Invokavit 2021

  • Eröffnung

So beginnt sie, die Passionszeit. Ein Jahr stecken wir schon in den Herausforderungen , die im vorigen Jahr um diese Zeit begonnen haben. Vieles hat sich darin gezeigt. Sanftmut und Versuchung in einem. Wir richten unsere Fragen an Gott und sagen: Bin ich‘s, Herr? (Matthäus 26) Gemeinsam gehen wir auf die Suche nach Antworten.
AMEN.

  • Worte aus Psalm 91

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
der spricht zu dem Herrn: /
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
und von der verderblichen Pest.
Er wird dich mit seinen Fittichen decken, /
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,
vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,
vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
Denn der Herr ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht.
Es wird dir kein Übel begegnen,
und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

  • Worte aus Johannes 13,21-30

Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.
Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s? Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.
Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm:
Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

  • Jesus fragen – Gedanken zum Text (mit Anstößen von Katharina Karg und Dorothea Reggelin)

Jesus wurde erregt im Geist. Und das bedeutet nach der griechischen Vokabel: Etwas bricht auseinander. Die gewöhnliche Ordnung geht verloren. Ein Sturm über sonst ruhigen Wassern. Bestürzung und Beunruhigung, ein innerer Aufruhr nimmt in Jesus Platz. Nach Gottes Plan.
Jesus spricht es aus, was ihm in diesem Moment offenbart wird. Er bezeugt das, was in naher Zukunft geschehen wird. Ein unausweichlicher Weg für ihn und die Jünger. Einer wird mich verraten.
Den Jüngern wird bange. Ein Verrat? Wer von uns Getreuen sollte das sein? Dürfen wir fragen? Vielleicht kann es der Lieblingsjünger? Er ist Jesus näher als alle anderen. Er hat ihn – besonders – lieb. Er wird es nicht sein. Jesus wird es ihm nicht ins Gesicht sagen müssen.
Jesus antwortet: Der ist‘s, dem ich den Bissen eintauche. Johannes hört es. Die anderen auch? Sie bleiben stumm. Niemand reagiert auf das, was gleich geschieht. Keiner von ihnen begreift, was er meint,
als Jesus dem Judas den Bissen reicht. In dieser Geste, die fast mütterlich erscheint, verändert sich die Unordnung. Der Bissen ist ein Symbol. Sollte Jesus versucht sein, den unausweichlichen Weg nicht zu gehen; dieser Versuchung nicht standhalten zu können? Da nimmt der Satan, der Versucher, seinen Platz in Judas. Was du tust, das tue bald. Es bleibt nicht mehr viel Zeit.
Judas geht wortlos in die Nacht.

Mir ist bange in dieser Welt. Selbst in der Nähe Jesu. Selbst nach der Taufe. Selbst nach einem langen Lebensweg im Glauben. Unübersehbar ist das, was mich weggeführt haben könnte; was mich vielleicht vom Weg Gottes abweichen ließ in der Vergangenheit und in der Zukunft. Nur Gott kennt meine Sünden und Versuchungen.

Vom wem redet Jesus? Wer ist der Verräter? Keiner der Jünger schließt sich aus. Auch ich trage den Schrecken in mir. Sogar meine scheinbar guten Gedanken und Taten könnten mich zu diesem Verrat versucht haben. Um mich abzuwenden von dem vorgegebenen Weg Gottes.
Denn auch ich nehme wahr in dieser Zeit:
Etwas ist aus der gewöhnlichen Ordnung geraten in diesem Land. Die Übereinkunft unseres Zusammenlebens franst an den Rändern aus. Dinge werden wieder sagbar, die sonst schlimmstenfalls im Verborgenen geäußert wurden. Schamlose Fragen und noch schamlosere Antworten sind wieder gang und gäbe. Manche wirken harmlos: Sollen wir die „Fremden“ zu uns lassen? Sind die Maßnahmen verhältnismäßig? Müssen wir nicht endlich wieder Ordnung schaffen in diesem Land? Wie sieht die aus, die wirkliche Ordnung? Und wer profitiert eigentlich davon? Wer hat Recht?

Habe ich darauf Antworten? Und von wem werden sie mir eingeflößt? Wer reicht mir diese Bissen? Soll ich nachfragen; wirklich ernsthaft nachfragen? Will ich es tatsächlich hören, das göttliche Urteil? Oder doch lieber noch ein wenig – wie lange? – in der Hoffnung leben, dass es mit mir nichts zu tun hat? Dass Jesus diesen Weg nicht wegen mir gehen musste? Geht das überhaupt, wenn nicht einmal die Jünger bei ihm geblieben sind und – wie Petrus – Jesus verleugneten? Nur Johannes hört die Antwort, der selbst unter dem Kreuz mit Maria ausharrt.

Judas hatte keine Wahl. Der Bissen war für ihn. Und ich weiß nicht, ob ich nicht auch schon längst diesen Bissen entgegengenommen habe. Das stellt alles in Frage. Es gibt keine Sicherheit, der ich mich selbst versichern könnte. Es liegt letztendlich in Gottes Hand.
Er schicke mir seine Engel: Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Amen

  • Ein Gebet miteinander und füreinander im Lied

EG 401 Ach, bleib mit deiner Gnade

1) Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ,
daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

2) Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert,
daß uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.

3) Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht;
dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.

4) Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr;
dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

5) Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held,
daß uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.

6) Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott;
Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.

  • Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)