Vierter Advent 2020

  • Eröffnung

„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! “ Dieses Wort aus dem Philipperbrief ermutigt uns zur Zuversicht. Gott ist uns näher, als wir glauben.
Amen.

  • Ein Lied: „Nun jauchzet, all ihr Frommen“ (EG 9)

1) Nun jauchzet, all ihr Frommen, zu dieser Gnadenzeit,
weil unser Heil ist kommen, der Herr der Herrlichkeit,
zwar ohne stolze Pracht, doch mächtig, zu verheeren
und gänzlich zu zerstören des Teufels Reich und Macht.

2) Er kommt zu uns geritten auf einem Eselein
und stellt sich in die Mitten für uns zum Opfer ein.
Er bringt kein zeitlich Gut, er will allein erwerben
durch seinen Tod und Sterben, was ewig währen tut.

3) Kein Zepter, keine Krone sucht er auf dieser Welt;
im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich bestellt.
Er will hier seine Macht und Majestät verhüllen,
bis er des Vaters Willen im Leiden hat vollbracht.

4) Ihr Mächtigen auf Erden, nehmt diesen König an,
wollt ihr beraten werden und gehn die rechte Bahn,
die zu dem Himmel führt; sonst, wo ihr ihn verachtet
und nur nach Hoheit trachtet, des Höchsten Zorn euch rührt.

5) Ihr Armen und Elenden zu dieser bösen Zeit,
die ihr an allen Enden müsst haben Angst und Leid,
seid dennoch wohlgemut, lasst eure Lieder klingen,
dem König Lob zu singen, der ist eur höchstes Gut.

6) Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit
und all eur Klag und Weinen verwandeln ganz in Freud.
Er ists, der helfen kann; halt eure Lampen fertig
und seid stets sein gewärtig, er ist schon auf der Bahn.

  • Aus Psalm 102

Du aber, Herr, bleibst ewiglich
und dein Name für und für.
Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen;
denn es ist Zeit, dass du ihm gnädig seist, und die Stunde ist gekommen
dass die Völker den Namen des Herrn fürchten
und alle Könige auf Erden deine Herrlichkeit,
wenn der Herr Zion wieder baut
und erscheint in seiner Herrlichkeit.
Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen
und verschmäht ihr Gebet nicht.
Denn er schaut von seiner heiligen Höhe,
der Herr sieht vom Himmel auf die Erde,
dass er das Seufzen der Gefangenen höre
und losmache die Kinder des Todes,
dass sie in Zion verkünden den Namen des Herrn
und sein Lob in Jerusalem,
wenn die Völker zusammenkommen
und die Königreiche, dem Herrn zu dienen.

  • Sara lacht (1. Mose 18,1-2.9-15)

Und der Herr erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde. Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt. Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes. Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt! Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin? Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben. Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht –, denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.

  • Gedanken zum Bibelwort

Sara lacht. Aus gutem Grund. Sie soll noch ein Kind bekommen. Unvorstellbar in ihrem Alter jenseits der 80. Das Klimakterium ist lange vorbei. Und sie selbst sagt: „Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt!“ Ihr Alter und eine Schwangerschaft; das passt einfach nicht zusammen. Deshalb lacht sie. Sie hat Humor. Sie hätte sich auch wundern können, wie der dreigestaltige Herr so etwas verkünden kann. Sie hätte auch sauer sein können. Ob er sich ein Scherz mit ihr erlaube? Aber dass sie noch ein Kind bekommen soll, ist doch am Ende so absurd, dass sie einfach nur lacht.

Sara fürchtet sich. Denn obwohl sie lacht, spürt sie auch, dass in diesem Moment etwas Besonderes geschieht. Heimlich hat sie zugehört. Das war vielleicht nicht so gedacht. Im tiefsten Herzen spürt sie, dass es wahr sein sein könnte. Die dreigestaltige Gruppe, die dort wie aus dem Nichts plötzlich erscheint. Die Abraham mit „Herr“ anspricht. Der den längst erstorbenen Wunsch nach einem Kind zu kennen scheint. Abrahams Ehrfurcht. Die Unmöglichkeit des Verkündeten. Spricht das nicht gerade dafür, dass der Besucher möglicherweise mehr weiß, mehr glaubt und mehr hofft als Sara es je könnte?

Sara rührt mich. Sie bewegt mein Herz. Ich bin ein vernünftiger Mensch. Ich weiß, was möglich ist und was nicht. Ich verstehe, so ungefähr wenigstens, was auf dieser Welt vor sich geht. Die Dinge der Welt sehe ich meistens mit nüchternem Blick. Je älter ich werde, schwinden Träume und Wünsche. Ich bin dankbar für das, was ich habe und was mir zu Gebote steht. Ich kenne und lerne immer besser, welche Grenzen mir gesetzt sind. Aber Sara lacht. Und fürchtet sich. Plötzlich sind die Grenzen in Frage gestellt. Ihre Einsicht in ihre Kinderlosigkeit. Meine Einsicht in die begrenzten Möglichkeiten. Verzage ich nicht mitunter? Zu schnell? Selbst in kleinen Dingen? Die verlorenen Wünsche. Ich habe aufgegeben. Aber Sara lacht und fürchtet sich. Sie leugnet ihr Lachen. Doch das ist Tatsache, dass sie gelacht hat.
In dem Lied, dass dieser Andacht beigesellt ist, heißt es in der 4. Strophe: „des Höchsten Zorn euch rührt.“ Auch Sara ist des Höchsten Wort nicht egal. Obwohl sie lacht. Zwischen Lachen und der Furcht des Höchsten liegt das, was ich Glauben nenne. Sara merkt, dass ihre Einsicht an ihre Grenze kommt. Dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde. Dass der Himmel der Erde näher ist, als es den Anschein hat. Dass Gott Anteil an unserem Menschsein hat. An Saras und auch an meinem. Dass er selbst Mensch wird. Dann ist alles möglich. Dann können wir lachen und uns im besten Sinne fürchten. Lachen über unsere begrenzten Vorstellungen von Gott und dem, was uns wichtig und richtig erscheint. Uns fürchten vor seinem Zorn, der uns rührt. Uns das Herz bewegt und sich in Zuversicht verwandelt. Uns ein Kind verkündet. Jenseits unserer Vorstellung.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr, dreieiniger Gott,

wie leicht verzagen wir?

Wie leicht geben wir auf?

Wie leichtfertig lachen wir über dein Wort.
Wie leichtfertig geben wir unserer Einsicht zu viel Gewicht?

Erleuchte unser Vertrauen auf deine Macht.

Störe unsere Gewissheiten.

Rühre uns.

Mit den Worten Jesu Christi:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)