Palmarum 2021

  • Eröffnung

Dein König kommt in niedern Hüllen, so beginnt das Wochenlied für diesen Sonntag. Sein Königtum können wir Jesus nicht ansehn. Das sich darin die besondere Kraft Gottes entfaltet, ist der Kerngedanke des Sonntags Palmarum. Reihen wir uns also ein in den Zug der Menschen, die diesen König begrüßen.

  • Ein Lied: „Dein König kommt in niedern Hüllen“ (EG 14)

1) Dein König kommt in niedern Hüllen, ihn trägt der lastbarn Es’lin Füllen,
empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenspalmen,
bestreu den Pfad mit grünen Halmen; so ist’s dem Herren angenehm.

2) O mächt’ger Herrscher ohne Heere, gewalt’ger Kämpfer ohne Speere,
o Friedefürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren
den Weg zu deinem Throne sperren, doch du gewinnst ihn ohne Schlacht.

3) Dein Reich ist nicht von dieser Erden, doch aller Erde Reiche werden
dem, das du gründest, untertan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten
zieht deine Schar nach allen Orten der Welt hinaus und macht dir Bahn.

4) Und wo du kommst herangezogen, da ebnen sich des Meeres Wogen,
es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommst, dass auf empörter Erde
der neue Bund gestiftet werde, und schlägst in Fessel Sünd und Tod.

5) O Herr von großer Huld und Treue, o komme du auch jetzt aufs Neue
zu uns, die wir sind schwer verstört. Not ist es, dass du selbst hienieden
kommst, zu erneuen deinen Frieden, dagegen sich die Welt empört.

6) O lass dein Licht auf Erden siegen, die Macht der Finsternis erliegen
und lösch der Zwietracht Glimmen aus, dass wir, die Völker und die Thronen,
vereint als Brüder wieder wohnen in deines großen Vaters Haus.

  • Worte aus Psalm 69

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

Denn um deinetwillen trage ich Schmach,
mein Angesicht ist voller Schande.
Ich bin fremd geworden meinen Brüdern
und unbekannt den Kindern meiner Mutter;
denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen,
und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.

Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Gott, deine Hilfe schütze mich!

  • Aus dem Brief an die Hebräer, Kapitel 11 und 12

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.
Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

  • Anfänger und Vollender des Glaubens – Gedanken zum Text

Ich glaube nur an das, was ich sehe. Diesen Satz höre ich oft. Er ist anscheinend Allgemeingut im Denken vieler Menschen. Philosophisch wird diese Überzeugung Empirismus genannt. Was ich sehen, fühlen und beobachten kann, notfalls auch durch ein Mikroskop, dem lege ich eine besondere Bedeutung für das Wissen und den Wissenszuwachs bei. Insbesondere der Naturwissenschaft wird viel geglaubt. Sie punktet mit Voraussagen, die sich in zahlreichen technischen Anwendungen bewährt haben. Dass ich beispielsweise mit meinem Handy auf der ganzen Welt telefonieren kann, verdankt sich auch der allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins. Sie liefert genaue Formeln für die Bewegung in Raum und Zeit. Das ist beeindruckend und überzeugend. Ich selbst verstehe es nicht, aber es funktioniert. Deshalb glaube ich daran.
Im Hebräerbrief lese ich von einem anderen Glauben. Ein Glaube, ein Gottvertrauen, dass eben nicht auf sichtbaren Dingen beruht. „Ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Ob dieser Glaube sich bewährt, bleibt meinen Sinnen entzogen. Ich kenne keine technische Anwendung oder irgendeine Anleitung, die mir vor Augen führt, dass dieser Glauben an Gott wahr und richtig ist. Er ist nicht empirisch. Er nützt mir nichts. Zumindest nicht unmittelbar. Dennoch halte ich an ihm fest.
Aus gutem Grund. Der Hebräerbrief führt die „Wolke der Zeugen“ an. Sie umfasst die Erfahrungen jener Mütter und Väter des Glaubens, die in den Schriften des Alten und Neues Testamentes aufgeführt sind. „In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.“ Von Abraham angefangen, dem Vater des Glaubens, bis hin zu Christus, der den Zug der Glaubenden anführt. Gegen den Augenschein vertraut er Gott und geht durch Leiden und Tod. Die Menschen, die ihn bei seinem Einzug nach Jerusalem mit Palmen begrüßen, sind Zeugen diesen Glaubens.
Aber ist es nicht viel überzeugender ein Handy in der Hand zu halten als eine Bibel? Auf den ersten Blick scheint es so und diese Ansicht teilen – wie gesagt – viele Menschen. Gerade in der gegenwärtigen Krise hoffen wir auf den Erfolg und die Wahrheit naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. Aber auch diese Expertinnen streiten miteinander. Wem soll ich also letzten Endes glauben?
Ich habe eine andere Form von Erfahrung – oder philosophisch könnte ich auch sagen, eine andere Form der Empirie – kennengelernt. Im Gespräch mit Glaubensschwestern und -brüdern fühle ich eine nicht sichtbare Kraft, die diesen Menschen Hoffnung gegeben hat. Ich fühle, dass uns etwas Himmlisches miteinander verbindet. Es sind oft keine großen Geschichten. Sie taugen nicht für Ruhm und Reichtum. Damit kann ich keinen Auftritt im Fernsehen oder einen wissenschaftlichen Aufsatz bestreiten. Sie wirkt aber in einer Weise, die in mir Dankbarkeit und Zuversicht weckt. In diesem Leben und über dieses Leben hinaus. Sie weckt in mir ein Grundvertrauen, mit dem ich getrost und mutig nach Wahrheit und Hilfe suchen kann – mit dem Herzen und der Wissenschaft. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Miteinander in deiner Kraft, Gott,
teilen wir die Geduld,
auf dieser Erde,
jeder Mensch nach seinem Vermögen,
für Frieden und das Wohlergehen aller zu sorgen.

Miteinander in deiner Kraft, Gott,
teilen wir den Mut
in dieser Welt,
dem Hass und Streit, der Gier und Gedankenlosigkeit
entgegenzutreten und deine Liebe in uns weiter zu tragen.

Miteinander in deiner Kraft, Gott,
teilen wir den Glauben
in diesem Leben und darüber hinaus,
auf dich zu vertrauen und dem Kummer
und der Not für uns und unseren Nächsten zu wehren.

In deinem Glauben beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

NÄHER ALS DU DENKST

Ein Beitrag zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

PESSACH – beziehungsweise – OSTERN

Jüdinnen und Juden feiern zu Pessach die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, Christinnen und Christen zu Ostern die Auferstehung Jesu vom Tod. Gott befreit und erlöst. Auch heute. Halleluja!

Judika 2021

  • Eröffnung

Voller Sehnsucht richten wir den Blick auf das Kreuz Jesu. Sein Leiden wird uns zum Bild für unser Leben und seine Erlösung. Amen.

  • Ein Lied: EG97 Holz auf Jesu Schulter (EG 97)

1 Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2 Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

3 Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht! Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

4 Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

5 Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du? Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

6 Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

  • Worte aus Psalm 46

Schaffe mir Recht, Gott, /
und führe meine Sache wider das treulose Volk
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich drängt?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten
und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes, /
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

  • Text aus Hiob 19,19-27

Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

  • Ich weiß, dass mein Erlöser lebt – Gedanken zu den Worten aus dem Hiobbuch

Die Holztafel hängt in einer Dorfkirche. Mein Blick fällt auf Worte, die dort in das Holz geschnitten wurden: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Darüber sind die Strahlen einer aufgehenden Sonne dargestellt. Und in den Kreis der Sonne sind viele Namen geschrieben. Namen der gefallenen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die aus diesem Dorf stammten. Die Tafel irritiert mich. Ich kann der Erinnerung an die Verstorbenen gut folgen. Das biblische Wort jedoch erscheint mir deplatziert. Wird die Hoffnung des leidenden Menschen auf Erlösung unter dem Licht der Sonne nicht missbraucht für diesen verbrecherischen Krieg? Eine weiterer Gedanke bewegt mich. Eine Familiengeschichte. Auch einer meiner Großväter hat in diesem Krieg gekämpft. Was ich darüber gehört habe, kommt den Worten des Hiobs nah. „Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon.“ Ganz ähnlich ist auch die Geschichte meines Vorfahren. Das nackte Leben hat er davongebracht und konnte wieder heimkehren. Er hatte sich geschworen, sein gerettetes Leben dem Dienst an Gott zu widmen und wurde nach dem Krieg Pfarrer. „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen.“ Meine Familiengeschichte und die Namen der Männer auf der Tafel erhalten so eine enge Verbindung. Schuld und Erlösung, Gehorsam und Rettung, Kampf und der ersehnte Frieden werden zu einem Thema.
Am Sonntag Judika bedenken wir das Leid Jesu Christi. Er übte Gehorsam bis in den Tod. Sein Bild am Kreuz steht dem Bild des leidenden Hiob gegenüber. Und dem Bild der leidenden und gestorbenen Soldaten. Der Unterschied dieser Bilder liegt in den jeweils dazugehörigen Geschichten. Jesus folgt dem Willen des Vaters. Hiob folgt einem Plan Gottes, den er nicht verstehen kann. Er weiß nur, dass sein Leid von Gott herrührt. „Die Hand Gottes hat mich getroffen!“ Das Leid der Soldaten rührt aber her von einer grausamen Politik, die nichts zu tun hat mit der Botschaft Jesu und der Sehnsucht Hiobs.
Wenn ich an den Weg Christi denke, spiegelt sich darin das Leid Hiobs und das Leid der Menschen im Krieg wieder. Das ist das Bild dieser Welt. Es ist nicht das Bild der Schöpfung. Gott führt mir vor Augen, dass die Welt oft so ist, wie sie im Gedanken der Schöpfung nicht gemeint war. Deshalb sehnt sich Hiob nach Erlösung und sehnt sich nach der Nähe Gottes, die ihm das wahre Antlitz der Schöpfung zeigt. Deshalb geht mein Großvater seinen Weg und dient viele Jahre für die Gemeinde Christi. Deshalb wird Christus das Kreuz überwinden und sich „aus dem Staub erheben“.
„Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.“ Das Leid der Welt ist noch immer nicht verschwunden. Aber die Welt ist als die gute Schöpfung auf dem Weg dahin. Das darf ich nicht vergessen, darauf will ich hoffen, daran will ich glauben. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Gott,
wir sehnen uns nach Frieden auf dieser Welt.
Das Leid deiner Geschöpfe wird in Kauf genommen,
um Politik zu machen.
Pflanze die Sehnsucht nach Frieden in die Herzen der Mächtigen.

Gott,
wir sehen uns nach Vertrauen in dieser Welt.
Angst und Mißgunst prägen das Miteinander,
um Ansehen zu gewinnen.
Pflanze die Sehnsucht nach Vertrauen in die Herzen deiner Gemeinde.

Gott,
wir sehen uns nach einem liebevollen und erfüllten Leben.
Durchkreuzt wird es aber durch Krankheit und Traurigkeit.
Es ist schwer, darüber hinwegzukommen.
Pflanze die Sehnsucht nach Liebe in das Herz der Verzweifelten.

Gott,
wir sehnen uns nach dir.
Wir sehnen uns nach Erlösung von den Schrecken der Welt,
die wir selbst mit verursachen.
Pflanze die Sehnsucht nach deinem Sohn Jesus Christus in unsere Herzen.

Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

Lätare 2021

  • Eröffnung

Wir richten uns auf und lassen den Blick schweifen. Über das Dunkel der Welt hinaus. Voller Sehnsucht nach der Liebe und der Herrlichkeit Gottes, die uns stärken möge. In Lied und Wort, mit Gedanken und Gebet machen wir uns auf den Weg.

  • Ein Lied: „Korn, das in die Erde“ (EG 98)

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

  • Aus Psalm 84

Wie lieblich sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;
Mein Leib und Seele freuen sich
in dem lebendigen Gott.
Der Vogel hat ein Haus gefunden /
und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen –
deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.
Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;
die loben dich immerdar.
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten
und von Herzen dir nachwandeln!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, /
wird es ihnen zum Quellgrund,
und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern
und schauen den wahren Gott in Zion.
HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet;
vernimm es, Gott Jakobs!
Gott, unser Schild, schaue doch;
sieh an das Antlitz deines Gesalbten!
Denn ein Tag in deinen Vorhöfen
ist besser als sonst tausend.
Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause
als wohnen in den Zelten der Frevler.
Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; /
der HERR gibt Gnade und Ehre.
Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.
HERR Zebaoth, wohl dem Menschen,
der sich auf dich verlässt!

  • Evangelium nach Johannes 12,20-24

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus.
Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

  • Jesus zögert nicht: Gedanken zum Johannesevangelium

Das Bild ist bestechend. Wie ein toter Mensch in sein Grab wird das Weizenkorn in die Erde gelegt. Aber es zerfällt nicht wie eine Leiche. Aus dem Dunkel wächst der Keim des Korns dem Licht des Himmels wieder entgegen. Schließlich trägt die Pflanze neue Weizenkörner, dienend zur Nahrung und zur Vermehrung.
Für den Naturwissenschaftler ist das kein Wunder, aber doch ein erstaunlicher Vorgang. Das Bild sagt: Das Vergraben des Weizenkorns ist keinesfalls das Ende sondern der notwendige Beginn neuen Lebens. Jesus sagt: Das wird auch mein Weg sein. Seine Botschaft geht aber über das „Naturwunder“ hinaus. Sein „Wachstum“ aus dem Dunkel geschieht nicht zwangsläufig nach den Gesetzen der Natur sondern nach dem Willen Gottes. Jesus sagt: Der Menschensohn werde verherrlicht. Er lässt seine Menschennatur hinter sich. Er legt sie in die Erde, insofern er von Gott als der Seine erkannt und angenommen wird. Aus dem Dunkel der Erde und dem Leid der Welt findet er seinen Weg in die Herrlichkeit Gottes. Und bleibt damit nicht allein. Er bringt viel Frucht.
Mit dem Bild von der vielfältigen Frucht wendet sich Jesus direkt an jene, die nach verlässlicher Botschaft suchen. Wer kann uns Hoffnung geben, sagen die Griechen, die in diesem Landstrich fremd sind. Sie suchen in der Fremde, was sie bei sich selbst nicht finden können. Sie tasten sich heran. An Jesus. Warum gerade er, wird im Bibeltext nicht verraten. Sie wenden sich an Philippus, der aus Betsaida in Galiläa kommt. Einer, der dem Galiläer Jesus näher steht. Und dieser wendet sich wiederum an Andreas, wohl ein Jünger Jesu. So finden sie Jesus, der sie mitnimmt in sein Bild vom Weizenkorn und seine Rede von der Verherrlichung in Gott. Er gemeindet sie ein und macht sie zu Vertrauten, zur vielfältigen Frucht. Sie sind Teil der reichen Frucht seines Todes und seiner Auferstehung, die er im Bild vom Weizenkorn voraussagt.
Sonntag Lätare gewährt mir diese frohe Botschaft mitten in der Leidenszeit. Wie fremd mir die gute Botschaft auch sein mag; der Weg dahin führt über jene Menschen, denen das Wort Gottes schon näher ist. Ein Philippus, eine Andrea sind gute Wegweiser. Sie nehmen mich mit. Ich traue ihrer Erfahrung und ihrer Güte. Der Zeitpunkt jedenfalls ist günstig. Die Stunde ist gekommen. Jesus zögert nicht. Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander

Herr im Himmel,
worauf warten wir?
Was lässt uns zögern?
Weise uns den Weg zu einem sanftmütigeren Leben.
Weise uns den Weg für ein vertrauensvolles Miteinander.
Weise uns den Weg zur deiner Herrlichkeit.
Mache uns zu Vertrauten deiner Botschaft.
Mache uns zu Boten deiner Herrlichkeit.
Mache uns zum Nächsten jener, die uns brauchen.
Im Namen Jesu. Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen

Gott segne uns. Er stärke uns
in der Liebe zu den Menschen
und aller Kreatur. Er beschütze uns
auf unseren Wegen durch die Zeit.

(Pfr. Olaf Wisch)

NÄHER ALS DU DENKST.

Ein Beitrag zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

Im Anfang war das Wort.

Jeden Sonntag wird aus der Bibel gelesen.

Jeden Schabbat auch.

Im Judentum und im Christentum gibt es verschiedene Traditionen der Auslegung.

Sie erstaunen, sind manchmal widersprüchlich und ergeben einen Vielklang.

Ein gemeinsamer Schatz!

Okuli 2021

  • Eröffnung

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lk 9,62) Mit Lukas richten wir den Blick auf das Reich Gottes. Wir richten uns aus an Gottes Wort. Leidenschaftlich suchen wir miteinander nach Gottes Segen für uns und unsere Mitmenschen.
AMEN.

  • Ein Lied: „Jesu, geh voran“ (EG 391)

1) Jesu, geh voran
auf der Lebensbahn!
Und wir wollen nicht verweilen,
dir getreulich nachzueilen;
führ uns an der Hand
bis ins Vaterland.

2) Soll’s uns hart ergehn,
lass uns feste stehn
und auch in den schwersten Tagen
niemals über Lasten klagen;
denn durch Trübsal hier
geht der Weg zu dir.

3) Rühret eigner Schmerz
irgend unser Herz,
kümmert uns ein fremdes Leiden,
o so gib Geduld zu beiden;
richte unsern Sinn
auf das Ende hin.

4) Ordne unsern Gang,
Jesu, lebenslang.
Führst du uns durch rauhe Wege,
gib uns auch die nöt’ge Pflege;
tu uns nach dem Lauf
deine Türe auf.

  • Worte aus Psalm 34

Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten
und seine Ohren auf ihr Schreien.
Das Antlitz des Herrn steht wider alle, die Böses tun,
dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.
Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr
und errettet sie aus all ihrer Not.
Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,
und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
Der Gerechte muss viel leiden,
aber aus alledem hilft ihm der Herr.
Er bewahrt ihm alle seine Gebeine,
dass nicht eines von ihnen zerbrochen wird.
Den Frevler wird das Unglück töten,
und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld.
Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte,
und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

  • Worte aus Epheser 5,1-9

So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.
Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört, auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung.
Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes.
Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen.
Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

  • Gedanken zum Epheserbrief

Als ich Vater wurde, habe ich es absichtlich vermieden, einen der zahlreichen Elternratgeber zu lesen. Ich wollte mich nicht von den vielen Worten verwirren lassen, wie es am besten gelänge, meinen Kindern Geborgenheit und Selbstständigkeit zu geben. Kurz: das Gefühl zu vermitteln, ein geliebtes Kind zu sein.
Der Epheserbrief benennt die Früchte gelungener Elternschaft: Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. In der Elternschaft Gottes ist damit der Rahmen vorgegeben. Ich bin sein geliebtes Kind und aus seiner Liebe erwachsen die Eigenschaften, die ein Leben voller Licht ermöglichen. Gerne würde ich es dabei belassen. Darauf vertrauen. Danach leben.
Leider aber steht der Liebe Gottes und ihren Früchten eine Welt gegenüber, die – mit den Worten der Bibel – von Unzucht, Unreinheit und Habsucht durchsetzt ist, garniert von schändlichem Tun und närrischem oder losen Reden. Es ist leicht, all das auch in der heutigen Zeit wiederzufinden. Die Welt ist voll von sexualisierter Werbung, Missbrauch und sexistischer Pornographie. Voll von allen Arten von Unreinheit, die ein friedvolles und gesegnetes Leben beschmutzen mit Krieg, Gewalt, Konsum und einer unendlich scheinenden Menge von Worten und Bildern in den Medien. Die kaum Platz lassen für Sanftmut und Nächstenliebe. Voll von der Habsucht, die nach immer mehr verlangt, ohne je Zufriedenheit zu erreichen. Die Coronakrise ist in ihrer Frag-Würdigkeit nur ein Beispiel dafür: Habe ich mit besten Wissen und Gewissen geprüft, ob ich so denke und handle, wie es mir und der Situation angemessen ist? Kann ich mich von den Ansprüchen der Bilder und Worte frei machen und mich ernsthaft prüfen, wie ich gütig, gerecht und wahrhaft rede und handle?
Gottes Zorn scheint in dieser Welt unvermeidlich zu sein. Der Epheserbrief verrät, dass er durch den Götzendienst hervorgerufen wird, der eben in Unzucht, Unreinheit und Habsucht Gestalt gewinnt. Dagegen setzt der Apostel den gottgefälligen Wandel in Dankbarkeit, Liebe und Licht. Das Wort Wandeln deutet an, wie das gelingen kann. Ich löse mich von dem, was mich bindet an die – zugegeben – verführerischen Bilder und Worte und Dinge, und werde beweglich. Ich kann auf eigenen Füßen stehen und gehen. Ein gütiger, gerechter und wahrer Lebens-Wandel ist (wieder) möglich. Denn ich bin reich beschenkt durch die Liebe Gottes und das Licht Jesu. Die kann mir nichts und niemand nehmen. Sie sind stärker als die verführerischen Passionen der Welt.
Traue ich dem Licht und der Liebe Gottes? Das ist eine tägliche Herausforderung. Ob ich ohne Ratgeber gute Elternschaft geübt habe? Das wird sich früher oder später erweisen. Jedenfalls bin ich dankbar für die lichten und liebevollen Momente mit meinen Kindern und mit Gott.
Amen.

  • Ein Gebet miteinander und füreinander im Lied

Gott,
wir bitten dich um dein Licht für diese Welt,
dass an das Licht tritt, was deiner Schöpfung
zuwiderläuft, und die Wege sichtbar werden,
zu einem friedvollen und segensreichen Leben.

Gott,
wir bitten dich um deine Liebe für uns,
dass sie uns trage in unserem Reden
und in unserem Tun, und Liebe werde
im Dienst für unsere Mitmenschen.

Gott,
wir bitten dich um Dankbarkeit,
für das, was uns am Leben erhält,
was uns Nähe und Freiheit schenkt,
für dein Wort, dass unser Herz bewegt.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

  • Segen (nach 5. Buch Mose 31,6)

Seid mutig und stark!
Habt keine Angst, und lasst euch nicht von ihnen einschüchtern!
Der Herr, euer Gott, geht mit euch.
Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich!
Amen.

(Pfr. Olaf Wisch)