Andacht

Gottesdienst am 3. Sonntag nach Epiphanias 25.1.2026

10.00 Uhr Wörmlitzer Kirche.

Anfangen:

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.

Denke an mich in deiner Gnade.

Erhöre mich und hilf mir.

Eröffnung: Der Wochenspruch für die neue Woche lautet:

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.

(Lukas 13, 29).

Lied: Auf, Seele, auf und säume nicht, es bricht das Licht herfür;

der Wunderstern gibt dir Bericht, der Held sei vor der Tür.

Geh weg aus deinem Vaterhaus zu suchen solchen Herrn

und richte deine Sinne aus auf diesen Morgenstern.

Gib acht auf diesen hellen Schein, der aufgegangen ist;

er führet dich zum Kindelein, das heißet Jesus Christ.

Drum mache dich behende auf, befreit von aller Last,

und lass nicht ab von deinem Lauf, bis du dies Kindlein hast.

(EG 73, 1-4)

Psalm 86:

Herr, neige deine Ohren und erhöre mich;

denn ich bin elend und arm.

Bewahre meine Seele, denn ich bin dir treu.

Hilf du, mein Gott, deinem Knechte, der sich verlässt auf dich.

Denn du, Herr, bist gut und gnädig,

von großer Güte allen, die dich anrufen.

Vernimm, Herr, mein Gebet

und merke auf die Stimme meines Flehens!

In der Not rufe ich dich an; du wollest mich erhören!

Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern,

und niemand kann tun, was du tust.

Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen

und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren,

dass du groß bist und Wunder tust und du allein Gott bist.

Weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit;

erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.

Text: Apostelgeschichte 10, 21-35

Petrus sprach zu den Männern, die von Kornelius zu ihm gesandt waren:

Ich bin der, den ihr sucht; aus welchem Grund seid ihr hier?

Sie aber sprachen: Der Hauptmann Kornelius, ein frommer und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden,

hat einen Befehl empfangen von einem heiligen Engel,

dass er dich sollte holen lassen in sein Haus und hören,

was du zu sagen hast.

Da rief er sie herein und beherbergte sie.

Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen,

und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm.

Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea.

Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten

und nächsten Freunde zusammengerufen.

Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen

und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an.

Petrus aber richtete ihn auf und sprach:

Steh auf, auch ich bin ein Mensch.

Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele,

die zusammengekommen waren.

Und er sprach zu ihnen:

Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist,

mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen;

aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen

gemein oder unrein nennen soll.

Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen,

als ich geholt wurde.

So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen.

Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit

betete ich um die neunte Stunde in meinem Hause.

Und siehe, da stand ein Mann vor mir

in einem leuchteten Gewand und sprach:

Kornelius, dein Gebet ist erhört und

deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott.

Nun sende nach Joppe und lass herrufen Simon,

mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist

im Hause des Gerbers Simon am Meer.

Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan,

dass du gekommen bist.

Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen,

um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist.

Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach:

Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht;

sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut,

der ist ihm angenehm.


Predigt

Liebe Gemeinde,

der Predigttext führt uns heute an den Anfang der ersten christlichen Gemeinden. Er führt uns nach Cäsarea, einer Stadt im Nordwesten Israels am Ufer des Mittelmeeres. Er erzählt von einer Begegnung zwischen zwei Männern mit weitreichenden Folgen:

Zwei Männer begegnen sich –

ein Judenchrist und ein Heide.

Da ist Petrus: Ehemaliger Fischer. Frommer Jude. Von Jesus berufen, Menschenfischer zu werden. Zeuge seiner Auferstehung. Jetzt unterwegs, die frohe Botschaft unter die Menschen zu bringen.

Und da ist Kornelius: Ein römischer Hauptmann. Stationiert in Cäsarea. Ein gottesfürchtiger Heide, angezogen von der jüdischen Gemeinde. Der den Armen Geld spendet und der zu Gott betet.

Zwei Männer in verschiedenen Welten. zwei Männer, die sich normaler Weise aus dem Weg gehen würden.

Und trotzdem treffen sich Ihre Wege in unserer Geschichte. Warum?

Weil Gott einen Anfang mit Ihnen macht.

Ihrer Begegnung geht jeweils eine Begegnung mit Gott voraus.

Kornelius erscheint im Traum ein Engel. Gott hat seine Gebete erhört und gesehen, dass er anderen Almosen gibt. Jetzt soll er Petrus zu sich in sein Haus einladen. Kornelius schickt seine Knechte zu Petrus, der sich gerade im südlich gelegenen Joppe aufhält, um ihn zu bitten, zu ihm zu kommen.

Petrus hat eine Vision, von der in dem Kapitel vor unserem Predigttext erzählt wird. Gott fragt in dieser Vision, die Unterteilung in reine und unreine Speisen an, mit der damals auch eine soziale Trennung beim Essen einher ging.

Und dann beginnt die Geschichte der beiden Männer ineinander zu greifen. Und durch die Begegnung beginnen sie sich selbst, den anderen und Gott besser zu verstehen. Es ist sozusagen eine Missionsgeschichte, die beide verändert:

Petrus und Cornelius.

Beide überschreiten dabei Grenzen.

Ein Jude ging nicht in das Haus eines Nichtjuden. Und er nahm auch keine Nichtjüdischen Gäste auf, die bei ihm übernachten durften. Das galt als unrein. Damit entfernte man sich von Gott. Und trotzdem bittet Kornelius Petrus zu ihm zu kommen. Und trotzdem macht sich Petrus auf den Weg, nachdem er Kornelius Boten in seinem Haus übernachten lies.

Sie begegnen sich auf Augenhöhe:

Als Kornelius Petrus sieht: kniet er nieder und betet ihn an. So ist er es gewohnt, vor seinen Göttern niederzuknien. Petrus aber richtete ihn auf und sagt zu Kornelius: „Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch.“

Um’s Mensch sein geht es.

Es geht erst einmal darum zu sehen:

Wie gleich, wie ähnlich wir doch sind, neben allem, was uns bis dahin auch trennt.

Ich bin auch nur ein Mensch!

Ich lache und weine wie du!

Ich bin aus Fleisch und Blut wie du!

„Ihr müsst Menschen sein. Nichts weiter. Was können wir machen. Wir können viel machen. Ihr könnt Menschen sein.“

Diese Worte von Margot Friedländer fielen mir ein. Sie haben viele Menschen über alle Grenzen von Kultur und Religion hinweg erreicht. Sie klingen einfach und sie bedeuten sehr viel, in Situationen, in denen die Menschlichkeit auf dem Spiel steht.

Jeder der beiden hat dem anderen etwas zu sagen und zu geben.

Durch die Einladung zu Kornelius versteht Petrus seine Vision. Gott hat ihn in das Haus eines aus seiner Sicht unreinen Menschen geführt. Dieser Mensch betet auch zu Gott und sein Handeln richtet er auch danach aus. Petrus beginnt zu verstehen, dass Gott ihm mit seiner Vision sagen will:

Kein Mensch ist unrein. Sieh genau hin. Sieh auch hinter deine eigenen Regeln. Sie mögen für manches gut sein, aber sie können Begegnung und Gemeinschaft verhindern, wenn du nicht mehr den Menschen dahinter siehst.

Kornelius erlebt, dass Petrus seiner Einladung wirklich folgt und damit Grenzen überschreitet. Er erlebt, dass Petrus ihn ernst nimmt,

dass er auf Augenhöhe mit ihm reden will. Es entsteht ein neuer Begegnungsraum und dann kann Petrus auch von Jesus von Nazareth erzählen.

Wenn man weiterliest, wird die Begegnung am Ende zu einer zweiten Pfingstgeschichte. Über alle die im Haus versammelt sind, kommt der Heilige Geist hernieder und Petrus tauft Kornelius und seine ganzes Haus.

Gott mutet Petrus und Kornelius zu: umzulernen.

Nicht nur mein Volk. Nicht nur meine Tradition.

Nicht nur meine Leute.

Sondern:

„Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.“

Ich höre das, was Petrus sagt so;

Gott lässt sich von der Volkszugehörigkeit nicht beeindrucken. Woher jemand kommt und wohin jemand gehört, das ist nicht das entscheidende. Das Leben in Zugehörigkeiten: Mein Volk. Mein Gott. Mein Vieh. Mein Haus. Das bricht Gott mit Petrus und Kornelius auf.

Ums Mensch sein geht es.

Und darum, dass ich mein Herz Gott öffne.

Liebe Gemeinde,

für mich ist die Geschichte von der Begegnung der beiden Männer eine Entdeckung. Gerade jetzt. Gerade heute. Sie verlangt uns etwas ab. Sie mutet uns etwas zu?

Sie regt mich zum Fragen an:

Welche Zuordnungen und Einteilungen verhindern Begegnungen in unseren Familien und Freundeskreis, mit unseren Nachbarn, mit Menschen, die eine andere politische Meinung haben als ich, in unseren Gemeinden?

Bin ich im Kontakt mit Ihnen bereit auf sie zuzugehen. Mache ich mich auf den Weg zu Ihnen und betrete neue ungewohnte Räume in dem Vertrauen, dass bei der Begegnung etwas Neues entstehen kann. Und vielleicht sogar eine Erfahrung mit Gott möglich ist.

Kornelius und Petrus lassen sich ein. Nehmen Engel ernst und halten unverständliche Visionen aus. Springen über Schatten, gehen aufeinander zu, bauen Brücken. Jeder aus seiner Wahrheit heraus. Damit leuchtet Gott mitten hinein in ihr und auch in unser Leben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Fürbitte

Gott, du bist gut und gnädig,
du schenkst Licht und Leben.
Du bist unser Gott.

Krieg und Tod verdunkeln diese Tage.
Wir sind ratlos und beklagen die Opfer.
Dein Licht zeigt den Weg zum Frieden.
Wir bitten dich:
Sende dein Licht aus und schenke Frieden.

Streit und Wut bringen die einen gegen die anderen auf. Wir sorgen uns um das Zusammenleben in unserem Land.
Dein Licht weist den Weg, um einander zu verstehen.
Wir bitten dich:
Sende dein Licht aus und schenke Versöhnung.

Schmerzen plagen die Kranke.
Unsere Verstorbenen fehlen.
Wir trauern.

Wir bitten dich heute Gott,

um die Verstorbenen aus unseren Gemeinden.

Lass sie in deiner Liebe geborgen sein.

Tröste und begleite ihre Familien und Freunde

auf dem Weg durch ihre Trauer.

Dein Licht rettet.
Wir bitten dich:
Sende dein Licht aus und heile alle Wunden.

Der Glaube an dich überwindet Grenzen.
Die Bedrohten finden bei dir Zuflucht. 
Dein Licht lockt alle an deinen Tisch.
Wir bitten dich:
Sende dein Licht und segne deine Gemeinde.

Du bist gut und gnädig,
du schenkst Licht und Leben.
Du bist unser Gott.
Dir vertrauen wir diese Welt an.
Dir vertrauen wir
unsere Nächsten und Liebsten
und uns selbst an.
Sende dein Licht in unser Leben 
durch Jesus Christus,
deinen Sohn und unseren Bruder.
Amen.

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Es segne und behüte uns der allmächtige

und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Amen.