- Eröffnung
âROGATEâ â BETET ist der Name des heutigen Sonntags.
Der Wochenspruch nimmt Bezug auf das Gebet und lautet âGelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine GĂŒte von mir wendetâ.
So bestÀrkt er uns, immer wieder das GesprÀch mit Gott zu suchen, ganz gleich in welcher Form, ob im stillen KÀmmerlein oder in der Gemeinschaft, ob fest verankert im Tageslauf
oder als StoĂgebet in Angst und Not.
- Lied: „Er weckt mich alle Morgen“ (EG 452,1,4+5)
Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hĂ€lt sich nicht verborgen, fĂŒhrt mir den Tag empor,
dass ich mit seinem Worte begrĂŒĂ das neue Licht.
Schon an der DĂ€mmrung Pforte ist er mir nah und spricht.
Er ist mir tÀglich nahe und spricht mich selbst gerecht.
Was ich von ihm empfahe, gibt sonst kein Herr dem Knecht.
Wie wohl hat`s hier der Sklave, der Herr hÀlt sich bereit,
dass er ihn aus dem Schlafe zu seinem Dienst geleit.
Er will mich frĂŒh umhĂŒllen mit seinem Wort und Licht,
verheiĂen und erfĂŒllen, damit mir nichts gebricht;
will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag.
Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.
- Psalm 27
Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fĂŒrchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
Eines bitte ich vom Herrn, das hÀtte ich gerne:
dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang,
zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn
und seinen Tempel zu betrachten.
Denn er deckt mich in seiner HĂŒtte zur bösen Zeit,
er birgt mich im Schutz seines Zeltes
und erhöht mich auf einen Felsen.
Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnÀdig und erhöre mich!
Mein Herz hĂ€lt dir vor dein Wort: âIhr sollt mein Antlitz suchenâ.
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoĂe nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der Herr nimmt mich auf.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
Die GĂŒte des Herrn im Lande der Lebendigen.
Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!
- Text: Lukas 11,5-13
Jesus sprach zu seinen JĂŒngern:
Wer unter euch hat einen Freund
und ginge zu ihm um Mitternacht und sprÀche zu ihm:
Lieber Freund, leih mir drei Brote;
Denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise,
und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann,
und der drinnen wĂŒrde antworten und sprechen:
Mach mir keine Unruhe! Die TĂŒr ist schon zugeschlossen
Und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett;
Ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.
Ich sage euch: wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt,
weil er sein Freund ist,
so wird er doch wegen seines unverschÀmten DrÀngens aufstehen
und ihm geben, so viel er bedarf.
Und ich sage euch:
Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden;
Klopfet an, so wird euch aufgetan.
Denn wer da bittet, der empfÀngt; und wer da sucht, der findet;
und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch,
und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange?
Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion?
Wenn nun ihr, die ihr böse seid,
euren Kindern gute Gaben zu geben wisst,
wie viel mehr wird der Vater im Himmel
den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!
- Gedanken zu Lukas 11,5-8
Die hier geschilderte Situation scheint klar und ist fĂŒr mich heute eigentlich nicht realistisch: welcher Freund hĂ€tte nicht wenigstens ein KnĂ€ckebrot oder aufbackbare Brötchen fĂŒr so einen Notfall zuhause.
Und es gibt ja bei uns auch nachts geöffnete Tankstellen oder den Bahnhof.
Und welcher Freund wĂŒrde denn mitten in der Nacht bei mir klingeln?
Doch halt, bei diesem Gedanken kommen mir Zweifel an der Bitte um Brot. Mitten in der Nacht klingelt es â schon dies wĂŒrde mir auch heute signalisieren: es ist SEHR wichtig!
Aber was kann heute SO wichtig sein, dass so aufdringlich um Hilfe gebeten wird? In welcher Not bittet ein Mensch unter solchen UmstÀnden um Hilfe?
Und das scheint mir das erste Stichwort zu sein: NOT, ein Mensch ist in Not, er braucht dringend Hilfe, und er wendet sich konkret an mich.
Und damit kann es heute fĂŒr mich sehr wohl aktuell und realistisch sein.
Und nun geht die Frage auch konkret an mich: Nehme ich diese Not ernst, fĂŒhle ich mich angesprochen?
Bei dieser dringenden Bitte an mich sollte nicht der Grund entscheidend sein sondern dieser Mensch, der meiner Hilfe bedarf, die Notlage des Bittenden. Ich denke, da gibt es heute viele Situationen in denen meine Aufmerksamkeit fĂŒr die Menschen, die in Jesu Sinn âmeine NĂ€chstenâ sind gefragt ist und das schwierige ist: oft wird nicht geklingelt.
Also ist das zweite Stichwort fĂŒr mich: höre ich diesen Hilferuf ĂŒberhaupt? Es sind ja manchmal ganz alltĂ€gliche Situationen, die, bei genauerem Hinsehen und Hinhören, mich die Nöte oder BedĂŒrfnisse des GegenĂŒber erkennen lassen. Und wieder stehe ich vor einer Frage: ĂŒberhöre ich die Bitte und drehe mich um oder nehme ich diesen NĂ€chsten wahr, wende mich ihm zu â ganz unabhĂ€ngig ob ich seine Bitte erfĂŒllen kann â und gebe ihm das GefĂŒhl, ihn in seiner Lage ernst zu nehmen und zu tun, was mir möglich ist?
Und das dritte Stichwort ist fĂŒr mich das Klingeln, dass Aussprechen der Bitte, das DrĂ€ngen auf Hilfe, auf eine Antwort.
Denn auch dazu sind wir unter Freunden, in der Gemeinde wie Jesus sie meint, aufgefordert: wenn ich Hilfe brauche, wenn ich einen Rat brauche, wenn ich meine Sorgen und Gedanken loswerden und teilen möchte, dann darf und soll ich darum laut und verstĂ€ndlich bitten, keine Scheu haben, mich zu öffnen â unter Freunden â in der Gemeinde Jesu Christi.
Also haben wir den Mut zu Einem laut zu klingeln und zum Anderen aufzustehen und Hilfe zu geben.
- Gedanken zu Lukas 11,9-13
âDas Gebet Ă€ndert nicht Gott, sondern den Betendenâ
Dieser Abschnitt unseres Textes enthÀlt die Botschaft, dass alle unsere Bitten erhört werden. Und es ist richtig, dass Gott das Gebet der Bittenden erhört und dass das Beten wirklich etwas Àndert.
Aber nicht unbedingt eine Sache, also Bitte um Genesung, Erfolg bei einem Unternehmen, ja auch Frieden in den Kriegsgebieten unserer Welt, der sich einstellen mĂŒsste. Sondern mich! Das Beten will mich verĂ€ndern. Meine Einstellung. Mein Denken. Meine Blickrichtung.
Lukas sagt das am Ende seines Abschnittes so: âKein aufrichtiger Vater wĂŒrde seinem Sohn, der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange bieten?
Oder einen Skorpion fĂŒr ein Ei? Wenn ihr, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!â
Das ist der eigentliche Ertrag des Betens. Die Gabe von Gottes Geist. Der kann bewirken, dass wir zu einer neuen Sichtweise gelangen und umfassender sehen können. Gott weiĂ, wie schnell groĂe TrĂ€ume zerplatzen können, Wichtiges, dass wir uns vorgenommen haben, zerbrechen kann und das etwas, was wir meinten ganz sicher zu besitzen, unseren HĂ€nden entgleiten kann. Es ist Gottes Anliegen, dass wir deshalb nicht in eine Krise verfallen, wenn etwas in unserem Leben geschieht, was wir nicht fĂŒr möglich gehalten haben.
Und weil es beim Beten nicht um ein Wegzaubern von Krankheiten oder ZustĂ€nden geht, die fĂŒr uns schwer ertrĂ€glich sind, deshalb soll unsere Sicht viel weiter, viel tiefer gehen. Eine solche Sicht kann uns âGottes Geistâ schenken, damit wir verĂ€nderte UmstĂ€nde annehmen können, und das nicht EnttĂ€uschung âjetzt ist alles aus und vorbeiâ unser Denken und Handeln erfĂŒllt.
Mit diesem Hintergrund darf ich die VerheiĂung: âBittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetanâ neu hören.
âBittet, so wird euch gegeben!â
Du darfst mit dem Mut rechnen, der wichtig und nötig ist, ganz neue und ganz andere Schritte zu wagen. Oder mit der Zuversicht rechnen, mit der man nicht einfach aufgibt und alles hinwirft, sondern weiter gegen einen unertrÀglichen Zustand angehen kann.
âSuchet, so werdet ihr finden!â
Vielleicht muà man woanders suchen. Nicht mehr auf die eine Sache oder Person, auf die so liebgewordene Gewohnheit fixiert sein. Man kann auch unter geÀnderten Vorzeichen neue Wege entdecken.
âKlopfet an, so wird euch aufgetan!â
Vielleicht wird diese TĂŒr fĂŒr immer geschlossen bleiben. Vielleicht bekommt man diese Chance nie mehr. Und vielleicht lĂ€sst die Gesundheit diese eine liebgewordene Gewohnheit nicht mehr zu.Aber es gibt auch andere TĂŒren, die sich auftun und neue Ansichten, die sich öffnen.
Die Bitte um den Heikigen Geist und damit die Bitte von ganz neuen und ganz anderen Möglichkeiten ist die eigentliche Mitte des Gebets.
Eine Hilfe, neue Wege zu entdecken, war fĂŒr mich das âPerlenbandâ, das mir auf einem Kirchentag begegnete. Es stammt aus Schweden. Unter âPerlen des Glaubensâ wurde es bei uns bekannt. Auf einem Band sind verschiedenfarbige Perlen angebracht, die jede einen Namen haben. âPerle der Gelassenheitâ, Perle der Nachtâ, âPerle der Auferstehungâ, âTaufperleâ usw.
Ich nahm diese Anregung fĂŒr die Arbeit mit Kindern in unseren Gemeinden mit, und wir erstellten unsere âPerlenbĂ€nderâ, wo jede Perle eine von den Kindern benannte Bedeutung bekam. Sie sollten helfen im Gebet diese einzelnen Dinge zu benennen. Ich weiĂ nicht, ob und wie lange die Kinder das Perlenband genutzt haben. Aber ĂŒber diese âhandgreiflicheâ BeschĂ€ftigung gab es gute GesprĂ€che zum Gebet.
Eines ist sicher: Ob Perlenband oder Gebete aus dem Schatz der Christentumsgeschichte, ob selbst formulierte Bitten oder Liedverse aus dem Gesangbuch, wichtig ist allein, dass das Beten etwas mit mir tut und das etwas in mir in Bewegung kommt, meine Blickrichtung Àndert oder mir zu einer neuen Sicht der Dinge verhilft.
Der heutige Sonntag Rogate ermuntert uns mit allem, was uns bewegt zu Gott zu kommen. Ihm zu erzÀhlen, wie es uns geht und was uns umtreibt. Aber auch mit seinen Möglichkeiten in unserem Leben zu rechnen, die uns helfen, dass wir uns Àndern können und unter neuem Vorzeichen neue Wege ausloten können.
Und der Friede Gottes, der höher und weiter ist als alles menschliche Verstehen bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
- Gebet / Vaterunser
Und so legen wir alle unsere Bitten und unseren Dank in das Gebet, das uns Jesus gelehrt hat.
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tÀgliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und fĂŒhre uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
- Segensbitte
Es segne und behĂŒte uns, Gott der AllmĂ€chtige und Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
Es grĂŒĂen Sie aus dem Gottesdienstkreis unserer Gemeinde:
Mechthild Hofmann, Katharina Karg, Gudrun Naumann