Andacht zum Gottesdienst am Sonntag Jubilate – 25. April –
Anfangen:
In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir. Amen.
Eröffnung:
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Diese Worte aus dem zweiten Brief an die Korinther sind uns für den Weg durch die neue Woche gegeben.
Psalm 66 :
Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen.
Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.
Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Lied: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut – EG 326:
1. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte,
dem Gott, der alle Wunder tut, dem Gott, der mein Gemüte
mit seinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt.
Gebt unserm Gott die Ehre!
5. Der Herr ist noch und nimmer nicht von seinem Volk geschieden;
er bleibet ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden.
Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her.
Gebt unserm Gott die Ehre!
6. Wenn Trost und Hilf ermangeln muss, die alle Welt erzeiget,
so kommt, so hilft der Überfluss, der Schöpfer selbst, und neiget
die Vateraugen denen zu, die sonsten nirgends finden Ruh.
Gebt unserm Gott die Ehre!
7. Ich will dich all mein Leben lang, o Gott, von nun an ehren,
man soll, Gott, deinen Lobgesang an allen Orten hören.
Mein ganzes Herz ermuntre sich, mein Geist und Leib erfreue dich!
Gebt unserm Gott die Ehre!
Predigttext: Johannesevangelium Kapitel 15, Verse 1-8:
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
Predigt:
Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
Abschiede erleben wir Menschen in ganz unterschiedlicher Art, liebe Gemeinde. Da nehmen Kinder am Sterbebett Abschied von ihren Eltern. Da verabschieden sich Eltern und Kinder voneinander, wenn der Sohn oder die Tochter das Haus verlassen und in die Eigenständigkeit ziehen. Da geht eine Beziehung auseinander, weil sich die Partner einfach nicht mehr verstehen. Da tritt einer in den Ruhestand, verlässt seinen Arbeitsplatz und nimmt Abschied vom Berufsleben.
Auch Jesus nimmt Abschied, Abschied von seinen Jüngern. Und wie wir bei vielfachem Abschied „Auf Wiedersehen“ sagen, so sagt es auch Jesus bei Johannes ein Kapitel nach unseren Versen: „Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ So ist auch bei vielen unserer Abschiede schon die Freude des Wiedersehens inbegriffen. In diese Spannung zwischen der Traurigkeit des Abschieds und der Freude des Wiedersehens gehören unsere Verse aus dem Johannesevangelium.
Wir stellen den zentralen Vers in die Mitte, versuchen einen Dreischritt und nehmen Jesu Worte auf:
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.
Ohne mich könnt ihr nichts tun.
Jesus sagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Nun weiß ich nicht so recht, liebe Gemeinde, wer von euch schon einmal in einem Weinberg war und einem Winzer
bei der Arbeit zugesehen hat. In unseren Breiten wird der Wein meist als Spalierobst angebaut. Das heißt, der Weinstock kann sich mit seinen zarten und den widerstandsfähigen Reben an einer Art Geländer emporranken, weitgehend gehalten durch kaum sichtbare Schnüre. Es sieht ganz wunderbar aus und ist gleichzeitig von höchstem Nutzen, wenn der Weinstock viele gesunde und kräftige Reben hat, die ineinander verschlungen ihre Früchte tragen.
Gut ist es, wenn sie sich gegenseitig stützen und so zusammenwachsen, dass die Last für die einzelne Rebe
nicht zu groß wird.
Der Weinstock mit seinen herrlichen Früchten gilt schon von alters her als Sinnbild für das Leben. In einer alten Keilschrift, einer Schrift auf Basis von Bildern und Zeichen, bedeutete das Rebenblatt das Wort „Leben“. Münzen aus dem Altertum, auf denen Trauben eingeprägt sind, weisen hin auf den damaligen Reichtum dieser Städte oder des betreffenden Landes. Auch für das Volk Israel galt der eher herbe Weinstock mit seinen wunderbaren Früchten als Sinnbild des Lebens. Als das Volk Israel auf seiner Wanderung durch die Wüste vor dem verheißenen Land stand, in
dem Milch und Honig fließen sollten, schickte Mose Kundschafter aus, die Informationen sammeln sollten. Sie brachten neben anderen Früchten eine große Weintraube mit, die zwei Männer auf einer Stange trugen.
Viele Menschen sind in ihrem ganzen Leben auf der Suche nach dem Glück. Wenn ich erst 30 bin…, wenn die Kinder erst mal aus dem Gröbsten raus sind…, wenn ich im Ruhestand bin… Sie sind von einer inneren Unruhe erfasst, als fehle immer noch etwas zum wirklichen Glück im Leben. Das Bild vom Weinstock und den Reben ist dagegen ein Bild für volles Leben, für Vollendung, für wirkliches Glücklichsein.
Jesus sagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.
Ums Fruchtbringen geht es, um das, was bleibt. Auch wir selbst fragen danach,
vielleicht an einem runden Geburtstag oder an sonst einem Markstein im Leben:
„Was hat es gebracht, mein Leben? Was ist rausgekommen dabei?“ Ich denke an meinen Beruf, an meine Position, die ich mir erworben habe. Vielleicht habe ich ein Haus gebaut, ein Buch geschrieben oder sonst etwas Bleibendes geschaffen. Ich denke an meine Familie, an die Eltern, die Kinder, vielleicht auch schon an die Enkel
… Was bleibt, was hat Frucht gebracht oder wird sie bringen? Oder noch genauer:
Habe ich Frucht gebracht in meinem Leben?
Diese Frage ist mitunter schmerzhaft. In jugendlichem Alter denke ich, die Welt steht mir offen. Alles, was ich will, kann ich auch erreichen. Viel eher beschäftigt die jungen Leute die Frage, was sie eigentlich erreichen wollen. Doch je älter ich werde, desto mehr muss ich lernen, von Träumen Abschied zu nehmen. Je weiter ich in meinem Leben komme, je weiter ich wachse, umso mehr liegt es an mir, mich zu beschränken, zu verzichten. Das ist nicht besonders modern. Viel lieber machen wir uns selbst und unseren Mitmenschen vor, es gäbe grenzenloses Wachstum und unendliche Möglichkeiten. Doch das ist eine Illusion. Wenn ich nicht lerne, die Einmaligkeit jedes Augenblicks und jedes Lebensalters zu respektieren, dann erlebe ich die Einschnitte, die das Leben mir zufügt, umso drastischer und schmerzhafter.
Wie gut tut es, dass uns in diesem Zusammenhang das Bild von dem Wein-gärtner vor Augen gemalt wird, der die Reben kürzt, stutzt, zurechtschneidet, damit sie mehr Frucht bringen können. Auch hinter meinen Beschränkungen, die mir das Älterwerden auferlegt, darf ich unseren Vater im Himmel am Werk sehen. „Reinigen“ nennt Jesus diese Tätigkeit des Weingärtners und ergänzt kurz danach: Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Dabei soll die andere Seite des Bildes nicht unter den Tisch fallen: Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen. Ach du liebe Zeit, habe ich richtig gehört? Bin ich denn sicher, dass ich Frucht bringe? Reicht, was ich getan habe? Oder gilt auch für mich: „Genug ist nie genug“? Ich möchte oft gern diese Schattenseite einfach beiseiteschieben. Ich möchte mitunter einfach nur den „lieben“ Gott sehen, die anderen Aussagen ausblenden. Ob ich damit aber die Tiefe dessen erreiche, was uns Jesus in seinem Bildwort sagen will? Es geht ja noch weiter: Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. Jesus schärft den Blick auf diese Wirklichkeit, nicht um uns in Angst und Schrecken zu versetzen, sondern um darauf hinzuweisen, dass alles am Bleiben liegt.
Jesus sagt: Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.
Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Das normale „ohne-mich“ kennen wir zur Genüge. Wenn etwas geplant wird, hören wir öfter: „Das könnt ihr gern tun, aber ohne mich. Ich halt mich raus, ich mach da nicht mit.“ Genau das Gegenteil gilt für Jesus: Er hält sich nicht raus aus unserem Leben, er mischt sich ein mit seiner ganzen Person, ja mit seinem ganzen Leben.
Dafür ist er ans Kreuz gegangen, hat den Tod erlitten, um uns zu zeigen, dass er immer bei uns bleibt. Und in seiner Auferstehung am dritten Tag hat er den Weg aufgebrochen, den Weg zum Vater, zum Leben in Vollendung. Da hat das Ohne mich könnt ihr nichts tun seinen letzten Sinn. Eben weil alle unsere Wege, auch die des Treuesten, Klügsten und Fleißigsten, ohne ihn in diesem dunklen Erdloch enden, das wir Grab nennen, eben deshalb ist es so entscheidend wichtig, bei ihm zu bleiben.
Gerade jetzt im Frühling haben wir die Fülle des Lebens wieder vor Augen: die aufbrechenden Bäume, die erwachende Natur, und auch die vollen Supermärkte zeigen unser ganzes Leben im Überfluss. Diese Fülle des Lebens lässt uns leicht den Blick verlieren für den, der das eigentliche Leben ist, der das eigentliche Glück für uns bereithält. Ohne ihn haben wir letztlich nichts, aber mit ihm haben wir am Ende alles, das Leben in Vollendung. Und das gilt nicht nur irgendwann in ferner Zukunft, das will schon hier und heute unsere Wirklichkeit bestimmen.
Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Das ist so phantastisch, dass ich da eigentlich gar nicht mehr mitkann. Und doch gilt es. Ich kann es Tag für Tag durchbuchstabieren: Was ihr wollt. Das heißt ja nicht: Was euch eben gerade mal so einfällt. Sondern: Wenn ihr in mir bleibt, dann wollt ihr gerade das, was ich euch zugedacht habe. Dann stimmen wir überein.
Dann klingen wir zusammen. Dann seid und bleibt ihr mit mir verbunden. Weil Jesus der Weinstock ist und wir die Reben, weil all unser Leben letztlich aus seinem Leben kommt, deshalb stehen wir selbst in der Fülle des Lebens, schon hier und heute. Und so darf hinter all unseren Abschieden, auch hinter dem letzten, die Hoffnung des Wiedersehens stehen. Das liegt nicht an uns, sondern an ihm und dient der Verherrlichung des Vaters. Denn Gott will das Leben.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Miteinander und füreinander beten:
Du Gott des Wachsens, des Werdens und des Bleibens,
Zu dir kommen wir mit unseren Bitten und unseren Anliegen.
Dir legen wir ans Herz, was wir auf dem Herzen haben.
Dir sagen wir, was wir vielen andern verschweigen
Sieh uns an in unserer Angst und Unsicherheit.
Viele fühlen sich nicht mehr gewappnet für die Stürme der Zeit.
Viele meinen, sie müssten sich anpassen und strecken, um mithalten zu können.
Viele leiden darunter, ständig perfekt sein zu müssen.
Wir bitten dich: Nimm uns an so wie wir sind.
Dir sind wir recht!
Nimm uns an der Hand und führe uns durchs Leben.
Sieh uns an in unserer Freude und unserem Jubilieren!
So vieles gelingt uns, so vieles macht uns Spaß,
so vieles ist gut und es gibt tausend Gründe zur Dankbarkeit.
Lass uns das wahrnehmen und wertschätzen und wichtig nehmen.
Sieh uns an in unseren Gemeinden – lass wachsen und werden,
lass gedeihen und neu aufblühen, lass uns das Gute hegen und pflegen
und gib uns auch den Mut uns von dem zu trennen,
was schon lange faul und verdorrt ist.
Sieh uns an in unserer Welt – in ihrer Großartigkeit und ihren Abgründen.
Danke für Mitmenschlichkeit, Empathie, Hilfsbereitschaft.
Aber gib uns auch Frieden.
Lass uns den Frieden suchen, einfordern, einüben und erzwingen.
Lass die Waffen schweigen und Gerechtigkeit einziehen.
Alles, was wir auf dem Herzen haben,
legen wir in die Worte, die Jesus uns gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Segen:
Der Herr segne dich
er lasse dein Leben gedeihen, er lasse deine Hoffnung erblühen,
er lasse deine Frucht reifen.
Der Herr behüte dich,
er umarme dich in deiner Angst, er stelle sich vor dich in deiner Not.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir,
wie ein zärtlicher Blick erwärmt, so überwinde er bei dir, was erstarrt ist.
Er sei dir gnädig,
wenn Schuld dich drückt, dann lasse er dich aufatmen und mache dich frei.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich,
er sehe dein Leid, er tröste und heile dich.
Er schenke dir was Wohl des Leibes und das Heil deiner Seele.
Er gebe dir Frieden
(Lektorinnenteam)