Andacht

Andacht zum siebenten Sonntag nach Trinitatis – 19. Juli 2026
Sommerkirche in der Lutherkirche.
Anfangen:
In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir. Amen
Eröffnung :
Der Spruch für die neue Woche steht im Brief an die Epheser Kapitel 2, Vers 19:
„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“
Psalm 96:
Singet dem HERRN ein neues Lied; singet dem HERRN, alle Welt! 
Singet dem HERRN und lobet seinen Namen,
verkündet von Tag zu Tag sein Heil! 
Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit,
unter allen Völkern von seinen Wundern!
Betet an den HERRN in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt! 
Sagt unter den Heiden: Der HERR ist König.
Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt.
Er richtet die Völker recht. 
Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich,
das Meer brause und was darinnen ist; 
das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist;
jauchzen sollen alle Bäume im Walde vor dem HERRN;
denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich.
Er wird den Erdkreis richten
mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.

Lied: Ich steh an deiner Krippen hier – EG 37

1. Ich steh an deiner Krippe hier, O Jesu du mein Leben;
Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
Und lass dir’s wohlgefallen.
2. Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren
Und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht,
Wie du mein wolltest werden.
3. Ich lag in tiefster Todesnacht,du warest meine Sonne,
Die Sonne die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht’t,
Wie schön sind deine Strahlen.
4. Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;
Und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.
O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer,
Dass ich dich möchte fassen!
Predigt zu: „Ich steh an deiner Krippen hier“ – EG 37 :
Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Sommerkirchengemeinde, heute, mitten im Sommer, ausgerechnet Gedanken zu einem Weihnachtslied. Das wird wahrscheinlich so manch einer denken: Paul Gerhardt hat doch genug Texte für den Sommer geliefert. Immer wenn ich dieses Lied höre oder singe mit dieser wunderbaren Melodie von Johann Sebastian Bach, befinde ich mich in Erinnerung in der Christvesper an einem Heiligabend in meiner Gemeinde in Dresden.
In der Trinitatisgemeinde in Dresden war es schon länger Tradition, dass Hauskreise die Christvespern gestalteten. Ich weiß nicht mehr das Jahr. Es war auf jeden Fall am Anfang der 1990er Jahre. Die Gestaltung des Krippenspiels hatte einer der Hauskreise mit jungen Familien übernommen. Ich weiß auch nichts mehr über das Spiel an sich. Aber irgendwann stand Elisabeth Gröschel, die Sängerin ist, an der Krippe und sang „Ich steh an deiner Krippen hier“. Und das hat mir gereicht für Weihnachten. Alles war klar und gut.
Dabei finde ich hier nicht den „holden Knaben im lockigen Haar“ oder das „traute, hochheilige Paar“ wie in der Weihnachtshymne. Wenn ich mir den Text genau durchlese, sind die Subjekte der Weihnachtsgeschichte auf das Wesentliche reduziert. Ich höre natürlich von der Krippe in der Jesus liegt. Es gibt die Bezeichnung des Sterns für das Kind in der Krippe und es liegt auf Heu und Stroh. Das Wesentliche, sage ich.
Doch dann wird aus diesem kleinen Kosmos im Stall die ganze Welt beschrieben. Dieses Kind ist das Wichtigste, was ich zum Leben brauche. Darum soll ich ihm alles zu Füßen legen. Den Geist, die Sinne, die Seele, den Mut und mein ganzes Herz. Wobei es sich in diesem Lied beim „Mut“ um das „Gemüt“ handelt. Nicht um die als Mut bezeichnete Beherztheit in meinem Leben. Diesem Gott, der schon, bevor es mich Menschen auf dieser Erde gab, von mir wusste. Vor diesem Gott breite ich alles aus.
Der ursprüngliche Text hatte 15 Strophen. In unserem Gesangbuch stehen heute nur noch neun.
Für mich sind zwei Strophen die Wesentlichen, die dritte und die fünfte. Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht‘,
wie schön sind deine Strahlen!
In diesen Momenten, wo ich nicht aus noch ein weiß in meinem kleinen Leben, da ist dieses Kind da.

In den Momenten, wo es scheinbar keinen Ausweg gibt. Da sagt es „Schau in das Licht, in mein Licht!“. Dein Glaube wird dir helfen.
Aber wie schwer fällt mir das, so oft.
Aber Paul Gerhardt wusste, wovon er schreibt. Früh hatte er seine Eltern verloren. Sein halbes Leben war vom 30jährigen Krieg geprägt. Es wäre nachzuvollziehen, wenn sich da die pure Verzweiflung in einem Menschen ausbreiten würde. Irgendwie ging es weiter. Auch wenn das Leben wie eine Todesnacht empfunden wird. Da gibt es das Kind, dass ins eigene Leben leuchtet. Wohl dem, der in finstersten Phasen seines Lebens dieses Licht sehen kann.
In Strophe 4 kann ich auch sagen: „Was trauerst du, o Schwester mein?“
Wer hat das noch nicht erlebt: Streit, Missverständnisse, Verzweiflung über sein persönliches Leben. Wie soll ich aus diesen verfahrenen Zuständen in meinem Leben wieder herausfinden. Ich fühle mich allein. An wen soll ich mich wenden? Wer hört mir zu? Meine Scham überschattet alles.
Und da gibt es immer wieder Menschen, die mir von der Göttin an die Seite gestellt werden. Sie sind für mich da, wenn mir das Herz im Leib weint und ich keinen Trost finden kann. Diese Menschen schickt mir der Gottessohn.
Dafür bin ich dem Sohn Gottes so dankbar.
Hier sehe ich dann schon das auch Kreuz über der Krippe. Der Weg aus dem Stall führt nach Golgatha. Das Kind ist für mich da in meiner Schuld und Ausweglosigkeit. Es zahlt für meine Vergehen.
Gott kommt als Mensch zu den Menschen um ihnen zur Seite zu stehen, um bei ihnen zu sein. Und das nicht nur zu Weihnachten. Immer ist er als Mensch an unserer Seite. Nicht wie ein Königskind in Samt und Seide gebettet oder anderen prunkvollen Stoffen. Nein, ganz arm in Windeln und auf Heu und Stroh. Wie die ärmsten Menschen, ganz unten und auch für die mit dem weinenden Herzen. Er begibt sich zu denen, die es am nötigsten haben. Wie tröstlich ist das doch.
Und es gibt noch etwas, was so erstaunlich ist. Das ist einfach immer so. Nicht nur zu Weihnachten. Da werde ich nur nachhaltig daran erinnert wie Gott auf die Welt kam in seiner Einfachheit. Darum finde ich es auch richtig mitten im Jahr daran zu erinnern: Er ist an meiner Seite, egal was mir passiert und wann oder in welcher unerträglichen Situation ich mich befinde, ob finstere Todesnächte, die wohl eher selten sind. Wenn mir aber das Herz im Leib weint, dann hilft mir diese Erinnerung um wieder ins Leben zu finden. Darüber bin ich dankbar. Ich kann wohl sagen: das ganze Jahr, zu allen Zeiten.

Und der Friede Gottes, der sich in uns legen soll mit seiner ganzen Fülle, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Wir vollenden das Predigtlied und singen die Strophen 5-9:
5. Wann oft mein Herz vor Kummer weint und keinen Trost kann finden,
Da ruft mir’s zu: „Ich bin dein Freund, ein Tilger deiner Sünden.
Was trauerst du, o Bruder mein? Du sollst ja guter Dinge sein,
Ich sühne deine Schulden.“
6. O dass doch so ein lieber Stern soll in der Krippen liegen!
Für edle Kinder großer Herrn gehören güldne Wiegen.
Ach Heu und Stroh ist viel zu schlecht, Samt, Seide, Purpur wären recht,
Dies Kindlein drauf zu legen!
7. Nehm weg das Stroh, nehm weg das Heu! Ich will mir Blumen holen,
Dass meines Heilands Lager sei auf lieblichen Violen;
Mit Rosen, Nelken, Rosmarin aus schönen Gärten will ich ihn
Von oben her bestreuen.
8. Du fragest nicht nach Lust der Welt noch nach des Leibes Freuden;
Du hast dich bei uns eingestellt, an unsrer Statt zu leiden,
Suchst meiner Seele Herrlichkeit durch dein selbsteignes Herzeleid;
Das will ich dir nicht wehren.
9. Eins aber hoff ich wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen:
Dass ich dich möge für und für in meinem Herzen tragen.
So lass mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein
Dich und all deine Freuden!

Miteinander und füreinander beten:
Herr, wir bitten dich für die Menschen, 
mit denen wir unser Brot und unser Leben teilen, 
für unsere Familien und unsere Freunde; 
für alle, die uns am Herzen liegen. 
Umgib sie mit deinem Schutz und deinem Segen.
Wir danken dir für alle Momente des Glücks, 
für alle Liebe und alle Gemeinschaft, die wir erleben dürfen. 
Und wir bitten dich für alle, denen solche Momente verwehrt sind. 
Wir denken besonders an die Menschen in den Krisengebieten auf unserer Welt.
Lass alle Gewalt ein Ende finden. 
Öffne Wege des Friedens und der Gerechtigkeit, 
Erbarme dich
Wir bitten dich für alle, die Hunger leiden. 
Und wir denken an die, deren Armut mitten unter uns nicht sichtbar ist, 
deren Hunger niemand bemerkt. 
Lass sie Hilfe finden.  Lass sie satt werden. Lass allen Hunger und alle Armut enden. 
Erbarme dich

Wir bitten für die Menschen, 
die auf dem Weg durch eine persönliche Wüste sind. 
Für alle, die heute in den Gottesdienst gekommen sind 
in der Hoffnung auf ein Wort und ein Zeichen von dir; 
für die, die scheu und ängstlich geworden sind 
und es nicht mehr wagen, auf andere zuzugehen; 
für alle, die mit einer schweren Diagnose leben müssen, 
und für die, die ihnen beistehen;  für alle, die Trost brauchen. 
Erfrische ihre Seele, erleuchte sie mit deinem Licht 
und hilf uns allen, einander zu sehen und zu verstehen.

Wir denken an die Menschen, die uns fehlen.

Erbarme dich
Wir bringen die vor dich, um die wir uns sorgen, 
und die, die uns um unsere Fürbitte gebeten haben. 
Du hörst, was wir dir jetzt in der Stille sagen, was wir heute für sie erbitten wollen.

Herr, du bist unser Alles: unser Licht, unser Leben, unser Heil, 
unsere Speise, unser Trank, unser Gott. 
Erbarme dich.

Mit Jesu Worten beten wir:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Segen
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
(J. Schlegel)