Andacht am 2. Sonntag der Passionszeit (Reminiszere)

Andacht am 2. Sonntag der Passionszeit (Reminiszere)

Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit

      Denke an mich in deiner Gnade.

      Erhöre mich und hilf mir.

Reminiszere! – Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit.

Diese Worte stehen über dem 2. Sonntag der Passionszeit.

Besonders an bedrängte und verfolgte Christen wird im Gebet gedacht.

In diesem Jahr gilt unser Gedenken den Christen in Armenien.

Lied:

Ich heb mein Augen sehnlich auf und seh die Berge hoch hinauf,
wann mir mein Gott vom Himmelsthron mit seiner Hilf zustatten komm.

Mein Hilfe kommt mir von dem Herrn, er hilft uns ja von Herzen gern;
Himmel und Erd hat er gemacht, hält über uns die Hut und Wacht.

Er führet dich auf rechter Bahn, wird deinen Fuß nicht gleiten lassen;
setz nur auf Gott dein Zuversicht; der dich behütet, schläfet nicht.

Der treue Hüter Israel` bewahret dir dein Leib und Seel;
Er schläft nicht, weder Tag noch Nacht,
wird auch nicht müde von der Wacht.

Der Herr dein’ Ausgang stets bewahr,
sind Weg und Steg auch voll Gefahr,
bring dich nach Haus in seinem Geleit von nun an bis in Ewigkeit.

Text: 4.Mose 21, 4 – 9

Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege und redete wider Gott und wider Mose: Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier und uns ekelt vor dieser mageren Speise.

Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk;

Die bissen das Volk, das viele Israeliten starben.

Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den HERRN und wider dich geredet haben.

Bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme.

Und Mose bat für das Volk.

Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie auf einer Stange hoch auf.

Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben.

Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf.

Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

Gedanken zum Text

Was steckt alles in diesem Text: Frust über den Weg, der in die Freiheit führen soll, Mangel an dem, was man Lebensqualität nennt, Freiheit, die versprochen ist und unerreichbar scheint, ein Stück Magie, die gesunden lässt.

Worüber soll ich sprechen? Und dann ist da der Name des Sonntags „Reminiszere – Gedenke“  –  „Gedenke , Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.“ Also! Nicht ich oder wir sind zum Gedenken

aufgerufen sondern Gott wird an seine ständige Barmherzigkeit erinnert.

Und was wird uns im Text erzählt?

Wir hören, wie so oft, vom Murren des Volkes auf dem Weg von der Sklaverei in Ägypten ins versprochene „gelobte Land“.

Was waren sie begeistert und voller Elan im Augenblick der Erlösung und Befreiung. Doch diese Stimmung konnte angesichts der Mühen, die zu bewältigen waren nicht aufrechterhalten werden.

Mehrfach erlebten es die Israeliten auf ihrem Weg durch die Wüste. Jeder Errettung folgte eine Zeit der Entbehrung.

Und mit ihr der Blick zurück in eine angeblich bessere Zeit. Deren Leiden werden ausgeblendet, Versagen wird verschwiegen, Unrecht schöngeredet.

Die Gegenwart wird schlecht geredet. Das notwendige und lebenserhaltende Manna, das sie in der Wüste gefunden haben wird zu einer mageren Speise, vor der man sich ekelt.

In der jüdischen Literatur aus den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt wird deshalb das Verhalten der Schlange, die seit dem Paradies Erde fressen muss und dies klaglos tut, gelobt gegenüber dem Volk: Das darbende Volk Israel bekommt immerhin Manna. Aber es ist nicht dankbar, sondern es murrt.

In einem jüdischen Text heißt es:

„Eine BAT KOL (eine göttliche Stimme) kam aus der Erde und ihre Stimme wurde in der Höhe gehört: Kommt, seht, alle Geschöpfe, und kommt, horcht alle Fleischessöhne! Ich habe die Schlange am Anfang verflucht und habe gesagt: Der Staub wird deine Nahrung sein. Ich habe mein Volk aus dem Lande Ägypten heraufgeführt und habe ihnen das Manna vom Himmel herabkommen lassen und ich habe ihnen den Brunnen

heraufsteigen lassen aus dem Abgrund und habe ihnen Wachteln vom Meer herbeigeführt. Und mein Volk fängt wiederum an, vor mir zu murren wegen des Manna, das eine leichte Kost ist. Es komme die Schlange, die wegen der Nahrung nicht gemurrt hat, und herrsche über das Volk, das wegen der Nahrung gemurrt hat.“

(Targum Codex Neophyti).

Ja, in Resignation und Enttäuschung schießt man gern über das Ziel hinaus. Mose wird angegriffen, Gott wird angegriffen. Dabei hat Gott die Befreiung doch erst möglich gemacht.

Trotzdem: die Resignation ist da – und sie wandelt sich in Zorn. Und solcher Zorn ist ein schlechter Ratgeber. Er öffnet Tür und Tor, die auf falsche Versprechungen  hören lassen. Doch solche Versprechungen können wie „giftige Schlangen“ sein, die rationales Denken und Handeln unmöglich machen.

Die Vergangenheit war gut. Deshalb die Sehnsucht zurück nach den Fleischtöpfen Ägyptens. Doch dieses Geschehen gilt auch noch für unsere Zeit.

Kleiner Exkurs: wir kennen das auch! Wie groß war der Jubel als im November 1989 die Mauer fiel, der Weg in die Freiheit offen war, blühende Landschaften versprochen wurden.

Doch die kamen nicht sofort. Und so wird der angeblich gerechte Zorn von Menschen zum Anlass genommen für Unrecht, Gewalt und Missachtung der Menschenrechte.

Soweit zu unserem Erleben.

Wie ist dann aber das Erlösungsbilld von der „ehernen Schlange“ in unserem Text zu verstehen?

Hilft da wirklich eine eherne kupferne Schlange, die an einem Stab aufgerichtet da steht und auf die zu schauen die Hilfe bringt? Das klingt nach Magie, Aberglauben!

Doch es geht nicht um die Anbetung dieses Bildes.

Es heißt nur: wenn jemand gebissen wird, soll er seinen Blick erheben zu der Schlange.

In diesem Sinn deutet schon der Text des alttestamentlichen  Buches „Die Weisheit Salomos“ den Blick über die Schlange hinaus.

Dort heißt es: „denn wer sich zu diesem Zeichen hinwandte, der wurde errettet – nicht durch das, was er anschaute, sondern durch dich, den Heiland aller Menschen“ (Weish.16,7).

Wobei wir Christen uns klar machen müssen, dass der Schreiber der Weisheit unter „Heiland aller Menschen“ nicht Christus sondern Gott meint.

Nicht die Schlange ist das Besondere, sondern die veränderte Blickrichtung. Solange ich aufgrund der Geschehnisse nur auf den Boden starre kann ich die Umgebung nicht wahrnehmen. Ich suche nur nach dem was mich ängstigt und bedrohen könnte.

„Kopf hoch“ heißt es oder auch: Schaut hinauf zur Schlange und über sie hinaus auf die Gegenwart Gottes. So kann Kraft wachsen auch den giftigen Biss der Schlange zu überleben.

Das meint: überwindet Feindseligkeit untereinander, wehrt die Verdrehung von Wirklichkeit und Gerücht ab, lasst euch den Blick auf die Zukunft nicht nehmen.

Das hat nichts mit Aberglauben zu tun, der dieser ehernen Schlange eine heilende Kraft zu spricht. Es geht um eine Verhaltensänderung, es geht darum den  Kopf zu heben,

der Enttäuschung Hoffnung entgegenzusetzen,

die eigene Frustration zu überwinden.

Den Blick aufzurichten, über die engen Grenzen der eigenen Welt hinauszuschauen und einen neuen Horizont zu entdecken.

So kann der Weg aus der Depression, die sich auch in unsere

Zeiten immer wieder hineindrängen möchte, gelingen.

Gott macht unser Fehlverhalten nicht ungeschehen.

Aber er hilft uns neue Perspektiven und einen neuen Horizont wahrzunehmen.

Wir haben das genauso nötig wie die Israeliten auf ihrem Weg von der Sklaverei in die Freiheit. Seine Barmherzigkeit helfe uns dazu. Amen.

Fürbitte

Guter Gott, vor dich bringen wir unsere Gedanken und Sorgen.

Wir denken an die Armenier, die aus Bergkarabach vertrieben wurden.

Lass im sie Mutterland Armenien eine neue Heimat finden.

Gib ihnen dort Menschen an die Seite, die ihnen Schutz und Hilfe geben und ihnen helfen die traumatischen Erlebnisse der Flucht zu verarbeiten.

Wir denken an die Menschen in der Ukraine, die sich gegen die Übermacht der russischen Angreifer verteidigen, die ihre Heimat und ihre Freiheit retten möchten.

Wir denken an die Familien und Freunde der verwundeten und gefallenen Soldaten und Soldatinnen. Lass sie nicht verzweifeln

und gib ihnen Menschen an die Seite, die sie in ihrem Schmerz, ihrer Trauer und ihrer Angst vor der Zukunft begleiten.

Wir denken an die Menschen im Gazastreifen und in Israel.

Wehre dem Hass und den Agressionen der Hamas und der Regierung Israels.

Lass sie Wege finden miteinander in ihrem angestammten Land zu leben. Und lass die Erkenntnis wachsen, dass nur in gegenseitiger

Anerkennung ein sinnvolles Leben in die Zukunft führen kann.

Gott, wir bitten um deine Hilfe. Lass die Regierenden und Politiker, die Verantwortlichen in den Kirchen und Religionsgemeinschaften lernen miteinander zu reden und bei ihren Beschlüssen nicht dem eigenen Vorteil sondern dem Wohl der Völker und dem Erhalt von Frieden und Gerechtigkeit größte Priorität zu geben.

Dein Sohn Jesus Christus hat uns gelehrt unsere Feinde zu lieben und für unsere Verfolger zu beten. In seinem Namen beten wir:

 Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Es segne und behüte uns der barmherzige gnädige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(Lektorin Gudrun Naumann)

Ausfall: Bastelnachmittag (28.11.)

Aufgrund der Pandemielage entfällt der für Sonnabend, den 28. November 2020, 14.30 Uhr, angekündigte Bastelnachmittag!

AUSSTELLUNG –

ABSTRAKTE MALEREI in der Lutherkirche.

Arbeiten der Klassen 10 des Kunstgymnasiums Wettin.

Die Kirche ist täglich von 9.00 – 18.00 Uhr geöffnet.

90 Jahre Lutherkirche

Donnerstag, 31. Oktober (Reformationstag)

10.00 Uhr Ökumenischer Festgottesdienst in der Lutherkirche

mit Kantate „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke“ von Johann Pachelbel. Im Anschluss Sekt/Saft und Reformationsbrötchen und Zeit für Grußworte.

13.00 Uhr Führung durch das „Lutherviertel“ mit Herrn Klaus-Dieter Weiser

15.00 Uhr „Lutherspass“ für Groß und Klein. Wir versetzen uns in die Zeit Martin Luthers und sind kreativ (z.B. mit Tusche und Feder). Leitung: Frau Ulrike Simm und Team.

Sonntag, 3. November um 15.00 Uhr in der Lutherkirche Musical „Martin Luther“

Mitwirkende: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, der Gospelchor, der Posaunenchor und Instrumentalisten unserer Gemeinden.

Leitung: Gemeindepädagogin Ulrike Simm und Kantorin Katharina Gürtler.

Sonntag, 1. Dezember (1. Advent) um 17.00 Uhr im Gemeindehaus

„Musik und Texte zum Advent“ Konzert mit dem Kammerchor „Convivium musicum“.

Leitung: Till Voss / Texte: Pfarrer Olaf Wisch

Nacht der Kirchen

Nacht der Kirchen in der Lutherkirche.

18.00 Uhr:    „Lo Bosc“  –  Balfolk  &  Traditionelle Tänze. (Gesang: Christine Paques,  Geige:  Katharina Guhlmann,  Akkordeon:  Toralf Friesecke)

20.00 Uhr    Ausstellungseröffnung:   „Die Zehn Gebote“ – Gemäldezyklus von Bernd Baumgart

22.00 Uhr    Gospelchor  „Come&sing“

23.00 Uhr    Nachtgebet nach der Ordnung von Taize

Der Dachstuhl wie auch der Turm sind zur Besichtigung geöffnet.

Lichtobjekt „Lutherkirche“

NEUE AUFLAGE ab sofort erhältlich!

Der hallesche Künstler Franz Gabriel Walther hat für seine Serie der „Lichtobjekte“ ein neues Motiv kreiert – die Lutherkirche und sakrale Gebäude in ihrer Nachbarschaft.

Diese zierlichen Tischleuchten für Kerzen oder kleine LED-Ketten sind  wunderbar gestaltet mit Bildern von der Lutherkirche, der Kirche zur Heiligsten Dreieinigkeit mit dem Wasserturm Süd, der Johanneskirche und der Kapelle des Südfriedhofes.
Das Besondere an diesen kleinen Kunstwerken sind die ausgestanzten filigranen Öffnungen, die den Betrachter glauben machen, dass einige Fenster hell erleuchtet sind, der Mond scheint und die Sterne leuchten oder aus einer geöffneten Tür das Licht herausdringt.

Diese Lichtobjekte sind nicht nur ein ausgefallenes Geschenk für liebe Menschen, auch für den eigenen Tisch sind sie, gerade wenn die Tage kürzer werden, ein stimmungsvolles Detail.

Wir freuen uns sehr über das große Interesse an den „Lutherkirche“-Lichtobjekten! Die zweite Auflage steht ab sofort zur Verfügung.

In der Luthergemeinde können die Lichtobjekte dann wieder gegen eine Spende von 12,00 € pro Stück erworben werden. Im Anschluß an die Gottesdienste oder während der Sprechzeiten des Gemeindebüros (Dienstags von 16-17.30 Uhr und Mittwochs von 10-12 und 17 – 18.30 Uhr).

Gottesdienst

Konfirmationsgottesdienst mit Abendmahl und Kindergottesdienst am Pfingstfest

Am Pfingstfest erleben die Freunde Jesu die Kraft des Heiligen Geistes, der ihnen Mut und Vertrauen gibt die Erfahrungen, die sie mit Jesus und seiner Botschaft gemacht haben, an die Menschen in Jerusalem weiter zu geben. Von dort aus breitete sich die Botschaft von Jesus immer weiter aus. Deshalb gilt das Pfingstfest auch als Geburtstag der Kirche.

Wochenspruch für die Pingstwoche: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“ (Sacharja  4,6)

Die Kollekte ist für das Evangelische Schulwerk /Schulgeldsozialfonds bestimmt.

Gottesdienstleitung: Pfarrer M. Brien / Gemeindepädagogin U. Simm

Bericht aus dem Gemeindekirchenrat (GKR)

In den Sitzungen des GKR im Februar und März haben unsere Kindergartenleiterin, Frau Jung und die Gemeindepädagogin, Frau Simm über ihre Tätigkeit in der Gemeinde berichtet. Frau Jung berichete über die sehr heterogene Belegung des Kindergartens. Neben Kindern mit Migrationshintergrund aus verschiedenen Ländern, werden auch Kinder mit besonderem Förderbedarf und Kinder aus sozial schwierigen Familien betreut. Das macht die Arbeit nicht leicht, denn die Kinder sollen nicht nur betreut, sondern auch gebildet werden.

Im Bericht von Frau Simm stand die Freude über viel gelungene Arbeit mit Kindern und Famlien im Vordergrund. Besonders der monatlich stattfindende Frauenkreis macht viel Freude. Für die Gottesdienste der „Familienkirche“ wünscht sie sich die Teilnahme von mehr Familien.

Weiterhin standen die Sanierung der Pfarrwohnung sowie die Planung der Gemeindearbeit während der Zeit der Vakanz auf der Tagesordnung.

Ökumenische Passionsandacht

Ökumenische Passionsandacht (Böllberger Kirche, Böllberger Weg 152)

29. März:  TRAUM.  Mit geschlossenen Augen  (Odilon Redon);  Pfrn. Ulrike Treu