3. Sonntag vor der Passionszeit (13.02.)2022

  • Eröffnung

Der Prophet Daniel ruft uns zu: „Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“ Dazu ist jetzt Gelegenheit! Gemeinsam wollen wir beten und auf Gottes Wort hören.

  • In meinem Zagen – Worte aus Psalm 31

Wie groß ist deine Güte, Herr,
die du bewahrt hast denen, die dich fürchten,
und erweisest vor den Menschen
denen, die auf dich trauen!
Du birgst sie im Schutz deines Angesichts vor den Rotten der Leute,
du verbirgst sie in der Hütte vor den zänkischen Zungen.
Gelobt sei der Herr; denn er hat seine wunderbare Güte
mir erwiesen in einer festen Stadt.
Ich sprach wohl in meinem Zagen:
Ich bin von deinen Augen verstoßen.
Doch du hörtest die Stimme meines Flehens,
als ich zu dir schrie.
Liebet den Herrn, alle seine Heiligen!
Die Gläubigen behütet der Herr und vergilt reichlich dem, der Hochmut übt.
Seid getrost und unverzagt alle,
die ihr des Herrn harret!

  • Ein Lied: „Er weckt mich alle Morgen“ (EG 452)

1) Er weckt mich alle Morgen,
Er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen,
führt mir den Tag empor,
dass ich mit Seinem Worte
begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte
ist Er mir nah und spricht.

5) Er will mich früh umhüllen
mit Seinem Wort und Licht,
verheißen und erfüllen,
damit mir nichts gebricht;
will vollen Lohn mir zahlen,
fragt nicht, ob ich versag.
Sein Wort will helle strahlen,
wie dunkel auch der Tag.

  • Die Letzten die Ersten – Worte aus Matthäus 20,1-16

Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg.

Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.
Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin.
Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe.
Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.
Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen.
Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.
Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin?
So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

Wort unseres Herrn Jesus Christus!
Amen.

  • Wahrer Ruhm – Gedanken zu Jeremia 9,22f.

„So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr.“ (Jer9,22f.)

„Keine Sau will mehr rühmen; jedes noch so dumme Schwein will berühmt werden.“ Diese freche Feststellung des Dichters Robert Gernhardt fasst ganz gut die Forderung Jeremias zusammen. Aber, vielleicht ist das gar nicht so schwer, was der HErr hier von mir fordert: Halte ich wirklich soviel von meiner Weisheit? Mein Reichtum ist doch auch nicht so groß. Von meiner Stärke brauche ich erst recht nicht zu reden. Kein Grund mich zu rühmen. Denn ich finde doch immer Beispiele größeren Reichtums, größerer Weisheit und Stärke.
So gesehen habe ich mir nichts vorzuwerfen.
Auf der anderen Seite bin ich mir aber auch nicht sicher, ob ich wirklich klug bin und den Herrn kenne. Deshalb rühme ich mich – laut oder leise. Denn nie bin ich mir sicher, ob meine Mitmenschen mitbekommen, was ich kann und bin. Das Rühmen und Vergleichen ist mir wichtig. Denn am Ende will ich nicht zu kurz kommen, weil irgendjemand übersieht, was meine Stärken und Vorzüge ausmachen. Im Grunde traue ich diesen Mitmenschen nicht zu, dass sie es gut mit mir meinen. Ich muss mich behaupten.
Auch in Verbindung mit seiner Forderung zeichnet der Prophet selbst so eine Situation:

„Ein jeder hüte sich vor seinem Freunde und traue auch seinem Bruder nicht; denn ein Bruder überlistet den andern, und ein Freund verleumdet den andern. Ein Freund täuscht den andern, sie reden kein wahres Wort. Sie haben ihre Zunge an das Lügen gewöhnt. Sie freveln, und es ist ihnen leid umzukehren. Es ist allenthalben nichts als Trug unter ihnen, und vor lauter Trug wollen sie mich nicht kennen, spricht der Herr.“ (Jer 9,3-5)

Damit die Leute mich kennen, verzichte ich auf die Kenntnis Gottes. Ein bitteres Urteil. Das menschliche Miteinander ist durchdrungen von Misstrauen und Betrug. Keiner vertraut dem anderen. Ich muss meine Rechte verteidigen. Ich muss meinen Anspruch durchsetzen. Ich muss mich rühmen, um das zu erreichen, was mir zusteht.
Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit werden nicht geübt. Ich fordere sie bestenfalls für mich ein. Die anderen sind mir egal. Ihnen ist sowieso nicht zu trauen. Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht. Ein trauriges Bild.
Aber nicht soweit von der Realität entfernt. Der Jurist und ehemalige Politiker Hans Peter Bull stellt in einem Aufsatz über die Regelwut im deutschen Recht fest: Als weiterer Faktor der ständigen Normenvermehrung darf aber auch eine sozialpsychologische Tatsache gelten, die selten als Manko betrachtet wird, nämlich das allseitige gegenseitige Misstrauen der Menschen – Misstrauen, das oft auf der Angst um den eigenen Besitzstand beruht.“ (Vgl. Merkur, Zeitschrift für europäisches Denken, Nr. 873, Heft 2, Februar 2022)
Was er damit sagen will: Ausufernde Gesetze und Vorschriften sind nicht nur dem Kontrollbedürfnis des Staates anzulasten, sondern auch der Angst des einzelnen Menschen, zu kurz zu kommen.
Auch hier wird der Grund im Misstrauen untereinander benannt. Im Kern ruht dieses Misstrauen in der Annahme mangelnder Anerkennung. Ich werde nicht gesehen von meinem Gegenüber, wenn ich mich nicht schmücke. Eben das ist das Rühmen.
Ich traue schlicht meinen Arbeitskollegen, meinem Nachbarn, meinen Freunden, meinen Kindern, meinem Partner, meinen Eltern nicht zu, dass sie mich so annehmen, wie ich bin; dass mir Gerechtigkeit widerfährt. Dann stelle ich doch lieber noch einmal klar, was mich auszeichnet.
Das betrifft also nicht nur einen oberflächlichen Luxus, einem geschmückten Körper oder eine arrogante Art geistiger Überlegenheit. Sondern jede Geste meines Könnens kann davon betroffen sein. Auch die schönen, nützlichen und hilfreichen Taten sind nicht frei davon. Ich spiele gekonnt ein Musikstück. Ich helfe meiner Nachbarin im Garten. Ich gebe eine großzügige Spende. Selbst wenn ich mich nicht damit brüste, registriere ich es doch bei mir. Gut gemacht!, sage ich mir dann, Wer noch? Toller Typ bin ich!
Ansonsten Misstrauen. Gegenüber meinem Nächsten und sogar gegenüber mir selbst.

Vor Gottes Augen ist das eben keine Klugheit. Wer so handelt, kennt den Herrn nicht. Denn Gott hat mich nicht so gemacht, dass mich meiner Existenz, für das, was ich tue und wirklich brauche, rühmen müsste. Wenn ich meine Kraft, meinen Reichtum und meine Weisheit so zur Schau stelle, misstraue nicht nur meinem Nächsten sondern auch Gott selbst.
Ich hänge mich mit all meiner Kraft an Dinge, die immer wieder und jederzeit in Frage gestellt werden können.
Vergleichen macht unglücklich, sagt der Volksmund. Vergleichen und Rühmen ist blind, und sieht nichts. Es kennt Gott nicht und auch nicht seine Geschöpfe. Weder was mein Nächster kann, noch was ich kann, noch was Gott mir gegeben hat.
Es ist immer nur der Unterschied zu sehen, die an sich eben nichts ist.

Wenn aber sogar meine guten Taten so bedenklich zum Ruhm neigen, hilft vielleicht nur ein Gegenangriff. Nämlich der, der in Robert Gernhardts Bonmot schon angelegt ist. Einfach andere rühmen. Sich freuen an dem, was der andere kann. Vor Freude quietschen darüber, was einer anderen gelingt. Eine wunderbare Musik ist mir im Ohr. Wie wunderbar, dass Gott dem Organisten so geschickte Hände geschenkt hat. Und wie die Nachbarin ihren Blumengarten angelegt hat! Ich habe einfach so meinen Anteil daran. Ein Glück, dass ich ihr helfen kann. Danke, Gott! Und wenn ich sehe, wie mein dürftiger Geldbetrag zusammen mit den anderen dürftigen Geldbeträgen etwas bewirken kann, staune ich. Weil ich nicht allein bin. Weil andere mitmachen. Weil ich mich darauf verlassen kann. Weil Gott dabei ist und mir ganz nah.

Amen.

  • Der Ruhm, Gott zu kennen – Miteinander und füreinander beten

Herr, hilf uns dich kennen zu lernen.
Herr, hilf zum Ruhm, der dir entspricht.

Hilf uns zum Ruhm,
der über Tellerränder blickt;
der den politischen Gegner nicht nur als Gegner sieht;
sowohl bei den Verhandlungen über die Krise in der Ukraine;
als auch bei den schwierigen innenpolitischen Streitigkeiten wegen der Coronapandemie.

Hilf uns zum Ruhm,
der Mut zum Glauben hat. Der offen bekennt,
wie sehr uns in der Gemeinde Gott am Herzen liegt;
und niemanden ausschließt von der Gemeinschaft.

Hilf uns zum Ruhm,
der einen Blick auf die Geschichte wirft,
die uns im Frieden hält und zum Frieden hilft.
78 Jahre nach dem Beginn der Zerstörung Dresdens
ist es besonders wichtig, diesen Blick des Friedens zu wahren.

Hilf uns zum Ruhm,
indem wir lernen, Hilfe anzunehmen;
den Mitmenschen zu vertrauen, dass sie es gut meinen,
Macht auch abgeben zu können, sich einzugestehen,
das auch im Schwachsein, im Kranksein, in der Einsamkeit
Gottes Kraft nicht vergeht, wenn wir Hilfe zulassen können.

Mit den Worten Jesu beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)