Letzter Sonntag nach Epiphanias (30.01.)2022

  • Eröffnung

„Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ Mit dieser verheißungsvollen Nachricht eröffnet der Prophet Jesaja diese Woche. Am Ende der Weihnachtszeit. Noch einmal der Glanz des Sternes über der Krippe in Bethlehem. Welchen Platz hat aber dieser Stern in unserer Welt? In Gedanken, Liedern und Gebeten wird dem nachgegangen. Amen.

  • Hoch erhöht über alle Götter – Worte aus Psalm 97

Der Herr ist König; des freue sich das Erdreich
und seien fröhlich die Inseln, so viel ihrer sind.

Wolken und Dunkel sind um ihn her,
Gerechtigkeit und Recht sind seines Thrones Stütze.
Feuer geht vor ihm her
und verzehrt ringsum seine Feinde.
Seine Blitze erleuchten den Erdkreis,
das Erdreich sieht es und erschrickt.
Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem Herrn,
vor dem Herrscher der ganzen Erde.

Die Himmel verkündigen seine Gerechtigkeit,
und alle Völker sehen seine Herrlichkeit.
Schämen sollen sich alle, die den Bildern dienen /
und sich der Götzen rühmen.
Betet ihn an, alle Götter!
Zion hört es und ist froh,
und die Töchter Juda sind fröhlich, weil du, Herr, recht regierest.
Denn du, Herr, bist der Höchste über allen Landen,
du bist hoch erhöht über alle Götter.

Die ihr den Herrn liebet, hasset das Arge!
Der Herr bewahrt die Seelen seiner Heiligen;
aus der Hand der Frevler wird er sie erretten.
Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen
und Freude den aufrichtigen Herzen.
Ihr Gerechten, freut euch des Herrn
und danket ihm und preiset seinen heiligen Namen!

  • Ein Lied: Morgenglanz der Ewigkeit (EG 450)

Morgenglanz der Ewigkeit,
Licht vom unerschöpften Lichte,
schick uns diese Morgenzeit
deine Strahlen zu Gesichte
und vertreib durch deine Macht
unsre Nacht.

Deiner Güte Morgentau
fall auf unser matt Gewissen;
lass die dürre Lebensau
lauter süssen Trost genießen
und erquick uns, deine Schar,
immerdar.

Gib, dass deiner Liebe Glut
unsre kalten Werke töte,
und erweck uns Herz und Mut
bei entstandner Morgenröte,
dass wir eh wir gar vergehn,
recht aufstehn.

Ach du Aufgang aus der Höh,
gib, dass auch am Jüngsten Tage
unser Leib verklärt ersteh
und, entfernt von aller Plage,
sich auf jener Freudenbahn
freuen kann.

Leucht uns selbst in jener Welt,
du verklärte Gnadensonne;
führ uns durch das Tränenfeld
in das Land der süssen Wonne,
da die Lust, die uns erhöht,
nie vergeht.

  • Die Haut seines Angesichts glänzte – Worte aus 2. Mose 34,29-35

Als nun Mose vom Berge Sinai herabstieg, hatte er die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand und wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte.
Als aber Aaron und alle Israeliten sahen, dass die Haut seines Angesichts glänzte, fürchteten sie sich, ihm zu nahen. Da rief sie Mose, und sie wandten sich wieder zu ihm, Aaron und alle Obersten der Gemeinde, und er redete mit ihnen. Danach nahten sich ihm auch alle Israeliten. Und er gebot ihnen alles, was der Herr mit ihm geredet hatte auf dem Berge Sinai. Und als er dies alles mit ihnen geredet hatte, legte er eine Decke auf sein Angesicht.
Und wenn er hineinging vor den Herrn, mit ihm zu reden, tat er die Decke ab, bis er wieder herausging. Und wenn er herauskam und zu den Israeliten redete, was ihm geboten war, sahen die Israeliten, wie die Haut seines Angesichts glänzte. Dann tat er die Decke auf sein Angesicht, bis er wieder hineinging, mit ihm zu reden.

Wort des lebendigen Gottes.
Amen.

  • Noch – nicht – Gedanken zu 2. Mose 34

Das Volk Israel ist in der Wüste auf dem Weg in das gelobte Land. Mose führt es an. Wie er es zuvor aus Ägypten herausgeführt hat. Hier, mitten in der Wüste, vor dem Berg Sinai, übergibt Gott dem Volk seine Gebote. Auf zwei steinernen Tafeln. Die ersten Tafeln zerbricht Mose aber, weil das Volk Israel das Goldene Kalb anbetet. Jetzt hat er das zweite Paar Tafeln, von Gott beschrieben, und präsentiert diese erneut. Ein eigentümlicher Begleitumstand wird in die Erzählung eingewoben. Moses Angesicht glänzt von der Begegnung mit Gott, in seine Haut hat sich die Gegenwart Gottes eingeprägt. Die Vertreter des Volkes, Aron und die Obersten der Gemeinde, nähern sich ihm, weichen aber erschreckt vor dem Glanz der Haut Moses zurück. Dieser ruft sie wieder zu sich, ebenso auch das ganze Volk, verweist sie auf die Gebote. Dann verschleiert er sein Gesicht und seine Haut. So bleibt es dann. Mit Gott redet Mose ohne Schleier, mit dem Volk Israel mit Schleier, um den göttlichen Abglanz zu verbergen.
Eine seltsame Geschichte. Obwohl die Menschen vor dem Abglanz erschrecken, wenden sie sich ihm doch zu. Mose verbirgt sein glänzendes Antlitz erst dann, nachdem er ihnen die Gebote gegeben hat.
Eine Erklärung wäre die der religiösen Grundbewegung aus Schrecken und Faszination. Nach dem Religionswissenschaftler Rudolf Otto sind Religionen grundsätzlich von diesem spannungsreichen Paar menschlicher Empfindung geprägt. Nähe suchen, Nähe meiden; so wie ich einem gefährlichen und schönen Tier gegenübertrete. Ich nähere mich, um es besser betrachten zu können. Zugleich aber sehe ich mich vor, um es nicht zu reizen, komme ihm besser nicht zu nahe. Mose trägt den Abglanz von Schrecken und Faszination auf seiner Haut.
Der Glanz aber schreckt nicht nur ab. Anscheinend ist auch die Begier, einen Blick auf Gottes Herrlichkeit zu werfen und Anteil an ihr zu haben, verführerisch. Sobald aber die Israeliten diesen verführerischen Glanz sehen, verbirgt ihn Mose.
So soll sich Gott nicht zeigen. Sagt es nicht weiter, sagt auch Jesus auf dem Berg zu seinen treuen Jüngern. So will sich Gott nicht zeigen. Noch nicht. Deshalb weiß auch Mose nichts von seiner leuchtenden Erscheinung. Er tritt in aller Bescheidenheit vor seine Leute. Er weiß nur von den grauen Steintafeln. Das will er ihnen bringen. Gottes Erscheinung vor den Israeliten sind eben diese Tafeln, die Tafeln der Gebote oder wie sie in der Übersetzung von Buber und Rosenzweig genannt werden: Tafeln der Vergegenwärtigung. Das ist Gottes Gegenwart: Im Kapitel 32 des zweiten Mosebuches wird das bei der Beschreibung ihrer Verfertigung nochmals deutlicher: Mosche wandte sich und stieg nieder vom Berg, die zwei Tafeln der Vergegenwärtigung in seiner Hand, Tafeln beschrieben von ihren beiden Seiten, von hier und von hier waren sie beschrieben, und die Tafeln, Werk Gottes sie, und die Schrift, Schrift Gottes sie, gegraben in die Tafeln. Der hebräische Sprachduktus, der bei Buber-Rosenzweig besonders hervortritt, macht noch einmal die Vergegenwärtigung Gottes in den Tafeln mehr als deutlich.
Es ist nicht zu bestreiten, was Mose in seiner Haut trägt; die strahlende Erscheinung Jesu auf dem Berg; das ist ein Stück Himmel.
Aber so will sich Gott nicht zeigen, so will er nicht erscheinen hier auf Erden: Er zeigt sich vielmehr in den nüchternen Geboten, in Stein gegraben, schlicht und beständig; er zeigt sich, nicht als strahlender Engel und mächtiger Bote Gottes; sondern als Mensch, verletzlich, aus Haut und Knochen; ein Schmerzensmann.
Vielleicht, liebe Gemeinde, ist der Himmel in all seinem Glanz nicht für das Leben, unser Leben hier auf unserer grauen Erde an diesem grauen Januartag, am Ende der Weihnachtszeit, ist – noch – nicht – für uns bestimmt. Für uns gilt vielmehr das höchste Gebot, den Nächsten lieben, und das heißt nichts anderes als Gott zu lieben, so wie er hier auf Erden für uns Menschen da ist, wie er uns erscheint, weihnachtliches Kind in der Krippe.
Mag sein, dass dann, nach diesem Leben, ein ganz anderer Glanz für uns scheint. Ein Glanz der Sonne, wie er im Predigtlied beschrieben ist. Ein Morgenglanz für die Welt im Jenseits. Später!

Aber jetzt sind wir noch hier. Also, ihr Volk Israel, ihr Christenheit, bescheidet eure Augen; lenkt sie nicht auf den Glanz des Himmels, sondern auf den grauen Stein vom Berg Sinai; lenkt sie nicht auf den Glanz der Welt, sondern auf den Menschen, der dir grade nicht besonders glanzvoll gegenübertritt. Da ist Gott vergegenwärtigt, eingeschrieben, Werk Gottes, und die Schrift Gottes.

Amen.

  • Unsere Augen – Miteinander und füreinander beten

Lenke unsere Augen, Gott im Himmel, hier auf Erden,
dass sie nicht verführt werden durch den Glanz,
den Geld und Macht auf dieser Welt versprechen.
Stärke den Mut aller Menschen, die Verantwortung dafür tragen,
für Gerechtigkeit und Frieden zu sorgen, beständig und treu.

Hüte unsere Augen, Gott im Himmel, hier auf Erden,
dass sie nicht im falschen Eifer nach Götzenbildern suchen.
Stärke unsere Gemeinden, dass sie deine Botschaft
von dem Menschen Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen
auch in den grauen, schweren Tagen weitertragen.

Wahre unsere Augen, Gott im Himmel, hier auf Erden,
dass sie sich nicht verschließen vor dem Kummer und den Tränen
der Kranken und Einsamen, der Wütenden und Verzweifelten.
Stärke uns, dass wir unseren Blick fest auf dich richten,
auf den, der durch sein Leid uns durch den Tod trägt.

Öffne unsere Augen, Gott im Himmel, hier auf Erden,
dass wir dich sehen lernen; mit all unseren Gedanken
und unserer Sehnsucht legen wir vor dich, was uns gerade beschäftigt.

Mit den Worten Jesu beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)