Andacht am 2.Sonntag nach Trinitatis

Anfangen:
In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Begrüßung:
Mit dem Wochenspruch aus dem Matthäusevangelium für die neue Woche ist eine Einladung Jesu verbunden:
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
Worte aus Psalm 36:
Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
und dein Recht wie die große Tiefe.
Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Predigttext:
Der Predigttext steht im 2.Kapitel des Epheserbriefes, Vers 17-23.
Und Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch,
die ihr fern wart, und Friede denen, die nahe waren.
Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge,
sondern Mitbürger und Hausgenossen der Heiligen und Gottes Hausgenossen,
erbaut auf dem Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist,
auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.
Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Zum Text:
Liebe Leser,
schön sah es nicht aus, auf den ersten Blick. Skeptisch schaut er auf den Boden der kleinen Dorfkirche.
Ziegelsteine im Gang zwischen den zusammengewürfelten Stühlen, an der Seite Sandsteine.
Alles durch die Zeit mächtig abgenutzt, viele Schritte wurden darauf gemacht, viele Füße haben sich darüber bewegt. Aber vor allem war es die seltsame Mischung aus Ziegel und Sandstein, die den Blick irritierte. Flickwerk, das war sein Eindruck, versehen mit der Vorstellung, dass ein einheitliches Material doch viel schöner wäre. Ordentlich sähe es dann aus.
Auch andere sahen das so und, wie ein kleines Wunder, hatte der Baureferent noch eine Ladung Sandstein in einem Lager. Das übliche Prozedere begann. Finanzierungsmöglichkeiten wurden geprüft,
der bautechnische Aufwand beschrieben und – das durfte bei einem Bauwerk aus der Barockzeit nicht fehlen – ein denkmalrechtliches Gutachten angefordert. Die Enttäuschung war groß, als das Gutachten da war. Typisch für die Zeit hieß es da, muss erhalten werden, eine Sanierung durch den Steinmetz wird empfohlen.
Die letzte Hoffnung war, dass dieser das für nicht angemessen oder möglich befinden würde. Und dann war er da, schaute sich um und nickte, erläuterte einige Maßnahmen und war zufrieden; er zeigte auf einen der Steine, man solle ihn mal genauer anschauen. Unter einem der Klappstühle konnte man eine Inschrift auf einem der ungeliebten Ziegelsteine erkennen; genauer gesagt,eine Jahreszahl, 1739. Da,sagte der Steinmetz nur, solange liegt er dort schon. Das ist was Besonderes.
Was für eine Entdeckung: Ein so alter Stein, und die anderen darum sind genauso alt. Bald 300 Jahre liegen sie dort schon. Ein Ziegel, der in Handarbeit angefertigt wurde und dem der stolze Handwerker die Jahreszahl eingeritzt hatte. Ein Stück seines Lebens schien sich in diesem unscheinbaren Stein widerzuspiegeln; und nicht nur seines. Der ganze Boden war plötzlich erfüllt von den Leben der Menschen, die hier seit langer Zeit zusammengekommen waren und ihre Spuren hinterlassen hatten;
es war, als ob sie mit dem Boden verschmolzen wären und unsichtbare Spuren trügen, die jeden Augenblick des Daseins dieser Kirche mitgestaltet und mitgebaut haben.
Es hätte auch der Boden hier in unserer kleinen Kirche sein können, der von den Spuren aus Jahrhunderten erzählt und darin die Erinnerung an diesen besonderen Ort bewahrt.
Hier sind es vielleicht eher Mauern und der Friedhof, die die Botschaft des Friedens verkünden. Seit Jahrhunderten, trotz Kanonenkugeln und Soldatengräbern, wird auch hier durch das Gebäude der Kirche verkündet:
Hier kommen wir zusammen. Hier herrscht Frieden, angesichts von Tod und Leben, von Leid und Freude, von Lobgesang und Klage, von Dank und Bitte. Hier herrscht Frieden, weil Gott ihn ns schenkt und wir so einen Ort brauchen, der in den Streitigkeiten der Menschen bewahrt bleibt; der etwas zeigt von der Lebendigkeit einer Tradition und eines Glaubens, die nicht erst seit 400 Jahren, sondern schon seit Jahrtausenden Trost und Hilfe weiterträgt.
Im Epheserbrief wird das ganz ähnlich beschrieben: Ein Zaun wird abgebrochen, Menschen kommen zueinander und übernehmen Verantwortung als Hausgenossen und werden selbst zu Boden und Wänden dieses Hauses. Es strahlt von Leben und Glauben daran, dass der Frieden Gottes hier seinen Platz gefunden hat.
„Er kam und verkündigte Frieden. Frieden für euch in der Ferne und Frieden für die in der Nähe.“
Judenchristen und Heidenchristen sind damals gemeint. Sie unterscheiden sich in ihren Traditionen und Erfahrungen, kommen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen, und doch gehören sie in Christus zusammen. Sein Friede verbindet sie und ermahnt sie immer wieder, im Frieden miteinander zu leben und offen zu sein füreinander und für all die, die noch dazu kommen.
Die, die fern waren, das waren damals die Heidenchristen, die erst dazu kamen zu ihren jüdischen Geschwistern. Innerhalb der Kirche sehen wir darin heute vielleicht die, die nur zu Weihnachten kommen. Und wir werden erinnert, dass wir selbst mal so fern waren und dazu gekommen sind und eine Einteilung in nah und fern nie endgültig und oft auch nicht hilfreich ist.
Denn wir alle zusammen gehören dazu und bauen gemeinsam am Haus Gottes und hinterlassen unsere Spuren. Manche als Backsteine, die die Wände festigen, andere als Glasbausteine, die es bunt und hell machen. Manche formen mit anderen zusammen einen Spitzbogen und tragen dazu bei, dass der Bau hoch und weit wird, manche sind Mauersteine außen hin, die Wind und Wetter trotzen müssen.
Alle diese verschiedenen Steine werden gebraucht. Alle, die verschiedenen Menschen, die wir sind, gehören dazu. Und der eine Eckstein, Christus, hält und zusammen.
„Denn durch Christus haben wir alle in dem einen Geist Zugang zum Vater.“ So erklärt es der Epheserbrief.
Damals war die junge Kirche im Wachstum begriffen. Das Haus wurde immer größer.
Heute verfallen viele kleine Dorfkirchen und werden nicht mehr genutzt. Es tut weh, sie so zu sehen. Und doch sind sie immer noch Zeuginnen von Gottes Frieden, der hier bei uns wohnen und wachsen will.
Und wir alle sind immer noch Steine dieses Hauses zusammen mit denen, die in Jahrhunderten vor uns hier und an vielen Orten gebetet und gehofft und geglaubt haben. Und auch nach uns werden sich Menschen zusammenfinden und im Namen Gottes Orte des Friedens gestalten und sich vom Geist des Friedens tragen lassen. Als Mitbewohner der Heiligen und Hausgenossen Gottes.
Amen.

Fürbittgebet
Menschenfreundlicher Gott, Deine Liebe führt Menschen zusammen.
Wir bitten dich für unsere Gemeinden.
Stärke unsere Liebe. In Deinem Haus ist Platz für die Vielen.
Lass Vertrauen zueinander wachsen. Gib uns die rechten Worte, von dir zu erzählen.
Baue durch uns an deinem Haus.
Deine Liebe überwindet Grenzen,
gib uns ein offenes Herz, für die, die uns besonders herausfordern.
Sei bei denen, die an Grenzen festgehalten werden,
die auf der Flucht sind, deren Leben bedroht ist.
Bring sie mit Menschen zusammen, die helfen können.
Stärke du die Demokratie in unserem Land und in Europa
und gib den Mächtigen dieser Welt Einsicht und Mut zum Frieden.
Das bitten wir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, der für uns zum Frieden wurde.
Vaterunser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Pfarrerin Märit Kaasch