Andacht zum 21. Sonntag nach Trinitatis – 25. Oktober 2026
in der Wörmlitzer Kirche –
Anfangen:
In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir. Amen
Eröffnung:
„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Ruft uns der Wochenspruch aus dem Römerbrief zu. Und genau darum soll es heute auch in unserem Gottesdienst gehen, denn wir wollen gemeinsam ergründen, wie wir Dinge verändern können. Und umgekehrt wollen wir auch darüber sprechen, die Dinge anzunehmen, die wir nicht verändern können.
Psalm 19:
Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes
und das Firmament kündet das Werk seiner Hände.
Ein Tag sagt es dem andern, eine Nacht tut es der andern kund,
ohne Rede und ohne Worte, ungehört bleibt ihre Stimme.
Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus,
ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.
Dort hat er der Sonne ein Zelt gebaut.
Sie tritt aus ihrem Gemach hervor wie ein Bräutigam;
sie frohlockt wie ein Held, ihre Bahn zu laufen.
Am einen Ende des Himmels geht sie auf und läuft bis ans andere Ende;
nichts kann sich vor ihrer Glut verbergen.
Die Weisung des HERRN ist vollkommen, sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise.
Die Befehle des HERRN sind gerade, sie erfüllen das Herz mit Freude.
Das Gebot des HERRN ist rein, es erleuchtet die Augen.
Die Furcht des HERRN ist lauter, sie besteht für immer.
Lied: Es mag sein, dass alles fällt – EG 378:
1. Es mag sein, dass alles fällt, dass die Burgen dieser Welt
um dich her in Trümmer brechen.
Halte du den Glauben fest, dass dich Gott nicht fallen lässt:
er hält sein Versprechen.
2. Es mag sein, dass Trug und List eine Weile Meister ist;
wie Gott will, sind Gottes Gaben.
Rechte nicht um Mein und Dein; manches Glück ist auf den Schein,
lass es Weile haben.
3. Es mag sein, dass Frevel siegt, wo der Fromme niederliegt;
doch nach jedem Unterliegen
wirst du den Gerechten sehn lebend aus dem Feuer gehn,
neue Kräfte kriegen.
4. Es mag sein, die Welt ist alt; Missetat und Missgestalt
sind in ihr gemeine Plagen.
Schau dirs an und stehe fest; nur wer sich nicht schrecken lässt,
darf die Krone tragen.
5. Es mag sein, so soll es sein. Fass ein Herz und gib dich drein;
Angst und Sorge wirds nicht wenden.
Streite, du gewinnst den Streit! Deine Zeit und alle Zeit
stehn in Gottes Händen.
Alttestamentliche Lesung = Predigttext, Jeremia 29,1.4–7, 10–14:
Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte – nachdem der König Jechonja und die Königinmutter mit den Kämmerern und Oberen in Juda und Jerusalem samt den Zimmerleuten und Schmieden aus Jerusalem weggeführt waren –, durch Elasa, den Sohn Schafans, und Gemarja, den Sohn Hilkijas, die Zedekia, der König von Juda, nach Babel sandte zu Nebukadnezar, dem König von Babel:
So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.
Denn so spricht der Herr: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe. Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der Herr, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.
Predigt – Lesepredigt ( von Olaf Latzels, 08.11.2015, gehalten in der St. Martini Gemeinde in Bremen):
Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war und der da ist und der da sein wird in aller Ewigkeit, unser Herr Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde, der Predigttext nimmt uns heute mit in das Jahr 595 vor Christus. Es ist ein Jahr für das Volk Israel der totalen Katastrophe. Einige Monate zuvor hat der König Nebukadnezar, der König von Babylon, Israel, das Nord- und Südreich angegriffen ist in Jerusalem eingebrochen, hat die Stadtmauern eingerissen, die Häuser niedergebrannt, Frauen vergewaltigt, Männer zuhauf getötet, hat den Tempel, den Ort der Anwesenheit Gottes, zerstört, die Lade weggebracht und die, die übrig waren in Jerusalem, deportiert zu sich nach Babel. Das Land Israel ist am Ende. Es sind nur noch einige wenige, die in Jerusalem verblieben sind. Unter ihnen ist der alt gewordene Prophet Jeremia. Jeremia, der zu diesem Zeitpunkt über 50 Jahre lang gepredigt hat zum Volk, immer wieder gerufen hat: „Wenn ihr euch nicht bekehrt von den fremden Göttern, wenn ihr nicht lasst von euren Sünden, dann wird der Herr euch strafen“. Fünf Jahrzehnte hat er dieses Gericht angekündigt, immer wieder das Volk zur Umkehr aufgerufen. Sie haben sich nicht bekehrt, sie haben nicht der Stimme Gottes gehorcht.
Und jetzt ist all das eingetreten, was Jeremia angekündigt hat: das schlimme Strafgericht durch die Hände der Babylonier. Jetzt sitzen die Israeliten in Babel, weit weg vom Propheten. Er kann sie nicht mehr erreichen mit seiner Stimme. Aber Gott gibt ihm einen Auftrag. Gott sieht die Menschen in ihrer Verzweiflung, in ihrer Not, in ihrer Depression, mit ihren Selbstmordgedanken, mit dem Nicht-mehr-Weiterwissen. Er sieht sie und er gibt Jeremia einen Auftrag: einen Brief zu schreiben an diese Menschen im Exil.
Diese Lesepredigt steht unter dem Titel “Annahme und Veränderung” und zeigt uns drei zunächst konträre Punkte, nämlich:
1. Nimm an, was du nicht ändern kannst
2. Ändere, was du verändern kannst
3. Nimm Gott an, der dein Schicksal verändert
1. Nimm an, was du nicht ändern kannst –
Die Deportierten, also die, die in Babel waren, haben von falschen Propheten gehört: „Ja, in ein, zwei Jahren ist das alles vorbei, und dann geht’s wieder nach Hause. Dann bauen wir die Häuser schön auf, wird schon weitergehen, das ist nur ganz kurz und Gott wird eingreifen, er wird alles wenden.“ Sie haben von Träumen und Visionen erzählt, und Gott sagt ganz klar hier: Das ist Lüge. Gott holt die Deportierten auf den Boden der Tatsachen zurück. Er sagt ihnen: Es wird 70 Jahre dauern, bis ihr zurückkommt. 70 Jahre, das habt ihr anzunehmen. So heißt es hier im Vers 10: „Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel 70 Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.“
Das ist das, was sie annehmen müssen. Das ist ihr Schicksal. Da gibt’s jetzt keine Träumereien mehr, da ist kein Platz mehr für irgendwelche Visionen oder Vorstellungen. Gott hat gesprochen, und das ist das Schicksal derer, die diesen Brief damals gelesen und gehört haben. Das hieß für sie: Keiner, der diesen Brief hörte und las, würde das Ziel überleben. Keiner würde wieder zurückkommen, von ihnen würde niemand jemals wieder Jerusalem sehen. Und das galt es für sie anzunehmen – in ihrer Verzweiflung, in ihrer Depression, in ihrer Aggression, die sie vielleicht gehabt haben.
Nimm an, was du nicht ändern kannst – das ist die Botschaft an die Dinge deines Lebens: Du wirst deine Hautfarbe nicht ändern können, nicht deine soziale Herkunft, deine Eltern. Wenn du eine körperliche Behinderung oder eine Krankheit hast, die du nicht mehr loswirst, nimm sie an. Wenn du einen lieben Menschen verloren hast, nimm es an.
Das ist das, was wir als Christen besser können: Wir können Dinge annehmen, weil wir wissen, dass wir keinen Gott der Willkür haben. Wir haben einen Gott, der über unser Leben Gedanken des Friedens hat. Wie es im Römerbrief, Kapitel 8 heißt: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Wenn man sein Leben annehmen kann mit den Niederschlägen und Brüchen, dann ist das die große Befreiung.
Schauen wir noch mal zurück auf die Exilierten: nach 70 Jahren kam es tatsächlich so, dass die Israeliten zurückkehren konnten, was einige auch taten, anderen hingegen hatten es sich in ihrer Annahme der Situation gut eingerichtet, sind in Babylonien geblieben, haben den jüdischen Glauben dort weitergelebt. Als die ersten Missionare wie Paulus, Barnabas und Silas auszogen, gingen sie als Erstes zu genau diesen jüdischen Gemeinden in der Diaspora und fanden dort den Nährboden für das Evangelium. Gott hat über dieses Exil den Nährboden geschaffen, dass sechs Jahrhunderte später das Evangelium Fuß fassen konnte.
Dinge anzunehmen, auch wenn sie schwer sind, das ist der christliche Weg. Auch das geistliche Grundprinzip des Christwerdens hat damit zu tun, dass ich annehme, dass ich Sünder bin. Ich darf mich als Sünder annehmen, weil Christus mich angenommen hat, und ich darf ein Ja zu meinem Leben haben. Nimm an, was du nicht ändern kannst.
2. Ändere, was du verändern kannst –
Das ist die zweite Seite einer Medaille. Gott sagt: Ihr werdet 70 Jahre bleiben, das müsst ihr annehmen. Aber in Babel sollt ihr euch richtig reinhängen, die Dinge verändern, der Stadt Bestes suchen, beten für die Stadt, Häuser bauen, Gärten pflanzen, euch vermehren und das Beste aus der Situation machen.
Das gehört zum Christsein dazu: Nicht wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken, sondern das, was wir ändern können, auch verändern. Bringt euch ein! Das gilt für die Politik, für die eigene Familie, für die Nachbarschaft, für die Schulklasse, für den Arbeitsplatz. Dinge lassen sich zum Positiven verändern! Wir Christen können Dinge verändern, weil wir den allmächtigen Gott auf unserer Seite haben.
3. Nimm Gott an, der dein Schicksal verändert –
In den Versen 13 und 14 heißt es: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern…“
Die Juden der damaligen Zeit hatten zum großen Teil keine Hoffnung auf die Auferstehung von den Toten; für sie war das Fortbestehen durch ihre Kinder das Entscheidende. Dass Gott versprach, das Volk zurückzubringen, war für sie ein großer Trost.
Für uns alle gibt es die große Katastrophe, auf die wir zugehen: den Tod. Aber Gott hat uns verheißen: Auch wenn wir biologisch sterben müssen, werden wir weiterleben, wenn wir an ihn glauben. So wie die Juden aus Jerusalem weggeführt wurden und wieder zurück durften, ist das ein Bild für uns: Durch die Sünde sind wir vertrieben, aber Gott wird unser Schicksal verändern – von der Sterblichkeit hin zur Ewigkeit bei ihm.
Wenn wir Gott und Jesus annehmen und ihn von ganzem Herzen suchen, geschieht das große Wunder, dass Dinge sich verändern. Allerspätestens wenn du die Augen zumachst, wirst du erleben, wie er dein Schicksal wirklich verändert. Das Volk Israel ist ein Beispiel dafür, wie der Herr Schicksale wandelt.
Zusammenfassend ruft uns dieser Text drei Dinge zu:
1. Nimm an, was du nicht ändern kannst
2. Ändere, was du verändern kannst
3. Nimm Gott, nimm Jesus an, der dein Schicksal verändert
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Miteinander und füreinander beten:
HERR, unser Gott, unsere Gemeinden werden dieserorts älter und kleiner.
Die Zukunft liegt bei unseren Kindern und Jugendlichen.
Sorge Du mit dafür, dass sie in unseren Gemeinden einen guten Platz finden.
Stärke die Familien in ihrem Glauben, dass sie in Dir, HERR,
Frieden und Hoffnung finden, dass Miteinander gelingen kann
und sie Halt in dieser Welt und ein Ziel haben. Wir bitten Dich: erhöre uns.
Lass uns aufmerksam sein für die Anliegen und Sorgen unserer Mitchristen,
dass wir ein offenes Ohr finden und Trost und Hilfe geben können.
Steh den Einsamen und Kranken bei. Wir denken an diejenigen,
die heute nicht unter uns sein können, weil sie im Altenheim sind
oder im Krankenbett liegen.
Sende Du, Gott, deinen Heiligen Geist auf sie
und stelle ihnen Menschen an die Seite. Wir bitten Dich: erhöre uns.
Gelobt seist du, HERR unser Gott, für all die Werke,
die du an uns Menschen und in unserem Leben getan hast.
Wir danken dir, dass du ändern wolltest, was uns von dir getrennt hat
und deinen Sohn Jesus Christus am Kreuz dahingegeben hast,
damit wir vom Fluch der Sünde befreit sind.
Bitte hilf uns, die Dinge anzunehmen, die wir nicht ändern können
und das zu ändern, was du durch uns verändern möchtest.
Wir bitten Dich: erhöre uns.
Wir sind dankbar für unsere vielfältigen Gemeindekreise.
Rege uns an, dass wir sie zu einem Ort machen können,
wo wir in unserem Alltag gestärkt werden und uns angenommen
und aufgehoben fühlen. Wir bitten Dich: erhöre uns.
Gott, unser Vater, wir danken dir, dass du uns immer wieder annimmst
und unsere Schuld vergibst. Voll Vertrauen bringen wir unseren Lob,
unseren Dank und unsere Bitten im Namen unseres Herrn und Heilands, Jesus Christus, vor Dich.
Mit Jesu Worten beten wir:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Segen
Der Herr segne dich,
er lasse dein Leben gedeihen,
er lasse deine Hoffnung erblühen,
er lasse deine Früchte reifen.
Und der Herr behüte dich
er umarme dich in deiner Angst,
er sehe dein Leid,
er tröste und heile dich.
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist.
(A. Bohus, M. Acker- Erhardt)