Gottesdienst zum Erntedankfest am 27. September in der Wörmlitzer Kirche.
Anfangen:
In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Eröffnung:
Nicht alles im Leben ist käuflich oder selbstverständlich. Gegen manche Risiken kann man sich absichern oder sie minimieren. Aber das Gedeihen der Feldfrüchte, des Obstes sind abhängig vom Wetter. Wir müssen sie uns schenken lassen und Gott für seine Zuwendung DANKE sagen. Der Spruch für die neue Woche drückt dies aus: Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit. (Psalm 145, 15).
Lied: Auf Seele, Gott zu loben! (nach Psalm 104).
1. Auf Seele, Gott zu loben! Gar herrlich steht sein Haus.
Er spannt den Himmel droben gleich einem Teppich aus.
Er fährt auf Wolkenwagen, und Flammen sind sein Kleid.
Windfittiche ihn tragen, zu Diensten ihm bereit.
2. Gott hat das Licht entzündet, er schuf des Himmels Heer.
Das Erdreich ward gegründet, gesondert Berg und Meer.
Die kühlen Brunnen quellen im jauchzend grünen Grund,
die klaren Wasser schnellen aus Schlucht und Bergesgrund.
3. Vom Tau die Gräser blinken, im Wald die Quelle quillt,
daraus die Tiere trinken, die Vögel und das Wild.
Die Vögel in den Zweigen lobsingen ihm in Ruh,
und alle Bäume neigen ihm ihre Früchte zu.
4. Gott lässt die Saaten werden zur Nahrung Mensch und Vieh.
Er bringet aus der Erden das Brot und sättigt sie.
Er sparet nicht an Güte, die Herzen zu erfreun.
Er schenkt die Zeit der Blüte, gibt Früchte, Öl und Wein.
Text:
Markus 8, 1-9:
Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen:
Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen.
Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen.
Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen?
Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben.
Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus.
Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen.
Und sie aßen und wurden satt.
Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll.
Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen.
Predigt:
Wird die Suppe, wird der Kuchen reichen? Wie viele Menschen werden kommen? Reicht das Brot? Der Nachtisch! Haben wir genug Getränke? Wird das, was da auf dem Buffet steht, für alle ausreichen?
Liebe Gemeinde, ich vermute sie kennen solche und ähnliche Fragen, die einem durch den Kopf gehen, wenn man ein paar mehr Menschen als sonst an seinen Tisch eingeladen hat, ein größeres Fest plant oder in der Gemeinde überlegt, wie viele Töpfe Suppe wir nun heute brauchen, dass es für alle reicht.
Oft ist dann die Erfahrung, hungrig geht niemand nach Hause. Eher mit etwas bauchdrücken, weil man zu viel gegessen hat, weil es so gut geschmeckt hat. Es ist mehr als genug da und es bleibt viel übrig und immer hat man etwas Not, die leckeren Reste noch zu verteilen.
Jesus und seine Jünger sehen sich in der Geschichte von der Speisung der 4000 einer ganz anderen Realität gegenüber. Es geht auch um die Frage, wird das Essen für alle reichen. Aber in einer Situation, die nicht so lang planbar war, wie ein Fest zu dem man eingeladen hat.
Wieder einmal, hat sich eine große Menschenmenge um Jesus versammelt.
Manche hatten weite Wege. Sie warten drei Tage und Nächte und bleiben einfach in seiner Nähe.
Da sind Menschen, die Jesus hören wollen, die sich etwas von ihm erhoffen: tragende Worte für ihre Seele suchen, Zuspruch für ihr hartes und armes Leben,
Worte die den inneren Hunger stillen,
Worte, die ihnen Hoffnung geben.
Und sie haben Hunger, echten Hunger, nach 3 Tagen in einer Gegend, in der man sich nicht schnell, selber mit essen versorgen kann.
Jesus hat zu ihnen gesprochen. Gleichnisse erzählt, vom Reich Gottes gesprochen. Er könnte sich jetzt zurückziehen in die Stille.
Seinen Teil hat er getan. Nahrung für die Seele hat er Ihnen gegeben.
Aber er nimmt auch ihren Hunger im Bauch wahr. Beides gehört für ihn zusammen: Der Hunger in ihrem Bauch und der Hunger in ihrer Seele.
Jesus ahnt, spürt, weiß: Wenn er die Menschen jetzt so nach Hause schickt, dann wird ihre Kraft für den Heimweg nicht reichen. Seelennahrung und leibliche Stärkung. Beides brauchen sie für den Heimweg und auch darüber hinaus.
Liebe Gemeinde, die Geschichte von der Speisung der 4000 ist eine Geschichte vom Hunger und vom gesättigt werden.
Hungrig sein, das kann ganz unterschiedliche Facetten haben:
Ich sehe die alleinerziehende Mutter, der es gerade nicht möglich ist, arbeiten zu gehen. Nicht weil sie nicht will und kann, sondern weil sie sich immer wieder um ihr krankes Kind kümmern muss. Immer wieder reicht es nicht für das Nötigste. Da kommt das Wochenende auf sie zu, und sie weiß, es wird nicht genug zu essen da sein.
Da ist der junge Mann, lebenshungrig. Der immer wieder an seine körperlichen Grenzen gehen muss, um sich und das Leben zu spüren.
Alles dreht sich um einen durchtrainierten Körper, um Bestzeiten, um immer größere sportliche Herausforderungen.
Ich sehe in unsere Gesellschaft und sehe unser Ringen, wie ein gutes, gerechtes Zusammenleben möglich sein kann?
Ich sehe unsere Sorge um unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Auch unsere Ratlosigkeit, wie es jetzt nach der Wahl weitergehen wird. Antworten fehlen, Positionen und Meinungen stehen sich unvereinbar gegenüber, tastend versuchen wir miteinander über Grenzen hinweg im Gespräch zu bleiben und merken wie schwer das ist. Hungrig nach Verständigung, nach Visionen die tragen, nach Schritten aufeinander zu.
Jesus sorgt sich um unseren Hunger. Davon erzählt die Geschichte.
Er sieht, wenn das Brot nicht reicht.
Er nimmt wahr, wenn wir versuchen unseren Lebenshunger mit immer mehr, immer weiter, immer höher zu stillen.
Er sieht unsere Sehnsucht nach einem guten Zusammenleben von Menschen, dass uns immer wieder nicht gelingen will.
Jesus sieht, dass wir etwas brauchen,
was uns stärkt und sättigt, um den Weg, durch unseren Alltag zu schaffen.
Seinen Teil hat er schon gegeben. Jetzt geht es darum, zu sehen, was wir selbst in den Taschen haben.
Seine Jünger wollen vermutlich helfen aber sind ratlos. „Woher nehmen wir Brot, für so viele Menschen in dieser Einöde“ fragen Sie. Sie sehen gar nicht mehr, was sie noch zu geben haben, mit ihren eigenen Händen. Vielleicht, weil sie denken, es ist zu wenig, es wird kaum reichen für so viele Menschen. Oder weil sie nur sehen, was sie selbst haben und nicht ahnen, dass die anderen auch etwas zu geben haben.
Wie viele Brote habt ihr? Seht nach, was da ist! Seht nach, was ihr zu geben habt!
7 Brote und einige Fische tragen die Jünger zusammen. Es ist mehr als gedacht, aber sicher nicht genug. Trotzdem: Mit einem Dank- und Segensgebet werden sie unter den Menschen verteilt. Brote und Fische werden in die große Menschenmenge gegeben. Jesus vertraut darauf, dass es reichen wird.
Immer weiter wird dieses Wenige geteilt, bis alle satt sind. Am Ende bleibt noch so viel übrig, dass es auch noch für andere reicht.
So machen die Jünger die Erfahrung: das Wenige was sie zu geben haben, was sie als nicht genug erachtet haben: Es reicht!
Die Menschen erleben: Von Jesus bekommen sie Wegzehrung
Brot und Fisch für den knurrenden Magen, tragende Worte, Geschichten, über die sie noch nachdenken und sich austauschen müssen,
Orientierung für ihr Leben
miteinander und Bilder von einer Welt,
in der Gott ihren Hunger stillt.
Damit können sie satt und gestärkt ihrer Wege gehen.
Gott breitet sich dort aus, wo wir verstehen: Unser Weniges reicht.
Und wo wir bereit sind, genau das zu teilen: Unser Weniges. Wir legen es in die Mitte und vertrauen darauf, dass noch etwas dazu kommt. Wir halten es nicht zurück, weil wir es geringschätzen.
Wir feiern heute Erntedank – wir feiern die Fülle, den Dank für das tägliche Brot, für ein reiches Leben – aber wir sehen auch unser Angewiesen sein, unseren Hunger nach Leben und guter Gemeinschaft.
Wir sehen unsere kleine Kraft, unsere leise Stimme.
Unsere Ohnmacht und Hilflosigkeit.
Die biblische Geschichte erzählt vom Hunger und vom satt werden und davon, dass das Wenige reicht. Das Brot. Die Fische. Es reicht für alle.
Auch aus dem Wenigen kann mit Gottes Dank und Segen etwas wachsen.
Wegzehrung für die nächste Wegstrecke, die zu gehen ist. In den nächsten Tagen, in der nächsten Woche. Auf unseren ganz persönlichen und auch auf unseren gemeinsamen Wegen in unseren Gemeinden, in unserer Nachbarschaft. Auch jetzt in den Wochen nach der Wahl.
Und auch unsere leckeren Suppen, die jetzt im Anschluss an den Gottesdienst warm gemacht werden und auf uns warten, werden für uns alle reichen.
Das gemeinsame Essen, unser Gottesdienst heute, werden unsere Gemeinschaft stärken und Wegzehrung sein, für heute und morgen.
Amen.
Fürbitte:
Gott, groß bist du.
Wunderbar und schwer zu fassen.
Danke für Roggen und Radieschen, Tomaten und Thymian.
Schick Regen in gutem Maß, und Sonne bitte auch.
Wir bitten dich für alles, was wir als Ernte nach Hause tragen.
Gott, nah bist du.
Stimme im Herzen, Frage im Kopf.
Wofür bin ich dankbar – gerade heute?
Schick uns dies Gefühl: säen und immer wieder ernten, dankbar sein!
Für alles, was mehr ist, als wir dachten.
Danke für alle, die Dankbarkeit pflanzen,
gießen, jäten.
Gott, wird es reichen, was ich säe, ernte, habe?
Werde ich wirklich mehr haben, wenn ich teile?
Für Menschen in Verantwortung bitte ich dich.
Im Palast und auf der Straße,
im Dienstwagen und im Widerstehen,
gib Maß, gib Mut, gib ehrliches ringen um gute politische und gesellschaftliche Lösungen für ein gutes Zusammenleben aller Menschen.
Gott,
du wachst mit uns und bleibst an unserer Seite jetzt in den Tagen nach der Landtagswahl. Mit Sorge blicken wir auf die schwierige Regierungsbildung. All unsere Gedanken, unsere Ängste und Sorgen legen wir in deine Hände. Wir bitten dich, ermutige uns, deinem Wort, deinen Zusagen, deinen Verheißungen weiter zu vertrauen und aus ihnen zu leben.
Gott, groß ist dein Herz.
Für die Menschen in den Kriegsgebieten, in den Lagern und auf dem Meer, Gib ihnen Schutz und Heimat. Stärke die Kräfte, die den Frieden von Herzen suchen. Lass niemanden zurück.
Danke für alle Friedfertigen, für alle die helfen und streiten und aufnehmen und bergen.
Gott, deine Werke sind groß und viel und schön.
deine Werke sind, wie du bist. Heilig ist dein Name.
Kostbar sind wir dir. Dankbar leben wir aus deiner Händen. Amen.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Segen:
Es segne und behüte uns der allmächtige und
barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.
(Gunda Ortmann)