Andacht zum ersten Sonntag nach Trinitatis – 7. Juni 2026
in der Böllberger Kirche.
Anfangen:
In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir. Amen
Eröffnung:
„Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ Diese Worte aus dem Lukasevangelium Kapitel10, Vers 16a begleiten uns durch die neue Woche.
Psalm 34:
Ich will den HERRN loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Meine Seele soll sich rühmen des HERRN,
dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!
Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten,
und hilft ihnen heraus.
Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
Wohl dem, der auf ihn trauet!
Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen!
Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.
Reiche müssen darben und hungern;
aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.
Lied: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr – EG 382:
1. Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;
fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;
mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?
Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.
2. Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,
mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Hast du mit Namen mich in deine Hand,
in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?
Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?
Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?
3. Sprich du das Wort, das tröstet und befreit
und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt,
und lass mich unter deinen Kindern leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.
Predigttext: Apostelgeschichte 4, 32-37:
Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.
Predigt:
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.
Liebe Gemeinde, kennen sie das auch? Das Erinnern an schöne Tage, und Erlebnisse? Manches erscheint einem verklärt, Unangenehmes wird ausgeklammert.
Der Predigttext des heutigen Sonntags hat ein wenig von solch einem Erinnern. Er nimmt uns mit hinein in die Zeit der Apostel und der ersten Gemeinden. Der Evangelist Lukas erzählt in der Apostelgeschichte, quasi seinem Fortsetzungswerk des Evangeliums wie Kirche und Gemeinde idealerweise sein können.
Liebe Gemeinde, damals war noch alles neu. Die Luft war noch erfüllt vom Duft des Pfingstwunders: vom Feuer, das über die Köpfe der Jünger gefallen war, von den Stimmen, die in fremden Sprachen redeten, von der Fülle des Heiligen Geistes, die über alle kam: Juden, Griechen, Fremde, Sklaven und Freie.
Niemand hatte damit gerechnet. Niemand hatte es geplant.
Aber es war geschehen.
Und nun, nur wenige Wochen später, saß man in Jerusalem zusammen, zum Gebet, zum Hören der Apostel, zum Lebenteilen. Man aß gemeinsam. Man teilte, was man hatte. Man sprach miteinander, nicht nur über Gott, sondern über den Hunger, über die Sorgen, über die Freude, über die Angst vor den Behörden, über die Hoffnung, dass Jesus wiederkommt.
So stelle ich es mir vor.
„Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele,“ so beschreibt es Lukas.
Keine Rede von einem gemeinsamen Programm oder Plan, keine Satzung, die etwas regelt. Nur: Ein Herz, eine Seele.
Ich stelle mir vor – ich bin dabei! Sie sind dabei.
Wir kommen aus dem Tempel , wo wir gerade noch mit Petrus und Johannes gesprochen haben. Sie haben gerade wieder von Jesus erzählt, von seiner Auferstehung, von seiner Liebe, von seiner Kraft, die auch heute noch wirkt.
Wir sind ganz aufgewühlt, nicht nur von den Worten, sondern von dem, was wir fühlen bei all den guten Hoffnungsbotschaften.
Wir gehen nach Hause, aber nicht allein.
Wir gehen zu einer Gruppe, die sich in einem kleinen Haus versammelt hat.
Da sitzt Maria, die Mutter Jesu, und hört zu.
Da ist Barnabas, der aus Zypern kommt, und er erzählt von seinem Acker, den er verkauft hat – nicht, weil er musste, sondern weil er wollte. Er legt das Geld den Aposteln zu Füßen und sagt:
„Nehmt es! Teilt es aus! Wer etwas braucht, soll es bekommen.“
Und keiner, liebe Gemeinde, keiner fragt: „warum?“ Niemand kommentiert: „Das ist zu viel.“
Stattdessen: Schweigen und Nicken, ein Lächeln und ein „Danke“.
Und dann geht es weiter, wie es gemeinsam schon länger pflegen: Gemeinsam Brot brechen, beten, lachen und auch weinen, wenn es dran ist.
Liebe Gemeinde, es ist bestimmt keine perfekte Gemeinschaft, die sie haben, die ersten Gemeinden. Es menschelt immer. Zusammenleben bringt auch Schwierigkeiten. Garantiert gab es auch Streit. Es gab Missverständnisse. Es gab Tage, an denen jemand zu müde war, um zu kommen, Tage, an denen jemand sich zurückzog, weil er sich nicht verstanden fühlte.
So ist es in der Realität, in der Gemeinschaft, ob Familie, Freunde, Gemeinde oder Sportverein.
Aber die Brüder und Schwestern damals – sie blieben, weil sie wussten: Wir gehören zusammen, weil sie wussten: „Was wir haben, ist nicht unser Eigentum, sondern ein Geschenk, das wir teilen dürfen.“
Und so geschah es, weiß die Apostelgeschichte zu erzählen, dass, wer Land oder Häuser besaß, sie verkaufte und das Geld in die Gemeinschaft einbrachte – nicht, um sich zu rühmen, nicht, um Anerkennung zu bekommen, sondern, weil es “richtig“ war für Gott und für die Gemeinschaft.
Mich beeindruckt Barnabas in der Erzählung von damals ganz besonders: Er hat seinen Acker, ist ein ganz normaler Mensch mit allem, was einen da so beschäftigen kann.
Der Acker hat sicher auch was eingebracht für die Versorgung der eigenen Eltern oder der selbst gegründeten Familie.
Er hatte vielleicht auch einiges schon reingesteckt an Arbeit und Mühe. Auf so einen eigenen Acker, auf dem was wächst, darauf kann man ja auch stolz sein, denk ich mir.
Und dann verkauft er ihn, nicht um noch mehr Geld oder Besitz haben zu können, sondern um das Geld abzugeben. Er legt das Geld den Aposteln zu Füßen und geht weiter, ohne zu fragen, wer es bekommen würde, ohne zu wissen, ob es reichen würde, ohne zu erwarten, dass jemand ihm dankt. Er tut es einfach, weil er glaubt und hofft und für sich weiß: Gott selbst sorgt.
Und Barnabas war scheinbar nicht allein damals. Es gab viele wie ihn: Männer und Frauen, die sagten: „Ich teile, weil ich glaube.“ „Ich gebe, weil ich hoffe.“ Und: „Ich bleibe in der Gemeinschaft, weil ich durch Gott dazugehöre.“
Was für ein schönes Bild von Gemeinde und Kirche wird mir da durch Lukas vor Augen gestellt. Da bleibt niemand allein, ob in finanziellen oder auch in lebenspraktischen Nöten und Sorgen.
Und ich spüre, wie dieses Bild bis heute unsere Gemeinden formt. Gott sei Dank!
Da ist einer krank aus der Gemeinde und viele denken an ihn mit Gebeten, mit guten Worten für seine Familie. Aber auch ganz praktisch wird geholfen: Eine kocht eine Suppe für die Familie, ein anderer fährt mal den Einkauf nach Hause. Und wieder andere verabreden sich zum Posaunenspiel vor dem Krankenhaus für den Erkrankten und alle, die dort liegen.
Oder die Kinderfreizeit für alle Kinder der Gemeinde: Nicht alle können sich das finanziell leisten. Da hilft der Fonds für Kinder, Jugendliche und Familien der Gemeinde gern aus.
Das sind nur zwei Beispiele aus einer Gemeinde. Viele andere aus unserem Gemeindeleben können sicher ergänzt werden.
An solchen Beispielen wird spürbar, dass die Kraft, die damals gewirkt hat, auch heute noch wirkt, weil der Geist, der über die Jünger gekommen ist, auch heute noch über uns kommen kann und weil die Hoffnung und die Liebe, die die Jünger miteinander getragen hat, auch heute weiter tragen kann.
Die Vorstellung, dass wir dieses schöne, bestärkende Bild von Gemeinde und Kirche immer weiter formen und mitgestalten können, macht mir Mut etwas zur Sprache zu bringen, was unsere Nachbargemeinde in Beesen betrifft. Im neuen Gemeindebrief der Beesener Gemeinde ist folgendes zu lesen:
Bauwagen-Defi zit Liebe Gemeinde, das Bauwagenprojekt auf der Silberhöhe ist ein fester Bestandteil in unserer Gemeinde. Hier zeigt sich in besonderer Weise das diakonische Wirken von uns Christen im Halleschen Süden. Viele von Ihnen sind dem Projekt verbunden. Sie spenden Spielzeug, Lebensmi el und Geld für den Erhalt dieses besonderen Ortes. Auch andere Gemeinde sammeln zu unterschiedlichen Anlässen für uns Gelder. Die Arbeit vor Ort ist uns wich g. Hier werden Menschen aufgefangen. Hier tri man auf off ene Ohren und weite Herzen. Und die Kinder genießen die Fürsorge und Aufmerksamkeit, die ihnen geschenkt wird. In diesem Jahr konfi rmieren sogar 4 Jugendliche, die über den Bauwagen in unsere Kirchengemeinde gefunden haben. Sechs Jahre haben wir das Projekt am Laufen gehalten und auch ausgebaut, aber wir kommen nun an einen Punkt, an dem wir überlegen müssen, wie es weitergeht. Die Stadt Halle hat uns für 2026 die beantragten Mi el von 30.000 Euro nicht freigegeben. Wieder einmal stehen wir vor einem riesigen fi nanziellen Loch, das wir nicht aus eigener Kra stopfen können. Dazu laufen die Fördergelder der Landeskirche zum Juni 2027 aus. Gemeinsam mit der Stadtmission suchen wir nach Lösungen. Eines ist für uns gerade klar: Wir wollen nicht aufgeben! Und wir werden für den Erhalt des Bauwagens kämpfen! Dabei liegt uns viel daran, dass wir Sie weiterhin an unserer Seite wissen. Ohne Geldspenden können wir das Projekt nicht aufrechterhalten. Darum bi e ich Sie im Namen der Kinder und Mitarbeiter:innen am Bauwagen herzlich um Ihre Unterstützung. Jeder Euro – wirklich jeder – zählt.
Und außerdem sind da noch die vielen Möglichkeiten sich dem Bruder oder der Schwester neben mir zuzuwenden, zu fragen: „Wie geht es dir? Wie geht es dir wirklich?
Sich Zeit nehmen zum zuhören, zum trösten, zum beten zur ganz praktischen Hilfe, aber auch selbst um Hilfe bitten, etwas annehmen, wenn ich etwas brauche
Vielleicht merke ich dadurch: Ich gehöre zu Gottes Familie. Ich bin hier und ich bleibe in Seiner Hand.
Vielleicht wird damit immer mehr wahr, was Lukas beschreibt: die Einheit der Gläubigen. Ja, ganz sicher ist unsere Gemeinschaft nicht perfekt. Aber sie ist echt, nicht groß, aber lebendig, nicht ideal, aber wahr.
Gott braucht keine perfekten Menschen.
Ich denke, Er braucht Menschen, die bereit sind, da zu sein mit dem, was sie können, Menschen, die sich nicht verstecken, sondern sich zu zeigen trauen,
Menschen, die bereit sind, mit anzupacken und weiter zu hoffen,
Menschen, die aus dieser Hoffnung leben, aus der Kraft, die Jesus Christus mit seinem Leben und Auferstehen geschenkt hat,
so, wie damals, so wie heute, so, wie wir.
Der Apostel Paulus macht Mut dazu:
„Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!“(Phillipper 4,6)
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus.“ Amen.
Miteinander und füreinander beten:
Du Gott voller Güte, es gibt so vieles, was deine Güte braucht
Es gibt so vieles, was wir uns anders wünschen.
Wir bringen es vor dich.
Sei bei den Kindern und Jugendlichen,
die kein liebevolles, geordnetes Zuhause haben.
Erhalte den Sozialarbeitern, Mitarbeiter der Kirchen
und ehrenamtlichen Helfern die Kraft
für diese Kinder und Jugendlichen da zu sein.
Zeige ihnen Wege auf, Lösungen für die finanziellen Probleme zu finden.
Mache Menschen in Kirchengemeinden und Kommune bereit
mit ihren Möglichkeiten zu helfen.
Sieh auf die vielen Kriege in der Welt.
Wir stehen hilflos vor den Zerstörungen, dem Morden in diesen Ländern.
Mache Politiker, Militärvertreter der Staaten und Leitungen der Kirchen fähig miteinander zu reden und nach Lösungen zu suchen.
Lass das Sehnen nach Frieden und Gerechtigkeit wachsen und zum Willen, das Gute für die geschundenen Völker zu erreichen.
Gott, es gibt noch viel mehr, wo wir auf deine Hilfe bauen.
Wir legen alles in das Gebet, dass uns dein Sohn
und unser Bruder Jesus Christus gelehrt hat.
Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Segen
Es segne und behüte uns der allmächtige
und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.
(G. Naumann)