18. Sonntag nach Trinitatis

  • Eröffnung

Am heutigen 18. Sonntag nach Trinitatis steht eine Abschiedsrede im Mittelpunkt.
Mose hält sie seinem Volk, kurz vor seinem Tod.
Mitten in der Wüste, im Jordantal.
In der Ferne sieht man die Hügel des verheißenen Landes.
Mose wird nicht mehr mit hinübergehen.
Aber er gibt seinem Volk mit auf den Weg, worauf es ankommen wird,
wenn sie dort leben werden. Gottes Gebot und Gottes Ordnungen.
Heute treffen diese Worte auf uns.

  • Ein Lied: Wohl denen, die da wandeln (EG 295)


1) Wohl denen, die da wandeln
vor Gott in Heiligkeit,
nach seinem Worte handeln
und leben allezeit;
die recht von Herzen suchen Gott
und seine Zeugniss‘ halten,
sind stets bei ihm in Gnad.

2) Von Herzensgrund ich spreche:
dir sei Dank allezeit,
weil du mich lehrst die Rechte
deiner Gerechtigkeit.
Die Gnad auch ferner mir gewähr;
ich will dein Rechte halten,
verlaß mich nimmermehr.

3) Mein Herz hängt treu und feste
an dem, was dein Wort lehrt.
Herr, tu bei mir das Beste,
sonst ich zuschanden werd.
Wenn du mich leitest, treuer Gott,
so kann ich richtig laufen
den Weg deiner Gebot.

4) Dein Wort, Herr, nicht vergehet,
es bleibet ewiglich,
so weit der Himmel gehet,
der stets beweget sich;
dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit
gleichwie der Grund der Erden,
durch deine Hand bereit‘.

  • Psalm 1

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen
noch tritt auf den Weg der Sünder
noch sitzt, wo die Spötter sitzen,

sondern hat Lust am Gesetz des Herrn
und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,

und seine Blätter verwelken nicht.
Und was er macht, das gerät wohl.

Aber so sind die Gottlosen nicht,
sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht
noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten,
aber der Gottlosen Weg vergeht.

  • Worte aus dem 5. Buch Mose, 30. Kapitel

Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete,
ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern.
Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest:
Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen,
dass wir’s hören und tun?
Es ist auch nicht jenseits des Meeres,
dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren
und es uns holen, dass wir’s hören und tun?
Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir,
in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

  • Gedanken zum Text

Alt ist er geworden. Und er hat vielleicht mehr erlebt, als ein Menschenleben fassen kann.
Mose, das Findelkind. Mose, der Anführer. Mose, der alte Mann.
Seine Haut ist gegerbt von der Sonne, dem Sand und dem Wind.
Sein Gesicht ist gezeichnet. Und auch seine Seele.
Er hat großes, unaussprechlich großes und überwältigendes erlebt.
Den Fall des Pharaos. Die Rettung aus Ägypten. Wunder in der Wüste.

Und: Er ist oft enttäuscht worden in den letzten 40 Jahren,
von seinen Leuten.
Gemurrt haben sie immer wieder und aufbegehrt.
Gegen ihn, Mose, aber auch gegen Gott.
Gegen Gott und seine Gebote.
Die Sehnsucht nach dem Leben in Ägypten war oft größer
als die Freude über die Freiheit.
Die Sehnsucht nach einem einfachen und klar geregelten Leben
war oft Größer – und die Freiheit eine Zumutung.
Der Weg durch die Wüste so lang.
Das Vertrauen auf die Versprechungen Gottes
und seines Propheten Mose so vage.

Mose steht da, am Rande des Jordan.
In der Ferne sieht er die Hügel des verheißenen Landes.
Er wird nicht mehr mit hinübergehen.

Aber für die neue Generation,
die dort ein neues Leben beginnt,
für die Zukunft seines Volkes,
nimmt Mose noch einmal alle Kraft zusammen.

613 Vorschriften und Gebote hat er ihnen mit auf den Weg gegeben:
Wie man betet, dass man seine Mitmenschen nicht beleidigen und dem Nachbarn helfen, den Armen einen Teil der Ernte überlassen, den Fremden lieben möge.
Keine Schummelei, kein Wucherzins. Den Bedürftigen Geld leihen, keine Pfänder zurückhalten, wenn der Schuldner sie in seiner Not braucht. Witwen müssen nichts hinterlegen, Gewichte und Waagen müssen stimmen. Lohn muss pünktlich gezahlt werden.

Liebt Gott und liebt euren Nächsten wie Euch selbst.

All das und noch viel mehr.

Doch das wichtigste, das kommt jetzt, zum Schluss.
All diese Gesetze tragen eine Botschaft in sich.
Und die lautet: Ihr seid jetzt dran. Jetzt liegt es an euch.

Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete,
ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern.
Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest:
Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen,
dass wir’s hören und tun?
Es ist auch nicht jenseits des Meeres,
dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren
und es uns holen, dass wir’s hören und tun?
Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir,
in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

Ihr wisst, was zu tun ist. Das Gebot, es ist in eure Herzen geschrieben.
Damit meint Mose als Mensch des alten Orients nicht das Gefühl.
Das Herz, es ist im alten Israel das Zentrum der Entscheidungen.
Mose sagt also: Gott hat sich für Euch entschieden. Und Ihr Euch für ihn.
Mit allen Konsequenzen. Ihr seid jetzt dran.
Macht es besser als Eure Vorfahren.
Wartet nicht auf neue Zeichen vom Himmel.
Sondern tut, was ihr zu tun habt.
Auf dass es Euch wohl ergeht in dem Land
hinter dem Jordan.
Auf dass Liebe und Frieden herrsche unter Euch
und allen Menschenkindern.

Diejenigen, die die Worte des Mose aufgeschrieben haben,
nachdem sie von Generation zu Generation weitergegeben wurden,
wissen längst, wie die Geschichte weitergeht:
Gott steht zu seinem Volk.
Aber auch die neue Generation wird vergessen,
was da eigentlich in ihr Herz geschrieben ist.
Israel wird fallen. Das Exil wird kommen.

Und immer wieder werden Propheten kommen,
die neu daran erinnern:
Tut nicht so, als läge es nicht auch an Euch.
Hört auf mit den Ausreden.
Schaut nicht zum Himmel.
Das Wort ist ganz nahe bei Euch,
in Euren Mündern und in Euren Herzen, dass Ihr es tut.

Und dann, viele Generationen später,
wird einer kommen, aus dem Gottesvolk,
der ist ein Handwerkersohn aus Nazareth.
Auch er wird an das erinnern, was Mose einst am Jordan sprach.
Er wird auf einen Berg treten
und sagen:

„Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“
Liebt Gott und liebt euren Nächsten wie Euch selbst.
Dieses Wort ist ganz nahe bei uns. Es ist in unseren Herzen. Und in unserem Mund.
Machen wir es hörbar. Tun wir es. Hier und heute.
In dieser Stadt, zusammen mit unseren jüdischen Geschwistern,
die das Erbe Moses weitertragen.
Auch dann, wenn sie um ihr Leben fürchten müssen.
Wir sind dran. Es liegt an uns.
Auf dass Liebe und Frieden herrsche unter Uns
und allen Menschenkindern.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Ganz nah ist dein Wort,
gütiger und liebender Gott.
Wenn wir dich suchen,
bist du längst da.
Wenn wir in Angst sind,
hast du Rat und Trost.
Ohne dein Wort wäre die Welt kalt und tot.
Wir bitten dich:
Sprich und erbarme dich.

Sprich dein Wort zu den Mächtigen,
damit ihre Worte einen und verbinden,
damit ihre Taten helfen und schützen,
damit ihre Pläne dem Frieden und der Gerechtigkeit dienen.
Wir bitten dich:
Sprich und erbarme dich.

Sprich dein Wort zu den Kranken,
zu den Infizierten,
zu denen, die pflegen und heilen.
Sprich damit dein Wort Trost gibt
und die Angst vertreibt,
damit die Einsamkeit weicht,
damit dein Wort Mitgefühl und Liebe weckt
und die Kälte und Verachtung vertreibt.
Wir bitten dich:
Sprich und erbarme dich.

Sprich dein Wort zu unseren jüdischen Geschwistern,
damit sie heute deine Weisungen mit Freude feiern.
Sprich dein Wort zu uns,
damit wir es tun.
Sprich dein Wort zu denen,
die zu uns gehören,
damit sie leben.
Sprich dein Wort zu den Suchenden,
damit sie dich finden.
Wir bitten dich:
Sprich und erbarme dich.

Ganz nah ist dein Wort,
gütiger und liebender Gott.
Heute und morgen und alle Tage
durch Jesus Christus.

Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Dr. Georg Bucher)

Erntedank 2020

  • Eröffnung

Dankbar zu sein klingt leicht. Aus vollem Herzen dankbar zu sein und dich zu preisen, großer Gott, ist leicht und schwer zugleich. Mit kindlichen Herzen kommen wir zu dir.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

  • Ein Lied: „Wir pflügen und wir streuen“ (EG 508)

Strophe 1

Wir pflügen, und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.

Refrain

Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt Ihm, dankt, drum dankt Ihm, dankt,
und hofft auf Ihn.

Strophe 2

Er sendet Tau und Regen
und Sonn und Mondenschein
und wickelt Seinen Segen
gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behände
in unser Feld und Brot,
es geht durch unsre Hände,
kommt aber her von Gott.

Refrain (Wdh.)

Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt Ihm, dankt, drum dankt Ihm, dankt,
und hofft auf Ihn.

Strophe 3

Was nah ist und was ferne,
von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne,
das Sandkorn und das Meer.
Von Ihm sind Büsch und Blätter,
und Korn und Obst von Ihm,
das schöne Frühlingswetter
und Schnee und Ungestüm.

Refrain (Wdh.)

Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt Ihm, dankt, drum dankt Ihm, dankt,
und hofft auf Ihn.

Strophe 4

Er lässt die Sonn aufgehen,
Er stellt des Mondes Lauf;
Er lässt die Winde wehen
und tut die Wolken auf.
Er schenkt uns soviel Freude,
Er macht uns frisch und rot;
er gibt den Kühen Weide
und Seinen Kindern Brot.

Refrain (Wdh.)

Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt Ihm, dankt, drum dankt Ihm, dankt,
und hofft auf Ihn.

  • Aus Psalm 104

Lobe den HERRN, meine Seele!
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern,
dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,
dass alle Tiere des Feldes trinken
und die Wildesel ihren Durst löschen.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels
und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her,
du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
Du lässest Gras wachsen für das Vieh
und Saat zu Nutz den Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
dass der Wein erfreue des Menschen Herz
und sein Antlitz glänze vom Öl
und das Brot des Menschen Herz stärke.

Es wartet alles auf dich,
dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.
Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;
wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.
Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und
werden wieder Staub.
Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,
und du machst neu das Antlitz der Erde.
Ich will dem HERRN singen mein Leben lang
und meinen Gott loben, solange ich bin.

  • Gedanken zum Lied „Wir pflügen und wir streuen“ von Matthias Claudius

Wieder bleibe ich bei der Zeile hängen: „Er wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein.“ Zart und künstlich gibt Gott mir das, was ich zum Leben brauche. Diese Zeile rührt mich zur Dankbarkeit. Und doch: Was für eine seltsame Formulierung!? Nach heutigem Sprachgebrauch klingt es fast negativ. Wie ein Strauß künstlicher Blumen, der nur für den Notfall dient oder für gießfaule Zeitgenossen. Und auch die Sprachgeschichte verrät, dass das Künstliche zwar nicht schlecht sein muss, aber doch eher auf die menschliche Kunstfertigkeit und Wissenschaft verweist. Ausgerechnet ein Wissenschaftler zu Claudius‘ Zeiten aber benutzt diese Wendung zur Beschreibung des göttlichen Werkes. In der Insecto-Theologia des Friedrich Christian Lesser heißt es: „Es sind solche Flügel [der Insekten] über alle Maßen zart und künstlich, daß sie wohl für ein rechtes Kunststück des weisen Schöpfers passieren [also gelten] können“. Dieser Naturforscher erkennt darin Gottes Werk. Seine Erkenntnis entspricht dem Denken des Lieddichters Claudius. Den Strohhalm und den Sperling, die kleinen Dinge ordnen sie ebenso dem Machtbereich Gottes zu wie die großen Dinge, das Meer und die Sterne. Claudius wehrt sich damit auch gegen die Theologie seiner Zeit, die den Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion nur darin sieht, dass die Religion den Tatsachen der Welt einen bestimmten Wert zuweist. Der Gedanke an Gott wurzelt demnach nur noch in der frommen Gesinnung des Menschen.

Ändert sich die Gesinnung der Menschen, können sie Gott einfach beiseite schieben. Der Spruch aus DDR-Zeiten: „Ohne Gott und Sonnenschein, bringen wir die Ernte ein!“ stellt nur die konsequente Fortführung dieses Gedankens in einer „wissenschaftlichen Weltanschauung“ dar. Claudius „Bauernlied“ gilt in dieser Weise bis heute. Bewusst gestaltet er es als Aussage im ländlichen Umfeld. Ihm gehören einfache Menschen an, die durch ihre Arbeit und ihre Mühen die Erfahrung teilen, dass eine gute Ernte keine Selbstverständlichkeit ist. Zwar trägt die menschliche „Kunst“ dazu bei, dass ich hier, in diesem reichen Land, ein nahezu sorgenfreies Leben führe. Aber sorgenfrei ist sie für mich nur, wenn ich die daraus weltweit resultierenden Probleme ignoriere. Die allgegenwärtigen Krisen, z.B. die Sorge um das Klima und um die Gesundheit in Zeiten einer globalen Pandemie, stellen mir das vor Augen. Was mich gegenwärtig beschäftigt, hat aber auch seine Ursache in meinem üppigen Lebensstil. Ich führe ihn auf Kosten der Menschen in den Ländern der zweiten und dritten Welt und auf Kosten unabsehbarer Veränderungen in der Natur. Gerne verschließe ich davor die Augen. Ich verschließe sie aus Angst, etwas vom Reichtum abgeben zu müssen, und davor, dass der wissenschaftliche Hochmut die Schöpfung ausreichend durchschaut zu haben glaubt. Zart und künstlich ist das nicht. Das, was menschliche Kunst und Wissenschaft „einwickelt“, ist nur ein Segen für wenige und nur ein Segen auf Zeit.

Der zarte und künstliche Segen Gottes rührt mich. Er ruft Dankbarkeit in mir wach. Diese Dankbarkeit darf aber nicht in meiner Rührung verharren. Sie wäre nur ein Beleg für meine fromme Gesinnung, nur ein Gott aus meinem Geiste. Es ist Zeit, meine Angst zu überwinden und die Augen zu öffnen, zu teilen und Gottes Zärtlichkeit und Kunst zu erkennen. Doch diese Forderung macht mich ratlos. Ich kann es nicht aus eigener Kraft. Ich muss es auch nicht. Ich darf es auch nicht.

Am Ende jeder Strophe im Lied von Matthias Claudius steht ein Gebet, ein Dankgebet.

Alle gute Gabe,

Kommt oben her, von Gott,

Vom schönen blauen Himmel herab.

So heißt es im ursprünglichen Text des Liedes, in des Dichters Szenerie gesungen von einem Chor der Bauern.  Da stehen die Frauen und Männer, in ärmlicher Kleidung, Schwielen an den Händen, aber die harten Züge um die Mundwinkel sind für einen Moment verschwunden. Frieden erfüllt ihre Augen und Hoffnung ihr Herz.

Es sind keine großen Worte, die sie machen. Sie wissen wohl, dass jedes weitere Wort sie wieder von Gott weg führen würde.

So wage auch ich zu schweigen, im Gebet. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott,
unsere Stimmen sind zu klein,
um Dir zu danken und Dich zu preisen,
die Tiefe und Herrlichkeit deiner Schöpfung zu beschreiben,
deinen Frieden und deine Gerechtigkeit zu begreifen.
Gott,
wir sind zu mutlos und ängstlich,
um für Frieden zu sorgen, auf der Welt und in der Nachbarschaft,
um allen Menschen dieser Welt Nahrung und sauberes Wasser zu beschaffen,
um den Flüchtenden eine Heimat zu geben,
um deine Schöpfung zu bewahren.
Gott,
wir sehen und wissen zu wenig,
um für das Richtige zu bitten,
um zu wandeln in deiner Wahrheit,
um uns aufzurichten aus unserer Angst,
und die nächsten Schritte zu gehen.

Deshalb beten wir mit den Worten Jesu Christi:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

16. Sonntag nach Trinitatis

  • Eröffnung

Eine Kerze anzünden. Still ins Kerzenlicht schauen.Der Spruch für die kommende Woche aus dem 1. Kapitel im 2. Timotheusbrief lautet: Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. Diese Gewissheit begleite uns durch die neue Woche.

  • Lied: Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

http://www.eingesungen.de/player.php?track=1269&buch=21#player

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut,
für die Ängste, für die Sorgen,
für das Leben heut und morgen:
Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut,
für die Wahrheit einzustehen
und die Not um uns zu sehen:
Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut,
für die Zeit in der wir leben;
für die Liebe, die wir geben:
Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut,
für die vielen kleinen Schritte.
Gott, bleib du in unsrer Mitte:
Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

  • Psalm 68

Die Gerechten sind freuen sich und sind fröhlich vor Gott
und freuen sich von Herzen.
Singet Gott, lobsinget seinem Namen!
Macht Platz dem, der auf den Wolken einherfährt;
Er heißt HERR. Freuet euch vor ihm!
Ein Vater der Waisen und Helfer der Witwen
ist Gott in seiner heiligen Wohnung,
ein Gott, der die Einsamen nach Haus bringt,
der Gefangenen herausführt,
dass es ihnen wohlgehe;
aber die Abtrünnigen bleiben in dürrem Lande.
Gelobt sei der Herr täglich.
Der Herr legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.
Wir haben einen Gott, der da hilft,
und den HERRN, einen Herrn, der vom Tode errettet.
Gebt Gott die Macht! Seine Herrlichkeit ist über Israel
und seine Macht in den Wolken.
Zu fürchten bist du Gott, in deinem Heiligtum.
Er ist Israels Gott.
Er wird dem Volk Macht und Kraft geben.
Gelobt sei Gott!
AMEN.

  • Worte aus dem 2. Brief an Timotheus im Kapitel 1,7-10

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserem Herrn
noch meiner, der ich sein Gefangener bin,
sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes.
Er hat uns selig gemacht und berufen
mit einem heiligen Ruf,
nicht nach unserem Werken,
sondern nach seinem Ratschluss
und nach der Gnade, die uns gegeben ist
in Christus Jesus vor der Zeit der Welt,
jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung
unseres Heilands Christus Jesus,
der dem Tode die Macht genommen
und das Leben und ein unvergängliches Wesen
ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.

  • Gedanken zum Text

Es ist fast zwei Jahre her. Ich sehe ihn noch vor mir, unseren ältesten Enkel.
Aufgeregt, eine Mappe mit Zeichnungen in der Hand, die er uns Großeltern zeigt.
Damit will er zum Aufnahmegespräch an die „Burg“ und hofft, einen Studienplatz für ein Lehramtsstudium zu bekommen.
„Die nehmen mich bestimmt nicht, es wird nicht reichen“, so seine Sorgen.
Wir Großeltern sprechen ihm Mut zu. „Du schaffst das, du kannst etwas, du bist gut.“
Und so macht sich der 19jährige auf den Weg in den Ernst des Lebens.
Wir bleiben zurück und hoffen, dass ein wenig von unserer Zuversicht und unserem Vertrauen in sein Können mit ihm geht.
So ähnlich hat sich das wohl auch der Verfasser des 2. Timotheusbriefes gedacht, aus dem wir die Lesung gehört haben. Timotheus gilt als enger Vertrauter und Mitarbeiter des Paulus. Und er hat den Zuspruch wohl bitter nötig. Er sitzt in seiner Gemeinde in Kleinasien und soll die Arbeit fortführen, die Paulus begonnen hat. Dass das fürwahr keine leichte Aufgabe ist, weiß er aus der Zeit als er Paulus auf seinen Reisen quer durch die damals bekannte Welt begleitete.
Immer waren sie unterwegs um das Evangelium unter die jungen christlichen Gemeinden zu bringen. Dazu gehörten auch Ablehnung, Rückschläge und damit natürlich auch Furcht vor Repressalien. Furcht ist normal. Zumal, wenn man unter fremde Menschen gerät, Rede und Antwort stehen muss, misstrauisch angesehen wird. Und das eigene Verhalten an einer Botschaft
ausrichten muss, die in vielen Fällen im Widerspruch zu anderen Botschaften steht.
Das ist nicht einfach und Timotheus wird ab und an jemanden gebraucht haben, der ihm gut zuredet, ihm Mut macht und ihn unterstützen will. Dazu gehört dieses „Mutmachwort“ – „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“.
Das gilt nicht nur für Timotheus damals sondern ebenso für uns heute.
Es geht dem Verfasser des Briefes nicht nur um Timotheus „Uns“ heißt es da. Er kennt offenbar diese Situationen und Erfahrungen, wo die frohe Botschaft, die verkündet wird nichts ausrichtet.
Wo die Furcht vor den Auswirkungen klarer Rede aufkommt, und man lieber den Kopf in den Sand
steckt und den lieben Gott einen guten Mann sein lässt.
Da fehlt die „Gottesfurcht“, die Achtung vor Gott. Da geht es um den Stellenwert Gottes im eigenen Leben. Ist er der „bärtige alte Mann im Himmel“ oder ist er „der Herr meines Lebens und allen Lebens“. Gilt für mich „Gott ist der Herr des Lebens“ macht es frei für die Liebe zu allem, was da kreucht und fleucht. Da ist dann die Achtung vor Gott und seinem Willen. „Gottesfurcht“ kein antiquierter Begriff – sondern eher ein Wort des Jahres oder aller Zeiten.

Timotheus kannte den Begriff sicher. Sein Name heißt auf deutsch soviel wie „Er fürchtet Gott“.
Doch auch Timotheus schafft es nicht, in letzter Konsequenz für diesen Gott einzustehen, den er den Herrn seines Lebens sein lässt.
Wir können Timotheus verstehen, spielt doch in vielen Diskussionen innerhalb unserer Kirchen nicht die Gottesfurcht die Hauptrolle, sondern die Furcht vor Bedeutungsverlust, Mitgliederschwund und Mangelverwaltung. Die Furcht vor einer Zukunft, in der christlicher Glaube mit all seinen Positionen, Werten und Haltungen nur noch eine Randerscheinung ist, nimmt die Zuversicht, den Mut und kostet uns die Besonnenheit.
Da kann uns Gott eigentlich sinnbildlich „nur noch in die Arme nehmen“ und Mut zusprechen, Mut, den wir allein gar nicht aufbringen müssen. Gott gibt. Immer wieder. Nicht den Geist der Furcht, sondern der Kraft der Liebe und der Besonnenheit. Weil selbst die Gottesfürchtigen Zuspruch brauchen. Mit ihrem Anspruch, Gottes Anspruch in dieser Welt Stimme und Gewicht zu geben. Und andere Menschen davon zu überzeugen, dass dieser Anspruch Zuspruch für ihr Leben ist.
Doch wir gehen oft verloren im Spannungsfeld von Anspruch und Zuspruch.
Vermissen den Zuspruch und scheitern am Anspruch.
„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Reiner Zuspruch. Gott nimmt uns in den Arm.
Nur Mut. Du kannst das. Du schaffst das. Weil meine Kraft und meine Liebe und meine Besonnenheit mit dir gehen in den Ernst des Lebens.
Und gerade diese drei guten Geister Gottes können wir nun wirklich brauchen im Streit der Geister unserer Tage.
Zum Beispiel in den endlosen Debatten um die Zukunft unserer Kirche. Da brauchen wir eindeutig Besonnenheit. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt wird nicht untergehen. Weil es Gottes Schiff ist. Es braucht sicher Kursänderungen. Da helfen aber weder Panik noch Resignation. Da braucht es eine Mannschaft, die Gottes Horizont in den Blick nimmt und den richtigen Kurs findet.
„Man lässt keine Menschen ertrinken!“ Punkt. Dieser Satz vom Kirchentag 2019 lässt aufmerken.
Debatten über Flüchtlingsquoten und Fluchtursachen retten kein einziges Menschenleben. Helfen können nur die, die Menschen aus dem Wasser ziehen und an Bord nehmen.
So hat es Jesus gemeint als er sich den Ärmsten und Schwächsten zugewendet hat.
Die Entscheidung, im Namen der Kirche ein Seenotrettungsschiff auszuschicken, hat viel mit dem Geist spürbarer und sichtbarer Liebe zu tun.
Da ist auch das politische Klima in der Welt aber auch in unserem Land.
Wie kann eine gelingende Kommunikation aus christlicher Perspektive mit einer mehr oder minder gesprächsbereiten Umwelt geführt werden,
wenn Kommunalpolitiker Personenschutz benötigen, Juden sich täglich bedroht fühlen, Muslime unter kriminellen Generalverdacht geraten?
Das ist mühsam und kostet viel Geduld. Aber es ist letztlich der einzige Weg, der zu gesellschaftlichem Frieden führt. Dafür brauchen wir Rückgrat und Rückenwind, dafür brauchen wir Kraft und Liebe und Besonnenheit.
Es waren sicher nicht unsere Probleme, die Timotheus umgetrieben haben. Aber die Fragen nach gelingendem Leben in der christlichen Gemeinde, die alle, auch die Armen und Schwachen einbezieht, die waren auch ihm bekannt. Und so sind die alten Worte der Bibel auch für uns heutige Menschen relevant: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Vor dich, Gott bringen wir unsere Sorgen und Nöte.
Wir können sie nicht allein bewältigen. Wir brauchen dich.
Wir legen dir die vielen Flüchtlinge ans Herz, die jetzt unterwegs sind.
Verletzt an Leib und Seele.
Umhergestoßen und angefeindet – Erwachsene und Kinder.
Hilf du!
Und hilf uns zu helfen.
Wir legen dir die Menschen ans Herz, die Verantwortung tragen.
Die Regierenden in den Krisenländern, die Regierenden bei uns.
Frieden wünschen wir für uns und alle Menschen.
Wir legen dir die Menschen ans Herz, die niemand liebend berührt.
Menschen, die traurig oder einsam sind.
Gib Mut auf sie zuzugehen, dass sie Zuwendung erfahren.
Wir legen dir die Menschen ans Herz, die sich engagieren
in unseren Gemeinden, in Vereinen, Initiativen oder in ihrer Nachbarschaft.
Gib ihnen Kraft für ihr Tun.
Wir wollen dir nahe sein. Sei bei uns und stärke uns.
Das bitten wir mit dem Gebet, dass uns dein Sohn zu beten gelehrt hat.

Vaterunser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

  • Segen

Gott sei uns gnädig und segne uns.
Er lasse uns sein Antlitz leuchten.
Gott segne uns, und alle Welt fürchte ihn.

(Lektorin Gudrun Naumann)

15. Sonntag nach Trinitatis

  • Eröffnung

Ohne Sorgen sollen wir sein. Leicht gesagt, lieber Gott. Aber sieh uns an. Wie leicht auch vergessen wir, wofür du sorgen wirst. Nimm uns deshalb jetzt mit in deine Welt, dass wir wieder unsere Augen schärfen und auf dein Wort hören. Im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

  • Ein Lied: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ (EG 369,1.7)

1) Wer nur den lieben Gott lässt walten
Und hoffet auf Ihn allezeit
Der wird er wunderbar erhalten
In aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott dem Allerhöchsten traut
Der hat auf keinen Sand gebaut.

7) Sing, bet und geh auf Gottes Wegen
Verricht das Deine nur getreu
Und trau des Himmels reichem Segen
So wird Er bei dir werden neu.
Denn Welcher seine Zuversicht
Auf Gott setzt den verlässt Er nicht.

  • Aus Psalm 127

An Gottes Segen ist alles gelegen

Wenn der HERR nicht das Haus baut,
so arbeiten umsonst, die daran bauen.
Wenn der HERR nicht die Stadt behütet,
so wacht der Wächter umsonst.
Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht
und hernach lange sitzet
und esset euer Brot mit Sorgen;
denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

  • 1. Mose 2,4b-25 (Der zweite Schöpfungsbericht)

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und es geht aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilt sich von da in vier Hauptarme. Der erste heißt Pischon, der fließt um das ganze Land Hawila und dort findet man Gold; und das Gold des Landes ist kostbar. Auch findet man da Bedolachharz und den Edelstein Schoham. Der zweite Strom heißt Gihon, der fließt um das ganze Land Kusch. Der dritte Strom heißt Tigris, der fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben. Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. Und Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen. Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen wurde keine Hilfe gefunden, die ihm entsprach. Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Die ist nun Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch. Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht.

  • Gedanken zu 1. Mose 2,4b-25

Es ist eine irdische Welt, in die der „zweite“ Schöpfungsbericht einführt. Die Beschreibung des Ortes Eden, des paradiesischen Gartens, setzt ein mit der materiellen Kennzeichnung der schöpferischen Elemente. Ackerboden, Regen- und Quellwasser und die – göttliche – Atemluft. Es grünen Strauch, Kraut und Baum; Mensch und Tier leben auf. Eingebettet ist dieser Garten in eine geographisch und historisch bestimmte Umgebung, die umflossen wird von vier großen Strömen. Einer wird besonders hervorgehoben durch seinen Reichtum an edlen Materialien: kostbares Gold, Bedolachharz und dem Edelstein Schoham, dem Onyx vergleichbar. Das Menschenwesen wohnt nach Gottes Willen in diesem Garten. Gott führt ihm die Tiere zu. Der Mensch benennt sie. Nicht allein wegen der Ordnung sondern auch auf der Suche nach einer Hilfe und einem Gegenüber für ihn. Die Namen sind gut für Gott, doch keines der benannten Wesen entspricht dem Menschen so, wie es Gott für gut ansieht. Nach seinem Urteil, oder besser gesagt, nach seinem göttlichen Willen, ist dieses Gegenüber ein Wesen vom menschlichen Fleisch selbst. Von dort nimmt Gott das Material für eine entsprechende Partner*in.

So wird es beschrieben in der Bibel in gerechter Sprache:

„Da ließ Adonaj, also Gott, einen Tiefschlaf auf das Menschenwesen fallen, dass es einschlief, nahm eine von seinen Seiten und verschloss die Stelle mit Fleisch. Dann formte Adonaj, also Gott, die Seite, die sie dem Menschenwesen entnommen hatte, zu einer Frau und brachte sie zu Adam, dem Rest des Menschenwesens. Da sagte der Mensch als Mann: »Dieses Mal ist es Knochen von meinen Knochen, und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll Ischscha, Frau, genannt werden, denn vom Isch, vom Mann, wurde die genommen!« Deshalb wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich mit seiner Frau verbinden. Sie werden ein Fleisch sein. Und obwohl die beiden nichts anhatten, der Mensch als Mann und seine Frau, schämten sie sich nicht.“

Der in zwei Wesen geteilte Ursprungsmensch, so macht es diese übersetzende Interpretation deutlich, ist zueinander geordnet als Mann und Frau, der eine wie die andere in gleichen Teilen. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft, das dem Menschenwesen innewohnt, gewinnt Gestalt in dieser Auf-Teilung. Was dem einen zugehört, verkörpert die andere in ungebrochenem Ansehen. Sie erkennen sich als einander zugehörig und vollkommen. In der biblischen Sprache heißt es: Sie schämten sich nicht. In der Sprache des Dichters Marco Organo (Dorfschönheit, Halle 2015, S. 29) klingt das so:

Die Welt und die Dinge
erscheinen näher im Spiegel.
Ich aber sage, ein zweites Paar Augen
ist der bessere Spiegel!
Dort bricht nicht einfach nur Licht.
Alles Erblickte wird schön.
Erhält Kontur, verschwiegenen Grund.

Was vor Augen liegt und was auf dem Grunde der Ewigen ruht, wird sichtbar im Gegenüber.  Es ist im Anblick vollkommen. Gott sagt, es ist gut. Der Mensch urteilt (noch) nicht. Ihm ist sein Gegenüber offenbar und er seinem Gegenüber, ohne Scham und schön.

Liebe Leserinnen und Leser,

es klingt wie das Paradies. Es ist das Paradies. Was Eden von unserer Welt unterscheidet, liegt also nicht in der himmlischen, überirdischen Art dieses Gartens. Der Unterschied liegt in der Art und Weise, wie wir uns einander ansehen und welches Ansehen wir untereinander haben. Wo dieses Ansehen in göttlicher Güte ruhte und nicht in menschlichen Bewertungen, könnte sich jedes Menschenwesen ohne Scham zeigen. Eine Welt ohne Scham machte also aus dieser Welt der Gier und der Gewalt ein Paradies. Gewalt und Begehren treten erst dann zutage, wenn der Mensch nach seinem Urteil gut dastehen will vor Seinesgleichen. Die Scham ist somit Quelle unserer Zivilisation, die einerseits unser gemeinschaftliches Leben trägt, und andererseits Ursprung ihrer Risse, Zerwürfnisse und des Elends.

Es beginnt mit Kain, der nach seinem Urteil nicht das gleiche Ansehen vor Gott hat wie sein Bruder Abel. Er schämt sich vor seinem Bruder, vielleicht auch vor seinen Eltern, und vor Gott. Um das Ansehen auf sich zu lenken, vernichtet er den Bruder und schlägt ihn tot. Die biblische Geschichte der verlorenen Schamlosigkeit und des verlorenen Ansehens wird hier konsequent weitererzählt; und endet in einer Zeit, in der sich Wenige mit einem überbordenden Luxus schmücken, um in der Welt zu glänzen. Auf Kosten derer, denen oft das Notwendigste fehlt.

Wie ein unentrinnbares Schicksal herrscht diese Geschichte über der menschlichen Natur.

Meine Hoffnung aber liegt darin, dass der Alltag mir Gelegenheiten bietet, Gottes Geschöpfe mit seinen Augen zu sehen, ihnen paradiesische Kontur zu geben und den verschwiegenen Grund göttlicher Güte wahrzunehmen.

Ein Stück Paradies offenbart sich, dort

wo der junge Mann mit Freude früh um 6 Uhr auf den Bus wartet, um die Frau im Rollstuhl zu begleiten;

wo das Pärchen im Supermarkt, die ziemlich auffallen in ihren knallroten Kostümen, sich selbst auf eine so rührende Art genügen, dass ihnen mein scheeler Blick zum Glück entgeht;

der alte Mann, der etwas früher erwacht, und seinen Blick auf der schönen Frau neben sich ruhen lässt, die ihm das Herz schon seit Jahrzehnten trägt.

Das Paradies liegt nicht fern, es liegt im Auge des Betrachters, von Gottes Segen getragen.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Guter Gott,
oft wollen wir besser scheinen als wir sind;
vor uns selbst, vor unseren Mitmenschen und vor dir.
Wieviel Unglück und Not erwachsen daraus,
in der großen Politik, angesichts der flüchtenden Menschen, brennender und verdorrter Wälder und weltweiter Krankheiten und Kriege;
wie auch im Kleinen, in der Partnerschaft, auf der Arbeit und vor unserem Nächsten.
Stärke den Glauben in uns, dass du uns so gemacht hast, wie es deinem Willen entspricht.
Stärke den Mut der Politiker, dass sie ihrem Verstand und ihrem Herzen folgen
auch gegen den mutmaßlichen Willen ihrer Wähler.
Stärke unseren Stolz, dass wir nicht aus Eigennutz in unseren Beziehungen für das eigene Ansehen die Liebe zueinander opfern.
In deinem Sohn Jesus Christus hast du uns vor Augen gestellt, wie du uns siehst als deine geliebten Geschöpfe, die sich ohne Scham dir nähern dürfen.
Mit den Worten Christi beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

14. Sonntag nach Trinitatis 2020 (Segensfeier zum Schulanfang)

Segensfeier zum Schulanfang am 13. September 2020: Steine des Lebens

  • Eröffnung

Unsere Hoffnung, dass wir wieder miteinander Gottesdienst feiern, geht endlich in Erfüllung. Viele herrlich bunte Steine haben die Kinder gemalt und sie schmückten über die ganzen Wochen unseren Eingangsbereich in der Lutherkirche. Jetzt haben wir sie hier im Altarraum liegen. Mit ihnen waren wir in Gemeinschaft verbunden. Lasst uns den Segensgottesdienst zum Schulanfang in der Gewissheit feiern, dass Gott jetzt hier bei uns ist.
Im Namen Gottes, der unser Fels und unsere Burg ist,
Im Namen Jesus, der unser Eckstein im Glauben ist und
Im Namen der heiligen Geistkraft, die uns zu lebendigen Steinen macht. Amen.

  • Steine, Steine, nichts als Steine

Klitzeklein bis riesengroß. Die ganze Erde ist voll davon. Sie gestalten unsere Landschaften, formen Gebirge und Schluchten, bilden das Flussbett und sind im Ozean zu finden.
Sie sind oftmals älter als alles andere, was sich auf diesem Planeten befindet und sie haben den Zeiten unserer Erdgeschichte standgehalten.

Steine symbolisieren uns Kraft, Standhaftigkeit, Sicherheit, Reichtum und Ewigkeit. Steine haben in unserem Leben eine große Bedeutung und sie stehen für ganz unterschiedliche Erfahrungen und Erinnerungen.

  • Lied: Ins Wasser fällt ein Stein

Ins Wasser fällt ein Stein,
      Ganz heimlich, still und leise;
      Und ist er noch so klein,
      Er zieht doch weite Kreise.
            Wo Gottes große Liebe
            In einen Menschen fällt,
            Da wirkt sie fort
            In Tat und Wort
Hinaus in unsre Welt.

  • Biblische Erzählung: Matthäus 7,24-27

»Wer nun auf das hört, was ich gesagt habe, und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist. Wer sich meine Worte nur anhört, aber nicht danach lebt, der ist so unvernünftig wie einer, der sein Haus auf Sand baut. Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flüsse über ihre Ufer treten und der Sturm um das Haus tobt, wird es einstürzen; kein Stein wird auf dem anderen bleiben.«

  • Gedanken zum Text

Nicht auf Sand bauen, sondern das Fundament auf einen Felsen stellen – das ist die Antwort eines Architekten.

Auch unser Lebenshaus braucht einen sicheren Felsen für sein Fundament!
denn wir fragen:

Wer macht mir Mut?
                Wo kann ich meine Angst ablegen?

                               Wer tröstet mich in meiner Verzweiflung?
                                               Was lässt mich wieder hoffen?
                                                               Wo finde ich wieder neuen Halt?

Der Evangelist Matthäus  meint, dass Jesus Christus für uns dieser Felsen ist.

Nur so können wir die Stürme unseres Lebens meistern.

Was heißt das: Jesus Christus ist unser tragender Grund?

„Du bist von Gott geliebt“

Jesus ist gerade zu den Bedeutungslosen und Schwachen gegangen. Er hat sie angesehen und ihnen Ansehen gegeben. Ich will darauf vertrauen, dass er auch mich so wie ich bin, ansieht und annimmt.

Jesus spricht: „Deine Schuld wird dir vergeben“

Jesus hat den Sündern ihre Schuld nicht vorgeworfen, sondern er hat ihnen die Schuld vergeben. Ich vertraue darauf, dass auch ich immer wieder neu anfangen darf.

Jesus spricht: „Gerade du bist Gott wichtig und wertvoll“
Jesus hat sich zu den Menschen am Rand gestellt, die keiner mochte. Besonders wenn ich mich selbst nicht leiden kann und mich wenig liebenswert finde, sage ich mir das.

Jesus spricht: „Du sollst das Leben haben und es in Fülle haben“
Jesus Nähe und Kraft hat Kranke heil gemacht. Das gibt mir Hoffnung, dass auch meine Probleme gelöst und meine Verletzungen geheilt werden.

Es tut gut von anderen zu hören, welchen festen Boden sie unter den Füßen haben, worauf sie in ihrem Leben bauen.

Ihre Hoffnung, ihr Vertrauen schließt auch uns mit ein.

Es ist auch unser Grund und Boden, auf dem wir gehen, unser Fels auf den wir unser Leben bauen.Jesus sagt: „Ich bin wie der Felsen des klugen Mannes. Wer mir vertraut, den lasse ich niemals allein.

  • Segenslied: „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott“ (EG 171,1-3)
  1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
    sei mit uns auf unsern Wegen.
    Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
    sei um uns mit deinem Segen,
    sei Quelle und Brot in Wüstennot,
    sei um uns mit deinem Segen.
  2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
    sei mit uns in allem Leiden.
    Voll Wärme und Licht im Angesicht,
    sei nahe in schweren Zeiten,
    voll Wärme und Licht im Angesicht,
    sei nahe in schweren Zeiten.
  3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
    sei mit uns vor allem Bösen.
    Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
    sei in uns, uns zu erlösen,
    sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
    sei in uns, uns zu erlösen.
  • Gebet miteinander und füreinander

Gott, du bist ewig und uns Menschen treu. Du trägst uns. Auf dich können wir bauen. So bitten wir dich:
Sei den Menschen nahe, die meinen, alles selbst schaffen zu müssen,
und nun müde und kraftlos sind.
Gib den Menschen Halt, die vor Angst und Sorge nicht ein noch aus wissen.

Lass die Mächtigen in Wirtschaft und Politik immer wieder innehalten
und den Grund ihres Handelns bedenken.

Schenke uns ein offenes Herz, damit wir erkennen, wo du uns brauchst.
Lass uns anderen Stütze und Halt sein.

Schenke allen Kleinen und Großen bei ihrem Neubeginn im neuen Schuljahr eine gute und gesegnete Zeit.

Du ewiger und treuer Gott, du willst uns halten, tragen, und beschützen. Immer mehr soll unser Vertrauen auf dich wachsen.

Alle unsere Bitten legen wir in das Gebet Jesu:

Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
Wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Stark wie ein Fels bist du Gott, beständig wie ein Stein.
Deine Treue und Nähe lass uns erfahren,
wie den Boden, auf den wir unseren Fuß setzen.
Wenn wir nun weitergehen, dann sei du Gott,
der feste Grund auf dem wir gehen.
Wenn wir anderen begegnen, dann sei du Gott unter uns.
Wenn es für uns schwierig wird, dann lass du Gott uns spüren, dass du uns trägst.
So erfülle uns du Gott mit deinem Segen.

Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.
Amen.

(Gemeindepädagogin Ulrike Simm)

13. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Unser Leben wird von der Liebe Gottes getragen. Diese Liebe ermöglicht es uns erst, auch unserem Nächsten zugewandt zu sein. So mögen auch die folgenden Gedanken uns stärken und ermuntern, Nächstenliebe zu üben. Amen.

  • Ein Lied: „So jemand sprich: Ich liebe Gott“ (EG 412)

1) So jemand spricht: Ich liebe Gott!Und haßt doch seine Brüder,Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott,Und reißt sie ganz darnieder.Gott ist die Lieb, und will, daß ichDen Nächsten liebe, gleich als mich.
2) Wer dieser Erden Güter hat,Und sieht die Brüder leiden,Und macht den Hungrigen nicht satt,Läßt Nackende nicht kleiden;Der ist ein Feind der ersten Pflicht,Und hat die Liebe Gottes nicht.
3 Wer seines Nächsten Ehre schmäht,Und gern sie schmähen höret;Sich freut, wenn sich sein Feind vergeht,Und nichts zum Besten kehret;Nicht dem Verleumder widerspricht;Der liebt auch seinen Bruder nicht.
4) Wir haben einen Gott und Herrn,Sind eines Leibes Glieder;Drum diene deinem Nächsten gern;Denn wir sind alle Brüder.Gott schuf die Welt nicht bloß für mich;Mein Nächster ist sein Kind, wie ich.

  • Worte aus Psalm 112

Halleluja! Wohl dem, der den Herrn fürchtet,
der große Freude hat an seinen Geboten!
Sein Geschlecht wird gewaltig sein im Lande;die Kinder der Frommen werden gesegnet sein.
Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein,
und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis,
gnädig, barmherzig und gerecht.
Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht
und das Seine tut, wie es recht ist!
Denn er wird niemals wanken;
der Gerechte wird nimmermehr vergessen.
Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht;
sein Herz hofft unverzagt auf den Herrn.
Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht,bis er auf seine Feinde herabsieht.Er streut aus und gibt den Armen;
seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Sein Horn wird erhöht mit Ehren.
Der Frevler wird’s sehen und es wird ihn verdrießen;
mit den Zähnen wird er knirschen und vergehen.
Denn was die Frevler wollen, das wird zunichte.

  • Worte aus der Apostelgeschichte, Kapitel 6

In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen. Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

  • Gedanken zum Text

Die Lutherkirche ist bis auf den letzten Platz besetzt. Unter Coronabedingungen. Zweiunddreissig Familien haben sich eingefunden mit etwa jeweils 10 Gästen. Bis das so möglich war, mussten viele Stühle gerückt und umgestellt werden. Viele Schritte und vieles zu tragen gehörte zu dieser Arbeit dazu. Manchmal dachte ich: Habe ich nicht Besseres zu tun? Zum Beispiel an dieser Predigt hier zu schreiben?
Aber schließlich hatte ich ja versprochen, meinem Kollegen, der die Feier leitete, zu helfen; und das Projekt Lebenswende unterstütze ich gern.

Trotzdem musste ich an die Apostel denken, die die Witwenversorgung organisieren. „Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen.“ Das klingt so, als wäre die eine Gruppe für das Wort Gottes zuständig und die andere für das Stühleschleppen. Dabei ist der Unterschied zwischen beiden Diensten von Gott her gesehen nicht so groß. Diejenigen – und ich sehe mal darüber hinweg, dass hier nur Männer genannt werden – die für den Dienst an den Witwen ausgewählt wurden, sollen ebenfalls – wie die Apostel – einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sein. Und so werden sie auch von den Aposteln eingeführt: mit Gebet und Segen. Die Kraft Gottes ruht auf den neuen Mitarbeitern ebenso wie auf den Aposteln. Da gibt es keinen Unterschied. Vielleicht ist es ja nur ein Gebot der Klugheit, dass die einen für das Wort und die anderen für die praktischen Tätigkeiten zuständig sind. Jeder hat doch besondere Fähigkeiten, die sich in den unterschiedlichen Tätigkeiten zeigen. Wichtig ist nur das Ergebnis: „Das Wort Gottes breitete sich aus.“ Und zwar als direkte Folge des neu eingeführten Dienstes. Die Apostelgeschichte sieht also zwischen den verschiedenen Diensten im Endeffekt gerade keinen Unterschied. Das Wirken Gottes und des Heiligen Geistes wird in Wort und Tat verwirklicht.
Und doch höre ich noch einmal auf das Wort des Apostels, der sagt: „Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen.“ Aus dem Bericht der Apostelgeschichte geht allerdings hervor, dass die Apostel den Dienst am Tisch nicht gänzlich ablehnen. Zumindest lässt sich aus dem Murren der griechischen Witwen schließen, dass die hebräischen Witwen durchaus durch die Apostel versorgt worden sind. Die schiere Menge an neuen Gläubigen würde die Apostel aber überfordern. So suchen sie sich Hilfe bei Glaubensgeschwistern, die ihnen an Geist und Weisheit und dem Segen Gottes gleichkommen. Die deutliche Unterscheidung zwischen den beiden Diensten kommt also nur zustande, weil keiner der Dienste vernachlässigt werden soll. Der Dienst am Tisch darf nicht auf Kosten des Dienstes am Wort geschehen. Ob die Helfer der griechischen Witwen auch den Dienst am Wort versehen haben, wird an dieser Stelle in der Apostelgeschichte nicht erklärterweise hervorgehoben. Aber nur wenige Verse später hält einer der neu gewählten Diener, nämlich Stephanus, eine lange Rede. Eindeutig ein Dienst am Wort, der sich mit beeindruckender Kraft entfaltet.
Das Wort Gottes breitet sich aus, durch der Apostel Dienst am Tisch und am Wort ebenso wie durch Stephanus und seine Mitstreiter und alle folgenden Menschen im Dienst und Segen Gottes.

Endlich ist für die Lebenswendefeier alles an Ort und Stelle. Die Stühle für die Jugendlichen sind im Chorraum aufgestellt. Draußen vor der Kirche haben sich schon einige Familien versammelt. Nun können sie ihre Plätze einnehmen und ich lade sie ein, die Kirche zu betreten und sammele dabei auch die notwendigen Teilnehmerlisten ein. Ein freundliches Wort hier und eine Hilfeleistung dort, so dass alle einen guten Sitzplatz finden. Die gutgelaunten Besucher sind schon eine erste Belohnung für die Mühen des Stühletragens. Und dann kommt Georg Bucher, mit dem ich in der kommenden Woche ebenfalls zwei Lebenswendefeiern ausrichte. Er wolle schon mal gucken, wie das alles funktioniert. Ich frage ihn, ob er die Stühle wieder mit zurückstellen kann für den Gottesdienst am Sonntag. Klar, mache ich, sagt er, und ich kann wohlgemut noch einen Besuch im Krankenhaus machen.
Das Wort Gottes zu verbreiten, merke ich, dafür braucht es nicht nur Geist und Weisheit, sondern mitunter auch die Einsicht für die Grenze der eigenen Kräfte. So erfahre ich an diesem Tag ebenfalls einen praktischen Dienst am Tisch, oder besser gesagt, am Stuhl. Und kann so Kraft finden, das Wort Gottes zu einem kranken Menschen zu tragen und auch die Predigt zu schreiben. Gottes Segen ruht nicht nur in meiner Stärke, sondern ebenso in meiner Schwäche, die mit der Nächstenliebe eine Gemeinschaft bildet in Demut und Dankbarkeit.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Guter Gott,
angesichts des Leids und der Not in der Welt
macht sich oft Mutlosigkeit breit.
Doch wir sind von dir gesegnet zum Dienst am Menschen.
Spürbar schenkst du uns deine Liebe,
dass wir deine Liebe unserem Nächsten weitergeben können.
Mache uns aber auch die Grenzen unserer Kräfte bewusst,
dass wir Mut schöpfen können,
auf unsere Mitmenschen zuzugehen
und um Hilfe zu bitten.
Auch darin liegt dein Segen,
dass wir erkennen, wo wir gut helfen können,
und aus vollem Herzen miteinander und füreinander beten
mit den Worten Jesu Christi:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist. Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

12. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Was trägt uns in unserem Leben? Was ist unser Fundament?

Am 12. Sonntag nach Trinitatis nimmt uns ein Text des Apostels Paulus mitten hinein in diese Fragen.

  • Ein Lied: „Ich steh vor dir mit leeren Händen Herr“ (EG 382)


Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;
fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;
mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott. der Zukunft mir verheißt?
Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,
mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Hast du mit Namen mich in deine Hand,
in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?
Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?
Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit
und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt,
und laß mich unter deinen Söhnen leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

  • Psalm 147

1 Halleluja!
Lobet den HERRN! /
Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding,
ihn loben ist lieblich und schön.
2 Der HERR baut Jerusalem auf
und bringt zusammen die Verstreuten Israels.
3 Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind,
und verbindet ihre Wunden.
4 Er zählt die Sterne
und nennt sie alle mit Namen.
5 Unser Herr ist groß und von großer Kraft,
und unbegreiflich ist, wie er regiert.
6 Der HERR richtet die Elenden auf
und stößt die Gottlosen zu Boden.
7 Singt dem HERRN ein Danklied
und lobt unsern Gott mit Harfen,
8 der den Himmel mit Wolken bedeckt /
und Regen gibt auf Erden;
der Gras auf den Bergen wachsen lässt,
9 der dem Vieh sein Futter gibt,
den jungen Raben, die zu ihm rufen.
10 Er hat keine Freude an der Stärke des Rosses
und kein Gefallen an den Schenkeln des Mannes.
11 Der HERR hat Gefallen an denen,
die ihn fürchten,
die auf seine Güte hoffen.
12 Preise, Jerusalem, den HERRN;
lobe, Zion, deinen Gott!
13 Denn er macht fest die Riegel deiner Tore
und segnet deine Kinder in deiner Mitte.
14 Er schafft deinen Grenzen Frieden
und sättigt dich mit dem besten Weizen.
15 Er sendet sein Gebot auf die Erde,
sein Wort läuft schnell.
16 Er gibt Schnee wie Wolle,
er streut Reif wie Asche.
17 Er wirft seine Schloßen herab wie Brocken;
wer kann bleiben vor seinem Frost?
18 Er sendet sein Wort, da schmilzt der Schnee;
er lässt seinen Wind wehen, da taut es.
19 Er verkündigt Jakob sein Wort,
Israel seine Gebote und sein Recht.
20 So hat er an keinem Volk getan;
sein Recht kennen sie nicht.
Halleluja!

  • Worte aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther, Kap. 3

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.

Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.

 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

  • Gedanken zum Text

(I: Paulus)

Paulus diktiert den Brief einem Schreiber. Das angespitzte Schilfrohr graviert die rußschwarze Tinte auf die Papyrusrolle.

Keine Whatsapp-Nachricht und keine E-Mail, die im digitalen Rauschen schnell wieder verschwindet. Ein Brief mit Worten, auf die es ankommt.

Denn die Gemeinde liegt im Streit. Neue Lehrer und selbsternannte Prediger treten auf. Die Reichen und Vermögenden wollen unter sich bleiben, nicht mehr mit den Anderen Abendmahl feiern. Jeder will seine eigene Gemeinde bauen.

Paulus kennt und liebt die Christen in Korinth: „Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen“ schreibt er ihnen gleich zu Anfang des Briefs. „Unter Euch gibt es keinen Mangel an irgendeiner Gabe.“

Er hat die Gemeinde gegründet, den Grund gelegt.

Er ruft sich ihnen in Erinnerung als Baumeister.

Er hat ihnen von Jesus erzählt, seinem Schicksal am Kreuz.

Und von Ostern.

Er hat mit ihnen zu Tisch gesessen. Ihre Geschichten angehört.

Hat Freude und Leid mit ihnen geteilt. Alte und Kranke besucht.

Hat sie alle zusammengebracht in den Häusern.

„Ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.“

Doch jetzt steht alles auf dem Spiel.

Und Paulus ist nicht mehr vor Ort. Kann nicht eingreifen.

Er hat nur den Brief. Deshalb kommt es auf jedes Wort an.

Paulus ringt um die Worte. Und das angespitzte Schilfrohr des Schreibers graviert sie mit rußschwarzer Tinte auf die Papyrusrolle.

Sie werden in Korinth verlesen. Sie überdauern die Jahrhunderte.

Heute treffen sie auf uns.

(II: Der Tag des Gerichts mitten im Leben)

Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen, schreibt Paulus.

Dieser Satz hat große Wucht. Eines Tages wird ans Licht kommen, worauf ihr gebaut habt. Worauf ihr gesetzt habt in eurem Leben.

Was euch trägt. Am Ende eurer Tage.

Oder: mitten im Leben.

Station 1C im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara.

An diesen Ort kann ich nichts mitnehmen.
Aber was würde es auch nützen?

Durch Plexiglas schaue ich auf das kleine Menschlein, das da im Wärmebett liegt und ums Überleben kämpft. 

Mit leeren Händen stehe ich da.

Wer bin ich hier an diesem Ort, vor diesem zerbrechlichen Kind?
Was habe ich vorzubringen, anzubieten?

Hilflos und ratlos, ja nackt fühle ich mich.

Der Boden schwankt mir unter den Füßen.

Kein Theologie-Diplom, keine Bücherwand,

kein Bankkonto vermag mir hier Halt zu geben. Alles nur Stroh.

Ich setze mich auf einen kalten Stuhl und blicke auf den zarten Körper.

Da kommt mir ein längst vergessenes Lied in den Sinn.
Ein Edelstein aus Kindertage.

Leise und verlegen stimme ich es an:

„Breit aus die Flügel beide, oh Jesu meine Freude.
Dies Kind soll unverletzet sein.“

Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen, schreibt Paulus.

Was hat Bestand und was trägt uns in unserem Leben?

(III. Jüngstes Gericht)

Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen.

Oh Paulus. Wenn Du wüsstest, was aus deinen Worten wurde!

Im Laufe der Jahrhunderte verselbstständigten sie sich.

Wurden aus dem Zusammenhang gerissen.
Theologen und Kirchenmänner vergriffen sich an ihnen.

Sie nahmen dich nicht bei den Wörtern, Paulus.
Sie nahmen dich nur bei einem Wort.

Sie vergaßen oder wollten vergessen, dass Gott im Gericht kein anderer ist als der Gott der Liebe, von dem du an anderer Stelle schreibst, dass er sich „aller erbarmt“. Dass er treu ist in seiner Gnade.

Und dass er uns allen ein Fundament unter die Füße getan hat,
das unerschütterlich ist, selbst dann, wenn wir es nicht spüren.

Aber einige meinten, ihre eigene Sehnsucht nach Vergeltung,
nach Zucht und Ordnung auf Gott übertragen zu können.

Sie malten das Gespenst der Beliebigkeit an die Wand.

Sie richteten Scheiterhaufen auf für Ketzer und Hexen.

Sie machten aus deinem Bild vom Tag des Gerichts,
der mit Feuer kommt, schreckliche, selbstgemachte Wirklichkeit.

Paulus, wie lauten deine Worte?

„Richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt.“
So schreibst du doch wenige Sätze später.
Das Richten ist Gottes Sache allein!
Keiner kann und darf sich über andere zum Richter aufspielen.
War das nicht deutlich genug?

Paulus, wie lauten deine Worte?

„Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden;
er selbst aber wird gerettet werden“.
Rettung steht am Ende, nicht Hölle oder Fegefeuer!

Oh Paulus, wie lauten deine Worte?

„Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“

Selbst dann, wenn sich all unser Tun im Leben als Strohfeuer erweist. Die Grundmauern sind unzerstörbar.

Und wenn wir Christus den Retter der Welt nennen,
dann werden doch eher alle Menschen gerettet,
als dass auch nur eine Seele verloren geht. Oder?

Paulus, wie lauten deine Worte?

Von Belohnung und Strafe schreibst du nichts.

Sondern von Lohn und Schaden. Das ist etwas anderes.

Es geht um die natürlichen Folgen dessen, was wir tun.

Ja: Nicht alles, worauf wir setzen, woran wir unser Herz hängen,
trägt uns wirklich. Und das zeigt sich, wenn wir in Feuerproben geraten. Und wir werden unsere Spuren davontragen.
„Wie durchs Feuer hindurch.“ Aber das genügt.

Es geht nicht um zusätzliche Strafen, nicht um zusätzliche Sanktionen, wie sie in Bußkatalogen stehen.
Oder wie wir sie Kindern mit „wenn-dann“-Sätzen androhen,
wenn wir nicht mehr weiter wissen.

Oh Paulus. Wenn du wüsstest, was aus Deinen Worten geworden ist.

(VI. Verborgene Werke)

Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen, schreibt Paulus.

Sanft streichle ich ihr über den Kopf. Gleich ist sie eingeschlafen.

Was wird sie mir sagen, meine Tochter, wenn sie groß ist?
Was waren meine Werke aus Gold, Silber und Edelstein an ihr?
Und was die Werke aus Holz, Heu und Stroh, die nicht bestehen werden, wenn sie in Feuerproben gerät in ihrem Leben?

Das bunte Klettergerüst mit der Rutsche dran in ihrem neuen Zimmer, das ihr so große Freude macht?

Meine innere Ungeduld, wenn ich auf dem Spielplatz schon wieder an den morgigen Arbeitstag denke?

Die Vollkornnudeln mit Tomatensoße,
die ich ihr koche, und die sie so gerne mag?

Das abendliche Herumalbern im Kinderzimmer?

Der Kindergarten, die Schule, die ich für sie auswähle?

Sicher bin ich mir nie. Ich hoffe, dass sie Bleibendes mitbekommt, solange ich sie begleiten und umsorgen darf. Auf dass sie keinen Schaden nimmt. Aber wissen kann ich es nicht. Und wer weiß. Vielleicht sind es am Ende die unbemerkten, verborgenen Dinge, die erst später ans Licht kommen, die sie tragen werden. Wie ein altes Gutenacht-Lied, gesungen jetzt schon in alltäglicher Routine, zum Einschlafen. „Breit aus die Flügel beide, oh Jesu meine Freude. Dies Kind soll unverletzet sein.“

(V. Gottes Bau)

Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen, schreibt Paulus. Das angespitzte Schilfrohr des Schreibers brachte sie auf die Papyrusrolle. Die Gemeinde in Korinth hat sie gehört. Heute treffen sie auf uns.

„Ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. […]. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.“

Na dann los, liebe Gemeinde, Bauen wir daran weiter.

In unserm Leben und hier, im Süden unserer Stadt.

Bauen wir weiter mit Mut und Zuversicht.

Freilich, manches von dem, was wir bauen, wird nicht bleiben und tragen. Mancher Edelstein wird sich als Stroh erweisen.
Aber zu Kleinmut und Verzagtheit gibt es keinen Grund.

Denn wir stehen auf felsenfestem Fundament.

„Einen anderen Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“

Dieser Grund trägt uns alle.

Er hält all unsere Unterschiedlichkeiten aus.

Wir müssen ihn nicht selber legen und erhalten.

Wir können auf ihm weiterbauen und etwas wagen.

„Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch!“ schreibt Paulus am Ende an die Gemeinde in Korinth.

Die Gnade des Herrn Jesus sei auch mit Euch, liebe Luthergemeinde, hier in Halle. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Jesus Christus, du bist der Grund des Lebens.
Du sorgst dich,
du zerbrichst das geknickte Rohr nicht.
Wir bitten dich für alle,
die unter Schmerzen leiden,
die Abschied nehmen und trauern.
Wir bitten dich für die, die geknickt sind
und keine Kraft mehr haben.
Jesus Christus, du tröstest,
du heilst, du rettest.
Tröste, heile, rette deine Menschen.
Erbarme dich.

Jesus Christus, du bist der Grund der Gerechtigkeit.
Du trägst das Recht in die Welt,
du löschst den glimmenden Docht nicht.
Wir bitten dich für alle,
die der Gerechtigkeit dienen.
Wir bitten dich für alle,
die zwischen Feinden vermitteln und
die mit Mut Gewaltherrschern entgegentreten.
Jesus Christus, du mahnst,
du versöhnst, du befreist.
Mahne, versöhne, befreie deine Menschen.
Erbarme dich.

Jesus Christus, du bist der Grund unseres Glaubens.
Du weckst in uns die Liebe
und schenkst uns deinen Heiligen Geist.
Wir bitten dich für deine weltweite Kirche,
für die Menschen, die sich nach deinem Wort sehnen.
Wir bitten dich
für die Enttäuschten und Zurückgewiesenen.
Jesus Christus, du sprichst,
du ermutigst du begeisterst.
Sprich, ermutige und begeistere deine Menschen.
Jesus Christus, du Grund unseres Lebens und Grund der Welt,
dir vertrauen wir uns an.
Höre unser Gebet.

Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich! Amen.

(Pfarrer Dr. Georg Bucher)

11. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

„Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“, heißt es im 1. Petrusbrief. Falscher Hochmut, aber auch falsche Demut schleichen sich schnell in den Alltag ein. Einige Gedanken, die das Begehren umschreiben, sich über andere zu erheben oder sich kleiner zu machen als nötig, begleiten diese Andacht.

  • Ein Lied: Aus tiefer Not schrei ich zu dir (EG 299,1.4.5)

1) Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen.
Dein gnädig Ohr neig her zu mir und meiner Bitt es öffne;
denn so du willst das sehen an,
was Sünd und Unrecht ist getan,
wer kann, Herr, vor dir bleiben?

4) Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen,
doch soll mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht noch sorgen.
So tu Israel rechter Art,
der aus dem Geist geboren ward,
und seines Gottes harre.

5) O bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnade.
Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade.
Er ist allein der gute Hirt,
der Israel erlösen wird
aus seinen Sünden allen.

  • Worte aus Psalm 145

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,

und deinen Namen loben immer und ewiglich.

Ich will dich täglich loben
und deinen Namen rühmen immer und ewiglich.

Der Herr hält alle, die da fallen,

und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.

Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen

und gnädig in allen seinen Werken.

Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen,
allen, die ihn mit Ernst anrufen.

Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,
und hört ihr Schreien und hilft ihnen.

Der Herr behütet alle, die ihn lieben,
und wird vertilgen alle Gottlosen.

Mein Mund soll des Herrn Lob verkündigen,
und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen immer und ewiglich.

  • Worte aus dem Lukasevangelium im 18. Kapitel

Jesus sagte aber zu einigen,
die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein,
und verachteten die andern,
dies Gleichnis:
Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten,
der eine ein Pharisäer,
der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so:
Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.
Ich faste zweimal in der Woche
und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
Der Zöllner aber stand ferne,
wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel,
sondern schlug an seine Brust und sprach:
Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch:
Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener.
Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden;
und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

  • Gedanken zu Lukas 18,9-14

Neben mir hält eine junge Frau im Mercedescabrio. Ich sitze auf meinem Fahrrad. Beide warten wir auf Grün. Ich mache mir so meine Gedanken. Fahrradfahren ist doch viel umweltfreundlicher. Und ich spare mir das Benzin. Und gesünder ist es auch. Soviele Vorteile. Allein der Umstand, dass mein Fahrrad gute 60 Jahre alt ist. Ressourcenschonender geht es kaum. Ich sitze auf meinem Fahrrad und sehe auf die junge Frau herab in ihrem tiefem Autositz. Wenn ich böse wäre, würde ich noch denken: Naja, alleine hat sie das bestimmt nicht bezahlt. Und noch böser: Hoffentlich kriegt sie noch Luft in ihrer Blechkiste. Aber das ist ja Quatsch, ist ja ein Cabrio. Obwohl ich doch mit meiner Entscheidung, Fahrrad zu fahren, zufrieden sein könnte, plagen mich solche Gedanken. Klar ist es gut, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Aber der hochmütige Gedanke, deshalb auf andere herabzusehen, trägt nicht weit. Ich schaue auf mein Smartphone; und schon ist meine überlegene Moral dahin. Mein Telefon ist noch ziemlich neu. Das letzte ist ins Wasser gefallen. Grob weiß ich, was es kostet, so ein Gerät herzustellen. Nicht nur finanziell, sondern auch der Einsatz an Ressourcen und Arbeitskraft unter schrecklichen Bedingungen. Trotzdem verzichte ich nicht darauf.

Auch der Pharisäer im Evangelium schaut auf den Zöllner herab. Wortreich zählt er seine guten Taten auf. Er ist kein „Räuber, Ungerechter, Ehebrecher, und er ist auch nicht „wie dieser Zöllner.“ Der Zöllner ist so ein Ungerechter. Er erhebt zu hohe Steuern, um neben seinem Auftrag für den römischen Staat in die eigene Tasche zu wirtschaften. Er guckt nur auf sich selbst. Seine Mitmenschen und Gott sind ihm scheinbar nicht wichtig. Der Pharisäer hingegen fastet zweimal in der Woche und gibt den Zehnten von allem, was er einnimmt. Ein guter und frommer Mitmensch ist er, dem die göttlichen und menschlichen Gebote am Herzen liegen. Das steht außer Frage. Jesu Urteil ist aber ebenso deutlich. Das kurze Gebet des Zöllners: Gott, sei mir Sünder gnädig! hat für Jesus mehr Gewicht und göttliche Gerechtigkeit. Die Sünde des Pharisäers besteht darin, dass er auf den Zöllner herabsieht; aber der Zöllner bedenkt sein Fehlverhalten und stellt es vor sich und Gott aus. Er hat keine Möglichkeit, sich über den Pharisäer zu stellen. 

Neben meinen guten Taten zählt vor Gott auch der Umgang mit meinen Mitmenschen. Verführerisch ist das Bestreben, sich aufgrund seiner guten Taten und klugen Gedanken über andere Menschen zu stellen. Neulich lass ich den Tweet des Grünenpolitikers und Mitglieds des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentags  Sven Giegold. „Damit wird die moralische Kraft unseres Kirchenschiffes noch stärker! Ärzte ohne Grenzen kommt als medizinischer Partner an Bord der #SeaWatch4. Dieses Schiff wird Leben retten und Druck für eine politische Lösung machen!“ Ohne Frage ist das eine gute Sache, was in diesem Tweet benannt wird. Das Leben der Flüchtenden auf dem Mittelmeer retten und darauf zu dringen, eine politische Lösung zu finden. Unsere Luthergemeinde ist gerade diesem Thema sehr eng verbunden, seitdem sie sich mit der Hausaufgabenhilfe für jene Menschen einsetzt, die es über das Mittelmeer geschafft haben. Dennoch bleibe ich hängen an der Formulierung: „die moralische Kraft“.  Jeder, der die von der Evangelischen Kirche initiierte Aktion kritisch betrachtet oder sie – aus welchen Gründen auch immer – ablehnt, wird dieser moralischen Kraft unterworfen. Es ist einerseits gut, dass wir unserem diakonischem Auftrag als Kirche nachkommen und über den Tellerrand schauen. Die öffentliche Wirkung dieser zur Schau gestellten „moralischen Kraft“ oder moralischen Überlegenheit andererseits erinnert mich aber auch an den Pharisäer, der sich ebenso moralisch über das fragwürdige Verhalten des Zöllners stellt. In jeder Äußerung der Kirche schwingt die göttliche Autorität mit. Ich frage mich, wie dieses kirchliche Herabsehen auf Menschen wirkt, die dieser Moral nicht genügen. Wie wirkt es auf jene, denen Gott auch wichtig ist, egal wie, und die Rettungsaktion trotzdem nicht gut finden?

Auch meine klugen Worte hier wenden sich an und gegen Menschen, die auf ihre Weise sich für andere Menschen engagieren. Habe ich das Recht, mich über Sven Giegold zu stellen, weil ich so ein kluger Theologe bin?

Jesus stellt den Anspruch an mich, diesen Fragen nicht auszuweichen und mich dennoch für das Gute einzusetzen. Moralische Überlegenheit ist verführerisch. Daran erinnert mich das Evangelium heute.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Du Schöpfergott,
du hast uns gut geschaffen
und uns mit der Fähigkeit ausgestattet,
für unsere Mitmenschen Gutes zu tun.
Bewahre uns in diesem Bestreben
und lenke unsere Gedanken,
dass wir unsere Mitmenschen ebenfalls dazu einladen,
für das Leben einzustehen,
dass du uns geschenkt hast.
Du willst, dass wir unsere Mitmenschen
in unser Herz schließen,
auch wenn es schwerfällt.
Bewahre uns davor, sie von uns wegzustoßen.
Und mache uns unsere eigenen Fehler bewußt.
Darum bitten wir mit den Worten Jesu Christi:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

10. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

„Höre, Israel, der Herr ist unser Gott“: Unser Gott. Der Gott des Volkes Israel! So beginnt das Schema Israel. Das ist das Grundbekenntnis des Judentums.
Der 10. Sonntag nach Trinitatis ist der Israelsonntag. An ihm geht es um das Verhältnis und die bleibende Verbindung zwischen Christinnen und Jüdinnen, zwischen Christen und Juden.

  • Ein Lied: Was mein Gott will, gescheh allzeit (EG 364)

1. Was mein Gott will, gescheh allzeit, sein Will, der ist der
beste. Zu helfen dem er ist bereit, der an ihn glaubet feste.
Er hilft aus Not, der treue Gott, er tröst´ die Welt ohn
Maßen. Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den will er
nicht verlassen.

2. Gott ist mein Trost, mein Zuversicht, mein Hoffnung und
mein Leben; was mein Gott will, das mir geschicht, will ich
nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr, denn all mein Haar
er selber hat gezählet. Er hüt´ und wacht, stets für uns tracht´,
auf dass uns gar nichts fehlet.

4. Noch eins, Herr, will ich bitten dich, du wirst mir´s nicht
versagen: Wenn mich der böse Geist anficht, lass mich, Herr,
nicht verzagen. Hilf, steu´r und wehr, ach Gott, mein Herr,
zu Ehren deinen Namen. Wer das begehrt, dem wird´s
gewährt. Drauf sprech ich fröhlich Amen.

  • Psalm 122 (Lutherbibel 2017)

Ein Segenswunsch für Jerusalem
Von David, ein Wallfahrtslied.

Ich freute mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Hause des HERRN!
Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem.
Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll,
wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des HERRN, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des HERRN.
Denn dort stehen Throne zum Gericht, die Throne des Hauses David.
Wünschet Jerusalem Frieden! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben!
Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!
Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen.
Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.

  • Worte aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kap. 11

Ganz Israel wird gerettet werden

Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.«

Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen.

Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

  • Gedanken zum Text

Noch Spüre ich die Sonne auf meiner Haut und den Wind.
Noch ertappe ich mich dabei, wie ich die Ostsee rauschen höre.
Das Salz des Wassers schmecke. Den warmen Sand zwischen meinen Zehen spüre. Ich bin wieder hier, aber der Urlaub ist noch nicht ganz vorbei.

Und dann reist mich die Vorbereitung auf diesen Gottesdienst heraus.

Der 10. Sonntag nach Trinitatis, den wir heute feiern, ist der Israelsonntag.
An diesem Sonntag geht es um das Verhältnis von Christen und Juden.

Und sofort bin ich in Gedanken bei den schrecklichen Bildern vom Oktober letzten Jahres. Dem versuchten Massenmord an jüdischen Menschen mitten in unserer Stadt. Am höchsten jüdischen Feiertag. Bei Jana und Kevin, denen der Mörder das Leben nahm.

Der Prozess in Magdeburg läuft. Die Prozessbeobachter berichten. Der Täter legt vor Gericht noch einmal seinen Hass und seinen unerträglichen Antisemitismus offen. Er versucht seine Tat mit Worten fortzusetzen. Noch viele Verhandlungstage stehen aus bis zum Urteil. Es ist noch nicht vorbei.

Menschenketten haben wir gebildet in den Tagen danach. Offene Solidarität auf der Straße. Auch ich habe mich eingereiht. Es tat gut zu sehen, wie viele wir waren. Es half, ein wenig mit dem Unfassbaren umzugehen. Etwas zu tun. Ein Licht anzünden. Ein Lied singen. Beieinanderstehen. Vor der Synagoge. In der Ludwig-Wucherer-Straße. Auf dem Marktplatz. Bei Gedenk-Gottesdiensten. In den Fürbitten in den Wochen danach. Und seitdem?

Alles vorbei?

Der Israelsonntag ist für mich mit Scham verbunden. Ganz besonders in diesem Jahr. Ich frage mich als Pfarrer, als Theologe, als Christ:

Wo kommt die Verbundenheit mit dem Judentum zum Ausdruck – das Jahr über? Abseits der Solidaritätsbekundungen und der Lichterketten?

Wo ist die Erinnerung daran, dass Jesus von Nazareth jüdisches Kind einer jüdischen Mutter war, jüdischer Wanderprediger und jüdisches Opfer des römischen Statthalters? Spielt das eine Rolle – in meinem theologischen Nachdenken? In der Christenlehre? Als Thema auf Pfarrkonventen? In der Liturgie am Sonntag? Im Religionsunterricht? Bei meiner Bibellektüre? Wenn ich bete?

Das gleiche gilt für den Apostel Paulus, aus dessen Brief an die Römer der Text für diesen Gottesdienst stammt. Auch er war Jude – und blieb es sein Leben lang. Anders, als die Erzählung von der Wandlung vom „Saulus zum Paulus“ es nahelegt: Er spricht selbst niemals davon, „Christ“ geworden zu sein. Dieses Wort benutzt er gar nicht. Stattdessen betont er an vielen Stellen ausdrücklich, Jude zu sein. Niemals hat er seine Mutterreligion verlassen. Paulus bleibt Jude, sein Leben lang.

Mit voller Leidenschaft aber streitet er dafür, dass zur Gemeinschaft Gottes auch diejenigen dazugehören, die keine Juden sind, und an Jesus Christus glauben. Gottes Liebe kennt eben unterschiedliche Wege. Immer aber ist er Treu – und er bleibt vor allem seinem Bund mit dem jüdischen Volk treu.

Daran lässt der Jude Paulus keinen Zweifel.

Es mag bis heute auch Teil einer narzisstischen Kränkung für uns Christen sein: Wir sind nicht die Ersterwählten. Gottes Liebe zu den Menschen bindet sich nicht exklusiv an Jesus Christus. Die Liebe Gottes zum Volk Israel ist nicht in Christus. Sie ist eine unmittelbare.

Wie können wir damit umgehen? Wie können wir damit umgehen, dass jüdische Menschen Jesus nicht als den Messias anerkennen?

Für Paulus ist die Antwort klar: 

 Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist.

Israels Großteil lehnt das Evangelium von Jesus Christus ab, damit dieses zu den Völkern kommt. Das ist Teil von Gottes Heils-Plan. Nur so kommt das Evangelium zu uns, den Völkern.

Entscheidend aber ist am Ende die Ermahnung: Die Rettung Israels und die Frage, wie die Völker errettet werden, sind allein Gotte Sache. „Haltet Euch nicht selbst für Klug“, mahnt der Apostel. Spielt Euch nicht selbst zum Richter auf. Spekuliert nicht herum. Bleibt bescheiden, dankbar und demütig. Verlasst Euch aber voll darauf:

Ganz Israel wird gerettet werden. Ja, mehr noch:

Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

Machen wir uns also keine Sorgen. Weder um unser Heil, unsere Rettung, noch um die Israels. Vertrauen wir auf Gottes Treue. Vertrauen wir auf Gottes liebe.

Dann müssen wir uns nicht für klug halten und uns im Spekulieren ergehen.

Dann sind wir frei, uns unseren Ängsten zu stellen. Unseren Kränkungen. Und dann müssen wir keine Angst haben, etwas falsch zu machen.

Frei und offen können wir aufeinander zugehen. Auch auf unsere jüdischen Mitmenschen. Und sie fragen: Wie ist das für Euch, in diesen Tagen des Prozesses? Wie hat sich Euer Gemeindeleben verändert seit dem 09. Oktober 2019? Gibt es etwas, dass ihr von uns erwartet? Gibt es etwas, das wir für euch tun können?

Dann können wir uns frei und offen auf die Suche machen. Auf die Suche danach, was es heißt, dass Paulus und Jesus Juden waren. Welche Implikationen das hat – für unseren Glauben. Für unsere Gottesdienste. Für unser Gebet.

Dann ist nichts einfach vorbei. Dann geht es erst los.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

(Wochengebet der VELKD zum Israelsonntag; Quelle: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php)

Du Gott des Lebens,
Israels Retter und treuer Freund.
Du Gott der Liebe,
Maßstab der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.
Wir beten dich an –
so taten es unsere Mütter und Väter,
so tut es dein Israel.

Du Gott des Lebens,
du bist treu –
so bleib den Menschen treu, die in Angst sind:
denen, die sich davor fürchten, sich anzustecken,
denen, die von den letzten Monaten gezeichnet sind,
denen, die sich vor dem nächsten Tag, der nächsten Woche,
den nächsten Monaten fürchten.
Treuer Gott: Hilf
und erbarme dich.

Du Gott des Lebens,
du bist gerecht –
so verhilf den Menschen zur Gerechtigkeit,
denen das Recht verweigert wird:
denen, die in Diktaturen leben,
denen, die aufbegehren,
denen, die im Elend allein gelassen werden.
Gerechter Gott: Hilf
und erbarme dich.

Du Gott des Lebens,
du hast wahren Trost –
so trockne die Tränen der Trauernden,
schließe die Sterbenden in deine Arme,
heile die verletzte Schöpfung.
Ewiger Gott: Hilf
und erbarme dich.

Du Gott des Lebens,
du Gott Israels,
du unser Gott,
dein Wort ist unser Ursprung,
unsere Gegenwart,
unsere Zukunft.
Sprich zu uns.
Sprich zu Israel.
Heute, morgen und alle Tage.
Dir vertrauen wir uns an
durch Jesus Christus.

Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!

Amen.

(Pfarrer Dr. Georg Bucher)

9. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

„Du hast den Menschen wenig niedriger gemacht als Gott“, heißt es im Psalm 8. Diese Zuversicht und Einsicht umschreibt die Fähigkeiten ebenso wie die Ansprüche, die Gott an uns stellt. Das kann mein Zutrauen stärken aber ebenso auch schwächen. So gehe ich durch diese Tage meines Lebens und frage mich jeden Tag aufs Neue. Wo hat dich Gott hingestellt und welche Stärken hat er dir mitgegeben für diesen Tag.

  • Ein Lied: Meine enge Grenzen (EGE 12)

1. Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. ||: Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich. :||

2. Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt bringe ich vor dich. ||: Wandle sie in Stärke, Herr, erbarme dich. :||

3. Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. ||: Wandle sie in Wärme, Herr, erbarme dich. :||

4. Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. ||: Wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich. :||

  • Worte aus Psalm 8

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen,
der du zeigst deine Hoheit am Himmel!
Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge / hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen,
dass du vertilgest den Feind und den Rachgierigen.
Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,
den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:
was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,
mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.
Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk,
alles hast du unter seine Füße getan:
Schafe und Rinder allzumal,
dazu auch die wilden Tiere,
die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer
und alles, was die Meere durchzieht.
Herr, unser Herrscher,
wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

  • Worte aus dem Buch des Propheten Jeremia 1,4-10

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Ich aber sprach: Ach, Herr Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr. Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

  • Gedanken zu Jeremia 1,4-10

Der Prophet Jeremia kennt seine Grenzen. „Ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung“, sagt er. Dass ein Prophet seine Berufung zurückweist, ist ein festes Muster im Alten Testament. Oft hat das mit mangelnder Sprachfähigkeit zu tun, die die zu Berufenen vorschützen. Mose bekommt daraufhin seinen Bruder Aaron zur Seite gestellt, Jesajas Lippen werden mit glühender Kohle gereinigt und Jeremias Mund mit der Hand Gottes berührt. Jeremias Jugend lässt Gott nicht gelten. Gottes Wort gilt allein. Und das legt er Jeremia in den Mund. Diese Geschichte der Berufung Jeremias zeigt, worauf es wirklich dabei ankommt, ein Mensch in Gottes Auftrag zu sein. Und die Frage schließt sich an, ob ich selbst ein Beauftragter Gottes bin?

1. Die Berufung erfolgt nicht aus dem Willen des Berufenen, sondern ruht im Willen Gottes. Von Anfang an steht dieser Weg des Menschen Jeremia im Plan Gottes fest. Anschaulich wird beschrieben, dass Gott ihn schon im Dunkel des Mutterleibes im Auge hatte. Gibt es solche vorgezeichneten Wege Gottes, von denen ich nicht mehr abweichen kann? Manchmal wird davon gesprochen, dass einem Menschen etwas in die Wiege gelegt wurde. Aber das ist schon viel zu menschlich gedacht Das Wort Gottes wird von außen an Jeremia herangetragen. Ich weiß nicht, ob er vor seiner Berufung jemals an einen Dienst in Gottes Namen gedacht hat. Ich glaube aber, dass Gott sich vor allem an Menschen wendet, die gerade nicht daran denken. Sie sind dann innerlich frei, nicht zu ihrem eigenen Vorteil diesen Dienst anzustreben. Der Wille Gottes ist unausweichlich. Ich kann mich ihm nicht entziehen. Auf wessen Geheiß handle ich? Wessen Worte führe ich im Munde? Sind es wirklich die Worte Gottes, oder doch nur meine? Die meiner Eltern, meiner Freunde, oder Worte, die ich irgendwo aus dem Internet oder aus einer Zeitung aufgeschnappt habe. Gegenwärtig scheinen viele Menschen daran zu zweifeln, dass der Großteil der Bevölkerung noch dem eigenen Willen folgt. Bin ich wirklich fremdbestimmt? Und wie kann ich dann wissen, dass ich dem göttlichen Auftrag nachgehe; und nicht einer falschen menschlichen Stimme?

Ein Kriterium ist

2. Die Berufung ist unbequem. Jeremia muss zwei Grenzen überschreiten. Die erste Grenze ist die Grenze seines Volkes. Gott führt den Gottesmann über die Grenzen der gewohnten Umgebung hinaus. Über das hinaus, was ich schon von Geburt an kenne. Wo ich mich auskenne. Gott macht Jeremia zu einem Propheten für die Völker. Da geht der Weg also ins Fremde. Wie werden diese Menschen, die mit diesem Gott nichts zu tun haben und nichts zu tun haben wollen, darauf reagieren? Kein Wunder, dass Jeremia sich zu klein oder zu jung dafür fühlt. Aber er kommt um diese Aufgabe nicht herum. Die zweite Grenze kratzt am Gottesbild. „Ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst du und bauen und pflanzen“, spricht Gott zu Jeremia. Aber ist Gott nicht ein guter Gott, der das Leben schafft? Wie kann er zugleich ein Gott der Zerstörung sein? Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass Gott Jeremia soviel Macht schenkt. Und wie kann ich diesen Gott verkünden, der auch für den Schrecken dieser Welt steht? So habe ich das nicht gelernt. Der Gott meiner Kindheit war stets ein vergebender, sanfter und solidarischer Gott, so wie Christus am Kreuz. Das Zerstören und Verderben passt dazu nicht. Dabei weiß ich, dass es ohne Zerstörung mitunter nicht geht. Bildlich gesprochen sind es die Mauern, die mich fernhalten von meinen Mitmenschen und von Gott, die notwendigerweise zerstört werden müssen. Real sind es Mauern, die tatsächlich von Menschen gebaut und wieder niedergerissen werden. Jeremia überschreitet die Grenze zum Fremden und zum Ungewohnten, Ungelerntem. Er ist darauf nicht vorbereitet, denn

3. Die Berufung hängt nicht an besonderen Fähigkeiten des Berufenen. Sie liegt im Vertrauen auf Gottes Kraft. Jeremia muss darauf vertrauen. Nicht aus eigener Kraft. Gott ist kein Motivationstrainer. Die Kraft Gottes wird erst spürbar im Leid. Wenn die eigenen Kräfte versagen. Dann wird Platz für den Frieden und die Hoffnung Gottes. Dann schwinden die engen Grenzen. Dann werde ich frei für das, was Gott schon im Mutterleib in mir sieht. Selbstverständlich habe ich Angst davor. Gut ist es, dann eine Stimme zu hören, die über die vielen Stimmen der Menschen hinausgeht. Das Leben, das von Gott kommt, wird sichtbar. Manchmal höre ich diese Stimme aus den Mündern der Menschen, die gefangen, krank, einsam und dem Tod nah sind. Dann höre ich sie auch am deutlichsten. Dann höre ich die Stimme Gottes: „Ja, ich will dich wieder gesund machen und deine Wunden heilen, spricht der Herr, weil man dich nennt ‚die Verstoßene‘ und: ‚Zion, nach der niemand fragt‘.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott des Himmels und der Erden,
mache uns frei von dem,
was uns in uns selbst festhält,
reiße die Grenzen nieder,
die uns zurückhalten.
Zeige uns das Leben,
dass du uns gibst
und führe uns weg von dem,
was uns von dir und unserem Nächsten fernhält.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

8. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Eine Kerze anzünden.  Still ins Kerzenlicht schauen.

Jesus spricht: Ich bin das Licht der Welt.

Die Botschaft gilt. Sie hören, zu Herzen nehmen und mit ihr Hoffnung schöpfen für heute und viele Tage. Dazu helfe uns Gott.

  • Lied: Morgelich leuchtet (EG 455)

Hier kann das Lied angehört werden: http://www.eingesungen.de/player.php?track=940&buch=21#player

Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang.
Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt.
Dank für die Lieder, Dank für den Morgen,
Dank für das Wort, dem beides entspringt.

Sanft fallen Tropfen, sonnendurchleuchtet.
So lag auf erstem Gras erster Tau.
Dank für die Spuren Gottes im Garten,
grünende Frische, vollkommnes Blau.

Mein ist die Sonne, mein ist der Morgen,
Glanz, der zu mir aus Eden aufbricht!
Dank überschwänglich, Dank Gott am Morgen!
Wiedererschaffen grüßt uns sein Licht.

  • Worte aus Psalm 48

Groß ist der HERR und hoch zu rühmen
in der Stadt unseres Gottes, auf seinem heiligen Berge.
Schön ragt empor sein Gipfel,
daran freut sich die ganze Welt.
Wie wir’s gehört haben, so sehen wir’s
an der Stadt des HERRN Zebaoth,
an der Stadt unseres Gottes:
Gott erhält sie ewiglich.
Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.
Gott, wie dein Name , so ist auch dein Ruhm
bis an der Welt Enden.
Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.
Es freue sich der Berg Zion,
und die Töchter Juda seien fröhlich
um deiner Rechte willen.
Ziehet um den Zion herum und umschreitet ihn,
zählt seine Türme;
habt gut acht auf seine Mauern,
durchwandelt seine Paläste,
das ihr den Nachkommen davon erzählt:
Dieser ist Gott, unser Gott für immer und ewig.
Er ist’s, der uns führet.

  • Worte aus dem Johannesevangelium  9, 1 – 7

Jesus ging vorüber
und sah einen Menschen, der blind geboren war.
Und seine Jünger fragten ihn und sprachen:
Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern,
dass er blind geboren ist?
Jesus antwortete:
Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern,
sondern es sollen die Werke Gottes
offenbar werden an ihm.
Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat,
solange es Tag ist;
es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.
Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde,
machte daraus einen Brei
und strich den Brei auf die Augen des Blinden
und sprach zu ihm:
Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt –
und wasche dich!
Da ging er hin und wusch sich
und kam sehend wieder.

  • Gedanken zum Text

Nie konnte er sehen. Ein großer Teil des Lebens und seiner Schönheit blieb ihm verschlossen, verschlossen von Geburt an.

Die anderen Sinne lernen, manche Funktion der Augen zu übernehmen, aber vollständig ersetzen können sie das Augenlicht nicht. Wirklich vorstellen können wir Sehenden uns das nicht, wie das sein muss, die Welt und alles zu sehen – zum ersten Mal.

Worte bleiben dahinter zurück: Er war immer im Dunkeln, er wusste nie, was Dunkel ist und was Licht – und nun ist er im Licht. Ein blinder Mensch kann sehen.
Wohin wird er sehen? In den Himmel? Auf die Menschen um ihn herum? Auf die Bäume, die Häuser? Auf den Ort , wo er saß? Es ist so viel und es ist so wunderbar.

Es ist ein Wunder – es öffnet unsere Augen für ein Wunder, für unser Menschenleben, das ein Wunder ist – und in dem Wunderbares geschieht.

(Lothar Zenetti in einem Gedicht:

Ein Leben währt nur ein paar Jahre, ein Leben ist wenig und viel. Wir kommen und gehen, wir säen und ernten, ein menschliches Leben ist viel.)

Es ist ein alltägliches Wunder und doch nicht weniger als ein Wunder, wenn es Tag wird, wenn die Sonne aufgeht und die Dunkelheit weicht – und wir leben.

Ein Tag zwischen Morgen und Abend, ein Tag, das ist wenig und viel. Er ist uns geschenkt und gehört uns für immer, ein Tag, den wir leben ist viel.

Es ist ein Wunder. Jedesmal, wenn einem Menschen die Augen aufgehen. Wenn wir beginnen klar zu sehen. Wenn uns ein Licht aufgeht und wir in einem neuen Licht das Leben sehen, uns selbst Und GOTT.

Es gibt nicht nur die Blindheit der Augen. Es gibt auch die Blindheit des Herzens. Eine Blindheit des Nicht-Verstehens.

Auch um diese Blindheit geht es in dieser Geschichte. Auch sie bedarf der Heilung. Und es ist ein Wunder, wenn sie geschieht. –  Wie wird man sehend?

„Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war.

So beginnt es –  mit einem, der sieht.

Viele andere tun das auch, die wie Jesus an dem Mann vorüber gehen. Sie sehen ihn und sehen ihn doch nicht. Sie schauen hin und schauen vorbei. Manche geben ihm Geld, andere gehen weiter auf ihrem Weg.

Wer hat ihn gesehen? Hat sein Gesicht gesehen?

Auch Jesus geht vorüber, auch er hat seinen Weg. So ist das nicht. – ABER! – Sein Weg führt nicht an den Menschen vorbei.

Er führt zu ihnen hin. Er übersieht den Blinden nicht. Er sieht ihn. Er sieht ihn an. Er nimmt ihn wahr.

Der Evangelist ist an dieser Stelle ganz präzise. Er sagt nicht:

„Er sieht einen Blinden oder er sieht einen Bettler“.

Da sitzt ein Mensch, ein Kind von Eltern, mit seiner Geschichte, mit Gedanken und Gefühlen, ein Geschöpf Gottes – wie alle anderen auch, die an ihm vorübergehen und ohne die Behinderung leben, mit der er leben muss.

„Ein Mensch, ach, was zählt denn schon einer, ein Mensch, das ist wenig und viel. Genug für die Liebe, genug für ein Leben, ein Mensch, der mich liebt, das ist viel.“

Die Jünger sehen ihn auch. Aber auch sie gehören zu denen, die ihn nicht ansehen. Ihre Worte verraten es:

Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“

Das klingt als ob sie genau hinsehen wollen. Aber ihr Interesse gilt nicht dem Menschen.

Wer hat Schuld? Die alte Frage!

Es ist ja auch schwer einen Menschen anzusehen, der von Geburt an blind ist.

Ein schreckliches Schicksal. Hilflos stelle ich mir die Jünger vor. Hilflos und verunsichert möchten sie nur noch, dass ihr Weltbild – ihr Gottesbild nicht aus den Fugen gerät.

Wo Unglück ist, muss auch Schuld sein.

Einer muss schuld sein. Wen kann man verantwortlich machen?

Wenn das klar ist, dann ist die Welt – scheinbar –  in Ordnung.

Es ist sinnvoll nach Gründen für Katastrophen zu suchen, die Ursachen von Krankheiten zu ergründen, um sie heilen zu können.

Wir alle wissen, dass nicht jede Krankheit nur Schicksal ist.

Über Schuld nachzudenken, sie aufzudecken und zu benennen, gehört zu unserer Würde als Menschen, die Verantwortung für sich und ihr Tun übernehmen.

„Wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern?“

Haben sie nicht recht, so zu fragen?

Warum behauptet Jesus, dass es die ganz und gar falsche Frage sei?

Weil sich genau betrachtet ein grausames Menschenbild hinter der klugen theologischen Frage verbirgt. Mit solch einer Frage hält man sich Menschen vom Leib.

„Selber Schuld! Es gibt eben auch solche, denen nicht zu helfen ist. Hilf dir selbst!“

Wenn man nur alles richtig macht, wird man nicht krank.

Diese einfache Weltsicht ist zu einfach. Sie macht blind für die Menschen und ihre Geschichte. Sie macht gefühllos gegenüber ihrer Not und wird einem Menschen niemals gerecht.

Und sie macht blind für Gott.

Sie gibt ihm einen Platz im eigenen Weltbild als Garant dafür, dass auf jede Schuld unverzüglich die Strafe folgt.

Aber Gott lässt sich nicht einordnen.

Jesus öffnet den Jüngern die Augen: „Es hat keiner gesündigt“.

Und hier entsteht der Raum für die Begegnung mit dem lebendigen Gott.

„Die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.“ Gerade angesichts dieses Menschen, dessen Leben von Anfang an so festgelegt zu sein scheint.

Gerade an diesem soll etwas sichtbar werden. Gott hat etwas vor mit diesem Menschen.

Das ist ein Wort der Befreiung. Es öffnet den Blick für die Möglichkeiten Gottes.

Seht nicht nur das, was vor Augen ist! Seht nicht nur das, was war.

Bleibt nicht stecken in der Frage nach dem Warum!

Seht, was werden kann! Seht! Und dann tut, was ihr tun könnt.

Das Nahe liegende, was vor Augen ist.

Für Jesus besteht es darin, dass er einen Brei aus Speichel und Erde macht und ihn auf die Augen des Blinden streicht. Aber er selbst muss zu dem Teich gehen und den Brei abwaschen.

„Die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden“.

Jesus öffnet dem Blinden eine neue Möglichkeit für sein Leben, er selbst muss sie ergreifen. Es ist sein Leben.

Jesus vereinnahmt ihn nicht, macht ihn nicht einfach zum Objekt seiner Hilfe.

Er beteiligt ihn an dem Schritt in eine neue Möglichkeit zu leben.

Indem er geht, vertraut er – und lebt schon im Licht des Vertrauens, bevor seine Augen sehen können.

Öffnet es auch uns die Augen?

Dann könnten wir auf andere Menschen zugehen, ohne immer schon zu fragen, wer schuld ist, und ohne zu wissen, was gut für sie ist.

Dann könnten wir uns damit zufrieden geben, Menschen zu helfen, indem wir ihnen Möglichkeiten für ihr Leben vor Augen halten, und aushalten, dass sie sie ergreifen oder nicht ergreifen. ODER nicht gleich, weil die Zeit noch nicht reif ist, dafür.

„Die Werke Gottes sollen offenbar werden“.  

Gott weiß die Zeit dafür.

Der Blinde ergreift die Möglichkeit. „Er kam sehend wieder.“

Ein Wunder vor unseren Augen.

Nicht nur das Augenlicht ist ihm geschenkt. Er ist in umfassender Weise sehend geworden.

Auch das Licht des Vertrauens ist ihm geschenkt.

Er sieht sein Leben nun in einem neuen Licht. Vielleicht sogar die Jahre seiner Blindheit. Aber davon kann man nur ganz vorsichtig reden. Allzu schnell wird daraus wieder eine allgemeine Wahrheit, als ob Gott uns Leiden auferlegen würde, damit dann sein verwandelndes Tun offenbar würde.

Dann wären wir blind für Gott.

Aber manchmal geschieht es, dass ein Mensch in der Rückschau sein Leben im Licht des Glaubens neu sehen kann, auch die Zeiten des Leidens.

Dafür öffnet uns Jesus die Augen. Gott hat noch etwas mit uns vor. Es muss nicht alles bleiben, wie es ist. Und am Ende öffnet er unseren Blick und lässt uns in seiner Auferstehung hinausschauen noch über unseren Tod.

Ja: Die Werke Gottes sollen an uns offenbar werden.

„Was sein wird, das ist noch verborgen, und keiner kann heut schon verstehn, doch Einer öffnet uns die Augen, dass wir sein Heil schon kommen sehen.“

  • Gebet

Herr Jesus Christus, du Licht der Welt,
du siehst, wie oft wir blind sind, für das, was um uns geschieht.
Lass uns sehen, wenn Kinder erfahren, wenn sie vernachlässigt werden.
Gib uns den Mut nach Hilfe zu suchen.
Lass uns sehen, wenn alte Menschen einsam in ihrer Wohnung sind
Und auf einen Besuch und Gespräch warten.
Lass uns darauf achten, dass wir die Maßnahmen
zur Verhinderung der Verbreitung der Corona-Pandemie
und auch die damit verbundenen Einschränkungen des Alltags
ernst nehmen und andere nicht gefährden.
Lass uns sehen, dass Hass und Gewalt gegen Menschen
anderen Glaubens und anderer Herkunft bei uns keine Macht gewinnen.
Hilf uns frei unsere Meinung zu äußern,
wenn abfällige oder antisemitische Bemerkungen fallen.
Alles, auch das ungesagte nehmen wir auf in das Gebet,
dass du uns gelehrt hast.
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

  • Segen

Gott sei uns gnädig und segne uns,
er lasse uns sein Antlitz leuchten.
Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn!

(Lektorin Gudrun Naumann)

7. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Diese freundliche und ermutigende Einladung aus dem Epheserbrief steht über dieser Woche. Wer Hausgenosse und Mitbürger heißt, zahlt nicht für seine Unterkunft oder sein Essen, noch muss er betteln um Gottes gutes Wort. Von allem ist reichlich da. Jetzt, hier und heute. Amen

  • Ein Lied : Nun lasst und Gott dem Herren (EG 320)

1) Nun lasst uns Gott dem Herren
Dank sagen und ihn ehren
für alle seine Gaben,
die wir empfangen haben.

2) Den Leib, die Seel, das Leben
hat er allein uns geben;
dieselben zu bewahren,
tut er nie etwas sparen.

3) Nahrung gibt er dem Leibe;
die Seele muss auch bleiben,
wiewohl tödliche Wunden
sind kommen von der Sünden.

4) Ein Arzt ist uns gegeben,
der selber ist das Leben;
Christus, für uns gestorben,
der hat das Heil erworben.

  • Worte aus Psalm 107: Danklied der Erlösten

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

So sollen sagen, die erlöst sind durch den Herrn,
die er aus der Not erlöst hat,

die er aus den Ländern zusammengebracht hat
von Osten und Westen, von Norden und Süden.

Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege,
und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,

die hungrig und durstig waren
und deren Seele verschmachtete,

die dann zum Herrn riefen in ihrer Not
und er errettete sie aus ihren Ängsten

und führte sie den richtigen Weg,
dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:

Die sollen dem Herrn danken für seine Güte / und für seine Wunder,
die er an den Menschenkindern tut,

dass er sättigt die durstige Seele
und die Hungrigen füllt mit Gutem.

  • Worte aus dem Brief an die Hebräer im 13. Kapitel

Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.

Gastfrei zu sein vergesst nicht;

denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene,

und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.

  • Gedanken zum Hebräerbrief

Ohne es zu wissen, einen Engel beherbergen. Mich erinnert dieser Gedanke an das Gedicht von Rudolf Otto Wiemer:

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.

Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein,
manchmal sind sie alt und hässlich und klein,
die Engel.

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,
die Engel.

Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
oder wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.

Dem Hungernden hat er das Brot gebracht,
der Engel.

Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
er hört, wenn du rufst, in der Nacht,
der Engel.

Er steht im Weg, und der sagt: Nein,
der Engel.

Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein –
Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.

Unerkannte Engel werden auch in diesen Versen beschrieben. Der Hebräerbrief treibt aber den Gedanken des Gedichts noch weiter. Die Engel bleiben nicht nur unerkannt, sondern empfangen selbst Hilfe; nicht der Engel bringt Brot und macht das Bett, sondern ich tue dies dem Engel. Die Boten der himmlischen Welt finden Herberge und Zuflucht in der geschwisterlichen Liebe untereinander. Mitten unter den Menschen, den Gefangenen und Misshandelten.

Die Engel des Hebräerbriefes sind Gesandte Gottes. Sie sagen mir das Wort; das feste Wort vom Gesetz Gottes. Diese Worte Gottes darf ich nicht nur als akustische Signale meines Verstandes und meiner Stimme verstehen. Sie werden verwandelt. Der Engel, dem ich Gastfreiheit gewähre, Gesellschaft und Trost, ist das Ergebnis dieser Verwandlung.  Sie geben mir Zeugnis von den Zeichen und Wundern Jesu Christi und dem Wirken des Heiligen Geistes. Diese Engel sind in der Nähe, auch wenn ich meine, sie nicht hören und sehen zu können; sogar dann, wenn ich nicht einmal daran denke. Dieser Engel trägt das Antlitz meines Nächsten, dem ich Beistand leiste, den ich nicht links liegen lasse und dem ich in der Not helfe. Als ein Mitgefangener und als Mensch von Fleisch und Blut. Das Wort ist Mensch geworden, wie es im Johannesevangelium heißt.

Die Verkündigung dieser guten Botschaft ist das Herzanliegen in unseren Gemeinden. Der Hebräerbrief ermuntert mich, diese Verkündigung nicht auf kluge Worte in der Predigt zu beschränken. Sie ereignet sich ebenso in den handfesten und alltäglichen Aufgaben, die ich für mich und meine Lieben und über das häusliche Leben hinaus leiste. In der Luthergemeinde bedeutet das, dass die Menschen die Botschaft Gottes weitergeben, indem sie sich beispielsweise bei den Zeitpaten engagieren oder für Bauaufgaben, sich beraten und schwierige Entscheidungen treffen, und vielfältige scheinbar kleine Aufgaben bewältigen: die Heckenschere in die Hand nehmen, einen Schrank aufstellen, die Kirche mit Blumen schmücken, die Sonntagspredigt verteilen. Das wird eine schöne lange Liste umrahmt von den Momenten, in denen wir uns innerhalb der Gemeinde und darüber hinaus Zeit nehmen, zuzuhören und uns im Guten wie im Schweren einander tragen und füreinander da sind.

Ja, das Wort der Verkündigung ist ein breiter Strom, der sich im geschwisterlichen Miteinander ereignet. Dann stellt Gott uns seine Boten und Engel zur Seite. Unbemerkt und unbewusst.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Großer Gott,

was geschieht, wenn wir deine Engel nicht erkennen,

wenn wir glauben, unseren Nächsten übersehen zu dürfen?

Deine Gebote geben uns die Richtschnur.

und tief in uns sind wir gewiß, was du von uns verlangst.

Aber es ist oft schwer, dieser Stimme zu folgen

in dieser wilden Welt. Was uns beschäftigt,

aus den Nachrichten und aus unserer eigenen Lebensgeschichte,

kann uns leicht abbringen von deinem guten Weg.

Gott,

gib uns den Mut und die Liebe, deinen Geboten zu folgen

und auf deine engelhafte Stimme zu hören.

Und sende uns deine Engel

auch dann, wenn wir selbst zu schwach dafür sind.

Durch Jesus hast du uns gezeigt, dass du dir selbst

nicht zu schade bist für unser Fleisch und Blut.

Jesus zeige uns, wie es uns gelingt,

dass wir uns selbst nicht zu schade sind.

Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

6. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Kommen wir zu dir, Gott, oder kommst du zu uns? Du nimmst dich letztlich unserer an. Umgibst uns mit deinem Frieden. Dass wir leben können. Zuhause, in der Kirche, im Urlaub, bei der Arbeit und in der Freizeit, unter Menschen ebenso wie in der Einsamkeit. Komm zu uns, Gott, in deinem Frieden. Amen.

  • Lied: Ich bin getauft auf deinen Namen (EG 200)

1. Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heil’ger Geist,
Ich bin gezählt zu deinem Samen,
Zum Volk, das dir geheiligt heißt,
Ich bin in Christum eingesenkt,
Ich bin mit seinem Geist beschenkt.

2. Du hast zu deinem Kind und Erben,
Mein lieber Vater, mich erklärt,
Du hast die Frucht von deinem Sterben,
Mein treuer Heiland, mir gewährt.
Du willst in aller Not und Pein,
O guter Geist, mein Tröster sein.

3. Doch habe ich dir Furcht und Liebe,
Treu‘ und Gehorsam zugesagt,
Ich hab‘ aus deines Geistes Triebe
Dein Eigentum zu sein gewagt,
Hingegen sagt‘ ich bis ins Grab
Des Satans schnöden Werken ab.

4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite
Bleibt dieser Bund wohl feste stehn;
Wenn aber ich ihn überschreite,
So laß mich nicht verlorengehn!
Nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an,
Wenn ich hab‘ einen Fall getan!

  • Worte aus Psalm 139

Herr, du erforschest mich und kennest mich.
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;
du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

das du, Herr, nicht alles wüsstest.
Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.
Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,
ich kann sie nicht begreifen.
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.
Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein –,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

  • Worte aus dem 5. Buch Mose, Kapitel 7, Verse 6 bis 12

Denn du, Israel, bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. 

Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der Herr euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der Herr, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

  • Drei Stimmen

1. Stimme:

Eifersüchtig wachst du über mich, Gott. Eifersucht, das ist ein starkes Gefühl. Heutzutage scheint es außer Mode gekommen zu sein. Wer sein Gegenüber, seine Partner*in eifersüchtig bewacht, erntet leicht Mißverständnis. Niemand gehört jemandem; niemand darf Anspruch auf seinen Mitmenschen erheben. Ob ich treu bin oder mir Sorgen mache, das sollte mir doch freigestellt bleiben.  Aber es wäre auch schön, mir gewiß zu sein, dass ich zu dir gehöre. Wie schön wäre es, wenn du um mich kämpfst und mich unter keinen Umständen allein lässt. Mich fest hältst, egal, was passiert. Ich sehne mich nach der Sicherheit und Geborgenheit, die daraus erwächst. Gerade dann, wenn ich mich klein und schwach fühle, wenn ich den Anforderungen des Lebens und des Alltags nicht genügen kann. Gott, du hast mich erwählt, wie du das Volk Israel erwählt hast. Bleibe bei mir, umgib mich von allen Seiten und halte deine Hand über mir.

2. Stimme:

Gott, du hast mich nicht gefragt, ob ich zu dir gehören will. Habe ich eine Wahl? Kann ich von dir weg gehen, ohne dass du mich bestrafst. Für meine Schwäche kann ich doch nichts. Ich kann nichts für die Tage und Zeiten, in denen ich mich klein und hilflos fühle. Es ist ja nicht so, dass ich keine Hilfe bräuchte. Aber was kostet mich das? Ich soll dir treu sein, egal was auf mich zukommt im Leben. Dann willst du immer um mich sein. Hältst mir deine Gebote und Gesetze vor Augen, denen ich nicht genügen kann. Du umgibst mich von allen Seiten und hältst deine Hand über mir. Kann ich dann noch atmen und mich frei bewegen? Die Freiheit ist mir wichtiger als deine Fürsorge. Auch wenn es gefährlich wird. Auch, wenn ich an mir selbst scheitere?

3. Stimme:

Du hast mich erwählt, weil ich klein bin. Du hast mich in deine Gemeinschaft gerufen. Das fordert mich heraus. Denn du, Gott, rechnest mit mir. Du traust mir Großes zu. Du nimmst mich in deine Verantwortung. Du glaubst, dass ich dieser Verantwortung genügen kann. Manchmal zittere ich davor und habe Angst zu versagen. Aber deine Stärke und Barmherzigkeit umgibt mich. Du versicherst mir, in deiner Gegenwart auch die schwersten Aufgaben bewältigen zu können. In  deiner Nähe richte ich mich auf aus meiner Kleinheit, fasse Mut und gehe einen guten Weg. Weil du, Gott, mich gut geschaffen hast. Du siehst das Gute in mir. Auch unter der Hülle von Verzagtheit und Schmutz, die das Leben über mich breitet. Finsternis ist nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtet wie der Tag. Ich kann mich und meine Mitmenschen in deinem Licht sehen, das du über mir erstrahlen lässt. Du hast mich erwählt in meiner Taufe, wie du das Volk Israel erwählt hast. Von Anfang an.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. 

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Du, Gott,

der du dich zu uns bekennst
und ebenso Verantwortung von uns forderst.

Du kennst uns,
die dunklen und die hellen Seiten.

Auch wenn es eng wird um uns,
weil das Leben von Eigennutz, von Gewalt, 
von Verlust, von Schmerz und Einsamkeit bedroht ist,

weil wir das Gute vergessen, dass du uns geschenkt hast,
weil wir auf Kosten anderer leben,
weil wir nicht über unseren Tellerrand gucken können,

weil wir in uns verkrümmt sind,

dann, Herr, lass uns nicht fallen,
richte uns wieder auf,
schenke uns deinen Atem,
der uns wieder ins Leben ruft,
schenke uns deine Seele,
die uns mit deiner Barmherzigkeit erfüllt.

Wir rufen zu dir im Licht deiner Erwählung:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

5. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Das Wort Gottes, seine Botschaft zu lesen, zu hören und zu Herzen zu nehmen. Für die Botschaft seiner offenbaren und alltäglichen Wunder öffnen wir Herz und Verstand, staunend und dankbar. Erfüllt und bereichert zeugen wir mit Körper und Seele von der Größe Gottes.

  • Ein Lied: Die güldene Sonne (EG 382, Melodie nach EG 444, Text: Gerhard Schöne)

1) Die güldene Sonne, bringt Leben und Wonne, vorbei ist die Nacht.
Ich kriech aus den Decken, gieß Wasser ins Becken, dann Frühstück gemacht.

2) Ich atme die Kühle. Wie wohl ich mich fühle! Der Duft von Kaffee.
Ich lasse mir schmecken die leckeren Wecken mit Apfelgelee.

3) Wie oft lag am Morgen ein Berg voller Sorgen wie Blei auf der Brust.
Nichts wollte gelingen. Mir fehlte zum Singen und Leben die Lust.

4) Hab tränenverschwommen kein Licht wahrgenommen, doch die Sonne stand da. Gott ließ aus den Pfützen die Strahlen aufblitzen und war mir ganz nah.

5) Ach wenn ich doch sähe das Licht in der Nähe jeden Augenblick.
So steh ich mitunter wie blind vor dem Wunder, dem täglichen Glück.

6) Die güldene Sonne bringt leben und Wonne. Ich bin übern Berg. Nun will ich beginnen mit hellwachen Sinnen mein heutiges Werk.

  • Worte aus Psalm 73

Gott ist dennoch Israels Trost
für alle, die reinen Herzens sind.

Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen;
mein Tritt wäre beinahe geglitten.
Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen,
da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging.
Sie höhnen und reden böse,
sie reden und lästern hoch her.
Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein;
was sie sagen, das soll gelten auf Erden.
Darum läuft ihnen der Pöbel zu
und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen.

Dennoch bleibe ich stets an dir;
denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit
meines Herzens Trost und mein Teil.

  • Worte aus dem Lukasevangelium 5,1-11

Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon:
Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!
Und Simon antwortete und sprach:
Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.
Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.
Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach:
Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.
Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten.
Und Jesus sprach zu Simon:
Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

  • Gedanken zum Text

Wie wir gerufen werden, so schallt es aus uns heraus.
In dieser Abwandlung des geflügelten Wortes fasse ich die Geschichte von Simon Petrus und dem wundersamen Fischzug. Es geht nicht um die Menge der Fische, sondern eben um Simon. Wie er zum Menschenfischer wird. Ein Wunder geht dem voraus, aber ebenso auch das Vertrauen auf Jesu Wort. So wird Simon gerufen. Mit einer Mixtur innerer und äußerer Stimmen. Mit der Menge der Fische ebenso wie mit dem sündigen und drängendem Wesen des Gerufenen. Menschenfischer sollst du sein, sagt Jesus zu ihm. Und so wird Simon einer der ersten und engsten Mitarbeiter im jungen Glauben. Bis heute getragen in der Tradition vom ersten Papst der Christenheit. So schallt es aus Simon Petrus. In großer Fülle, in einem Machterweis, der zugleich immer davon lebt, Vertrauen zu schenken und Gottes Schöpfung zu bestaunen.

Wie wir gerufen werden, so schallt es aus uns heraus.
Ich gehöre einer traditionell kirchlichen Familie an. Ich bin von der Frömmigkeit geprägt, die in der Großelterngeneration im Schützengraben gewachsen ist. Und vom Christsein in der DDR. Offiziell erlaubt, aber unerwünscht. Von der Tradition getragen und von dem inneren Erlebnis der Bewahrung beseelt, bin ich Christ geworden und werde ich Christ. Besonders sensibel für das, was – angeblich: anders ist, nicht dazu gehört, abweicht; und dennoch zu Gottes weiter Schöpfung gehört. Unerwünscht zu sein, mit dem Glauben anzuecken, das könnte auch den Wunsch nach Rückzug und Abgrenzung wecken. Um in Deckung zu gehen. Wie im Schützengraben. Aber im Gegenteil: Gott schenkt mir Nähe, wenn ich mich öffne. Schenkt und rettet Leben. Jedes Leben. Unterschiedslos. Ob mit oder ohne Taufschein. Oder was mich sonst von meinen Mitmenschen trennt. So schallt es auch aus mir. In Demut und Zuversicht die Vielfalt und Schönheit der Schöpfung zu bestaunen und Gottes weites Herz zu verkünden.

Wie wir gerufen werden, so schallt es aus uns heraus.
Das war eine erstaunliche Geschichte. In der Kneipe eines thüringischen Weinstädtchens bei Roulade und Schnitzel. Dorthin hatte uns unser Gastgeber geführt. Anknüpfend an eine lose Bekanntschaft, die vor Jahren bestand, sind wir herzlich und dankbar in das schöne Haus der Familie aufgenommen worden. Die Geschichte passte dazu. Eigentlich hatten Micha und Brunhilde kein Geld für das Haus. Ein geräumiges und von Tradition erfülltes Gemäuer direkt am Weinberg. Den beiden war sofort klar, dass dieses Haus zu ihnen gehört und sie zum Haus. Die Idee, wie das zu bezahlen sei, hatten sie auch schon. Nur die Bank hatte andere Vorstellungen. Der Gedanke, in der Kirchgemeinde beim Sonntagsgottesdienst nach einem Bürgen zu fragen, erschien ebenso abenteuerlich wie verheißungsvoll. Aber die Frage wurde gehört und wundersam beantwortet. Und so schallte es auch aus ihnen heraus. In reicher Fülle und Großzügigkeit. Das Haus und ihre Bewohner haben in diesem Sinne auch uns aufgenommen.

Wie wir gerufen werden, so schallt es aus uns heraus.
Die Wunder Gottes, reich und weit, ein Fischzug, eine Rettung aus dem Schützengraben, eine unerwartete Bürgschaft, rufen uns. Sie sind Maßstab für unser Leben und für den Umgang mit den Geschöpfen um uns. In Jesus Christus.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Du, Gott,
Herrscher des Himmel und der Erden,
mach uns hellhörig für dein Wort und deinen Ruf;
mach uns empfänglich für die Schönheit und Vielfalt deiner Wunder.
Mach uns stolz, um offenen Herzens zu zeigen, wie schön wir sind in deinen Augen.
Mach uns freigebig, um deine Freigebigkeit zu preisen.

Wir rufen zu dir im Licht deiner Berufung:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

4. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Tolle lege – nimm und lies!

Manchmal verändert sich das ganze Leben
beim Lesen, Hören und Bedenken eines Textes aus der Bibel.

So ging es Augustin.

Manchmal unterbricht so ein Text nur für einen kurzen Moment unseren Alltag.
Nehmen Sie sich Zeit.

Und seien Sie gespannt, was passiert. Jetzt und hier.

  • Ein Lied: Komm in unser stolze Welt (EG 428)

Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben. Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben. Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.

Komm in unser reiches Land, der du Arme liebst und Schwache, dass von Geiz und Unverstand unser Menschenherz erwache. Schaff aus unserm Überfluss Rettung dem, der hungern muss.

Komm in unsre laute Stadt, Herr, mit deines Schweigens Mitte, dass, wer keinen Mut mehr hat, sich von dir die Kraft erbitte für den Weg durch Lärm und Streit hin zu deiner Ewigkeit.

Komm in unser festes Haus, der du nackt und ungeborgen. Mach ein leichtes Zelt daraus, das uns deckt kaum bis zum Morgen; denn wer sicher wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.

Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle; dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle, die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.

  • Worte aus Psalm 42

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,

so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

Meine Seele dürstet nach Gott,

nach dem lebendigen Gott.

Wann werde ich dahin kommen,

dass ich Gottes Angesicht schaue?

Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,

weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

Daran will ich denken

und ausschütten mein Herz bei mir selbst:

            wie ich einherzog in großer Schar,

mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes

mit Frohlocken und Danken

in der Schar derer, die da feiern.

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Am Tage sendet der Herr seine Güte, und des Nachts singe ich ihm

und bete zu dem Gott meines Lebens.

Ich sage zu Gott, meinem Fels:

warum hast du mich vergessen?

Warum muss ich so traurig gehen,

wenn mein Feind mich dränget?

Es ist wie Mord in meinen Gebeinen, wenn mich meine Feinde schmähen

und täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

  • Worte aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kap. 17

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.

Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

  • Gedanken zum Text

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.

Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Oh Paulus!

Fast 2000 Jahre alt sind deine Worte.

Sie stehen in einem Brief, den Du an die Christen in der Stadt Rom geschrieben hast, doch –

Papier ist geduldig.

Ich wünschte:

Sie stünden nicht nur da sondern

wären lebendig

Ich wünschte, sie wären lebendig und laut

Ich wünschte,

jemand hätte sie herausgebrüllt

so dass

Derek Chauvin sie gehört hätte,

oder dass

jemand sie gehört hätte und ihm in den Arm gefallen wäre

bevor er sich kniete

auf den Hals seines Menschenbruders

George Floyd.

Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Fast 2000 Jahre alt sind deine Worte.

Sie stehen in einem Brief, den Du an die Christen in der Stadt Rom geschrieben hast, doch –

Papier ist geduldig.

Ich wünschte:

Sie stünden nicht nur da sondern

wären lebendig.

Ich wünschte, sie wären lebendig und lebten

in uns und unter uns

unter deinen Menschenkindern

die wir uns so oft

als Konkurrenten

wahrnehmen,

die wir uns so oft bestimmen durch das,

was uns von den anderen unterscheidet:

das Einkommen oder der Glaube

der Gartenzaun oder die Wohngegend

die Herkunft oder die Hautfarbe

nicht aber

als Gottes geliebte Menschenkinder

alle geboren

alle mit einem zerbrechlichen Leben unterwegs auf dieser Erde.

Oh Paulus,

ich wünschte, deine Worte wären lebendig und lebten

in uns und unter uns.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Oh Paulus,

ich wünschte Deine Worte wären lebendig und würden

uns die Ruhe und die Kraft geben

auf Gottes Gerechtigkeit zu vertrauen.

Damit wir hier auf Erden aufhören können mit dem Urteilen über andere.

Damit wir wütend für Gerechtigkeit streiten können

ohne in zerstörerischen Zorn zu verfallen

ohne Rache

ohne dass Scheiben eingeschlagen und neue Gräben aufgerissen werden.

Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«.

Oh Paulus,

ich wünschte, ich wüsste immer, wer Freund ist und wer Feind.

Ich wünschte mir Deine Klarheit darüber, was Böse ist und was Gut.

Oft schwindelt mich.

Oft verliere ich die Orientierung,

zu schnell rast alles dahin.

Und zu oft fehlt mir die Kraft

die Feinde zu lieben,

ihnen essen zu geben, wenn sie hungern, statt mich heimlich zu freuen.

Oft ist meine Liebe nicht groß genug,

oft reicht meine Liebe nicht

oft ist sie schon zu klein für die Menschen, die ich doch lieben will

oft fehlt schon die liebende Geduld mit meinen Kindern

wie dann, so frage ich dich,

wie dann die Feinde lieben?

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Fast 2000 Jahre alt sind deine Worte.

Sie stehen in einem Brief, den Du an die Christen in der Stadt Rom geschrieben hast, doch –

Papier ist geduldig.

Und doch spüre ich in ihnen eine lebendige Kraft.

Ich bete darum, dass sie lebendig wird in uns!

Die Kraft, die von dem kommt,

der längst das Böse mit Gutem überwunden hat.

Der den Tod überwunden hat

nicht mit Waffen oder Armeen

auch nicht mit Geld

nicht mit Berechnung und Kalkül

sondern

allein mit brennender Liebe

zu den Menschen und zu Gott.

Auf dass der Stein weggewälzt wird

hinter dem wir unsere Hoffnung begraben haben

dass sich hier noch einmal etwas ändern wird.

Dass Frieden möglich ist und Versöhnung

zwischen uns Menschen

auch da, wo schon lange kein Wort mehr gesprochen wird.

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.

Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr, du rufst und zum Frieden, aber der Friede ist fern.

Frieden ist fern in Syrien und im Jemen.

Frieden ist fern im Miteinander deiner Menschenkinder.

Frieden ist Fern zwischen uns Menschen und Deiner Schöpfung.
Herr, wir bitten dich: Komm mit deinem Geist des Friedens.

Mach uns zu Friedensstiftern.

Gib uns Mut und Zuversicht, für deinen Frieden zu streiten.

Gib uns Ruhe und Kraft, am Unfrieden nicht zu verzweifeln.

Erbarme dich, Herr!

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich! Amen.

(Pfarrer Georg Bucher)

3. Sonntag nach Trinitatis 2020

Familienkirche: „Der verlorene Sohn“

  • Eröffnung

Offene Arme laden doch gerade dazu ein, los zu laufen und sich in die offenen Arme zu werfen. Und dann wird richtig fest umarmt.

Umarmungen gehören zu den schönen Dingen des Lebens, sie sagen mehr als 1000 Worte.

Am liebsten möchte ich meine Arme ausbreiten und euch alle umarmen und drücken. Aber wir dürfen nicht. Und wenn man etwas nicht darf, dann merkt man erst, wie es einem fehlt.

Deshalb schließt alle eure Augen und umarmt euch einen Augenblick selber. Genießt diesen Moment und denkt dabei, dass wir uns alle in die Arme schließen.

Wir feiern mit Dir Gott als unseren Vater und unsere Mutter, mit Deinem Sohn und dem Heiligem Geist.

Gott Deine offenen Arme empfangen uns. Sie schenken Geborgenheit und Liebe Amen.

  • Ein Lied: „Wie ein Fest nach langer Trauer“ (Durch Hohes und Tiefes 300)

Wie ein Fest nach langer Trauer,
Wie ein Feuer in der Nacht.
Ein off’nes Tor in einer Mauer,
Für die Sonne auf gemacht.
Wie ein Brief nach langem Schweigen,
Wie ein unverhoffter Gruß.
Wie ein Blatt an toten Zweigen
Ein-ich-mag-dich-trotzdem-Kuss.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih’n.

Wie ein Regen in der Wüste,
Frischer Tau auf dürrem Land.
Heimatklänge für vermisste,
Alte Feinde Hand in Hand.
Wie ein Schlüssel im Gefängnis,
Wie in Seenot – Land in Sicht.
Wie ein Weg aus der Bedrängnis
Wie ein strahlendes Gesicht.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih’n.

Wie ein Wort von toten Worten Lippen,
Wie ein Blick der Hoffung weckt.
Wie ein Licht auf steilen Klippen,
Wie ein Erdteil neu entdeckt.
Wie der Frühling, der Morgen,
Wie ein Lied wie ein Gedicht.
Wie das Leben, wie die Liebe,
Wie Gott selbst das wahre Licht

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih’n.

  • Worte aus Psalm 103 (in leichter Sprache von der Landeskirche Baden-Württemberg)

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!

Erinnere dich immer wieder daran! So viel Gutes hat Gott für dich getan!

Du lebst anders als Gott es will. Du machst Fehler. Aber Gott vergibt dir!

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!

Du wirst manchmal krank. Aber Gott heilt dich!

Du denkst: Dein Leben ist sinnlos. Doch Gott rettet dich!

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!
Der Herr vergibt dir. Er kümmert sich um dich.

Er schmückt dich mit seiner Liebe. Wie eine Krone den König schmückt.

Da freust du dich und lachst. Du hast Kraft wie ein junger Adler.

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!

Gott kümmert sich um Menschen, die leiden. Er hilft ihnen.

Gott hat viel Geduld. Er liebt sie sehr.

Wir leben manchmal falsch. Aber Gott vergibt uns!

Nur für kurze Zeit ist er wütend. Aber seine Liebe ist unendlich.

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!

Der Himmel über der Erde ist groß. Genauso groß ist Gottes Liebe.

Er liebt alle Menschen. Zwischen Morgen und Abend ist eine lange Zeit.

Am Morgen schon machen wir Fehler.

Doch Gott hat sie am Abend schon lange vergeben.

Eltern kümmern sich um ihre Kinder. Genauso kümmert sich Gott um alle Menschen.

Lobe Gott, meine Seele! Alles in mir soll Gott loben!

  • Geschichte: „Vom Verlorenen Sohn“ (Lukas 15,11-32 in der Übersetzung der Basisbibel)

Dann sagte Jesus:

»Ein Mann hatte zwei Söhne.

Der jüngere sagte zum Vater: ›Vater, gib mir den Teil der Erbschaft, der mir zusteht.‹

Da teilte der Vater seinen Besitz unter den Söhnen auf.

Ein paar Tage später machte der jüngere Sohn seinen Anteil zu Geld und wanderte in ein fernes Land aus. Dort verschleuderte er sein ganzes Vermögen durch ein verschwenderisches Leben. Als er alles ausgegeben hatte, brach in dem Land eine große Hungersnot aus.
Auch er begann zu hungern. Da bat er einen der Bürger des Landes um Hilfe. Der schickte ihn aufs Feld zumSchweinehüten. Er wollte seinen Hunger mit denFutterschotenstillen, die die Schweine fraßen. Aber er bekam nichts davon.

Da ging der Sohn in sich und dachte: ›Wie viele Arbeiter hat mein Vater und sie alle haben reichlich Brot zu essen. Aber ich komme hier vor Hunger um. Ich will zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen:

Vater, ich habe Schuld auf mich geladen – vor Gott und vor dir. Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden. Nimm mich als Arbeiter in deinen Dienst.‹

So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater.

Sein Vater sah ihn schon von Weitem kommen und hatte Mitleid mit ihm. Er lief seinem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Aber sein Sohn sagte zu ihm: ›Vater, ich habe Schuld auf mich geladen – vor Gott und vor dir. Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden.‹

Doch der Vater befahl seinen Dienern: ›Holt schnell das schönste Gewand aus dem Haus und zieht es ihm an. Steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt ihm Sandalen für die Füße. Dann holt das gemästete Kalb her und schlachtet es:

Wir wollen essen und feiern! Denn mein Sohn hier war tot und ist wieder lebendig. Er war verloren und ist wiedergefunden.‹

Und sie begannen zu feiern.

Der ältere Sohn war noch auf dem Feld. Als er zurückkam und sich dem näherte, hörte er Musik und Tanz. Er rief einen der zu sich und fragte:

›Was ist denn da los?‹

Der antwortete ihm: ›Dein Bruder ist zurückgekommen! Und dein Vater hat das gemästete Kalb schlachten lassen, weil er ihn gesund wiederhat.‹

Da wurde der ältere Sohn zornig. Er wollte nicht ins Haus gehen.

Doch sein Vater kam zu ihm heraus und redete ihm gut zu.

Aber er sagte zu seinem Vater: ›Sieh doch: So viele Jahre arbeite ich jetzt schon für dich! Nie war ich dir ungehorsam. Aber mir hast du noch nicht einmal einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden feiern konnte. Aber der da, dein Sohn, hat dein Vermögen mit Huren vergeudet. Jetzt kommt er nach Hause, und du lässt gleich das gemästete Kalb für ihn schlachten.‹

Da sagte der Vater zu ihm: ›Mein lieber Junge, du bist immer bei mir. Und alles, was mir gehört, gehört auch dir.
Aber jetzt mussten wir doch feiern und uns freuen: Denn dein Bruder hier war tot und ist wieder lebendig. Er war verloren und ist wiedergefunden.‹

  • Worte zur Geschichte

Ich denke an die überschwängliche Freude des Vaters bei der Rückkehr des verlorenen Sohnes. Ich denke an die unendliche Erleichterung des wiederkehrenden Sohnes und auch an den bitteren Neid des anderen, des treueren Sohnes.

Meine Kinder sind zwischenzeitlich groß. 20, 25 und 27 Jahre alt.

Zwei sind hinausgezogen in die Welt, um ihren Weg zu gehen.

Mal besser und mal schlechter ist es bisher gelungen.

Wie reagiere ich aber, wenn ein Kind heimkommt und das Großwerden hat noch nicht so funktioniert. Fange ich gleich mit Vorwürfen und Besserwissen an oder kann ich einfach wie der Vater in der Geschichte meine Arme ausbreiten, all meine Enttäuschungen zu Seite schieben, mein Kind in den Armen halten und ein Freudenfest feiern.

Was bei Menschen oft nicht mehr geht, bei Gott ist es möglich. –

Das ist die Botschaft des 3. Sonntags nach Trinitatis.

Gott will nicht, dass Menschen verloren gehen.

Er lässt sie ihre Wege suchen und ihre Fehler machen.

Doch wie der gute Vater lässt Gott sie nicht fallen:

Wartet, geht entgegen, versöhnt sich und feiert ein Fest für den wiedergefundenen Sohn.

Also, lassen wir unsere Kinder groß werden, lassen wir sie etwas ausprobieren, auch wenn es vielleicht schief geht. Sie sollen ihre Erfahrungen sammeln und wissen, dass wir für sie da sind. Ganz egal was passiert. Wir warten auf sie, wir sind bereit zur Versöhnung, wir breiten die Arme aus und freuen uns, wenn sie wieder zu uns kommen.

Und dann haben wir ja noch diesen Neid des älteren Sohns, der die ganze Zeit treu bei seinem Vater geblieben ist und alles für ihn gemacht hat.

Wieder fallen mir meine drei Kinder ein. Als Eltern hat man es auch nicht leicht und macht so manches falsch. Wir sollten lernen unseren Kindern einfach öfters zu sagen, wie lieb wir sie haben, wie dankbar wir sind, dass sie für uns da sind.

Wir sollten lernen, aufmerksam zu sein auch für Kleinigkeiten, welche von unseren Kindern für uns gemacht werden. Unsere Aufgabe ist es, dass sich unsere Kinder gleichberechtigt und gleich geliebt fühlen. Hoffen wir, dass wir es schaffen, dass sie keinen Neid und Hass gegeneinander verspüren, sondern sich am Glück des anderen mitfreuen können.

Denn Gott wünscht sich, dass alle, die nicht verloren waren, sich freimachen von Neid und Hass, er wünscht sich Versöhnung und dass sich alle mitfreuen.

  • Füreinander und miteinander beten

– Wir beten für alle Menschen, die von zu Hause weggelaufen sind und sich nicht mehr zurücktrauen, schenke ihnen den Mut zur Umkehr.

– Wir beten für alle Menschen, die sich gestritten haben und sich nicht versöhnen können, hilf ihnen, dass sie miteinander wieder sprechen können.

– Wir beten für alle Menschen, die von Neid und Hass gefangen sind. Hilf ihnen, dass sie sich mit anderen freuen können.

– Wir beten für alle Menschen, die sich nach einer Umarmung sehnen. Schenke uns die Hoffnung, dass dies bald wieder möglich ist.

– Gott, du liebst mich auch wenn ich falsche Entscheidungen treffe und von dir weggehe. Danke, dass ich immer wieder zu dir zurückkommen darf.

  • Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Gemeindepädagogin Ulrike Simm & Pfarrer Olaf Wisch)

2. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Das Wort Gottes, seine Botschaft zu lesen, zu hören und zu Herzen zu nehmen. Diese Einladung gilt ungeeinschränkt. Jederzeit und an jedem Ort. Gott ist gegenwärtig. Wo immer wir auch sind.

  • Ein Lied: „Kommt her, ihr seid geladen“ (EG 213)

1. Kommt her, ihr seid geladen,
der Heiland rufet euch;
der süße Herr der Gnaden,
an Huld und Liebe reich,
der Erd und Himmel lenkt,
will Gastmahl mit euch halten
und wunderbar gestalten,
was er in Liebe schenkt.

2. Kommt her, verzagte Sünder,
und werft die Ängste weg,
kommt her, versöhnte Kinder,
hier ist der Liebesweg.
Empfangt die Himmelslust,
die heilge Gottesspeise,
die auf verborgne Weise
erquicket jede Brust.

3. Kommt her, betrübte Seelen,
die Not und Jammer drückt,
mit Gott euch zu vermählen,
der wunderbar beglückt.
Kommt, legt auf ewig ab
der Sünde bange Säumnis;
empfanget das Geheimnis,
das Gott vom Himmel gab.

4. O Wonne kranker Herzen,
die mir von oben kam!
Verwunden sind die Schmerzen,
getröstet ist der Gram.
Was von dem Himmel fließt,
hat lieblich sich ergossen;
mein Herz ist gar durchflossen
vom süßen Liebesgeist.

5. Drum jauchze, meine Seele,
hell aus der Sündennacht!
Verkünde und erzähle
die tiefe Wundermacht,
die unermesslich süß,
ein Born der Liebe, quillet
und jeden Jammer stillet,
der fast verzweifeln ließ.

6. Drum jauchze, meine Seele,
drum jauchze deinem Herrn!
Verkünde und erzähle
die Gnade nah und fern,
den Wunderborn im Blut,
die sel’ge Himmelsspeise,
die auf verborgne Weise
dir gibt das höchste Gut

  • Worte aus Psalm 36,6-10

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
und dein Recht wie die große Tiefe.
Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

  • Worte aus dem Matthäusevangelium 11,25-30

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach:
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,
dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast
und hast es Unmündigen offenbart.
Ja, Vater, denn so hat es dir wohlgefallen.
Alles ist mir übergeben von meinem Vater,
und niemand kennt den Sohn als nur der Vater;
und niemand kennt den Vater als nur der Sohn
und wem es der Sohn offenbaren will.
Kommt her zu mir, alle,
die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir;
denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig;
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Denn mein Joch ist sanft,
und meine Last ist leicht.

  • Gedanken zum Text

Marion ist nicht glücklich.

Marion hat alles, was sie braucht. Das sagt auch ihre beste Freundin. Wenn sie gemeinsam Kaffee trinken im Garten hinterm Haus. Wenn Marion darauf antwortet, indem sie fast unmerklich mit dem Kopf schüttelt, wendet sich ihre Freundin ab. Während ihrer seltenen Besuche möchte sie keine unglückliche Marion. Oder sie fängt an zu diskutieren. Euer schöner Garten, ruft sie dann aus. Und deine Familie; und einen guten Job hast du auch. Dir geht es doch gut! Guck mal mich; alleine in der Neubauwohnung. Marion überlegt einen Moment, ob sie tauschen wollte. Aber diesen Gedanken weist sie sofort von sich. Das gehört sich nicht. Das darf man nicht, sagt Marions Mutter. Sei geduldig, und nimm das, was Gott dir zugedacht hat für dein Leben. Und alle Menschen um sie herum scheinen das zu bestätigen. Ihr Chef weiß das, wenn er die längst fällige Beförderung mit Marion diskutiert. Ich brauche dich aber in der Abrechnung. Keiner kennt das Programm so gut wie du. Was kann sie da schon noch sagen. Ihre Kinder wissen das, wenn sie sich zwei- oder dreimal im Jahr melden. Sie wohnen weit weg. Singapur und Köln; die Entfernung zwischen Singapur und Köln scheint unbedeutender zu sein als die zwischen Köln und Delitzsch. Wir haben jetzt unser eigenes Leben, sagen sie. Trotzdem vermisst Marion sie. Sei geduldig und trage dein Schicksal, trage das, was Gott dir zugedacht hat, raunt Marions Mutter. So geduldig wie ihr Mann Lutz vielleicht, denkt Marion. Der hat sich längst abgefunden mit der pragmatischen Beziehung zwischen ihnen. Sie kümmern sich umeinander. Lutz ist verlässlich, ein feiner Kerl; das sagen alle aus der Bekanntschaft. Eine gute Partie. Was sollte Marion da schon vermissen?

Marion hat alles, was sie sich wünschen könnte. Was betrübst du dich meine Seele und bist so unruhig in mir? Sie liegt auf dem Rücken, den Kopf an die Wand gelehnt. Ihr Kehlkopf ist verengt, die Luft brennt, der Atem fließt flach. Der Druck strömt aus der verbrauchten Luft des Schlafzimmers in ihre Kehle, in ihre Lungen, legt sich ihr auf die Seele. Ein großer Druck, dem sie zu widerstehen sucht. Sie legt sich auf die Seite. In ihrem Rücken schläft Lutz mit regelmäßigen Atemzügen auf der anderen Seite des Bettes. Marions Blick fällt auf den gerahmten Druck ihres Konfirmationsspruches, der mahnend auf dem Nachttisch wacht: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Ein Geschenk ihrer Mutter zur Hochzeit. Natürlich. Schwer liegt das Joch auf den Schultern, Marion kann sich nicht losreißen von ihrem Leben. Sie liest: sanftmütig und von Herzen demütig; sie liest: Ruhe finden für eure Seelen. Überrascht nimmt sie wahr, dass ihr dabei leichter wird. Ausgerechnet der Spruch ihrer Mutter, denkt sie, gelöst und verärgert zugleich. Wer weiß denn wirklich, was Gott uns aufträgt, und welche Last damit verbunden ist. Wer kann schon wissen, was das Leben für uns bereit hält? Sanftmut und Demut; Seelenruhe und das Joch zugleich? Die Fragen bleiben, aber ihr Atem geht jetzt so gleichmäßig wie der ihres Mannes. Sie dreht sich weg von ihrem Konfirmationsspruch. Sie rutscht etwas näher an Lutz. Sie flüstert. Lutz? Er reibt sich die Augen. Ja? Lutz, ist schön, dass du da bist, sagt sie.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Hast du uns das zugedacht,
Herr, was uns das Leben schwer macht?

Ist es dein Joch

oder das Joch unserer unbezähmbaren menschlichen Schwächen?

Lehre uns den Unterschied
durch deinen Sohn Jesus Christus.

Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

1. Sonntag nach Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Das Wort Gottes, seine Botschaft zu lesen, zu hören und zu Herzen zu nehmen. Die Botschaft von der Auferstehung unseres Herrn Jesus. Der Kraft des Heiligen Geistes Raum zu geben. Dafür ist jederzeit und an jedem Ort Gelegenheit. Gott ist gegenwärtig. Wo immer wir auch sind.

Lied: „Ich steh vor dir mit leeren Händen“ (EG 382)

Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;
fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;
mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott. der Zukunft mir verheißt?
Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,
mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Hast du mit Namen mich in deine Hand,
in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?
Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?
Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit
und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt,
und laß mich unter deinen Söhnen leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

  • Worte aus Psalm 34

Ich will den HERRN loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Meine Seele soll sich rühmen des HERRN,
dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den HERRN
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!
Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
Als einer im Elend rief, hörte der HERR
und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des HERRN lagert sich um die her,
die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
Wohl dem, der auf ihn trauet!

  • Worte aus der Apostelgeschichte 4,32-37

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

  • Gedanken zum Text

Ein Herz und eine Seele, das ist eine stehende Wendung. Ein Herz und eine Seele sind zwei Menschen, die alles miteinander teilen. Ihre Absichten, Wertvorstellungen und Interessen. Die biblische Bedeutung geht aber noch darüber hinaus. Herz und Seele in diesem Sinne umfassen nicht nur das innere Leben, sondern auch die materiellen Voraussetzungen dafür. Herz und Seele bezeichnen die geistige und körperliche Gesamtheit des von Gott in Liebe gemachten Menschen.

Die Gütergemeinschaft dieser Menge der Gläubigen bezieht sich somit nicht nur auf den gemeinsam geteilten Glauben. Auch ihre Besitztümer bringen sie in die neue Gemeinschaft ein. Äußeres Zeichen dafür ist der Verkauf von Land und Häusern. Die Apostel nehmen diese Besitztümer entgegen und verteilen sie unter den Mitgliedern der Gemeinde. Niemand soll Mangel leiden. Weder nach geistigen noch nach körperlichen Bedürfnissen.

Ein Beispiel dafür ist Josef, genannt Barnabas, ein Levit aus Zypern. Ein Tempeldiener der Synagoge, der am Rand des Römischen Reiches lebt. Soweit reicht schon der neue Glaube. Er breitet sich aus. Und Barnabas fühlt sich dieser neuen Gemeinschaft mit Haut und Haaren, mit Herz und Seele zugehörig. Er gibt sein altes Leben auf. Er macht sich auf in das Zentrum dieses Glaubens, nach Jerusalem. Er verkauft alles, was er hat, und legt es den Aposteln zu Füßen.

Das passt gut in die Apostelgeschichte. Sie setzt den Gedanken der Solidarität mit den Armen fort, der schon im Lukasevangelium eine große Rolle spielt. Niemand soll Mangel leiden. Die Armen leiden an Mangel, sowohl an Ansehen als auch an materiellen Gütern. In dieser Gemeinschaft sind sie aber gut aufgehoben. Barnabas ist reich an Ansehen und Besitztum. Für Christus und für die Armen gibt er beides auf, um Teil dieser Himmelsgemeinschaft zu sein.

Der Gedanke fällt mir nicht leicht. Wie weit bleibe ich persönlich hinter diesem Ideal der Gütergemeinschaft zurück? Was ist heute anders als vor 2000 Jahren? Warum soll es selbstverständlich sein, dass Reich und Arm nur gemeinsam beten. Warum sollten sie – nach diesem Beispiel – nicht auch gemeinsam von ihrem Hab und Gut leben?

Die Erfahrung sagt mir, dass es in dieser Welt ein Ideal ist, alles miteinander zu teilen. Die Menschheitsgeschichte hat gezeigt, dass so eine Art von materieller Gleichheit nicht funktioniert. Ich bin als Mensch nicht dafür gemacht. Im Schweiße meines Angesichts soll ich mein Brot essen, wie es in der Schöpfungserzählung heißt. Nachdem Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden. Wenn ich mich in der Welt umschaue, dann muss ich dankbar sein, dass mir überhaupt – zumindest hier und heute in diesem Land – ausreichend Brot zur Verfügung steht.
Der Anspruch auf das Paradies, auf die Gütergemeinschaft in der Apostelgeschichte bleiben aber. Ein Herz und eine Seele zu sein, eng verbunden mit einem oder vielen Menschen und mit Gott. Tief in mir weiß ich und glaube ich, dass das mehr wert ist als aller Besitz, als alles Wissen und alles Ansehen. Wie schwer ist es dennoch, alles das loszulassen; wenigstens innerlich. Da bin ich auf dem Weg. Ich verstehe es wohl erst ganz, wenn ich teilhabe an dieser himmlischen Gemeinschaft, wenn ich wirklich ein Herz und eine Seele mit Gott bin. So, wie es die Auferstehung des Herrn Jesus verheißt.

Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr des Himmels und der Erden,
du hast alles gemacht, du erhältst alles,
deine Botschaft kennt keine Grenze.
Sie erreicht alle Menschen, unabhängig von Herkunft und Stand.
Sie erreicht jeden Menschen, unabhängig von Äußerlichkeiten und Kümmernis.

So bitten wir dich für alle Menschen, die unter solchen Grenzen leiden,
die ausgeschlossen werden oder vorverurteilt.

Bewege unsere Herzen, dass wir unsere Stimmen erheben gegen Ungerechtigkeit, Selbstgerechtigkeit und Lieblosigkeit.

Für das, was uns weit weg scheint und in der Welt geschieht;
ebenso wie für das, was in der Nachbarschaft vor sich geht.
Gott, du hast den Menschen gut geschaffen.
Bestärke uns, ebenso das Gute im Menschen zu sehen.
Und auch uns selbst nicht zu verstecken,

sondern uns zu zeigen und zeigen zu können,
weil wir uns in deiner Liebe geborgen wissen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

Trinitatis 2020

  • Eröffnung

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Jetzt ist sie die da, die große Kraft Gottes, sein Heiliger Geist, unsere Gemeinschaft in Jesu Christi und erfüllt uns mit Gebet, Lied und Wort. Wo immer wir auch sind.

  • Lied: „Gelobet sei der Herr“ (EG 139)

1) Gelobet sei der Herr, / mein Gott, mein Licht, mein Leben,
mein Schöpfer, der / mir hat mein Leib und Seel gegeben,
mein Vater, der mich schützt / von Mutterleibe an,
der alle Augenblick / viel Guts an mir getan.

2) Gelobet sei der Herr, / mein Gott, mein Heil, mein Leben,
des Vaters liebster Sohn, / der sich für mich gegeben,
der mich erlöset hat / mit seinem teuren Blut,
der mir im Glauben schenkt / das allerhöchste Gut.

3) Gelobet sei der Herr, / mein Gott, mein Trost, mein Leben,
des Vaters werter Geist, / den mir der Sohn gegeben,
der mir mein Herz erquickt, / der mir gibt neue Kraft,
der mir in aller Not Rat, / Trost und Hilfe schafft.

4) Gelobet sei der Herr, / mein Gott, der ewig lebet,
den alles lobet, was / in allen Lüften schwebet;
gelobet sei der Herr, / des Name heilig heißt,
Gott Vater, Gott der Sohn / und Gott der werte Geist.

5) Dem wir das Heilig jetzt / mit Freuden lassen klingen
und mit der Engelschar / das Heilig, Heilig singen,
den herzlich lobt und preist / die ganze Christenheit:
Gelobet sei mein Gott / in alle Ewigkeit!

  • Worte aus Psalm 113

Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN,
lobet den Namen des HERRN!

Gelobt sei der Name des HERRN
von nun an bis in Ewigkeit!

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
sei gelobet der Name des HERRN!

Der HERR ist hoch über alle Völker;
seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

Wer ist wie der HERR, unser Gott,
im Himmel und auf Erden?

Der oben thront in der Höhe,
der niederschaut in die Tiefe,

der den Geringen aufrichtet aus dem Staube
und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

dass er ihn setze neben die Fürsten,
neben die Fürsten seines Volkes;

der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt,
dass sie eine fröhliche Kindermutter wird.
Halleluja!

  • Worte aus dem 4. Buch Mose, Kapitel 6

Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

  • Gedanken zum Text

„Erstlich wird einträchtiglich gelehrt und gehalten, daß ein einig gottlich Wesen sei, welchs genennt wird und wahrhaftiglich ist Gott und seind doch drei Personenin demselben einigen gottlichen Wesen, gleich gewaltig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, alle drei ein gottlich Wesen, ewig, ohn Stuck, ohn End, unermessener Macht, Weisheit und Gute, ein Schöpfer und Erhalter aller sichtbarn und unsichtbarn Ding.“

Liebe Leserin, lieber Leser

das ist der Beginn der Augsburgischen Konfession. Im Gesangbuch ist sie unter der Nr. 808 zu finden. Sie gehört zur Tradition und zum Bekenntnis unserer evangelisch-lutherischen Kirche. Dieses Bekenntnis leitet sich ab aus den Bekenntnissen und Überlegungen der Kirchenväter, die nach besten Wissen und Gewissen die Heilige Schrift ausgelegt haben. Ihnen war wichtig zu betonen, dass Jesus Christus, grob gesprochen, nicht nur ein Geist ist; aber auch nicht nur ein Leib. Und dass die Dreiheit Gottes nicht nur ein Anschein ist, eine Möglichkeit, wie Gott uns erscheint; sondern in jeder Person – Vater, Sohn und Heiliger Geist – ganz und gar selbstständig Gott ist. Es gibt also keine Gottheit, die wir hinter Jesus Christus finden könnten, oder hinter dem Heiligen Geist oder hinter dem Vater. Sie sind, jeweils für sich, ganz und gar Gott.  

In diesem Bekenntnis zum dreieinigen Gott liegt der Anlass für das heutige Thema des Gottesdienstes. Trinitatis, Tag der Heiligen Dreifaltigkeit.

Der tiefere Grund für diese Dreiheit liegt aber nicht nur in der Tradition. Sie liegt ebenso im inneren Wesen des Menschen begründet und schließlich im inneren Wesen Gottes selbst. Zunächst gibt es ein menschliches „Bedürfnis“ in Dreierkonstellationen zu denken und zu handeln. Belege dafür finden sich nicht nur in anderen Religionen. Ein Beispiel sei nur genannt: Im Hinduismus wird die Dreigestalt des Schöpfers, des Erhalters und des Zerstörers überliefert. Menschlich gesprochen, entspricht das der nüchternen Erkenntnis: Was er vorne aufgebaut hat, reißt er mit dem Hintern wieder ein. Menschliche Verhaltensweisen finden sich darin wieder.  Ebenso findet sich in der Philosophie oft ein Dreischritt. Bekanntes Beispiel ist die dialektische Erkenntnis von der These über die Antithese zur Synthese. Auch hier spielt das Erschaffen, Zerstören und Erhalten eine große Rolle. Und in der Psychologie denke ich zum Beispiel an die Dreiheit in der Elternschaft. Vater, Mutter und Kind. Bzw. Vater und Mutter und was zwischen Vater und Mutter ist. Für das Kind sind alle drei Aspekte wichtig. Das Mütterliche, wie es sich in der Geborgenheit zeigt. Das Väterliche, das dem Kind Selbständigkeit vermittelt. Und die Beziehung zwischen Mütterlichem und Väterlichem, die dem Kind ein Beispiel gibt für seine eigene Partnerschaft und Liebe.

Aber ich komme zurück zur kirchlichen Tradition. Augustinus, einer der großen Kirchenväter aus dem 4. und 5. Jahrhundert, setzt seine Überlegungen ebenfalls beim Menschen an. Wie liebt und denkt der Mensch, fragt er sich. Und schließt von daher auf das göttliche Wesen, dass wir als sein Ebenbild in uns tragen. Augustinus sagt: „Siehe, wenn ich, der ich diese Fragen stelle, etwas liebe, dann sind es drei: Ich, das, was ich liebe, und die Liebe selbst. Der Liebende, das Geliebte und die Liebe.“   Von dort aus entwickelt er seine Gedanken über das Wesen Gottes selbst. Auch Gott braucht nach dem biblischen Zeugnis ein Gegenüber, um seiner Liebe gerecht zu werden. Im ersten Johannesbrief heißt es: „Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Gott ist die Liebe.“  Gott ist in Bewegung. Gott geht in Beziehung. Erst so ist er ganz Gott. Und für mich ist das ein Fest. Denn aus dieser inneren Bewegung Gottes bin ich in diese Welt hineingeliebt. Gott bleibt nicht für sich. Er ist für mich.

Gottes Segen verliert sich nicht in seiner Macht. Er wird ausgegossen über seine Geschöpfe. Der Segen, der im 4. Buch Mose überliefert ist und den Gottesdienst beschließt, macht das deutlich: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über dir und gebe dir Frieden.

So gelangt übrigens dieser Segen als biblisches Wort in die Predigtordnung für diesen Sonntag. Äußerlich, weil es ebenfalls eine dreifaltige Formulierung ist. In einem tieferen Sinne, weil Gott mich in seiner Hand hält, mich anschaut und mit mir spricht. Der Vater der Schöpfung, der Sohn der erkennenden Liebe, der Heilige Geist des Verständnisses und der Vergebung. So entspricht es Gottes Wesen. Weil Gott in all seiner Macht gar nicht anders kann.

So halte ich es fest. Doch meine Worte sind zu klein, um das zu beschreiben. Die Macht, die in diesem Segen liegt, zerstiebt, wenn ich sie in Worte fassen will. Der blühende Moment aber, in dem ich sie spüre, in dem du sie spürst, ist Grund und Ende.

Amen.

  • Fürbitten

Gott Vater, erhalte uns in deinem Glauben, dass wir in unserem Glauben Vertrauen finden.
Gott Sohn, erhalte uns in deiner Liebe, dass wir unsere Liebe reichlich weitergeben.

Gott, Heilger Geist, erhalte uns in deiner Hoffnung, dass wir unsere Hoffnung nicht verlieren.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Online-Familienkirche am Pfingstsonntag aus der Lutherkirche

Was bedeutet eigentlich Pfingsten? Und was hat die heilige Geistkraft damit zu tun? Kommt mit uns, auf eine Reise ins Jerusalem vergangener Zeiten und lasst Euch die Pfingstgeschichte erzählen.

Ab Pfingstsonntag (31. Mai 2020), 10 Uhr, kann der Gottesdienst hier abgerufen werden.

Pfingstsonntag 2020

  • Eröffnung

Jetzt ist sie die da, die große Kraft Gottes, sein Heiliger Geist, unsere Gemeinschaft in Jesu Christi und erfüllt uns mit Gebet, Lied und Wort. Wo immer wir auch sind.

  • Lied: „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“ (EG 126)

1. Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist,
besuch das Herz der Menschen dein.
mit Gnaden sie füll, wie du weißt,
dass sie dein Geschöpfe sein.

2. Denn du bist der Tröster genannt,
des Allerhöchsten Gabe teu’r,
ein geistlich Salb an uns gewandt,
ein lebend Brunn, Lieb und Feu’r.

3. Zünd uns ein Licht an im Verstand,
gib uns ins Herz der Liebe Inbrunst,
das schwach Fleisch in uns, dir bekannt,
erhalt fest dein Kraft und Gunst.

4. Du bist mit Gaben siebenfalt
der Finger an Gottes rechter Hand;
des Vaters Wort gibst du gar bald
mit Zungen in alle Land.

5. Des Feindes List treib von uns fern,
den Fried schaff bei uns deine Gnad,
dass wir deim Leiten folgen gern
und meiden der Seelen Schad.

6. Lehr uns den Vater kennen wohl,
dazu Jesu Christ, seinen Sohn,
dass wir des Glaubens werden voll,
dich, beider Geist, zu verstehn.

7. Gott Vater sei Lob und dem Sohn,
der von den Toten auferstand,
dem Tröster sei dasselb getan
in Ewigkeit alle Stund.

  • Worte aus Psalm 118

Dies ist der Tag, den der HERR macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O HERR, hilf!
O HERR, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Wir segnen euch vom Haus des HERRN.

Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.

  • Worte aus der Apostelgeschichte, Kapitel 2

Und als der Pfingsttag gekommen war,
waren sie alle beieinander an einem Ort.
Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel
wie von einem gewaltigen Sturm
und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer,
und setzten sich auf einen jeden von ihnen,
und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist
und fingen an zu predigen in andern Sprachen,
wie der Geist ihnen zu reden eingab.

Es wohnten aber in Jerusalem Juden,
die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört,
denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.
Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen:
Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer?

Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?
Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien,
Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia,
Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen
und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber:
Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.

Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos
und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?
Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.
Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen:
Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt,
das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte!
Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint,
ist es doch erst die dritte Stunde des Tages;

sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5).
»Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott,
da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch;
und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen,
und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen,
und eure Alten sollen Träume haben;
und auf meine Knechte und auf meine Mägde
will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen,
und sie sollen weissagen.
Und ich will Wunder tun oben am Himmel
und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf;
die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut,
ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt.

Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird,
der soll gerettet werden.«

  • Gedanken zum Text

Liebe Leserin, lieber Leser,

Neulich erzählte mir meine Kollegin Regine Ammer, wie es sich anfühlt, für den Gottesdienst in der Kirche des Diakoniewerkes eine Sonntagspredigt zu gestalten. Es sei gar nicht so einfach ein biblisches Wort für die verschiedenen Zuhörer auszulegen. Es gibt die Diakonissen, die schon ein Lebenlang in der Bibel lesen und sie besser kennen als mancher Prediger. Es gibt ebenso die medizinischen und nichtmedizinischen Mitarbeiter mit ihrer hohen Verantwortung. Es gibt die Menschen, die in der Umgebung wohnen, und mit ihren Alltagssorgen kommen. Es gibt die Patienten, die laufen können und jene, die während des Gottesdienstes im Bett liegen. Vielleicht ist auch noch der eine oder andere Besucher da, der mit seiner besonderen Sorge um einen kranken Angehörigen mit ganz eigenen Gedanken dem Gotteswort lauscht.

Ein jeder in seiner Muttersprache, so geschah es auch in Jerusalem. Die einfachen und ungebildeten Fischer und Handwerker aus Galiläa, Jesu Jünger, sprachen in allen Sprachen der damals bekannten Welt. Bewirkt hat das der Geist Gottes. Er wird als eine gewaltige Kraft beschrieben, die sich in wundersamen, hör- und sichtbaren Erscheinungen zeigt. Das hierfür gebrauchte griechische Wort Pneuma umfasst in seinen Bedeutungen alles das, was wir mit unseren 5 Sinnen nicht erfassen können. Dieses Wort kann Gottes Schöpfergeist bedeuten, ebenso wie die Kraft, die den Menschen am Leben erhält; den Geist menschlicher Gedanken und des menschlichen Willens; die guten und bösen Geister, die den Menschen zu guten und bösen Taten verführen können. Ein Geist schließlich, der vergibt und verzeiht. Ein Geist, der den menschlichen Seelen Sanftmut einflößt.

Ein solcher Geist kann sich Menschen aus aller Welt und in jeder Situation verständlich machen. Wie der bunt gemischten Gemeinde in der Kirche des Diakoniewerks. Auf meinen fragenden Blick hin, wie das gelingen kann, sagte meine Kollegin: Im Grunde ist es ganz einfach. Das, was Kinder verstehen, verstehen auch Erwachsene. Umgekehrt funktioniert das nicht. Mich erinnert das an Jesu Worte, der angesichts einiger auf ihn zueilenden Kinder einen Psalmvers zitiert: Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hat sich Gott ein Lob bereitet. Das ist das Pfingstwunder. Das verbindet die Menschen im Geist Gottes. So teilt sich Gott jedem Menschen mit. Nicht nur in erstaunlichen Geistesleistungen sondern in jeder Stimme, und in jeder Tat, die von seiner Liebe zeugt. Jede und jeder unter uns ist dazu berufen; nicht nur die, die das extra gelernt haben. Jede und jeder unter uns mit einer unverwechselbaren, einzigartigen und sanftmütigen Stimme, die von Gott direkt aus dem Himmel kommt. In jeder Begegnung, die vom rettenden und liebenden Geist Gottes zeugt.

Amen.

  • Fürbitten

Herr,
wie können wir dein gutes Wort weitersagen,
wenn wir schon daran scheitern
uns untereinander zu verstehen.
Besorgt schauen wir auf die Ereignisse in der Welt;
wo immer wieder Unfrieden und Not ausbrechen.
Scheinbar sind wir uns einig, was gut ist und was nicht.
Aber ein unausrottbarer Geist in uns Menschen,
treibt uns immer wieder dazu, anderen
Leid anzutun, nur auf unser Wohl zu sehen
und den Nächsten zu vergessen.
Guter Gott,
deshalb brauchen wir deinen Geist,
der uns im Pfingstwind nicht nur dein Wort
sondern auch deinen Willen offenbart.
Sei bei uns, wenn wir beten.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Exaudi 2020

  • Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilgen Geistes. Amen.

  • Eröffnung

Sonntag Exaudi, zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, zwischen Himmel und Erde, zwischen Abschied und Wiederkehr. Wie der Heilige Geist die Apostel Jesu mit seiner Kraft erfüllt hat, erfülle er so auch uns mit Gebet, Lied und Wort. Wo immer wir auch sind.

  • Lied: „Komm, o Geist der Wahrheit“ (EG 136)

1) O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

2) O du, den unser größter Regent uns zugesagt: komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt. Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen
der ersten Christenheit.

3) Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je; darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh. Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu und musst uns ganz befreien
von aller Menschenscheu.

4) Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium.

  • Psalm

Worte aus Psalm 27

Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
Wenn die Übeltäter an mich wollen, mich zu verschlingen,
meine Widersacher und Feinde, müssen sie selber straucheln und fallen.
Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht;
wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn.
Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:
dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang,
zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu betrachten.
Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, / er birgt mich im Schutz seines Zeltes
und erhöht mich auf einen Felsen.

Und nun erhebt sich mein Haupt über meine Feinde, die um mich sind;
so will ich opfern in seinem Zelt mit Jubel,
ich will singen und Lob sagen dem Herrn.
Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!
Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf.
Herr, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.
Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.
Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

  • Worte aus dem Buch des Propheten Jeremia im 31. Kapitel

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

  • Gedanken zum Text

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Prophet Jeremia beschreibt vier Wege, wie Gott mit den Menschen in Kontakt tritt. Als ersten Weg benennt er den Bund mit den Vätern des Hauses Israel und des Hauses Jakob. Symbolisch und konkret ist dieser Bund in den 10 Geboten gefasst. Sie können in Worten von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Eine Äußerlichkeit. Ihr „Vorteil“ ist, dass sie klar benannt sind und für jeden verbindlich. Ihr „Nachteil“ besteht darin, dass sie auf ihrem Weg vom Äußeren zum Inneren verloren gehen, weil sich der Mensch nicht daran hält. Auf dem zweiten Weg, dem neuen Bund, werden Herz und Sinn direkt angesprochen. Die äußere Vermittlung ist nicht mehr notwendig. Das ist der neue Bund. Was ihn vom alten Bund unterscheidet, wird mit dem dritten Weg beschrieben. „Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«.“ Dieses Lehren geschieht z. B., wenn ich hier ein Bibelwort auslege. Was davon aber wirklich ankommt, bleibt offen. Der vierte Weg hingegen tritt dem Bund der Herzen und Sinne zur Seite, so dass „Klein und Gross ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr“ gedacht wird. Im menschlichen Miteinander entspricht dem gegenseitigen Verzeihen und Vergeben. Wie in der Bitte des Vaterunsers: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Jeremia gibt dem inneren Weg und der Vergebung Gottes den Vorzug. Ein Bund, der vom Menschen nicht mehr getrennt werden kann. Um es mit einem Besipiel zu beschreiben: Verantwortliche Eltern bieten ihren Kindern gesundes Essen an, weil ihnen deren Gesundheit am Herzen liegt. Das ist der neue Bund. Die Kinder haben keine Wahl und sie kennen auch nichts anderes. Der alte Bund geht davon aus, dass im Kühlschrank gesundes und ungesundes Essen liegt, und die Eltern den Kindern selbst die Entscheidung überlassen, was sie davon essen. Vorher haben sie ihnen noch gesagt, was gesund ist. Ob aber die Kinder danach handeln, bleibt offen.

Übertragen auf mein Glaubensleben bedeutet dies, dass ich unterschiedliche Bedürfnisse habe. Ein klare Anweisung, wie die 10 Gebote, erleichtern mein Leben insofern, dass ich dann genau weiß, was ich zu tun habe. Es kann aber auch schwer werden, wenn ich innerlich nicht davon überzeugt bin, dass sie für mich gut sind. Für meinen Glauben brauche ich manchmal die äußere Anweisung und manchmal trägt mich das, was ich in mir habe. Wenn Herz und Sinne schwach sind, dann ist es gut, jemanden zur Seite zu haben, der meinem Herzen und meinen Sinnen wieder auf die Sprünge hilft. Ein gutes Wort, eine hilfreiche Hand, eine liebevolle Geste.

Was Jeremia verheißt, ist ein Zustand, eine Zeit, in der diese Herzensschwäche ausgeschlossen ist. Die innere Gewissheit ist ein Bild für Pfingsten, wenn der Geist Gottes in mir Raum gewinnt und große Klarheit herrscht. Diese Momente sind erfüllt von einem Gefühl der Geborgenheit. Alles schwingt in diesem guten und liebevollen Geist. Angst und Zweifel haben keinen Platz. Zwang und Not und Schuld sind verflogen. Ich fühle mich gehalten, nichts steht in Frage, alles ist gut, wie im Paradies. So gibt Gott sich zu erkennen, Kleinen und Großen, in finsteren und hellen Tagen, im Vergeben und Verzeihen.

Amen.

  • Fürbitten

Herr,
schärfe unsere Sinne und weite unsere Herzen,
dass wir dein gutes Gebot und deinen Glauben
erkennen können.
Dass wir darauf vertrauen, dass in deiner Schöpfung,
Menschen und Tiere in Frieden leben können,
die bessere Einsicht schließlich Kraft gewinnt,
die Einsamkeit und der Schmerz überwunden werden,
Angst und Gier keinen Platz mehr haben.
Herr, heile uns von allen Zweifeln und mache es hell in uns
mit deinem guten Geist.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Christi Himmelfahrt 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

  • Vorbereiten

Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

Besonders zu Christi Himmelfahrt.

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

  • Den Psalm beten

Hört Worte aus Psalm 47:

Schlagt froh in die Hände, alle Völker,
und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!
Denn der HERR, der Allerhöchste, ist zu fürchten,
ein großer König über die ganze Erde.
Er zwingt die Völker unter uns
und Völkerschaften unter unsere Füße.
Er erwählt uns unser Erbteil,
die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt.
Gott fährt auf unter Jauchzen,
der HERR beim Schall der Posaune.
Lobsinget, lobsinget Gott,
lobsinget, lobsinget unserm Könige!
Denn Gott ist König über die ganze Erde;
lobsinget ihm mit Psalmen!
Gott ist König über die Völker,
Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.
Die Fürsten der Völker sind versammelt
als Volk des Gottes Abrahams;
denn Gott gehören die Schilde auf Erden;
er ist hoch erhaben.

  • Ein Lied singen: „Auf Christi Himmelfahrt allein“ (EG122)

1) Auf Christi Himmelfahrt allein ich meine Nachfahrt gründe und allen Zweifel, Angst und Pein hiermit stets überwinde. Denn weil das Haupt im Himmel ist, wird seine Glieder Jesus Christ zur rechten Zeit nachholen.

2) Weil er gezogen himmelan und große Gab empfangen, mein Herz auch nur im Himmel kann, sonst nirgends, Ruh erlangen; denn wo mein Schatz gekommen hin, da ist auch stets mein Herz und Sinn, nach ihm mich sehr verlanget.

3) Ach Herr, lass diese Gnade mich von deiner Auffahrt spüren, dass mit dem wahren Glauben ich mag meine Nachfahrt zieren und dann einmal, wenn’s dir gefällt, mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre doch mein Flehen!

  • Apostelgeschichte Kapitel 1,3-11

Jesus zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

  • Bild: Fra Filippo Lippi, Himmelfahrt, 1489.
Fra Filippo Lippi, Himmelfahrt, 1489. Details eines römischen Freskos in der Sammlung Santa Maria sopra Minerva
  • Gedanken zum Bild

Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel?, fragen die beiden Männer in weißen Gewändern die umstehenden Zeugen der Himmelfahrt Jesu. Na, immerhin passiert da schon was Außergewöhnliches, würde ich gern den himmlischen Boten der Apostelgeschichte zurufen. Und es ist interessant, wie sich angesichts des Geschehens in den einzelnen Gesichtern der Zeugen ihre menschlichen Eigenheiten zeigen. So wie auf dem Fresko von Filippo Lippis Himmelfahrt:

Einer kommt angelaufen. Er trägt einen Heiligenschein, wie es den Aposteln in der Himmelfahrtsgeschichte entspricht. Ob die anderen Gestalten auch einen haben, lässt sich auf der Darstellung nicht mit Sicherheit erkennen. Er kommt also mit eiligen Schritten herbei, aufgeregt zum Himmel deutend. Es scheint, als hätte er das Ereignis fast versäumt. Menschen mit Heiligenschein sind nicht vor Überraschungen gefeit, und manche auch nicht darauf gefasst.

Einer hält noch sein Buch in der Hand. Was in ihm festgeschrieben und verordnet wurde, mag ihm Manchesmal geholfen haben, die Welt zu deuten. Aber es gibt Dinge, die in keinem Buch festgehalten wurden. Sein halberloschener Blick zeugt davon, dass er mitunter der Wirklichkeit blind gegenübersteht. So lenkt die Gestalt neben ihm seine Aufmerksamkeit nach oben, weg vom Buch. So, als wollte er diesem Bücherwurm sagen: Genau das meinte ich! Kannst Du es nun sehen und begreifen?

Einer aber blickt ganz offen zum Himmel. Vielleicht gestattet ihm seine Jugendlichkeit diesen unvoreingenommenen Blick. Er muss das nicht gleich verstehen, was da gerade geschieht. Er ist schlicht voller Neugier. Und noch einer, der ist anscheinend dem Himmel schon näher als der Erde. Ganz erfüllt von der himmlischen Atmosphäre. Die Hände über der Brust verschränkt, übt er sich in stiller Andacht. Fast ist es so, als ob er mit seinem ganzen Körper das Geschehen erfassen kann.

Und noch einer, der blickt dem schwindenden Leib Jesu nach, wie einer ein geliebtes Wesen ziehen lässt. Nicht gern, weil er ihm nah sein will und voller Sehnsucht ist nach seiner Nähe. Aber seine Liebe gestattet ihm nichts anderes als diese Haltung. Er vertraut darauf, dass die Liebe größer ist als jede Entfernung zwischen ihnen.

Und schließlich gibt es im Hintergrund noch zwei Gestalten, die sich offenbar lieber dem Vieh zuwenden. Die Füße fest auf der Erde, haben sie schon wieder etwas Anderes zu tun. Vielleicht sind es gerade diese, die den Worten der beiden Himmelsboten den größten Glauben schenken. Er wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. Amen.

  • Beten

Himmlischer Vater,

hier auf Erden sind wir so, wie du uns gemacht hast. Voller Hoffnung, Glauben und Liebe ebenso wie voller Angst, Mißtrauen und Habsucht.
Du meinst es gut mit uns. So zeige uns den Himmel auf Erden, wenn wir uns zwischen den Dingen der Erde und in uns selbst verirren.

Leite uns auf deinem Weg und lenke unsere Blicke und Gedanken auf deinen Frieden.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Rogate 2020

  • Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilgen Geistes. Amen.

  • Eröffnung

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft
noch seine Güte von mir wendet.

Dieses Wort aus dem Psalm 66 steht über dieser Woche,
die wir wieder mit einem Gottesdienst in der Kirche eröffnen.
Es sagt uns zu, dass Gott uns hört;
unter dem Kirchendach ebenso wie in unserem Zuhause.

  • Lied: „Der schöne Ostertag“ (EG 117)
  • Psalm

Worte aus Psalm 95

Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken

und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen

und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der Herr ist ein großer Gott

und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,

und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht,

und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien

und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott

und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

  • Evangelium

Worte aus dem Matthäusevangelium im 6. Kapitel Verse 5-15

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

  • Gedanken zum Text

Liebe Hörerin, lieber Hörer,

Das Vaterunser hat besonderes Gewicht in unserem Glaubensleben. Ich frage mich, wann ich es wohl zum ersten Mal gehört habe. In meiner Familie, die der Kirche sehr nahe stand, sicher schon früh. Heute weiß man, dass dem ungeborenen Menschen die Stimme seiner Mutter bereits im Mutterleib vertraut ist. Ich vermute deshalb,  dass ich den besonderen Rhythmus der Worte schon vor meiner Geburt vernommen habe.
Es gibt aber eine Zeit in meinem Leben, da ist mir dieses Gebet besonders wichtig geworden. Die ersten Besuche als Seelsorger habe ich oft mit diesem Gebet abgeschlossen. Mir war es deshalb wichtig, dass ich es nicht nur in der Gemeinschaft sondern auch „allein“ sicher auswendig sprechen kann. Learning by Heart, heißt es im Englischen; dass es von Herzen kommt.

Die große Kraft, die dieses Gebet in sich trägt, rührt von seinem häufigen Gebrauch her. So wird es laut, wenn in der Gemeinde gemeinsam gebetet wird; ebenso aber auch leise, wenn ich es etwa in großer Not oder aus Dankbarkeit nur für mich und meinen Nächsten spreche.

Darüber hinaus hat es einen gewichtigen Ort in der Bibel. Im Matthäusevangelium steht es – im buchstäblichen Sinne – inmitten der Bergpredigt; jener großen Rede Jesu, die über mein Verhältnis zu Gott und seinen Geboten umfassend, ernst und hoffnungsvoll nachdenkt. Meine ganze christliche Existenz wird darin erschlossen. Diese Gedanken Jesu bewegen sich um den Mittelpunkt des Vaterunsers. Was hier zur Sprache kommt, kann somit als der Kern meines Lebens in Jesus Christus angesehen werden. Demut und Vergebung sind die nächsstehenden Stücke der Rede, die das Gebet unmittelbar umgeben. Was du Gott zu sagen hast, kommt von ihm. Rühme dich damit nicht öffentlich, sondern spreche sie im stillen Kämmerlein. So leitet Jesus sinngemäß das Vaterunser ein. Sanft und zärtlich und zurückhaltend soll mein Gottesverhältnis sein. Es taugt nicht, damit anzugeben oder vor anderen damit groß zu tun. Es taugt nicht für meine Begierden nach Macht und Einfluß über andere Menschen. Wie oft wird und wurde diese Forderung mißachtet. Der wahre Grund dieses Gebet aber ist einerseits das Geschenk dieser Worte, das ich vom Gottessohn selbst erhalten habe. Von Anfang an kann ich mich dort hineinfallen lassen. Wenn mir nichts mehr einfällt, wenn ich verzweifelt bin und mir die Worte fehlen, spreche ich das Vaterunser. Der eingangs geschilderte Umstand, dass ich sie wohl schon im Bauch der Mutter gehört habe, ist dafür ein sprechendes Bild. Warm und geborgen finde ich Schutz und Frieden in diesen Worten. Andererseits liegt sein Grund im Umgang  mit meinen Mitmenschen. So wie Jesus in der Bergpredigt die Gebote Gottes auslegt, legt auch das Vaterunser großes Gewicht auf die Vergebung, die mir oft so schwer fällt ebenso wie auf die Versuchungen, denen ich so leicht erliegen kann. Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. So endete ursprünglich das Gebet. Still und nachdenklich, von der dringenden Forderung durchwoben, dem Gebot der Nächstenliebe und schließlich auch dem Gebot der Gottesliebe durch den eigenen Sinneswandel und durch eigene Friedfertigkeit zu genügen.

Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet; das sagt mir Jesus zu.  Jedes Wort des Vaterunsers richte ich deshalb zunächst auf meinen Nächsten. Durch ihn führt es direkt zu Gott. Dort klingt es wie Posaunen, hell und klar; und schenkt mir Gottes Segen und seinen himmlischen Frieden.

Amen.

  • Fürbitten

Gott, guter Vater,

Du weißt, wessen wir bedürfen, in guten und und in bösen Tagen.
Manchmal fällt es uns aber schwer,
dafür gute Worte zu finden.

Nicht nur für unsere Not hier,
der wir einerseits in Dankbarkeit gegenüberstehen;
wie wohl behütet wir hier sind,
gut versorgt, medizinisch, mit ausreichend Lebensmitteln und einem Dach über dem Kopf;
der wir andererseits abspüren, wie wir tief in uns wirklich ticken.

Nein, auch über das Naheliegende hinaus:
dort, wo Menschen nicht nur mit dem Virus kämpfen;
sondern ebenso mit Krieg, mit Hunger, mit Gewalt;
dort, wo Menschen in unserer Nähe
jetzt besonders spüren, wie schwer die Einsamkeit und der Verlust eines lieben Menschen wiegen können.
Herr, durch deine Worte senke in unsere Herzen;
dass wir das Volk deiner Weide sind und Schafe in deiner Hand:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Lied: „Vater unser, Vater im Himmel“ (EG 188)
  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Kantate 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

Die Glocken läuten – ich mache mich auf. Nicht mit den Füßen.
Sondern mit meinen Gedanken. Mit meinem Atem. Mit meiner Seele.
Wo immer ich gerade bin.

  • Vorbereiten

Ich höre auf mit dem, was mich gerade beschäftigt,
und höre auf das Läuten.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Lass mich zur Ruhe kommen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht meine Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Wochenpsalm beten

Worte aus dem Gebetbuch der Bibel.
Worte aus Psalm 69.

Singet dem Herrn ein neues Lied,

denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten

und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil kundwerden;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt,

singet, rühmet und lobet!

Lobet den Herrn mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken,

und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

  • Ein Lied singen

Ich bin getauft auf seinen Namen (EG 200)

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=692&buch=21#player

1) Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;
ich bin gezählt zu deinem Samen,
zum Volk, das dir geheiligt heißt;
Ich bin in Christus eingesenkt,
ich bin mit seinem Geist beschenkt.

2) Du hast zu deinem Kind und Erben,
mein lieber Vater, mich erklärt;
du hast die Frucht von deinem Sterben,
mein treuer Heiland, mir gewährt;
du willst in aller Not und Pein,
o guter Geist, mein Tröster sein.

3) Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe,
Treu und Gehorsam zugesagt;
ich hab, o Herr, aus reinem Triebe
dein Eigentum zu sein gewagt;
hingegen sagt ich bis ins Grab
des Satans bösen Werken ab.

4) Mein treuer Gott, auf deiner Seite
bleibt dieser Bund wohl feste stehn;
wenn aber ich ihn überschreite,
so lass mich nicht verloren gehn;
nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an,
wenn ich hab einen Fall getan.

5) Ich gebe dir, mein Gott, aufs Neue
Leib, Seel und Herz zum Opfer hin;
erwecke mich zu neuer Treue
und nimm Besitz von meinem Sinn.
Es sei in mir kein Tropfen Blut,
der nicht, Herr, deinen Willen tut.

6) Lass diesen Vorsatz nimmer wanken,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist.
Halt mich in deines Bundes Schranken,
bis mich dein Wille sterben heißt.
So leb ich dir, so sterb ich dir,
so lob ich dich dort für und für.

  • Auf Gottes Wort hören

Worte aus dem Evangelium für den heutigen Sonntag Kantate.
Sie stehen bei Lukas, im 19. Kapitel.

Als Jesus schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: 

Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm:

Meister, weise doch deine Jünger zurecht!

Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

  • Gedanken zum Text

Einen großen, feierlichen Gottesdienst hatten wir geplant als Gemeinden im Süden, als evangelische und katholische Christen, an diesem Sonntag: Einen Gottesdienst zur Tauferinnerung. Den können wir nun nicht feiern. Aber über die Taufe nachdenken, das möchte ich trotzdem. Diese Gedanken teile ich gerne mit ihnen auf diesem Weg. Gedanken zur Taufe. Und auch zum Evangelium des heutigen Sonntags.

„Ich bin getaut auf deinen Namen.“ So beginnt der Text von Johann Jakob Rambach in dem Lied, das in den evangelischen Kirchen bei vielen Taufen gesungen wird.

Doch was heißt es eigentlich, dass ich getauft bin? Getauft auf „deinen Namen“?

Ich krame meine Taufurkunde hervor. Ich lese die Namen und Daten.

Was heißt das, dass ich getauft bin?

Es heißt wohl mindestens dies: An einem ganz konkreten Tag, an einem ganz konkreten Ort wurde mir öffentlich, sichtbar und hörbar zugesagt: Du bist einmalig. Du bist von Gott geliebt und dadurch einzigartig. Egal, welche Urteile die Welt und die Menschen noch über dich fällen mögen, egal was aus deinem Leben wird, ob es glücklich verläuft oder nicht, ob es lange währt oder nur kurz, egal, was auch immer du selber von dir und über dich denken magst: Diese Zusage kannst Du nicht mehr verlieren.

Und es gab Menschen, die haben mich in diese Zusage hineingestellt. Die haben mich zum Taufstein gebracht. Meine Eltern und Paten, Freunde der Familie, Geschwister: Sie alle waren dabei. Mit ihren Hoffnungen und Wünschen für mein Leben. Mit ihrer Freude über mich. Mit ihren Sorgen und Zweifeln.

Sie haben gebetet und gesungen, sie haben gelacht und vielleicht auch geweint.

All das gehört zu meiner Geschichte. Selbst wenn ich eines Tages an der Kirche verzweifeln und ihr den Rücken kehren sollte. Selbst wenn ich am Glauben zweifeln und ihn verlieren sollte: Es steht geschrieben und ist bezeugt, dass mir gesagt ist: Du gehörst zu Gott, der die Liebe ist.

Nun kann und will ich mir nicht vorstellen, dass diese Zusage nur denen gilt, die getauft sind. Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass Gottes Liebe, die den Tod überwunden hat, an irgendeiner Grenze Halt macht. Und schon gar nicht, dass Gottes Liebe Mitgliedsausweise kennt oder nach Taufurkunden fragt. Alle Menschen sind seine Geschöpfe, alle Menschen sind seine geliebten Gotteskinder.

Wo ist dann aber der Unterschied zwischen getauft und nichtgetauft?

Ich denke: Als getaufter Christ kann ich niemals mehr so tun, als wüsste ich nicht von Gott. Als hätte er mit mir nichts zu tun. Nur um den Preis der Verleugnung meiner Lebensgeschichte. Ich bin getauft, das heißt: Niemals kann ich meine Lebensgeschichte erzählen ohne den Namen Jesus Christus.

Ich kann aus der Kirche austreten und den Glauben verlieren, aber niemals kann ich so tun, als hätte ich seine Geschichte und seinen Ruf nicht gehört. Als hätte ich den Ruf und den Gesang seiner ersten Jüngerinnen und Jünger nicht gehört: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“

Ich bin angerufen als einer, der den Namen des Herrn kennt.
Ich bin von ihm angeredet, als Kind der Liebe und des Friedens.
Ich bin dazu aufgerufen, dem Frieden und der Liebe nachzujagen,
ihnen Raum zu geben in meinem Leben und auf dieser Welt.

Heute am Sonntag Kantate höre ich den Ruf neu.
Ich will in diesen Ruf einstimmen. In meinem Tun und Lassen. Im Singen und Beten.
In der Gewissheit: Ich kenne seinen Namen. Und er den meinen.

Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Amen.

  • Beten

Gott,

in der Taufe hast Du uns angerufen als die deinen.
Lass uns deinen Ruf hören.

Lass uns deinen Ruf des Friedens hören,
und für ihn einstehen,
wo Krieg und Zerstörung sich ausbreiten.

Lass uns deinen Ruf der Versöhnung hören
und für ihn einstehen,
wo Ausgrenzung und Feindbilder sich ausbreiten.

Lass uns deinen Ruf der Liebe hören,
und für ihn einstehen,
wo Wut und Hass sich ausbreiten.

Wir beten zu dir mit den Worten Jesu:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

(Pfarrer Georg Bucher)

Jubilate 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

Heute ist der Sonntag Jubilate, der mit dem Psalm 66 in den Jubel über die Auferstehung Jesu einstimmt. Der Wochenspruch verbindet diese Freude mit der Gegenwart Jesu: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm beten

Worte aus Psalm 66:

Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsinget zur Ehre seines Namens;
rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir,
lobsinge deinem Namen.

Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom;
dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,
seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,
lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.

  • Gebet

Guter Gott, mit dir finden wir Frieden und können Frieden weitergeben. Bewahre unseren Glauben durch Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

  • Ein Lied singen

EG 432: „Gott gab uns Atem, damit wir leben“

1) Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

2) Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

3) Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

  • Evangelium nach Johannes 15,1-8

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

  • Gedanken zum Text

Das erste Bier schmeckt am besten. Noch verschwitzt und verdreckt, direkt nach der Arbeit. Auf dem Bauernhof meines Freundes gibt es immer etwas zu tun. Nach einem Tag voller Arbeit genießen wir dann die Freude über das, was wir geschafft haben. Eine Mauer eingerissen, eine neue Mauer hochgezogen; geplant, Sachen ran geschafft, umgesetzt und aufgeräumt; wieder etwas in Ordnung gebracht. Zufrieden betrachten wir unser Werk. Ein guter Tag und ein wohlverdienter Feierabend. Noch vor der Dusche.

Jesu Wort ist erstaunlich. Ihr seid schon rein um des Wortes willen. Offenbar muss ich nichts tun, um rein zu sein. Jesus umschreibt das mit dem Bild des Weinstocks. Sein Vater ist der Gärtner, Jesus ist der Weinstock und wir sind die Reben. Unter Jesu Wort bin ich fruchtbringender Teil im Weinberg. Ich brauche den strengen Blick des Weingärtners nicht zu fürchten. Im Vertrauen auf das Wort Jesu, das sich in dieser österlichen Zeit in seiner Auferstehung erfüllt, wird auch mein Leben zuguterletzt in Gott bewahrt und voller Frieden sein.

Dieser Sprung im Vertrauen und Glauben, der letztlich nicht auf mein Werk, sondern auf die gute Botschaft Jesu setzt, macht mich frei von allen Äußerlichkeiten. Mein innerer Frieden in diesem Glauben ist entscheidend. Dennoch darf ich meine dunklen Seiten und Unzufriedenheiten, meine Sorgen und Ängste nicht einfach ignorieren. Und erst recht nicht die meiner Nächsten. Es ist nicht damit getan, auf die Gemeinschaft mit Jesu, auf das Bild der Reben am Weinstock hinzuweisen. Damit ist nicht von selbst alles gut. Der Sprung im Glauben bewahrheitet sich, wenn ich meinem Nächsten und mir mit Verständnis und Liebe begegne. Das ist das Zeichen, dass ich schon rein um des Wortes Jesu willen bin. So kann ich vor Gottes Augen bestehen.

Ich gebe zu, dass mich die Arbeit auf dem Bauernhof nicht mit derselben großen Leidenschaft erfüllt wie meinen Freund. Aber mir liegt daran, die gemeinsame Zeit mit ihm bewußt so zu verbringen. Wir können dann die Arbeit teilen, was mir durchaus auch ziemlich viel Mühe macht bei der ungewohnten körperlichen Belastung. Aber er weiß das zu schätzen. Unser Miteinander ist der eigentliche Grund für den tiefen Frieden, der unseren Feierabend und unser ganzes Leben schmackhaft und fruchtbar macht.

Amen.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Gott, in Jesu Wort finden wir Zufriedenheit ebenso wie die nötige Gelassenheit für die gegenwärtigen Tage.
Gib uns aber ein weites Herz, dass wir mit deinem Frieden den Frieden untereinander vermehren.
Angst und Sorgen bestimmen wie nach wie vor unsere Zeit.
Schenke uns deshalb die Einsicht, dass wir uns nur miteinander in Geduld und Sanftmut üben können.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Miserikordias Domini 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

Heute ist der Sonntag Misericordias Domini. Die „Barmherzigkeit Gottes“ verbunden mit dem tragenden Bild des guten Hirten. Die vertrauten Worte des Psalms 23 leiten diese Andacht ein.


Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm beten

Hört Worte aus Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

  • Gebet

Guter Gott,
du hast uns im Blick.
Auch wenn wir uns im Dunkeln verbergen.
Dein Licht strahlt in unsere Nacht.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

  • Ein Lied singen

Wochenlied ist heute die Nummer 274 im Gesangbuch: Der Herr ist mein getreuer Hirt. Der Text des Liedes wurde nach Worten des 23. Psalms gestaltet. Zu Beginn des Jahres haben wir es noch bei einem Seniorennachmittag in gewohnter Runde gesungen.

1) Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute, darin mir gar nicht mangeln wird jemals an einem Gute. Er weidet mich ohn Unterlass, da aufwächst das wohlschmeckend Gras seines heilsamen Wortes.

2) Zum reinen Wasser er mich weist, das mich erquickt so gute, das ist sein werter Heilger Geist, der mich macht wohlgemute; er führet mich auf rechter Straß in seim Gebot ohn Unterlass um seines Namens willen.

3) Ob ich wandert im finstern Tal, fürcht ich doch kein Unglücke in Leid, Verfolgung und Trübsal, in dieser Welte Tücke: denn du bist bei mir stetiglich, dein Stab und Stecken trösten mich, auf dein Wort ich mich lasse.

  • Predigttext 1. Petrus 2,21b-25

Da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

  • Gedanken zum Text

Der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz: Christus trägt meine Sünden hinauf an seinem Leib auf das Holz. Dieser Gedanke wird in der Philosophie schon seit über 200 Jahren zurückgewiesen. Immanuel Kant spricht von einer „allerpersönlichsten Schuld“, die der Mensch auch nur persönlich sühnen kann. Niemand anders kann sie auf sich nehmen. Auch nicht Christus. Die gute Botschaft des Petrusbriefes scheint damit erledigt zu sein.

Ihr wart wie irrende Schafe: Ich messe meine Sünde nicht an einem allgemein verbindlichen Gesetzeskatalog. Vielmehr messe ich sie an meinem inneren Kompass, der sich selbstverständlich an den 10 Geboten und am bürgerlichen Gesetzbuch orientiert, ebenso aber auch an meiner Erziehung und an meinen Erfahrungen mit meinen Mitmenschen. Daraus bilde ich mir eine persönliche Richtschnur, nach der ich mich und mein Verhalten ausrichte. Wenn ich davon abweiche, dann bemächtigt sich meiner Scham und Erschrecken. Da bin ich nicht ich selbst gewesen!, möchte ich dann ausrufen. Das ist nicht das Bild von mir, was ich meinen Mitmenschen zeigen möchte. Ja, das kann passieren, dass ich mich in mich selbst verirre; aus Not oder in Bedrängnis. Aber ich bin es dennoch selbst gewesen. Ich merke dann, wie dünn die Decke ist, die mich vor meinen dunklen Seiten bewahrt. So kenne ich mich gar nicht!, gebe ich dann entschuldigend zu; und hoffe, dass es in Vergessenheit gerät, was geschehen ist, oder mir zumindest nicht angerechnet wird.

Durch seine Wunden seid ihr heil geworden: Christus trägt meine Sünden hinauf an seinem Leib auf das Holz. Er macht das Gesagte und Getane nicht ungeschehen. Aber er erkennt mich auch unter der Sünde. Er lüftet den Schleier des Bösen, das in mir wohnt und mitunter zu Tage tritt, und sieht darunter das Gotteskind, dass sich dann selbst nicht mehr erkennt. Wie weit ich mich auch verirre, er findet mich. Er ist der gute Hirte meiner Seele, richtet mich auf, macht mich heil, schenkt mir Frieden, nimmt mich so an, wie ich wirklich bin.

Amen.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Hilf mir, Gott, dass ich mich nicht in mich selbst verfange;
dass ich nicht nur meine eigenen Bedürfnisse und Nöte zum Maßstab meines Handelns mache;
dass mir die Augen meines Herzens geöffnet werden, um meinen Nächsten anzunehmen mit allem Guten und Bösen;
dass ich trotz der Zeit und der Umstände mein Vertrauen auf dich nicht verliere
und weiß, dass ich dein Gotteskind bin in hellen und auch in dunklen Tagen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Quasimodogeniti 2020

Heute ist der Sonntag Quasimodogeniti. Wie ein Neugeborenes, heißt das ins Deutsche übersetzt; und erinnert uns daran, dass Gott neues Leben schafft und erhält.

Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm beten

Worte aus Psalm 116

Das ist mir lieb,

dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.

Denn er neigte sein Ohr zu mir;

darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen, / des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;

ich kam in Jammer und Not.

Aber ich rief an den Namen des Herrn:

Ach, Herr, errette mich!

Der Herr ist gnädig und gerecht,

und unser Gott ist barmherzig.

Der Herr behütet die Unmündigen;

wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;

denn der Herr tut dir Gutes.

Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,

mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem Herrn

im Lande der Lebendigen.

  • Gebet

Guter Gott,

du trägst uns ins Leben wie eine Mutter ihr Kind.

Bei dir sind wir geborgen.

Dein Licht strahlt in unsere Nacht.

Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

  • Ein Lied singen

EG 108: „Mit Freuden zart“

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=788&buch=21#player

1) Mit Freuden zart zu dieser Fahrt lasst uns zugleich fröhlich singen, beid, groß und klein, von Herzen rein mit hellem Ton frei erklingen. Das ewig Heil wird uns zuteil, denn Jesus Christ erstanden ist, welchs er lässt reichlich verkünden.

2) Er ist der Erst, der stark und fest all unsre Feind hat bezwungen und durch den Tod als wahrer Gott zum neuen Leben gedrungen, auch seiner Schar verheißen klar durch sein rein Wort, zur Himmelspfort desgleichen Sieg zu erlangen.

3) Singt Lob und Dank mit freiem Klang unserm Herrn zu allen Zeiten und tut sein Ehr je mehr und mehr mit Wort und Tat weit ausbreiten: so wird er uns aus Lieb und Gunst nach unserm Tod, frei aller Not, zur ewgen Freude geleiten.

  • Predigttext: Jesaja 40

Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat all dies geschaffen?
Gott führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen;
seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst:
»Mein Weg ist dem Herrn verborgen,
und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?
Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat,
wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft
und Stärke genug dem Unvermögenden.
Jünglinge werden müde und matt,
und Männer straucheln und fallen;
aber die auf den Herrn harren,
kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden.

  • Gedanken zum Text

Lea macht sich Sorgen. Seit Wochen hat sie ihre Oma nicht besuchen können. Sie möchte nicht, dass sie krank wird. So hat es ihr ihre Mutter erklärt. Dass sie schon die ganze Zeit zu Hause ist und nicht zur Schule geht, findet sie eher komisch.  Nur manchmal eben beschleicht sie eine schwer zu fassende Furcht. Gut, dass ihre Mutter jetzt in der Nähe ist. Dann geht sie zu ihr und drückt sie fest an sich.

Herr Müller ist traurig. Das kleine Haus am Stadtrand wirkt so leer ohne seine Frau. Seine Gedanken wandern. Er denkt an die Trauerfeier im kleinen Kreis. Er denkt zurück an die guten Jahre mit ihr. Ein zärtliches Lächeln liegt auf seinem Gesicht, wenn er sich an die ersten Begegnungen mit ihr erinnert. Sie fehlt ihm sehr. Sein ganzes Herz ist voll davon. Aber er ist dankbar, wenn er mit seiner Tochter telefoniert und spürt, dass er die Trauer nicht alleine tragen muss.

Marleen ist wütend. Über die Ungerechtigkeit in der Welt. Sie möchte ihren Reichtum gerne teilen mit den Menschen, die fast gar nichts zum Leben haben. Wenn sie über die Zustände in den Flüchlingslagern liest, könnte sie schreien vor Zorn. Sie versteht nicht, warum niemand hilft. Sie fühlt sich ohnmächtig angesichts dieser Zustände. Doch der Zorn gibt ihr auch Kraft. Mit allen Mitteln und bei jeder Gelegenheit erinnert sie daran, dass wir nicht alleine auf der Welt leben. Der Zuspruch, den sie erfährt, gibt ihr Hoffnung.

Der Prophet Jesaja ermuntert mich zum aufrechten Gang:
Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Diese Haltung stärkt mich und weitet meinen Blick.
Oft reicht er nicht sehr weit. Dann bleibe ich hängen an dem, was mein Leben unmittelbar umgibt. Sorgen, Trauer und Zorn bestimmen mein Gemüt. Diese Gefühle scheinen stärker zu werden, je weniger ich den Mut habe, meinen Blick aufzurichten. Als ob es dadurch noch schlimmer werden könnte, was ich dann sehe und was in Zukunft auf mich zukommen kann. Unüberschaubar ist das. Unausforschlich. Jesaja beschreibt dieses Umsichselbstkreisen mit den Worten: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber.« Genau das beschreibt mein Gefühl. Niemand sieht meine Sorge, niemand sieht meinen Kummer, niemand sieht meine Angst. Und niemand interessiert sich dafür.

Es ist dann schwer, Hoffnung zu fassen und eine bessere Zukunft in den Blick zu bekommen. Alles das ist so schwer zu begreifen. 

Jesaja sagt aber: Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Ich richte meinen Blick auf und merke plötzlich, dass meine Gedanken mich irre geführt haben. Meine Müdigkeit hat meine Augen verschlossen. Wenn ich sie aber öffne, finde ich neue Kraft. Nicht in einer ferne bn Zukunft. Sondern mitten in der Gegenwart. Eine Hand, die mich hält. Ein Wort, dass mir Mut zuspricht. Ein Herz, dass meine Traurigkeit teilt.

Gott gibt mir in den Menschen, die mir nah sind und ebenso besorgt, bekümmert und wütend,  Stärke und Geborgenheit.

Amen.

Ein Lied singen EG303

  • Ein Lied singen

EG 303: „Lobe den Herren, o meine Seele“

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=880&buch=21#player

1 Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in‘ Tod; weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat. Halleluja, Halleluja.

3 Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hilfe der Gott Jakobs ist, welcher vom Glauben sich nicht lässt trennen und hofft getrost auf Jesus Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am besten Rat und Tat. Halleluja, Halleluja.

4 Dieser hat Himmel, Meer und die Erden und was darinnen ist gemacht; alles muss pünktlich erfüllet werden, was er uns einmal zugedacht. Er ist’s, der Herrscher aller Welt, welcher uns ewig Treue hält. Halleluja, Halleluja.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Hilf mir,
dass ich in aller Ungewissheit und Angst
nicht das Vertrauen verliere.
Lass mich und die anderen besonnen bleiben.
Bewahre die Schwachen.
Sorge für die Kranken.
Sei bei allen, die sterben.
Beschütze alle,
die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten,
die Kranke pflegen,
Eingeschlossene versorgen
und sich darum bemühen, dass wir haben,
was wir zum Leben brauchen.


Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Ostermontag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

Nein, wir haben uns noch nicht an diese Zeit gewöhnt. Heute würde der Osterspaziergang „nach Emmaus“ anstehen, den wir gemeinsam mit den Gemeinden in Wörmlitz-Böllberg und Gesundbrunnen unternehmen würden.

Aber auch heute, am Ostermontag gilt:
Gottes Wort, Gebet und Segen haben überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm zu Ostermontag beten

Hört Worte aus Psalm 118,
um mit ihnen zu danken, zu klagen, zu loben:

Der Herr ist meine Macht und mein Psalm
            und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten:
            Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Die Rechte des Herrn ist erhöht;
            die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben
            und des Herrn Werke verkündigen.

Der Herr züchtigt mich schwer;
            aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,
            dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

Das ist das Tor des Herrn;
            die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir, dass du mich erhört hast
            und hast mir geholfen.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
            ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen
            und ist ein Wunder vor unsern Augen.

Dies ist der Tag, den der Herr macht;
            lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

  • Ein Lied singen

„Wir wollen alle fröhlich sein“ (EG 100,1.5)

1) Wir wollen alle fröhlich sein
in dieser österlichen Zeit,
denn unser Heil hat Gott bereit‘.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

5) Des freu sich alle Christenheit
und lobe die Dreifaltigkeit
von nun an bis in Ewigkeit.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

  • Gedanken

Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden, und sprach zu ihnen: So steht’s geschrieben, dass der Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Von Jerusalem an seid ihr dafür Zeugen. Und siehe, ich sende auf euch, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.

Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Das hat Hand und Fuß, heisst eine Redewendung. Sie gibt in guter Zuversicht wieder, dass eine Sache oder eine Planung taugt. Sie ist für den Alltag genügend. Mag der äußere Anschein auch dagegen sprechen. Oder vielerlei Bedenken, die das eine oder andere dagegen einzuwenden haben. Nein, sagt da die Stimme dieser Worte, nein, so können wir es machen; und es wird zu einem guten Ende führen. Der auferstandene Christus ist kein Geist, kein Gespenst, kein Hirngespinst, keine kettenklirrende und angstmachende Erscheinung aus der Vergangenheit. Christus ist gegenwärtig, mit Fleisch und Knochen und hat Hand und Fuß. Auch heute!

Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen. Der auferstandene Christus isst. Fisch liegt nahe. Das ist die Speise seiner Kindheit. Wie sie wohl zubereitet war? Haben die Jüngerinnen und Jünger den Fisch gebraten? Gab es Beilagen? Und welche Sorte Fisch war es? Wichtig allein aber ist, dass Jesus isst. Er tut seinem Körper etwas Gutes. Er genießt sein Leben. Auch der auferstandene Körper braucht was zwischen die Zähne. Er ist kein unfassbarer Seelengeist, sondern ein Körper von Fleisch und Blut. So wie ich. Ängstlich, begeistert, hungrig, zufrieden, liebebedürftig und liebegebend, voller Energie oder auch müde. So nah, wie ich mir selbst bin, ist mir auch der auferstandene Christus.

Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden. Jesus will, dass ich verstehe. Hier sieh, sagt er, das ist alles schon immer von mir gesagt worden. Ich bringe dir keine unverständliche Neuigkeit. Vertraue dem, was dir schon immer vor Augen war. Lese es noch einmal. Sortiere es neu ein. Und vergiss es nicht, auch wenn es dunkel um dich wird und wenn dich das Leben bedrückt. Und ich schaue ich mich um und sehe alles das, von dem Jesus spricht. Dunkles und Helles, Totes und Lebendiges, Schweres und Leichtes. Jesus ist mir aber nah. Im Leben und im Leben darüber hinaus. Der Tod ist nicht mehr in Gottes Hand.

Amen.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Still sein

Ich will dir danken, Gott, dass wir auch in diesen Tagen deine Nähe erfahren können. Deine Botschaft muss nicht ruhen. Manche neue Wege der Verkündigung über Internet, Postkasten und Telefon sind vielleicht ungewohnt. Aber das ist deiner Botschaft nah, dass wir sie auch heute anders hören lernen.

Still sein

Ich denke an die Menschen, die nicht nur in Krisenzeiten einsam sind. Menschen sind wir aus Fleisch und Blut; und so ist uns diese Nähe überlebenswichtig. Gebe uns Kraft und Kreativität, auch denen nah zu sein, die uns nicht so nah sind.

Still sein

Hilf mir,
dass ich in aller Ungewissheit und Angst
nicht das Vertrauen verliere.
Lass mich und die anderen besonnen bleiben.
Bewahre die Schwachen.
Sorge für die Kranken.
Sei bei allen, die sterben.
Beschütze alle,
die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten,
die Kranke pflegen,
Eingeschlossene versorgen
und sich darum bemühen, dass wir haben,
was wir zum Leben brauchen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Ostersonntag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

  • Vorbereiten

Wie gern wären wir jetzt beieinander.
Wie sehr fehlt die Gemeinschaft:
Gemeinsam lachen, reden, singen, beten, feiern.
All das ist nicht möglich. Das schmerzt.

Lasst uns trotzdem aufbrechen, mit dem Läuten der Glocken.
Nicht mit den Füßen. Sondern mit unseren Gedanken.
Mit unserer Seele.
Mit unserem Herzen.
Wo immer wir gerade sind.

Lasst uns im Geläut den Ruf erklingen hören:
Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

  • Anfangen

Lass uns zur Ruhe kommen, Herr.
Sammle uns aus aller Zerstreuung.
Hol uns in deine Liebe.
Lass uns spüren: Wir sind nicht allein. Wir sind geborgen und vereint in Dir.  

  • Den Wochenpsalm beten

Worte aus dem Gebetbuch der Bibel.
Worte aus Psalm 118.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

            Der Herr ist meine Macht und mein Psalm

und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:

Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

            Die Rechte des Herrn ist erhöht;

die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben

und des Herrn Werke verkündigen.

            Der Herr züchtigt mich schwer;

aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,

dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

            Das ist das Tor des Herrn;

die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir, dass du mich erhört hast

und hast mir geholfen.

            Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,

ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen

und ist ein Wunder vor unsern Augen.

            Dies ist der Tag, den der Herr macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf!

O Herr, lass wohlgelingen!

            Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

            Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

  • Ein Lied singen

EG 101: Christ lag in Todesbanden

1) Christ lag in Todesbanden, für unsre Sünd gegeben, der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben. Des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dankbar sein und singen Halleluja. Halleluja.

2) Den Tod niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern; das macht alles unsre Sünd, kein Unschuld war zu finden. Davon kam der Tod so bald und nahm über uns Gewalt, hielt uns in seim Reich gefangen. Halleluja.

3) Jesus Christus, Gottes Sohn, an unser Statt ist kommen und hat die Sünd abgetan, damit dem Tod genommen all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Tods Gestalt, den Stachel hat er verloren. Halleluja.

4) Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben ‚rungen; das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen. Die Schrift hat verkündet das, wie ein Tod den andern fraß, ein Spott aus dem Tod ist worden. Halleluja.

5) Hier ist das recht Osterlamm, davon wir sollen leben, das ist an des Kreuzes Stamm in heißer Lieb gegeben. Des Blut zeichnet unsre Tür,b das hält der Glaub dem Tod für, der Würger kann uns nicht rühren. Halleluja.

6) So feiern wir das hoh Fest mit Herzensfreud und Wonne, das uns der Herr scheinen lässt. Er ist selber die Sonne, der durch seiner Gnaden Glanz erleucht‘ unsre Herzen ganz; der Sünden Nacht ist vergangen. Halleluja.

  • Auf Gottes Wort hören

Worte aus dem Markusevangelium, im 16. Kapitel.

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander:
Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 
Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. 
Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen:
Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten.
Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.
Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

  • Gedanken zum Text

„…sehr früh, als die Sonne aufging.“

Noch ist es nicht wieder ganz hell
als die Frauen zum Grab aufbrechen.

Noch können wir nicht wieder beisammen sein.
Noch sitzen wir zu Hause.

Öl bringen die Frauen zum Grab,
um den Geruch des Todes zu vertreiben.
Um dem Gesicht des Verstorbenen, Jesus,
noch einmal den Glanz des Lebens zu verleihen.
Sie hängen noch am Gestern.
Sie wollen den Tod erträglich machen.

Noch hängen wir am Gestern.
Trauern um das, was nicht mehr ist,
was nicht sein kann.
Wir richten uns ein,
wir versuchen, es erträglich zu machen.

Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. […] Uns sie entsetzten sich.

Dann geschieht, was nicht sein kann,
und deshalb macht es Angst:

Der Stein ist weggerollt.
Der Stein vor dem Grab, der den Toten geborgen hat.
Der Stein, der unseren Blick auf die Welt begrenzt,
so dass wir im Tod das Ende sehen.
Der Stein, der uns geborgen hat in unseren Sorgen,
in unserem Tun,
in unserem Blick zurück.

Der Stein soll einfach weg sein?
Ohne unser Zutun,
ohne unsere Anstrengung?

Den Tod niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern“.

Der Stein wurde weggewälzt.
Das, was hier geschehen ist, aber nicht beschrieben wird,
ist etwas, bei dem Gott alleine handelt.

„… und sie entsetzten sich.“

Entsetzlich: all unser Tun und Sorgen, all unsere Blicke zurück,
all unser Hängen am Gestern: umsonst.

„Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten.
Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“

Den, den ihr Sucht, werdet ihr hier nicht finden.
Nicht bei den Toten.

Das, wonach ihr Euch sehnt, findet ihr nicht mit dem Blick zurück.

„Geht aber hin“!

Geht. Geht hinaus ins Leben. Nach Galiläa, in euren Alltag.
Geht hinaus vor die Tür, lasst Euch die Sonne ins Gesicht scheinen,
die aufgegangen ist,
während ihr ins Grab geblickt habt.
Die Euch hell bescheint.

Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

Geht den Weg weg vom Grab.
Geht ihn als Weg zurück ins Leben.
Geht ihn – ihm nach.
Er ist längst diesen Weg gegangen:
Vom Leben ans Kreuz. Vom Kreuz ins Grab. Und vom Grab ins Leben.
Geht ihm nach. Er ist bei euch.
Von jetzt an immer. Verwandelt. Manchmal schwer zu erkennen.
Aber ganz gewiss: da.
Ihr werdet sehen.

Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Der Stein wurde weggewälzt. Ohne unser Zutun.
Wir leben von jetzt an ein Leben, in dem der Tod nicht das Ende ist
und keine Macht mehr über uns hat.
Das ist entsetzlich schwer zu glauben. Das ist entsetzlich schwer, sich vorzustellen.

Aber: Die Geschichte ist nicht zu Ende.
Sie geht jetzt erst richtig los.
Die Geschichte der beiden Frauen.
Die Geschichte der ersten Christen.
Unsere Geschichte.

Die Geschichte dieser Welt mit Gott.
Schreiben wir sie weiter. Erzählen wir sie weiter. Leben wir sie weiter.
Treten wir hinaus. Blicken wir nach vorn.
Die Sonne ist längst aufgegangen,
während wir noch entsetzt ins Grab geblickt haben.

So feiern wir das hoh Fest mit Herzensfreud und Wonne, das uns der Herr scheinen lässt. Er ist selber die Sonne, der durch seiner Gnaden Glanz erleucht‘ unsre Herzen ganz; der Sünden Nacht ist vergangen. Halleluja.

AMEN.

  • Beten

Herr unser Gott,
wir bitten Dich:

Geh mit uns hinein in diese Welt, weg vom Grab.

Geh mit uns in diesen Tagen, an denen wir alleine sind.

Steh an unserer Seite, wenn wir uns einsam fühlen.

Schicke deine Engel an die Krankenbetten,
birg die Ärztinnen und Krankenpfleger unter deine Fittiche.

Nimm die Kinder an die Hand, die ihre Spielkammeraden so schmerzlich vermissen. Schenke den Erwachsenen Geduld und Ruhe.

Leg Deine Hand auf die Schulter derer, die schwere Entscheidungen zu treffen haben.

Zeige uns die, die wir vergessen in der Sorge um uns selbst.
Lass uns an die Ränder blicken und darüber hinaus.

Gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Amen.

Ihnen und Ihren Lieben ein gesegnetes Osterfest!

Ihr Pfarrer Georg Bucher

  • Möge die Straße uns zusammenführen

Möge die Straße uns zusammenführen
und der Wind in deinem Rücken sein;
sanft falle Regen auf deine Felder
und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Refrain: Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand;
und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand.

Karsamstag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:  

  • Vorbereiten

Ich höre auf mit dem, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Lass mich zur Ruhe kommen.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht meine Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Wochenpsalm beten

Worte aus dem Gebetbuch der Bibel.
Worte aus Psalm 88.

HERR, Gott, mein Heiland,
ich schreie Tag und Nacht vor dir.

Lass mein Gebet vor dich kommen,
neige deine Ohren zu meinem Schreien.

Denn meine Seele ist übervoll an Leiden,
und mein Leben ist nahe dem Totenreich.

Ich bin denen gleich geachtet, die in die Grube fahren,
ich bin wie ein Mann, der keine Kraft mehr hat.

Ich liege unter den Toten verlassen,
wie die Erschlagenen, die im Grabe liegen,
derer du nicht mehr gedenkst und die von deiner Hand geschieden sind.

Du hast mich hinunter in die Grube gelegt,
in die Finsternis und in die Tiefe.

Wirst du an den Toten Wunder tun,
oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken? SELA.

Wird man im Grabe erzählen deine Güte
und deine Treue bei den Toten?

Werden denn deine Wunder in der Finsternis erkannt
oder deine Gerechtigkeit im Lande des Vergessens?

  • Ein Lied hören

1. O Traurigkeit, o Herzeleid! Ist das nicht zu beklagen? Gott des Vaters einig Kind wird ins Grab getragen.

2. O große Not! Gott selbst ist tot, am Kreuz ist er gestorben, hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb‘ erworben.

3. O Menschenkind, nur deine Sünd‘ hat dieses angerichtet, da du durch die Missetat warest ganz vernichtet.

4. Dein Bräutigam, das Gotteslamm, liegt hier mit Blut beflossen, welches er ganz mildiglich hat für dich vergossen.

  • Auf Gottes Wort hören

Worte aus dem Matthäusevangelium, im 27. Kapitel.

Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm den geben. 
Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon.
Es waren aber dort Maria Magdalena und die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber.
Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die Hohenpriester und die Pharisäer bei Pilatus und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Nach drei Tagen werde ich auferweckt.
Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste.
Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt. 
Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein.

  • Gedanken zum Text

Pilatus und seine Einflüsterer:
„Was, wenn Jesu Anhänger einen Betrug aushecken?
Oder, noch viel schlimmer:
Was, wenn es wirklich stimmt, was er gesagt hat:
Dass er auferstehen wird?
Dass er den Tod überwinden wird?
Dass keiner vergessen wird, unten in der Grube,
in der Finsternis und in der Tiefe?
Dass er treu ist, auch den Toten?
Sollte das alles wirklich stimmen?

Was wäre dann mit unserer Herrschaft,
die von der Angst sich nährt?
Was wäre dann mit unserer Macht,
die vom Tod sich nährt, den wir verbreiten
mit dem Schwert?

Das darf nicht sein! Niemals!
Da müssen Wachen davor.
Das muss unterdrückt und versiegelt werden.
Wo kämen wir sonst hin!“

Josef aus Arimathäa:
„Ich will ihn legen in mein Grab.
Ich will dem beschmutzten und geschändeten Leib
Würde und Ehre geben.
Ich will den Leib begraben,
aber nicht meine Hoffnung,
die noch immer ruht auf ihm.“

Die beiden Marias:
„Wir wollen wachen und bei ihm sein,
so wie er bei uns war.
Wir akzeptieren seinen Tod nicht.
Wir nehmen ihn weiter beim Wort:
»Nach drei Tagen werde ich auferweckt.«
Kein Schwert und keine Wache,
kein Siegel und kein Stein
soll uns schrecken.
Wir bleiben hier und wachen bei ihm.
Dabei helfe uns Gott.“

Amen.

  • Beten

Herr unser Gott,
wir bitten Dich:

Hilf uns, auszuharren.
An den Gräbern,
an den Betten,
in der Einsamkeit,
in der Stille.

Lass uns aushalten,
dass so viele Fragen offenbleiben,
dass so viele Zweifel sich nicht in Gewissheit verwandeln,
dass so viel Schmerz nicht gelindert,
dass so viel Leid sinnlos ist,
dass deine Schöpfung so viele Abgründe hat.

Lass uns ausharren,
und vertrauen auf dich.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Amen.

(Pfarrer Georg Bucher)

Karfreitag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

Karfreitag läutet eine Glocke, verhaltener, und lädt ein zum Gottesdienst.
Unser Gottesdienstsaal bleibt leer.

Gottes Wort, Gebet und Segen haben aber überall Platz:
zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

  • Vorbereiten

Die Glocke läutet.
Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt,
und höre auf das Läuten.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Wochenpsalm beten

Hört Worte aus Psalm 22,
um mit ihnen zu danken, zu klagen, zu loben.

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Aber du bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
»Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus
und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«
Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen;
du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.
Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an,
du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, / alle meine Gebeine haben sich zertrennt;
mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.
Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, / und meine Zunge klebt mir am Gaumen,
und du legst mich in des Todes Staub.
Ich kann alle meine Gebeine zählen;
sie aber schauen zu und weiden sich an mir.
Sie teilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los um mein Gewand.
Aber du, Herr, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!

  • Ein Lied singen

1. O HAUPT VOLL BLUT UNS WUNDEN, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!

5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an. Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Guts getan; dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Kost, dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust.

6. Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht; von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht; wenn dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen in meinem Arm und Schoß.

9. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.

10. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und lass mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl.

  • Einige Gedanken zum Lied

Ein Bild voller Grausamkeit zeichnet Paul Gerhardt von dem leidenden und sterbenden Christus. Zerrissen zwischen seinen menschlichen Wunden, den von ihm erlittenen Gewaltaten und seiner hohen Heiligkeit, seiner Gottessohnschaft, „sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier“. Die dringende Bitte in Strophe 6, „verachte mich doch nicht“, erinnert daran, dass dieses Leiden und Sterben der menschlichen Sünde zugerechnet wird. Indem Christus sich dieser Menschlichkeit bis zum Tod ergibt, trägt er auch unsere Schuld. Alle Angst und Pein, vor allem die vor unserem Lebensende, ist darin aufgehoben. „Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und lass mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot.“

Alessia Bonari ist eine der italienischen Krankenschwestern, deren Photografien im Internet verbreitet wurden. Auf den Wangen und auf dem Nasenrücken sind deutlich die Narben und Blutergüsse zu sehen, die vom stundenlangen Tragen der Schutzmaske in der Intensivstation zurückgeblieben sind. Sie erzählt auch von ihrer Angst, dass sie sich selbst anstecken könnte. Und von der Mühsal ihres Dienstes, 6 Stunden lang ohne Gelegenheit zur Toilette zu gehen oder etwas trinken zu können. Aber sie sei sich sicher, dass sie ihre Patienten weiterhin behandeln und pflegen werde.

Beide Szenen, die im Kirchenlied und die auf dem Photo im Internet verbindet der Gedanke, dass die Leiden für andere Menschen gern in Kauf genommen werden, um ihnen zu helfen. Alessia Bonari betont aber, dass sie nicht krank werden will, um ihre Arbeit fortsetzen zu können. Das Leben soll weitergehen. Deshalb ist Christus am Kreuz gestorben. Weil wir leben sollen. Um Hilfe zu geben und um Hilfe zu empfangen. Voller Dankbarkeit. Und ohne Angst.

Amen.

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Still sein

Ich will dir danken, Gott, dass ich mich nicht für dich opfern muss, sondern die Freiheit habe, mir und meinem Nächsten etwas Gutes zu tun.

Still sein

Ich denke an die Menschen, die voller Leidenschaft sich darum bemühen, dass jeder einen Platz hier auf der Erde hat, ein Platz, an dem Frieden und Geborgenheit zu finden ist; ein Platz mit Menschen, die bei aller Besonnenheit auch vor den Gefahren nicht weichen.

Still sein

Mich beschäftigt, wie wir alle dazu beitragen können, ein Stück deiner himmlischen Gerechtigkeit zu verkörpern.

Still sein

Hilf mir,
dass ich in aller Ungewissheit und Angst
nicht das Vertrauen verliere.
Lass mich und die anderen besonnen bleiben.
Bewahre die Schwachen.
Sorge für die Kranken.
Sei bei allen, die sterben.
Beschütze alle,
die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten,
die Kranke pflegen,
Eingeschlossene versorgen
und sich darum bemühen, dass wir haben,
was wir zum Leben brauchen.


Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Gründonnerstag 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

An diesem Gründonnerstag laden wir sie ein, Andacht zu halten und im häuslichen Kreis das Heilige Abendmahl zu feiern. Auch wenn unsere Gotteshäuser leer bleiben, können wir so nachvollziehen, dass Jesus Christus in Brot und Wein gegenwärtig ist. Grundsätzliche und praktische Hinweise zum Hausabendmahl finden Sie im Anschluss an diese Andacht. Ein herzlicher Dank dafür geht an Pfarrer Karsten Müller.

  • Vorbereiten

Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

  • Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

  • Den Psalm beten

Mit Worten aus Psalm 111 können wir danken, klagen und loben.

Halleluja! Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen
im Rate der Frommen und in der Gemeinde.

Groß sind die Werke des Herrn;
wer sie erforscht, der hat Freude daran.

Was er tut, das ist herrlich und prächtig,
und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder,
der gnädige und barmherzige Herr.

Er gibt Speise denen, die ihn fürchten;
er gedenkt auf ewig an seinen Bund.

Er lässt verkündigen seine gewaltigen Taten seinem Volk,
dass er ihnen gebe das Erbe der Völker.

Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht;
alle seine Ordnungen sind beständig.

Sie stehen fest für immer und ewig;
sie sind geschaffen wahrhaftig und recht.

Er sandte Erlösung seinem Volk / und gebot, dass sein Bund ewig bleiben soll.
Heilig und hehr ist sein Name.

Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. / Wahrhaft klug sind alle, die danach tun.
Sein Lob bleibet ewiglich.

  • Ein Lied singen

EG 223: Das Wort geht von dem Vater aus

1) Das Wort geht von dem Vater aus
und bleibt doch ewiglich zu Haus,
geht zu der Welten Abendzeit,
das Werk zu tun, das uns befreit.

2) Da von dem eignen Jünger gar
der Herr zum Tod verraten war,
gab er als neues Testament
den Seinen sich im Sakrament,

3) gab zwiefach sich in Wein und Brot;
sein Fleisch und Blut, getrennt im Tod,
macht durch des Mahles doppelt Teil
den ganzen Menschen satt und heil.

  • Auf Gottes Wort hören

Der Predigttext für diesen Gründonnerstag steht im 2. Mose 12, 1-14.

Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland:
Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr’s nehmen und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den Türsturz damit bestreichen an den Häusern, in denen sie’s essen, und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen. Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr’s mit Feuer verbrennen. So sollt ihr’s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des Herrn Passa. Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter. Ich bin der Herr. Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den Herrn, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

Einige Gedanken dazu

Mitten in der Ordnung: Die Angaben sind genau und ausführlich. Eine Vorschrift, die einzuhalten ist. Nur dann kann es gelingen. Die Ordnung garantiert die Sicherheit der Israeliten. Sicherheit ist ein Grundbedürfnis. Mit der Ordnung kann es befriedigt werden. Mitten in der Ordnung kann ich im Frieden leben. Was aber ist, wenn die Ordnung nicht mehr gewährleistet werden kann?

Mitten in der Gefahr: Nicht ohne Grund werden diese Vorschriften hier angegeben. Sie erinnern daran, dass die Israeliten aus Ägypten fliehen wollen. Die guten und billigen Arbeitskräfte will der Pharao nicht gehen lassen. Ultima ratio. Gott setzt seine Macht ein, um seine Kinder zu befreien. Das Ritual hilft, die Angst zu besiegen. Wenn der Frieden gestört ist, wenn ich mich bedrängt und eingeengt fühle und nicht frei leben kann, besteht Handlungsbedarf. Meine innere Ordnung hilft mir dabei. Ich wende mich an meine Mitmenschen und an Gott. Ich bin im Gespräch und im Gebet. Ich versichere mich, dass die Grundordnung, dass die Schöpfung Gottes und seine Gegenwart beständig sind.

Mitten in der Ewigkeit: Manchmal ist es schwer, an Gottes Ordnung zu glauben. Der Augenschein legt mir etwas anderes nahe. Gottes Kraft wirkt nicht immer so, wie ich es mir wünsche. Dann bestimmt Angst und Unsicherheit mein Leben. Ich fühle mich einsam und verlassen. In der Erinnerung und Vergegenwärtigung des Geschehens kann ich aber wieder neuen Grund unter meinen Füßen finden. Was mir gewährt wurde in der Geborgenheit, geht mir auch in der Unordnung meines Lebens nicht verloren. Gott ist gegenwärtig, im Frieden und in der Krise. Als ewige Ordnung.

Amen. 

  • Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Still sein

Ich will dir danken, Gott, dass deine Ordnung weiter reicht als meine Augen und mein Verstand.

Still sein

Ich denke an die Menschen, die unter der gegenwärtigen Situation besonders leiden. Ich denke an die Menschen, die wir noch schneller vergessen, weil wir mit uns zu tun haben.

Still sein

Mich beschäftigt, wie wir unser Vertrauen in dich, Gott, nicht verlieren. Wie wir dir nahe sein können. Und unseren Mitmenschen, nah und fern.

Still sein

  • Hinführung zum Abendmahl

Gott hat uns in Jesus Christus das ewige Leben geschenkt.
Er ruft alle Welt und lädt uns an seinen Tisch.
Wir gehören zu ihm.
Er verbindet uns untereinander.
Auch in diesen Tagen.
Er überwindet Einsamkeit, Angst und Unfrieden.
Indem wir von diesem Brot essen
und von diesem Wein trinken
haben wir Frieden in seiner Gegenwart.

  • Ein Lied singen

EG 221: Das sollt ihr Jesu Jünger nie vergessen

1) Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen:
wir sind, die wir von einem Brote essen,
aus einem Kelche trinken, alle Brüder und Jesu Glieder.

2) Wenn wir wie Brüder bei einander wohnten,
Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten,
dann würden wir den letzten heilgen Willen des Herrn erfüllen.

3) Ach dazu müsse seine Lieb uns dringen!
Du wollest, Herr, dies große Werk vollbringen,
dass unter einem Hirten eine Herde aus allen werde.

  • Einsetzungsworte

Und in der Nacht, da Jesus verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach‘s und gab‘s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset. Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.

Desggleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl
dankte und gab ihnen den und sprach:
Nehmet hin und trinket alle daraus,
dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut,
das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden:
Solches tut, sooft ihr‘s trinket zu meinem Gedächtnis.


Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Austeilung (mit den Worten: Christi Leib, für dich gegeben. Christi Blut, für dich vergossen.
Oder: Das Brot des Lebens: für dich. Der Kelch des Heils: für dich.)

  • Beten

Wir danken dir, allmächtiger Gott,
dass du uns durch diese heilsame Gabe erquickt hast,
und bitten dich:
Lass sie in uns wirksam werden zu starkem Glauben an dich
Und zu herzlicher Liebe unter uns allen.
Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unserem Bruder,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

  • Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

  • Hinweise zum Feiern des Abendmahls in der Familie

Grundsätzliches

Gewöhnlich leitet eine Pfarrerin oder ein Pfarrer im öffentlichen Gottesdienst die Abendmahlsfeier. Das ist derzeit nicht möglich. Die geistliche Autorität zur Leitung des Abendmahls begründet sich bei der häuslichen Feier nicht in der Ordination sondern in der Taufe.

Luther hat in seinem Amtsverständnis Wert darauf gelegt, dass nicht geistliche Ränge oder Weihen das Amt bestimmen, sondern die Ordnung.

Der Ordnung können wir in der gegenwärtigen Lage nicht Genüge tun, es sei denn, wir verzichten auf das Mahl. Damit würden wir  aber auch auf die Zeichen der Gegenwart Gottes verzichten, der sich uns in Brot und Wein schenkt.

Die Mahlfeier am Gründonnerstag ist in diesem Jahr in ihrer besonderen Form nicht nur ein Vorgeschmack auf das Mahl, das am Ende der Zeit uns bereitet ist, sondern unterstreicht auch unsere Hoffnung auf die Zeit nach der Krise, wenn wir wieder in den Kirchen Gottesdienste feiern können und gemeinsam das Brot brechen und den Kelch segnen werden.

Praktisches

Die Feier des Abendmahls kann vor dem gemeinsamen Abendessen am Gründonnerstag in der Form eines Tischabendmahls stattfinden.

Da Oblaten in der Regel nicht zur Verfügung stehen, kann Weißbrot verwendet werden. Nehmen Kinder an der Feier teil, wird statt Wein Traubensaft verwendet.

Als Gerät kann festliches Geschirr (Teller, Weinglas) verwendet werden. Weingläser können auch die Funktion von Einzelkelchen übernehmen.

Vor der Feier werden die Gebet und Texte verteilt. Sinnvoll ist, dass nicht nur eine Person während der Feier betet und liest. Die vorgeschlagene Ordnung der Feier kann für jedes Familienmitglied ausgedruckt oder über die Homepage der Johannesgemeinde auf das Smartphone geladen werden.

Die Lieder, Gebete und Texte der Ordnung sind Vorschläge. Mit Ausnahme der Einsetzungsworte und des Vaterunsers kann man sie variieren. Musik kann zum Beginn und zum Ende der Feier eingespielt oder selbst gemacht werden.

Für Rückfragen: Pfarrer Karsten Müller (0160 97714276)

(Pfarrer Olaf Wisch)

Passionsandacht am 08. April 2020

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

  • Vorbereitung

In der Mitte der Woche halten wir inne.
Wir schauen zurück auf die vergangenen Tage
und sehen auf die Tage, die vor uns liegen.
Wir halten inne und nehmen uns Zeit für Stille und Gebet.

  • Eröffnung

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Jesus spricht: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lk 18,31)

Der Weg nach Jerusalem führt Jesus ins Leiden und ans Kreuz. Sieger Köder hat von diesem Kreuzweg viele Bilder gemalt. Eines davon betrachten wir gemeinsam in dieser Andacht.

Es trägt den Titel „Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz tragen“.

  • Psalm

Wir sprechen Worte aus Psalm 102:

Herr, höre mein Gebet
und lass mein Schreien zu dir kommen!

Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch
und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.

Ich bin wie die Eule in der Einöde,
wie das Käuzchen in den Trümmern.

Du aber, Herr, bleibst ewiglich
und dein Name für und für.

Denn er schaut von seiner Heiligen Höhe,
der Herr sieht vom Himmel auf die Erde,

dass er das Seufzen  der Gefangenen höre
und losmache die Kinder des Todes,

dass sie in Zion verkünden den Namen des Herrn
und sein Lob in Jerusalem.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

  • Gebet

Guter Gott,

du siehst, wenn Menschen leiden.
Du hörst, wenn jemand weint.
Du weißt, wie groß Angst sein kann
und wie schlimm Schmerzen sind
und wie fern ersehnte Hilfe.

Denn dein Sohn Jesus hat selber gelitten.
Er ist am Kreuz gestorben.
Aber du hast ihn auferweckt.

Du bist größer als die Angst
und stärker als der Tod.

Danke, guter Gott.

  • Lesung: Evangelium nach Markus 15, 20b-21

Und sie führten Jesus hinaus, dass sie ihn kreuzigten. Und zwangen einen, der vorüberging, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage.

  • Lied: EG 361 („Befiehl du deine Wege“)

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=994&buch=21#player

1) BEFIEHL du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

2) DEM HERREN musst du trauen,
wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen:
es muss erbeten sein.

  • Bildbetrachtung
Passion 2020_Station 05_Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen (Sieger Köder)

Die Begegnung Jesu mit Simon von Kyrene wird in den Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas beschrieben. Die Worte des Markus fallen insbesondere durch die Nennung der beiden Söhne Alexander und Rufus auf. Simon, der Feldarbeiter, der zufällig den Weg Jesu kreuzt, steht anscheinend in keinerlei Beziehung zu ihm. Plötzlich ist er sehr nah an ihm dran. Er kreuzt seinen Weg. Die Kreuzigung und das Kreuz rahmen diese Episode in seinem Leben. Ob die Nennung der Namen der beiden Söhne darauf hinweist, dass diese Begegnung von nachhaltiger Bedeutung für Simon war? Dass er sich zu Christus zugehörig fühlte, nachdem er mit ihm unter dem Kreuz den Weg nach Golgatha gegangen ist. So nah, wie sich die beiden Männer auf dem Bild von Sieger Köder kommen, wäre das vorstellbar. Der erste Gedanke beim Betrachten ist die Frage, wer welcher ist. Die beiden Häupter der Männer sind seitlich Stirn an Stirn aneinandergelegt. Bei genauerer Betrachtung sieht man die Wunden der Dornenkrone auf der Stirn Jesu. Sein bleiches, mageres Gesicht passt zu den Qualen, die er erlitten hat, ebenso wie das sonnengebräunte Antlitz des Simon zum Feldarbeiter, der Jesus mit seiner Kraft unter die Arme greift. Die Arme überkreuz, ein gemeinsamer Weg, für einige Augenblicke. Simon spürt die Last des Kreuzes, sein Blick ist wie der Jesu starr nach vorn gerichtet. Eine Partnerschaft auf Zeit. Erst aus Zwang und dann aus Einsicht? Manchmal muss ich auch erst einen Menschen, und seine Lasten und Leiden kennenlernen, um mich ihm auch mit dem Herzen zuzuwenden. Vielleicht bin ich sonst eher achtlos an dem Angestellten im Supermarkt vorbeigegangen. Plötzlich mir wird mir aber in diesen Tagen bewußt, wie wichtig seine Arbeit ist. Oder ich stelle mir die Frage, warum eine Kollegin sich so eigentümlich verhält. Plötzlich sitzen wir zusammen und haben Gelegenheit, miteinander wirklich in Ruhe zu sprechen. Plötzlich sehe ich sie mit anderen Augen. Und ich stelle mir vor, wie Simon von Kyrene nach diesem außergewöhnlichen Tag etwas später nach Hause kommt und seinen beiden Söhnen erzählt, was geschehen ist. Und sie stellen Fragen und Simon spürt, das war nicht alltäglich, was ihm da geschieht; die Spuren des Kreuzes noch auf den Schultern und den Blick Jesu im Herzen.

  • Lied: EG 361 („Befiehl du deine Wege“)

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=994&buch=21#player

3) DEIN ewge Treu und Gnade,
o Vater, weiß und sieht,
was gut sei oder schade
dem sterblichen Geblüt;
und was du dann erlesen,
das treibst du, starker Held,
und bringst zum Stand und Wesen,
was deinem Rat gefällt.

4) WEG hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir’s nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht.
Dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun.

  • Gebet und Vaterunser

Gott, unser Vater,
wir danken dir:
Du siehst uns. Du kennst uns. Du bist uns nahe.
Wir bitten dich:
Tröste die Traurigen.
Stärke die Kranken.
Mache den Ängstlichen Mut.
Nimm unsere Toten auf in dein Reich.
Mit Jesu Worten beten wir zur dir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segensbitte

Und so segne und behüte uns Gott, der Allmächtige und der Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

(Pfarrer Olaf Wisch)

Sonntag Palmarum (05.04.2020)

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören: 

Die Glocken läuten – ich mache mich auf. Nicht mit den Füßen. Sondern mit meinen Gedanken. Mit meinem Atem. Mit meiner Seele.
Wo immer ich gerade bin.

Vorbereiten

Ich höre auf mit dem, was mich gerade beschäftigt,
und höre auf das Läuten.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Lass mich zur Ruhe kommen.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht meine Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

Den Wochenpsalm beten

Worte aus dem Gebetbuch der Bibel.
Worte aus Psalm 69.

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

Ich versinke in tiefem Schlamm,
wo kein Grund ist;

ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrien,
mein Hals ist heiser.

Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Errette mich aus dem Schlamm,
dass ich nicht versinke,

dass ich errettet werde vor denen, die mich hassen,
und aus den tiefen Wassern;

dass mich die Flut nicht ersäufe und die Tiefe nicht verschlinge
und das Loch des Brunnens sich nicht über mir schließe.

Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich;
wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit

und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knechte,
denn mir ist angst; erhöre mich eilends.

Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie,
Gott, deine Hilfe schütze mich!

Ein Lied singen

Auf Gottes Wort hören

Worte aus dem Markusevangelium, im 14. Kapitel.

Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der Ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten. Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe.

Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.

Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.

Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Gedanken zum Text

„… wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten“: Die Macht des Todes hat viele Gesichter. Mal entstellt sie das Leben ganz ohne menschlichen Einfluss. Durch Krankheit, durch ein Virus. Mal kommt sie mit menschlichem Kalkül. Berechnend und mit einem Plan. So wie hier zu Beginn der Passionsgeschichte. Ausgeheckt von Männern, in geschlossenen Kreisen.

„… da kam eine Frau“: Zitternd, aber nicht zögernd geht sie auf Jesus zu. Sie weiß, dass die Blicke auf ihr liegen. Dass sie hier ins Risiko geht. Dass sie sich aussetzt. In ihrer Liebe. Ihrer Liebe zu Jesus und zu seiner Sache. Sie dringt in den Männerkreis, leise, aber bestimmt.

„… die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt“: Verschwendung. Liebe verschwendet sich. Auch und gerade angesichts des Todes. Den Todgeweihten macht sie zum Liebesgeweihten. Koste es, was es wolle. Ohne ein Wort zu sagen. Mit der ganzen Kraft der zarten Berührung.

„Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben.“ Was soll das. Das ist töricht. Was das kostet. So eine Verschwendung. Das tut man nicht, rechne doch mal nach.
Die radikale Liebe provoziert den Widerspruch. Lässt die Männer toben. Aber damit kommen sie zu spät. Damit kommen sie diesmal nicht weiter. Damit entlarven sie nur sich selbst.

Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Ihr habt nicht verstanden, worum es hier geht. Ihr müsst Eure Rechenspiele lassen, um das hier zu verstehen. Hört auf, Leid und Tod gegeneinander aufzurechnen. Hier ist die Liebe am Werk. Und das ist etwas Ernsteres und Tieferes als ihr ahnt. Schweigt und geht in euch.

„Sie hat getan, was sie konnte.“ Das ist das, worauf es jetzt ankommt, wenn die Liebe der Macht des Todes gegenübersteht: Dass jeder tut, was er kann. Dass wir Spuren und Zeichen der Liebe verteilen und verschwenden. Die Liebe ausgießen auf die Häupter auch der Todgeweihten. Koste es, was es wolle.

„Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.“ Die Sache Jesu geht da weiter, wo sich die Geschichte der radikalen Liebe fortschreibt. Wo die Liebe und die Leidenschaft sich verschwenden. Im Einsatz am Krankenbett. In einem freundlichen Wort an der Kasse. Im geduldigen ausharren. In einem Wort der Zuwendung am Telefon. Dort, wo das Leben zerbrechlich ist wie ein zartes Alabastergefäß und die Liebe sich verschwendet.
So geht es weiter mit der Liebe und mit uns seit jenem Tag.
Zitternd. Mit Risiko. Leise. Aber bestimmt. Ganz bestimmt.

Amen.

Beten

Gott, in der Stille ringe ich um Worte
und Suche nach dir.

Still sein

Ich frage dich Gott, nach dem Guten in Deiner Schöpfung.
Ich frage dich nach Deiner Liebe zu ihr.
Sie hat so viele dunkle Seiten.
Du bist manchmal dunkel und fern.

Still sein

Ich hoffe auf dich, Gott.
Ich hoffe auf dich und deine Liebe.
Ich will mich und dich daran erinnern, was du gesagt hast.
Ich will Ausschau halten nach den zarten Spuren Deiner Liebe im Angesicht des Todes.
Ich will nicht von dir lassen.
Ich will auf dich trauen.
Hilf mir. Hilf uns, oh Herr.

Still sein

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

(Pfarrer Georg Bucher)

„Es ist vollbracht!“ – Passionsandacht am 01. April 2020

  • Vorbereitung

In der Mitte der Woche halten wir inne.
Wir schauen zurück auf die vergangenen Tage
und sehen auf die Tage, die vor uns liegen.
Wir halten inne und nehmen uns Zeit für Stille und Gebet.

  • Eröffnung

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Gottes sei mit uns allen.

Jesus sprach: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lk 18,31)

Der Weg nach Jerusalem führt Jesus ins Leiden und ans Kreuz. Sieger Köder hat von diesem Kreuzweg viele Bilder gemalt. Eines davon betrachten wir gemeinsam in dieser Andacht.

Es trägt den Titel „Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt“.

  • Psalm

Wir sprechen Worte aus Psalm 130.

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme!
Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!

Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst –
Herr, wer wird bestehen?

Denn bei dir ist die Vergebung,
dass man dich fürchte.

Ich harre des Herrn, meine Seele harret,
und ich hoffe auf sein Wort.

Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen;
mehr als die Wächter auf den Morgen hoffe Israel auf den Herrn!

Denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.
Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

  • Gebet

Guter Gott,

du siehst, wenn Menschen leiden.
Du hörst, wenn jemand weint.
Du weißt, wie groß Angst sein kann
und wie schlimm Schmerzen sind.

Denn dein Sohn Jesus hat selber gelitten.
Er ist am Kreuz gestorben.
Aber du hast ihn auferweckt.

Du bist größer als die Angst
und stärker als der Tod.

Danke, guter Gott.

  • Lesung: Evangelium nach Johannes, Kapitel 19, Verse 25 bis 34 sowie 38 bis 42

25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.

26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

28 Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.

29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund.

30 Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

31 Weil es aber Rüsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat über – denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag –, baten die Juden Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen würden.

32 Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war.

33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht;

34 sondern einer der Soldaten stieß mit einer Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus.

38 Danach bat Josef von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden, den Pilatus, dass er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam Jesu ab.

39 Es kam aber auch Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund.

40 Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in Leinentücher mit Spezereien, wie die Juden zu begraben pflegen.

41 Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war.

42 Dahin legten sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab nahe war.

  • Lied: EG 91,1-3 („Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken“)

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=835&buch=21#player

1) Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,
mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen
uns zu erlösen.

2) Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer statt gemartert und zerschlagen,
die Sünde tragen:

3) welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde
den Fluch der Sünde.

  • Bildbetrachtung
Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt (Sieger Köder)

„Es ist vollbracht!“ ruft Jesus. Danach neigte er das Haupt und verschied.

Jesus hat seinen Leidensweg vollbracht. Er ist die Via Dolorosa, den Weg der Schmerzen bis zum bitteren Ende gegangen. Aber nun ist es für ihn vorbei. Der Schauprozess mit seiner skandalösen Verurteilung, der Spott und die Folter, die Schläge und die Schmerzen sind vorbei – es ist vollbracht. Nach einem letzten Schrei ist Totenstille eingekehrt.

„Es ist vollbracht!“ – Ja, es ist vollbracht, aber nicht erledigt. Wenn nach menschlichem Ermessen alles erledigt scheint, wirkt die Liebe Gottes weiter. Die Familie und die Freunde Jesu erfüllen einen letzten Dienst und tragen damit die Liebe über Leid und Tod hinaus.

Josef von Arimathäa lässt sich den Leichnam aushändigen und stellt sein Grab zur Verfügung. Nikodemus bringt Kräuter und Öl, damit der Tote in Würde in Leintücher gehüllt in das neue Grab gelegt werden kann.

Zwischen das „Es ist vollbracht!“ und die Abnahme des Leichnams vom Kreuz einerseits und die liebevolle Ver­sorgung des Toten und seine Bestattung andererseits hat christliche Frömmigkeit und Kunst seit dem 14. Jahrhundert eine Szene gestellt, die in der Heiligen Schrift so nicht vorkommt: Die Pietà – die Schmerzensmutter Maria hält den geschundenen Leib ihres Kindes in den Armen.

Am Ende wird noch einmal die Liebe der Mutter zu ihrem Kind abgebildet. So wie Maria das Jesuskind nach der Geburt in Windeln wickelt und in eine Krippe legt, so hält sie ihn im Tod noch einmal in den Armen, um ihn dann mit Freunden in Leintücher zu wickeln und ins Grab zu legen.

Sieger Köder gibt dieser Szene eine besondere Ruhe und Zärtlichkeit. Schmerzensschreie, Leid und Tod sind der Stille und Zuneigung gewichen. Der geschundene Körper des Gekreuzigten erfährt liebevolle Behutsamkeit. Bei allem Schmerz wird die Szene durchdrungen von den Zeichen der Hoffnung und der bleibenden Liebe Gottes. Maria trägt einen grünen Mantel – die Farbe der Hoffnung. Ihr Gesicht scheint wie verklärt von inniger Liebe. Ihre Arme umschließen den geschundenen Leib in zärtlicher Behutsamkeit. Auf der Schulter Mariens sitzt die Taube mit dem Ölzweig und erinnert daran, wie es nach der Sintflut war: die Taube, die Noah aus der Arche fliegen ließ, sie kehrt mit einem Ölzweig zurück. Sie wird zur Botin der Hoffnung, zur Botin von Frieden und Leben. Gottes Treue bleibt bestehen über Flut und Leid und Tod hinaus. Sein Bund mit den Menschen ist nicht zerbrochen. Das Leben beginnt ganz neu. Und die Taube steht auch für den Heiligen Geist. So erinnert sie daran, dass Gott selbst dabei ist mitten im Tod. Wo alle anderen weg sind, wo die Menschen mit ihrem Leid allein bleiben, ist Gott selbst nahe.

Und schließlich die beiden Totenschädel in der Felsspalte: Sie erinnern an Adam und Eva. Für sie – und damit für die ganze Menschheit – wird der Tod überwunden. Sie werden durch Christus erlöst.

„Es ist vollbracht!“ – aber nicht erledigt. Die liebenden Arme Mariens, ihr grüner Mantel und die Taube mit dem Ölzweig machen deutlich:

Gottes Treue hört nicht auf. Seine Liebe bleibt und umschließt die Geschundenen und Verfolgten. Gott stellt sich zu den Geängstigten und Sterbenden. Gott ist den Flüchtenden und Vertriebenen nahe. Er tröstet die Zweifelnden und Einsamen. Er heilt die Kranken und sättigt die Hungernden.

Wenn die Mächtigen ihr Werk zu Ende gebracht haben, wenn die Schaulustigen gegangen sind, wenn nach menschlichem Ermessen alles erledigt scheint, dann vollendet Gott sein Liebeswerk und schenkt uns Frieden.

Amen.

  • Lied: EG 91,4.5.10

Melodie: http://www.eingesungen.de/player.php?track=835&buch=21#player

4) Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken.

5) Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden
ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,
die Weisheit Gottes.

10) Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken,
so lass dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken.
Dein Kreuz, dies sei, wenn ich den Tod einst leide,
mir Fried und Freude.

  • Gebet und Vaterunser

Gott, unser Vater,
wir danken dir:
Du siehst uns. Du kennst uns. Du bist uns nahe.
Wir bitten dich:
Tröste die Traurigen.
Stärke die Kranken.
Mache den Ängstlichen Mut.
Nimm unsere Toten auf in dein Reich.
Mit Jesu Worten beten wir zur dir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segensbitte

Und so segne und behüte uns Gott, der Allmächtige und der Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

(Martin Kötters)

Sonntag Judika (29.03.2020)

Hinweis: Sie können sich den Beitrag auch anhören:

Sonntagmorgen läuten die Glocken und laden ein zum Gottesdienst.
Doch in diesen Tagen müssen die Kirchen und Gottesdienste leer bleiben.

Gottes Wort, Gebet und Segen haben aber überall Platz: zuhause, am Küchentisch, auf dem Sofa oder draußen im Freien.

Vorbereiten

Die Glocken läuten.
Ich lege beiseite, was mich gerade beschäftigt,
und höre auf das Läuten.
Mein Kopf und mein Herz sind voll.
Einatmen … ausatmen … Alles lassen.
Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

Anfangen

In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.
Amen.

Den Wochenpsalm beten

Hört Worte aus Psalm 43,
um mit ihnen zu danken, zu klagen, zu loben.

Schaffe mir Recht, Gott,
und führe meine Sache wider das treulose Volk
und errette mich von den falschen und treulosen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich drängt?
Sende dein Licht und deine Wahrheit;
dass sie mich leiten
und bringen zu deinem heiligen Berg
und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes;
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Ein Lied singen

Auf Gottes Wort hören

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im Brief an die Hebräer, im 13. Kapitel.

Darum hat auch Jesus,
damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut,
gelitten draußen vor dem Tor.
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager
und seine Schmach tragen.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die zukünftige suchen wir.

Einige Gedanken dazu

Draußen vor dem Tor sind Menschen, die um ihr Leben oder um das Leben ihrer Patienten kämpfen; ganz in der Nähe, in Italien, in Europa, überall auf der Welt.
Wie weit ist das noch weg von mir?

Draußen vor dem Tor sind die Flüchtlingskinder in Griechenland, denen es am Notwendigsten fehlt. Europas Grenzen werden dichtgemacht.
Kann ich meine Gedanken davor verschließen?

Draußen vor dem Tor sind Obdachlose, die kein warmes Zimmer, eine saubere Toilette und genug zu essen haben.
Kann ich dankbar sein, dass es mir so gut geht?

Draußen vor dem Tor sind auch jene, die eingeschlossen in ihre Wohnungen, einsam sind und gefährdet, ohne Menschen, oder gerade weil sie von Menschen umgeben sind. Gefährdet als Risikopatient oder gefährdet durch häusliche Gewalt.
Kann ich dankbar sein, dass ich geborgen bin?

Wie weit ist das – noch – weg von mir?

Im Hebräerbrief heißt es: So lasst uns nun hinausgehen vor das Lager und Jesu Schmach tragen. Hinaus aus dem bequemen und gewohnten Leben. Die leeren Strassen der Stadt, das leergeräumte Regal und das stillgelegte Leben. Nichts ist im Grunde selbstverständlich. Nichts ist eine bleibende Stadt.

Ob ich daraus etwas lerne für die Zukunft? Ein wenig mehr Dankbarkeit, ein wenig mehr Lebensmut, ein wenig mehr Glauben?

Das ist mein Glaube, dass ich geheiligt bin durch Jesu Blut. So hat es Gott gemeint. Er will keine Opfer mehr. Draußen vor dem Tor, ein Ort der Solidarität und der Zuversicht. Diese Zukunft suche ich.  Amen.

Beten

Gott, in der Stille rede ich mit dir
und vertraue darauf:
Da ist ein Du, das mich sieht und hört.

Still sein

Ich will dir danken, Gott, dass ich auch in diesen Tagen sicher leben kann und Hilfe bekomme, wenn ich sie brauche.

Still sein

Ich denke an die Menschen, die um ihr Leben kämpfen, ihr eigenes Leben für andere einsetzen und uns wach halten mit dem Gedanken, dass jeder Mensch dein Kind ist.

Still sein

Mich beschäftigt, wie es nun weiter geht? Wie lange werden wir noch in dieser Situation leben müssen? Und wie wird das Ganze ausgehen?

Still sein

Hilf mir,
dass ich in aller Ungewissheit und Angst
nicht das Vertrauen verliere.
Lass mich und die anderen besonnen bleiben.
Bewahre die Schwachen.
Sorge für die Kranken.
Sei bei allen, die sterben.
Beschütze alle,
die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten,
die Kranke pflegen,
Eingeschlossene versorgen
und sich darum bemühen, dass wir haben,
was wir zum Leben brauchen.
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige
Gott, + Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

(Pfarrer Olaf Wisch)