14. Sonntag nach Trinitatis (10.09.)2023

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Eröffnung

Der Wochenspruch für die neue Woche steht im Psalm 103.
„Lobe den Herrn, mein Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

  • Psalmlied zu Psalm 146 (EG 303)

Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in` Tod;
Weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott.
Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat.
Halleluja.
Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren,
und kehren um zu ihrem Staub;
ihre Anschläge sind auch verloren,
wenn nun das Grab nimmt seinen Raub.
Weil denn kein Mensch uns helfen kann, rufe man Gott um Hilfe an.
Halleluja:
Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hilfe der Gott Jakobs ist,
welcher vom Glauben sich nicht lässt trennen
und hofft getrost auf Jesus Christ.
Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am besten Rat und Tat.
Halleluja.
Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen des, der so große Wunder tut.
Alles, was Odem hat, rufe Amen und bringe Lob mit frohem Mut.
Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und Heilgen Geist!
Halleluja.

  • Lesung: Lukas 17, 11-19

Es begab sich, als Jesus nach Jerusalem wanderte, dass er durch das Gebiet zwischen Samarien und Galiläa zog.
Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer;
Die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen:
Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!
Und da er sie sah, sprach er zu ihnen:
Geht hin und zeigt euch den Priestern!
Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein.
Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war,
kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme
und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm.
Und das war ein Samariter.
Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden?
Wo sind aber die neun?
Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte,
um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde?
Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.

  • Gedanken zum Text

Der heutige Text beinhaltet eine Weg- und Grenzgeschichte.
Jesus ist auf dem Weg von Galiäa über Samaria nach Jerusalem, das in Judäa liegt. Von daher ist es auch eine Grenzgeschichte. Denn, ein frommer Jude ging nicht durch Samaria. In Judäa leben die Rechtgläubigen, in Samaria die, die etwas anderes glauben. Die einen wollen mit den anderen nichts zu tun haben.
Dort, in einem unscheinbaren Ort, begegnet Jesus zehn Männern. Sie sind vom Aussatz gezeichnet, einer schlimmen Hautkrankheit, die, damit erkrankte vom normalen Leben ausschloss. Diese Hautkrankheit war sichtbar, machte die Erkrankten erkennbar.
Der Umgang mit Gesunden war streng verboten. Nicht einmal nähern durften sie sich gesunden Menschen, d.h. sie lebten abgesondert in unwirtlichen menschenfeindlichen Gebieten.
Aber das, was sie aus der Gemeinschaft der anderen ausschließt, bringt diese Männer zusammen.
Sie kommen aus verschiedenen Landesteilen, aber die Herkunft spielt jetzt keine Rolle. Sie sind zu einer Schicksalsgemeinschaft geworden, ausgeschlossen von der Beziehung zu anderen Menschen, ihren Familien, Nachbarn und Freunden.
Und sie sind ausgeschlossen vom Besuch des Tempels, der Gemeinschaft mit Gott.
Lukas schreibt, „die zehn stehen von ferne“.
Sie dürfen sich Jesus nicht nähern, sie dürfen die Grenze nicht überschreiten. Aber sie dürfen ihre Stimme benutzen und mit ihr die Grenze überschreiten.
„Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!“
Der Schrei hallt durch die Stille. Ihre ganze Verlassenheit, Ausweglosigkeit stecken sie in diesen Schrei.
Jesus hört den Schrei.
Jesus hört in ihm die große Not, die ihm entgegen geschrieen wird. Jesus erkennt ihre Not, ihre ganzes Elend.
Er unterbricht seinen Weg, wendet sich ihnen zu und schickt sie auf einen Hoffnungsweg.
„Geht hin, zeigt euch den Priestern!“
Das heißt, überschreitet die Grenze und geht auf einem neuen Weg.
Wie eine Heilung bestätigt wird ist klar vorgeschrieben im biblischen Gesetz, eine Art Quarantäneregel aus antiker Zeit.
Wer geheilt vom Aussatz war, musste sich waschen, sich scheren und wiederholt den Priestern zeigen, opfern und wurde dann als geheilt entlassen.
„Geht, zeigt euch!“ Wenn das keine Zumutung war?
Am Aussehen der Haut hatte sich nichts geändert.
Noch sah sie krank aus und nun diese Zumutung. Geht dahin, wo euch niemand liebevoll empfangen wird, wo kühle Sachlichkeit über „Gesund oder Krank“ entscheiden wird.
Sind sie in den Augen der Priester gesund gibt es das neue Leben in der Heimat mit Familie, Nachbarn und Freunden.
Lautet das Urteil „nicht gesund“ heißt es zurück über die Grenze in Isolation an einsamen Orten weiter dahin zu vegetieren.
Im Gegensatz zu anderen Heilungsgeschichten gibt es hier keine
Sofortheilung.
Jesus mutet den Männern fast unmenschliches zu.
Ohne Sicherheitsgarantie, nur auf sein Wort hin – GEHT!
Und sie gehen dorthin, wo sie hingehen dürfen.
Nehmen in Kauf, dass es umsonst sein könnte, dass man sie davon jagt zurück über die Grenze ins alte Leben.
Sie glauben und gehen. Und während sie gehen, heißt es ganz schlicht, werden sie rein.
Einer trennt sich von seinen Leidensgenossen. Er kommt zurück zu Jesus, fällt vor ihm nieder und dankt aus vollem Herzen.
Er kehrt um, er ein Samariter kehrt an den Ort zurück, wo seine Heilung ihren Anfang nahm. Für ihn ist der Ort der Verbannung, des Schreckens, zum Ort des Heils geworden.
Wo bleiben die anderen? So lautet Jesu verwunderte Frage, die nicht beantwortet wird.
Doch der Geheilte erhält Zuspruch und Wegweisung:
Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.
Geh zurück zu den Menschen, die zu dir gehören.
Geh zurück in die Welt der Lebendigen.
Jesus muss weitergehen, seinen Weg nach Jerusalem.
Auch der Samariter geht seinen Weg in seine Welt, in der er verkünden kann, was ihm geschehen ist.
Was er erlebt, erlitten und gesehen hat, wird ihn von nun an begleiten. Aber er ist geheilt an Leib und Seele.
Und die, die weitergegangen sind?
Sie fehlen. Das macht die Geschichte deutlich. Es steht noch aus, dass sie kommen und danken. Das Heil gilt aller Welt.
Erst die „ZEHN“ ist die vollkommene Zahl. Alle Menschen sollen heil werden und teilhaben dürfen am Glück der Gottesnähe, der Gemeinschaft, sollen teilhaben dürfen am Leben.
Einer ist zurückgekehrt, Neun fehlen – noch.
Eine Geschichte auf dem Weg und über Grenzen wird uns erzählt. Eine Geschichte auf dem Weg zwischen Leben und Tod, Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Einsamkeit und Nähe.
Eine Weg- Geschichte zwischen Glauben und dem Warten auf Glauben.
Spüren wir die Sehnsucht, fühlen wir, was uns fehlt, wissen wir, wohin wir gehen sollen? Und welche Grenze wir überwinden müssen? Die Antwort muss Jede und Jeder für sich selbst finden.
Amen.

  • Füreinander beten

Gott, für alles Gute, dass du uns tust danken wir dir.
Wir bitten dich für alle, die morgens mit einem Dank auf den Lippen aufstehen und abends dankbar zu Bett gehen.

Wir bitten dich für die Menschen, die das Gute nicht sehen können,
die das Leben bitter und misstrauisch gemacht hat.

Wir bitten dich für alle, die aus allem das Beste machen
und denen oft zuviel zugemutet wird.

Wir bitten dich für jene,
die andere teilhaben lassen an dem Guten, dass ihnen widerfährt.
Die teilen und abgeben, die sich kümmern und sorgen.
Die sich engagieren und Verantwortung übernehmen.

Wir bitten dich für alle, denen vorenthalten wird,
was sie zum Leben brauchen:
ein Auskommen und Frieden, ein Zuhause und Geborgenheit,
Liebe und Respekt.

In Jesu Namen bitten wir:
Vaterunser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns, Gott, der Allmächtige und Barmherzige,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

(Gudrun Naumann)