Geistkraft damit zu tun? Kommt mit uns, auf eine Reise ins Jerusalem vergangener Zeiten und lasst Euch die Pfingstgeschichte erzählen.

Ab Pfingstsonntag (31. Mai 2020), 10 Uhr, kann der Gottesdienst hier abgerufen werden.

Pfingstsonntag 2020

  • Eröffnung

Jetzt ist sie die da, die große Kraft Gottes, sein Heiliger Geist, unsere Gemeinschaft in Jesu Christi und erfüllt uns mit Gebet, Lied und Wort. Wo immer wir auch sind.

  • Lied: „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“ (EG 126)

1. Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist,
besuch das Herz der Menschen dein.
mit Gnaden sie füll, wie du weißt,
dass sie dein Geschöpfe sein.

2. Denn du bist der Tröster genannt,
des Allerhöchsten Gabe teu’r,
ein geistlich Salb an uns gewandt,
ein lebend Brunn, Lieb und Feu’r.

3. Zünd uns ein Licht an im Verstand,
gib uns ins Herz der Liebe Inbrunst,
das schwach Fleisch in uns, dir bekannt,
erhalt fest dein Kraft und Gunst.

4. Du bist mit Gaben siebenfalt
der Finger an Gottes rechter Hand;
des Vaters Wort gibst du gar bald
mit Zungen in alle Land.

5. Des Feindes List treib von uns fern,
den Fried schaff bei uns deine Gnad,
dass wir deim Leiten folgen gern
und meiden der Seelen Schad.

6. Lehr uns den Vater kennen wohl,
dazu Jesu Christ, seinen Sohn,
dass wir des Glaubens werden voll,
dich, beider Geist, zu verstehn.

7. Gott Vater sei Lob und dem Sohn,
der von den Toten auferstand,
dem Tröster sei dasselb getan
in Ewigkeit alle Stund.

  • Worte aus Psalm 118

Dies ist der Tag, den der HERR macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O HERR, hilf!
O HERR, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Wir segnen euch vom Haus des HERRN.

Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.

  • Worte aus der Apostelgeschichte, Kapitel 2

Und als der Pfingsttag gekommen war,
waren sie alle beieinander an einem Ort.
Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel
wie von einem gewaltigen Sturm
und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer,
und setzten sich auf einen jeden von ihnen,
und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist
und fingen an zu predigen in andern Sprachen,
wie der Geist ihnen zu reden eingab.

Es wohnten aber in Jerusalem Juden,
die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört,
denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.
Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen:
Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer?

Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?
Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien,
Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia,
Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen
und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber:
Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.

Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos
und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?
Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.
Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen:
Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt,
das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte!
Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint,
ist es doch erst die dritte Stunde des Tages;

sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5).
»Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott,
da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch;
und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen,
und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen,
und eure Alten sollen Träume haben;
und auf meine Knechte und auf meine Mägde
will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen,
und sie sollen weissagen.
Und ich will Wunder tun oben am Himmel
und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf;
die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut,
ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt.

Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird,
der soll gerettet werden.«

  • Gedanken zum Text

Liebe Leserin, lieber Leser,

Neulich erzählte mir meine Kollegin Regine Ammer, wie es sich anfühlt, für den Gottesdienst in der Kirche des Diakoniewerkes eine Sonntagspredigt zu gestalten. Es sei gar nicht so einfach ein biblisches Wort für die verschiedenen Zuhörer auszulegen. Es gibt die Diakonissen, die schon ein Lebenlang in der Bibel lesen und sie besser kennen als mancher Prediger. Es gibt ebenso die medizinischen und nichtmedizinischen Mitarbeiter mit ihrer hohen Verantwortung. Es gibt die Menschen, die in der Umgebung wohnen, und mit ihren Alltagssorgen kommen. Es gibt die Patienten, die laufen können und jene, die während des Gottesdienstes im Bett liegen. Vielleicht ist auch noch der eine oder andere Besucher da, der mit seiner besonderen Sorge um einen kranken Angehörigen mit ganz eigenen Gedanken dem Gotteswort lauscht.

Ein jeder in seiner Muttersprache, so geschah es auch in Jerusalem. Die einfachen und ungebildeten Fischer und Handwerker aus Galiläa, Jesu Jünger, sprachen in allen Sprachen der damals bekannten Welt. Bewirkt hat das der Geist Gottes. Er wird als eine gewaltige Kraft beschrieben, die sich in wundersamen, hör- und sichtbaren Erscheinungen zeigt. Das hierfür gebrauchte griechische Wort Pneuma umfasst in seinen Bedeutungen alles das, was wir mit unseren 5 Sinnen nicht erfassen können. Dieses Wort kann Gottes Schöpfergeist bedeuten, ebenso wie die Kraft, die den Menschen am Leben erhält; den Geist menschlicher Gedanken und des menschlichen Willens; die guten und bösen Geister, die den Menschen zu guten und bösen Taten verführen können. Ein Geist schließlich, der vergibt und verzeiht. Ein Geist, der den menschlichen Seelen Sanftmut einflößt.

Ein solcher Geist kann sich Menschen aus aller Welt und in jeder Situation verständlich machen. Wie der bunt gemischten Gemeinde in der Kirche des Diakoniewerks. Auf meinen fragenden Blick hin, wie das gelingen kann, sagte meine Kollegin: Im Grunde ist es ganz einfach. Das, was Kinder verstehen, verstehen auch Erwachsene. Umgekehrt funktioniert das nicht. Mich erinnert das an Jesu Worte, der angesichts einiger auf ihn zueilenden Kinder einen Psalmvers zitiert: Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hat sich Gott ein Lob bereitet. Das ist das Pfingstwunder. Das verbindet die Menschen im Geist Gottes. So teilt sich Gott jedem Menschen mit. Nicht nur in erstaunlichen Geistesleistungen sondern in jeder Stimme, und in jeder Tat, die von seiner Liebe zeugt. Jede und jeder unter uns ist dazu berufen; nicht nur die, die das extra gelernt haben. Jede und jeder unter uns mit einer unverwechselbaren, einzigartigen und sanftmütigen Stimme, die von Gott direkt aus dem Himmel kommt. In jeder Begegnung, die vom rettenden und liebenden Geist Gottes zeugt.

Amen.

  • Fürbitten

Herr,
wie können wir dein gutes Wort weitersagen,
wenn wir schon daran scheitern
uns untereinander zu verstehen.
Besorgt schauen wir auf die Ereignisse in der Welt;
wo immer wieder Unfrieden und Not ausbrechen.
Scheinbar sind wir uns einig, was gut ist und was nicht.
Aber ein unausrottbarer Geist in uns Menschen,
treibt uns immer wieder dazu, anderen
Leid anzutun, nur auf unser Wohl zu sehen
und den Nächsten zu vergessen.
Guter Gott,
deshalb brauchen wir deinen Geist,
der uns im Pfingstwind nicht nur dein Wort
sondern auch deinen Willen offenbart.
Sei bei uns, wenn wir beten.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Exaudi 2020

  • Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilgen Geistes. Amen.

  • Eröffnung

Sonntag Exaudi, zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, zwischen Himmel und Erde, zwischen Abschied und Wiederkehr. Wie der Heilige Geist die Apostel Jesu mit seiner Kraft erfüllt hat, erfülle er so auch uns mit Gebet, Lied und Wort. Wo immer wir auch sind.

  • Lied: „Komm, o Geist der Wahrheit“ (EG 136)

1) O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

2) O du, den unser größter Regent uns zugesagt: komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt. Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen
der ersten Christenheit.

3) Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je; darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh. Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu und musst uns ganz befreien
von aller Menschenscheu.

4) Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium.

  • Psalm

Worte aus Psalm 27

Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
Wenn die Übeltäter an mich wollen, mich zu verschlingen,
meine Widersacher und Feinde, müssen sie selber straucheln und fallen.
Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht;
wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn.
Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:
dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang,
zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu betrachten.
Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, / er birgt mich im Schutz seines Zeltes
und erhöht mich auf einen Felsen.

Und nun erhebt sich mein Haupt über meine Feinde, die um mich sind;
so will ich opfern in seinem Zelt mit Jubel,
ich will singen und Lob sagen dem Herrn.
Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!
Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf.
Herr, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.
Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.
Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

  • Worte aus dem Buch des Propheten Jeremia im 31. Kapitel

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

  • Gedanken zum Text

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Prophet Jeremia beschreibt vier Wege, wie Gott mit den Menschen in Kontakt tritt. Als ersten Weg benennt er den Bund mit den Vätern des Hauses Israel und des Hauses Jakob. Symbolisch und konkret ist dieser Bund in den 10 Geboten gefasst. Sie können in Worten von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Eine Äußerlichkeit. Ihr „Vorteil“ ist, dass sie klar benannt sind und für jeden verbindlich. Ihr „Nachteil“ besteht darin, dass sie auf ihrem Weg vom Äußeren zum Inneren verloren gehen, weil sich der Mensch nicht daran hält. Auf dem zweiten Weg, dem neuen Bund, werden Herz und Sinn direkt angesprochen. Die äußere Vermittlung ist nicht mehr notwendig. Das ist der neue Bund. Was ihn vom alten Bund unterscheidet, wird mit dem dritten Weg beschrieben. „Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«.“ Dieses Lehren geschieht z. B., wenn ich hier ein Bibelwort auslege. Was davon aber wirklich ankommt, bleibt offen. Der vierte Weg hingegen tritt dem Bund der Herzen und Sinne zur Seite, so dass „Klein und Gross ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr“ gedacht wird. Im menschlichen Miteinander entspricht dem gegenseitigen Verzeihen und Vergeben. Wie in der Bitte des Vaterunsers: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Jeremia gibt dem inneren Weg und der Vergebung Gottes den Vorzug. Ein Bund, der vom Menschen nicht mehr getrennt werden kann. Um es mit einem Besipiel zu beschreiben: Verantwortliche Eltern bieten ihren Kindern gesundes Essen an, weil ihnen deren Gesundheit am Herzen liegt. Das ist der neue Bund. Die Kinder haben keine Wahl und sie kennen auch nichts anderes. Der alte Bund geht davon aus, dass im Kühlschrank gesundes und ungesundes Essen liegt, und die Eltern den Kindern selbst die Entscheidung überlassen, was sie davon essen. Vorher haben sie ihnen noch gesagt, was gesund ist. Ob aber die Kinder danach handeln, bleibt offen.

Übertragen auf mein Glaubensleben bedeutet dies, dass ich unterschiedliche Bedürfnisse habe. Ein klare Anweisung, wie die 10 Gebote, erleichtern mein Leben insofern, dass ich dann genau weiß, was ich zu tun habe. Es kann aber auch schwer werden, wenn ich innerlich nicht davon überzeugt bin, dass sie für mich gut sind. Für meinen Glauben brauche ich manchmal die äußere Anweisung und manchmal trägt mich das, was ich in mir habe. Wenn Herz und Sinne schwach sind, dann ist es gut, jemanden zur Seite zu haben, der meinem Herzen und meinen Sinnen wieder auf die Sprünge hilft. Ein gutes Wort, eine hilfreiche Hand, eine liebevolle Geste.

Was Jeremia verheißt, ist ein Zustand, eine Zeit, in der diese Herzensschwäche ausgeschlossen ist. Die innere Gewissheit ist ein Bild für Pfingsten, wenn der Geist Gottes in mir Raum gewinnt und große Klarheit herrscht. Diese Momente sind erfüllt von einem Gefühl der Geborgenheit. Alles schwingt in diesem guten und liebevollen Geist. Angst und Zweifel haben keinen Platz. Zwang und Not und Schuld sind verflogen. Ich fühle mich gehalten, nichts steht in Frage, alles ist gut, wie im Paradies. So gibt Gott sich zu erkennen, Kleinen und Großen, in finsteren und hellen Tagen, im Vergeben und Verzeihen.

Amen.

  • Fürbitten

Herr,
schärfe unsere Sinne und weite unsere Herzen,
dass wir dein gutes Gebot und deinen Glauben
erkennen können.
Dass wir darauf vertrauen, dass in deiner Schöpfung,
Menschen und Tiere in Frieden leben können,
die bessere Einsicht schließlich Kraft gewinnt,
die Einsamkeit und der Schmerz überwunden werden,
Angst und Gier keinen Platz mehr haben.
Herr, heile uns von allen Zweifeln und mache es hell in uns
mit deinem guten Geist.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Christi Himmelfahrt 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

  • Vorbereiten

Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

Besonders zu Christi Himmelfahrt.

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

  • Den Psalm beten

Hört Worte aus Psalm 47:

Schlagt froh in die Hände, alle Völker,
und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!
Denn der HERR, der Allerhöchste, ist zu fürchten,
ein großer König über die ganze Erde.
Er zwingt die Völker unter uns
und Völkerschaften unter unsere Füße.
Er erwählt uns unser Erbteil,
die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt.
Gott fährt auf unter Jauchzen,
der HERR beim Schall der Posaune.
Lobsinget, lobsinget Gott,
lobsinget, lobsinget unserm Könige!
Denn Gott ist König über die ganze Erde;
lobsinget ihm mit Psalmen!
Gott ist König über die Völker,
Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.
Die Fürsten der Völker sind versammelt
als Volk des Gottes Abrahams;
denn Gott gehören die Schilde auf Erden;
er ist hoch erhaben.

  • Ein Lied singen: „Auf Christi Himmelfahrt allein“ (EG122)

1) Auf Christi Himmelfahrt allein ich meine Nachfahrt gründe und allen Zweifel, Angst und Pein hiermit stets überwinde. Denn weil das Haupt im Himmel ist, wird seine Glieder Jesus Christ zur rechten Zeit nachholen.

2) Weil er gezogen himmelan und große Gab empfangen, mein Herz auch nur im Himmel kann, sonst nirgends, Ruh erlangen; denn wo mein Schatz gekommen hin, da ist auch stets mein Herz und Sinn, nach ihm mich sehr verlanget.

3) Ach Herr, lass diese Gnade mich von deiner Auffahrt spüren, dass mit dem wahren Glauben ich mag meine Nachfahrt zieren und dann einmal, wenn’s dir gefällt, mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre doch mein Flehen!

  • Apostelgeschichte Kapitel 1,3-11

Jesus zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

  • Bild: Fra Filippo Lippi, Himmelfahrt, 1489.
Fra Filippo Lippi, Himmelfahrt, 1489. Details eines römischen Freskos in der Sammlung Santa Maria sopra Minerva
  • Gedanken zum Bild

Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel?, fragen die beiden Männer in weißen Gewändern die umstehenden Zeugen der Himmelfahrt Jesu. Na, immerhin passiert da schon was Außergewöhnliches, würde ich gern den himmlischen Boten der Apostelgeschichte zurufen. Und es ist interessant, wie sich angesichts des Geschehens in den einzelnen Gesichtern der Zeugen ihre menschlichen Eigenheiten zeigen. So wie auf dem Fresko von Filippo Lippis Himmelfahrt:

Einer kommt angelaufen. Er trägt einen Heiligenschein, wie es den Aposteln in der Himmelfahrtsgeschichte entspricht. Ob die anderen Gestalten auch einen haben, lässt sich auf der Darstellung nicht mit Sicherheit erkennen. Er kommt also mit eiligen Schritten herbei, aufgeregt zum Himmel deutend. Es scheint, als hätte er das Ereignis fast versäumt. Menschen mit Heiligenschein sind nicht vor Überraschungen gefeit, und manche auch nicht darauf gefasst.

Einer hält noch sein Buch in der Hand. Was in ihm festgeschrieben und verordnet wurde, mag ihm Manchesmal geholfen haben, die Welt zu deuten. Aber es gibt Dinge, die in keinem Buch festgehalten wurden. Sein halberloschener Blick zeugt davon, dass er mitunter der Wirklichkeit blind gegenübersteht. So lenkt die Gestalt neben ihm seine Aufmerksamkeit nach oben, weg vom Buch. So, als wollte er diesem Bücherwurm sagen: Genau das meinte ich! Kannst Du es nun sehen und begreifen?

Einer aber blickt ganz offen zum Himmel. Vielleicht gestattet ihm seine Jugendlichkeit diesen unvoreingenommenen Blick. Er muss das nicht gleich verstehen, was da gerade geschieht. Er ist schlicht voller Neugier. Und noch einer, der ist anscheinend dem Himmel schon näher als der Erde. Ganz erfüllt von der himmlischen Atmosphäre. Die Hände über der Brust verschränkt, übt er sich in stiller Andacht. Fast ist es so, als ob er mit seinem ganzen Körper das Geschehen erfassen kann.

Und noch einer, der blickt dem schwindenden Leib Jesu nach, wie einer ein geliebtes Wesen ziehen lässt. Nicht gern, weil er ihm nah sein will und voller Sehnsucht ist nach seiner Nähe. Aber seine Liebe gestattet ihm nichts anderes als diese Haltung. Er vertraut darauf, dass die Liebe größer ist als jede Entfernung zwischen ihnen.

Und schließlich gibt es im Hintergrund noch zwei Gestalten, die sich offenbar lieber dem Vieh zuwenden. Die Füße fest auf der Erde, haben sie schon wieder etwas Anderes zu tun. Vielleicht sind es gerade diese, die den Worten der beiden Himmelsboten den größten Glauben schenken. Er wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. Amen.

  • Beten

Himmlischer Vater,

hier auf Erden sind wir so, wie du uns gemacht hast. Voller Hoffnung, Glauben und Liebe ebenso wie voller Angst, Mißtrauen und Habsucht.
Du meinst es gut mit uns. So zeige uns den Himmel auf Erden, wenn wir uns zwischen den Dingen der Erde und in uns selbst verirren.

Leite uns auf deinem Weg und lenke unsere Blicke und Gedanken auf deinen Frieden.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Rogate 2020

  • Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilgen Geistes. Amen.

  • Eröffnung

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft
noch seine Güte von mir wendet.

Dieses Wort aus dem Psalm 66 steht über dieser Woche,
die wir wieder mit einem Gottesdienst in der Kirche eröffnen.
Es sagt uns zu, dass Gott uns hört;
unter dem Kirchendach ebenso wie in unserem Zuhause.

  • Lied: „Der schöne Ostertag“ (EG 117)
  • Psalm

Worte aus Psalm 95

Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken

und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen

und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der Herr ist ein großer Gott

und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,

und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht,

und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien

und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott

und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

  • Evangelium

Worte aus dem Matthäusevangelium im 6. Kapitel Verse 5-15

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

  • Gedanken zum Text

Liebe Hörerin, lieber Hörer,

Das Vaterunser hat besonderes Gewicht in unserem Glaubensleben. Ich frage mich, wann ich es wohl zum ersten Mal gehört habe. In meiner Familie, die der Kirche sehr nahe stand, sicher schon früh. Heute weiß man, dass dem ungeborenen Menschen die Stimme seiner Mutter bereits im Mutterleib vertraut ist. Ich vermute deshalb,  dass ich den besonderen Rhythmus der Worte schon vor meiner Geburt vernommen habe.
Es gibt aber eine Zeit in meinem Leben, da ist mir dieses Gebet besonders wichtig geworden. Die ersten Besuche als Seelsorger habe ich oft mit diesem Gebet abgeschlossen. Mir war es deshalb wichtig, dass ich es nicht nur in der Gemeinschaft sondern auch „allein“ sicher auswendig sprechen kann. Learning by Heart, heißt es im Englischen; dass es von Herzen kommt.

Die große Kraft, die dieses Gebet in sich trägt, rührt von seinem häufigen Gebrauch her. So wird es laut, wenn in der Gemeinde gemeinsam gebetet wird; ebenso aber auch leise, wenn ich es etwa in großer Not oder aus Dankbarkeit nur für mich und meinen Nächsten spreche.

Darüber hinaus hat es einen gewichtigen Ort in der Bibel. Im Matthäusevangelium steht es – im buchstäblichen Sinne – inmitten der Bergpredigt; jener großen Rede Jesu, die über mein Verhältnis zu Gott und seinen Geboten umfassend, ernst und hoffnungsvoll nachdenkt. Meine ganze christliche Existenz wird darin erschlossen. Diese Gedanken Jesu bewegen sich um den Mittelpunkt des Vaterunsers. Was hier zur Sprache kommt, kann somit als der Kern meines Lebens in Jesus Christus angesehen werden. Demut und Vergebung sind die nächsstehenden Stücke der Rede, die das Gebet unmittelbar umgeben. Was du Gott zu sagen hast, kommt von ihm. Rühme dich damit nicht öffentlich, sondern spreche sie im stillen Kämmerlein. So leitet Jesus sinngemäß das Vaterunser ein. Sanft und zärtlich und zurückhaltend soll mein Gottesverhältnis sein. Es taugt nicht, damit anzugeben oder vor anderen damit groß zu tun. Es taugt nicht für meine Begierden nach Macht und Einfluß über andere Menschen. Wie oft wird und wurde diese Forderung mißachtet. Der wahre Grund dieses Gebet aber ist einerseits das Geschenk dieser Worte, das ich vom Gottessohn selbst erhalten habe. Von Anfang an kann ich mich dort hineinfallen lassen. Wenn mir nichts mehr einfällt, wenn ich verzweifelt bin und mir die Worte fehlen, spreche ich das Vaterunser. Der eingangs geschilderte Umstand, dass ich sie wohl schon im Bauch der Mutter gehört habe, ist dafür ein sprechendes Bild. Warm und geborgen finde ich Schutz und Frieden in diesen Worten. Andererseits liegt sein Grund im Umgang  mit meinen Mitmenschen. So wie Jesus in der Bergpredigt die Gebote Gottes auslegt, legt auch das Vaterunser großes Gewicht auf die Vergebung, die mir oft so schwer fällt ebenso wie auf die Versuchungen, denen ich so leicht erliegen kann. Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. So endete ursprünglich das Gebet. Still und nachdenklich, von der dringenden Forderung durchwoben, dem Gebot der Nächstenliebe und schließlich auch dem Gebot der Gottesliebe durch den eigenen Sinneswandel und durch eigene Friedfertigkeit zu genügen.

Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet; das sagt mir Jesus zu.  Jedes Wort des Vaterunsers richte ich deshalb zunächst auf meinen Nächsten. Durch ihn führt es direkt zu Gott. Dort klingt es wie Posaunen, hell und klar; und schenkt mir Gottes Segen und seinen himmlischen Frieden.

Amen.

  • Fürbitten

Gott, guter Vater,

Du weißt, wessen wir bedürfen, in guten und und in bösen Tagen.
Manchmal fällt es uns aber schwer,
dafür gute Worte zu finden.

Nicht nur für unsere Not hier,
der wir einerseits in Dankbarkeit gegenüberstehen;
wie wohl behütet wir hier sind,
gut versorgt, medizinisch, mit ausreichend Lebensmitteln und einem Dach über dem Kopf;
der wir andererseits abspüren, wie wir tief in uns wirklich ticken.

Nein, auch über das Naheliegende hinaus:
dort, wo Menschen nicht nur mit dem Virus kämpfen;
sondern ebenso mit Krieg, mit Hunger, mit Gewalt;
dort, wo Menschen in unserer Nähe
jetzt besonders spüren, wie schwer die Einsamkeit und der Verlust eines lieben Menschen wiegen können.
Herr, durch deine Worte senke in unsere Herzen;
dass wir das Volk deiner Weide sind und Schafe in deiner Hand:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Lied: „Vater unser, Vater im Himmel“ (EG 188)
  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Kantate 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

Die Glocken läuten – ich mache mich auf. Nicht mit den Füßen.
Sondern mit meinen Gedanken. Mit meinem Atem. Mit meiner Seele.
Wo immer ich gerade bin.

  • Vorbereiten

Ich höre auf mit dem, was mich gerade beschäftigt,
und höre auf das Läuten.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Lass mich zur Ruhe kommen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht meine Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Wochenpsalm beten

Worte aus dem Gebetbuch der Bibel.
Worte aus Psalm 69.

Singet dem Herrn ein neues Lied,

denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten

und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil kundwerden;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt,

singet, rühmet und lobet!

Lobet den Herrn mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken,

und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

  • Ein Lied singen

Ich bin getauft auf seinen Namen (EG 200)

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=692&buch=21#player

1) Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;
ich bin gezählt zu deinem Samen,
zum Volk, das dir geheiligt heißt;
Ich bin in Christus eingesenkt,
ich bin mit seinem Geist beschenkt.

2) Du hast zu deinem Kind und Erben,
mein lieber Vater, mich erklärt;
du hast die Frucht von deinem Sterben,
mein treuer Heiland, mir gewährt;
du willst in aller Not und Pein,
o guter Geist, mein Tröster sein.

3) Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe,
Treu und Gehorsam zugesagt;
ich hab, o Herr, aus reinem Triebe
dein Eigentum zu sein gewagt;
hingegen sagt ich bis ins Grab
des Satans bösen Werken ab.

4) Mein treuer Gott, auf deiner Seite
bleibt dieser Bund wohl feste stehn;
wenn aber ich ihn überschreite,
so lass mich nicht verloren gehn;
nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an,
wenn ich hab einen Fall getan.

5) Ich gebe dir, mein Gott, aufs Neue
Leib, Seel und Herz zum Opfer hin;
erwecke mich zu neuer Treue
und nimm Besitz von meinem Sinn.
Es sei in mir kein Tropfen Blut,
der nicht, Herr, deinen Willen tut.

6) Lass diesen Vorsatz nimmer wanken,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist.
Halt mich in deines Bundes Schranken,
bis mich dein Wille sterben heißt.
So leb ich dir, so sterb ich dir,
so lob ich dich dort für und für.

  • Auf Gottes Wort hören

Worte aus dem Evangelium für den heutigen Sonntag Kantate.
Sie stehen bei Lukas, im 19. Kapitel.

Als Jesus schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: 

Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm:

Meister, weise doch deine Jünger zurecht!

Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

  • Gedanken zum Text

Einen großen, feierlichen Gottesdienst hatten wir geplant als Gemeinden im Süden, als evangelische und katholische Christen, an diesem Sonntag: Einen Gottesdienst zur Tauferinnerung. Den können wir nun nicht feiern. Aber über die Taufe nachdenken, das möchte ich trotzdem. Diese Gedanken teile ich gerne mit ihnen auf diesem Weg. Gedanken zur Taufe. Und auch zum Evangelium des heutigen Sonntags.

„Ich bin getaut auf deinen Namen.“ So beginnt der Text von Johann Jakob Rambach in dem Lied, das in den evangelischen Kirchen bei vielen Taufen gesungen wird.

Doch was heißt es eigentlich, dass ich getauft bin? Getauft auf „deinen Namen“?

Ich krame meine Taufurkunde hervor. Ich lese die Namen und Daten.

Was heißt das, dass ich getauft bin?

Es heißt wohl mindestens dies: An einem ganz konkreten Tag, an einem ganz konkreten Ort wurde mir öffentlich, sichtbar und hörbar zugesagt: Du bist einmalig. Du bist von Gott geliebt und dadurch einzigartig. Egal, welche Urteile die Welt und die Menschen noch über dich fällen mögen, egal was aus deinem Leben wird, ob es glücklich verläuft oder nicht, ob es lange währt oder nur kurz, egal, was auch immer du selber von dir und über dich denken magst: Diese Zusage kannst Du nicht mehr verlieren.

Und es gab Menschen, die haben mich in diese Zusage hineingestellt. Die haben mich zum Taufstein gebracht. Meine Eltern und Paten, Freunde der Familie, Geschwister: Sie alle waren dabei. Mit ihren Hoffnungen und Wünschen für mein Leben. Mit ihrer Freude über mich. Mit ihren Sorgen und Zweifeln.

Sie haben gebetet und gesungen, sie haben gelacht und vielleicht auch geweint.

All das gehört zu meiner Geschichte. Selbst wenn ich eines Tages an der Kirche verzweifeln und ihr den Rücken kehren sollte. Selbst wenn ich am Glauben zweifeln und ihn verlieren sollte: Es steht geschrieben und ist bezeugt, dass mir gesagt ist: Du gehörst zu Gott, der die Liebe ist.

Nun kann und will ich mir nicht vorstellen, dass diese Zusage nur denen gilt, die getauft sind. Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass Gottes Liebe, die den Tod überwunden hat, an irgendeiner Grenze Halt macht. Und schon gar nicht, dass Gottes Liebe Mitgliedsausweise kennt oder nach Taufurkunden fragt. Alle Menschen sind seine Geschöpfe, alle Menschen sind seine geliebten Gotteskinder.

Wo ist dann aber der Unterschied zwischen getauft und nichtgetauft?

Ich denke: Als getaufter Christ kann ich niemals mehr so tun, als wüsste ich nicht von Gott. Als hätte er mit mir nichts zu tun. Nur um den Preis der Verleugnung meiner Lebensgeschichte. Ich bin getauft, das heißt: Niemals kann ich meine Lebensgeschichte erzählen ohne den Namen Jesus Christus.

Ich kann aus der Kirche austreten und den Glauben verlieren, aber niemals kann ich so tun, als hätte ich seine Geschichte und seinen Ruf nicht gehört. Als hätte ich den Ruf und den Gesang seiner ersten Jüngerinnen und Jünger nicht gehört: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“

Ich bin angerufen als einer, der den Namen des Herrn kennt.
Ich bin von ihm angeredet, als Kind der Liebe und des Friedens.
Ich bin dazu aufgerufen, dem Frieden und der Liebe nachzujagen,
ihnen Raum zu geben in meinem Leben und auf dieser Welt.

Heute am Sonntag Kantate höre ich den Ruf neu.
Ich will in diesen Ruf einstimmen. In meinem Tun und Lassen. Im Singen und Beten.
In der Gewissheit: Ich kenne seinen Namen. Und er den meinen.

Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Amen.

  • Beten

Gott,

in der Taufe hast Du uns angerufen als die deinen.
Lass uns deinen Ruf hören.

Lass uns deinen Ruf des Friedens hören,
und für ihn einstehen,
wo Krieg und Zerstörung sich ausbreiten.

Lass uns deinen Ruf der Versöhnung hören
und für ihn einstehen,
wo Ausgrenzung und Feindbilder sich ausbreiten.

Lass uns deinen Ruf der Liebe hören,
und für ihn einstehen,
wo Wut und Hass sich ausbreiten.

Wir beten zu dir mit den Worten Jesu:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

(Pfarrer Georg Bucher)

Jubilate 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

Heute ist der Sonntag Jubilate, der mit dem Psalm 66 in den Jubel über die Auferstehung Jesu einstimmt. Der Wochenspruch verbindet diese Freude mit der Gegenwart Jesu: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm beten

Worte aus Psalm 66:

Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsinget zur Ehre seines Namens;
rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir,
lobsinge deinem Namen.

Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom;
dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,
seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,
lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.

  • Gebet

Guter Gott, mit dir finden wir Frieden und können Frieden weitergeben. Bewahre unseren Glauben durch Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

  • Ein Lied singen

EG 432: „Gott gab uns Atem, damit wir leben“

1) Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

2) Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

3) Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

  • Evangelium nach Johannes 15,1-8

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

  • Gedanken zum Text

Das erste Bier schmeckt am besten. Noch verschwitzt und verdreckt, direkt nach der Arbeit. Auf dem Bauernhof meines Freundes gibt es immer etwas zu tun. Nach einem Tag voller Arbeit genießen wir dann die Freude über das, was wir geschafft haben. Eine Mauer eingerissen, eine neue Mauer hochgezogen; geplant, Sachen ran geschafft, umgesetzt und aufgeräumt; wieder etwas in Ordnung gebracht. Zufrieden betrachten wir unser Werk. Ein guter Tag und ein wohlverdienter Feierabend. Noch vor der Dusche.

Jesu Wort ist erstaunlich. Ihr seid schon rein um des Wortes willen. Offenbar muss ich nichts tun, um rein zu sein. Jesus umschreibt das mit dem Bild des Weinstocks. Sein Vater ist der Gärtner, Jesus ist der Weinstock und wir sind die Reben. Unter Jesu Wort bin ich fruchtbringender Teil im Weinberg. Ich brauche den strengen Blick des Weingärtners nicht zu fürchten. Im Vertrauen auf das Wort Jesu, das sich in dieser österlichen Zeit in seiner Auferstehung erfüllt, wird auch mein Leben zuguterletzt in Gott bewahrt und voller Frieden sein.

Dieser Sprung im Vertrauen und Glauben, der letztlich nicht auf mein Werk, sondern auf die gute Botschaft Jesu setzt, macht mich frei von allen Äußerlichkeiten. Mein innerer Frieden in diesem Glauben ist entscheidend. Dennoch darf ich meine dunklen Seiten und Unzufriedenheiten, meine Sorgen und Ängste nicht einfach ignorieren. Und erst recht nicht die meiner Nächsten. Es ist nicht damit getan, auf die Gemeinschaft mit Jesu, auf das Bild der Reben am Weinstock hinzuweisen. Damit ist nicht von selbst alles gut. Der Sprung im Glauben bewahrheitet sich, wenn ich meinem Nächsten und mir mit Verständnis und Liebe begegne. Das ist das Zeichen, dass ich schon rein um des Wortes Jesu willen bin. So kann ich vor Gottes Augen bestehen.

Ich gebe zu, dass mich die Arbeit auf dem Bauernhof nicht mit derselben großen Leidenschaft erfüllt wie meinen Freund. Aber mir liegt daran, die gemeinsame Zeit mit ihm bewußt so zu verbringen. Wir können dann die Arbeit teilen, was mir durchaus auch ziemlich viel Mühe macht bei der ungewohnten körperlichen Belastung. Aber er weiß das zu schätzen. Unser Miteinander ist der eigentliche Grund für den tiefen Frieden, der unseren Feierabend und unser ganzes Leben schmackhaft und fruchtbar macht.

Amen.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Gott, in Jesu Wort finden wir Zufriedenheit ebenso wie die nötige Gelassenheit für die gegenwärtigen Tage.
Gib uns aber ein weites Herz, dass wir mit deinem Frieden den Frieden untereinander vermehren.
Angst und Sorgen bestimmen wie nach wie vor unsere Zeit.
Schenke uns deshalb die Einsicht, dass wir uns nur miteinander in Geduld und Sanftmut üben können.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Miserikordias Domini 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

Heute ist der Sonntag Misericordias Domini. Die „Barmherzigkeit Gottes“ verbunden mit dem tragenden Bild des guten Hirten. Die vertrauten Worte des Psalms 23 leiten diese Andacht ein.


Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm beten

Hört Worte aus Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

  • Gebet

Guter Gott,
du hast uns im Blick.
Auch wenn wir uns im Dunkeln verbergen.
Dein Licht strahlt in unsere Nacht.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

  • Ein Lied singen

Wochenlied ist heute die Nummer 274 im Gesangbuch: Der Herr ist mein getreuer Hirt. Der Text des Liedes wurde nach Worten des 23. Psalms gestaltet. Zu Beginn des Jahres haben wir es noch bei einem Seniorennachmittag in gewohnter Runde gesungen.

1) Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute, darin mir gar nicht mangeln wird jemals an einem Gute. Er weidet mich ohn Unterlass, da aufwächst das wohlschmeckend Gras seines heilsamen Wortes.

2) Zum reinen Wasser er mich weist, das mich erquickt so gute, das ist sein werter Heilger Geist, der mich macht wohlgemute; er führet mich auf rechter Straß in seim Gebot ohn Unterlass um seines Namens willen.

3) Ob ich wandert im finstern Tal, fürcht ich doch kein Unglücke in Leid, Verfolgung und Trübsal, in dieser Welte Tücke: denn du bist bei mir stetiglich, dein Stab und Stecken trösten mich, auf dein Wort ich mich lasse.

  • Predigttext 1. Petrus 2,21b-25

Da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

  • Gedanken zum Text

Der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz: Christus trägt meine Sünden hinauf an seinem Leib auf das Holz. Dieser Gedanke wird in der Philosophie schon seit über 200 Jahren zurückgewiesen. Immanuel Kant spricht von einer „allerpersönlichsten Schuld“, die der Mensch auch nur persönlich sühnen kann. Niemand anders kann sie auf sich nehmen. Auch nicht Christus. Die gute Botschaft des Petrusbriefes scheint damit erledigt zu sein.

Ihr wart wie irrende Schafe: Ich messe meine Sünde nicht an einem allgemein verbindlichen Gesetzeskatalog. Vielmehr messe ich sie an meinem inneren Kompass, der sich selbstverständlich an den 10 Geboten und am bürgerlichen Gesetzbuch orientiert, ebenso aber auch an meiner Erziehung und an meinen Erfahrungen mit meinen Mitmenschen. Daraus bilde ich mir eine persönliche Richtschnur, nach der ich mich und mein Verhalten ausrichte. Wenn ich davon abweiche, dann bemächtigt sich meiner Scham und Erschrecken. Da bin ich nicht ich selbst gewesen!, möchte ich dann ausrufen. Das ist nicht das Bild von mir, was ich meinen Mitmenschen zeigen möchte. Ja, das kann passieren, dass ich mich in mich selbst verirre; aus Not oder in Bedrängnis. Aber ich bin es dennoch selbst gewesen. Ich merke dann, wie dünn die Decke ist, die mich vor meinen dunklen Seiten bewahrt. So kenne ich mich gar nicht!, gebe ich dann entschuldigend zu; und hoffe, dass es in Vergessenheit gerät, was geschehen ist, oder mir zumindest nicht angerechnet wird.

Durch seine Wunden seid ihr heil geworden: Christus trägt meine Sünden hinauf an seinem Leib auf das Holz. Er macht das Gesagte und Getane nicht ungeschehen. Aber er erkennt mich auch unter der Sünde. Er lüftet den Schleier des Bösen, das in mir wohnt und mitunter zu Tage tritt, und sieht darunter das Gotteskind, dass sich dann selbst nicht mehr erkennt. Wie weit ich mich auch verirre, er findet mich. Er ist der gute Hirte meiner Seele, richtet mich auf, macht mich heil, schenkt mir Frieden, nimmt mich so an, wie ich wirklich bin.

Amen.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Hilf mir, Gott, dass ich mich nicht in mich selbst verfange;
dass ich nicht nur meine eigenen Bedürfnisse und Nöte zum Maßstab meines Handelns mache;
dass mir die Augen meines Herzens geöffnet werden, um meinen Nächsten anzunehmen mit allem Guten und Bösen;
dass ich trotz der Zeit und der Umstände mein Vertrauen auf dich nicht verliere
und weiß, dass ich dein Gotteskind bin in hellen und auch in dunklen Tagen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Quasimodogeniti 2020

Heute ist der Sonntag Quasimodogeniti. Wie ein Neugeborenes, heißt das ins Deutsche übersetzt; und erinnert uns daran, dass Gott neues Leben schafft und erhält.

Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm beten

Worte aus Psalm 116

Das ist mir lieb,

dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.

Denn er neigte sein Ohr zu mir;

darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen, / des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;

ich kam in Jammer und Not.

Aber ich rief an den Namen des Herrn:

Ach, Herr, errette mich!

Der Herr ist gnädig und gerecht,

und unser Gott ist barmherzig.

Der Herr behütet die Unmündigen;

wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;

denn der Herr tut dir Gutes.

Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,

mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem Herrn

im Lande der Lebendigen.

  • Gebet

Guter Gott,

du trägst uns ins Leben wie eine Mutter ihr Kind.

Bei dir sind wir geborgen.

Dein Licht strahlt in unsere Nacht.

Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

  • Ein Lied singen

EG 108: „Mit Freuden zart“

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=788&buch=21#player

1) Mit Freuden zart zu dieser Fahrt lasst uns zugleich fröhlich singen, beid, groß und klein, von Herzen rein mit hellem Ton frei erklingen. Das ewig Heil wird uns zuteil, denn Jesus Christ erstanden ist, welchs er lässt reichlich verkünden.

2) Er ist der Erst, der stark und fest all unsre Feind hat bezwungen und durch den Tod als wahrer Gott zum neuen Leben gedrungen, auch seiner Schar verheißen klar durch sein rein Wort, zur Himmelspfort desgleichen Sieg zu erlangen.

3) Singt Lob und Dank mit freiem Klang unserm Herrn zu allen Zeiten und tut sein Ehr je mehr und mehr mit Wort und Tat weit ausbreiten: so wird er uns aus Lieb und Gunst nach unserm Tod, frei aller Not, zur ewgen Freude geleiten.

  • Predigttext: Jesaja 40

Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat all dies geschaffen?
Gott führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen;
seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst:
»Mein Weg ist dem Herrn verborgen,
und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?
Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat,
wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft
und Stärke genug dem Unvermögenden.
Jünglinge werden müde und matt,
und Männer straucheln und fallen;
aber die auf den Herrn harren,
kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden.

  • Gedanken zum Text

Lea macht sich Sorgen. Seit Wochen hat sie ihre Oma nicht besuchen können. Sie möchte nicht, dass sie krank wird. So hat es ihr ihre Mutter erklärt. Dass sie schon die ganze Zeit zu Hause ist und nicht zur Schule geht, findet sie eher komisch.  Nur manchmal eben beschleicht sie eine schwer zu fassende Furcht. Gut, dass ihre Mutter jetzt in der Nähe ist. Dann geht sie zu ihr und drückt sie fest an sich.

Herr Müller ist traurig. Das kleine Haus am Stadtrand wirkt so leer ohne seine Frau. Seine Gedanken wandern. Er denkt an die Trauerfeier im kleinen Kreis. Er denkt zurück an die guten Jahre mit ihr. Ein zärtliches Lächeln liegt auf seinem Gesicht, wenn er sich an die ersten Begegnungen mit ihr erinnert. Sie fehlt ihm sehr. Sein ganzes Herz ist voll davon. Aber er ist dankbar, wenn er mit seiner Tochter telefoniert und spürt, dass er die Trauer nicht alleine tragen muss.

Marleen ist wütend. Über die Ungerechtigkeit in der Welt. Sie möchte ihren Reichtum gerne teilen mit den Menschen, die fast gar nichts zum Leben haben. Wenn sie über die Zustände in den Flüchlingslagern liest, könnte sie schreien vor Zorn. Sie versteht nicht, warum niemand hilft. Sie fühlt sich ohnmächtig angesichts dieser Zustände. Doch der Zorn gibt ihr auch Kraft. Mit allen Mitteln und bei jeder Gelegenheit erinnert sie daran, dass wir nicht alleine auf der Welt leben. Der Zuspruch, den sie erfährt, gibt ihr Hoffnung.

Der Prophet Jesaja ermuntert mich zum aufrechten Gang:
Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Diese Haltung stärkt mich und weitet meinen Blick.
Oft reicht er nicht sehr weit. Dann bleibe ich hängen an dem, was mein Leben unmittelbar umgibt. Sorgen, Trauer und Zorn bestimmen mein Gemüt. Diese Gefühle scheinen stärker zu werden, je weniger ich den Mut habe, meinen Blick aufzurichten. Als ob es dadurch noch schlimmer werden könnte, was ich dann sehe und was in Zukunft auf mich zukommen kann. Unüberschaubar ist das. Unausforschlich. Jesaja beschreibt dieses Umsichselbstkreisen mit den Worten: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber.« Genau das beschreibt mein Gefühl. Niemand sieht meine Sorge, niemand sieht meinen Kummer, niemand sieht meine Angst. Und niemand interessiert sich dafür.

Es ist dann schwer, Hoffnung zu fassen und eine bessere Zukunft in den Blick zu bekommen. Alles das ist so schwer zu begreifen. 

Jesaja sagt aber: Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Ich richte meinen Blick auf und merke plötzlich, dass meine Gedanken mich irre geführt haben. Meine Müdigkeit hat meine Augen verschlossen. Wenn ich sie aber öffne, finde ich neue Kraft. Nicht in einer ferne bn Zukunft. Sondern mitten in der Gegenwart. Eine Hand, die mich hält. Ein Wort, dass mir Mut zuspricht. Ein Herz, dass meine Traurigkeit teilt.

Gott gibt mir in den Menschen, die mir nah sind und ebenso besorgt, bekümmert und wütend,  Stärke und Geborgenheit.

Amen.

Ein Lied singen EG303

  • Ein Lied singen

EG 303: „Lobe den Herren, o meine Seele“

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=880&buch=21#player

1 Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in‘ Tod; weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat. Halleluja, Halleluja.

3 Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hilfe der Gott Jakobs ist, welcher vom Glauben sich nicht lässt trennen und hofft getrost auf Jesus Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am besten Rat und Tat. Halleluja, Halleluja.

4 Dieser hat Himmel, Meer und die Erden und was darinnen ist gemacht; alles muss pünktlich erfüllet werden, was er uns einmal zugedacht. Er ist’s, der Herrscher aller Welt, welcher uns ewig Treue hält. Halleluja, Halleluja.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Hilf mir,
dass ich in aller Ungewissheit und Angst
nicht das Vertrauen verliere.
Lass mich und die anderen besonnen bleiben.
Bewahre die Schwachen.
Sorge für die Kranken.
Sei bei allen, die sterben.
Beschütze alle,
die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten,
die Kranke pflegen,
Eingeschlossene versorgen
und sich darum bemühen, dass wir haben,
was wir zum Leben brauchen.


Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Ostermontag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

Nein, wir haben uns noch nicht an diese Zeit gewöhnt. Heute würde der Osterspaziergang „nach Emmaus“ anstehen, den wir gemeinsam mit den Gemeinden in Wörmlitz-Böllberg und Gesundbrunnen unternehmen würden.

Aber auch heute, am Ostermontag gilt:
Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm zu Ostermontag beten

Hört Worte aus Psalm 118,
um mit ihnen zu danken, zu klagen, zu loben:

Der Herr ist meine Macht und mein Psalm
            und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten:
            Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Die Rechte des Herrn ist erhöht;
            die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben
            und des Herrn Werke verkündigen.

Der Herr züchtigt mich schwer;
            aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,
            dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

Das ist das Tor des Herrn;
            die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir, dass du mich erhört hast
            und hast mir geholfen.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
            ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen
            und ist ein Wunder vor unsern Augen.

Dies ist der Tag, den der Herr macht;
            lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

  • Ein Lied singen

„Wir wollen alle fröhlich sein“ (EG 100,1.5)

1) Wir wollen alle fröhlich sein
in dieser österlichen Zeit,
denn unser Heil hat Gott bereit‘.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

5) Des freu sich alle Christenheit
und lobe die Dreifaltigkeit
von nun an bis in Ewigkeit.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

  • Gedanken

Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden, und sprach zu ihnen: So steht’s geschrieben, dass der Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Von Jerusalem an seid ihr dafür Zeugen. Und siehe, ich sende auf euch, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.

Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Das hat Hand und Fuß, heisst eine Redewendung. Sie gibt in guter Zuversicht wieder, dass eine Sache oder eine Planung taugt. Sie ist für den Alltag genügend. Mag der äußere Anschein auch dagegen sprechen. Oder vielerlei Bedenken, die das eine oder andere dagegen einzuwenden haben. Nein, sagt da die Stimme dieser Worte, nein, so können wir es machen; und es wird zu einem guten Ende führen. Der auferstandene Christus ist kein Geist, kein Gespenst, kein Hirngespinst, keine kettenklirrende und angstmachende Erscheinung aus der Vergangenheit. Christus ist gegenwärtig, mit Fleisch und Knochen und hat Hand und Fuß. Auch heute!

Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen. Der auferstandene Christus isst. Fisch liegt nahe. Das ist die Speise seiner Kindheit. Wie sie wohl zubereitet war? Haben die Jüngerinnen und Jünger den Fisch gebraten? Gab es Beilagen? Und welche Sorte Fisch war es? Wichtig allein aber ist, dass Jesus isst. Er tut seinem Körper etwas Gutes. Er genießt sein Leben. Auch der auferstandene Körper braucht was zwischen die Zähne. Er ist kein unfassbarer Seelengeist, sondern ein Körper von Fleisch und Blut. So wie ich. Ängstlich, begeistert, hungrig, zufrieden, liebebedürftig und liebegebend, voller Energie oder auch müde. So nah, wie ich mir selbst bin, ist mir auch der auferstandene Christus.

Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden. Jesus will, dass ich verstehe. Hier sieh, sagt er, das ist alles schon immer von mir gesagt worden. Ich bringe dir keine unverständliche Neuigkeit. Vertraue dem, was dir schon immer vor Augen war. Lese es noch einmal. Sortiere es neu ein. Und vergiss es nicht, auch wenn es dunkel um dich wird und wenn dich das Leben bedrückt. Und ich schaue ich mich um und sehe alles das, von dem Jesus spricht. Dunkles und Helles, Totes und Lebendiges, Schweres und Leichtes. Jesus ist mir aber nah. Im Leben und im Leben darüber hinaus. Der Tod ist nicht mehr in Gottes Hand.

Amen.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Still sein

Ich will dir danken, Gott, dass wir auch in diesen Tagen deine Nähe erfahren können. Deine Botschaft muss nicht ruhen. Manche neue Wege der Verkündigung über Internet, Postkasten und Telefon sind vielleicht ungewohnt. Aber das ist deiner Botschaft nah, dass wir sie auch heute anders hören lernen.

Still sein

Ich denke an die Menschen, die nicht nur in Krisenzeiten einsam sind. Menschen sind wir aus Fleisch und Blut; und so ist uns diese Nähe überlebenswichtig. Gebe uns Kraft und Kreativität, auch denen nah zu sein, die uns nicht so nah sind.

Still sein

Hilf mir,
dass ich in aller Ungewissheit und Angst
nicht das Vertrauen verliere.
Lass mich und die anderen besonnen bleiben.
Bewahre die Schwachen.
Sorge für die Kranken.
Sei bei allen, die sterben.
Beschütze alle,
die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten,
die Kranke pflegen,
Eingeschlossene versorgen
und sich darum bemühen, dass wir haben,
was wir zum Leben brauchen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Ostersonntag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

  • Vorbereiten

Wie gern wären wir jetzt beieinander.
Wie sehr fehlt die Gemeinschaft:
Gemeinsam lachen, reden, singen, beten, feiern.
All das ist nicht möglich. Das schmerzt.

Lasst uns trotzdem aufbrechen, mit dem Läuten der Glocken.
Nicht mit den Füßen. Sondern mit unseren Gedanken.
Mit unserer Seele.
Mit unserem Herzen.
Wo immer wir gerade sind.

Lasst uns im Geläut den Ruf erklingen hören:
Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

  • Anfangen

Lass uns zur Ruhe kommen, Herr.
Sammle uns aus aller Zerstreuung.
Hol uns in deine Liebe.
Lass uns spüren: Wir sind nicht allein. Wir sind geborgen und vereint in Dir.  

  • Den Wochenpsalm beten

Worte aus dem Gebetbuch der Bibel.
Worte aus Psalm 118.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

            Der Herr ist meine Macht und mein Psalm

und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:

Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

            Die Rechte des Herrn ist erhöht;

die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben

und des Herrn Werke verkündigen.

            Der Herr züchtigt mich schwer;

aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,

dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

            Das ist das Tor des Herrn;

die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir, dass du mich erhört hast

und hast mir geholfen.

            Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,

ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen

und ist ein Wunder vor unsern Augen.

            Dies ist der Tag, den der Herr macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

            Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

            Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

  • Ein Lied singen

EG 101: Christ lag in Todesbanden

1) Christ lag in Todesbanden, für unsre Sünd gegeben, der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben. Des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dankbar sein und singen Halleluja. Halleluja.

2) Den Tod niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern; das macht alles unsre Sünd, kein Unschuld war zu finden. Davon kam der Tod so bald und nahm über uns Gewalt, hielt uns in seim Reich gefangen. Halleluja.

3) Jesus Christus, Gottes Sohn, an unser Statt ist kommen und hat die Sünd abgetan, damit dem Tod genommen all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Tods Gestalt, den Stachel hat er verloren. Halleluja.

4) Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben ‚rungen; das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen. Die Schrift hat verkündet das, wie ein Tod den andern fraß, ein Spott aus dem Tod ist worden. Halleluja.

5) Hier ist das recht Osterlamm, davon wir sollen leben, das ist an des Kreuzes Stamm in heißer Lieb gegeben. Des Blut zeichnet unsre Tür,b das hält der Glaub dem Tod für, der Würger kann uns nicht rühren. Halleluja.

6) So feiern wir das hoh Fest mit Herzensfreud und Wonne, das uns der Herr scheinen lässt. Er ist selber die Sonne, der durch seiner Gnaden Glanz erleucht‘ unsre Herzen ganz; der Sünden Nacht ist vergangen. Halleluja.

  • Auf Gottes Wort hören

Worte aus dem Markusevangelium, im 16. Kapitel.

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander:
Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 
Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. 
Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen:
Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten.
Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.
Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

  • Gedanken zum Text

„…sehr früh, als die Sonne aufging.“

Noch ist es nicht wieder ganz hell
als die Frauen zum Grab aufbrechen.

Noch können wir nicht wieder beisammen sein.
Noch sitzen wir zu Hause.

Öl bringen die Frauen zum Grab,
um den Geruch des Todes zu vertreiben.
Um dem Gesicht des Verstorbenen, Jesus,
noch einmal den Glanz des Lebens zu verleihen.
Sie hängen noch am Gestern.
Sie wollen den Tod erträglich machen.

Noch hängen wir am Gestern.
Trauern um das, was nicht mehr ist,
was nicht sein kann.
Wir richten uns ein,
wir versuchen, es erträglich zu machen.

Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. […] Uns sie entsetzten sich.

Dann geschieht, was nicht sein kann,
und deshalb macht es Angst:

Der Stein ist weggerollt.
Der Stein vor dem Grab, der den Toten geborgen hat.
Der Stein, der unseren Blick auf die Welt begrenzt,
so dass wir im Tod das Ende sehen.
Der Stein, der uns geborgen hat in unseren Sorgen,
in unserem Tun,
in unserem Blick zurück.

Der Stein soll einfach weg sein?
Ohne unser Zutun,
ohne unsere Anstrengung?

Den Tod niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern“.

Der Stein wurde weggewälzt.
Das, was hier geschehen ist, aber nicht beschrieben wird,
ist etwas, bei dem Gott alleine handelt.

„… und sie entsetzten sich.“

Entsetzlich: all unser Tun und Sorgen, all unsere Blicke zurück,
all unser Hängen am Gestern: umsonst.

„Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten.
Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“

Den, den ihr Sucht, werdet ihr hier nicht finden.
Nicht bei den Toten.

Das, wonach ihr Euch sehnt, findet ihr nicht mit dem Blick zurück.

„Geht aber hin“!

Geht. Geht hinaus ins Leben. Nach Galiläa, in euren Alltag.
Geht hinaus vor die Tür, lasst Euch die Sonne ins Gesicht scheinen,
die aufgegangen ist,
während ihr ins Grab geblickt habt.
Die Euch hell bescheint.

Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

Geht den Weg weg vom Grab.
Geht ihn als Weg zurück ins Leben.
Geht ihn – ihm nach.
Er ist längst diesen Weg gegangen:
Vom Leben ans Kreuz. Vom Kreuz ins Grab. Und vom Grab ins Leben.
Geht ihm nach. Er ist bei euch.
Von jetzt an immer. Verwandelt. Manchmal schwer zu erkennen.
Aber ganz gewiss: da.
Ihr werdet sehen.

Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Der Stein wurde weggewälzt. Ohne unser Zutun.
Wir leben von jetzt an ein Leben, in dem der Tod nicht das Ende ist
und keine Macht mehr über uns hat.
Das ist entsetzlich schwer zu glauben. Das ist entsetzlich schwer, sich vorzustellen.

Aber: Die Geschichte ist nicht zu Ende.
Sie geht jetzt erst richtig los.
Die Geschichte der beiden Frauen.
Die Geschichte der ersten Christen.
Unsere Geschichte.

Die Geschichte dieser Welt mit Gott.
Schreiben wir sie weiter. Erzählen wir sie weiter. Leben wir sie weiter.
Treten wir hinaus. Blicken wir nach vorn.
Die Sonne ist längst aufgegangen,
während wir noch entsetzt ins Grab geblickt haben.

So feiern wir das hoh Fest mit Herzensfreud und Wonne, das uns der Herr scheinen lässt. Er ist selber die Sonne, der durch seiner Gnaden Glanz erleucht‘ unsre Herzen ganz; der Sünden Nacht ist vergangen. Halleluja.

AMEN.

  • Beten

Herr unser Gott,
wir bitten Dich:

Geh mit uns hinein in diese Welt, weg vom Grab.

Geh mit uns in diesen Tagen, an denen wir alleine sind.

Steh an unserer Seite, wenn wir uns einsam fühlen.

Schicke deine Engel an die Krankenbetten,
birg die Ärztinnen und Krankenpfleger unter deine Fittiche.

Nimm die Kinder an die Hand, die ihre Spielkammeraden so schmerzlich vermissen. Schenke den Erwachsenen Geduld und Ruhe.

Leg Deine Hand auf die Schulter derer, die schwere Entscheidungen zu treffen haben.

Zeige uns die, die wir vergessen in der Sorge um uns selbst.
Lass uns an die Ränder blicken und darüber hinaus.

Gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Amen.

Ihnen und Ihren Lieben ein gesegnetes Osterfest!

Ihr Pfarrer Georg Bucher

  • Möge die Straße uns zusammenführen

Möge die Straße uns zusammenführen
und der Wind in deinem Rücken sein;
sanft falle Regen auf deine Felder
und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Refrain: Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand;
und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand.

Karsamstag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:  

  • Vorbereiten

Ich höre auf mit dem, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Lass mich zur Ruhe kommen.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht meine Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Wochenpsalm beten

Worte aus dem Gebetbuch der Bibel.
Worte aus Psalm 88.

HERR, Gott, mein Heiland,
ich schreie Tag und Nacht vor dir.

Lass mein Gebet vor dich kommen,
neige deine Ohren zu meinem Schreien.

Denn meine Seele ist übervoll an Leiden,
und mein Leben ist nahe dem Totenreich.

Ich bin denen gleich geachtet, die in die Grube fahren,
ich bin wie ein Mann, der keine Kraft mehr hat.

Ich liege unter den Toten verlassen,
wie die Erschlagenen, die im Grabe liegen,
derer du nicht mehr gedenkst und die von deiner Hand geschieden sind.

Du hast mich hinunter in die Grube gelegt,
in die Finsternis und in die Tiefe.

Wirst du an den Toten Wunder tun,
oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken? SELA.

Wird man im Grabe erzählen deine Güte
und deine Treue bei den Toten?

Werden denn deine Wunder in der Finsternis erkannt
oder deine Gerechtigkeit im Lande des Vergessens?

  • Ein Lied hören

1. O Traurigkeit, o Herzeleid! Ist das nicht zu beklagen? Gott des Vaters einig Kind wird ins Grab getragen.

2. O große Not! Gott selbst ist tot, am Kreuz ist er gestorben, hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb‘ erworben.

3. O Menschenkind, nur deine Sünd‘ hat dieses angerichtet, da du durch die Missetat warest ganz vernichtet.

4. Dein Bräutigam, das Gotteslamm, liegt hier mit Blut beflossen, welches er ganz mildiglich hat für dich vergossen.

  • Auf Gottes Wort hören

Worte aus dem Matthäusevangelium, im 27. Kapitel.

Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm den geben. 
Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon.
Es waren aber dort Maria Magdalena und die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber.
Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die Hohenpriester und die Pharisäer bei Pilatus und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Nach drei Tagen werde ich auferweckt.
Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste.
Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt. 
Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein.

  • Gedanken zum Text

Pilatus und seine Einflüsterer:
„Was, wenn Jesu Anhänger einen Betrug aushecken?
Oder, noch viel schlimmer:
Was, wenn es wirklich stimmt, was er gesagt hat:
Dass er auferstehen wird?
Dass er den Tod überwinden wird?
Dass keiner vergessen wird, unten in der Grube,
in der Finsternis und in der Tiefe?
Dass er treu ist, auch den Toten?
Sollte das alles wirklich stimmen?

Was wäre dann mit unserer Herrschaft,
die von der Angst sich nährt?
Was wäre dann mit unserer Macht,
die vom Tod sich nährt, den wir verbreiten
mit dem Schwert?

Das darf nicht sein! Niemals!
Da müssen Wachen davor.
Das muss unterdrückt und versiegelt werden.
Wo kämen wir sonst hin!“

Josef aus Arimathäa:
„Ich will ihn legen in mein Grab.
Ich will dem beschmutzten und geschändeten Leib
Würde und Ehre geben.
Ich will den Leib begraben,
aber nicht meine Hoffnung,
die noch immer ruht auf ihm.“

Die beiden Marias:
„Wir wollen wachen und bei ihm sein,
so wie er bei uns war.
Wir akzeptieren seinen Tod nicht.
Wir nehmen ihn weiter beim Wort:
»Nach drei Tagen werde ich auferweckt.«
Kein Schwert und keine Wache,
kein Siegel und kein Stein
soll uns schrecken.
Wir bleiben hier und wachen bei ihm.
Dabei helfe uns Gott.“

Amen.

  • Beten

Herr unser Gott,
wir bitten Dich:

Hilf uns, auszuharren.
An den Gräbern,
an den Betten,
in der Einsamkeit,
in der Stille.

Lass uns aushalten,
dass so viele Fragen offenbleiben,
dass so viele Zweifel sich nicht in Gewissheit verwandeln,
dass so viel Schmerz nicht gelindert,
dass so viel Leid sinnlos ist,
dass deine Schöpfung so viele Abgründe hat.

Lass uns ausharren,
und vertrauen auf dich.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Amen.

(Pfarrer Georg Bucher)

Karfreitag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

Karfreitag läutet eine Glocke, verhaltener, und lädt ein zum Gottesdienst.
Unser Gottesdienstsaal bleibt leer.

Gottes Wort, Gebet und Segen haben aber überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Die Glocke läutet.
Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt,
und höre auf das Läuten.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Wochenpsalm beten

Hört Worte aus Psalm 22,
um mit ihnen zu danken, zu klagen, zu loben.

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Aber du bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
»Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus
und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«
Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen;
du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.
Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an,
du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, / alle meine Gebeine haben sich zertrennt;
mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.
Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, / und meine Zunge klebt mir am Gaumen,
und du legst mich in des Todes Staub.
Ich kann alle meine Gebeine zählen;
sie aber schauen zu und weiden sich an mir.
Sie teilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los um mein Gewand.
Aber du, Herr, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!

  • Ein Lied singen

1. O HAUPT VOLL BLUT UNS WUNDEN, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!

5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an. Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Guts getan; dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Kost, dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust.

6. Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht; von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht; wenn dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen in meinem Arm und Schoß.

9. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.

10. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und lass mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl.

  • Einige Gedanken zum Lied

Ein Bild voller Grausamkeit zeichnet Paul Gerhardt von dem leidenden und sterbenden Christus. Zerrissen zwischen seinen menschlichen Wunden, den von ihm erlittenen Gewaltaten und seiner hohen Heiligkeit, seiner Gottessohnschaft, „sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier“. Die dringende Bitte in Strophe 6, „verachte mich doch nicht“, erinnert daran, dass dieses Leiden und Sterben der menschlichen Sünde zugerechnet wird. Indem Christus sich dieser Menschlichkeit bis zum Tod ergibt, trägt er auch unsere Schuld. Alle Angst und Pein, vor allem die vor unserem Lebensende, ist darin aufgehoben. „Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und lass mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot.“

Alessia Bonari ist eine der italienischen Krankenschwestern, deren Photografien im Internet verbreitet wurden. Auf den Wangen und auf dem Nasenrücken sind deutlich die Narben und Blutergüsse zu sehen, die vom stundenlangen Tragen der Schutzmaske in der Intensivstation zurückgeblieben sind. Sie erzählt auch von ihrer Angst, dass sie sich selbst anstecken könnte. Und von der Mühsal ihres Dienstes, 6 Stunden lang ohne Gelegenheit zur Toilette zu gehen oder etwas trinken zu können. Aber sie sei sich sicher, dass sie ihre Patienten weiterhin behandeln und pflegen werde.

Beide Szenen, die im Kirchenlied und die auf dem Photo im Internet verbindet der Gedanke, dass die Leiden für andere Menschen gern in Kauf genommen werden, um ihnen zu helfen. Alessia Bonari betont aber, dass sie nicht krank werden will, um ihre Arbeit fortsetzen zu können. Das Leben soll weitergehen. Deshalb ist Christus am Kreuz gestorben. Weil wir leben sollen. Um Hilfe zu geben und um Hilfe zu empfangen. Voller Dankbarkeit. Und ohne Angst.

Amen.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Still sein

Ich will dir danken, Gott, dass ich mich nicht für dich opfern muss, sondern die Freiheit habe, mir und meinem Nächsten etwas Gutes zu tun.

Still sein

Ich denke an die Menschen, die voller Leidenschaft sich darum bemühen, dass jeder einen Platz hier auf der Erde hat, ein Platz, an dem Frieden und Geborgenheit zu finden ist; ein Platz mit Menschen, die bei aller Besonnenheit auch vor den Gefahren nicht weichen.

Still sein

Mich beschäftigt, wie wir alle dazu beitragen können, ein Stück deiner himmlischen Gerechtigkeit zu verkörpern.

Still sein

Hilf mir,
dass ich in aller Ungewissheit und Angst
nicht das Vertrauen verliere.
Lass mich und die anderen besonnen bleiben.
Bewahre die Schwachen.
Sorge für die Kranken.
Sei bei allen, die sterben.
Beschütze alle,
die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten,
die Kranke pflegen,
Eingeschlossene versorgen
und sich darum bemühen, dass wir haben,
was wir zum Leben brauchen.


Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Gründonnerstag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

An diesem Gründonnerstag laden wir sie ein, Andacht zu halten und im häuslichen Kreis das Heilige Abendmahl zu feiern. Auch wenn unsere Gotteshäuser leer bleiben, können wir so nachvollziehen, dass Jesus Christus in Brot und Wein gegenwärtig ist. Grundsätzliche und praktische Hinweise zum Hausabendmahl finden Sie im Anschluss an diese Andacht. Ein herzlicher Dank dafür geht an Pfarrer Karsten Müller.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm beten

Mit Worten aus Psalm 111 können wir danken, klagen und loben.

Halleluja! Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen
im Rate der Frommen und in der Gemeinde.

Groß sind die Werke des Herrn;
wer sie erforscht, der hat Freude daran.

Was er tut, das ist herrlich und prächtig,
und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder,
der gnädige und barmherzige Herr.

Er gibt Speise denen, die ihn fürchten;
er gedenkt auf ewig an seinen Bund.

Er lässt verkündigen seine gewaltigen Taten seinem Volk,
dass er ihnen gebe das Erbe der Völker.

Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht;
alle seine Ordnungen sind beständig.

Sie stehen fest für immer und ewig;
sie sind geschaffen wahrhaftig und recht.

Er sandte Erlösung seinem Volk / und gebot, dass sein Bund ewig bleiben soll.
Heilig und hehr ist sein Name.

Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. / Wahrhaft klug sind alle, die danach tun.
Sein Lob bleibet ewiglich.

  • Ein Lied singen

EG 223: Das Wort geht von dem Vater aus

1) Das Wort geht von dem Vater aus
und bleibt doch ewiglich zu Haus,
geht zu der Welten Abendzeit,
das Werk zu tun, das uns befreit.

2) Da von dem eignen Jünger gar
der Herr zum Tod verraten war,
gab er als neues Testament
den Seinen sich im Sakrament,

3) gab zwiefach sich in Wein und Brot;
sein Fleisch und Blut, getrennt im Tod,
macht durch des Mahles doppelt Teil
den ganzen Menschen satt und heil.

  • Auf Gottes Wort hören

Der Predigttext für diesen Gründonnerstag steht im 2. Mose 12, 1-14.

Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland:
Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr’s nehmen und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den Türsturz damit bestreichen an den Häusern, in denen sie’s essen, und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen. Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr’s mit Feuer verbrennen. So sollt ihr’s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des Herrn Passa. Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter. Ich bin der Herr. Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den Herrn, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

Einige Gedanken dazu

Mitten in der Ordnung: Die Angaben sind genau und ausführlich. Eine Vorschrift, die einzuhalten ist. Nur dann kann es gelingen. Die Ordnung garantiert die Sicherheit der Israeliten. Sicherheit ist ein Grundbedürfnis. Mit der Ordnung kann es befriedigt werden. Mitten in der Ordnung kann ich im Frieden leben. Was aber ist, wenn die Ordnung nicht mehr gewährleistet werden kann?

Mitten in der Gefahr: Nicht ohne Grund werden diese Vorschriften hier angegeben. Sie erinnern daran, dass die Israeliten aus Ägypten fliehen wollen. Die guten und billigen Arbeitskräfte will der Pharao nicht gehen lassen. Ultima ratio. Gott setzt seine Macht ein, um seine Kinder zu befreien. Das Ritual hilft, die Angst zu besiegen. Wenn der Frieden gestört ist, wenn ich mich bedrängt und eingeengt fühle und nicht frei leben kann, besteht Handlungsbedarf. Meine innere Ordnung hilft mir dabei. Ich wende mich an meine Mitmenschen und an Gott. Ich bin im Gespräch und im Gebet. Ich versichere mich, dass die Grundordnung, dass die Schöpfung Gottes und seine Gegenwart beständig sind.

Mitten in der Ewigkeit: Manchmal ist es schwer, an Gottes Ordnung zu glauben. Der Augenschein legt mir etwas anderes nahe. Gottes Kraft wirkt nicht immer so, wie ich es mir wünsche. Dann bestimmt Angst und Unsicherheit mein Leben. Ich fühle mich einsam und verlassen. In der Erinnerung und Vergegenwärtigung des Geschehens kann ich aber wieder neuen Grund unter meinen Füßen finden. Was mir gewährt wurde in der Geborgenheit, geht mir auch in der Unordnung meines Lebens nicht verloren. Gott ist gegenwärtig, im Frieden und in der Krise. Als ewige Ordnung.

Amen. 

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Still sein

Ich will dir danken, Gott, dass deine Ordnung weiter reicht als meine Augen und mein Verstand.

Still sein

Ich denke an die Menschen, die unter der gegenwärtigen Situation besonders leiden. Ich denke an die Menschen, die wir noch schneller vergessen, weil wir mit uns zu tun haben.

Still sein

Mich beschäftigt, wie wir unser Vertrauen in dich, Gott, nicht verlieren. Wie wir dir nahe sein können. Und unseren Mitmenschen, nah und fern.

Still sein

  • Hinführung zum Abendmahl

Gott hat uns in Jesus Christus das ewige Leben geschenkt.
Er ruft alle Welt und lädt uns an seinen Tisch.
Wir gehören zu ihm.
Er verbindet uns untereinander.
Auch in diesen Tagen.
Er überwindet Einsamkeit, Angst und Unfrieden.
Indem wir von diesem Brot essen
und von diesem Wein trinken
haben wir Frieden in seiner Gegenwart.

  • Ein Lied singen

EG 221: Das sollt ihr Jesu Jünger nie vergessen

1) Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen:
wir sind, die wir von einem Brote essen,
aus einem Kelche trinken, alle Brüder und Jesu Glieder.

2) Wenn wir wie Brüder bei einander wohnten,
Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten,
dann würden wir den letzten heilgen Willen des Herrn erfüllen.

3) Ach dazu müsse seine Lieb uns dringen!
Du wollest, Herr, dies große Werk vollbringen,
dass unter einem Hirten eine Herde aus allen werde.

  • Einsetzungsworte

Und in der Nacht, da Jesus verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach‘s und gab‘s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset. Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.

Desggleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl
dankte und gab ihnen den und sprach:
Nehmet hin und trinket alle daraus,
dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut,
das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden:
Solches tut, sooft ihr‘s trinket zu meinem Gedächtnis.


Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Austeilung (mit den Worten: Christi Leib, für dich gegeben. Christi Blut, für dich vergossen.
Oder: Das Brot des Lebens: für dich. Der Kelch des Heils: für dich.)

  • Beten

Wir danken dir, allmächtiger Gott,
dass du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast,
und bitten dich:
Lass sie in uns wirksam werden zu starkem Glauben an dich
Und zu herzlicher Liebe unter uns allen.
Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unserem Bruder,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

  • Hinweise zum Feiern des Abendmahls in der Familie

Grundsätzliches

Gewöhnlich leitet eine Pfarrerin oder ein Pfarrer im öffentlichen Gottesdienst die Abendmahlsfeier. Das ist derzeit nicht möglich. Die geistliche Autorität zur Leitung des Abendmahls begründet sich bei der häuslichen Feier nicht in der Ordination sondern in der Taufe.

Luther hat in seinem Amtsverständnis Wert darauf gelegt, dass nicht geistliche Ränge oder Weihen das Amt bestimmen, sondern die Ordnung.

Der Ordnung können wir in der gegenwärtigen Lage nicht Genüge tun, es sei denn, wir verzichten auf das Mahl. Damit würden wir  aber auch auf die Zeichen der Gegenwart Gottes verzichten, der sich uns in Brot und Wein schenkt.

Die Mahlfeier am Gründonnerstag ist in diesem Jahr in ihrer besonderen Form nicht nur ein Vorgeschmack auf das Mahl, das am Ende der Zeit uns bereitet ist, sondern unterstreicht auch unsere Hoffnung auf die Zeit nach der Krise, wenn wir wieder in den Kirchen Gottesdienste feiern können und gemeinsam das Brot brechen und den Kelch segnen werden.

Praktisches

Die Feier des Abendmahls kann vor dem gemeinsamen Abendessen am Gründonnerstag in der Form eines Tischabendmahls stattfinden.

Da Oblaten in der Regel nicht zur Verfügung stehen, kann Weißbrot verwendet werden. Nehmen Kinder an der Feier teil, wird statt Wein Traubensaft verwendet.

Als Gerät kann festliches Geschirr (Teller, Weinglas) verwendet werden. Weingläser können auch die Funktion von Einzelkelchen übernehmen.

Vor der Feier werden die Gebet und Texte verteilt. Sinnvoll ist, dass nicht nur eine Person während der Feier betet und liest. Die vorgeschlagene Ordnung der Feier kann für jedes Familienmitglied ausgedruckt oder über die Homepage der Johannesgemeinde auf das Smartphone geladen werden.

Die Lieder, Gebete und Texte der Ordnung sind Vorschläge. Mit Ausnahme der Einsetzungsworte und des Vaterunsers kann man sie variieren. Musik kann zum Beginn und zum Ende der Feier eingespielt oder selbst gemacht werden.

Für Rückfragen: Pfarrer Karsten Müller (0160 97714276)

(Pfarrer Olaf Wisch)

Passionsandacht am 08. April 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

  • Vorbereitung

In der Mitte der Woche halten wir inne.
Wir schauen zurück auf die vergangenen Tage
und sehen auf die Tage, die vor uns liegen.
Wir halten inne und nehmen uns Zeit für Stille und Gebet.

  • Eröffnung

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Jesus spricht: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lk 18,31)

Der Weg nach Jerusalem führt Jesus ins Leiden und ans Kreuz. Sieger Köder hat von diesem Kreuzweg viele Bilder gemalt. Eines davon betrachten wir gemeinsam in dieser Andacht.

Es trägt den Titel „Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz tragen“.

  • Psalm

Wir sprechen Worte aus Psalm 102:

Herr, höre mein Gebet
und lass mein Schreien zu dir kommen!

Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch
und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.

Ich bin wie die Eule in der Einöde,
wie das Käuzchen in den Trümmern.

Du aber, Herr, bleibst ewiglich
und dein Name für und für.

Denn er schaut von seiner Heiligen Höhe,
der Herr sieht vom Himmel auf die Erde,

dass er das Seufzen  der Gefangenen höre
und losmache die Kinder des Todes,

dass sie in Zion verkünden den Namen des Herrn
und sein Lob in Jerusalem.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

  • Gebet

Guter Gott,

du siehst, wenn Menschen leiden.
Du hörst, wenn jemand weint.
Du weißt, wie groß Angst sein kann
und wie schlimm Schmerzen sind
und wie fern ersehnte Hilfe.

Denn dein Sohn Jesus hat selber gelitten.
Er ist am Kreuz gestorben.
Aber du hast ihn auferweckt.

Du bist größer als die Angst
und stärker als der Tod.

Danke, guter Gott.

  • Lesung: Evangelium nach Markus 15, 20b-21

Und sie führten Jesus hinaus, dass sie ihn kreuzigten. Und zwangen einen, der vorüberging, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage.

  • Lied: EG 361 („Befiehl du deine Wege“)

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=994&buch=21#player

1) BEFIEHL du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

2) DEM HERREN musst du trauen,
wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen:
es muss erbeten sein.

  • Bildbetrachtung
Passion 2020_Station 05_Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen (Sieger Köder)

Die Begegnung Jesu mit Simon von Kyrene wird in den Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas beschrieben. Die Worte des Markus fallen insbesondere durch die Nennung der beiden Söhne Alexander und Rufus auf. Simon, der Feldarbeiter, der zufällig den Weg Jesu kreuzt, steht anscheinend in keinerlei Beziehung zu ihm. Plötzlich ist er sehr nah an ihm dran. Er kreuzt seinen Weg. Die Kreuzigung und das Kreuz rahmen diese Episode in seinem Leben. Ob die Nennung der Namen der beiden Söhne darauf hinweist, dass diese Begegnung von nachhaltiger Bedeutung für Simon war? Dass er sich zu Christus zugehörig fühlte, nachdem er mit ihm unter dem Kreuz den Weg nach Golgatha gegangen ist. So nah, wie sich die beiden Männer auf dem Bild von Sieger Köder kommen, wäre das vorstellbar. Der erste Gedanke beim Betrachten ist die Frage, wer welcher ist. Die beiden Häupter der Männer sind seitlich Stirn an Stirn aneinandergelegt. Bei genauerer Betrachtung sieht man die Wunden der Dornenkrone auf der Stirn Jesu. Sein bleiches, mageres Gesicht passt zu den Qualen, die er erlitten hat, ebenso wie das sonnengebräunte Antlitz des Simon zum Feldarbeiter, der Jesus mit seiner Kraft unter die Arme greift. Die Arme überkreuz, ein gemeinsamer Weg, für einige Augenblicke. Simon spürt die Last des Kreuzes, sein Blick ist wie der Jesu starr nach vorn gerichtet. Eine Partnerschaft auf Zeit. Erst aus Zwang und dann aus Einsicht? Manchmal muss ich auch erst einen Menschen, und seine Lasten und Leiden kennenlernen, um mich ihm auch mit dem Herzen zuzuwenden. Vielleicht bin ich sonst eher achtlos an dem Angestellten im Supermarkt vorbeigegangen. Plötzlich mir wird mir aber in diesen Tagen bewußt, wie wichtig seine Arbeit ist. Oder ich stelle mir die Frage, warum eine Kollegin sich so eigentümlich verhält. Plötzlich sitzen wir zusammen und haben Gelegenheit, miteinander wirklich in Ruhe zu sprechen. Plötzlich sehe ich sie mit anderen Augen. Und ich stelle mir vor, wie Simon von Kyrene nach diesem außergewöhnlichen Tag etwas später nach Hause kommt und seinen beiden Söhnen erzählt, was geschehen ist. Und sie stellen Fragen und Simon spürt, das war nicht alltäglich, was ihm da geschieht; die Spuren des Kreuzes noch auf den Schultern und den Blick Jesu im Herzen.

  • Lied: EG 361 („Befiehl du deine Wege“)

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=994&buch=21#player

3) DEIN ewge Treu und Gnade,
o Vater, weiß und sieht,
was gut sei oder schade
dem sterblichen Geblüt;
und was du dann erlesen,
das treibst du, starker Held,
und bringst zum Stand und Wesen,
was deinem Rat gefällt.

4) WEG hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir’s nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht.
Dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun.

  • Gebet und Vaterunser

Gott, unser Vater,
wir danken dir:
Du siehst uns. Du kennst uns. Du bist uns nahe.
Wir bitten dich:
Tröste die Traurigen.
Stärke die Kranken.
Mache den Ängstlichen Mut.
Nimm unsere Toten auf in dein Reich.
Mit Jesu Worten beten wir zur dir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segensbitte

Und so segne und behüte uns Gott, der Allmächtige und der Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Sonntag Palmarum (05.04.2020)

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

Die Glocken läuten – ich mache mich auf. Nicht mit den Füßen. Sondern mit meinen Gedanken. Mit meinem Atem. Mit meiner Seele.
Wo immer ich gerade bin.

Vorbereiten

Ich höre auf mit dem, was mich gerade beschäftigt,
und höre auf das Läuten.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Lass mich zur Ruhe kommen.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht meine Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

Den Wochenpsalm beten

Worte aus dem Gebetbuch der Bibel.
Worte aus Psalm 69.

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

Ich versinke in tiefem Schlamm,
wo kein Grund ist;

ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrien,
mein Hals ist heiser.

Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Errette mich aus dem Schlamm,
dass ich nicht versinke,

dass ich errettet werde vor denen, die mich hassen,
und aus den tiefen Wassern;

dass mich die Flut nicht ersäufe und die Tiefe nicht verschlinge
und das Loch des Brunnens sich nicht über mir schließe.

Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich;
wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit

und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knechte,
denn mir ist angst; erhöre mich eilends.

Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie,
Gott, deine Hilfe schütze mich!

Ein Lied singen

Auf Gottes Wort hören

Worte aus dem Markusevangelium, im 14. Kapitel.

Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der Ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten. Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe.

Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.

Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.

Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Gedanken zum Text

„… wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten“: Die Macht des Todes hat viele Gesichter. Mal entstellt sie das Leben ganz ohne menschlichen Einfluss. Durch Krankheit, durch ein Virus. Mal kommt sie mit menschlichem Kalkül. Berechnend und mit einem Plan. So wie hier zu Beginn der Passionsgeschichte. Ausgeheckt von Männern, in geschlossenen Kreisen.

„… da kam eine Frau“: Zitternd, aber nicht zögernd geht sie auf Jesus zu. Sie weiß, dass die Blicke auf ihr liegen. Dass sie hier ins Risiko geht. Dass sie sich aussetzt. In ihrer Liebe. Ihrer Liebe zu Jesus und zu seiner Sache. Sie dringt in den Männerkreis, leise, aber bestimmt.

„… die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt“: Verschwendung. Liebe verschwendet sich. Auch und gerade angesichts des Todes. Den Todgeweihten macht sie zum Liebesgeweihten. Koste es, was es wolle. Ohne ein Wort zu sagen. Mit der ganzen Kraft der zarten Berührung.

„Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben.“ Was soll das. Das ist töricht. Was das kostet. So eine Verschwendung. Das tut man nicht, rechne doch mal nach.
Die radikale Liebe provoziert den Widerspruch. Lässt die Männer toben. Aber damit kommen sie zu spät. Damit kommen sie diesmal nicht weiter. Damit entlarven sie nur sich selbst.

Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Ihr habt nicht verstanden, worum es hier geht. Ihr müsst Eure Rechenspiele lassen, um das hier zu verstehen. Hört auf, Leid und Tod gegeneinander aufzurechnen. Hier ist die Liebe am Werk. Und das ist etwas Ernsteres und Tieferes als ihr ahnt. Schweigt und geht in euch.

„Sie hat getan, was sie konnte.“ Das ist das, worauf es jetzt ankommt, wenn die Liebe der Macht des Todes gegenübersteht: Dass jeder tut, was er kann. Dass wir Spuren und Zeichen der Liebe verteilen und verschwenden. Die Liebe ausgießen auf die Häupter auch der Todgeweihten. Koste es, was es wolle.

„Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.“ Die Sache Jesu geht da weiter, wo sich die Geschichte der radikalen Liebe fortschreibt. Wo die Liebe und die Leidenschaft sich verschwenden. Im Einsatz am Krankenbett. In einem freundlichen Wort an der Kasse. Im geduldigen ausharren. In einem Wort der Zuwendung am Telefon. Dort, wo das Leben zerbrechlich ist wie ein zartes Alabastergefäß und die Liebe sich verschwendet.
So geht es weiter mit der Liebe und mit uns seit jenem Tag.
Zitternd. Mit Risiko. Leise. Aber bestimmt. Ganz bestimmt.

Amen.

Beten

Gott, in der Stille ringe ich um Worte
und Suche nach dir.

Still sein

Ich frage dich Gott, nach dem Guten in Deiner Schöpfung.
Ich frage dich nach Deiner Liebe zu ihr.
Sie hat so viele dunkle Seiten.
Du bist manchmal dunkel und fern.

Still sein

Ich hoffe auf dich, Gott.
Ich hoffe auf dich und deine Liebe.
Ich will mich und dich daran erinnern, was du gesagt hast.
Ich will Ausschau halten nach den zarten Spuren Deiner Liebe im Angesicht des Todes.
Ich will nicht von dir lassen.
Ich will auf dich trauen.
Hilf mir. Hilf uns, oh Herr.

Still sein

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

(Pfarrer Georg Bucher)

„Es ist vollbracht!“ – Passionsandacht am 01. April 2020

  • Vorbereitung

In der Mitte der Woche halten wir inne.
Wir schauen zurück auf die vergangenen Tage
und sehen auf die Tage, die vor uns liegen.
Wir halten inne und nehmen uns Zeit für Stille und Gebet.

  • Eröffnung

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Gottes sei mit uns allen.

Jesus sprach: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lk 18,31)

Der Weg nach Jerusalem führt Jesus ins Leiden und ans Kreuz. Sieger Köder hat von diesem Kreuzweg viele Bilder gemalt. Eines davon betrachten wir gemeinsam in dieser Andacht.

Es trägt den Titel „Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt“.

  • Psalm

Wir sprechen Worte aus Psalm 130.

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme!
Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!

Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst –
Herr, wer wird bestehen?

Denn bei dir ist die Vergebung,
dass man dich fürchte.

Ich harre des Herrn, meine Seele harret,
und ich hoffe auf sein Wort.

Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen;
mehr als die Wächter auf den Morgen hoffe Israel auf den Herrn!

Denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.
Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

  • Gebet

Guter Gott,

du siehst, wenn Menschen leiden.
Du hörst, wenn jemand weint.
Du weißt, wie groß Angst sein kann
und wie schlimm Schmerzen sind.

Denn dein Sohn Jesus hat selber gelitten.
Er ist am Kreuz gestorben.
Aber du hast ihn auferweckt.

Du bist größer als die Angst
und stärker als der Tod.

Danke, guter Gott.

  • Lesung: Evangelium nach Johannes, Kapitel 19, Verse 25 bis 34 sowie 38 bis 42

25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.

26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

28 Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.

29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund.

30 Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

31 Weil es aber Rüsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat über – denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag –, baten die Juden Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen würden.

32 Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war.

33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht;

34 sondern einer der Soldaten stieß mit einer Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus.

38 Danach bat Josef von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden, den Pilatus, dass er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam Jesu ab.

39 Es kam aber auch Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund.

40 Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in Leinentücher mit Spezereien, wie die Juden zu begraben pflegen.

41 Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war.

42 Dahin legten sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab nahe war.

  • Lied: EG 91,1-3 („Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken“)

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=835&buch=21#player

1) Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,
mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen
uns zu erlösen.

2) Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer statt gemartert und zerschlagen,
die Sünde tragen:

3) welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde
den Fluch der Sünde.

  • Bildbetrachtung
Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt (Sieger Köder)

„Es ist vollbracht!“ ruft Jesus. Danach neigte er das Haupt und verschied.

Jesus hat seinen Leidensweg vollbracht. Er ist die Via Dolorosa, den Weg der Schmerzen bis zum bitteren Ende gegangen. Aber nun ist es für ihn vorbei. Der Schauprozess mit seiner skandalösen Verurteilung, der Spott und die Folter, die Schläge und die Schmerzen sind vorbei – es ist vollbracht. Nach einem letzten Schrei ist Totenstille eingekehrt.

„Es ist vollbracht!“ – Ja, es ist vollbracht, aber nicht erledigt. Wenn nach menschlichem Ermessen alles erledigt scheint, wirkt die Liebe Gottes weiter. Die Familie und die Freunde Jesu erfüllen einen letzten Dienst und tragen damit die Liebe über Leid und Tod hinaus.

Josef von Arimathäa lässt sich den Leichnam aushändigen und stellt sein Grab zur Verfügung. Nikodemus bringt Kräuter und Öl, damit der Tote in Würde in Leintücher gehüllt in das neue Grab gelegt werden kann.

Zwischen das „Es ist vollbracht!“ und die Abnahme des Leichnams vom Kreuz einerseits und die liebevolle Ver­sorgung des Toten und seine Bestattung andererseits hat christliche Frömmigkeit und Kunst seit dem 14. Jahrhundert eine Szene gestellt, die in der Heiligen Schrift so nicht vorkommt: Die Pietà – die Schmerzensmutter Maria hält den geschundenen Leib ihres Kindes in den Armen.

Am Ende wird noch einmal die Liebe der Mutter zu ihrem Kind abgebildet. So wie Maria das Jesuskind nach der Geburt in Windeln wickelt und in eine Krippe legt, so hält sie ihn im Tod noch einmal in den Armen, um ihn dann mit Freunden in Leintücher zu wickeln und ins Grab zu legen.

Sieger Köder gibt dieser Szene eine besondere Ruhe und Zärtlichkeit. Schmerzensschreie, Leid und Tod sind der Stille und Zuneigung gewichen. Der geschundene Körper des Gekreuzigten erfährt liebevolle Behutsamkeit. Bei allem Schmerz wird die Szene durchdrungen von den Zeichen der Hoffnung und der bleibenden Liebe Gottes. Maria trägt einen grünen Mantel – die Farbe der Hoffnung. Ihr Gesicht scheint wie verklärt von inniger Liebe. Ihre Arme umschließen den geschundenen Leib in zärtlicher Behutsamkeit. Auf der Schulter Mariens sitzt die Taube mit dem Ölzweig und erinnert daran, wie es nach der Sintflut war: die Taube, die Noah aus der Arche fliegen ließ, sie kehrt mit einem Ölzweig zurück. Sie wird zur Botin der Hoffnung, zur Botin von Frieden und Leben. Gottes Treue bleibt bestehen über Flut und Leid und Tod hinaus. Sein Bund mit den Menschen ist nicht zerbrochen. Das Leben beginnt ganz neu. Und die Taube steht auch für den Heiligen Geist. So erinnert sie daran, dass Gott selbst dabei ist mitten im Tod. Wo alle anderen weg sind, wo die Menschen mit ihrem Leid allein bleiben, ist Gott selbst nahe.

Und schließlich die beiden Totenschädel in der Felsspalte: Sie erinnern an Adam und Eva. Für sie – und damit für die ganze Menschheit – wird der Tod überwunden. Sie werden durch Christus erlöst.

„Es ist vollbracht!“ – aber nicht erledigt. Die liebenden Arme Mariens, ihr grüner Mantel und die Taube mit dem Ölzweig machen deutlich:

Gottes Treue hört nicht auf. Seine Liebe bleibt und umschließt die Geschundenen und Verfolgten. Gott stellt sich zu den Geängstigten und Sterbenden. Gott ist den Flüchtenden und Vertriebenen nahe. Er tröstet die Zweifelnden und Einsamen. Er heilt die Kranken und sättigt die Hungernden.

Wenn die Mächtigen ihr Werk zu Ende gebracht haben, wenn die Schaulustigen gegangen sind, wenn nach menschlichem Ermessen alles erledigt scheint, dann vollendet Gott sein Liebeswerk und schenkt uns Frieden.

Amen.

  • Lied: EG 91,4.5.10

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=835&buch=21#player

4) Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken.

5) Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden
ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,
die Weisheit Gottes.

10) Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken,
so lass dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken.
Dein Kreuz, dies sei, wenn ich den Tod einst leide,
mir Fried und Freude.

  • Gebet und Vaterunser

Gott, unser Vater,
wir danken dir:
Du siehst uns. Du kennst uns. Du bist uns nahe.
Wir bitten dich:
Tröste die Traurigen.
Stärke die Kranken.
Mache den Ängstlichen Mut.
Nimm unsere Toten auf in dein Reich.
Mit Jesu Worten beten wir zur dir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segensbitte

Und so segne und behüte uns Gott, der Allmächtige und der Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

(Martin Kötters)

Sonntag Judika (29.03.2020)

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

Sonntagmorgen läuten die Glocken und laden ein zum Gottesdienst.
Doch in diesen Tagen müssen die Kirchen und Gottesdienste leer bleiben.

Gottes Wort, Gebet und Segen haben aber überall Platz: zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

Vorbereiten

Die Glocken läuten.
Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt,
und höre auf das Läuten.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

Den Wochenpsalm beten

Hört Worte aus Psalm 43,
um mit ihnen zu danken, zu klagen, zu loben.

Schaffe mir Recht, Gott,
und führe meine Sache wider das treulose Volk
und errette mich von den falschen und treulosen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich drängt?
Sende dein Licht und deine Wahrheit;
dass sie mich leiten
und bringen zu deinem heiligen Berg
und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes;
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Ein Lied singen

Auf Gottes Wort hören

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im Brief an die Hebräer, im 13. Kapitel.

Darum hat auch Jesus,
damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut,
gelitten draußen vor dem Tor.
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager
und seine Schmach tragen.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die zukünftige suchen wir.

Einige Gedanken dazu

Draußen vor dem Tor sind Menschen, die um ihr Leben oder um das Leben ihrer Patienten kämpfen; ganz in der Nähe, in Italien, in Europa, überall auf der Welt.
Wie weit ist das noch weg von mir?

Draußen vor dem Tor sind die Flüchtlingskinder in Griechenland, denen es am Notwendigsten fehlt. Europas Grenzen werden dichtgemacht.
Kann ich meine Gedanken davor verschließen?

Draußen vor dem Tor sind Obdachlose, die kein warmes Zimmer, eine saubere Toilette und genug zu essen haben.
Kann ich dankbar sein, dass es mir so gut geht?

Draußen vor dem Tor sind auch jene, die eingeschlossen in ihre Wohnungen, einsam sind und gefährdet, ohne Menschen, oder gerade weil sie von Menschen umgeben sind. Gefährdet als Risikopatient oder gefährdet durch häusliche Gewalt.
Kann ich dankbar sein, dass ich geborgen bin?

Wie weit ist das – noch – weg von mir?

Im Hebräerbrief heißt es: So lasst uns nun hinausgehen vor das Lager und Jesu Schmach tragen. Hinaus aus dem bequemen und gewohnten Leben. Die leeren Strassen der Stadt, das leergeräumte Regal und das stillgelegte Leben. Nichts ist im Grunde selbstverständlich. Nichts ist eine bleibende Stadt.

Ob ich daraus etwas lerne für die Zukunft? Ein wenig mehr Dankbarkeit, ein wenig mehr Lebensmut, ein wenig mehr Glauben?

Das ist mein Glaube, dass ich geheiligt bin durch Jesu Blut. So hat es Gott gemeint. Er will keine Opfer mehr. Draußen vor dem Tor, ein Ort der Solidarität und der Zuversicht. Diese Zukunft suche ich.  Amen.

Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Still sein

Ich will dir danken, Gott, dass ich auch in diesen Tagen sicher leben kann und Hilfe bekomme, wenn ich sie brauche.

Still sein

Ich denke an die Menschen, die um ihr Leben kämpfen, ihr eigenes Leben für andere einsetzen und uns wach halten mit dem Gedanken, dass jeder Mensch dein Kind ist.

Still sein

Mich beschäftigt, wie es nun weiter geht? Wie lange werden wir noch in dieser Situation leben müssen? Und wie wird das Ganze ausgehen?

Still sein

Hilf mir,
dass ich in aller Ungewissheit und Angst
nicht das Vertrauen verliere.
Lass mich und die anderen besonnen bleiben.
Bewahre die Schwachen.
Sorge für die Kranken.
Sei bei allen, die sterben.
Beschütze alle,
die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten,
die Kranke pflegen,
Eingeschlossene versorgen
und sich darum bemühen, dass wir haben,
was wir zum Leben brauchen.
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)