Andacht

Andacht zum Gottesdienst am Totensonntag – Ewigkeitssonntag
23 .November 2025 .

Anfangen:
In deinen Händen, Herr, steht unsere Zeit.
Denke an mich in deiner Gnade.
Erhöre mich und hilf mir.  Amen

Eröffnung
„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Dieser Satz aus Psalm 90 soll uns in der letzten Woche des Kirchenjahres begleiten.
Aus Psalm 126:
Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird,
so werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein.
Dann wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan!
Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.
HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen
und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

Lied:  Wachet auf, ruft uns die Stimme – EG 147.
1.„Wachet auf“; ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne,
wach auf, du Stadt Jerusalem!
Mitternacht heißt diese Stunde; sie rufen uns mit hellem Munde:
Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohlauf, der Bräut’gam kommt! Steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja!
Macht euch bereit zu der Hochzeit; ihr müsset ihm entgegengehn!
2. Zion hört die Wächter singen; das Herz tut ihr vor Freude springen;
sie wachet und steht eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig;
ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna!
Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl.

Der Predigttext steht im  Matthäusevangelium, Kapitel 25, Verse 1 -13.
Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. 
Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zu den Händlern und kauft für euch selbst. Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. 
Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde. 

Predigt:
Gott schenke uns ein Herz für sein Wort und ein Wort für unser Herz. Amen

Liebe Gemeinde, vertraut ist sie mir die Paradiespforte des Magdeburger Domes. Ich trete neben dem Barlachdenkmal mit den brennenden Kerzen im Dom durch eine sehr schwere große Holztür nach draußen. In einem kleinen Raum der zum Domplatz durch ein schön gestaltetes Gitter getrennt ist. Jedes Mal macht es mir mühe diese große schwere Tür
 zu öffnen. Ich trete heraus, drehe mich um, hebe meinen Blick und dann schauen sie mich an, die klugen Jungfrauen auf der einen Seite und die törichten auf der anderen Seite. Filigran aus Stein geformt.
Ich blicke in fröhliche, erhabene Gesichter und aufrechtstehende junge Frauen auf der einen Seite des Portals.
Und ich blicke in weinende, enttäuschte und verzweifelte Gesichter voller Tränen auf der anderen Seite des Portals.
In den Gesichtern der jungen Frauen spiegeln sich die Freude und der Schmerz.
Die Freude für die einen, dass sich das Warten gelohnt hat, dass das Öl für die Zeit des Wartens und der Ungewissheit gereicht hat, dass das Fest doch noch gefeiert werden konnte, dass sich die Tür zum Festsaal geöffnet hat und sie eintreten durften.
Und der Schmerz für die anderen, die vor der verschlossenen Tür stehen bleiben müssen, zu spät sind, wirklich zu spät, sie können nichts machen und sie haben nichts anders als ihre Tränen, Selbstvorwürfe und viele Fragen: Warum war ich nicht ausreichend vorbereitet und habe das Öl vergessen. Warum wurden wir nicht hineingelassen. Wir hatten dann das Öl doch noch geholt! Warum haben uns die anderen eigentlich nichts abgegeben von ihrem Ölvorrat?
Liebe Gemeinde, für die törichten Jungfrauen mag es sich so angefühlt haben, wie wir uns fühlen, wenn der Tod in unser Leben tritt. Dann  schließt sich auch eine Tür unwiderruflich. Manchmal ganz erbarmungslos, von einer Minute auf die andere. Und so sehr wir es uns wünschen, davon träumen, wütend sind, schreien möchten und an dieser Tür rütteln, der Verstorbene, die Verstorbene sie kommen nicht mehr wieder.
Und wir bleiben vor diesem Verlust hilflos stehen, wie vor einer Tür, die ins Schloss fällt und sich nie wieder öffnen wird. Mit dem Gefühl, ab jetzt findet das gute Leben woanders statt.
Das eigene ist zutiefst verwundet, vieles ist in Frage gestellt, jeder Tag kostet einen so viel Kraft, den Weg ins Leben wieder zu wagen. Ob das Lachen jemals zurückkommt?  Man kann es sich in der Situation der tiefen Trauer nicht vorstellen.
Früher hat man den Magdeburger Dom durch diese Paradiespforte betreten. Es war die Eingangstür. Man trat durch die Tür und rechts und links wachten die klugen und törichten Jungfrauen an ihren Plätzen.
An der Schwelle vom Domplatz eintretend in eine riesige gotische Kathedrale werden wir an dieses Gleichnis erinnert. Und heute am Toten-und Ewigkeitssonntag. Jesus erzählt es in seiner Rede vom Ende der Welt. Große Bilder werden gemalt, die existentielle Fragen berühren. Er verbindet seine Botschaft mit Alltagserfahrungen der Menschen, die ihm zuhören. Im Gleichnis heute erzählt er von einer Hochzeit, bei der die jungen Frauen eine spezielle Funktion hatten. Ihnen fiel die Aufgabe zu, im Dunkeln für Beleuchtung zu sorgen, denn Straßenlaternen gab es noch nicht. Da man bei diesen Anlässen nie genau wusste, wann der Bräutigam tatsächlich eintrifft, sollten die 12-15-jährigen Mädchen warten und seinen Weg beleuchten, falls er in der Nacht käme.  Diese Situation bildet den Hintergrund der Geschichte.
Doch es dauert und dauert und nichts passiert. Alle 10 Mädchen werden müde und schlafen ein.
Als dann endlich der Ruf erschallt, „Da! Der Bräutigam! Macht euch auf, geht ihm entgegen!“ ist der entscheidende Moment gekommen. Und alles entscheidet sich dann an der Frage wieviel Öl jede mitgenommen hat.
Liebe Gemeinde, ich stehe noch einmal im Dom in Magdeburg an der Paradiespforte. Das „Dazwischen“ hindurch gehen, durch die Pforte die durch die klugen Jungfrauen auf der einen Seite und törichten auf der anderen Seite gerahmt ist, das finde ich ein gutes Bild für unsere Geschichte. Weil niemand von uns nur klug und töricht ist.
Weil kein Leben nur im Fest- oder Trauermodus stattfindet. Und weil ich auch nicht daran glaube, dass Gott oder Jesus uns die Tür vor der Nase zuschlägt, auch dann nicht, wenn wir nicht so klug gehandelt haben. Natürlich kann man die Geschichte auch als eine Gerichtsgeschichte verstehen. Und so ist sie viele  Jahre verstanden worden.
Aber vielleicht erzählt dieser Gedanke mehr von uns Menschen als von Gott und von unserem Bild von Jesus. Von unserem Wunsch nach der Einteilung in Gut und Böse, und Falsch und Richtig in unserem Leben.
Ich lese in der Geschichte besonders eine Aufforderung an uns, ein wachsames Leben zu führen. „Bleibt also wach!
sagt Jesus am Schluss des Gleichnisses. Was kann das heißen?
Die Geschichte von den klugen und törichten Jungfrauen, erzählt etwas darüber bewusst und wach zu leben.
Einmal: Im Hier und Jetzt. Ganz in diesem Leben mit all seinen Herausforderungen und Ungerechtigkeiten.
In diesem Leben, in dem manche Tür einfach verschlossen bleibt, weil der Tod sie zugeschlagen hat, weil jemand, mit dem man so gerne mal über alles reden würde, jeglichen Kontakt ablehnt, weil ein Lebensabschnitt unwiderbringlich
zu Ende geht.
Wachsam bleiben in diesem Leben, in dem die, die sich immer gut vorbereitet haben, nicht bereit sind, den etwas chaotischeren und unverplanten etwas von ihren Ressourcen abzugeben, damit am Ende die Tür für alle offen bleibt.
Wachsam bleiben und das vielleicht anfragen, um Hilfe bitten und selber in einer ähnlichen Situation zum Teilen
und zum zusammen überlegen was man macht, bereit sein.
Wachsam sein in diesem Leben, in dem wir gewahr sein müssen, dass unsere kostbare Lebenszeit nicht allein in unseren Händen liegt, und wir nicht wissen wieviel Lebenszeit uns geschenkt sein wird.
Jesus erzählt mit diesem Gleichnis, aber auch von dem Fest, das auf uns wartetEine neue Zeit, ein neuer Himmel,
eine neue Erde. Dann, wenn unser Leben zu Ende geht, aber auch schon jetzt hier auf unserer Erde.
Er lädt Menschen dazu ein, noch mehr zu sehen. Nämlich das, was Gottes Willen entspricht.
Das, was er Reich Gottes nennt. Mit der Geschichte provoziert er uns darüber nachzudenken. Wie wäre eine Welt,
in der an alles gedacht ist, genug Öl für alle Lampen, jede, jeder ist aufmerksam, denkt mit. Vorwürfe stehen nicht im Vordergrund, sondern man überlegt zusammen, wie man eine Situation gut werden lassen kann. Damit die Türen möglichst offen sind, für jeden, für jede der/die zum Fest kommen möchte.
Damit weckt Jesus eine Sehnsucht, dass das Leben anders sein kann. Er weckt die Sehnsucht nach dem Reich Gottes, nach einer anderen und neuen Welt. Er ermutigt Menschen dazu, und er gibt ihnen selbst ein gutes Vorbild.
Jesus teilt, denn es ist genug für alle da. Jesus vergibt, denn jede und jeder kann neu anfangen. Jesus sieht genau hin, er hört zu und fragt nach. Jesus tröstet und hält den Schmerz aus. Jesus lebt, wie das Miteinander gut sein kann.
Er öffnet die Türen, die wir uns oft schon gegenseitig vor der Nase zugeschlagen haben.
Vielleicht haben Sie bei ihrem persönlichen Abschiednehmen müssen, etwas davon erlebt. Dass sie bei allem Schmerz und aller Traurigkeit auch tröstliche Erfahrungen gemacht haben oder eine besondere Nähe erlebt haben in der Familie, unter den Freunden, bei der Begleitung am Sterbebett. Dass es Gesten gab, die sie nicht erwartet haben und die sie getragen haben durch manchen dunklen Tag.
Das da jemand war, der die Traurigkeit mit ihnen geteilt und ausgehalten hat. Dass Gott nah und spürbar war und dass es gut getan hat zu wissen, dass ihr Glaube, vielleicht auch die Gemeinde sie durch diese Zeit begleiten und tragen kann
Seid wachsam, sagt Jesus überseht das nicht in all euer Trauer. Lasst euch daran erinnern, wenn ihr es gerade selber nicht sehen könnt. Es ist trotzdem da. Lasst euch die Hoffnung nicht nehmen, dass Gott unsere Tränen abtrocknet,
dass ein anderes Miteinander von Menschen möglich ist.
Die Kerzen, die wir heute für unsere Verstorbenen entzünden werden, weisen über den Moment hinaus.
Es sind Hoffnungslichter in der Dunkelheit der Tage. Sie leuchten von der Erde in den Himmel, aus der Zeit in die Ewigkeit. Und vom Himmel scheint seine Ewigkeit auch immer wieder in das Dunkel und die manchmal nicht ganz einfach Lebensrealitäten unseres Alltags. Seid wachsam, überseht das nicht, seine neue Welt, wächst auch immer wieder unter uns.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 Miteinander und füreinander beten:
Zu dir wenden wir uns, Gott.

Wir sehnen uns nach Leben, gerade wenn Tod und Trauer uns drücken.

Wie viel Traurigkeit ist da, wenn wir an unsere Verstorbenen denken,
viele Tränen, viele zerstörte Hoffnungen,
Fragen, die keiner beantworten kann und Leid, das die Kräfte lähmt.

Und daneben sind wir dankbar für gemeinsam Erlebtes,

für empfangene Liebe und für glückliche Tage.

Manchmal auch erleichtert nach überstandenen Qualen.

Komm, du Geist des Lebens,
guter Gott, nimm unsere Erinnerungen in dich auf;

Tröste die Trauernden, stärke alle, die wieder Fuß fassen müssen im Leben.

Zu dir wenden wir uns Gott.

Wir denken heute besonders an die Menschen,
die durch Hunger, Gewalt und Krieg sterben mussten.

Wir legen sie dir ans Herz.

Stärke uns, um auf dem Weg des Friedens und der Gerechtigkeit zu bleiben.

Komm Gott, sammle unsere schweren Herzen

und richte sie auf durch deinen Sohn Jesus Christus.

Mit seinen Worten beten wir:Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, 
wie im Himmel,  so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 
Segen:
Es segne und behüte dich Gott, der Allmächtige und Barmherzige,
der Vater, der Sohn und der heilige Geist.
(G. Ortmann)