Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres 2020

  • Eröffnung

Wie geht es für mich am Ende aus? Diese Frage begleitet den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr. In dieser Welt beschäftigen mich dabei moralische, wirtschaftliche und beziehungsorientierte Faktoren. Wenn ich also nichts ausgefressen habe im Leben und was geschafft und auch im Alter noch Menschen um mich habe, die sich um mich kümmern, komme ich zu einem guten Ende. In der Bibel heißt es: Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. Die Perspektive wird geweitet über diese Welt hinaus. Und manches stellt sich dann als vorläufig und vergänglich dar. Für ein seliges Ende beten und bitten wir. Amen.

  • Ein Lied: Es mag sein, dass alles fällt (EG 378)

1 Es mag sein, dass alles fällt, dass die Burgen dieser Welt
um dich her in Trümmer brechen.
Halte du den Glauben fest, dass dich Gott nicht fallen lässt:
er hält sein Versprechen.

2 Es mag sein, dass Trug und List eine Weile Meister ist;
wie Gott will, sind Gottes Gaben.
Rechte nicht um Mein und Dein; manches Glück ist auf den Schein,
lass es Weile haben.

5 Es mag sein, so soll es sein! Fass ein Herz und gib dich drein;
Angst und Sorge wird’s nicht wenden.
Streite, du gewinnst den Streit! Deine Zeit und alle Zeit
stehn in Gottes Händen.

  • Aus Psalm 50

Gott, der HERR, der Mächtige, redet
und ruft der Welt zu
vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes.
Unser Gott kommt und schweiget nicht.
Fressendes Feuer geht vor ihm her
und um ihn her ein gewaltiges Wetter.
Er ruft Himmel und Erde zu,
dass er sein Volk richten wolle:
»Versammelt mir meine Heiligen,
die den Bund mit mir schlossen beim Opfer.«
Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden;
denn Gott selbst ist Richter.
»Opfere Gott Dank
und erfülle dem Höchsten deine Gelübde,
und rufe mich an in der Not,
so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.«
Wer Dank opfert, der preiset mich,
und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.«

  • Der ungerechte Verwalter (Lukasevangelium 16,1-9)

Jesus sprach aber auch zu den Jüngern:

Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein.
Da sprach der Verwalter bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde.
Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Der sprach: Hundert Fass Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig. Danach sprach er zu dem zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der sprach: Hundert Sack Weizen. Er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.

Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

Wort unseres Herrn Jesus Christus.

  • Gedanken zum ungerechten Verwalter

Ja, er ist klug, dieser Verwalter. Über den verschleuderten Besitz erfahren wir in dieser Geschichte nichts. Aber es scheint an den Beschuldigungen etwas dran zu sein. Denn er glaubt nicht mehr daran, dass seine Rechenschaft an der Entlassung aus dem Dienst des reichen Mannes etwas ändern könnte. So beschließt er eben, noch etwas mehr zu verschleudern, um sich bei den Nutznießern einen guten Stand zu verschaffen. Für seine Klugheit spricht nicht nur die kaltblütige Überlegung, dass ein Betrug mehr oder weniger an der Entlassung nichts ändern wird. Für sich selbst nimmt er nämlich nichts. Er geht maßvoll vor und knapst nur 50 oder 20 Prozent vom Besitz des reichen Mannes ab. Er ist sicher kein Prinzipienreiter, kein Moralist, aber er weiß sich zu helfen in einer Welt, von der Jesus sagt: Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. Der ungerechte Verwalter macht das Beste aus seiner Situation.

Der Pfarrer Olaf Waßmuth schreibt in einer Predigt über diese Bibelstelle: „Ich musste an meinen Großvater denken, der peinlich genau darauf achtete, mit dem dienstlichen Bleistift nichts Privates aufzuschreiben.“   (https://predigten.evangelisch.de/predigt/ein-schmieriges-vorbild-predigt-zu-lukas-161-8-von-dr-olaf-wassmuth) Diese preußische Strenge hat etwas für sich. Ordnung und Sicherheit sind menschliche Grundbedürfnisse. Jeder hat seinen Platz und weiß, was er zu tun hat.

„Rom ist weit“, sagte er zu dieser Gruppe, die sich da versammelt hatte. Ein ziemlich bunt zusammengewürfelter Haufen. Erfolg und Ansehen war sicher nicht das hervorstechendste Merkmal der Teilnehmer eines Männertreffens in einem Kloster. Manche hatten schwere Zeiten hinter sich. Das miteinander zu teilen, ist ein starkes Band. Ein würdiger Anlass, um Gott dafür zu danken. „Rom ist weit“, sagte der katholische Mönch und Priester, auf die Frage hin, ob er das Abendmahl auch an die unkatholischen Teilnehmer ausgeben dürfe. (Für diese Geschichte geht der Dank an Falk Ritter aus der Gesundbrunnengemeinde, der sie mir aus eigenem Erleben erzählt hat.)

Der Mammon, das Geld, der Reichtum sind für Jesus von vornherein ungerechte Dinge. Der Verwalter kann gar nicht anders als ungerecht sein, da er den ganzen Tag damit zu tun hat. Trotzdem lobt Jesus ihn. Weil er am Ende seines Dienstes das Beste mit dem Ungerechten macht, was er tun kann. Das ist ziemlich radikal. Denn Jesus stellt damit moralische Werte in Frage, die sonst Sicherheit und Ordnung versprechen. Auch religiöse und kirchlich-institutionelle Werte gehören dazu. Er befragt sie nach ihrem Nutzen für unsere Beziehung zu Gott. Für eine Beziehung zu Gott, die über alle Brüche und Abbrüche hinweg – bis über den Tod hinaus – halten wird. Dann, wenn alles fällt, wie es in dem Kirchenlied von Rudolf Alexander Schröder heißt.  „Deine Zeit und alle Zeit / stehn in Gottes Händen.“ Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott,

die gewohnte Ordnung unserer Welt
ist auf den Kopf gestellt
und die Tage sind unsicher geworden
zwischen Medizin, Wissenschaft und Politik.

Lehre uns Gelassenheit
für das Naheliegende zu sorgen
und für das Zukünftige klug zu planen.

Erinnere uns an deine Ordnung, Gott,
die uns über das hinausführt,
was sich uns aufdrängt.

Gib uns den Mut nach dem Besten zu streben,
in deiner Gerechtigkeit,
in der Liebe zu unserem Nächsten
und zu uns selbst.

Mit dir sind wir uns nahe
in diesem Leben und über dieses Leben hinaus.

Darum bitten wir mit den Worten Jesu Christi:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)