Andacht

Andacht zum elften Sonntag nach Trinitatis – 16. August 2026 – Sommerkirche mit Taufe
in der Böllberger Kirche. –

Anfangen:
In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir. Amen
Eröffnung:
Der Wochenspruch für die neue Woche steht im ersten Brief des Petrus im 5. Kapitel: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“


Lied: Ich singe dir mit Herz und Mund – EG 324
1) 
Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust;
ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

2) Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist,
daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.
3) Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd,
das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd?

Predigtdialog 1

G. Ortmann:

Gott schenke uns ein Herz für sein Wort und ein Wort für unser Herz. Amen

Liebe Gemeinde, auf die Taufe mit solch einem Loblied zu antworten passt heute am letzten Gottesdienst in unserer Sommerkirchenreihe zu Liedern von Paul Gerhardt wunderbar.

Ich singe dir mit Herz und Mund,

Herr meines Lebens Lust…. So viel Freude an Gott, so viel Lust an einem Leben mit Gott klingt hier an und singt sich einem auch wirklich ins Herz, so dass man es nicht nur mit den Lippen bekennt, sondern auch mit dem Herzen ganz bei der Sache ist.

Für Paul Gerhardt, den großen Liederdichter, war das Grundlage seiner Glaubenshaltung. In vielen seiner Liedern setzt er immer wieder mit ganz unterschiedlichen Worten zum Lobe Gottes an.
Klingt toll! Es nimmt einen mit in diese zuversichtliche Stimmung.

Aber was ist, wenn wir mir nicht zu loben zu Mute ist?
S. Greuel
Und vielleicht ist genau das die Frage, die uns heute begleitet: Kann man Gott einfach so vertrauen und loben? Unser Glaube bedeutet nicht, auf alles eine Antwort zu haben. Vielleicht bedeutet Glauben manchmal einfach: Ich verlasse mich auf jemanden, auch wenn ich noch Fragen habe. Und vielleicht können wir alle etwas mit dem Taufspruch anfangen: „Der HERR sieht das Herz an.“ Es tut gut, wenn jemand uns wirklich sieht. Nicht nur das, was wir zeigen. Nicht nur unsere Stärke.
Sondern uns als ganzen Menschen.

4) Wer hat das schöne Himmelszelt hoch über uns gesetzt?
Wer ist es, der uns unser Feld mit Tau und Regen netzt?
5) Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind?
Wer macht es, dass man Öl und Most zu seinen Zeiten find’t?
6) Wer gibt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand
den güldnen, werten, edlen Fried in unserm Vaterland?
7) Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du musst alles tun,
du hältst die Wach an unsrer Tür und lässt uns sicher ruhn.
8) Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu
und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei.

Predigtdialog 2

G. Ortmann:
Wie ein Gespräch ist das Lied aufgebaut P.G. fragt in den Strophen, die wir gerade gesungen haben, danach…wo alles seinen Ursprung hat …Das Himmelszelt, der Tau, der Regen und wer uns schützt: vor Kälte, Frost, Wind und wer den Frieden in unserem Land in seinen Händen hält.

Für ihn ist klar, all das kommt aus Gottes Hand. Und tröstliche Bilder findet er für Gott: er wacht, wir dürfen sicher ruhen, wir werden genährt, treu steht er uns bei Gefahren bei. Das klingt so selbstverständlich. Für P.G. war es das auf keinen Fall. Er wusste, was es heißt im Krieg zu leben, Hunger kannte er, die Pest hat er miterlebt.

S. Greuel:
Und gerade deshalb finde ich das Bild von Gott als jemandem, der uns begleitet, so stark. Nicht als Gott, der verspricht: Dir wird nie etwas passieren. Sondern als Gott, der sagt: Du musst da nicht allein hindurch. Wir alle kennen Zeiten, in denen etwas schiefgeht. Freundschaften zerbrechen, Menschen enttäuschen uns, Krankheit oder Sorgen bestimmen unser Leben. Vielleicht ist Gottes Zusage dann nicht,
dass alles gut wird.

Sondern: Da ist jemand, der mitgeht. Da ist ein Halt. Da ist Gott.

9) Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr,
ja endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer.
10) Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht
und gibst uns, was uns hoch erfreut und dir zur Ehr gereicht.
11) Du zählst, wie oft ein Christe wein und was sein Kummer sei;
kein Zähr- und Tränlein ist so klein, du hebst und legst es bei.
12) Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht,
und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht.

Predigtdialog 3

G. Ortmann:

In diesen Strophen verklingt das vollmundige Lob. Da geht es etwas ernster, stiller und nachdenklicher zu. Da klingt eine andere Seite unseres Lebens an.

Gott straft uns mit Geduld, es müssen schwere Zeiten ausgehalten werden,

unser Herze seufzt und schreit; Von Kummer, Tränen, des Lebens Mangel erzählt der Dichter. Zeiten, in denen uns nicht das Lob so vollmundig über die Lippen kommt. Durststrecken, Trauerphasen, Abschiede, die beweint und durchschritten, durchlebt werden müssen. Und erwebt den Trost mit ein: Gott wirft ins Meer, was uns nicht gelungen ist. Gott lässt sich erweichen, wenn unser Herz seufzt und schreit. Jede Träne wird gezählt, ist nicht zu klein, wird getrocknet. Was für tröstliche Bilder.

S. Greuel:
Und vielleicht ist gerade deshalb eine Taufe kein Versprechen: Ab jetzt wird alles gut. Auch unser Leben kennt Zweifel, Enttäuschung, Trauer und Angst.

Wir dürfen fragen: Gott, wo bist du eigentlich? Wir dürfen zweifeln. Wir dürfen wütend sein. Und vielleicht ist es tröstlich, dass Gott auch das aushält.

Der Taufspruch sagt: „Der HERR sieht das Herz an.“

Er sieht auch das, was wir niemandem zeigen. Unsere Angst. Unsere Tränen.
Unsere Sehnsucht. Und wir dürfen darauf vertrauen:
Nichts davon ist bei Gott zu klein.

13) Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut!
Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.
14) Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht,
dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, schafft Rat und lässt dich nicht.

Predigtdialog 4

G. Ortmann:

Das seufzende Herz wird zum springenden, ermutigten Herzen.

Dankbar, froh, gelassen, fast etwas Stolz klingt durch…in den beiden Strophen.

Wie ein besonderes Geschenk wird Gott beschrieben: dein Schatz – Glanz, Schirm, Hilfe, Rat und er lässt dich nicht. Er bleibt, er ist da, auch wenn ich mich entferne……ich kann jederzeit zurück kommen.

S. Greuel:
Ich finde dieses Bild großartig: Gott als Schatz, als Glanz, Schirm, Hilfe und Rat.

Und unser Taufkind, du hast für dich noch ein anderes Bild gefunden:
Gott ist für dich wie ein Leuchten im Alltag. Etwas, das Orientierung gibt.
Etwas, das bleibt. Etwas, zu dem wir zurückfinden können. Und vielleicht ist genau das wichtig: Wir müssen unseren Glauben nicht fertig haben. Wir dürfen fragen.
Wir dürfen zweifeln. Wir dürfen unsere Meinung ändern. Denn dein Taufspruch sagt nicht: „Gott sieht, wie gut du glaubst.“ Sondern: „Der HERR sieht das Herz an.“

Gott sieht uns, wie wir wirklich sind. Mit unserem Glauben und unseren Zweifeln,
mit unserer Freude und unserer Angst. Wir müssen vor Gott nicht perfekt sein.
Wir dürfen kommen, wie wir sind. Vielleicht ist Vertrauen genau das:
Nicht alles verstehen zu müssen und sich trotzdem getragen zu wissen.

15) Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht?
Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht.
16) Hat er dich nicht von Jugend auf versorget und ernährt?
Wie manches schweren Unglücks Lauf hat er zurückgekehrt!

Predigtdialog 5

G. Ortmann:

Unsere Sorgen dürfen wir Gott einfach so hinwerfen, weil sie uns belasten, nicht weiterbringen, uns unsere Lebenskraft nehmen. Wir dürfen Gott vertrauen und ihm auch etwas zutrauen. P.G. trägt die eigene Erfahrung, dass Gott ihn durch verschiedene schwere Zeiten begleitet hat und manches zum Guten gewendet hat.

Erinnere dich daran! Vergiss das nicht!

Dem darfst du Vertrauen schenken!

S. Greuel:
Sorgen einfach hinwerfen. Das klingt irgendwie leicht. Gleichzeitig wissen wir, dass es das nicht ist. Vielleicht können wir aber lernen, sie nicht ganz allein tragen zu müssen. Deine Eltern. Liebes Taufkind, haben dir zugetraut, deinen eigenen Weg zu suchen. Und heute sagen sie: Wir gehen auch den Glaubensweg mit dir.

Deine Patin, deine Taufzeuginnen und Taufzeugen sagen das auch. Und wir als Gemeinde ebenso. Und wenn du an Gott glaubst, darfst du darauf vertrauen: Auch Gott geht mit. Als Kraft, die trägt. Als Licht, das leuchtet.
Als jemand, in dessen Hände wir fallen dürfen – auf geraden Wegen, auf chaotischen und auch dort, wo wir uns verlaufen.

Vielleicht ist das die Hoffnung, die Paul Gerhardt uns heute mitgibt:

Wir dürfen zweifeln, fragen und traurig sein.
Und wir dürfen trotzdem vertrauen: Dass wir gehalten sind.
Dass wir nicht tiefer fallen als in Gottes Hände. Dass wir nicht allein sind.

Und vielleicht gilt das heute nicht nur für Mathilda, sondern für uns alle.

Der HERR sieht das Herz an. Gott sieht uns. Gott kennt unseren Weg.
Und Gott geht mit.

Vielleicht dürfen wir alle ein kleines Stück davon mit nach Hause nehmen.

G. Ortmann:

Paul Gerhardt lebt aus einem tiefen Gottvertrauen.

Das hat uns jetzt in der Sommerkirche in all seinen Liedtexten begleitet. Für ihn wendet Gott die Dinge immer wieder zum Guten. Und diese Erfahrung ist nicht nur so dahingesagt. Sie ist getragen durch viele Höhen und Tiefen, durch Glücksmomente und existentielle Krisen, die er in seinem Leben durchlebt, durchschritten hat. In dieses Gottvertrauen dürfen wir uns mit den letzten beiden Strophen des Liedes mit hineinstellen.

17) Er hat noch niemals was versehn in seinem Regiment,
nein, was er tut und lässt geschehn, das nimmt ein gutes End.
18) Ei nun, so lass ihn ferner tun und red ihm nicht darein,
so wirst du hier im Frieden ruhn und ewig fröhlich sein.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Miteinander und füreinander beten:

Barmherziger Gott, du Quelle der Liebe und der Wahrheit,
du siehst in unser Herz.
Du kennst unser Leben und jeden unserer Wege.
Du weißt um unsere Zartheit und um unsere Härte;
um unsere Sehnsucht und um unsere Schuld.
So kommen wir zu dir und vertrauen uns dir an.

Wir bitten dich für unser Taufkind: Bleib du an ihrer Seite,

lass sie deine Nähe spüren, lass sie fröhlich glauben

lass sie im Glauben wachsen und stärke Sie Gott für jeden Tag.

Wir bitten dich für die Eltern, Paten und Taufzeugen.

Sei auch an ihrer Seite, wenn sie unser Taufkind auf seinem Lebensweg begleiten.

Schenke ihnen einen liebevollen Blick, Gelassenheit und Vertrauen.

Wir bitten dich für alle, deren Zuhause kein sicherer Ort ist.
Für die Frauen und die Kinder, denen Gewalt angetan wird.

Für die Familien, deren Zusammenleben vergiftet ist.
Für die Paare, die sich fremd geworden sind.

Für die Kinder, die unter der Trennung ihrer Eltern leiden.
Komm ihnen nahe mit deiner Liebe.
Schaffe Heilung und Versöhnung.

Wir bitten dich um Frieden für diese Welt.
Wende die Herzen aller, die ihre Interessen mit Gewalt durchsetzen wollen.
Schütze die, die sich selbst nicht schützen können,
und stärke alle, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen.

Gott, wir brauchen deinen Segen.

Für unser Land – dass es denen gehört, die Brücken bauen.

Für alle, die politische Verantwortung tragen – dass sie Menschen dienen.

Für alle, die wählen – dass sie mit Weitsicht und Mitgefühl entscheiden.

Für alle, die zweifeln – dass sie erkennen: Ihre Stimme zählt.
Lass uns in dieser Zeit der Entscheidung nicht übereinander richten,
sondern aufeinander zugehen und zusammenhalten.

Segne unser Land, segne unsere Gesellschaft, segne unser Miteinander.

Du bist ein Gott des Lebens.

Lass uns in deinem Geist handeln.

Wir vertrauen uns den Worten Jesu an und beten:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Segen:
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
(G.Ortmann, S.Greuel)