Exaudi 2020

  • Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilgen Geistes. Amen.

  • Eröffnung

Sonntag Exaudi, zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, zwischen Himmel und Erde, zwischen Abschied und Wiederkehr. Wie der Heilige Geist die Apostel Jesu mit seiner Kraft erfüllt hat, erfülle er so auch uns mit Gebet, Lied und Wort. Wo immer wir auch sind.

  • Lied: „Komm, o Geist der Wahrheit“ (EG 136)

1) O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

2) O du, den unser größter Regent uns zugesagt: komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt. Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen
der ersten Christenheit.

3) Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je; darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh. Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu und musst uns ganz befreien
von aller Menschenscheu.

4) Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium.

  • Psalm

Worte aus Psalm 27

Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
Wenn die Übeltäter an mich wollen, mich zu verschlingen,
meine Widersacher und Feinde, müssen sie selber straucheln und fallen.
Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht;
wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn.
Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:
dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang,
zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu betrachten.
Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, / er birgt mich im Schutz seines Zeltes
und erhöht mich auf einen Felsen.

Und nun erhebt sich mein Haupt über meine Feinde, die um mich sind;
so will ich opfern in seinem Zelt mit Jubel,
ich will singen und Lob sagen dem Herrn.
Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!
Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf.
Herr, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.
Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.
Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

  • Worte aus dem Buch des Propheten Jeremia im 31. Kapitel

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

  • Gedanken zum Text

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Prophet Jeremia beschreibt vier Wege, wie Gott mit den Menschen in Kontakt tritt. Als ersten Weg benennt er den Bund mit den Vätern des Hauses Israel und des Hauses Jakob. Symbolisch und konkret ist dieser Bund in den 10 Geboten gefasst. Sie können in Worten von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Eine Äußerlichkeit. Ihr „Vorteil“ ist, dass sie klar benannt sind und für jeden verbindlich. Ihr „Nachteil“ besteht darin, dass sie auf ihrem Weg vom Äußeren zum Inneren verloren gehen, weil sich der Mensch nicht daran hält. Auf dem zweiten Weg, dem neuen Bund, werden Herz und Sinn direkt angesprochen. Die äußere Vermittlung ist nicht mehr notwendig. Das ist der neue Bund. Was ihn vom alten Bund unterscheidet, wird mit dem dritten Weg beschrieben. „Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«.“ Dieses Lehren geschieht z. B., wenn ich hier ein Bibelwort auslege. Was davon aber wirklich ankommt, bleibt offen. Der vierte Weg hingegen tritt dem Bund der Herzen und Sinne zur Seite, so dass „Klein und Gross ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr“ gedacht wird. Im menschlichen Miteinander entspricht dem gegenseitigen Verzeihen und Vergeben. Wie in der Bitte des Vaterunsers: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Jeremia gibt dem inneren Weg und der Vergebung Gottes den Vorzug. Ein Bund, der vom Menschen nicht mehr getrennt werden kann. Um es mit einem Besipiel zu beschreiben: Verantwortliche Eltern bieten ihren Kindern gesundes Essen an, weil ihnen deren Gesundheit am Herzen liegt. Das ist der neue Bund. Die Kinder haben keine Wahl und sie kennen auch nichts anderes. Der alte Bund geht davon aus, dass im Kühlschrank gesundes und ungesundes Essen liegt, und die Eltern den Kindern selbst die Entscheidung überlassen, was sie davon essen. Vorher haben sie ihnen noch gesagt, was gesund ist. Ob aber die Kinder danach handeln, bleibt offen.

Übertragen auf mein Glaubensleben bedeutet dies, dass ich unterschiedliche Bedürfnisse habe. Ein klare Anweisung, wie die 10 Gebote, erleichtern mein Leben insofern, dass ich dann genau weiß, was ich zu tun habe. Es kann aber auch schwer werden, wenn ich innerlich nicht davon überzeugt bin, dass sie für mich gut sind. Für meinen Glauben brauche ich manchmal die äußere Anweisung und manchmal trägt mich das, was ich in mir habe. Wenn Herz und Sinne schwach sind, dann ist es gut, jemanden zur Seite zu haben, der meinem Herzen und meinen Sinnen wieder auf die Sprünge hilft. Ein gutes Wort, eine hilfreiche Hand, eine liebevolle Geste.

Was Jeremia verheißt, ist ein Zustand, eine Zeit, in der diese Herzensschwäche ausgeschlossen ist. Die innere Gewissheit ist ein Bild für Pfingsten, wenn der Geist Gottes in mir Raum gewinnt und große Klarheit herrscht. Diese Momente sind erfüllt von einem Gefühl der Geborgenheit. Alles schwingt in diesem guten und liebevollen Geist. Angst und Zweifel haben keinen Platz. Zwang und Not und Schuld sind verflogen. Ich fühle mich gehalten, nichts steht in Frage, alles ist gut, wie im Paradies. So gibt Gott sich zu erkennen, Kleinen und Großen, in finsteren und hellen Tagen, im Vergeben und Verzeihen.

Amen.

  • Fürbitten

Herr,
schärfe unsere Sinne und weite unsere Herzen,
dass wir dein gutes Gebot und deinen Glauben
erkennen können.
Dass wir darauf vertrauen, dass in deiner Schöpfung,
Menschen und Tiere in Frieden leben können,
die bessere Einsicht schließlich Kraft gewinnt,
die Einsamkeit und der Schmerz überwunden werden,
Angst und Gier keinen Platz mehr haben.
Herr, heile uns von allen Zweifeln und mache es hell in uns
mit deinem guten Geist.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

Christi Himmelfahrt 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

  • Vorbereiten

Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

Besonders zu Christi Himmelfahrt.

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

  • Den Psalm beten

Hört Worte aus Psalm 47:

Schlagt froh in die Hände, alle Völker,
und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!
Denn der HERR, der Allerhöchste, ist zu fürchten,
ein großer König über die ganze Erde.
Er zwingt die Völker unter uns
und Völkerschaften unter unsere Füße.
Er erwählt uns unser Erbteil,
die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt.
Gott fährt auf unter Jauchzen,
der HERR beim Schall der Posaune.
Lobsinget, lobsinget Gott,
lobsinget, lobsinget unserm Könige!
Denn Gott ist König über die ganze Erde;
lobsinget ihm mit Psalmen!
Gott ist König über die Völker,
Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.
Die Fürsten der Völker sind versammelt
als Volk des Gottes Abrahams;
denn Gott gehören die Schilde auf Erden;
er ist hoch erhaben.

  • Ein Lied singen: „Auf Christi Himmelfahrt allein“ (EG122)

1) Auf Christi Himmelfahrt allein ich meine Nachfahrt gründe und allen Zweifel, Angst und Pein hiermit stets überwinde. Denn weil das Haupt im Himmel ist, wird seine Glieder Jesus Christ zur rechten Zeit nachholen.

2) Weil er gezogen himmelan und große Gab empfangen, mein Herz auch nur im Himmel kann, sonst nirgends, Ruh erlangen; denn wo mein Schatz gekommen hin, da ist auch stets mein Herz und Sinn, nach ihm mich sehr verlanget.

3) Ach Herr, lass diese Gnade mich von deiner Auffahrt spüren, dass mit dem wahren Glauben ich mag meine Nachfahrt zieren und dann einmal, wenn’s dir gefällt, mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre doch mein Flehen!

  • Apostelgeschichte Kapitel 1,3-11

Jesus zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

  • Bild: Fra Filippo Lippi, Himmelfahrt, 1489.
Fra Filippo Lippi, Himmelfahrt, 1489. Details eines römischen Freskos in der Sammlung Santa Maria sopra Minerva
  • Gedanken zum Bild

Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel?, fragen die beiden Männer in weißen Gewändern die umstehenden Zeugen der Himmelfahrt Jesu. Na, immerhin passiert da schon was Außergewöhnliches, würde ich gern den himmlischen Boten der Apostelgeschichte zurufen. Und es ist interessant, wie sich angesichts des Geschehens in den einzelnen Gesichtern der Zeugen ihre menschlichen Eigenheiten zeigen. So wie auf dem Fresko von Filippo Lippis Himmelfahrt:

Einer kommt angelaufen. Er trägt einen Heiligenschein, wie es den Aposteln in der Himmelfahrtsgeschichte entspricht. Ob die anderen Gestalten auch einen haben, lässt sich auf der Darstellung nicht mit Sicherheit erkennen. Er kommt also mit eiligen Schritten herbei, aufgeregt zum Himmel deutend. Es scheint, als hätte er das Ereignis fast versäumt. Menschen mit Heiligenschein sind nicht vor Überraschungen gefeit, und manche auch nicht darauf gefasst.

Einer hält noch sein Buch in der Hand. Was in ihm festgeschrieben und verordnet wurde, mag ihm Manchesmal geholfen haben, die Welt zu deuten. Aber es gibt Dinge, die in keinem Buch festgehalten wurden. Sein halberloschener Blick zeugt davon, dass er mitunter der Wirklichkeit blind gegenübersteht. So lenkt die Gestalt neben ihm seine Aufmerksamkeit nach oben, weg vom Buch. So, als wollte er diesem Bücherwurm sagen: Genau das meinte ich! Kannst Du es nun sehen und begreifen?

Einer aber blickt ganz offen zum Himmel. Vielleicht gestattet ihm seine Jugendlichkeit diesen unvoreingenommenen Blick. Er muss das nicht gleich verstehen, was da gerade geschieht. Er ist schlicht voller Neugier. Und noch einer, der ist anscheinend dem Himmel schon näher als der Erde. Ganz erfüllt von der himmlischen Atmosphäre. Die Hände über der Brust verschränkt, übt er sich in stiller Andacht. Fast ist es so, als ob er mit seinem ganzen Körper das Geschehen erfassen kann.

Und noch einer, der blickt dem schwindenden Leib Jesu nach, wie einer ein geliebtes Wesen ziehen lässt. Nicht gern, weil er ihm nah sein will und voller Sehnsucht ist nach seiner Nähe. Aber seine Liebe gestattet ihm nichts anderes als diese Haltung. Er vertraut darauf, dass die Liebe größer ist als jede Entfernung zwischen ihnen.

Und schließlich gibt es im Hintergrund noch zwei Gestalten, die sich offenbar lieber dem Vieh zuwenden. Die Füße fest auf der Erde, haben sie schon wieder etwas Anderes zu tun. Vielleicht sind es gerade diese, die den Worten der beiden Himmelsboten den größten Glauben schenken. Er wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. Amen.

  • Beten

Himmlischer Vater,

hier auf Erden sind wir so, wie du uns gemacht hast. Voller Hoffnung, Glauben und Liebe ebenso wie voller Angst, Mißtrauen und Habsucht.
Du meinst es gut mit uns. So zeige uns den Himmel auf Erden, wenn wir uns zwischen den Dingen der Erde und in uns selbst verirren.

Leite uns auf deinem Weg und lenke unsere Blicke und Gedanken auf deinen Frieden.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

Rogate 2020

  • Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilgen Geistes. Amen.

  • Eröffnung

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft
noch seine Güte von mir wendet.

Dieses Wort aus dem Psalm 66 steht über dieser Woche,
die wir wieder mit einem Gottesdienst in der Kirche eröffnen.
Es sagt uns zu, dass Gott uns hört;
unter dem Kirchendach ebenso wie in unserem Zuhause.

  • Lied: „Der schöne Ostertag“ (EG 117)
  • Psalm

Worte aus Psalm 95

Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken

und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen

und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der Herr ist ein großer Gott

und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,

und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht,

und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien

und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott

und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

  • Evangelium

Worte aus dem Matthäusevangelium im 6. Kapitel Verse 5-15

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

  • Gedanken zum Text

Liebe Hörerin, lieber Hörer,

Das Vaterunser hat besonderes Gewicht in unserem Glaubensleben. Ich frage mich, wann ich es wohl zum ersten Mal gehört habe. In meiner Familie, die der Kirche sehr nahe stand, sicher schon früh. Heute weiß man, dass dem ungeborenen Menschen die Stimme seiner Mutter bereits im Mutterleib vertraut ist. Ich vermute deshalb,  dass ich den besonderen Rhythmus der Worte schon vor meiner Geburt vernommen habe.
Es gibt aber eine Zeit in meinem Leben, da ist mir dieses Gebet besonders wichtig geworden. Die ersten Besuche als Seelsorger habe ich oft mit diesem Gebet abgeschlossen. Mir war es deshalb wichtig, dass ich es nicht nur in der Gemeinschaft sondern auch „allein“ sicher auswendig sprechen kann. Learning by Heart, heißt es im Englischen; dass es von Herzen kommt.

Die große Kraft, die dieses Gebet in sich trägt, rührt von seinem häufigen Gebrauch her. So wird es laut, wenn in der Gemeinde gemeinsam gebetet wird; ebenso aber auch leise, wenn ich es etwa in großer Not oder aus Dankbarkeit nur für mich und meinen Nächsten spreche.

Darüber hinaus hat es einen gewichtigen Ort in der Bibel. Im Matthäusevangelium steht es – im buchstäblichen Sinne – inmitten der Bergpredigt; jener großen Rede Jesu, die über mein Verhältnis zu Gott und seinen Geboten umfassend, ernst und hoffnungsvoll nachdenkt. Meine ganze christliche Existenz wird darin erschlossen. Diese Gedanken Jesu bewegen sich um den Mittelpunkt des Vaterunsers. Was hier zur Sprache kommt, kann somit als der Kern meines Lebens in Jesus Christus angesehen werden. Demut und Vergebung sind die nächsstehenden Stücke der Rede, die das Gebet unmittelbar umgeben. Was du Gott zu sagen hast, kommt von ihm. Rühme dich damit nicht öffentlich, sondern spreche sie im stillen Kämmerlein. So leitet Jesus sinngemäß das Vaterunser ein. Sanft und zärtlich und zurückhaltend soll mein Gottesverhältnis sein. Es taugt nicht, damit anzugeben oder vor anderen damit groß zu tun. Es taugt nicht für meine Begierden nach Macht und Einfluß über andere Menschen. Wie oft wird und wurde diese Forderung mißachtet. Der wahre Grund dieses Gebet aber ist einerseits das Geschenk dieser Worte, das ich vom Gottessohn selbst erhalten habe. Von Anfang an kann ich mich dort hineinfallen lassen. Wenn mir nichts mehr einfällt, wenn ich verzweifelt bin und mir die Worte fehlen, spreche ich das Vaterunser. Der eingangs geschilderte Umstand, dass ich sie wohl schon im Bauch der Mutter gehört habe, ist dafür ein sprechendes Bild. Warm und geborgen finde ich Schutz und Frieden in diesen Worten. Andererseits liegt sein Grund im Umgang  mit meinen Mitmenschen. So wie Jesus in der Bergpredigt die Gebote Gottes auslegt, legt auch das Vaterunser großes Gewicht auf die Vergebung, die mir oft so schwer fällt ebenso wie auf die Versuchungen, denen ich so leicht erliegen kann. Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. So endete ursprünglich das Gebet. Still und nachdenklich, von der dringenden Forderung durchwoben, dem Gebot der Nächstenliebe und schließlich auch dem Gebot der Gottesliebe durch den eigenen Sinneswandel und durch eigene Friedfertigkeit zu genügen.

Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet; das sagt mir Jesus zu.  Jedes Wort des Vaterunsers richte ich deshalb zunächst auf meinen Nächsten. Durch ihn führt es direkt zu Gott. Dort klingt es wie Posaunen, hell und klar; und schenkt mir Gottes Segen und seinen himmlischen Frieden.

Amen.

  • Fürbitten

Gott, guter Vater,

Du weißt, wessen wir bedürfen, in guten und und in bösen Tagen.
Manchmal fällt es uns aber schwer,
dafür gute Worte zu finden.

Nicht nur für unsere Not hier,
der wir einerseits in Dankbarkeit gegenüberstehen;
wie wohl behütet wir hier sind,
gut versorgt, medizinisch, mit ausreichend Lebensmitteln und einem Dach über dem Kopf;
der wir andererseits abspüren, wie wir tief in uns wirklich ticken.

Nein, auch über das Naheliegende hinaus:
dort, wo Menschen nicht nur mit dem Virus kämpfen;
sondern ebenso mit Krieg, mit Hunger, mit Gewalt;
dort, wo Menschen in unserer Nähe
jetzt besonders spüren, wie schwer die Einsamkeit und der Verlust eines lieben Menschen wiegen können.
Herr, durch deine Worte senke in unsere Herzen;
dass wir das Volk deiner Weide sind und Schafe in deiner Hand:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Lied: „Vater unser, Vater im Himmel“ (EG 188)
  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Kantate 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

Die Glocken läuten – ich mache mich auf. Nicht mit den Füßen.
Sondern mit meinen Gedanken. Mit meinem Atem. Mit meiner Seele.
Wo immer ich gerade bin.

  • Vorbereiten

Ich höre auf mit dem, was mich gerade beschäftigt,
und höre auf das Läuten.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Lass mich zur Ruhe kommen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht meine Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Wochenpsalm beten

Worte aus dem Gebetbuch der Bibel.
Worte aus Psalm 69.

Singet dem Herrn ein neues Lied,

denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten

und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil kundwerden;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt,

singet, rühmet und lobet!

Lobet den Herrn mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken,

und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

  • Ein Lied singen

Ich bin getauft auf seinen Namen (EG 200)

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=692&buch=21#player

1) Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;
ich bin gezählt zu deinem Samen,
zum Volk, das dir geheiligt heißt;
Ich bin in Christus eingesenkt,
ich bin mit seinem Geist beschenkt.

2) Du hast zu deinem Kind und Erben,
mein lieber Vater, mich erklärt;
du hast die Frucht von deinem Sterben,
mein treuer Heiland, mir gewährt;
du willst in aller Not und Pein,
o guter Geist, mein Tröster sein.

3) Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe,
Treu und Gehorsam zugesagt;
ich hab, o Herr, aus reinem Triebe
dein Eigentum zu sein gewagt;
hingegen sagt ich bis ins Grab
des Satans bösen Werken ab.

4) Mein treuer Gott, auf deiner Seite
bleibt dieser Bund wohl feste stehn;
wenn aber ich ihn überschreite,
so lass mich nicht verloren gehn;
nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an,
wenn ich hab einen Fall getan.

5) Ich gebe dir, mein Gott, aufs Neue
Leib, Seel und Herz zum Opfer hin;
erwecke mich zu neuer Treue
und nimm Besitz von meinem Sinn.
Es sei in mir kein Tropfen Blut,
der nicht, Herr, deinen Willen tut.

6) Lass diesen Vorsatz nimmer wanken,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist.
Halt mich in deines Bundes Schranken,
bis mich dein Wille sterben heißt.
So leb ich dir, so sterb ich dir,
so lob ich dich dort für und für.

  • Auf Gottes Wort hören

Worte aus dem Evangelium für den heutigen Sonntag Kantate.
Sie stehen bei Lukas, im 19. Kapitel.

Als Jesus schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: 

Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm:

Meister, weise doch deine Jünger zurecht!

Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

  • Gedanken zum Text

Einen großen, feierlichen Gottesdienst hatten wir geplant als Gemeinden im Süden, als evangelische und katholische Christen, an diesem Sonntag: Einen Gottesdienst zur Tauferinnerung. Den können wir nun nicht feiern. Aber über die Taufe nachdenken, das möchte ich trotzdem. Diese Gedanken teile ich gerne mit ihnen auf diesem Weg. Gedanken zur Taufe. Und auch zum Evangelium des heutigen Sonntags.

„Ich bin getaut auf deinen Namen.“ So beginnt der Text von Johann Jakob Rambach in dem Lied, das in den evangelischen Kirchen bei vielen Taufen gesungen wird.

Doch was heißt es eigentlich, dass ich getauft bin? Getauft auf „deinen Namen“?

Ich krame meine Taufurkunde hervor. Ich lese die Namen und Daten.

Was heißt das, dass ich getauft bin?

Es heißt wohl mindestens dies: An einem ganz konkreten Tag, an einem ganz konkreten Ort wurde mir öffentlich, sichtbar und hörbar zugesagt: Du bist einmalig. Du bist von Gott geliebt und dadurch einzigartig. Egal, welche Urteile die Welt und die Menschen noch über dich fällen mögen, egal was aus deinem Leben wird, ob es glücklich verläuft oder nicht, ob es lange währt oder nur kurz, egal, was auch immer du selber von dir und über dich denken magst: Diese Zusage kannst Du nicht mehr verlieren.

Und es gab Menschen, die haben mich in diese Zusage hineingestellt. Die haben mich zum Taufstein gebracht. Meine Eltern und Paten, Freunde der Familie, Geschwister: Sie alle waren dabei. Mit ihren Hoffnungen und Wünschen für mein Leben. Mit ihrer Freude über mich. Mit ihren Sorgen und Zweifeln.

Sie haben gebetet und gesungen, sie haben gelacht und vielleicht auch geweint.

All das gehört zu meiner Geschichte. Selbst wenn ich eines Tages an der Kirche verzweifeln und ihr den Rücken kehren sollte. Selbst wenn ich am Glauben zweifeln und ihn verlieren sollte: Es steht geschrieben und ist bezeugt, dass mir gesagt ist: Du gehörst zu Gott, der die Liebe ist.

Nun kann und will ich mir nicht vorstellen, dass diese Zusage nur denen gilt, die getauft sind. Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass Gottes Liebe, die den Tod überwunden hat, an irgendeiner Grenze Halt macht. Und schon gar nicht, dass Gottes Liebe Mitgliedsausweise kennt oder nach Taufurkunden fragt. Alle Menschen sind seine Geschöpfe, alle Menschen sind seine geliebten Gotteskinder.

Wo ist dann aber der Unterschied zwischen getauft und nichtgetauft?

Ich denke: Als getaufter Christ kann ich niemals mehr so tun, als wüsste ich nicht von Gott. Als hätte er mit mir nichts zu tun. Nur um den Preis der Verleugnung meiner Lebensgeschichte. Ich bin getauft, das heißt: Niemals kann ich meine Lebensgeschichte erzählen ohne den Namen Jesus Christus.

Ich kann aus der Kirche austreten und den Glauben verlieren, aber niemals kann ich so tun, als hätte ich seine Geschichte und seinen Ruf nicht gehört. Als hätte ich den Ruf und den Gesang seiner ersten Jüngerinnen und Jünger nicht gehört: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“

Ich bin angerufen als einer, der den Namen des Herrn kennt.
Ich bin von ihm angeredet, als Kind der Liebe und des Friedens.
Ich bin dazu aufgerufen, dem Frieden und der Liebe nachzujagen,
ihnen Raum zu geben in meinem Leben und auf dieser Welt.

Heute am Sonntag Kantate höre ich den Ruf neu.
Ich will in diesen Ruf einstimmen. In meinem Tun und Lassen. Im Singen und Beten.
In der Gewissheit: Ich kenne seinen Namen. Und er den meinen.

Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Amen.

  • Beten

Gott,

in der Taufe hast Du uns angerufen als die deinen.
Lass uns deinen Ruf hören.

Lass uns deinen Ruf des Friedens hören,
und für ihn einstehen,
wo Krieg und Zerstörung sich ausbreiten.

Lass uns deinen Ruf der Versöhnung hören
und für ihn einstehen,
wo Ausgrenzung und Feindbilder sich ausbreiten.

Lass uns deinen Ruf der Liebe hören,
und für ihn einstehen,
wo Wut und Hass sich ausbreiten.

Wir beten zu dir mit den Worten Jesu:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

(Pfarrer Georg Bucher)

Jubilate 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

Heute ist der Sonntag Jubilate, der mit dem Psalm 66 in den Jubel über die Auferstehung Jesu einstimmt. Der Wochenspruch verbindet diese Freude mit der Gegenwart Jesu: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm beten

Worte aus Psalm 66:

Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsinget zur Ehre seines Namens;
rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir,
lobsinge deinem Namen.

Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom;
dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,
seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,
lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.

  • Gebet

Guter Gott, mit dir finden wir Frieden und können Frieden weitergeben. Bewahre unseren Glauben durch Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

  • Ein Lied singen

EG 432: „Gott gab uns Atem, damit wir leben“

1) Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

2) Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

3) Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

  • Evangelium nach Johannes 15,1-8

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

  • Gedanken zum Text

Das erste Bier schmeckt am besten. Noch verschwitzt und verdreckt, direkt nach der Arbeit. Auf dem Bauernhof meines Freundes gibt es immer etwas zu tun. Nach einem Tag voller Arbeit genießen wir dann die Freude über das, was wir geschafft haben. Eine Mauer eingerissen, eine neue Mauer hochgezogen; geplant, Sachen ran geschafft, umgesetzt und aufgeräumt; wieder etwas in Ordnung gebracht. Zufrieden betrachten wir unser Werk. Ein guter Tag und ein wohlverdienter Feierabend. Noch vor der Dusche.

Jesu Wort ist erstaunlich. Ihr seid schon rein um des Wortes willen. Offenbar muss ich nichts tun, um rein zu sein. Jesus umschreibt das mit dem Bild des Weinstocks. Sein Vater ist der Gärtner, Jesus ist der Weinstock und wir sind die Reben. Unter Jesu Wort bin ich fruchtbringender Teil im Weinberg. Ich brauche den strengen Blick des Weingärtners nicht zu fürchten. Im Vertrauen auf das Wort Jesu, das sich in dieser österlichen Zeit in seiner Auferstehung erfüllt, wird auch mein Leben zuguterletzt in Gott bewahrt und voller Frieden sein.

Dieser Sprung im Vertrauen und Glauben, der letztlich nicht auf mein Werk, sondern auf die gute Botschaft Jesu setzt, macht mich frei von allen Äußerlichkeiten. Mein innerer Frieden in diesem Glauben ist entscheidend. Dennoch darf ich meine dunklen Seiten und Unzufriedenheiten, meine Sorgen und Ängste nicht einfach ignorieren. Und erst recht nicht die meiner Nächsten. Es ist nicht damit getan, auf die Gemeinschaft mit Jesu, auf das Bild der Reben am Weinstock hinzuweisen. Damit ist nicht von selbst alles gut. Der Sprung im Glauben bewahrheitet sich, wenn ich meinem Nächsten und mir mit Verständnis und Liebe begegne. Das ist das Zeichen, dass ich schon rein um des Wortes Jesu willen bin. So kann ich vor Gottes Augen bestehen.

Ich gebe zu, dass mich die Arbeit auf dem Bauernhof nicht mit derselben großen Leidenschaft erfüllt wie meinen Freund. Aber mir liegt daran, die gemeinsame Zeit mit ihm bewußt so zu verbringen. Wir können dann die Arbeit teilen, was mir durchaus auch ziemlich viel Mühe macht bei der ungewohnten körperlichen Belastung. Aber er weiß das zu schätzen. Unser Miteinander ist der eigentliche Grund für den tiefen Frieden, der unseren Feierabend und unser ganzes Leben schmackhaft und fruchtbar macht.

Amen.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Gott, in Jesu Wort finden wir Zufriedenheit ebenso wie die nötige Gelassenheit für die gegenwärtigen Tage.
Gib uns aber ein weites Herz, dass wir mit deinem Frieden den Frieden untereinander vermehren.
Angst und Sorgen bestimmen wie nach wie vor unsere Zeit.
Schenke uns deshalb die Einsicht, dass wir uns nur miteinander in Geduld und Sanftmut üben können.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Miserikordias Domini 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

Heute ist der Sonntag Misericordias Domini. Die „Barmherzigkeit Gottes“ verbunden mit dem tragenden Bild des guten Hirten. Die vertrauten Worte des Psalms 23 leiten diese Andacht ein.


Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm beten

Hört Worte aus Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

  • Gebet

Guter Gott,
du hast uns im Blick.
Auch wenn wir uns im Dunkeln verbergen.
Dein Licht strahlt in unsere Nacht.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

  • Ein Lied singen

Wochenlied ist heute die Nummer 274 im Gesangbuch: Der Herr ist mein getreuer Hirt. Der Text des Liedes wurde nach Worten des 23. Psalms gestaltet. Zu Beginn des Jahres haben wir es noch bei einem Seniorennachmittag in gewohnter Runde gesungen.

1) Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute, darin mir gar nicht mangeln wird jemals an einem Gute. Er weidet mich ohn Unterlass, da aufwächst das wohlschmeckend Gras seines heilsamen Wortes.

2) Zum reinen Wasser er mich weist, das mich erquickt so gute, das ist sein werter Heilger Geist, der mich macht wohlgemute; er führet mich auf rechter Straß in seim Gebot ohn Unterlass um seines Namens willen.

3) Ob ich wandert im finstern Tal, fürcht ich doch kein Unglücke in Leid, Verfolgung und Trübsal, in dieser Welte Tücke: denn du bist bei mir stetiglich, dein Stab und Stecken trösten mich, auf dein Wort ich mich lasse.

  • Predigttext 1. Petrus 2,21b-25

Da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

  • Gedanken zum Text

Der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz: Christus trägt meine Sünden hinauf an seinem Leib auf das Holz. Dieser Gedanke wird in der Philosophie schon seit über 200 Jahren zurückgewiesen. Immanuel Kant spricht von einer „allerpersönlichsten Schuld“, die der Mensch auch nur persönlich sühnen kann. Niemand anders kann sie auf sich nehmen. Auch nicht Christus. Die gute Botschaft des Petrusbriefes scheint damit erledigt zu sein.

Ihr wart wie irrende Schafe: Ich messe meine Sünde nicht an einem allgemein verbindlichen Gesetzeskatalog. Vielmehr messe ich sie an meinem inneren Kompass, der sich selbstverständlich an den 10 Geboten und am bürgerlichen Gesetzbuch orientiert, ebenso aber auch an meiner Erziehung und an meinen Erfahrungen mit meinen Mitmenschen. Daraus bilde ich mir eine persönliche Richtschnur, nach der ich mich und mein Verhalten ausrichte. Wenn ich davon abweiche, dann bemächtigt sich meiner Scham und Erschrecken. Da bin ich nicht ich selbst gewesen!, möchte ich dann ausrufen. Das ist nicht das Bild von mir, was ich meinen Mitmenschen zeigen möchte. Ja, das kann passieren, dass ich mich in mich selbst verirre; aus Not oder in Bedrängnis. Aber ich bin es dennoch selbst gewesen. Ich merke dann, wie dünn die Decke ist, die mich vor meinen dunklen Seiten bewahrt. So kenne ich mich gar nicht!, gebe ich dann entschuldigend zu; und hoffe, dass es in Vergessenheit gerät, was geschehen ist, oder mir zumindest nicht angerechnet wird.

Durch seine Wunden seid ihr heil geworden: Christus trägt meine Sünden hinauf an seinem Leib auf das Holz. Er macht das Gesagte und Getane nicht ungeschehen. Aber er erkennt mich auch unter der Sünde. Er lüftet den Schleier des Bösen, das in mir wohnt und mitunter zu Tage tritt, und sieht darunter das Gotteskind, dass sich dann selbst nicht mehr erkennt. Wie weit ich mich auch verirre, er findet mich. Er ist der gute Hirte meiner Seele, richtet mich auf, macht mich heil, schenkt mir Frieden, nimmt mich so an, wie ich wirklich bin.

Amen.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Hilf mir, Gott, dass ich mich nicht in mich selbst verfange;
dass ich nicht nur meine eigenen Bedürfnisse und Nöte zum Maßstab meines Handelns mache;
dass mir die Augen meines Herzens geöffnet werden, um meinen Nächsten anzunehmen mit allem Guten und Bösen;
dass ich trotz der Zeit und der Umstände mein Vertrauen auf dich nicht verliere
und weiß, dass ich dein Gotteskind bin in hellen und auch in dunklen Tagen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Quasimodogeniti 2020

Heute ist der Sonntag Quasimodogeniti. Wie ein Neugeborenes, heißt das ins Deutsche übersetzt; und erinnert uns daran, dass Gott neues Leben schafft und erhält.

Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm beten

Worte aus Psalm 116

Das ist mir lieb,

dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.

Denn er neigte sein Ohr zu mir;

darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen, / des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;

ich kam in Jammer und Not.

Aber ich rief an den Namen des Herrn:

Ach, Herr, errette mich!

Der Herr ist gnädig und gerecht,

und unser Gott ist barmherzig.

Der Herr behütet die Unmündigen;

wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;

denn der Herr tut dir Gutes.

Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,

mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem Herrn

im Lande der Lebendigen.

  • Gebet

Guter Gott,

du trägst uns ins Leben wie eine Mutter ihr Kind.

Bei dir sind wir geborgen.

Dein Licht strahlt in unsere Nacht.

Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

  • Ein Lied singen

EG 108: „Mit Freuden zart“

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=788&buch=21#player

1) Mit Freuden zart zu dieser Fahrt lasst uns zugleich fröhlich singen, beid, groß und klein, von Herzen rein mit hellem Ton frei erklingen. Das ewig Heil wird uns zuteil, denn Jesus Christ erstanden ist, welchs er lässt reichlich verkünden.

2) Er ist der Erst, der stark und fest all unsre Feind hat bezwungen und durch den Tod als wahrer Gott zum neuen Leben gedrungen, auch seiner Schar verheißen klar durch sein rein Wort, zur Himmelspfort desgleichen Sieg zu erlangen.

3) Singt Lob und Dank mit freiem Klang unserm Herrn zu allen Zeiten und tut sein Ehr je mehr und mehr mit Wort und Tat weit ausbreiten: so wird er uns aus Lieb und Gunst nach unserm Tod, frei aller Not, zur ewgen Freude geleiten.

  • Predigttext: Jesaja 40

Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat all dies geschaffen?
Gott führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen;
seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst:
»Mein Weg ist dem Herrn verborgen,
und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?
Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat,
wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft
und Stärke genug dem Unvermögenden.
Jünglinge werden müde und matt,
und Männer straucheln und fallen;
aber die auf den Herrn harren,
kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden.

  • Gedanken zum Text

Lea macht sich Sorgen. Seit Wochen hat sie ihre Oma nicht besuchen können. Sie möchte nicht, dass sie krank wird. So hat es ihr ihre Mutter erklärt. Dass sie schon die ganze Zeit zu Hause ist und nicht zur Schule geht, findet sie eher komisch.  Nur manchmal eben beschleicht sie eine schwer zu fassende Furcht. Gut, dass ihre Mutter jetzt in der Nähe ist. Dann geht sie zu ihr und drückt sie fest an sich.

Herr Müller ist traurig. Das kleine Haus am Stadtrand wirkt so leer ohne seine Frau. Seine Gedanken wandern. Er denkt an die Trauerfeier im kleinen Kreis. Er denkt zurück an die guten Jahre mit ihr. Ein zärtliches Lächeln liegt auf seinem Gesicht, wenn er sich an die ersten Begegnungen mit ihr erinnert. Sie fehlt ihm sehr. Sein ganzes Herz ist voll davon. Aber er ist dankbar, wenn er mit seiner Tochter telefoniert und spürt, dass er die Trauer nicht alleine tragen muss.

Marleen ist wütend. Über die Ungerechtigkeit in der Welt. Sie möchte ihren Reichtum gerne teilen mit den Menschen, die fast gar nichts zum Leben haben. Wenn sie über die Zustände in den Flüchlingslagern liest, könnte sie schreien vor Zorn. Sie versteht nicht, warum niemand hilft. Sie fühlt sich ohnmächtig angesichts dieser Zustände. Doch der Zorn gibt ihr auch Kraft. Mit allen Mitteln und bei jeder Gelegenheit erinnert sie daran, dass wir nicht alleine auf der Welt leben. Der Zuspruch, den sie erfährt, gibt ihr Hoffnung.

Der Prophet Jesaja ermuntert mich zum aufrechten Gang:
Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Diese Haltung stärkt mich und weitet meinen Blick.
Oft reicht er nicht sehr weit. Dann bleibe ich hängen an dem, was mein Leben unmittelbar umgibt. Sorgen, Trauer und Zorn bestimmen mein Gemüt. Diese Gefühle scheinen stärker zu werden, je weniger ich den Mut habe, meinen Blick aufzurichten. Als ob es dadurch noch schlimmer werden könnte, was ich dann sehe und was in Zukunft auf mich zukommen kann. Unüberschaubar ist das. Unausforschlich. Jesaja beschreibt dieses Umsichselbstkreisen mit den Worten: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber.« Genau das beschreibt mein Gefühl. Niemand sieht meine Sorge, niemand sieht meinen Kummer, niemand sieht meine Angst. Und niemand interessiert sich dafür.

Es ist dann schwer, Hoffnung zu fassen und eine bessere Zukunft in den Blick zu bekommen. Alles das ist so schwer zu begreifen. 

Jesaja sagt aber: Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Ich richte meinen Blick auf und merke plötzlich, dass meine Gedanken mich irre geführt haben. Meine Müdigkeit hat meine Augen verschlossen. Wenn ich sie aber öffne, finde ich neue Kraft. Nicht in einer ferne bn Zukunft. Sondern mitten in der Gegenwart. Eine Hand, die mich hält. Ein Wort, dass mir Mut zuspricht. Ein Herz, dass meine Traurigkeit teilt.

Gott gibt mir in den Menschen, die mir nah sind und ebenso besorgt, bekümmert und wütend,  Stärke und Geborgenheit.

Amen.

Ein Lied singen EG303

  • Ein Lied singen

EG 303: „Lobe den Herren, o meine Seele“

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=880&buch=21#player

1 Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in‘ Tod; weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat. Halleluja, Halleluja.

3 Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hilfe der Gott Jakobs ist, welcher vom Glauben sich nicht lässt trennen und hofft getrost auf Jesus Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am besten Rat und Tat. Halleluja, Halleluja.

4 Dieser hat Himmel, Meer und die Erden und was darinnen ist gemacht; alles muss pünktlich erfüllet werden, was er uns einmal zugedacht. Er ist’s, der Herrscher aller Welt, welcher uns ewig Treue hält. Halleluja, Halleluja.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Hilf mir,
dass ich in aller Ungewissheit und Angst
nicht das Vertrauen verliere.
Lass mich und die anderen besonnen bleiben.
Bewahre die Schwachen.
Sorge für die Kranken.
Sei bei allen, die sterben.
Beschütze alle,
die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten,
die Kranke pflegen,
Eingeschlossene versorgen
und sich darum bemühen, dass wir haben,
was wir zum Leben brauchen.


Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Ostermontag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

Nein, wir haben uns noch nicht an diese Zeit gewöhnt. Heute würde der Osterspaziergang „nach Emmaus“ anstehen, den wir gemeinsam mit den Gemeinden in Wörmlitz-Böllberg und Gesundbrunnen unternehmen würden.

Aber auch heute, am Ostermontag gilt:
Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm zu Ostermontag beten

Hört Worte aus Psalm 118,
um mit ihnen zu danken, zu klagen, zu loben:

Der Herr ist meine Macht und mein Psalm
            und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten:
            Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Die Rechte des Herrn ist erhöht;
            die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben
            und des Herrn Werke verkündigen.

Der Herr züchtigt mich schwer;
            aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,
            dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

Das ist das Tor des Herrn;
            die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir, dass du mich erhört hast
            und hast mir geholfen.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
            ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen
            und ist ein Wunder vor unsern Augen.

Dies ist der Tag, den der Herr macht;
            lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

  • Ein Lied singen

„Wir wollen alle fröhlich sein“ (EG 100,1.5)

1) Wir wollen alle fröhlich sein
in dieser österlichen Zeit,
denn unser Heil hat Gott bereit‘.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

5) Des freu sich alle Christenheit
und lobe die Dreifaltigkeit
von nun an bis in Ewigkeit.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

  • Gedanken

Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden, und sprach zu ihnen: So steht’s geschrieben, dass der Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Von Jerusalem an seid ihr dafür Zeugen. Und siehe, ich sende auf euch, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.

Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Das hat Hand und Fuß, heisst eine Redewendung. Sie gibt in guter Zuversicht wieder, dass eine Sache oder eine Planung taugt. Sie ist für den Alltag genügend. Mag der äußere Anschein auch dagegen sprechen. Oder vielerlei Bedenken, die das eine oder andere dagegen einzuwenden haben. Nein, sagt da die Stimme dieser Worte, nein, so können wir es machen; und es wird zu einem guten Ende führen. Der auferstandene Christus ist kein Geist, kein Gespenst, kein Hirngespinst, keine kettenklirrende und angstmachende Erscheinung aus der Vergangenheit. Christus ist gegenwärtig, mit Fleisch und Knochen und hat Hand und Fuß. Auch heute!

Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen. Der auferstandene Christus isst. Fisch liegt nahe. Das ist die Speise seiner Kindheit. Wie sie wohl zubereitet war? Haben die Jüngerinnen und Jünger den Fisch gebraten? Gab es Beilagen? Und welche Sorte Fisch war es? Wichtig allein aber ist, dass Jesus isst. Er tut seinem Körper etwas Gutes. Er genießt sein Leben. Auch der auferstandene Körper braucht was zwischen die Zähne. Er ist kein unfassbarer Seelengeist, sondern ein Körper von Fleisch und Blut. So wie ich. Ängstlich, begeistert, hungrig, zufrieden, liebebedürftig und liebegebend, voller Energie oder auch müde. So nah, wie ich mir selbst bin, ist mir auch der auferstandene Christus.

Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden. Jesus will, dass ich verstehe. Hier sieh, sagt er, das ist alles schon immer von mir gesagt worden. Ich bringe dir keine unverständliche Neuigkeit. Vertraue dem, was dir schon immer vor Augen war. Lese es noch einmal. Sortiere es neu ein. Und vergiss es nicht, auch wenn es dunkel um dich wird und wenn dich das Leben bedrückt. Und ich schaue ich mich um und sehe alles das, von dem Jesus spricht. Dunkles und Helles, Totes und Lebendiges, Schweres und Leichtes. Jesus ist mir aber nah. Im Leben und im Leben darüber hinaus. Der Tod ist nicht mehr in Gottes Hand.

Amen.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Still sein

Ich will dir danken, Gott, dass wir auch in diesen Tagen deine Nähe erfahren können. Deine Botschaft muss nicht ruhen. Manche neue Wege der Verkündigung über Internet, Postkasten und Telefon sind vielleicht ungewohnt. Aber das ist deiner Botschaft nah, dass wir sie auch heute anders hören lernen.

Still sein

Ich denke an die Menschen, die nicht nur in Krisenzeiten einsam sind. Menschen sind wir aus Fleisch und Blut; und so ist uns diese Nähe überlebenswichtig. Gebe uns Kraft und Kreativität, auch denen nah zu sein, die uns nicht so nah sind.

Still sein

Hilf mir,
dass ich in aller Ungewissheit und Angst
nicht das Vertrauen verliere.
Lass mich und die anderen besonnen bleiben.
Bewahre die Schwachen.
Sorge für die Kranken.
Sei bei allen, die sterben.
Beschütze alle,
die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten,
die Kranke pflegen,
Eingeschlossene versorgen
und sich darum bemühen, dass wir haben,
was wir zum Leben brauchen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Ostersonntag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

  • Vorbereiten

Wie gern wären wir jetzt beieinander.
Wie sehr fehlt die Gemeinschaft:
Gemeinsam lachen, reden, singen, beten, feiern.
All das ist nicht möglich. Das schmerzt.

Lasst uns trotzdem aufbrechen, mit dem Läuten der Glocken.
Nicht mit den Füßen. Sondern mit unseren Gedanken.
Mit unserer Seele.
Mit unserem Herzen.
Wo immer wir gerade sind.

Lasst uns im Geläut den Ruf erklingen hören:
Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

  • Anfangen

Lass uns zur Ruhe kommen, Herr.
Sammle uns aus aller Zerstreuung.
Hol uns in deine Liebe.
Lass uns spüren: Wir sind nicht allein. Wir sind geborgen und vereint in Dir.  

  • Den Wochenpsalm beten

Worte aus dem Gebetbuch der Bibel.
Worte aus Psalm 118.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

            Der Herr ist meine Macht und mein Psalm

und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:

Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

            Die Rechte des Herrn ist erhöht;

die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben

und des Herrn Werke verkündigen.

            Der Herr züchtigt mich schwer;

aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,

dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

            Das ist das Tor des Herrn;

die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir, dass du mich erhört hast

und hast mir geholfen.

            Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,

ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen

und ist ein Wunder vor unsern Augen.

            Dies ist der Tag, den der Herr macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

            Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

            Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

  • Ein Lied singen

EG 101: Christ lag in Todesbanden

1) Christ lag in Todesbanden, für unsre Sünd gegeben, der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben. Des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dankbar sein und singen Halleluja. Halleluja.

2) Den Tod niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern; das macht alles unsre Sünd, kein Unschuld war zu finden. Davon kam der Tod so bald und nahm über uns Gewalt, hielt uns in seim Reich gefangen. Halleluja.

3) Jesus Christus, Gottes Sohn, an unser Statt ist kommen und hat die Sünd abgetan, damit dem Tod genommen all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Tods Gestalt, den Stachel hat er verloren. Halleluja.

4) Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben ‚rungen; das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen. Die Schrift hat verkündet das, wie ein Tod den andern fraß, ein Spott aus dem Tod ist worden. Halleluja.

5) Hier ist das recht Osterlamm, davon wir sollen leben, das ist an des Kreuzes Stamm in heißer Lieb gegeben. Des Blut zeichnet unsre Tür,b das hält der Glaub dem Tod für, der Würger kann uns nicht rühren. Halleluja.

6) So feiern wir das hoh Fest mit Herzensfreud und Wonne, das uns der Herr scheinen lässt. Er ist selber die Sonne, der durch seiner Gnaden Glanz erleucht‘ unsre Herzen ganz; der Sünden Nacht ist vergangen. Halleluja.

  • Auf Gottes Wort hören

Worte aus dem Markusevangelium, im 16. Kapitel.

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander:
Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 
Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. 
Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen:
Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten.
Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.
Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

  • Gedanken zum Text

„…sehr früh, als die Sonne aufging.“

Noch ist es nicht wieder ganz hell
als die Frauen zum Grab aufbrechen.

Noch können wir nicht wieder beisammen sein.
Noch sitzen wir zu Hause.

Öl bringen die Frauen zum Grab,
um den Geruch des Todes zu vertreiben.
Um dem Gesicht des Verstorbenen, Jesus,
noch einmal den Glanz des Lebens zu verleihen.
Sie hängen noch am Gestern.
Sie wollen den Tod erträglich machen.

Noch hängen wir am Gestern.
Trauern um das, was nicht mehr ist,
was nicht sein kann.
Wir richten uns ein,
wir versuchen, es erträglich zu machen.

Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. […] Uns sie entsetzten sich.

Dann geschieht, was nicht sein kann,
und deshalb macht es Angst:

Der Stein ist weggerollt.
Der Stein vor dem Grab, der den Toten geborgen hat.
Der Stein, der unseren Blick auf die Welt begrenzt,
so dass wir im Tod das Ende sehen.
Der Stein, der uns geborgen hat in unseren Sorgen,
in unserem Tun,
in unserem Blick zurück.

Der Stein soll einfach weg sein?
Ohne unser Zutun,
ohne unsere Anstrengung?

Den Tod niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern“.

Der Stein wurde weggewälzt.
Das, was hier geschehen ist, aber nicht beschrieben wird,
ist etwas, bei dem Gott alleine handelt.

„… und sie entsetzten sich.“

Entsetzlich: all unser Tun und Sorgen, all unsere Blicke zurück,
all unser Hängen am Gestern: umsonst.

„Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten.
Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“

Den, den ihr Sucht, werdet ihr hier nicht finden.
Nicht bei den Toten.

Das, wonach ihr Euch sehnt, findet ihr nicht mit dem Blick zurück.

„Geht aber hin“!

Geht. Geht hinaus ins Leben. Nach Galiläa, in euren Alltag.
Geht hinaus vor die Tür, lasst Euch die Sonne ins Gesicht scheinen,
die aufgegangen ist,
während ihr ins Grab geblickt habt.
Die Euch hell bescheint.

Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

Geht den Weg weg vom Grab.
Geht ihn als Weg zurück ins Leben.
Geht ihn – ihm nach.
Er ist längst diesen Weg gegangen:
Vom Leben ans Kreuz. Vom Kreuz ins Grab. Und vom Grab ins Leben.
Geht ihm nach. Er ist bei euch.
Von jetzt an immer. Verwandelt. Manchmal schwer zu erkennen.
Aber ganz gewiss: da.
Ihr werdet sehen.

Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Der Stein wurde weggewälzt. Ohne unser Zutun.
Wir leben von jetzt an ein Leben, in dem der Tod nicht das Ende ist
und keine Macht mehr über uns hat.
Das ist entsetzlich schwer zu glauben. Das ist entsetzlich schwer, sich vorzustellen.

Aber: Die Geschichte ist nicht zu Ende.
Sie geht jetzt erst richtig los.
Die Geschichte der beiden Frauen.
Die Geschichte der ersten Christen.
Unsere Geschichte.

Die Geschichte dieser Welt mit Gott.
Schreiben wir sie weiter. Erzählen wir sie weiter. Leben wir sie weiter.
Treten wir hinaus. Blicken wir nach vorn.
Die Sonne ist längst aufgegangen,
während wir noch entsetzt ins Grab geblickt haben.

So feiern wir das hoh Fest mit Herzensfreud und Wonne, das uns der Herr scheinen lässt. Er ist selber die Sonne, der durch seiner Gnaden Glanz erleucht‘ unsre Herzen ganz; der Sünden Nacht ist vergangen. Halleluja.

AMEN.

  • Beten

Herr unser Gott,
wir bitten Dich:

Geh mit uns hinein in diese Welt, weg vom Grab.

Geh mit uns in diesen Tagen, an denen wir alleine sind.

Steh an unserer Seite, wenn wir uns einsam fühlen.

Schicke deine Engel an die Krankenbetten,
birg die Ärztinnen und Krankenpfleger unter deine Fittiche.

Nimm die Kinder an die Hand, die ihre Spielkammeraden so schmerzlich vermissen. Schenke den Erwachsenen Geduld und Ruhe.

Leg Deine Hand auf die Schulter derer, die schwere Entscheidungen zu treffen haben.

Zeige uns die, die wir vergessen in der Sorge um uns selbst.
Lass uns an die Ränder blicken und darüber hinaus.

Gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Amen.

Ihnen und Ihren Lieben ein gesegnetes Osterfest!

Ihr Pfarrer Georg Bucher

  • Möge die Straße uns zusammenführen

Möge die Straße uns zusammenführen
und der Wind in deinem Rücken sein;
sanft falle Regen auf deine Felder
und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Refrain: Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand;
und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand.

Karsamstag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:  

  • Vorbereiten

Ich höre auf mit dem, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Lass mich zur Ruhe kommen.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht meine Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Wochenpsalm beten

Worte aus dem Gebetbuch der Bibel.
Worte aus Psalm 88.

HERR, Gott, mein Heiland,
ich schreie Tag und Nacht vor dir.

Lass mein Gebet vor dich kommen,
neige deine Ohren zu meinem Schreien.

Denn meine Seele ist übervoll an Leiden,
und mein Leben ist nahe dem Totenreich.

Ich bin denen gleich geachtet, die in die Grube fahren,
ich bin wie ein Mann, der keine Kraft mehr hat.

Ich liege unter den Toten verlassen,
wie die Erschlagenen, die im Grabe liegen,
derer du nicht mehr gedenkst und die von deiner Hand geschieden sind.

Du hast mich hinunter in die Grube gelegt,
in die Finsternis und in die Tiefe.

Wirst du an den Toten Wunder tun,
oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken? SELA.

Wird man im Grabe erzählen deine Güte
und deine Treue bei den Toten?

Werden denn deine Wunder in der Finsternis erkannt
oder deine Gerechtigkeit im Lande des Vergessens?

  • Ein Lied hören

1. O Traurigkeit, o Herzeleid! Ist das nicht zu beklagen? Gott des Vaters einig Kind wird ins Grab getragen.

2. O große Not! Gott selbst ist tot, am Kreuz ist er gestorben, hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb‘ erworben.

3. O Menschenkind, nur deine Sünd‘ hat dieses angerichtet, da du durch die Missetat warest ganz vernichtet.

4. Dein Bräutigam, das Gotteslamm, liegt hier mit Blut beflossen, welches er ganz mildiglich hat für dich vergossen.

  • Auf Gottes Wort hören

Worte aus dem Matthäusevangelium, im 27. Kapitel.

Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm den geben. 
Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon.
Es waren aber dort Maria Magdalena und die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber.
Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die Hohenpriester und die Pharisäer bei Pilatus und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Nach drei Tagen werde ich auferweckt.
Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste.
Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt. 
Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein.

  • Gedanken zum Text

Pilatus und seine Einflüsterer:
„Was, wenn Jesu Anhänger einen Betrug aushecken?
Oder, noch viel schlimmer:
Was, wenn es wirklich stimmt, was er gesagt hat:
Dass er auferstehen wird?
Dass er den Tod überwinden wird?
Dass keiner vergessen wird, unten in der Grube,
in der Finsternis und in der Tiefe?
Dass er treu ist, auch den Toten?
Sollte das alles wirklich stimmen?

Was wäre dann mit unserer Herrschaft,
die von der Angst sich nährt?
Was wäre dann mit unserer Macht,
die vom Tod sich nährt, den wir verbreiten
mit dem Schwert?

Das darf nicht sein! Niemals!
Da müssen Wachen davor.
Das muss unterdrückt und versiegelt werden.
Wo kämen wir sonst hin!“

Josef aus Arimathäa:
„Ich will ihn legen in mein Grab.
Ich will dem beschmutzten und geschändeten Leib
Würde und Ehre geben.
Ich will den Leib begraben,
aber nicht meine Hoffnung,
die noch immer ruht auf ihm.“

Die beiden Marias:
„Wir wollen wachen und bei ihm sein,
so wie er bei uns war.
Wir akzeptieren seinen Tod nicht.
Wir nehmen ihn weiter beim Wort:
»Nach drei Tagen werde ich auferweckt.«
Kein Schwert und keine Wache,
kein Siegel und kein Stein
soll uns schrecken.
Wir bleiben hier und wachen bei ihm.
Dabei helfe uns Gott.“

Amen.

  • Beten

Herr unser Gott,
wir bitten Dich:

Hilf uns, auszuharren.
An den Gräbern,
an den Betten,
in der Einsamkeit,
in der Stille.

Lass uns aushalten,
dass so viele Fragen offenbleiben,
dass so viele Zweifel sich nicht in Gewissheit verwandeln,
dass so viel Schmerz nicht gelindert,
dass so viel Leid sinnlos ist,
dass deine Schöpfung so viele Abgründe hat.

Lass uns ausharren,
und vertrauen auf dich.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Amen.

(Pfarrer Georg Bucher)